Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 46 (24.11.1933)
- Date
- 1933-11-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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—י— 'ja ״■ ,";"?ו• \ , .;־''>' ■׳<"'- 'י ׳ feite >. JÜDISCHE PRESSE Nr. 46 Oft und irhfftef Wieder hat sich die ״Jüdische *Presse* mit den Grundsätzen Und der Ideologie des ״MiSfaehi״ beschäftigt Und äüfgeWiesen, daß die misfäehistischeft GfüftdSltzi ^6ft der ״Einheit״ des jüdische*! Volkes (lies: Stützung;■ der in ihrer überwiegenden Mehrheit; religiohsfeindlicheh Zionistischen Organisation) taktisch verfehlt* r e 1 i g i ö s unzulässig, p ö i i t i s c h wertlos und praktisch Undurchführbar sind. Heute wollen wir aihen der miaßgebendsten Führer des Misraehi selbst zu Worte kommen lassen, der in kaum zii überbietehder klarer Weise die Schiffbruch er■*■ littene Politik des Misraehi und seine tragikomische Polle innerhalb der Zionistischen Organisation . auf deckt. * In einer Versammlung in Antwerpen referierte der bekannte Misrachifilhrer Rabbiner Ami el Über ״der Misraehi nach dem 18. Zionistenkongreß“ und führte u. a. aus (wir halten uns an die veröffentlichten offiziellen Presseberichte): ״Der 18. Zlönistettkongreß bleibt ein ewiger Schandfleck in der jüdischen Geschichte. Am Sinai hat das jüdische Volk einstimmig ausgerufen ״naasse wenischmal“, der Zionistenkongreß, der für sich das Recht der ״Vertretung“ des jüdischen Volkes usurpiert, hat erklärt 10״ naasse w’lo nischma!“ ״Die bisherige Toleranz des Misraehi der Zionistisehen Organisation gegenüber ist weit übers Ziel geschossen. Unser ״Sawlonus“ war größer als das von Hilcl Hasoken. Hatte Hilel einen Ger ins Judentum aufgenommen, der die Thora ״al regel achas“, auf einem Fuße stehend, lernen wollte —: w i r haben Menschen als ״Juden“4 anerkannt, die die Thora mit beiden Füßen treten. Und hatte Hilel einen Ger aufgenommen, der nur an ״Thora sche’b’Ksaw“, - die schriftliche Ueberlieferung glauben wollte — wir haben uns mit ״Juden“ zusammengetnn, die weder ״Thora sche’baeJ’Peli“ n o c h ״Thora sche״b*Ksaw“ halten.“ ״Was hat der'Misraehi bis. heute getan?. Statt gegen links zu kämpfen, hat er seine ganze Wut gegen rechts, gegen die Agudo, gerichtet. Kein Wunder, daß die Zionistische Organisation ihn nicht als gleichberechtigter Partner anerkennen wollte, sondern als einen Schnorrer (! wörtlich), dem man die Knochen und Speisereste zuwirft.“ ״Lassen wir Fakten sprechen!" sagte Rabbi Amiel: ״In Haifa hat die Kehillo bei der ,Histadruth ho’Owdim‘ Interveniert, sie möge doch in ihren Gemeinschaftsküchen Koscherfleisch verabreichen. Die ,Histadruth‘ erklärte, Koscherfleisch sei zu teuer .'. . Die Gemeinde bot eine E111schädigung aus eigenen Mitteln an — die ,Histadruth‘ lehnte ab: sie ״nehme keine Gesebenke‘ . . . Die Gemeinde wollte nun den F1 e i s c 11־ hauer n einen Beitrag gewähren* damit sie das Koscherfleisch verbilligen, und man mußte glauben, daß die ,Histadruth‘ nun beigeben werde. ,Weit gefehlt! Nach langem Zögern entgegnete die ,Histadruth‘, aus Tretefleisch ließen sich schönere Portionen teilen. Und diese ,Histadruth'-Führer“, setzte Rabbi Amiel hinzu, 1״ eiten heute die ganze Zionistische Organisation.“ Wir könnten die Reihe derartiger Fakten noch ins unendliche fortsetzen. Wir könnten z. B. berichten, daß offzielle Vertreter der Jewish Agency in Saloniki jüdische Hafenarbeiter anwarben, die sich schriftlich verpflichten mußtet!, am fehabbös zu arbeitem Wir könnten berichten, daß auf dem Dampfer ״Foiötiia“, der zürn erstenmal zwei Tage vor J0m-Rippüf die Fahrt nach Palästina äntrat, etwa;400 zionistische ‘ Chaluzim am Jom-Rippur früh, während einige religiöse Juden sich zur Tefiio Versammelten, demonstrativ Essen f0rd e rt e n und, da die koschere Rüche geschlossen war, eben von der Trefaküche zu essen wünschten und auch aßen. Doch wir Sehen keinen Zweck in der Aufzählung derartiger Geschehnisse, die für den religiösen Juden einen Nadelstich ins Herz bedeuten, die ZiOnisten aber kalt lassen und auch den Misraehi nicht zur Vernunft bringen. Was aber ist die * M o r a 1 aus der ganzen Geschichte? Religiöse Juden haben die ״Ideologie" des Misraehi entschiedenst zu bekämpfen, sie hkben den mit Blindheit geschlagenen, von dieser ״Ideologie" besessenen Chawerim den Weg ins Freie, ins jüdische Freie, zu zeigen und sie um die Agudas Jisroel, um die autoritativen religiösen Führer der Judenheit zu scharen,-Agudas Jisroel aber hat die Pflicht, Aufklärung in die breitesten Massen zu tragen und dem gefährlichen Zionistischen Gift, wie es selbst der Misraehi verbreitet,‘ den Stachel zu nehmen. Und— last, not least — Agudas Jisroel hat eine vielfach verstärkte Tätigkeit in Und für Erez Jisroel zu entfalten, auf daß im Heiligen Lande die heilige Lehre wieder zu ihrem Rechte gelange להחזיר עטרה ליויטנה und Einkehr halte wahrer G-ttesglaube und aufrichtige G-tte3furcht כי'מציון תצא תירה! T. SESSEL, Tische, Lolterbetten Streng rituell! emmering Ganzjährig geöffnet! Sanatorium ension Villa Dr. Hecht 1040 m Leitung: J. Eisenberg. Leitender Arzt. Dr. S. Erber. Neben Palace-Sanatorium. 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Wiex der ״Jüdischen Telegraphen-Agentur“ von der Palästina-Exekutive der Jewish-Agency mitgeteilt wird, ist die Verordnung der Regierurig, durch die die Zahl der Schiffspassagiere, die in palästinensischen Häfen landen dürfen, begrenzt wird, nur als vorübergehende Maßnahme gedacht. Der Verordnung zufolge können die Schiffe 400 Einwanderer, Touristen nicht eingerechnet, an Bord haben, von denen je 200 in Haifa und in Jaffa an Land gehen können. Diese Maßnahme kann nicht als Einschränkung der Einwanderung auf gef aßt werden; die Zahl der der Agency zur Verfügung gestellten Zertifikate läßt die Indienststellung von Schiffen größeren Fassungsraumes nicht zu. Deutsche .Judenfrage vor dem englischen Parlament; 1 Der Marquis of Hartington hat in Gemeinschaft mit anderen Mitgliedern des Parlaments den folgenden Antrag im britischen Unterhaus eingebracht: ״Das Haus macht die Regierung Sr. Majestät auf die schlechten Wirkungen der Diskriminierung der Juden in Deutschland auf. die. englisch-deutschen Beziehungen aufmerksam und ersucht die Regierung Sr. Majestät, diese Anschauung bei ehester Gelegenheit durch aie entsprechenden diplomatischen Wege zum. Ausdruck zu bringen." Dieser Antrag wird wohl Ausgangspunkt einer abermaligen größeren Debatte im Parlament über die Judenverfolgungen in Deutschland werden. vos Woclic *יי Wo ehe — Der Bürgermeister von Tel-Ato.iw hat den Wellverband für städtische Hygiene eingeladen, den für Dezember 1934 geplanten Inter na tionalen Kong re ß für städtische Hy g i cn e in Tel-Awho ab- Inhalten. ' — Dev Präsident des Konsistoriums der b n lg a rische n Jude n, Haim F ar chy, ist als Vertreter der demokratischen Entente in das bulgarische P a rl ament eingetreten. — Der neue Erzbischof der let tlän dis che n Luther - Kir che erklärte, er sei ein entschiedener G ■e g ■n er des' Ra s s es ■n h asse s und werde für die Zmsammenarbeit aller Schichten der Bevölkerung wirken. — In: M law n a, , Weißrußland', wurde die S y na g 0 g e gestürmt, die Inneneinrichtung demoliert und die Wände mit antisemitischen Schimpfworten beschmiert: ־ — Die _P alästina-Re g ierun g hat in den Monaten Aprii bis September einen Verwaltungs- Überschuß von 593.595 Pfund erzielt, im September allein betrug der Ueberschuß 85.000 Pfund. Während dieses Finanzjahres ivird voraussichtlich ein Verwaltungsüberschuß von einer Million Pfund erreicht werden. Das zeitgemäße Chanukageschenk Die Sicherung eines Studien- oder Ausstattungsbeitrages für Söhne und Töchter um S l.-r bis S 10.— monatlich ,Familienschutz durch den ן ji gemeinnützige Vereinigung für FamilienfüfSorge, Der ״FAMILIENSCHUTZ" stellt die Leistung hei der Lebensversicherungs-Gesellschaft ״Phönix" sicher. Der ״FAMILIENSCHUTZ" wird von der Wiener Kultusgemeinde befürwortet. י , Ein Anruf der Nummer R-43-500 genügt! Adresse: ״FAMILIENSOHUTZ“, II., Aspernbrückengasse 2. ErzählungVsn S. W i e z. : . (Fortsetzung) [22] Und auf diese Leute sollte sie Rücksicht nehmen? Nein, sie brauchte ihren Entschluß nicht zu bereuen, nicht zu ändern. ״ ' ״Nein, Mutter", sagte sie fest und bestimmt, ״heute nicht." * ״Warum nicht heute, und wann denn?“ v ״Ich kann heute nicht, vielleicht morgen, übermorgen oder Samstag ..." ״Am Samstag! . ־.' .“ murmelte sie noch wie in Schadenfreude vor sich hin, als sich die Mutter köpfschüttelnd und mit sorgenvoller Miene entfernte. XIV. Es dunkelte bereits. In den Wirtsräumen wurde es still und immer stiller, aber diese Stille im Verein mit der dicken, von Tabak- und Schnapsgeruch geschwängerten Duft hatte nichts gemein mit jener sanften, beruhigenden Abendstille, es war eine schwüle, düstere, bedrückende Atmosphäre. Merelaika hantierte nachlässig und mechanisch am!Schanktisch, ordnete, stellte zurecht, räumte Speise- und Getränkereste weg. und schloß verschiedene Gegenstände ein, schloß dann wieder, gedankenlos die Schubläden auf, wühlte zerstreut umher und schloß sie wieder zu, Die Mutter hatte aus dem Zimmer bereits mehrmals gerufen. Sie aber war immer noch nicht fertig. Und doch wußte sie nicht recht, was sie hier noch eigentlieh zu machen batte. . , Verschiedene Gedanken jagten ihr wirr durch den Kopf. Man könnte zum Beispiel, dächte sie, da den alten Schenktisch mit 'einem modernen, verschließbaren Büfett vertauschen. Im Herrenzimmer müßte der alte Rumpeikästen, der sogenannte Rolisekretär, ein Ungeheuer von einem׳ Familienstück, aus der Ecke raus; an seine Stelle könnte dann ein Klavier kommen, ja ein Klavier, wie in jedem besseren Restaurant; das sollte dann ein fröhliches ■ Uehen^ösn.•^׳:■ ,.:־■'. ,, v: .V; ״Wann? wo? wozu?“, sagte sie sich dann wieder, wie aus einem Traume erwachend:;,Wie ich das eben fortwährend vergessen kann, draußen ziehen die Schatten immer breiter, dunkler. Sie bringen den Freitagabend ... Morgen ist Samstag, und dann? ...‘ ״Mirjam, es ist Zeit!“, mahnte Debora dringend aus dem Zimmer, ״Vater und Samuel sind bereits in die Schul. Ich ha׳b׳ schon Licht ״gebenscht“. So schließe doch endlich die Läden, es könnte sonst noch jemand kommen und dich aufhalten und du mußt jetzt auch entzünden.‘ ״Gleich, liebe Mutter, gleich!" '׳ ״Der alte Rollmops, der Sekretär", dachte Merelaika unwillkürlich weiter, ״könnte in die große Schankstube kommen. Dort in der Fensterecke ist ein leerer Raum, aus dem es so unheimlich gähnt, der müßte ausgefüllt werden.“ . Mechanisch schaute sie nach jenem Raum. Dort schien sich ein dunkler Punkt loszulösen und zu bewegen. Er rollte und wuchs mit jeder Minute, wachsende Finsternis .... ״Mirjam!‘ schrie die Mutter aufs höchste, erregt. ״Sogleich, Mutter, ich komme", antwortete das Mädchen, indem es die schweren eisernen Erker klirrend herunterließ. Mit gesenktem Haupte trat Merelaika ins hellbeleuchtete Gemach. Sie hielt die .flache Hand vor die Augen, als könnte sie die Lichtfülle nicht ertragen. Durch die ■Fingerspalten schielte sie mit zusammengezogenen Brauen, abwechselnd nach dem Lichte und nach der Mutter, die in weißer Schürze mit sauber gebügeltem Häubchen auf dem Kopfe, .wie verklärt vor ihrem dicken Gebetbuche saß. '! Eine wohlige Wärm£ wehte aus allen Ecken des blitzsauberen Zimmers; '3pfa und Stühle waren . mit;weißen Spitzendeckchen ve|ziert. Auf dem Tisch, der mit einem schneeweißen Tuch! bedeckt war, standen drei weißsüberne, vielverzweigte Leuchter, in denen Wachskerzen brannten? Etwas Reiter standen zwei blinkende Messingleuchter, in denen ebenfalls Kerzen steckten, die aber noch keine Flammen.t hatten. Mit einer gewissen׳ Sehen starrte Merelaika, nafü diesen toten Kerzen. Durfte sie es eigentlich wagen, innen Leben einzuhauchen, das Sabbatiieht zu mehren? Werden sie aus ihrer Hand die Lichtspende empfabgen? ■; (F9rtsetiung folgt.) — Der jii dis ch e Kapitalsimport in Erez Jisroel betrug im September nach vorsichtiger Schätzung mindestens 600.000 Pfund. — J am al el Hus s eini, Mitglied der arabisehen Exekutive, forderte in der palästinensischen' arabisehen Zeitung ״Falastin“ alle Araber und Christen zum \Bqykott der Juden und ihrer Produkte auf. Husseini war während der letzten Unruhen verhaftet worden und wurde gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. — Die Leitung der ultranationalistischen a r a b isehen I st a kl alp art ei will beim internationalen Schiedsgerichtshof im Haag eine Klage gegen die P alästina-Re gier ung einbringen. , -— In den ersten acht Monaten des Jahres 1933 sind 14-905 Juden zu dauerndem Aufenthalt nach Erez Jisroel gekommen. 1932 waren es im ganzen 3841, 1931 •8049. Die Gesamtzahl der jiiäischen Einwanderer seit Kriegsende beträgt 132.930. . — Die Zementfabrik N e sher i n Haifa, die kürzlieh ihr Kapital für' Investitionen um 150.000 Pfund erhöht hat, kann die geplanten Bauarbeiten wegen des herrschenden Arb eit er mang eis nicht in Angriff nehmen. —- Der . neue mmänische Ministerpräsident 1. G. Du ca erklärte, er werde für Fr eiheit und Gleich- Berechtigung aller Bürger ohne Rücksicht auf Re- Hgions- und Rassezugehörigkeit eintreten. — Dr. Ludwig Tie tz, Vizepräsident des ״Central- Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einer der führenden Persönlichkeiten des deutschen Judentums, ist an den Folgen von Mi ßh an dl u n ge n, die , Nazi-Leute ihm anläßlich einer Hausdurchsuchung ■machten, gestorben. Er und eine Anzahl jüdischer Jugendlicher, die sich «u einer Beratung in seiner Wohnung eingefunden hatten, wurden geschlagen und in einen Nazikeller verschleppt. ׳—Professor Dr. Artur Woldemar Meyer, Leiter des Krankenhauses Westend in Berlin, versuchte den Verdacht jüdischer Abstammung dadurch abzttlenken, daß er einen radikal-antisemitischen Standpunkt einnahm und sämtliche ihm unterstehenden‘ jüdischen Aerzte entließ. Nachdem bekannt würde, daß sein Großvater Judexöar, hat er seine Frau und sich selbst erschossen. —־ Die Beschlüsse einiger ostpreußischer Städte, von den Juden einen hundertprozentigen Zuschlag zu den Gasuncl Strompreisen . einzuheben, wurden vom Landrat annulli e r t, Die bisher gezahlten Zuschläge werden rückerstattet. —. Der Bevölkerungszuwachs der Juden in Polen ist in den letzten Jahren stark im S i n k e n. Während 1925 die Zunahme der jüdischen Bevölkerung 18,5 auf 1000 ausgemacht hat, beträgt diese jetzt mir, 11,4 pro 1000, , , — Mehrere hundert Mitglieder der Jabotinsky- Fronten Bnth Hechdjal Und Brith Trumpeldor demonstnerten vor dem englischen Konsxilat in Warschau gegen die Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung. Polizei zerstreute die Demonstranten und verhaftete einige von ihnen. . H, Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel, R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. Behördl. kouzess. Gebiiudeverualtung ARON NEUFELD Reelle Bedienung. Wien, II., Franz-Hochedlinger-Gasfe $׳ timm