Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1933-12-08 · 48 (8.12.1933) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
48 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2629891-2630489-2630535--4604-2636798
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

-*-י3“** ־■?trtYiMiü -m-48 ffUFBaitf^airTiiaa■ itw rr'r Vaaigg ii^üWnw > 3öW : 55£?«JT• ׳ E E E E E E E ₪ E E B E E B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B : wtö, itt.'deii vöMögigäigfeäöÄ; JÄfÄ wöteft wi* fml Abonnenten der ״Jüdischen Pfeäse,r aüch heuer LgJ dieÄiMdMÖiep/itthiitiig Öäl^hhelt, \t} wertvolle Bücher >• E felitWeder ganz UHöntgdtÜcfe ^ö'dlf gegen eine ganz geringfügige Attfzahlüiig: *ZtiErwerben. Alle bisherigen oder neu, , hinzutretenden ‘ Äbönhenten der ״Jüdischen, Presse!*, die die Völle Bezugägebühr für das Jähr 1Ö34 (Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tsch. K 80, Jugoslawien Dinar 150, Ausland Schw. Frs. 14 bis spätestens SLDezemberd. J. bezahlt haben, erhalten eines der folgenden, Büchergeschenke! ספר "חפץ חיים* מהרב הנדד׳ק •מרן ישראל.! מאיר דזההן זצוק״ל in der Prachtausgabe des Hermon-Verlages. (Aufzahlung: S 2.50, tsch. K 10, Dinar 20.) 2^ ״Licht aus den Westen“ . von S. Schachnowitz. Das neueste aufsehenerregende Meisterwerk , des genialen Erzählers und SchÜderers jüäisehen Lebens und Strebens. Eine wirkungs-, , . volle historische Darstellung des Lebens und‘ Wirkens des Chassam Sofer . זצ*ל und . seiner führenden Zeitgenossen von bleibendem Wert. 408 Seiten in Originaleinband. (Aufzahlung: S 1.60, tsch. K 6, Dinar 15.) "עמודא דנהורא" מאת הרב משה בלויא.'3 Ausführliche, anschaulich geschriebene Biographie des Rabbi Josef Ghajim Sonnenfeld זצוק״ל (hebräisch) zusammen mit ספר "מנהגי בעל החת״ס" מלוקט ומסודר ע״י הרב הני מוה׳ יושע ליב אבד״ק פיזונג, עם צוואת החת״ם"" Schöner Prachtdruck. (Unentgeltlich.) 4. Vier Bände aus Rabbi Samson ■ Rafael Hirsch’ Schritten (Hermon - Bücherei). Bd. 1: Grundbegriffe des Judentums I; Bd. 2: Frühling und Freiheit; Bd. 3: Jahreswende; Bd. 4: Vom ־ Lernen und Lehren I. (Aufzahlung: S 3, tsch. K 12, Dinar 30.) Jeder mache von diesem seltenen Angebot Gebrauch und bereichere seine Bibliothek mit diesen Werken. Werbet Abonnenten! Wer der ״ Jüdischen Presse״ zwei neue pramienberechtigte Abonnenten wirbt, erhält eine der oben genannteh Prämien, nach freier Auswähl, unentgeltlich (natürlich unabhängig von der ihm selbst als Abonnent event. zu- ' stehenden Prämie). B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B B E B B B B B B B ₪• B B B B B I FEUILLETON U Der Märtyrer von Orkuta. Das Opfer einer Blutbeschuldigung. Vor kurzem erschien in der Ausgabe des Jüdischen Museumsvereines in Presov aus der Feder des Dr. Theodor Austerlitz unter dem Titel: ״D ie letzteF’olt er Prozedur in de r österreichisch - ungarischen Monar c hie. Der ,Kodesch‘ von Orkuta“, eine kulturhistorische Studie, die ein grausig-schauriges Kapitel aus den Erlebnissen der Juden in der Ostslow akei vor 1170 Jahren zum Gegenstände hat. Die Abhandlung stellt in dankenswerter Weise zum .־ erstenmal . auf Grund aktenmäßiger Qiiellenforschung den ganzen Verlauf eines Prozesses dar, bei welchem 30 Juden aus Orkuta ,und anderen kleinen Orten der Umgebung Presovs des Ritualmorde s bezichtigt wurden. Der Verfasser rollt in dieser gründlichen Arbeit mit wissenschaftlicher Sachlichkeit ein trauiiges Stück dunkelsten Mittelalters vor unseren Augen auf, dem man mit innerer Spannung ־ folgt. Mit besonderem Interesse liest man, mit welchem Mute die Preßburger jiidi sc he Gemein de sich der' unschuldig verfolgten und gefolterten Brüder vor der Kaiserin Maria Theresia annahm. Wir bnngen im folgenden mit Erlaubnis des Verfassers einen ausführlichen Auszug aus dieser Abhandlung, Am 3. Juni 1764 verschwand aus der kleinen Ortschaft Orkuta des Komitats Säros der fünfjährige Knabe Stefan Balla, der Sohn des slowakischen Bauern Johann Balla. Des Morgens war er י mit seinem Spiel■׳ geführten auf die Felder gegangen. Mittags kam sein Gefährte allein nach Hause. Der kleine Stefan Balla war auch abends noch nicht heimgekehrt. Seine Eltern und die Ortsbewohner forschten überall nach seiner Spur, doch vergebens. Da wurde der kleine Spielgefährte des Verschollenen ins Gebet genommen, aus ihn) war jedoch hur so viel herauszubekommen. es seien zwei Junen jenes Weges gegangen, als er den Weinen Stefan allein zurück•* ließ. Zwei Tage später, am 5. Juni, wurde der Leich■’ nam des gesuchten Kindes an der Grenze der Ortschaft Orkuta, im Gesträuch des ״eeryeay Hrasc" benannten Ackers gefunden. Dm seinen Hais war ein Strick -ge* wundem jer ־׳>• ••••V.PÄ ,Requisiten W• Jn^Jenierung des Ritualmordes. Am fplgepden ,Tage»werden in Adam׳ f ö 1 d e die Juden. .der Umgebung, alsSie gerade, zur An* dacht des Pfingstfestes im Hause des Pächters Jakob -Die dankenswerte Ahfeguhg des ArtikelsehreibefS in den Nummefn 45 und 46 der ״Jüdischen Präsaie'V die kulturelle Situation des jüdischen Volkes vom Ge* sichtspunkte der Thoratreue einer erneuten Prüfung zu ühtefzieheh, verdient in ihrer Allgemeinheit gevü& nur Anerkennung, wenngleich einzelne wenige Aeuierungen seiner; Ausführungen auch anderseits zu Widerspruch heräüsfäfäera,•־. Seihe Ausführungen kulminieren darin, daß der Groß teil der thöratreuenjüdischen Massen in den östlichen Ländern, also m den Sukiesslonstaaten des ehemaligen Rußland und des ehemaligen Oesterreich* Ungarn, einschließlich der aus diesen Ländern׳. erst in den letzten Jahrzehnten eingewanderten jüdischen Be* völkerung Wiens, erst jetzt, in der Nachkriegszeit, vor die Notwendigkeit gestellt wurde,. zu den kulturellen Er- ScheinUngen ihrer nichtjüdischen Umgebung nach irgehd einer Richtung hin Stellung zu nehmen und sich mit ihnen auseittanderzusetzen. Der Verfasser des erwähnten Artikels hält die Gewinnung der klaren Riehtliiiien für diese ״zeitlich und örtlich" bedingte Auseinandersetzung für ein dringendes Gebot der Stunde. Darin ist er vollkommen im Rechte. Und er wird in . der Haupt- Sache auch das Richtige gesagt haben, wenn er meint, daß die große Linie in der Stellungnahme Rabbiner Hirsche זציל zu der Geisteskultur Europas ihrem Wesen n ach auch bei der zukünftigen Auseinander- Setzung der Thöratreuen unserer Zeit mit den *ins Judentum eingedrungenen ׳ und immerfort eindringenden Geistesströmungen beibehalt'eri werden und Vorbild-, lieh bleiben dürfte. Die Erkenntnis der furchtbaren Gefahr, in der sich gegenwärtig das thoratreue Judentum befindet, ist von solch entscheidender Bedeutung für die zukünftige Gestaltung, der gesamt jüdischen Belange, daß es auch meiner Ansicht nach höchste Z e i t ist, diesen: Fragen jene Aufmerksamkeit zuzuwenden, die sie verdienen. Ich kann seit Jahren das Gefühl nidht loswerden, daß die thoratreue Judenheit sich über die Gefahr, die der unmittelbar nach.uns folgenden Generation der Thoratreuen droht, denn döch etwas zu leichtfertig hinwegtröstet. Vor allen Dingen müßte man sich im thoratreuen Judentum über den , Charakter der Gefahr klarwerden, die man durch die Auseinandersetzung mit dem Gegner bannen und abwenden möchte. Denn davon hängt doch auch die Art der Abwehr ab und die Waffen, mit denen das Judentum zu diesem Kulturkämpfe ausgerüstet sein müßte. Nicht die ״zeitliche und örtliche“ Nuance des ganz offensichtlich im Anzuge befindlichen großen Kulturkampfes ist wichtig, wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß taktisch auch sie i n g ege b e n e n Fälle n nicht unbeachtet bleiben dürfe. Das Bedeutsame des Kulturkampfes, der dem thoratreuen. Judentum . bevorsteht, liegt 'indessen nicht in seiner ״zeitlichen und örtlichen“ Bedingtheit, sondern meines Erachtens gerade umgekehrt in der ■ Ue b e r z e i t lieh k e i t und Allge meinheit der heranwogenden' Abfallströmung.' Sie be-' droht nicht etwa ״zeitlich1 und örtlich“ bedingte Aeußerungsformen der jüdischen . Thoratreue, ■ sondern -die Grundf.este.n.;,,des.. . Judentums, «dio:;H a.p.p^t-z ü ge ,.s,!e,i;n e g>i.n.n ej*$,te,n>. We s e ns.,,; D a s,< sollte zunächst in seiner ganzen, Furchtbarkeit erkannt werden, wenn die Abwehr von seiten des historischen SESSEL, Tische, Loflerbetien Spezialwerkstätte, Adler VH., Apollogasse 18, Tel. B-38-7-82. Billigste Preise, Zahlungserleichterungen. r Judentums zle lgerobbt und nibht gogeä -einen Wiüöfsächef gerichtet sein sbll, der in vofängegäftgenefi Minifon Mngst kampfunfähig gemacht Wü^e- ,';; י. Rabbiner Hirsch fing & seiftem Kampfc. gegen die jüdisdhen ״Reformen" seiner Zeit; von vörnherein von der klaren Erkenntnis aus, daß es sich bei den damals pröpägieften Kultüsreföfmen keineswegs bloß üin den Kultus, lim synagogäle Refortnett ühd unt die״ Lbüg^ ttüng einiger Zerembnialgeäetze handelte, fir hat seinen־ Gegnern immer wieder mit zwingender Logik vorgehalten, daß im Hintergründe all dieser ״geringfügige«‘' Aendei ungen äußerer Formen. des jüdischen Sonderlebens die völlige innere Lossagung ihrer־ Bekenner von der jüdischen Gläubigkeit und damit von der /Griind-- läge des jüdisch en Volkes überbaüp t läiieft:i Andere, Verfechter der jüdischen Wahrheit haben־ diesen Grundsatz der ersten hächmendelssöhtischett Refölm* bewegung nicht immer mit der gleichen Geistesschärfe und nicht immer in seiner ganzen Tiefe erkannt ,und auch nicht erkennen können, weil sie mit dem Wesen;:der zeitgenössischen aüßerjÜdischen Geistesrlchtungen Wein* ge r vertraut waren gls Rabbiner Hirsch וצי ל . Gefühls-: mäßig haben aber fast alle Wortführer, des historisöhen Judentums schon damals empfunden, daß es sich für die: von der Reformbewegung erfaßten, Teile der Judenheit um ihr ganzes jüdisches Sein handelte. Deshalb' auch die Entschiedenheit des Kampfes und der stahlharte Widerstand bei. all denen, die auf Zugeständnisse an den Abfall nicht eingehen wollten. Eins •aber darf nicht Übersehen werden:. Der Au sg äng.spunkt der ganzen Abfallsbewegung jener Zeit war nicht die grundsätzliche Leugnung des Wesens des jüdischen Volkes ünd der Verzicht auf seine religiöse Daseinsaufgabe. Die Reformer waren vielmehr von dem Wutisch beseelt, die Lebens forme n des jüdischen In di' v*i djiu ms Und der: jüdischen Gemeind en der nichtjüdischen Umgebung anzuähneln, um dadurch dem assimili e r t en Juden die ]Möglichkeit zu schaffen, seine persönliche Verbunden- . heit zur religiösen Gemeinschaft — so wie er sie verstand —s aufrechtzuerhalten. An die jüdische. große Gesairithei't, also an das historische jüdische V o 1 k, dachte die Reform nur insoferne, als sie voraussetzte, die Juden- .schäften der einzelnen Länder werden früher oder später allesamt eine solche Anähnelung an ihre nichtjüdische Umgebung vollziehen müssen, um dem, was ,sie .als das ״Wesentliche“ am religiösen Geist des jüdischen־ Daseins hielten, Dauer, zu sichern.. Unter solchen .,Auspizien war es nur natürlich, daß das Kampf Objekt auch auf der Seite der im Sinne der Orthodoxie Glaubenstreuen ״zeitr lieh und örtlich“ differenziert sein mußte. Heute trägt aber die Abfallsströmung durchaus nicht mehr diesen ״örtlich und zeitlich“ differenzierten Charakter. Ganz im Gegenteil! Ihre Voraussetzung und ihr Ausgangspunkt ist nicht die Beschränkung der Be-: Ziehungen des einzelnen zur Gesamtheit auf das Mindest-: maß gewisser allgemeiner religiöser Erkenntnisse, deren, Haltlosigkeit Rabbiner Hirsch זצ*ל so meisterhaft: nach-; gewiesen hat, sondern sie geht aus von der Tatsache ,der ,unlöslichen und uneingeschränkten Zus am m engeh ö r igke i t, der von Zeit und Ort unabhängigen Schicksalsgemeinschaft aller Glieder des jüdischen V0 1 k’es. Der neue religiöse Abfall, gegen den die thoratreue Judenheit anzukämpfen hat, ■ ■III Umänderungen vqn Ju;mpern und •Pullovern, ■ III K un s t s t.0.p p e n ,von Stoffen und Seide, Repas- Hill sieren und Anstricken von Strümpfen nur in der ■ III ״REPASSIERWERKSTÄTTE SCHLESINGER. H UII | Wien, 1., Weihburgg., 2 (Ecke ■Parkring),;• Tel. B-81-908. ■BBIHHBHHHIHHHBHHHHVniHffllMMHHMHHHHBMMMMMHHMMMipvi»•»; ־: Davido'vits versammelt wären, umzingelt, zusammen mit allen übrigen Juden der Gegend eingefangen und, gegen 70 an der Zahl, über das Städtchen Zeben (jetzt Sabinov) zum Komitatsgericht nach Eperjes (jetzt Preäov) abgeführt. Von diesen, wurden 30 gefänglich eingezogen, die übrigen vorläufig entlassen. Nun begann der Kriminalprozeß gegen die Beschuldigten. Wie ein' Lauffeuer verbreitete sich: weit und breit die Mär von den ״blutdürstigen“ Juden,, fand willigen Glauben bei der christlichen Bevölkerung, welche immer bedrohlicher Stellung gegen die Juden nahm, Die Gehässigkeit wurde noch geschürt, als die Abbildung des toten Christenkindes bei Wallfahrten, kirchlichen Umzügen und von Bettlern verkauft wurde. Zahlreiche Judenfamilien suchten ihr Heil in der Flucht yör den Bedrohungen des Pöbels. I v In ihrer. Bedrängnis wandten sich die Säroser Juden um Hilfe an die Preßbur g.e'r Judengemein de, welche im Schatten der königlichen Burg, unter dem Schutte und in der Günst der Herrscherin stand, die in Geldnöten des öfteren die Opferwilligkeit der wohlhabenden Preßburger Judenschaft in Anspruch genommen hatte. Die Preßburger Judengemeinde — sie nannte sich ״Communitas Judäica Posoniensis Subarcensis“ — trat •nun für die gemarterten Brüder sofort ein. Ihr Vorsteher Ab r a h a m Theben überreichte der Herrscherin eine Bittschrift, In dieser wird geklagt; ״Dreißig Juden schmachten im Kerker, Opfer des Irrwahnes, denn ähnlich seien im Jahre 1760 im benachbarten Komitate Abauj Juden des Mordes an dem zehnjährigen Töchterchen eines Webers beschuldigt worden, welcher nach wenigen Tagen in einem Dorfe schwelgend mit seinem Kinde aufgefun״ den wurde. Drei Jahre später seien im Komitate Bä cs vier Judenweiber in Haft genommen und angeklagt worden, sie hätten einen Christenkinde den Finger verwundet, um aus der Wunde Blut zu saugen, sie seien eingekerkert und mißhandelt, als sich jedoch ihre Schuldlosigkeit gar bald erwies, freigesprQehe® worden." , . . Die Bittschrift be?i^f sich auf dasj auch durch die Universität approbierte; in Wien l753 erschienene Werk deä Aloisius de Sonnepfeld ״De Usu tofantis Christ, Sanguinis gecusato,' inquisito et absolute Jodaismo“ und flehte um Entlassung der Eingekerkerten. Zufolge dieser Bittsehrift forderte im Namen der Kaiserin sohön am 18. Juni 1764 der Graf Josef Kegle״ vioh vom Komitatsgerichte in Eperjes ausführlichen Bericht über den Sachverhalt. Nach wenigen Tagen Uber" reichth^^ die Preßburger; Judengenmihde eine neue Bitb־ ׳:schrift:;;;׳/!:■: ־. ,■;;׳ץ:•:;׳;v•;;'.'.'::.v ״Die Juden Fabian Markovits aus.Demäthe, Lasar Berkovits aus Vanyisköcz, Herschi Abrahamovits aus Raslavicza muß״ ten vor der Volkswut nach Preßburg flü'chte'n — die Juden des Komitates Säros seien ihre Lebeiis' uiid ־ Gutes nicht sicher, jüdische Kinder werden ihren Eltern gewaltsam entrissen, , mit der Abbildung;des toten. Knaben, werde Handel getrieben, das Bild werde bei Prozessionen umhergetragen und so das Volk , gegen die Juden aufgereizt. Die Kaiserin geruhe; diesenvUrifug zu verbieten und .die Flüchtlinge mit einem;Frei* brief zu versehen (״Salvis Literis munere“), auf daß sie heimkehren können." Die• Kaiserin hilft, sie hilft rasch. Waren es vielleicht, der dämmernde Geist und Einfluß ihres heranwachsenden Sohnes, des späteren Kaisers Josef H;/ welche die Kaiserin Maria Theresia milde und vörühteiisfrei stimmten, die Kaiserin, welche sich einige Jahre zuvor gegen die Protestanten so unduldsam zeigte? Schon am 25. Juni erließ die Statthalterei: (gez. Comes Ludovicus de Buday) eine gestrenge!/)Veisung an das Gericht: ״Der Verkauf des aufreizenden Bildes' und: jed- , wede Behelligung (Molestatio) der Juden wird untersagt, den Flüchtlingen die friedliche Heimkehr gesichert. Das Gericht habe das Verfahren zu beschieunigen und Bericht zu erstatten. Inzwischen wurde das zehnjährige Söhnchen des , Beschuldigten Jakob D a vi d o v i ts, Gutspächters in Adämfölde — in dessen Hause die Pfingstahdacht stattfandי von seinem Gutsherrn Ladis 1 aus v. Bornemi ssza . seinen Eltern entrissen, im Hause diese»;Gutsherrn in Gewahrsam gehalten, um der Taufe zugeführt zu werden. Die Preßburger Juden und ihr Rabbi ־Meir Barbi führten hierüber Beschwerde vor dem Trope. Am 4. Juli schon erging der strenge Befehl der Statthalterei an das Gericht: ״Der •Judenknabe darf zur Taufe nicht gezwungen werden, Gewalttätige ,Entführung von Judenhindern und die Erzwingung ihrer Taufe sei doch schon mit früheren kaiserlichen Verboten verpönt und untersagt worden. Der besagte Juäehknabe sei deshalb seinen Eltern wenn nur kein triftiger Grnnd dagegen obwalte — sofort zurückstellen und es dürfe־ weder ihm, noch anderen Judenkindern Leid angetan werden, auch dürfe mit den Juden nicht gegen Reohf und Billigkeit (contra jus et aeqbun) vorgegangen Werden.": v• Ahgesichts der strengen Kontrolle der Herrscherin sqpte fortab das Geribht zummdest den Sc he in eines• pi^eimftßigen Untersuchungsverfahrens zu wahren, wiewohl den Angeklagten das primitivste Recht der Verr teidijg^ng verwehrt wurde, während selbst die zeifelhaftesten und übelbeleumundeten, Beugen . und Indizien der Anklage zugeiasse» und erwogen wurden, (Fortsetzung folgt)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.