Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 46 (24.11.1933)
- Date
- 1933-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zürich Vlll, 4117; für die Tschechoslowakei s .judische Presse*,Bratislava,P08t8pk.־ Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 46 Wien-Bratislava, 24. November 1933 כיה ווינא־פדעסבורג ו׳ בסלו תרצ׳ד 19. Jahrs׳ Kulturkampf Von gestern uncl heute*. Von Dr. Arthur Bogner. (Schluß.) Was diese rechtzeitige Umstellung für die Erhaltung der deutschen Orthodoxie und damit für die Erhaltung der deutschen Judenheit überhaupt;bedeutet, erkennt man an dem traurigen Schicksal der Juden Böhmens und Mährens, die die Zeichen der Zeit nicht verstanden und sich nicht bequemen konnten, die Waffen nach . dem Gegner zu wechseln. S. R. Hirsch, der vor seiner Be- -rufung nach Frankfurt dort wirkte, mußte die Erfahrung machen, daß seine Tätigkeit mehr noch als durch die von ihm bekämpften Reformer, von dem eigenen, dem orthodoxen Lager behindert wurde.. Dem Kampfe nach zwei Seiten auf die Dauer nicht gewachsen, hat er Nikolsburg, das damals noch, eine Stätte reichen jüdischen Lebens . war, verlassen und sich nach. dem vollkommen verwaisten Frankfurt am Main gewandt, von wo aus es ihm!beschieden sein sollte, siegreicher Bannerträger der Orthodoxie ganz Deutschlands zu sein. Die Gegenüber- Stellung der späteren Entwicklung dieser beiden Städte, Frankfurt und Nikolsburg,. muß auch der Gegenwart Warnung und Lehre bleiben. Ganz anders stellt sich das Verhältnis in den östliehen Ländern Europas dar. In R u ß 1 a n d und damit auch in Russisc 11- Polen kann man bis zu dem im Jahre 1917 erfolgten Zusammenbruch des zaristischen Regimes überhaupt von keiner eigentlichen Judenemanzipation sprechen. Aber auch in Ländern wie Galizien und Ungarn, wo die Juden als Untertanen der Oesterreichisch-ungarischen Monarchie •de jure die Gleichberechtigung mit ihren christlichen Mitbürgern besaßen, wirkte• sich dies ־ kültürell iri׳ keiner W eise “ ׳aus;;Neuzeit-־ liehe Geisteskultür war in diesen Ländern niemals Gemeingut des Volkes'geworden und ist es auch bis heute nicht. Dazu kommt, daß die Hauptmasse der Juden nicht wie ihre westlichen Brüder in Großstädten sondern in Dörfern leibte, inmitten einer bäuerlichen' Bevölkerung, die, bar jeder höheren Kultur und Zivilisation, vielfach. ein tierähnliches Dasein führte. Hier hatte die Emanzipation keine Ghetti zu öffnen gehabt, denn diese hatten hier nie 1b e standen: die Schranken, . die sich hier zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Bevöikerungx erhoben,, waren durch den gewaltigen kulturellen Höhenunterschied gegeben, der zwischen diesen beiden Teilen der Bevölkerung bestand, und konnte von keiner Emanzipation beseitigt werden. Eine Assimilation an den galizischen slowakischen oder ungarischen Bauer war *) Bemerkung der Redaktion: .Wir haben vorige Woche bereits betont, daß wir uns mit diesen Ausführungen nicht vollinhaltlich identifizieren. Wir werden Gelegenheit nehmen, das ganze Prahlern auch von der anderen Seite zu erörtern und stellen unsere Spalten für eine breite Diskussion über diese Frage gerne zur Verfügung. Das schönste Geschenk sind REDLER-MOBEL in . Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst•• klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse. Wien i, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra‘-Mitglied) AUTOFAHRSCHULE . GUM PEN DORF“ TELEPHON A-36-0-85 JfSlwiulr »UlFSrlS■ Personen-, Lastkraftwagen und Motorrad / Steyr XILXXX und Praga über 3'/» Tonnen j Eistklasslge Lthrkrä te f Zeitgemäß Preise Wien VI, GumpendorferstraBe Nr. 86 F ei ne D a m e ווו וו o d e n F. 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Die östliche Judenheit war bei der ersten Phase des Kulturkampfes stehen geblieben 'und damit war auch ihre Kampfesparole gegeben: Abschließen! Wo immer sich fremde Kultureinflüsse besonders in städtischen Zentren zu zeigen begannen, würde jede Auseinandersetzung i mit ihnen abgelehnt, weil man noch die Möglichkeit hatte, sich ihnen zu verschließen und die wenigen Neuerungsbefließenen als das zu brandmarken, was sie meistens wären,׳böswillige oder bornierte. Zerstörer. War man. sich im Osten auch immer dessen bewußt, daß man in der neuen deutschen Orthodoxie, der Neo- Orthodoxie, wie sie ihre Gegner bannten, treue Mitkämpfer für die •eigenen Ideale hatte, so hat man auch nie vergessen, daß dieses aus den Notwendigkeiten der Zeitumstände hervorgegangene Gebilde keinen Idealzustand darstellt. Man s c h ä t z t e die deutsche Orthodoxie, man hatte Ächtung vor ihrem Mute in Kampf und Auseinandersetzung mit, inneren ur^i äußeren : Feinden. Für ts i c‘h. s e Ib'ä t •aber• lehn t e'nf&n ■vollem Recht — ab. Die Entwicklung der letzten Jahr-‘ zehnte läßt aber zweifellos erkennen, daß auch diesem Teile der Judenheit die; Auseinandersetzung mit den ' Kulturproblemen der Gegenwart ■nicht erspart bleibt. Hätte man auch noch vor den ersten Ansätzen des Sozialismus und des einseitigen Nationalismus innerhalb der polnisch-russischen Judenheit■ seit der Jahrhundertwende die Augen schließen wollen: hätte man ,da auch noch .wirklich gehofft, den antireligiösen Bestrebungen־ dieser . beiden ,Bewegungen dadurch beikommen zu können, daß man noch mehr in sich ging;' hätte man die Jugend dadurch noch halten zu können geglaubt, daß man den Trennungsstrich zwischen sich Und der Umwelt noch dicker zog — die Ereignisse der Kriegs- und. Nachkriegszeit haben hier gründlich Wandel geschaffen. Krieg, Hunger, Revolution, politische und soziale Umwälzungen von bisher unerhörten Dimensionen haben es ermöglicht, daß die Richtungen, , die an einer Bagatellisierung, ja womöglich Eliminierung der Religion aus dem jüdischen. Volkskörper arbeiteten, immer weitere Kreise , der Jugend an sich gezogen haben und noch heute ständig im Wach- 1 sen begriffen sind. Es!kann und darf heute nicht mehr I übersehen werden, daß die, jüdische Jugend Ostj europas auf das äuß erste gef ährdet ist. Der i Feind ist heute zu mächtig, als daß er einfach umgangen werden könnte, unerläßliches Erfordernis der Zeit ist es nun heute auch dort, die Reserve zu verlassen und ' theo- ■retische und praktische Auseinandersetzung mit ihm aufzunehmen. Gilt dies׳ von jenen altehrwürdigen!Stätten, die seit Jahrhunderten schon Zentren echten jüdischen Lebens bilden, um wieviel ■mehr erst von jenen Gegenden, wo prthodoxe jüdische Gemeinschaften, wie etwa in W i e n, noch jung und traditionsarm sind. Denn die Wiener orthodoxe Judenschaft knüpft wohl ideell, nicht aber genetisch an das jüdische Wien des ״Or Sorua“ an.. Aus dem Zustrom von Polen, Ungarn und anderen östlichen Ländern sich nährend — nur die wenigsten können bereits auf. einen in Wien wohnhaften Urgroßvater hinweisen —, geht ihr jenes Einfügen in das örtliche Milieu ab, jene Bodenständigkeit im eigentlichen Sinne, die für die jüdischen Gemeinden Osteuronas ebenso selbstverständlich ist wie für die Deutschlands. Dieser Mangel wahrhafter Örtlicher Verbundenheit kommt schon rein äußerlich in der starken, Trennung nach Landsmannschaften zum Ausdruck, Sie alle stammen aus dem unverfälschten Milieu vollkommen in sich geschlossener jüdischer Reinkultur des Ostens, und diese polnischen upd ungarischen Juden, sie bewahren auch hier in der österreichischen Hauptstadt ihre geistigererbundenheit mit der alten Heimat weiter. Sie fühlen sich wirkt antiseptisch, ei frischt den Mund und erhält die Zähne rein, schön und gesund. hier fremd und sind zunächst unfähig, die früher oder später unvermeidliche Auseinandersetzung mit den lokalen kulturellen Gegebenheiten zu finden. Katastrophal wirkte; sich das bei der in den Kriegsjahren erfolgten Riesen- Zuwanderung polnischer Juden aus, die, unfähig, ihr Judentum in die Sprache der neuen Umgebung zu übersetzen, entweder wesentliches von demselhen preisgäben oder auf dem Status des Fremden verharrten. Ihre Jugend ist der Wiener Orthodoxie zum weitaus größten Teile verlorengegangen. .; Verkehrt wäre es allerdings, das Hirsch'sche Muster in gedankenloser Nachahmung zu kopieren. Wir wissen, daß jeder Ort und jede Zeit ihre eigenen Lebensgesetze besitzen, und daß sich daher ein schematisches Uebertragen. fremder Formen zweifellos ungünstig aus wirken müßte. Aber; das Grundprinzip •wird dasselbe bleiben müssen, allerdings sinnvoll auf die lokalen Gegebenheiten angewandt. Wir haben hier in reichlicherem Maße als ,־unsere westlichen Brüder die ׳Möglichkeit,. unsere Jugend auf den Jeschiwos Thora lernen zu lassen und ihr darüber hinaus; durch den mehr oder, minder langen Aufenthalt, in jenen kleinen, abseits von westeuropäischer Kultur liegenden ־ Orten, des Ostens noch ein Bild jener alten, in sich ge־; schlossenen echten jüdischen ■Gemeinschaft, der Kehillo,! vor Augen zu führen und ihrer Seele als Wunschtraum einzupflanzen. Aber wir dürfen darüber nicht vergessen, daß abgesehen davon, daß einem großen Teile!unserer Jugend, dies heute noch verwehrt ist, auch jene glücklicheren ver- urteilt sind,- früher! oder später in die Großstadt zurückzukehren, in einem Alter, da die geistige Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist. Soll, hier vermieden werden, daß der Jeschiwoaufenthalt statt zu einem dauern- : den,'lebensbestimmenden Ereignis zu werden, zu einer bald vergessenen Episode herabsinkt, so. ist in der gesamten Jugenderziehung von frühestem Kindesalter angefangen den örtlichen und zeitlichen Umständen Rechnung zu ‘ tragen, und das Ziel nicht in dem betonten Kontrast zur' Umwelt, sondern in dem harmonischen Sichdurchsetzen des Judentums innerhalb der Gegebenheiten, in welche wir nach, g-ttlichem Willen hineingesetzt sind, zu sehen. ■ HILFSKOMITEE FÜR JESCHIWAH-BACHURIM * Vorsitzender: Kom.-Rat Moritz Leitner Sekretariat: 11״ Leopoldsg. 16 , Tel. A-48-4-15 Samstag, den 25. November d. J., um 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Hotel ״Post“, I., Fleischmarkt 24 (Eingang Drachengasse), .?;;; zum Andenken an den weltberühmten Meister des Gesanges, eine große Jossele-Rosenblatt-Gedenkfeier . statt. Es wirken mit: Die Herren Oberkantoren Fränkei; Löwit, MarguUes, Müller und Weiß und Herr Kurt Fuchsgelb (Violine), sowie eine.Reihe weiterer nam• hafter Künstler. Karten zum Preise von S l.-r- bis 5.—• sind im Sekretariat, Wien, II., Leopoidsgasse 16, erhältlich, Restliche Karten eventuell an der Abendkassa. Das Reinerträgriis dieser Veranstaltung fließt der Unterstützung armer Thörajünger zq. ' erhält bei mir Kiü schon innerhalb S Stunden eine ind!vWucn<|jhren1 Gesichte entsprechend modellierte Jppei der weJtbe1fannten^P©rÜCHCil״Kl|ll|IW6fk|tätl© Wien l, Kärntnerring 6 INT Telephon0Nr, U-47^-16 «י Wh äiiSSII