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Jüdische Presse · 1933-10-20 · 41 (20.10.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
41 (20.10.1933)
Date
1933-10-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jfovlitme vyplafcnO povölenö riadlt post 1 teicgtfifbf * ßratialäve fila, 41572411-20. M Zeitungen Vötw Verlegef versemfHi!Mi pf 11#^ iiinicpMF pn^ec juuidunt riibAiLk Redaktion und Administration: Wien, H., KOlZgasM 12 &. Tel. A-48-4-15. —- Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Bucheint jeden Freitag« — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich 8 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, das Übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer 08t. Gr. 40• r .• ׳ ■; < ל 5«.^:•- •' ־ c ... .... Zahlungen auf Konto ,JüdUcfte Prtut*, Wf«j, für Oesterreich: Poitsparkaasenkontn Nr. D-98614; Deutschland 1P08t* «checkkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien 1 Post«pk.־A1ttt Zagreb Nr. 40217; olen!Post8pafk.-AmtWar«chaüNr.l9040fc Ungarn t Postspk.-Amt Budapest Nr, 50170; Schwebe i Po«? «checkk. Zürich VW, 4117; für die Tschechoslowakei• JüdUchePrea8e״,Bratlslava,Postspk.-AmtPragKontoNr.5§380 Nr. 41 Wien-Bratislava, 20. Oktober 1033 ביה ורנא־פרעסכורג ל׳ תשרי תרצ׳ה 19. Jahrg. Das Schicksal der deutschen Juden vor dem Völkerbund Während wir Juden überall auf dem Erdenrund das Sukkos-Freudenfest begingen und bekundeten, daß trotz aller Stürme und Schicksalsschläge die flüchtige Hütte unter G-ttes Obhut Schutz genug für das jüdische Volk bietet, fand die Versammlung des Völkerbundes statt, an welcher in mehrfacher Beziehung jüdische Probleme erörtert wurden. Das quälende Schicksal des jüdischen Menschen in Deutschland, die Tragik jener brotlos gemachten . Familien, welche das Dritte Reich verlassen mußten, ist eine Frage des Gewissens aller Völker geworden, die nicht mehr wortlos hinnehmen können, wenn Barbarismus von Prinzipien, wenn die Grausamkeit von Systemen wütend in das Schicksal von Menschen und Familien eingreift. Bei aller kühlen diplomatischen Zurückhaltung fanden die Vertreter fast aller Kultur- Staaten deutliche Worte für die Frandmarkung der Grausamkeit des Dritten Reiches und was uns noch mehr freut, ist, daß diese Vertreter der großen Kulturstaaten Anerkennung für die Leistungen der Juden gefunden und nach Schutzmitteln zur Milderung ihres traurigen Schicksals gesucht haben. Die großen Debatten in der fast eine Woche andauernden Völkerbundversammlung gruppierten sich hauptsächlich um ־ drei wichtige Punkte. Der holländische Außenminister de Graeff beantragte, daß man unter der Aegide des Völkerbundes. in das Schicksal der Flüchtlinge, die Deutschland verlassen mußten, helfend eingreife. De Graeff. bezifferte die Ge- - samtzhal ־־~'äör״ deutschen** Emigranten".äüf ־ 50.000 ־ bis 60.000. Er entwickelte sodann im einzelnen einen Plan über die technische und finanzielle Durchführung der von ihm vorgeschlagenen Organisation. Der Vertreter Deutschlands opponierte dagegen, daß der Völkerbund'als solcher mit dieser Frage sich beschäftigt. Aber es konnte, dank der Vermittlung des, schweizerischen Vertreters doch ein Kompromiß erzielt werden, daß der Völkerbund nur einen Hohen Kommissar für diese Frage bestellt und einen Vorschuß von 25.000 Franken dem Komitee zur Einleitung der Arbeiten zur Verfügung stellt. Ansonsten wird dieses Komitee unabhängig vom Völkerbund sich organisieren, um mit Hilfe der _ interessierten Staaten und Organisationen die Hilfsaktion für die deutschen Flüchtlinge durchzuführen. Eine diesbezügliche Resolution wurde bei Stimmenenthaltung des deutschen Vertreters mit den Stimmen aller übrigen Mitglieder der Ver- Sammlung angenommen. Im Zusammenhang mit der Erörterung des deutschen Flüchtlingsproblems kam selbstverständlich auch die Palästina-Einwanderung ziir Sprache. Es ist naheliegend, daß ein Großteil des jüdischen Flüchtlingsstromes nach Palästina sich wendet. Es war für jeden Juden erhebend, die Anerkennung der in Genf versammelten Staatenlenker für die in Erez Jisroel geleistete Arbeit zu vernehmen. Ebenso erfreulich, war der Appell einiger Vertreter an die englische Mandatarmacht, die Tore Palästinas für diese Flüchtlinge weit zu öffnen. Der Vertreter Englands, Sir Örmsby-Gore, wies mit Zustimmung des französischen Vertreters Senator Börenguer darauf hin, daß die Mandatsgebiete in Vorderasien, also Syrien und Palästina, nur über beschränkten Raum verfügen, und daß überstürzte Lösungen und Masseneinwanderungen die allgemeinen Verhältnisse in Palästina beeinträchtigen könnten. Konnte nun bei den Flüchtlings- und Wanderungs- , Problemen irgendwie Einhelligkeit oder zumindest eine ׳ Kompromißlösung gefunden werden, so kläffte der Gegen- : satz in der überaus verwickelten Materie des Minderheitenproblems schroff aufeinander. Eine Gruppe von Staaten verlangte die Ausdehnung der Minderheitenschutzparagraphen auch auf Deutschland. Frankreich und England AUTOFAHRSCHULE TELEPHON A-36-0-85 5J GUMPENDORF“ Personen-, Lastkraftwagen und Motorrad / Steyr XII. XXX und Praea über 3‘/» Tonnen / Erstklassige Lehrkräite / Zeitgemäße Preise Wien VI, Gumpendorferstraße Nr. SB schlugen vor, die Empfehlung[ der Völkerbundsversammlung vom September 1922, däß die Staaten, die gegenüber dem Völkerbund nicht durch formelle Verpflichtungen auf dem Gebiete des Minderheitenschutzes gebunden sind, trotzdem gehalten sein sollen, ihre Minderheiten der Rasse, Religion und Sprache!mindestens ebenso gerecht und tolerant zu behandeln, wie es die Verträge und die ständige Praxis des Völkerbundes fordern. Gegen diesen Antrag vertrat der deutsche Delegierte v. Keller den Standpunkt, die deutschen Juden seien keine Minorität, weder in sprachlicher noch in nationaler Hin- Sicht. In religiöser Beziehung seien sie nicht beschränkt. Sie würden deshalb nicht unter den Minderheitenbegriff fallen, die deutschen Juden sind nach seiner Ansicht wohl ״Deutsche“, aber nicht ״arischer Rasse“. Da sie deutsche Staatsbürger seien, könne Deutschland mit ihnen machen, was es will, ohne daß der Völkerbund eingreifen könte. Gegen solche Erwägungen wandte sich nun aber der zweite Punkt des französischen Resolutionsentwurfes, der etwa lautet, daß die Grundgesetze des Minderheiten- Schutzes sich ohne Ausnahme :auf alle Kategorien von Staatsangehörigen zu beziehen haben, die sich von der Mehrheit der Bevölkerung ־. durch ihre Rasse, Sprache oder Religion unterscheiden. Ziir Durchsetzung dieser Anträge haben der englische Vertreter Ormsby-Gore, der Vertreter Frankreichs Senator BOrenguer und der tschechoslowakische Außenminister Benesch unter anderen das Wort zu großzügigen Reden ergriffen, die unter Hervorhebung der großen Leistungen der jüdischen Menschen zu allen Zeiten und in allen \ Staaten und des einwandfreien staatsbürgerlichen jüdischen w Menschen verlangten. ״Sicherlich“, hoben die Vertreter der westlichen Staaten hervor, ״nicht überall empfinden sich die Juden als nationale Minderheit, aber“ — so argumentierte unter anderem, Senator Börenguer — ״dort wo. gegen die Juden Sondergesetze erlassen werden, dort geraten sie selbstverständlieh in die Lage einer Minderheit.“ Vertrat der deutsche Delegierte den Standpunkt, daß di£ Entrechtung der Juden eine innerdeutsche Angelegenheit sei, so entgegneten andere Delegierte, daß es den gesitteten Gefühlen widerspricht, die Entrechtung einer ganzen Menschengruppe, die Brotlosmachung vieler zehntausender Mensehen und ihre Verurteilung zum Hungertod, als eine innerstaatliche Frage zu betrachten. Allerdings gelangte dieser zweite Punkt des Resolutionsentwurfes nicht zur Annahme, da nach den Satzungen des Völkerbundes Beschlüsse nur einstimmig gefaßt werden können und der .deutsche Vertreter seine Zustimmung versagte. | Diese große Debatte zeigte, daß Deutschland mit seiner Anschauung und mit, seiner Praxis ganz isoliert dasteht und sie war sicherlich ein großer moralischer Erfolg sondergleichen, denn sie zeigte, ־ . daß die gesittete Welt nicht wort- und tatenlos zuschaut, wie 600.000 Menschen dem Verderben ausgeliefert werden. Es vereinigten sich, in dieser erlesenen Versammlung: Respekt vor der Größe des jüdischen Schicksals mit Gefühl für seine Tragik und Bereitschaft, das Elend dieser vom tragischen Schicksal Betroffenen zu mildern. Wir Juden sind alle v<?n einem tiefinnigen Gefühl der Dankbarkeit ergriffen, für jedes freundliche Wort, das in unserem Interesse in dieser hohen Versammlung gefallen war, für jede hüfsbereite Anregung, um das traurige Los unserer armen Brüder und Schwestern zu lindern. Bei all dieser Dankbarkeit wollen wir aber feststellen, daß der Völkerbund selbst, trotz seiner hohen moralischen Kraft, doch noch nicht die Instanz ist, welche wirkliche Hilfe bringen und wirkliehen Schutz gewähren könnte. Die europäischen Staaten sind viel zu stark zerrüttet, viel zu stark durch verschiedenartige Interessen zerrissen, um hoffen zu können, daß aus ihrer Gemeinschaft, aus ihrem Staatenbund wirkliche Hilfe ersprießen könnte. Der Völkerbund ist zunächst nur den schwachen kleinen Staaten gegenüber machtvoll, den starken gegenüber ist er schwach. Die jüngste Wendung in der Abrüstungsfrage und der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund haben dies, bewiesen und in. die auch, sonst genug verworren© Das schönste Geschenk sind REDLER-MÖBEL in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst» klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse. Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitglied) Situation noch neue Unruhen und Unklarheit gebracht. Daher wollen wir nie vergessen, daß die Lösung des jüdischen Schicksals nicht die Frage der Staaten und Staatengruppen ist, sondern. immer und ewig ein innerjüdisches Problem bleibt. Es bleibt eine schwache Hilfe von auswärts vod der Konstellation der Mächtegruppe zu erwarten. ' Jüdisches Heil kann aber nur vom Innern aus sprießen. Vom Innern aus, wenn G-t.t in uns und mit uns weilt. Wir haben schon eine mehr mals 2000 Jahre alte Golusgeschichte. Die Völker revoltierten zu allen Zeiten und in allen Ländern gegen uns und wir haben all diese Angriffe und Ausrottungsversuche überdauert, weil wir im Innern stark waren, stark im Glauben, stark1 im Hoffen. Das war und bleibt ewig die Lehre der flüchtigen Sukkoh in der Wüste und wenn auch die Judenheit in der Genfer Völkerbundversammlung für jeden jüdischen Menschen eine Quelle der großen Freude und hoher Genugtüung war, so glauben wir ruhig sagen zu *können, daß nur die innere Kraft, welche der Jude aus seiner Sukkoh gewann, der starke Glaube,. der sich in der Sukkoh aüswirkt, die ewigen Fermente sind, welche ,.den, jüdischenMenschen auph^die;,Unsicherheit; des Daseins zu einer Festfreude, zu einer 'Quelle der Erhebung zu G-tt und der Erneuerung des jüdischen Menschen gestalten. Nach diesem Feste gehen wir überall in den Alltag mit dem klaren Bewußtsein, daß unsere Zukunft von uns allein abhängt. L. Aus Erez Jisroel. — Das Regierungsorgan ״Palestine Gazette“ teilt mit, daß in den letzten Septembertagen 14 heimische und 2 ausländische Handelsgesells c h af ten, ferner 2 kooperative Gesellschaften —־ eine für Häuserbau, eine für Bewässerung — und 9 Teilhabergesellschaften in Jerusalem registriert wurden. — Wie soeben vom Einwanderungsamt der Regierung mitgeteilt wird, sind im Monat Juli 1933, in Palästina 2807 Personen eingewandert, davon waren 2703 Juden. Unter den eingewanderten Juden waren 437 Personen mit eigenem Vermögen (Kapitalisten). — Vom 14. bis 21. September trafen in Haifa per Schiff 2825 Personen ein. Unter diesen waren, 1168 N e ueinwandere r, 1300 Touristen und 357 wiedereinreisende Palästina-Einwohner. Die Ankömmlinge wären hauptsächlich Juden. — Die Palästina-Regierung hat einen Zuschuß von 10.000 Pfund zum Budget der, Stadtverwaltung von Jaffa für das Jahr 1933/34 bewilligt. — Wie der arabischen. Tageszeitung ״Falestin“ aus Beisan berichtet wird, steht die grundbücherliche Einträgung von jüdischen Bodenkäufen im Gesamtausmaße von 29.000 Dunam im Distrikt Beisan unmittelbar bevor. — Die ״Nescher“-Zemen'tfabrik, die in drei Acht-Stunden-Schichten täglich ununterbrochen in Betrieb ist, ist trotzdem nicht in der Lage, den lokalen Bedarf an Zement zu befriedigen, so daß Zement aus ,Italien und Jügoslawieö nach Palästina eingeführt werden muß. ״Nescher“ hat seinen Export in die Nachbarländer schon lange eingestellt, — Der große Mange 1 an Wohnungen in Tel- Awiw hat die Stadtverwaltung bewogen, im Zentrum von Tel-Awiw ein Zeltlager zur Unterbringung neuer Ankömmlinge zu errichten. Die'Lage der Zeltbewohner ist infolge der zu früh eingetretenen Regenperiode nicht beneidenswert und es wird allgemein dringend die Errichtung fester Wohnhäuser für die Einwanderer gefordert. — Wie einem soeben herausgegebenen Bericht zu entnehmen ist, ist die Arbeitslage der jüdischen AnmM Die reisende Dame i n. ״'rvM jBKsrm v-..; «« erhält bei mir 911 InnerhalbSStuncien eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitzet der weitbekannten Perttcken-Kumtwerkstätte Wien I, Kärntnerring 6 Sr Telephon Nr. IM7-1 -16

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