Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 50 (22.12.1933)
- Date
- 1933-12-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sh*ta0r* fföfeitit# povoien* fitdti pect * t&teft«ftt t BffttUUt6 Cü. 41M2-1tt-*0. taltungen vom Verleger vef§6ndel Journal etpädlöpu« l’ädlteiii V.b.b. RGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II,, Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15. — Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. — Jugöslawien: Süboticä, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40« Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse", Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. 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Es wird das zweite Jahr sein, in welchem die zionistische Mehrheit der Wiener Kultusgemeinde die Verantwortung für Einnahmen und Ausgaben der Wiener Judengemeinde trägt. Die Wiener Judenschaft hat trotz ungeheurer Wirtschaftskrise schwere Opfer gebracht, um der Kultusgemeinde an Steuern, an Abgaben und Taxen die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Die zionistische Majoritat der Kultusgemeinde hat wohl in der Subventionspolitik zionistische Vereine und Gruppen bevorzugt, aber trotz der zionistischen Theorie von der gewaltigen Bedeutung der E r z i e h u n g der Jugend blieb bis zum heutigen Tage der vernachlässigteste Posten im Budget das Kapitel Erziehung und Unterricht. Und nicht nur die zionistische Ideologie verlangt nach jüdischen Schulen und Erziehungsstätten, auch die politische Eri t wi cklung in Mitteleuropa drängt gebieterisch nach Errichtung von eigenen jüdischen .Erziehungsinstituten. 'Die Wiener Kultusgemeinde aber, mit ihrer zionistischen Mehrheit steht. absolut verständnislos dieser Forderung des Tages gegenüber. Nicht einmal die bestehenden .jüdischMi״ Sphulenlwerden-in ihrem .furchtbaren . Existenzkampf . genügend unterstützt. , . Nur mit Widerwillen registrieren, wir die Nachricht, daß die.ganze Schulpolitik der. Kultusgemeinde heute um• Personalfragen sich dreht, ob irgend welche. Kandidaten zu Religionslehrprüfungen zugelassen werden oder nicht. Welche Landsmannschaft, welche Nationalität, welchen politischen Glaubens die einzelnen Kandidaten •sind, wird vielfach erörtert. Ob sie. aber wirkliche r.e li־gi ö s e Menschen wären, die. innere Eignung zum Religionslehrer besitzen, danach fragen selbstverständlich alle jene nicht,: die es selbst mit der jüdischen Religion und mit ihren Satzungen nicht allzu ernst nehmen. Ach wie herrlieh war . es vor einem Jahr, als man in Wahlversammlungen Phrasen über ״jüdische .Erziehung“, über ״jüdische Religion“, über ״treue Anhänglichkeit“ zu dieser Religion, hörte. Ach, wie armselig sind die R e s u 11 a t e, die :in Wirklichkeit erzielt. worden sind. Sicherlich, man wird als Sündenbock und als Generalentschuldigung für alles die Wirtschaftskrise heranziehen. Aber wir sehen, daß in der nicht jüdischen! Umwelt trotz' dieser Wirtschaftskrise .oder gerade infolge dieser Wirtschaftskrise ein Aufbau stattfindet, im Sinne eines a u t o r i täreri r e 1 i g i ö s v e rinner lichten Prinzips. Wahrlich,, wir Juden würden zur herrlichsten Tradition jüdischer Vergangenheit zurückkehren, wenn bei uns Autoritätsglaube und religiöse Verinnerlichung wieder in׳ Mode kämen. Die Kultusgemeinde als die gesetzliche Vertretung der Judenschaft hat sicherlich' heutzutage große, verantwörtliche Aufgaben der Außenwelt gegenüber. Aufgaben, die nur mit größtem politischen Taktgefühl gelöst werden können. Es wäre aber eine V e r k e n n u n g der Aufgaben dieser Kultusgemeinde, wenn man glauben würde; daß dieses Wirken nach außen irgendwie wettmachen könne die vollkommene Sterilität nach innen, Trotz des gewaltigen Kultusapparates, der an Geld, an den bitteren Steuergroschen der am Rande des Zusammenbraches sich befindlichen Wiener jüdischen Steuerträger Feine D a וזו e n תו o d e n F. Borenstein, Wien II Hollandstraße 1 Fernruf: A 45-6*49 Stets neueste Modelle in Kleidern» Mänteln u. Kostümen» Blusen» Schoßen, Schlaf rocken, Pyjamas etc. aus eigenon Werkstätten. Separate Maßabteilung. (Kostüme und Mäntel werden ausschließlich nur von Herren־ schneidern unter meiner persönlichen Leitung gearbeitet.) Schaatnes-frei. a n z. Unsummen verschlingt, ist kaum ein ernstes Wort von den Verantwortlichen zur. religiösen Belebung beigetragen worden. Nirgends verspürt man, daß wir in einer aufgewühlten Zeit leben, in welcher das Judenproblem von unseren Feinden erörtert, diskutiert wird, in einer Zeit, wo Judenfeinde und Judenfreunde auf den Kanzeln aller Kirchen mit allen Mitteln der modernen Propaganda in Wort und Schrift zu der Aktuellen Judenfrage Stellung nehmen. Von unserer Seite fällt nicht das autoritative Wort, daß Wohl und Wehe des Judenmenschen nie und nimmer von außen, mögen diese Feinde noch so gewaltig sein, entschieden wird. Unser Schicksal hängt von u nserem inneren Leben;-von uns.selbst ab. Gelingt es nicht, den-Weg zurück zuh1 wahren Thorajudentum zu finden, gelingt es nicht, unsere Jugend für die alten jüdischen Ideale, für den Sabbat, für das reine, jüdische Familienhalis zurückzugewinnen, so ׳ hat man eben nichts, ganz und gar nichts von dem Aufbruch einer neuen Zeit verspürt und verstanden. Und wir fragen, wenn wir am Ende eines Kalenderjahres Ziffer um Ziffer hören werden, wir fragen: welcher Geist hinter diesen Ziffern steckt. Ob diese Ziffern von Bürokraten und judentumsfremden Rechenkünstlern am grünen Tisch zusammengestellt, paktiert und bestimmt werden, oder ob von jüdisehen Menschen, die aufgerüttelt durch die wunderbare Manifestation des Judenschicksals in der Gegenwart alles׳ daransetzen, daß in einer der größten jüdischen Gemeinschäften eine Generation heranwächst, die mit ruhigem Blick in die Zukunft schauen kann, weil sie in sich trägt ihre Stärke, den unverbrüchlichen Glauben an G-tt und seine Lehre. Wir orthodoxen. Juden beurteilen unsere eigene Gebarung und jede jüdische Gebarung nicht nach Ziffern und Ziffernkolonnen, sondern ob ein religiöser Aufstieg in unserer Mitte bemerkbar ist oder nicht. Die moralische Seite der Buchhaltung ist in jüdisehen Kreisen nicht zu vernachlässigen. Die Bilanz ist von dieser Seite aus zu ziehen. Ob die Wiener Kultusgemeinde eine ak ti ve Bilanz erstellen kann? Wir wollen auf diese Frage nicht antworten. Es genügt von unserem orthodoxen Standpunkt aus, die klare Frage nach der religiösen Soll- und Habenseite dieser Bilanz, nach einem Jahr zionistischer Mehrheitsarbeit in der Kultusstube, in aller Oeffentlichkeit zu stellen. Internationaler Kongreß für die Hungernden in Rußland. Der Fürsterzbischof von Wien, Kardinal Dr. Theodor Innitzer, hat yor einigen Monaten ein internationales Komitee ins Leben gerufen, das den Millionen hungernder Menschen in Rußland Hilfe bringen soll. Als Vertreter der Juden, gehört Oberrabbiner Dr, David Feuchtwang der Leitung dieses'Komitees an'. Für den vergangenen Samstag und Sonntag waren die Organisationen der Rußlandhilfe zu einer Beratung über die geeignete Form einer gemeinschaftlichen Aktion in das erzbischöfliche Palais eingeladen. Erschienen waren etwa 40 Vertreter der verschiedensten. Hilfskomitees der Ukraina (Russisches Rotes. Kreuz), Weihbischof Dr. Budka, Lemberg (Baltische Rußlandhilfej, Prof. Dr. Unruh für das Welthilfswerk, der Menoniten und viele andere? als Delegierte des jüdischen Hilfskomitees Prof. Dr. Eisler, Dr. L. Deutschländer und Dr. Armand Kaminka. Unter Vorsitz des Kardinals hat die Tagung wertvolle Arbeit geleistet. Es wurde ein weitgehendes Aktionsprogramm durchbesprochen und festgestellt, welches auf unpolitischer, rein humanitärer Grundlage das Gewissen der Welt im Interesse der Verhungernden wachrufen und vor allein die Üeberschüsse der Ernten in den amerikanischen Ländern, die sonst vernichtet würden, in die Hiingergebiete •bringen soll. Die Zentralstelle dieser internationalen Orgar nisation bleibt Wien, ihr Generalsekretär Dr. Ewald Ammende. : ׳•־■־־־ ■׳ Jüd. Siedlungen in Oesterreich. in letzter Zeit ist Herr Nathan P o 11 a k, Obmann des. Bezirksausschusses VI-VII der Union österreichischer Juden und Vorstandsmitglied des Bethauses Stumpergasse, mit dem Plan der Schaffung von jüdischen Siedlungen in Oesterreich in die Oeffentlichkeit getreten. Der Proponent hat mehrere Vorträge über dieses’ Thema in einigen Bezirken gehalten und seine Ausführungen haben allgemein Beifall gefunden. Herr Pollak begründet die Notwendigkeit der Um- Schulung der־׳ erwerbslosen Jugend im Alter von 16 bis 30 Jahren — sowohl männlich als weiblich — mit der Aussichtslosigkeit, daß die Wirtschaft die abgebauten Angestellten, Arbeiter usw־. wieder auf nehmen könnte; Eine Auswanderung nach anderen Ländern ist unmöglich, da in diesen strenge Arbeitsverbote für Ausländer bestehen. Das Tempo der Einwanderung nach Palästina ist leider ./durch die Ereignisse des letzten Jahres sehr gedrosselt, worden. Als einzigen Ausweg empfiehlt er die Errichtung von größeren Siedlungen in der Nähe Wiens, wo jedem Siedler ein festgebautes Zwei-Zimmer- Wohnhaus, Wohnküche und Wirtschaftsgebäude sowie 2500 Quadratmeter Grund und Boden zugewiesen werden, der sich durch den Ertrag des Bodens, durch Anbau von Gemüse, Obst, Kartoffeln usw. sowie durch Geflügelzucht, Ziegenhaltung usw. selbst erhalten Hann. Wir haben uns an den Führer der jÜdiscKen Delegation auf der Konferenz, Herrn Univ.-Prof. Dr. Max.! Eisler, gewendet, um seine Meinung über das Ergebnis der zweitägigen. Beratung_,einzuholen. Prof. Eisler sagte: Wir sind zu ,dieser Konferenz gegangen .;mit.■־der klären Absicht, nichts für uns und alles für die Gesamtheit zü erreichen. Und wir haben dieses Programm glücklicherweise auch einigermaßen erfüllen können. Die ״Jüdische Rußlandhilfe in Wien" ist die' älteste Einrichtung ihrer Art. Infolgedessen konnte sie im neuen, auf die Gesamtheit der Hungeraden gerichteten Unternehmen schon bei der Gründung' seiner Organisation jene Dienste, leisten, die.• aus^praktisehen Erfahrungen ,hervorgehen, und wird auch künftighin ihre Kräfte im gleichen Sinne gerne und ganz zur Verfügung stellen. Und das scheint mir. das, wichtigste.: :Daß wir Gelegenheit gefunden haben, den altjüdischen Grundsatz, die religiöse Verpflichtung , der Nächstenliebe bei einem so bedeutenden Rettungswerk betätigen •zu können. Die schöne, edle Folge hat sich auch sofort ergeben: Auf der Tagung, herrschte das Einvernehmen wahrer Hümanität, herrschten Wärme, Verständnis und Bereitwilligkeit zum Zusammengehen. Zum!Schluß meinte Kardinal Innitzer, es freue ihn _ganz besonders, daß. sich, auf der Könferen^die Möglichkeit gezeigt hätte? die verschiöHensteh Konfessionen und. Nationen auf der Basis der Menschlichkeit zu vereinigen. : / . . . ' Solche Siedlungen bestehen bereits in der:. Nähe Wiens von der Gesiba — einer Siediefgenosserischäft die letzte in Leopoldau errichtet, und erhalten die Siedler Förderung sowohl vom Bund als auch von ,der Gemeinde Wien. "׳־ .. . Es ist bereits in der Zentralfürsorge der israelitisehen Kultusgemeinde eine Beratung abgehalten worden, in der'sich sämtliche jüdischen Parteien'mit dem Projekt einverstanden erklärt haben und soll noch in den. Winter־; monaten mit der Eröffnung einer Siedlerschule zur theoretisehen Vorbildung, im Frühjahr dann eine Schulfarm zur praktischen, Ausbildung eröffnet ,werden,; : v.;.r Das Projekt ist nicht. nur vom wirtschaftlichen־.? Standpunkt, sondern auch vom .jüdischen wärmstens :zu: begrüßen und auch die Agudas-Jisroel interessiert sich für ihre Jugendgruppe für dasselbe.; ' ־ : " Wie wir hören, soll auch schon Hoffnung für die ■ Errichtung der ersten jüdischen Siedlergruppe bestehen,' für die auch seitens der jüdischen Oekonomen in Oester-־ reich־ die Unterstützung zugesägt wurde;/ ' ' Nachbemerkung der Redaktion: Diese Zeilen sind uns knapp vor Redaktionsschluß zugekommen. Wegen ihrer Bedeutung veröffentlichen wir sie schon heute und behalten uns vor, auf das Projekt noch aus- - führlich zurückzukommen. Ml»A erhält bei mir schon innerhalb 3 Stunden eine individuell, ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitzet der weltbekannten Periicken-Kunttwerkstätte Wien I, Kärntnerring 6 Telephon Nr, U*47* 1 •*16