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Jüdische Presse · 1933-10-20 · 41 (20.10.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
41 (20.10.1933)
Date
1933-10-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gölte i JtrtMSöttß MHBSSfi t gestellte» i» Palästina nicht so gut wie die der Handarbeiter. Die Gehälter sind unzureichend. In Jerusalem gibt es 60 erwerbslose Angestellte» hingegen sind in 4Tel- Awiw ünd in Haifa alle Angestellten untergebracht. — Ministerialrat Dr. Deutschiähder, der be* kannte Führer des orthodoxen Erziehungswesens, weilt seit einigen Wochen im Lande. Seine Anwesenheit fällt in eine Zeit» wo gerade wichtige Schuiprohleme des orthodoxen Judentums vor der Entscheidung stehen. Einerseits kam Oberrabbiner Duschinsky mit Seiner großen Jeschiwa ins Land und gab diesem allerwichtigsten Erziehungszweig des Überlieferten Judentums kräftige Impulse. Andererseits aber kommen besonders aus Deutschland thoratreue Elemente ins Land, die nebst oder vor der Jeschiwa eine auch weltliche Erziehung ihren Kindern angedeihen lassen möchten. Bekannte orthodoxe Pädagogen, wie der Direktor der Frankfurter Hirsch-Schul, Dr. Elias» Professor Dr. Samson Breüer, sind bestrebt, auch diese Elemente der Orthodoxie durch die Schaffung eines entsprechenden Erziehungswerkes zu befriedigen. Es ist eine glückliche Fügung, daß Herr Direktor Dr. Deutschländer ebenfalls hier ist, Um auf Grund seiner reichen Erfahrung aUSgleichend zu wirken. Feste Resultate haben alle diese Pläne noch nicht gewonnen. Unbestritten und von allen Gruppen der Orthodoxie anerkannt ist die Not- Wendigkeit, Mädchenschulen im Geiste von Beth- Jakob zu errichten. Eine große öffentliche Versamm- Iung zür Gründung einer solchen Schule in Tel-Awiw fand noch vor Sukkos statt; Herr Dr. Deutschländer referierte über das große europäische Beth-Jakob-Werk. Es wurde beschlössen, zunächst in Tel-Awiw eine, Beth-Jakob-Schule zu gründen. Dank der zahlreichen Anmeldungen konnte schon unmittelbar nach Sukkos die erste Schule mit zwei Lehrerinnen (beide sind Zöglinge der Krakauer Anstalt) in Tel-Awiw eröffnet Werden. Weitere Gründungen im Lande stehen unmittelbar bevor. — Fünf jüdische Knaben im Alter von 13 bis 16 Jahren sind, während sie mit anderen Mitschülern ohne Aufsicht eines Lehrers im Jordanfluß badeten, in eine starke Strömung geraten und ertrunken. — Ein Jerusalemer Gericht verurteilte Aaron Zuckermann aus Tel-Awiw zu zwei Wochen Gefängnis, weil er das nach den Unruhen im Herbst 1929 ausgesprochene Verbot des Schofarblasens an der Klage mau er ^Übertreten und am vergangenen Jom Kippur nach dem Neilah-Gebet an der Klagemauer Schofar geblasen hat. — Von den fünf Arabern, die des Mordes, beziehungsweise der Teilnahme am Morde an dem jüdischen Kolonisten Joseph Jacobi und seinem zehnjährigen Sohn in'Nahalal angeklagt waren, wurden vom Haifaer Krejsgericht zwei als der׳ Mordtat überführt zum Tode verurtei 11, zwei wurden -wegen unzureichender Beweise, einer wegen nachgewiesener Unschuld freigesprochen. Der Witwe Joseph Jacobis wurde eine Ent- Schädigung von 400 Pfund zugesprochen.; — Vier arabische Scheichs, unter ihnen der in dem Jacobi-Mordprozeß freigesprochene Khalil Issa, sind unter der Beschuldigung verhaftet worden, der terroristischen arabischen Geheimgruppe anzugehören, die es sich angeblich zum Ziele gesetzt hat, Mordanschläge auf Juden zu Verüben. Die Untersuchung wird wahrscheinlich längere Zeit in Anspruch nehmen. — Auf wiederholtes Drängen der interessierten Kreise hat die Leitung des arabischen Nationalfonds, der dazu bestimmt ist, den Uebergang arabischen Landes in jüdische Hände zu verhindern, und für den eine in größtem Maßstab aufgezogene Propaganda eingeleitet wurde, die bisherigen Sammelergebnisse veröffentlicht. Insgesamt wurden in Palästina und im Ausländ mänderungen von Jumpern und Pullovern, :unststoppen von Stoffen und Seide, Repas- 1 e r e n und Anstricken von Strümpfen n u r in der REPASSIERWERKSTÄTTE SCHLESINGER, Pien, I., VVeihburgg. 2 (Ecke Parkring), Tel. It-21-908. » Raummangel halber mußte diese Woche die Fort- Setzung der Erzählung ״Hinter Mauern“ ausbleiben. 218Ö Pfund aufgebracht, eine im Verhältnis zu den groß■1 sprecherische» Ankündigungen bei Gründung des Fonds sehr bescheidene Summe; . — ״Döäf Hajom" Meldet; ״Wir hörten, daß letztens eine neue Abteilung hei der Bolizei gegründet wurde, um die Suche nach Touristen, die ohne Erlaubnis im Lande geblieben sind, zu verstärken. Die neue Abteiiuflg Wird von drei Beamten geleitet werden, einem Engländer, einem Juden und einem Araber.“ — Obwohl viele ״ Schiffe bereits im Haifaer Hafen ihre Passagiere von Bord gehen ließen und Waren -ausluden, ist der Hafen noch nicht offiziell eröffnet. Jetzt hat die Regierung bekanntgemacht, daß der Hafen am 31. Oktober offiziell eröffnet werden wird. — Die Gesamtzahl der im 2. Quartal 1933 in palästinensischen Häfen gelandeten Schiffe beträgt?84 gegenüber 705 in der gleichen Zeit des Vorjahres; die Gesamttonnage 771,116 Tonnen gegen 465.592. , Beth-Jacob wirbt. Die Beth-Jacob-Idee wirbt immer neue und neue Anhänger und Anhängerinnen. Trotz Wirtschaftskrise, trotz politischer Schwierigkeiten, wächst die Zahl der Anhängerschaft dieser Idee von Monat zu Monat, die eigentlich die selbstverständlichste in jüdischen Kreisen sein sollte, die Idee, daß auch die jüdische Tochter erzogen und für eine jüdische Lebensweise gewonnen werden muß. Die werbende Kraft der Idee zeigt sich in erster Reihe in Gründung von neuen Beth-Jacob-Schulem In diesem Zusammenhang möchten wir auf zwei Schulen in der Westslowakei hinweisen, auf jene in N i t r a und Topolßany, die beide mit jungen Lehrerinnen besetzt wurden, welche in diesem Sommer ihre Diplome an der Wiener Lehrerinnenbildungsanstalt erhielten. Beide Schulen haben schon in der ersten Woche ihres Bestandes mehr als 100 Schülerinnen aufzuweisen. Eine ebenso glückliche Entwicklung hat die Beth-Jacob-Schule in Oradea (Neurumänien), deren Lehrerin ebenfalls in diesem Sommer das Wiener Lehrerinnendiplom erhielt. Weitere Schulen werden in der Ostslowakei und in der Bukowina nach den Herbstfeiertagen eröffnet. In den beiden letztgenannten Provinzen fanden gerade in den Rüstwochen zu den hohen Feiertagen wertvolle propagandistische Kundgebungen für Beth-Jacob statt, welche der Beth-Jacob-Idee neue Anhängerschaft gewonnen häben. Die Landeskonferenz der Beth-Jacob- Lehrerinnen in der Slowakei am 19. Elul fand in K o § i c e statt. Sie wurde nicht nur durch die Teilnahme vieler junger Beth-Jacob-Lehrerinnen, sondern auch durch einen Besuch von Frau Sara Schenierer aus Krakau ausgezeichnet. Das Referat Frau Schenierers. hat einen unbeschreiblich tiefen Eindruck auf alle Lehrerinnen hinterlassen, ihr heiliger Eifer für die Sache der Beth-Jacob hat der Konferenz ein weihevolles Gepräge gegeben. Anschließend an die Konferenz fand im größten Saal der Stadt eine öffentliche Frauenversammlung statt, auch hier konnte Frau Schenierer durch ihre Persönlichkeit einen wunderbaren Erfolg erzielen. Die ganze Konferenz ist.eine Krönung der ausgezeichneten propagandistischen , und erzieherischen Arbeit der Lehrerin in Koäice, Fräulein Johanna R o o s, und ihrer Mitarbeiterinnen. Nach der Konferenz fand noch in P r e § o v eine Kundgebung für Beth-Jacob statt, an welcher Frau Schenierer ebenfalls teilnahm. Durch diese Veranstaltung gen ist die Beth-Jacob-Idee, die speziell in der Ostslowakei durch Wirksamkeit mehrerer Schulen große Fortschritte gemacht hat, auch, in Bevölkerungsschichten hineingetragen worden, die bisher der Idee fremd, ja manchmal gar feindlich gegenüberstanden. ' Unmittelbar vor den hohen Feiertagen fand eine kurze Propagandareise von Frl. Eva Landsberg, Dozentin an der Wiener Beth-Jacob-Lehrerinnenbildungsanstatt, statt, die sie von Budapest über Oradea und Cluj nach der Bukowina führte. Eine imposante Kundgebung für Beth-Jacob fand auch in Sighet statt, wo Frl. Landsberg in einer *zahlreich besuchten Frauen- Versammlung sprach. Die Kundgebung hinterließ in der TREFFER ANLEIHE Zur Arb e 1 ts beschaff ung di e ö s t e r r e i c h i sc h e Treffer-Anleihe 4% Verzinsung Goldwert-Sicherung Steuer- und E r b g e b ü h r en fr e i h e i t Verwendbarkeit altösterreichischer Renten zur Einzahlung Jährlicher Haupttreffer: Eine Mi l H o n Sch i H i n g und 2200 Treffer von 500 bis 200.000 Schilling Zeichnungsfrist: 2. bis 21. Oktober 1933 m 41 jüdischen Bevölkerung der Stadt., einen tiefe» Eindruck. Die bewährte Kraft von Frl. Läädsbefg, die nicht nur als Lehrerin, sondern auch älaPfopagähdärednerin auf einer außerordentlich hohen Stufe steht; mtgt bereits ihre Wirkung durch die Gründüng neuer Schulen in der Bukowina. , Infolge dieser erfreülichen Entwicklung hofft die Zdntralleitung der Beth-Jacob-Organisation, daß so wie im Vorigen Jahre, auch heuer, alle* Lehrerinnen, welche Diplome erhielten, in Stellung kommen werden, ln Anbetracht der Wirtschaftskrise, die fast die ganze. Welt ergriffen hat, ist’ diese Tatsache der beste Beweis für die gesunde innere Kraft, welche der Beth-Jacob-Bewegung innewohnt. Es ist nicht wunderzunehmen, daß infolge dieser glücklichen Mischung von ideellen und materiellen Vorzügen der Zustrom zu dem Beruf von Beth-Jacob- Lehrerinnen in stetem Wachsen begriffen ist. Die Anmeldungen sowohl für das Krakauer, wie für das Wiener Zentralinstitut für das Wintersemester, das am 15. Oktoher begann, sind eine der erfreulichsten Auswirkungen des Aufstieges der Beth-Jacob-Idee. Woche aig|3 xii Woche — Die seinerzeit angekündigte Demarche der Vereinigten Staaten wegen immer sich wiederholender Angriffe auf in Deutschland weilende, besonders jüdische Amerikaner ist am 13. Oktober durch den amerikanischen Botschafter Dodd im Berliner Auswärtigen Amt erfolgt. — Das BudapeSter Strafgericht verurt eilt e die drei Führer der ungarischen N ational- Sozialisten, Böszerm&nyi, Oläh und Lengyel, wegen Aufreizung gegen die jüdische Religionsgemeinschaft und wegen Beleidigung der Regierung zu insgesamt elf Wochen Gefängnis. Die Verurteilten hatten behauptet, die Regierung habe das Presseorgan der Nationalsozialisten unter dem Druck des internationalen Judentums auf Grund einer ausländischen Intervention verboten. — Der bekannte B u k.o winaer Antisemitenführ er, Abgeordneter Robu, der vor kurzem auf dem in Radautz abgehaltenen Cuzistenkongreß eine besonders aufreizende judenfeindliche Rede gehalten hat, wurde wegen U nruhestif tun g unter der bäuerlichen Bevölkerung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Robu hat durch seine Attacken auf jüdische Abgeordnete im rumänisehen Parlament eine traurige Berühmtheit erlangt. — Die polnischen Gerichte haben in den letzten Tagen außerordentlich scharf e Urteile gegen antisemitische Agitatoren gesprochen. So hat das Lodz er Gericht den Geistlichen Dogorinski zu einem Monat Gefängnis und 300 Zloty Geldbuße wegen Verbreitung antisemitischer Flugblätter verurteilt. Gustav Nowak und Josef Nowakowski wurden vom Plozker Gericht wegen Organisierung antijüdischer Unruhen im Dorfe Bodzanow zu fünf, resp, drei■ Jahren Gefängnis verurteilt. — In Zagreb und in Sarajevo kam es aus Anlaß des Besuches hakenkreuzlerischer Studenten aus Deutschland zu hitlerfeindlichen Demonstratio n en jugoslawischer Studenten. — Die laut Beschluß der Regierung der Sowjet- Union für Ende 1933 angesetzt gewesene Proklamierung von Biro-Bidschan im Fernen Osten als autonomes jüdisches Gebiet ist auf einen, späteren Zeitpunkt v er s chob en worden. —> Nach Kattowitz wurden soeben 40 deutsc hjüdische Kinder gebracht, deren Eltern sich in deutschen Konzentrationslagern befinden oder die verschleppt worden sind, ohne daß man ihren Aufenthaltsort kennt. Das zentrale jüdische Waisenamt hat die Kinder auf die Waisenhäuser in Warschau und in anderen Städten Polens verteilt. — Zwei unerkannt entwichene Täter schlichen sich in die Redaktionsräume der in Warschau erscheinenden jüdischen Tageszeitung ״N asz Pr ze gl ad" ein und legten einen Handkoffer nieder, der eine H öllenm as chin e enthielt. Durch rechtzeitige Entfernung konnte ein großes Unglück verhütet werden. — Am gleichen Tage schleuderten unerkannt gebliebene Täter eine P et ar de in ein jüdisches Restaurant in der Marszalkowska-Gasse. Das Geschoß explodierte und rief unter den Gästen Panik hervor, Verletzte gab es aber keine. — Im Hause der polnisch-palästinensischen Handelskammer hielt das Komitee zur Rettung der jüdischen Opfer des neuen Regimes in Deutschland eine Beratung ab, in der beschlossen wurde, nach den Sukkoth-F eiertagen in ganz Polen eine großangelegte Aktion zugunsten der verfolgten deutschen Juden durchzuführen. In die Durchführungskommission wurde der Präsident der polnischen Aguda, J. M. Lewin, gewählt. — Das Leipziger Amtsgericht hat den jüdischen Privatlehrer Jakob J akobowit z wegen Vergehens gegen das Reichsgesetz über das Schlachten von Tieren zu vier Monaten Gefängnis, seine Frau wegen Beihilfe zu fünfzig Mark Geldstrafe verurteilt. Jakobowitz war von der Polizei überrascht worden, als er mit seiner Frau Hühner schächtete. — Die neugewählte Exekutive der Zionist isehen Organisation hat sich wie folgt k o nstituiert: Vorsitzender der Palästina-Exekutive und Kolonisation — Dr, Ruppin; Politik — Ben Gurion; Schatzamt — Dr. Hexter; Mittelstandssiedlung — Elieser ■Kaplan; Einwanderung — Jizchok Grünbaum; Unterricht — Doktor Berkson. — Als Nachfolger seines verewigten Vaters s, Z. I. wurde Rabbiner Hirsch Auerbach vergangene Woche als II alb er Städter R ab b in e r installiert. ־ — Am 25. September ist in einem Hotel in Albuquerque der Gouverneur des Staates Mexiko Artur Seligman plötzlich gestorben. Gouverneur Seligman war eines der vier jüdischen Staatsoberhäupter nordamerikanischer Staaten, — Der schwedische Advokaten verb an d hat die Frage, ob deutschen nichtarischen Rechtsanwälten die Ausübung einer Praxis in Schweden g estattet werden soll, abschlägig beschieden,. — Die B erlin er Kaffeehausbesitzer sollen von der Leitung der NSDAP, den Auftrag erhalten haben, an jüdische Besucher keine Konsumatio n e n mehr zu verabreichen, U, Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe.

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