Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 50 (22.12.1933)
- Date
- 1933-12-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE PRESSE. Nr. 50 ä^aaa^aaaaataiaaaaaaaaaaaaMiBi1MagB1ätfa1aasBittaatoaaaaa6aäaia^^ -;..^-•.v-:;!- ד■; - -- Die nächste Nummer der ״Jüdischen Presse“ erscheint wegen der. gesetzlichen Feiertage erst am 5. Jänner 1934 wieder in verstärktem Ütn* fange*: Die DatiptgeschäftsCieile* +***ר*ךו-■ ■׳.״■ ׳■■■-״■■—-• .--;■י....-*-■, .. .. Tragödie des Misrachi. Unter diesem Titel haben wir vor Vier Wochen ein Referat des Misrachiführers Rabbiner A m i e i Zitiert, ih welchem dieser das Fiasko des Misrachi klar zugibt und in welchem das schändliche, antireligiöse Treibett zionistischer Kreise auf gedeckt Wird, die Vom Misrächi durch Seine!Zugehörigkeit 2ur Zionistischen Organisation gestützt wurden und werden. Meute veröffentlichen wir den Auszug eines Artikels eines führenden zionistisehen Organs in Warschau, der schon deshalb besonderes Interesse verdient, weil er einmal von zionistischer Seite das Unaufrichtige, scheinheilige -D op p e 1־ s p i ei des Misrachi auf zeigt. Der ״Baderech" schreibt in einer seiner jüngsten Nummern: ״. . . Glaubt der Misrachi wirklich, daß die Oeffent- Üchkeit sich von ihm zum Narren halten lassen und daß die Jüdische Oeffentlichkeit ihm nicht die Frage stellen wird: Was ist so plötzlich ' geschehen? Bis zum 18. Zionistenkongreß, solange Herr Farbstein der Exekutive angehört hat, war dem Misrachi alles recht, ״koscher w'joscher" selbst für ״Mhadrin min-Hämhadrin“; jetzt, nachdem Herr Farbstein seinen Sitz räumen mußte, ist die ״Gedu 1 d“ des Misrachi gerissen, jetzt ״bemerkt“ er , alle Chatoim, jetzt kann er gar nicht mehr warten, bis die Linken Tschüwoh tun . . . . . . Die verständigen Mitglieder der misrachistischen Parteien sehen aber klar, daß nicht Jiras- Häschern die Stellungnahme der misrächistischen Führer bestimmt, sondern die Tatsache, daß Farbstein aus bestimmten Gründen (! Red.) aus der Exekutive entfernt wurde. Die Tschüwoh, die ״Rückkehr“, die der Misrachi erstrebt, ist nicht die Rückkehr der Linken zu G-tt und seiner Thora, sondern die Rückkehr FarbsteIns׳ in ״Amt und Würden“. Dann wird der Misrachi wieder sein ״Vertrauen“ der ״schließlichen Rückkehr der Histadruth zur jüdischen XJeberlieferung“ entgegenbringen.“ * . יי..‘•. Dieser Artikel wird gewiß nicht verfehlen, ein wenig Licht in die trüben politischen Geschäfte des Misrachi zu bringen und auch jenen wirklich ehrlichen Jehudim die Augen zu öffnen, die dem Misrachi oft blinde Gefolgschaft leisteten. Wir. geben die Hoffnung nicht auf, daß schließlich ernste, gutgewillte, von G-ttes- .furcht beseelte Misrachisten — wir zweifeln nicht, daß es deren gibt — doch zur besseren Einsicht kommen und den für religiöse Juden einzig möglichen Weg ibeschreiten werden, der, zur Zusammenfassung a 11 er thoratreuen Juden unter dem (Banner der Thora führt. Es ist der Weg der Agudas Jisroel. T. SESSEL, Tische, Lotterbellen Spezialwerkstätte, Adler VH., Apollogasse 18, Tel. B-38-7-82. Aus Erez. Jisroel., jfOtm Bddeakäu£e durch 'Juden Werden Von der arabischen Tageszeitung ״Falastin“ gemeldet. In einem Bericht heißt es, eine jüdische GÄpjpe Käbe iÄ Sir, Distrikt Beer Sheba,10öd Dunam Zu elftem Ff und pro Dunam gekauft. Einem zweiten Bericht zufolge haben jüdische Kapitalisten aus Amerika 1200 Dunam südlich Von Jaffa von einer bekannten Mohammedanischen Familie aus Jaffa durch Vermittlung arabischer Grund■‘ stUckagenten erworben. ־׳. ׳ .׳•• * . ׳־ ■ In einer arabischen Frauenversammlung in Haifa wurde beschlossen, ausländische und jüdische Waren zu boykottieren und eine entsprechende Propaganda in der Gesellschaft und auf den Markt- Plätzen durchzüfUhren. In den arabischen Häusern wurden Sammelbüchsen aufgestellt und die Hausfrauen aufgefordert, monatlich mindestens 5 Schilling in die* Büchsen zu werfen. Von dem Erträgnis der Sammlung soll eine Leinenfabrik zur Beschäftigung arabischer Mädchen errichtet werden. # Der stellvertretende Direktor für Gesundheitswesen, Harkness, teilte der J. T. A. mit, die Regierung erwäge eine Einschränkung in der Lizenzerteilung für Aerzte. Von den 1043 Aerzten in Palästina sind 882 Juden. Die im Jahre 1933 erteilten Lizenzen für die ärztliche Praxis betrafen in der Hauptsache deutsch-jüdische Einwanderer. Am 30. November d. J. gab es in Palästina 1566 Aerzte, Zahnärzte und Pharmazeuten; das bedeutete eine Zunahme von 500 seit Ende 1932. Diese 500 sind alle Juden. * Im Jänner oder Februar 1934 sollen in Jerusalem die Wahlen zum Stadtrat durchgeführt werden. Das Stadtterritorium soll in zwölf Wahlbezirke eingeteilt werden, was zur Folge hätte, daß den Juden, die die Mehrheit der Gesamtbevölkerung bilden, die Möglichkeit genommen wird, eine ihrem Verhältnis'zur Gesamtbevölkerung entsprechende Zahl von Stadträten in den Magistratj zu entsenden. Distriktskommissär Campbell empfing eine Abordnung der Agudas Jisroel, die mit ihm Fragen der Gemeindewahlordnüng erörterte. Von der Ab- Ordnung wurde inoffiziell der Vorschlag gemacht, daß für die Besetzung des 'Bürgermeisterpostens von Jerusalem ein Turnus eingerichtet .werde, derart, daß älle fünf Jahre ein Angehöriger einer anderen Nationalität, resp. Konfession, zum Bürgermeister von Jerusalem bestellt werde. Es mögen der Reihe nach ein Engländer, ein palästinensischer Christ, ein Jude und ein Mohammedaner dieses Amt bekleiden. Der ״Haarez" schlägt vor, daß der Bürgermeisterposten durch einen vom High Commissioner zu ernennenden Engländer besetzt werden soll, dem zwei ..Vizebürgermeister, ein Moslem und ein Jude, attachiert werden sollen. ü! ״Haarez“ teilt.mit, der künftige Jerusalemer S t a d t r a t werde aus 6 Juden, 3 Moslims und 2 Christen, ferner aus 1 Vertreter eines gemischten moslemitischchristlichen Wahlkreises und aus 1 oder 2 Repräsentanten der ausländischen Einwohner zusammengesetzt sein. ׳ _ :י׳ # ■׳..־״;-. Dem Untersuchungsrichter Bodilly wurden 17 junge Leute,' ,Mitglieder des revisionistischen Jugendbundes, vorgeführt, die sich wegen ihrer Teilnahme an den Demonstrationen in Tel-Awiw zu verantworten haben. Alle Beschuldigten wurden vorläufig Billigste Preise, Zählungserleichterungen _____ — .... . ■ ,ץ י-■-. ■ ׳ : ׳ ■■■ ־׳..׳•-־ Lebensversicherungsf> UW M I V** Gegründet Gesellschaft I1W 11 IA 1882 AUS dem Jahresberichte 1932:. Versicherungsbestand . . . . . . . . . . , . . .... . . . . . . , . . 2728 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen . ... . . . . . ... . . . 179 Millionen Schilling Garantiemittel . . . . .... . . . ... . ... 527 Millionen Schilling , Auszahlungen an die Versicherten.. 60 Millionen Schilling! Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Cechoslovakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslawen, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. 0ftt •tfiSfiftfe 3eSC|1en|| 1 iii PteiS und Qualität / Öfatisböfatuflg durch erst « kläsSige Architekten / Beachten Sie die Adresse* Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Sehöftirä^Mitgiiedir gegen Kaution auf freiem Fuß beiaasen. Die. Verhandlung wurde auf den 27. Dezember Vertagt. Bis dahin wurde den Beschuldigten verboten, an politischen Versammlungen teilzunehmen. * , . יי' י.....׳ י. ,׳;׳. ׳ Bei der letzten Razzia auf illegal nach Palästina eingewanderte J u d e n wurden vier Personen, die aus Wien als Touristen nach Palästina gekommen waren, und der Leipziger Max Vogel verhaftet und sollen Wegen Ueberschreitung der ihnen gewährten Aufenthaltsfrist deportiert werden. Bis dahin . verbleiben sie im Gefängnis. Vogel, der achtzehn Monate in Palästina Weilte, ist der erste Jude aus Deutschland, der von Ausweisung betroffen Wird. Von den übrigen Verhafteten sind Alfred Duckler und Seine Gattin vor acht Monaten, Jakob Winter und Rudolf Fringer vor fünf Monaten nach Palästina gekommen. Alle Verhafteten hatten in Palästina Arbeit gefunden. * Die Führer der bürgerlichen jüdischen Parteien veröffentlichen ein Manifest, in welchem die Einschränkung der jüdischen Einwanderung und die Einsetzung eines Legislative Council als den gegebenen Versprechungen und dem Geiste des Mandats widersprechend verurteilt werden. In Jerusalem fand eine Protestversammlung gegen die Einwanderungsbeschränkungen und die unwürdigen ״Touristenjagden" statt. Die Konferenz des internatioaalen Emigrantenhilfswerks. Am 5. Dezember begann in Lausanne die Konferenz des Verwaltungsrates des internationalen Hilfs- Werks für Emigranten aus Deutschland. Nach dem '׳beschlossenen Statut soll in Lausanne ein ständiges Büro eingerichtet und eine fünfgliedrige Exekutive des Verwaltungsrates eingesetzt werden, die in seinem Namen dauernd tätig sein soll. — In der am 6. Dezember abgehaltenen öffentlichen ־ Sitzung hielt der Vertreter der englischen Regierung, Robert Ce eil of Chelwood, eine Rede, in der er die Ansiedlung jüdischer Emigranten als, das beste Mittel zur Lösung der Emigrantenfrage, die ein schweres soziales Problem darstelle, bezeichnete. Nach der Rede Lord Cecils hielten Vertreter der privaten Organisationen Begrüßungsansprachen an den Verwaltungsrat. In dem Bericht, den Hochkommissar James G. MacDonald erstattete, hob der Hochkommissär, nachdem er einen Ueberblick über die Zahl der Emigranten in den einzelnen Ländern gegeben und festgestellt hatte; daß etwa 86 Prozent der 60.000 Auswanderer .Tuden' sind, die bedeutenden Leistungen hervor, die die jüdischen Hilfsorganisationen auf dem Gebiet der Fürsorge für die Ausgewanderten vollbracht haben. Besondere Anerkennung verdiene die Tat- Sache, daß die jüdischen Verbände bei dieser Arbeit keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden gemacht . hätten. Der Verwaltungsrat genehmigte das 100.000 Dollar betragende Budget für das Büro des Emigrantenhochkommissärsr Dieser Betrag wird von den privaten Organisationen aufgebracht werden müssen. Am 8. Dezember wurde die Tagung geschlossen. In der Schlußsitzung, die allgemein zugänglich war, legten die Vertreter der einzelnen Regierungen ihren Standpunkt bezüglich der Unterbringung von Emigranten und der Hilfsarbeit für diese dar. Die Vertreter der europäischen Länder wiesen übereinstimmend darauf hin, daß diese Gebiete für weitere Emigranten nicht mehr aufnahmefähig seien, während der Delegierte Uruguays Niederlassungsmöglichkeiten in Südamerika andeutete. . Erzählung von S.Wiez. (Fortsetzung) * [26J Sie legte sich unausgekleidet auf das Bett und schloß die Augen.. Ihr Kopf brannte wie im Fieber, ihre Lippen waren trocken und zusammengepreßt. Sie sah die winzigen Flämmchen in die Messingleuchter versinken ... Jetzt flackerten sie noch einmal hell auf ’und erloschen dann ganz. Sie war wieder ein Kind und klammerte sich um der Mutter Hals. Samuel suchte sie'von diesem1 Platz zu verdrängen und schrie sie mit verzerrter Miene an: Verräterin! . . . Hier gibt es kein Kreuz zu küssen! . . . Entsetzt stieß die׳ Mutter sie von sich und sie fiel, fiel, immer tiefer, tiefer ... Jetzt lag sie mitten in derwilden Brandung des silberschäumenden Baches . . . Vom Berge kam er herunter und winkte . . , ״Warte, ich komme, ich komme! . . .“ Ach, wie lang- sam er ging, und ihr Körper schmerzte so sehr. Wie sah er eigentlich aus? Wer war er? . . , Sie öffnete, weit die Augen und tastete um sich. Wo war sie! Sie lag auf dem Boden vor dem Bette. Sie schloß wieder die Augen und hatte kaum die Kraft, sich zu erheben. — Draußen klopfte jemand vorsichtig und leise an die Türe. Es waren drei Schläge, gemessen und behutsam, wie. auf ein verabredetesZeichen.ך׳ י Eine Weile horchte Merelaika mit geschlossenen Augen. Dann richtete sie sich, plötzlich von jähem Schreck gepackt, auf. ״Sie kommen, sie kommen, sie sind schon da!“' *;׳ Mechanisch lief sie zur Türe, Sie war nicht sicher, ob sie diese in der Aufregung geschlossen hatte. Richtig, 4er Schlttssel stak nicht darin, Sie wollte hastig den Riegel Verschieben, ihre Hände zitterten und das verrostete Eisen wollte nicht von der Stelle, Da wurde die Türe aufgerissen und herein stürzten drei umheimliche Gestalten, nach Bauernart in kurze Schafspelze gehüllt und in langen, plumpen Wasserstiefeln, Merelaika stand wie gelähmt da und starrte die fremden Männer sprachlos an, s Einer, der eine kleine Laterne an die Brust geheftet hatte, trat dicht an das Mädchen heran und sagte im rohen Bauernpolnisch: ״Im Aufträge der Fürstin, draußen wartet der Wagen!“ ״Nein“, stotterte das Mädchen verwirrt, ״es ist Irrtum; Geht, liebe Leute, ich bitte euch! Geht! . . .“ ״Laßt die Späße und haltet uns nicht unnütz auf“, erwiderte der Bauer roh. ״Aber ich bitte euch, geht doch“, flüsterte das Mädchen. ״Ist Irrtum! Wird sich alles aufklären . . . Geht! . .“ ״O, darauf sind wir immer gefaßt und vorgesehen“, lachte der Mann und ergriff ihre Hand. ״Petrow! Wasselki!“ ״Rettung, Hilfe!“ schrie das Mädchen außer sich, riß sich los und lief ans Fenster. ״Rettung! Hilfe!“ Doch bevor es ihr noch gelungen war, das Fenster aufzureißen, packten sie wie mit eisernen Klammern vier Bauernfäuste. Einer hielt sie am Kopf, indem er ihr mit' der einen Hand so fest den Mund schloß, daß ihr beinahe der Atem verging und sie keine Silbe mehr herausbrachte. Hilflos und starr vor Schreck und Aufregung lag sie in den Armen der Bauern, die sie nun eilig die Treppe hinuntertrugen. Draußen war es trübe und düster. Der Mond hatte sich ganz hinter eine Wolkendecke zurückgezogen und kalte Tropfen jagten dem Mädchen ins angstverzerrte Gesicht. Dort am Gartenzaune stand, wie ihr schien,'jemand im grünen Rock, mit der Flinte auf der Schulter. Sie machte eine heftige Bewegung und wollte aufschreien, aber der Schrei erstickte in ihrer geschlossenen Kehle. Aber die grüne Gestalt am Zaune stand wie angenagelt da und rührte sich nicht. Wortlos und eiligen Schrittes gingen die Männer mit ihrer Beute hinter dem Manne mit der Laterne her, Am Wiesenrand .stand ein schwarzer, geschlossener Wagen. Der Führer öffnete den Schlag. Im Nu wurde Merelaika, bleich vor Furcht und machtloser Wut, in das Innere des Wagens geschoben, Jetzt, nachdem sie-den Mund wieder frei hatte, entrang sich ein furchtbarer Angstschrei ihren Lippen: ״Hilfe, Rettung!“ Aber schon war die Wagentüre von außen zugeschlagen, abgeschlossen, und das Rollen der schweren Räder auf dem steinigen Boden saugte nun jeden Ruf, jeden Laut restlos auf..,, ■י- ״ ״■׳־- ' Im Schlafzimmer der Wirtsleute erwachte Debora/ aus dem ersten ׳Schlafe, '.״ '׳־■״ ״loh glaube, Sander, einen Wagen zu hören.“ ״Stuß!“ brummte der Mann, ärgerlich ob der Störung. ״Werwird jetzt kommen?״ ״Hörst es jetzt, Sander?“ ״Ja“, ärgerte sich der Ochsenwirt, ״es wäre schon peinlich, wenn er jetzt bei uns anhielte ... Freitagnacht! . . . Wer soll bedienen? Mitternacht und Sabbat . . .“ ״Der Wagen ist gottlob vorübergefahren“, sagte Debora erleichtert nach einer Weile angestrengten Lauschens. Und beruhigt schliefen beide weiter־; ’ XV. Es war ein trüber, schwüler Septembermorgen. Schwer und undurchdringlich lagerten noch in den vorgerückten Morgenstunden die grauen Neheimassen auf > Feld und Flur und verwehrten jeden freien Ausblick. Im Wohnzimmer der Ochsenwirtschaft wirkte das düstere, verschwommene Sonnenlicht durchaus nicht unangenehm, sondern erhöhte noch die stillfriedliche Sabbatstimmung. Sander und Samuel waren bereits aus der Synagoge heimgekehrt. Man schickte sich nach alter liebgewonnener Sabbatgewohnheit an, sich gleich nach dem G-ttesdienste zu Tisch zu setzen. Ein fragender Blick traf Debora., Wo war Merelaika? . ״Das Mädchen ist müde“, sagte die Mutter, ״schien auch gestern nicht ganz wohl. Die Ruhe ist dem Kinde wirklich zu gönnen.“ Aber nun wollte sie doch nach ihr schauen, sie zum Essen holen. Debora ging. Aber bald konnte man unten ihre laute, angstvolle Stimme wahrnehraen: ״Mirjam, Merelaika! Wo bist du?“ Totenbleich kam Debora wieder herunter. ״Ist das Mädchen hier?“ ״Hier? Ist sie nicht oben, in ihrem Zimmer?“ ״Nein“, sagte die Mutter zähneklappernd, voll Angst, und böser Ahnungen, ״habe sie oben überall gesucht und ist nirgends zu finden.“ ״<S0 wird sie kalt einen Morgenspaziergang gemacht haben“, entschied Sander, ״Ohne erst herunterzukommen, und bei dem Nebel?“ ״Stuß!“ sagte Sander, aber es klang sehr matt und unsicher. Und wieder ging die Mutter hinauf. Ein allgemeines Sueben und Rufen begann. Im Stall, im Garten, in allen Gemächern und Räumen, selbst die geschlossene Schenkstube wurde geöffnet, ״MereiaiKa! Mirjam! Kind, wq bist du?“ flehte die Mutter*;"׳ י , , יי:׳'־ •י•■׳ ״ .■׳ ״Das Bett ist unberührt“, jammerte Debora, ״sie hat es nicht benützt.“ 1 (Fortsetzung folgt.)