Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 49 (15.12.1933)
- Date
- 1933-12-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 It'IMSCNF PRFSSf nt. 49 Aguda-Gemelmlen durch Intervention in Genf und in London unmöglich m machen. Würde es keine Agudas Jisroel gehen, 90 müßten sie seihst eine solche Organisation schalten, um den sittlichen Anspruch aut unser Land eindeutig vor dem Gewissen der Wett vertreten «u körinen.-Denn w-enn det religionslose Somalis- «itts in fast allen ländern der Weit seine Vormacht* Stellung verliert, da .Soll er in Erez Jisroel über uns herrschen?״ ln diesen einfachen Worten eines einfachen Mannes liegt tiefe, schmerzliche Wahrheit Agudas Jisroel will und muß in Erez Jisroel nach den ihr innewohnenden Gesetzen beurteilt werden. Nicht der Gunambesitz allein darf entscheidend sein. Die Israelitische Kultusgemeinde in Wien hat, um ein Beispiel aus der ״Chronik״ unserer Stadt zu nehmen, seit einem Jahrzehnt alljährlich für moderne Palästina-Zwecke eine größere Subvention ge* währt, für die Arbeiten der Agudas Jisroel auf heiligem Boden, entsprechend ihrer Beurteilung der läge, einen winzigen Betrag. Auch diese bescheidene An* erkennung unserer Existenz unterblieb in diesem Jahre und jegliche Intervention bei den maßgebenden Instanzen scheiterte. Wer die Summen kennt, um die es sich hier handelt, wird Über die Anklage an dieser Stelle lächeln. Gibt es doch bei der Heimfahrt von Erez Jisroel wichtigere Probleme als die Opposition gegen einen Posten aus dem Budget einer Gemeinde. Wir aber sehen in diesem Vorgang ein Symptom von Verständnlslosigkeit und Lieblosigkeit sondergleichen« .! Der neue Oberrabbiner der Agudas Jisroel, Babbi Duschinsky, hat vor einigen Wochen sein neues Amt in Jeruscholajim mit einer K u n d g e b u n g angetreten, die geeignet ist, eine neue Atmosphäre des Friedens und des Vertrauens zu schaffen. Er streckte die F r i e d e n shand all denen entgegen, die bereit sind, seine von glühendem Chibas-hoorez beseelte Tatkraft, die, nur auf Verbreitung von Thora und Jiroh gerichtet‘ ist, zu fördem. Nichts ist charakteristischer für seine Wesensart als die Mahnrede, die er an einige jugendliche Heißsporne gerichtet hat, denen die Störunge in es Hespe d zum, schweren Vorwurf gemacht werden mußte. Wenn auch zur Verteidigung mit einem gewissen Recht darauf hingewiesen wurde, daß der Ort, an dem dieser Hesped gehalten wurde, viele Jahre hindurch von dem Redner nicht betreten worden ist und daher leicht der Anschein erweckt werden, konnte, als bedeute die Wahl des Ortes mitten im Herzen all derter, die nicht zur Knesses-Jlsfoe! gehören, eine Stellungnahme gegen den netten ttaw, der in diesem Bezirk den Schwerpunkt seiner 1Tätigkeit entfaltet, Trotzdem rief Rabbi Duschinsky den jungen Deuten zu; ״Denkt daran, Warum Nodov und Awihtt am Freudenfest der Tempelweihe den Tod er* litten! Sie brachten fremdes Eener dar. Vielleicht, so wird uns überliefert, hatten sie eine größere Kenntnis von der Bereitung des Räucherwerkes im Heiligtum als Mosche Raben«. Und es gibt sogar alte Erklärer, die dies bejahen. Aber sie starben, weil sie vor dem An* | gesicht ihres Lehrers eine Entscheidung fällten.״ Jeder der Anwesenden verstand die Mahnung unseres neuen Führers. Sie sollte auch im Golus beherzigt werden. Wenige Tage später wurde die tieue Jeschiwah vom Raw eröffnet und der Weg zur schöpferischen Tätig* keit damit beschritten. Ünd wenn wir im Fluge der zahlreichen Lehrstätten gedenken, die auf heiligem Boden das alte ewige Licht der G-tteslehre Verbreiten — Jeschiwa Sefas Emes, Ez Chajim, Chasam Sofer in Sefas, Bcth Jakob und viele, viele andere —, so geschieht es, um das Gefühl der Resignation zu bannen, das uns nur dann Überfällt, wenn wir die Beurteilung unserer Leistungen mit den Augen unserer* Gegner schauen. Unvergessen sind die Stunden, die ich in der Jeschiwah Rabbi Mosche Mordchai Epsteins verbrachte, der nach dem erschütternden Niederbruch seiner Lehrstätte in Hebron nur noch die- Kraft fand, ein neues Heim in Jeruscholajim zu bauen und, wie unser Wiener Raw ln seinem ergreifenden Hesped letzthin ausgeftihrt, die Hingäbe an sein Werk mit dem eigenen Ich bezahlte und nun in den Höhen der Unsterblichkeit den Lohn für sein Märtyrerleben findet. ״ Was in alten Zeiten der Kreis derer geschaffen, die weltanschaulich zu der Gemeinschaft zählen, die heute Agudas Jisroel vertritt, und was Agudas Jisroel heute zum Bau der religiösen Sphäre beiträgt, soll hier in diesem Rahmen nicht festgehalten werden. Gewiß ist es dürftiger als"' unsere Liebe zum Land, und jeder, der es betritt, fühlt die mystische Kraft, die aus dem Boden in unsere Seele dringt und die Kraft all derer beseelt, die von dem heißen Glauben an Erez Jisroels Vergangenheit und Zukunft durchdrungen sind und daraus den Willen schöpfen, mit der Kraft des Körpers und des Geistes für ein Leben der Ewigkeit zu wirken. Ein Sieg des Judentums, Von Rahel R e i n i t z, Presov. Will man die Bedeutung des Hasmonäersieges würdigen, so darf man sich nicht darauf beschränken, nur die politischen und militärischen Erfolge dieses Kampfes ins Auge zu fassen. Es war gewiß nicht das erste Mal,; daß dem jüdischen Staate in. der Zeit der Not g-ttbegeisterte Männer erstanden, die im mutigen Kampfe gegen eine Uebermacht von Feinden fremdes Joch י abschüttelten und die Freiheit der Nation wiederherstellten. Die sonst so düstere Zeit der Richter ist reich an •solchen Lichtgestalten. Daß eine von wahrhaft jüdischem Geiste erfüllte und von G-tteseifer durchglühte Minorität den Kampf mit jeder Majorität getrost aufnehmen dürfe, hätten die Judäer,׳ wenn sie aus der an Wundern •so reichen: Geschichte ihres Volkes :überhaupt -lernen wollten, aus . nahezu jeder Epoche derselben erkennen können.׳ Und daß der einmal errungene Waffensieg noch nicht die Gewähr bot, das Erkämpfte auch für alle Zeiten zu behaupten, das hat die folgende Zeit für den Makkabäersieg nicht' minder als für alle vorhergehenden Siege be- ■yyiesen. Dais Kapitel der Hasmonäerherrschaf t ist rühmreich, aber doch nur eine Episode in der Zeit zwischen der ersten und der zweiten Zerstörung Jerusalems. Nicht der. Erfolg, sondern der Gegner, gegen welchen dieser Erfolg errungen worden ist, gibt diesem Siege seine Bedeutung und veranlaßt uns, in ihm einen Schicksalpunkt für die jüdische. Geschichte zu erblicken, der für das Fortbestehen und die Erhaltung des Judent u m s —־ nicht des jüdischen Staates — entscheidend wurde. Denn der Kampf, der hier vor sich ging, wurde nicht •von national begeisterten Judäern, die ihre Staatliehe Unabhängigkeit erringen wollten, gegen die syrisehe Fremdherrschaft geführt; hatte sich doch das erschiaffte Volk, das seit den Tagen Alexanders des Großen immer mehr in den Zustand politischer Erstarrung versunken war, mit dem Verluste seiner nationalen Selb;■ ständigkeit längst abgefunden und die goldenen Ketten der Ptolemäer und Seleuciden mit Gleichmut ertragen. Die beiden, die hier; miteinander rangen, waren jüdischer und griechischer Geist, das Judentum, das nicht sterben wollte, und der Hellenismus, der es verschlingen wollte. Wohl hatten auch die zahlreichen anderen Feinde, gegen die das Judentum bis dahin schon gekämpft hatte, nicht riür dessen Staat, ׳ sondern auch dessen Kultur zertrümmerh wollen, aber der kulturelle Tiefstand dieser Völker hatte neben der politischen Gefahr niemals auch eine ernste kulturelle Gefahr akut werden lassen. Der seelenlose Götzendienst der kanaanäischen Völker, ebenso wie das tolle Zauberwesen der ] Chaldäer konnten den Aktionsradius der g-ttlichen Lehre• im ,jüdischen. Volke von Zeit zu Zeit wohl einschränken, ihrer Existenz selbst aber kaum je gefährlich werden, So augenfällig war der Höhenunterschied zwischen der am Sinai offenbarten Religion und den Kulturen der Nachbarvölker, daß selbst 2u Zeiten größter Eötartung■ der Prophet ihnen kraft seines bloßen Wortes beikööunen 2u können, glauben durfte. Auch die rohe S'cheinkultur Roms konnte als geistige Macht das Judentum nicht sehr gefährden. Im Hellenismus aber ist ihm das Heidentum in durchgeistigtester, Veredeltster Gestalt entgegen* getreten. Das Rph-SinuHcfce war abgestreift, das Aesthe* tische auf der ganzen Linie, gewahrt, Alle edle Freude am Schönen mußte heim Anblick der Vollkommenheit griechischer Kunst und der Grazie griechischen Lebens- Stiles dermaßen rege werden, daß Kenner des G-ttes- Wortes dieses zu hassen begannen,' weil es ihnen den Weg ZU dieser Kultur versperrte. Nicht jüdischer Staat, nicht *jüdisches Land, sondern der Geist des Judentums, die Thora, stand auf dem Spiele. Und damit das Herz jenes einzigartigen Volksorganismus, der, wie er später zeigte, jahrtausendelang ohne Land, aber keinfen Augenblick ohne seine Thora leben kann. Und daß hier eben nicht jüdisches Land, nicht die, Selbständigkeit des jüdischen Staates, sondern das Judentum bedroht war, das machte den Feind so gefährlich, das machte den Sieg so bedeutsam. Niemals ist die Lockung zum Abfalle an das jüdische Volk in dieser Stärke herangetreten, wie damals. Nicht Verstandeskraft, sondern nur der tiefinnerliche G־tteselfer, wie er bei den Nachkommen des Hohepriesters Aron traditionell war, konnte mit diesem Feinde den Kampf wagen. Kein Fedlherr, sondern ein Priester, nicht Waffengewalt, sondern G-ttesbegeisterung haben den Sieg erkämpft, der für die Erhaltung des Judentums entscheidend wurde. Die diesjährigen Prämien« Unsere Abonnenten in der österreichischen und in der tschechoslowakischen Provinz sowie die Empfänger von Probeexemplaren in Jugoslawien finden der heutigen Ausgabe einen Erlagschein beigeschlossen, mittels welchem sie die Bezugsgebühr für das Jahr 1934 ehestens überweisen wollen, um den Anspruch auf eine der wertvollen Bücher- Prämien, die an anderer Stelle unseres Blattes angekündigt sind, zu erwerben. Wir bitten, die für einzelne Prämien festgesetzten, verschieden hohen Zuschläge zu beachten und auf dem mittleren Abschnitt des Erlagscheines die gewünschte Prämie durch Angabe der korrespondierenden Nummer anzugehen. Die bisher erschienenen Fortsetzungen der Erzählung ״Hinter Mauern“ werden neuen Abonnenten auf Wunsch kostenlos nachgeliefert. Der Autor dieser Erzählung ist einer der hervorragendsten . jüdischen Schriftsteller unserer Zeit, der seinen Namen hinter dem Pseudonym S. Wiez verbirgt. Die Erzählung selbst stellt die Umarbeitung eines vom gleichen Autor vor Jahrzehnten erschienenen, längst vergriffenen Romans dar, der das Leben und Leiden eines jüdischen Mädchens schildert und in Anlehnung an das weitumspannende Beth -Jakob-Schulwerk der Jetztzeit angepaßt würde. Hauptgeschäftsstelle der ״Jüdischen Presse“. SESSEL, Tische/ Lotterbetten Spezialwerkstätte, Adler VH., Apollogasse 18, Tel. B-38-7-82. Billigste Preise, Zahlungserleichterungen. ווווו11)ווווו1ווווו1)1וווווווו111ווו111ווווווו1״וווווו1)1ווו1וו1))1וווווחו1ווו1וו1וווווווו1ו1וווווו111)111ו1ווו11111ו1111)1ו1ו11)1וו1ו1ווו111111(ווו111ווווווו1ווו1ו1וווווווח1ו1ווווו וווו1ו1ו)1ו1חוו1וווווווו1ווווווווווווו1ווווו1ווווווו1וווווווו1וווחו1ווו1וו1ווווווווווווווווווו" Im Winter Reisen ein *Vergnügen mit SKRfiK’S כשר Fleischkonserven pro Dose S 1. S. DIAMANT, Wien II, Gr. Schiff». 10 / Tel. A-48-1 -91 Erzählung von S. Wiez. (Fortsetzung) [25] . Merelaika schwieg, ״Näherliegende Dinge", sagte er. Ahnte er nur, wie nahe ihr all diese Dinge gerade heute lagen!... ״Jugend von jüdischem Geiste“, hatte er gesagt. Das Wort schien sich in ihren Gedanken festzuhaken. Noch mehrmals versuchte David, die Unterhaltung in Fluß zu bringen. Aber das Mädchen war zu keinem Meinungsaustausch zu bewegen. Sie blieb mißmutig, einsilbig und in Gedanken versunken, so daß David auch heute die Hoffnung auf eine offene Aussprache aufgeben mußte und sich bald mit seinem Vater, der nun Schlaf verspürte und ״kurzen Schluß“ machen wollte, entfernte. Merelaika schaute ihm lange mit finsteren Blicken nach, ״Jüdische Heiden!“ ging es ihr durch den Kopf. Unentschlossen stand Merelaika mitten im Zimmer, als graute ihr davor, den Raum zu verlassen. Vater und Bruder hatten sich bereits zurückgezogen. Debora blätterte noch in ihrem dicken, gelben Gebetbuche herum und murmelte leise. Da kam plötzlich Merelaika auf sie zu, ergriff ihre׳ Hand und schluchzte leise ünd gedämpft. ״Was ist dir, Kind?“ flehte die Mütter, oh des ganz ungewohnten Benehmens der Tochter sehr erschrocken, ״Bist du krank, g*ehe ins Bett und ruhe dich aus. Gehe, Kind —Aber bete erst, hier!M Merelaika griff leidenschaftlich nach dem dicken Gebetbuclie. Aber die Buchstaben schienen einen wilden Reigen vor, ihren Augen aufzuführen. Sie wirbelten wirr durcheinander und starrten sie dabei kalt ünd fremd an... Auch das Techinothbüchlein lag noch aufgeschlagen: ״O Herr, erleuchte,mein־ Herz an diesem süßen Sabbatliehte,. Ein eigentümliches Geräusch schreckte Merelaika aus ihren Gedanken auf. In den Messingleucbtera flammte es noch einmal jäh auf, dann erlosch es. Ihre Sabbate lichter hatten ihre Seele ausgehaucht.. . Die anderen in den Silberleuchtern flamihten noch sanft und leise, sich immer tiefer neigend. ״Bist müde, Kind, und erregt, so geh’ zur Ruhe!", bat Debora. : Noch einmal drückte Merelaika der Mutter die : Hand.' Sie machte eine Bewegung, als wollte sie sie umarmen. Dann aber richtete sie sich plötzlich auf. ״Gute Nacht!“ ״Gute Nacht, Kind,; und schlafe wohl, daß Ruhe in dein Herz und! Gemüt einzieht“, betete ihr die Mutter mit den Worten einer Techinoh nach ... Das Schlafgemach Merel^ikas bestand aus einem viereckigen Zimmerchen, j. zu dem vom Garten her eine steile Treppe hinaufführte und dessen Vorplatz eine Art 'Giebelveranda bildete. Auph von der Wohnung aus konnte man mit Hilfe einer Art Hühnersteig, der in einem großen, mit der Wohnung verbundenen Raum, in dem sich leere Fässer \md altes Gerümppl befanden, auf gestellt war, das Zimmer erreichen. Merelaika . benützte sonst immer die Außentreppe, um vor dem Schlafengehen noch einmal die nächtliche Weite zu genießen. Heute aber graute es ihr davor, noch einmal hinauszugehen. Langsam schlich sie sich durch die stillen dunklen Gemächer nach dem großen, leeren Fässerraum. Im Vorübergehen drangen aus der Schlafstube die Worte ihrer Mutter an ihr Ohr, welche wohl an den Vater gerichtet waren: ״Es macht sich gottlob, geht immer besser, heute haben sie sich bereits ganz vertraut miteinander unterhalten . . . Und soeben kam sie ganz gerührt und erregt an mich heran“ . . . ״Stuß!“ hörte sie noch den Vater schlaftrunken , brummen. ״Hab’ mir darüber nie Gedanken gemacht.“ Merelaika. schwang sich die steile Leiter hinauf. Im Zimmer war es dunkel. Der Mond, der durch einen dünnen Nebelschleier herabschaute, sandte ein mattes, blasses Licht ins Gemach. Merelaika erfüllte dieses trübe Licht mit unsäglicher Angst, Sie ließ die Vorhänge herunter, so daß völlige Dunkelheit eintrat, und setzte sich dann auf das Bett. So, in dunkler Stille, hoffte sie ihre Gedanken eher sammeln zu können, Was hatte sie eigentlich getan? Seit vier Tagen plagte sie das Gefühl, ein großes, schweres Unheil angerichtet zu haben, und nichts tat sie, nichts, um das Unheil abzuwenden, solange es noch Zeit war, Sie ließ untätig, hilflos die Dinge an sich herankommen und nun war es zu spät ... ״Zu spät?“ dachte sie dann. ״Wer sagt es, daß sie heute wirklich kommen? Und wenn, wer zwingt mich denn, ihnen zu folgen? Ich habe mein Wort in Eile ge• geben und bin nicht verpflichtet, es einzulösen... Keiner kann mich dazu zwingen... Das werden sie auch nicht, es sind ja liehe, gute Menschen, denen es nur um mein Wohl zu tun ist... Auch er, Borisowski, wird dabei sein ... Er wird mich vor Gewalt schützen...“ Sie hatte zwar Borisowski in der letzten Woche kein einziges Mal gesehen, er hielt sich auffallend fern, auch die Fürstin hatte sie nicht mehr gesprochen. Es hieß, sie sei plötzlich wieder nach Krakau abgereist. Sie hätte vielleicht sonst Versuche gema'cht, um Aufschub zu bitten, noch Zeit zu gewinnen. So aber tat sie nichts. Und die ,Freitagnacht war da . . . Das Leben der letzten Monate und Wochen zog wieder in all seinen Einzelheiten an ihrem Geistesauge vorüber. Was hatte sie gegen die Eltern, daß sie sie so schmählich zu verlassen beschloß? Sie wollten ihre Verbindung mit David? Aber was konnte sie gegen David geltend!machen? Besaß er nicht tatsächlich alle ihm von Juden und Nichtjuden nachgerühmten Vorzüge? Konnte sie, wie sie ihn erst heute abend gesehen, sich nicht dazu verstehen, ihn zu lieben, so zu lieben, wie den Gutsverwalter? Ueberhaupt dieser Borisowski... Warum kam er nicht, warum verließ er sie, wenn es ihm so ern3t um seine Liehe zu ihr war, in ihren schweren Stunden? ... ״Und wenn sie nun wirklich kommen, schon bald, in einigen Stunden, mich an mein Wort erinnern, mich gewaltsam fortführen?“ — Eine furchtbare Angst ergriff das Mädchen. Aus dem dichten Dunkel erhoben sich gehallte Fäuste, furchtbar und drohend... Sie stand auf. Hinaus mußte sie. Sie durfte nicht so untätig hier bleiben. Vielleicht nach der Mutter rufen, um Hilfe schreien!? Sie hörte ein Geräusch wie Kettenklirren und erschrak wieder heftig. Kamen sie schon? Nein, es war der Hund, der an der. Kette zerrte und dann' knurrend in seine Bude schlüpfte. ״Ich hin erregt, innerlich zerrüttet“, dachte sie, ״werde mich einen Augenblick hinlegen, Sie werden auf jeden Fall nicht so früh kommen, inzwischen kann ich mich ein. wenig sammeln und in Ruhe überlegen, was zu tun ist." , (Fortsetzung folgt.)