Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 38 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 Nr.Sg Btmde8fe9n21er Df, Dollfuß gegen den!AntigetflUfe1tt«fe, .■■'־. ■ i» dn»m ttMeesftatufee.Dr. Ball• f tiß de«! Köfrespöftdetttett der ״Jfer Vor k f Hütia״ die politische tage find Über das Verhältnis tüm Deutschen Reich gab, erklärte er unter anderem: ״Für mich als Christ ist die Seele des Mensehen wiehtig et als seine Rasse• Ich betrachte Oesterreich als ein Land von fast sieben Millionen Seelen; wir müssen die Seele des Metisehen als über allen Fragen der Kasse und der Nationalität stehend betrachten. Ich lade alle Amerlkaner ein, nach Oesterreich zu kommen und sieh selbst davon zu Überzeugen» daß Oesterreich ei«. Land Ist, w o Toleranz Über allen Frage« der Rasse und der Religion steht.“ Sowjetrussischer Kampf gegen die jüdische Religion Der Oberste Rat der Handwerker-Kooperative für die Sowjetunion hat beschlossen, anläßlich der bevorstehenden hohen jüdischen Feiertage eine umfangreiche antireligiöse Kampagne durchzuführen. Es sollen in diesen Tagen überall Handwerkerversammlungen Veranstaltet werden, in denen der Kampf gegen das ״re 1 igiüs6 und chauvinlstische Gift** proklamiert werden soll. Am ersten Tag des jüdischen Neujahrsfestes sollen die Versammlungen in den einzelnen Ortschäften beginnen, ihnen sollen Kreisversammlungen und Deiegiertenversammlungen für ganze Republiken folgen. Diese sind für den Versühnungstag angesetzt. Die Tageszeitung ״Emess“ bemerkt hiezu, daß sich die ehemaligen jüdischen religiösen Funktionäre mehr als jemals unter die Handwerker und Mitglieder der Produktivgenossenschaften mengen. Man müsse daher die Zehntausende jüdischer Handwerker und Genossen- Schaftsmitglieder über das wahre Wesen dieser Leute aufklären. In Moskau steht die Durchführung der antireligiösen Kampagne anläßlich der jüdischen Feiertage unter der unmittelbaren Leitung des städtischen Komitees der kommunistischen Partei. Es wurde ein Programm aufgestellt, demzufolge in allen Betrieben mit einer größeren Zahl jüdischer Arbeiter antireligiöse Vorträge und Diskussionen zunächst für jede Belegschaft besonders und sodann in allgemeinen Betriebsversammlnugen abgehalten werden sollen. Gleichzetig wird eine großzügige antireligiöse Propaganda von Mann zu Mann durch־ .geführt. An den Tagen der hohen jüdischen Feste werden Exkursionen im antireligiösen Museum veranstaltet. In sämtlichen zehn Bezirken der Stadt werden Massenfeiern mit antireligiösem Programm abgehalten. Zu Kol Nidre sind Massenversammlungen in den beiden größten Sälen der Stadt vorgesehen. Ferner soll für die massenhafte Verbreitung einer besonderen antireligiösen Proklamation und antireligiöser Literatur gesorgt .werden.; ' Koschermilch. Die österreichische Molkerei-Union S. & G. P i sk, Wien, XX., Nordwestbahnstraße 71, bringt unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinats der Adas- Jisroel-Schiffschul garantiert verläßliche Koschermilch unter Anwendung aller rituellen Vorschriften in sämtlichen Bezirken Wiens in geschlossenen Kannen und Flaschen zum Verkauf. Jedes Gefäß ist mit der Marke (Plombe) der Adas Jisroel versehen. Der Bezug dieser verläßlichen und einwandfreien Koschermilch ist jedem zu empfehlen, um so mehr als die Milch bei normalem .Preis in Qualität garantiert erstklassig ist. Die Milch gelangt bei den Verschleißstellen der Adas-Jisröel-Scbiffschul zum Ausschank. (Am Freitag? dem zweiten Tag Rosch-haschönoh, findet die Milchabgabe von viertel 3 bis halb 4 Uhr nachmittags statt.)'; mn ftmthet Frtedböf in SöwjctrttBfoiWl enteignet* ' ׳ I01 Züge def antifeligiöäeft Kampagne ftät.'das weißrussische Zefitfälköfitföllkomitee Maßnahmen gegen die jüdische Gemeinde Neu-Belize ergriffe«. Das hefkÖf&M* liebe Erheben von Beeföigtmgsgebühteä durch die Ghewva Kadiseha Wurde vom Zentralkomitee dahin interpretiert, daß man von Arbeitern Geld erpresse Und die Angehörigen Verstorbener zwinge, ihre Toten nach den religiösen Vor-1 Schriften beerdigen zu lassen. Auf Anordnung des Zentral- Komitees wurden die drei Vorstandsmitglieder der dftewra Kadiseha Ser KräWzow, Leib Feigitt und Mosche Kutikow verhaftet und sollen vor Gericht zur Verantwortung ge* zogen werden» Der jüdische Friedhof wurde enteignet und der Stadtverwaltung übergeben» Jahreskonferenz der Agudas Jisroel in Holland. In Amsterdam fand unter dem Vorsitz von Ober* rabbiner s. J. S. Hirsch (Zwoile) und in Anwesenheit des Mitgliedes der politischen Exekutive der. Agudas Jisroel und Direktors der Palästina-Zentrale, Dr. Salomon Ehr* mann sowie des jetzt in ßcheveningen־ lebenden. Dr. Nathan Birnbaum die Jahreskonferenz der holländischen Organi* sation der Agudas Jisroel statt» Referate wurden u. a. von Dr. Ehrmann, der die Errichtung einer neuen agudistischen Kolonie in Kfar Saba bei Petach Tikwah mit etwa 100 Siedlern. ankündigte, und von Dr. Birnbaum gehalten. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der gegen die, orthodoxe Juden von der Palästina-Einwanderung femhaltende Einwanderungspolitik der Jewish Agency energisch Ein- Spruch erhoben wird. ‘Ferner wurde beschlossen, ein Schechita-Büro zum Schutz der Schechita in Holland zu errichten. Zum Präsidenten der holländischen Agudas Jisroel wurde Oberrabbiner Hirsch wiedergewählt. Samuel Gazan (Haag) trat neu in die Exekutive ein.; Der Revisionistenführer Achi Meir möchte sich taufen lassen. . 4-'\ Bei der Verhandlung gegen den der Mitschuld an dem Mord an Arlosoroff angeklagten revisionistischen Zionisten Achi Meir wurden Korrespondenzstücke und Teile seines Tagebuches verlesen, ,aus denen ,hervorgeht, daß 'Achi Meir die Ideologie des Stifters des Christentums als richtig erkannt hat, und daß diese Ideologie in seinem Bewußtsein lebt. Achi Meir gab hiezu dem Vertreter des ״Doar Hajom“ die Erklärung ab, daß er schon längst die T a u f e angenommen hätte, wenn ihn nicht die Liehe zum, Zionismus und zu Jabotinsky (!) davon zurückgehalten hätte. Für das Judentum wäre es wohl kein Verlust gewesen, wenn Achi Meir seinem ״Herzen" gefolgt und seine Absicht verwirklicht hätte. Aber interessant ist die Sache doch für die Beurteilung des ganzen Zionismus. Ein schönes Gegenstück zu Lord Melchett, dem zionistischen Führer, der erst jetzt zum Judentum übergetreten ist. das beste PFenglanzmihtel Was sagt übrigens der׳ engere Parteigenosse Heft Stricker dazu, der immer vom ״Renegatentum“ de« Mahd voll hat? Rabblnerinstallation lti Löüdoü» Ih der ״Adas Jisroel‘־‘ hat Herr Rabbiner Salomo« Schönfeid b׳j am vergangene« 6<;צי »צא «*# hach vier* jährigem Studium an den Jeschiwoth Tyrnau und SlCbüdka, wö er zu de« hervorragendste« Schülern ge* * Zählt wurde, die Nachfolge «ach seifte« verewigte« Vater sü» aögetrete«. Seine geistreiche, innige und tief* bewegte Rede, wie seine ganze herzgewinnende Art habe« iS der ganzen Gemeinde den stärksten, ungeteüten Eindruck hervorgerufe«. Der junge Rabbiner ist ei« Mann von echter, ünverfälschter orthodoxer Ge* sümung, ausgezeichnet ebenäö mit immeäse« Wissen wie mit echt jüdischer; Frömmigkeit, mit sprühendem Geist und keine Hindernisse keimender Tatkraft» Alle Hoff* nungen auf eine Kräftigung uhd Neubelebüng echt jüdischer Lebensanschäuung in der guten hergebrachten Art, in seiner Londoner Gemeinde, die Sich an seinen Amtsantritt knüpfen, sind mit G-ttes Hilfe voll berechtigt. (Wir gratulieren herzlich und wünschen -וצלח ורב Die Redaktion.) S PEZIALH A tJ S FÜR MAS T GEFL Ü GEL MAX FRIEDMANN Wien, H., Große Schiffgasse 6. Telephon A-43-2-25 Unter Aufsicht der Adas-Jisroel-Schiffschul Konkurrenzlose Preise und Qualität Adas Jisroel (Schiffschul), II9 Gr. Schiffg.8 זמן שחרית am שכת שרבה ist ausnahmsweise um 9.30 Uhr. ״ ׳' ’;; ‘ " *. - Am שבת שובה הבע״ל um y211 Uhr vorm, wird אדמו״ר in der Schifischul eine Droschoh (#אT'ארנכר/סוכהדףל tסוגי׳) halten. Bilder von Rabbi Josef Baumgarten s. Z. 1. Bei der Verwaltung der ״Jüdischen Presse‘‘ sind gelungene Bilder mit Rahmen von Rabbi Josef Baumgarten s. Z. 1. zu haben. Der Reingewinn fließt dem ״Keren Josef“ zu. Briefkasten. . M. L. Nach unserer Information ^sollen auch solche Geflügelarten auf den Markt kommen, die wegen ihrer Artzugehörigkeit oder wegen der Züchtungsart, schon lebend tref ah sind, jedoch können wir Bestimmtes darüber nicht sagen. Es ist am besten, wenn man auch lebendes Geflügel ausschließlich hei den unter Aufsicht stehenden Geflügelhändlern kauft. מודעה רבא לאורייתא! flüssiger Met־allpul־z Suche sehr frommes, jüdisches, intelligentes ' KINDERFR AEULEIN, höhere Schulnachhilfc, per sofort. Berta Feigelstock, Wien, H., Obere Donaustraße 67. ביה הננו מודיעים בי הישיבה הגדולה 'והחפארה אשר התנהלה ע*י.הוד קדושתי מורינו.וךבינו: הרה־ג ר׳ יוטף צבי דושינטקיא * שליט׳א בקיק . גאלאנטא והושט יע״א ׳1במשך^ ארבעי&‘ ישנה,' 'נפתחה: עתה• י י בירושלים .עי׳ק ׳ קרחא דשופוץ. ע״ב בל מי שנפשו חשקה בחורה ולשאוב מים מן הבאר; מים חיים מרבינו הגדול, עליו להמציא בכתב את בל הפרטים דלהלן אל הה'מ א) אחריות גמורה שבא לארץ אך ורק ללמוד י בהישיבה. של רבינו שליט״א ללמוד חורה לשמה. «י ׳־' ב> תעודות המעידות עליו ■אופי של עברו ומדותיו־ע״י אנשים ידועים. ג> לתאר<בכתב את מוצא הכסף לפרנטחו כדי שלא יפול למשא על תושבי עי״ק. י בברכת הרמת קרן התורה בשם ועידת הישיבה Daniel Kraus, Jerusalem, P. 0. B. 513 Der Schoiarbläscr von Kiew.*) ׳ Legende von Emanuel Geldwerth. Eine Seele schwärmte in ein fernes, fremdes Land. Es war eine Meine, bedrückte Seele, die unter dem leisen Lichtstrahl, der darauf gefallen, erbebt war; mit heißer (Her sog sie nun den Schimmer in sich ein, betreute und hegte ihn, bis er wuchs und stark und mächtig ward und sie in höchste Höhen trug. Goldene Träume stiegen empor, vor . denen die graue Wirklichkeit versank, nicht mehr sichtbar von jenen seligen Regionen aus; vor einem Bettler hatten sich die. Pforten ins Reich der Hoffnung auf getan und eingeschritten war — ein König ... Da saß er nun, Rafael, der arme Thoraschreiber von Kiew. In der ausgetrockneten Oellampe nahm in jäh auf flackerndem Zucken die Flamme Abschied vom Docht und ließ gespenstische Schatten an den kahlen Wänden tanzen, zur Musik des wütend heulenden Windes, darin sich wimmerndes Gestöhn einer Kranken mischte. Doch in Rafael war es von blendender Helligkeit und wie ein einziger, nicht enden wollender Jubelruf. Das alles ringsum, die Not und der Kummer, die Qual und das Elend ־— sie waren in einem Augenblick Vergangenheit geworden, in einem Augenblick, der ihm dafür große Verheißung geschenkt. Seine Ahnung hatte doch nicht getrogen, sie, der er treu geblieben in all den Jahren der Pein und die ihn, nun hinaus ge führt hat aus der Finsternis in strahlendes 1Acht. Die Suche in vergilbten Pergamenten und alten Rollen, der er sein halbes Leben gewidmet, war also nicht vergeblich gewesen, Er allein und sonst kein Sterblicher weiß vom großen Geheimnis des Kabbalisten, von dessen eigener Hand vor ihm geschrieben steht, wie man dem Schofar die Klänge entlockt, die am Rosch-Haschanah, dem Tag des Gerichts, des ״Kathegors(( ewiges Verneinen übertönen und die dem Bläser ״namenloses Glück und unermeßliches Heil" bringen. Immer wieder liest er, wie stark und lang die Tekioh sein müsse, wie die Abstände zwischen den Truohstößen und das Tempo der Sohworim” triller. Er, der Schofarbläser in Kiew ist, wollte den ganzen Ellül üben, denn sein Unternehmen barg auoh furchtbare Gefahr in sich; wenn es mißlang, wenn Me geheimen Weisen auch nur zum Teil nicht rein und hell erschallten, dann würden —- nach der alten Schrift — alle ״Sanegorim<( verstimmen .und Me ״Sithra-achra" gewänne Oberhand, dann drohten nicht nur ihm, sondern ganz Israel —der Herr möge es verhüten! — großes Ungemach und heid, bräche, durch die Tat des Einen Verhängnis über herein. Wie beim Schreiben eines Sehern und noch mehr wollte er achtgeben und im übrigen auf des Allmächtigen Gnade und Hilfe bauen. ״Namenloses Glück und unermeßliches Heil!" Sei» Weib werde gesunden, die Kinder werden nicht mehr *) Stern^AMmdCh, WS, \ hungern'und sich selbst sieht er im seidenen Kaftan und mit hoher Zobelmütze auf einem der ersten Plätze in der Schul. Doch seiner früheren Not würde er nicht vergessen und an die Armen und Bedürftigen der Stadt denken. Ach, das ewige ׳ Schreiben hätte ein Ende ■und er würde auch nicht mehr suchen und suchen — denn er hätte — gelobt sei der Herr! — gefunden... Und es kam der erste Tag des neuen Jahres, der auch der erste eines netten Lebens sein sollte. In der'Schul war ein großer Jahrmarkt auf geschlagen; sein Sorgen und Leiden, kleine und große, hatte jeder ausgebreitet, die gegen ein bißchen Segen und Glück abzunehmen er seinem G-tt zuredete. Dann war es endlich still. Lautlose Andacht senkte sich schwer über den gefüllten Raum, als Rafael, der Schofarbläser, im weißen Sterbekittel an das Thorapult trat. Schalter der Erwartung durchrieselten ihn und dabei raste ihm das Blut kochend durch die Adern. Mit glühendem Gesicht stand er da und konnte sein Herz pochen■ hören, als er mit bebenden Fingern nach dem Schofar griff. Er stammelte noch den Psalm ,Mied der Kinder Korahs: Ihr Völker all, reichet euch die Hände und jubelt dem Herrn zue< — und dann setzte er den Schofar ah. Schrilles Ge kr eis oh, wie satanisches Höhnge\ächter, Mark und Bein erschütternd, entwich dem Horn!‘ Eine} Weile stand Rafael das Herz still. Der Schofar entfiel’ seinen Händen und ihm war, als berste über seinem Haupte die Welt. Ein toller Wechsel von Kälte und Hitze befiel ihm, es wurde ihm schwarz vor den Augeh, er wankte und brach zusammen. Eine Seele war in bodenlose Tiefe g e- 8unken. Um sie war es Nacht, durch die kein Schimmer drang, Schuld fraß an ihr und träufelte Gift in die Wunden. Das Licht von ehedem hatte sich jäh in ver•* zehrenden Brand gewandelt, der den letzten Rest von Leben verdorren ließ. Kein Mensch ahnte, was mit und in Rafael vorging. Alle Vermutungen über sein verändertes Wesen trafen auch nicht annähernd zu; Rannte doch niemand das große Geheimnis des kleinen Thora- Schreibers, Ihm ׳u>ar׳s zu eng gewesen, hoch hinaus hatte er wollen — und nun war Um die Riesenlasi unerhörter Schuld aufgeladen, die ihn zu Boden drückte. Gegen Hunger und Frost hatte ersieh auf gelehnt — jetzt gellten dazu ohne Unterlaß jene unseligen Sohofartöne in seinen Ohren, marterten ihn erbarmungslos furchtbare Gedanken• Um aebt•.peraönliobve.,Wo%\(.:ßr.■ Reichtum und Ansehen; die ihm winkten, hatte er sein Volk verkauft, hatte er seine Brüder verraten, er, den si& zum Mittler bestimmt zwischen G-tt und sich. Wie ein Hund unter Peitschenhieben terümmte er sich i^ ^asbarew a» nur die Inbrunst heranreichte, mit der er um die Gnade flehte, mit seinem Blute die Schuld löschen zu dürfen. Und am?0. Siwa» desselben Jahres brach es los. Ohmelnickij, der Hetrnrn dev saporogischen Kosaken, den ein polnischer Starost seines ■Gutes und Weibes beraubt hatte, entrollte die Fahne des Aufruhrs gegen Polentxm und Katholizismus ־— und das hatten die Juden zu büßen. Im Schnas-Tach (I648) ״hatte der Herr seinen Grimm ausgegosesn über sein Volk in Polen(C. Sengend und mordend, schändend und plündernd zogen entmenschte Horden umher, das dicke Buch der jüdischen Leidenum ein trauriges Blatt vermehrend. Für Rafael kam die Katastrophe nicht überraschend; er hatte sie täglich und stündlich erwartet und nun w ar sie d a. Grauenvolles Bewußtsein nistete sich zxoischen seine Schläfen ein: jedes niedergebrannte jiidisehe Haus war sein Werk, jeder hingeschlachtete Bruder von ihm geopfert. Ringsum prangte reichster Frühling. Doch ihm war, als wäre der Himmel von einer riesigen Wolke bedeckt, als ließen die Vögel häßliches Gekreische hören und wären die Blumen zu Dornen geworden, als erfüllte beklemmender Dampf die Luft. Die Menschen, schien es ihm, gingen stumm und finster umher tund, ntCr böse, vernichtende Blicke träfen ihn. Er konnte es nicht länger ertragen. Und eines Tages war er plötzlich aus Kiew )ver-, schwunden. Mit seinem Schofar eilte er von nun an den Banden Ghmelnickijs voraus> erschien überall vor ihnen und warnte durch Hornsignale die Juden, die dann in den Wäldern Zuflucht suchten. Dadurch wurden aber auoh die Polen von den Bewegungen der Kosaken in Kenntnis gesetzt, deren Aktionen so eine Zeitlang erfolglos blieben. Der Hetman setzte einen Preis auf den Kopf des Schofarbläsers aus, erhöhte ihn dreimal, doch war jener nicht zu fassen. Wie Bluthunde waren sie hinter ihm her; er aber achtete nicht der Gefahr, sie allein tat ihm wohl. An dem Tage, da er eine Judengemeinde gerettet, fühlte er sieh glücklich, in den Nächten, da er seine Brüder durch sich geborgen wußte, schlief er friedlich. So verging der Sommer und wieder kam das hohe Neujahrsfest. Rafael befand sich gerade in einem fremden Städtchen, über das sich wie eine Seuche die Angst gelagert hatte. Die enge Schul erfüllte hundertstimmiges Gebet, Bitterliches Flehen entrang sich jeder Brust, Männer weinten wie kleine Kinder, Nicht um Reichtum und Ehre baten sie wie sonst, sondern ums nackte Leben und trockenes Brot, Auf einmal — es sollte eben Schofar geblasen werden M stieß jemand den Schreckensruf aus: ,Mie Kosaken!(( Alles erstarrte vor lähmendem Entsetzen, Panische Todesfurcht ließ jeden Puls stocken, Schon hörte man Pferdegetrappel und wüstes Geheul — die Schul wurde umstellt. Der Bläser war nicht imstande, einen Ton* hervorzubringen, und ließ den Schofar sinken. Und nun kam jäh Bewegung in die Monge! hilfesuchend irrten halbwahnsimige Menschen mit ohrenbetäubmdem Weh*