Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 40 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630489-2630527--4564-2636645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 4<ז ׳m&mmmBSBmMmimm Motto: ״Seligkeit Wäre es,im Glanze dieses Lichtes Zuächäffett; Befriedigung und , Triumph,•r - ■ ׳ ״tfad G-tt, der Ewige, machte dem Menschen und seinem Weibe Lichtgewäöder, heißt es doch; Tn Deiner Thora mem Mann!“ Mit dieser Ansprache empfing Berüriah den aus dem Synhedrion heimkehrenden Rabbi Meir. üm das Jahr 8900 (140 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung), kurz nach dem Tode des römischen ׳Tyrannen Hadrian, hatte sich im galiläischen Städtchen Uschah ein Synhedrion kon* stituiert, dessen Mitglied Rabbi- Meir ״der Erleuchtende" ward. ■ ■ ' Das einfache Heim des Thorarollenschreibers Rabbi Meir war stets eine Fülle des Lichtes, Treffpunkt de! Gelehrtenweit; würdig stand ihm zur Seite seine Frau Berüriah, die gelehrte Tochter des Märtyrers Rabbi Chananja ben Taradjon, von der Rabbi Jehoschuah aus einem Anlaß, als Berüriah um die ' Festsetzung einer Halachah mit ihrem Vater diskutierte, sagte; ״ יפה אמרה ב רירי הRichtig hat Berüriah gesprochen.“ Noch fühlt man die Erregung des Bar-Kochba* sehen Aufstandes in allen Gliedern; noch viel zu wenig Zeit ist seit dem Blutbäde von Bethar verstrichen. Mit lauterer Frömmigkeit erträgt Berüriah den Märtyrertod ihres Vaters Rabbi Chananja ben Teradjon. Die Wechselseiten des Lebens nahm sie mit Zuversicht auf, ihre G-ttergebenheit bekundete sich in der Art, wie sie den plötzlichen Tod ihrer ,beiden Söhne ihrem Gatten mitteilte. Stets verstand es Berüriah, ihrem Mann nach den hitzigen und erregten Debatten1^ im Lehrhause und schwerwiegenden ׳Entscheidüngen im Synhedrion ein trautes, ruhiges Heim zu bereiten. ״Du, mein lieber Mann! Du bist groß, eine Leuchte Israels; im Schreiben von .Thorarollen hast du es zu einer Meisterschaft gebracht. Deine Neuerung in der Erzeugung von Tinte und* Tusche verhalf uns ,zum Wohlstand, von dem . Wochenverdienst der drei Silberschekel verwendest du ein Drittel zur Unterstützung armer Glaubensbrüder; Ich wäre־glücklich .v.“״Sonderbar ist heute deine Stimme, Berüriah“, sprach der Tanaite Rabbi Meir. ״Soll etwa die tapfere und mutige Berüriah wankend und, zaghaft geworden sein?" ״Nein, mein Mann. Die Tochter eines solchen' Vaters will nicht ob irdischen Leides klagen, der Märtyrertod meines Vaters kann mich nicht wankend machen, denn die jüdischen Toten sterben nicht; wer fürs Judentum gestorben, vielmehr wer fürs Judentum gelebt, stirbt nie! Einem Alpdruck gleich lastet auf 'mir die Sorge um מהרת המשפחה die Reinheit und Makellosigkeit der Familie. Meine Schwester befindet sich in den Händen der Häscher Roms. Oh, mein Mann, lasse auch -diesmal, wie immer im Leben, Lehrsatz zur Tat heranreifen, denn Wahrlich, heißt es doch, in Deiner Thora, und G־tt machte dem Menschen und seiner Frau Kleider aus Licht, der hellen Reinheit, nun, mein Mann, suche die Reinheit, fördere sie!מנו אחרים! ר׳ מאיר. stets für ändere spricht und wirkt hilfreich Rabbi Meir, befreie sie vAn;der;\Sünde,!“״>Ä ii:•׳ ’ Die Gemoroh in ע־ן •א berichtet uns, daß sich Reb Meir auf Drängen seiner Frau auf machte, um die Schwägerin in Cäsarea aufzusuchen, um sie - von der Schande zu befreien. Vorher wollte er ihre Tugend auf die Probe stellen, Um sich zu überzeugen, ob sie der Befreiung würdig sei, und verkleidete sich zu diesem Zwecke als römischer Ritter. Da er sie unschuldig, daher der Errettung für• würdig fand, wandte er sich an den Aufseher, um sie zu befreien, ״Gebe mir sie heraus“, sprach Rabbi Meir •zum Aufseher. Rabbi Meir hatte sichtlichen Eindruck auf den Aufseher gemacht, doch dieser verneinte schweren Herzens sein Begehren mit der Begründung: ״Ich fürchte meine Vorgesetzte Behörde.“ Da sagte ihm Rabbi Meir: ״Nehme diese zwei Kaw Golddenare, die e i n e Hälfte diene dir zur Besänftigung deiner Vorgesetzten,, die׳ andere Hälfte sei dein.“ Der Aufseher fragte: ״Und wenn diese Menge Golddenare zur Besänftigung meiner Vorgesetzten doch nicht reichen sollte, womit schütze ich mich vor der; sicheren Strafe, deren ich zu gewärtigen habe?“ Da sprach Rabbi Meir: ״So spreche: G-tt Meirs erhöre mich, G-tt Meirs erhöre mich!“ Der Aufseher scheint trotz des günstigen Eindrucks, den . Rabbi Meir auf ihn machte, vom praktischen Wert dieser Gebetsformel nicht ganz überzeugt gewesen zu sein, da demonstrierte ihm Rabbi Meir die Wirksamkeit dieses אלק׳ דמאיר ענני, indem er den Aufseher durch diese Gebetsformel vor einer Meute Hunde rettete. Der Erfolg war, daß seinem Wunsche willfahrt wurde. ' Die Schwägerin ward errettet. Die Tat wurde ruchbar und Rabbi Meir wurde vom Forum in contumaciam zum Tode verurteilt. Sein Konterfei wurde zwecks Kurrendierung הקקוה לדמותי׳ דר*מ אפיחחא דרומאי an den Stadttoren Roms angebacht, um ihn so jedermann kenntlich zu machen, und eine Ergreiferprämie wurde ausgesetzt. Die Wirkung blieb nicht aus, Rabbi Meir wurde von den Häschern erkannt, sie hatten ihn fast gefangengenommen, doch wurde dieser ״Wundertäter“ durch Elijahu errettet, Um das Jahr 5300 (Mitte des 16. Jahrhunderts) lebten in Safed צפת die bedeutendsten Erscheinungen unter den in Erez Jisroel lebenden Juden. Rabbi. Josef Caro, der Verfasser der zwei Kommentare, einem zu dem ״Arba Türim“ unter dein Titel בית יוסף und einem zum משנה חורה des Maimonides, den er כסף משנה benannte. Ferner lebte um dieselbe Zeit der große volkstümliche Darschan Reb Moische Alschich, der Verfasser אלשיך des פרוש על התורה והפמורה und der Hauptbegründer der Kahbalab der ר־ הקדוש Rabbi Jizchok Luria. Er wird der Vater des Chassidismus genannt; sein hervorragendster Schüler war Rabbi Cbajim Vital, Der Wundertaten des Rabbi Meir bal Haness ein•» ' gedenk, batten diese drei Leuchten des Judentums^ die Institution ל!ופח ד מאיר .3על הנם der ״Rabbi ־ Meir - bal - Haness- Büchsen" mit der Zusicherung, daß jeder, der für die ע 3 י י אחו ישראל ועתיק spendet und ־ אלין,, דר3י שאיר ענניruft,vor׳ jedem Unglück, wie Krankheit und Verlust, bewahrt bleibt, ge» schaffen־ Diese großen Kenner der jüdischen Seele halten durch diese Einrichtung der Büchsen jener Verbundenheit, mit der sich jeder jüdilebe Mensch mit dem Lande seiner Väter güsamm^igebörig fühlt, praktischen Ausdruck ver* liehen. Das heilige Land ist Scbicksalsland, die Luft ist heilig, entWJt Geheimnis und Größe, jeder ^011 Boden, ja jede/ Scholle Erde ist benetzt von Tränen, gesättigt vom Blute der Glaubensmärtyrer, selbst das Gräslein wiegt sich im Gebet, 'Mässmmik&ämi&aiim Mehsehssi* Ü# feiüfilhlefid sind, die bei der EMnhe* riffig ah. eifie teüfe Person Tränen vergießen können, die• Träne ist die; eesdge Beglaubigung der Menschheit, Menschen, die ihre eigenen Drinnirungen liebe% die reü* giös sind, halten die Erinnerungen an das traute Heim der guten und teuren Mutter in tüa Votivkammem ihres Herzens fest eingesehlossen, Erinnerungen an den Eren^Schabbos-Naehniittagj da die Mutter den Schabbostiseh ordnet, das weiße Linnen־» tueh zart glättet, die Kerzen in Reih und Glied Stellt! Das Antlitz der Mutter, dieses sonst von Sorgenfalten durchfurchte Gesicht, Wunder G-ttes, es ist geglättet, Wie einfach die gute Mütter in ihrem Schabbosstaat, wie zu* frieden ihr Gesicht ist, wie gütig Und kampflos, mit allem ist sie im klaren, ist sie fertig. Vor dem Ansünden der Kerzen huscht sie in die stille Ecke des Hauses, wo das Meir-bal-Haness-Büchslein schlicht hängt. Man hört das Auffalien einer Münze, einmal, zweimal, ein stilles Schluchzen, ein in Tränen gebadetes Augenpaar verrichtet ein stilles Gebet, ״im Verdienst des Reb Meir ba Haness gewähre, o himmlischer Vater, mir das Verdienst, Kinder und Enkel als weise, vernünftige Menschen heranzuziehen, die G-tt lieben und fürchten, die der Wahrheit dienen. Mögen sie die Welt durch Thora^gute Taten und jede Arbeit für die Gesamtheit im Diefilfe ÖeS Schöpfers hell und licht machen..״Erhöre mein Flehen, lasse unser Licht leuchten...“ Rabbi Meir, der Wundertäter, wird so zum Für- Sprecher der jüdischen Frau und Mutter. Noch erinnern wir uns daran, ,wenn im Drange der Arbeit der Mutter etwas abhanden' gekommen war, da war es wieder die Rabbi»Meir*bal-Haness»Büehse, die ihr aus der äituatkm half, Wenn Freude ihr Herz bewegte, weua die frommen Stunden der Erinnerung (Maskir) an die heimgCgangenen Liehen gekomme0 wär, hatte sie in ihrem Sinne mit dem Gefühl der Dankbarkeit und Liebe derer gedacht, in dem sie für Erez jisroel׳ für die Thora und deren Träger im heiligen Lande sorgte, aus diesen kleinen und kleinsten Münzen wurden Jahrhunderte hindurch der alte Jisehuw in Erez jisroel und Jerusalem erhalten, Diese scheinbar kleinen Bausteine bildeten das große Fundament für den Wiederaufbau dei neuzeitlichen Erez Jisroel. Das Konterfei Babbi Meirs, des Wundertäters, wurde vom Tyrannen an den Toren und Türen Roms angebracht, um ihn für jedermann als Verbrecher gegen die römische Obrigkeit kenntlich zu machen; um ihn zu verfolgen, zu fassen und zu töten. Auch wir sollen an unseren Türen und Toren, in unseren Häusern sein Biid heimisch werden lassen. Sein Geist sei gegenwärtig bei uns durch diese Erez-Jisroel-Büchse, wir sollen bestrebt sein, dem Geiste Rabbi Meir bal Haness* zu folgen, seine Idee zu erfassen und seine Bestrebungen für den jüdischen Klall aufs neue zu beleben. Diese Verbindung des Golusjudentums mit dem Jisehuw in Erez Jisroel, der Gegenwart mit der großen; Vergangenheit, indem wir in Liebe und Dankbarkeit seiner gedenken und lernbeflissenen Talmide Chachomim, Greisen, Siechen, Witwen und Waisen helfen, soll uns Verheißung bedeuten für eine glückliche Zukunft unseres heiligen. Landes und unseres Volkes! Moritz S p i t z e r, Wien. Ts ct e c h o sl o w a k ei Das Fiasko des jüdischen ״Minderheits- Nationalismus“. Eine der hervorstechendsten grundsätzlichsten Differenzen, die die Zionisten von den Verfechtern des historischen Judentums in der Tschechoslowakischen Republik unüberbrückbar scheiden, besteht in ihrer gegensätzlichen Auffassung von den ״nationalen“ Elementen ן in der Eigenart des-jüdischen Volkes. . Daß eine genaue Analyse in der jüdischen Volksseele und im jüdischen Leben auch Erscheinungen entdecken wird, die nach dem heutigen politischen Jargon in die Rubrik ״national“ zu buchen wären, wird nicht bestritten. Nicht um diese volkspsychologische Feststellung geht der ,Streit, sondern um die historische praktische f,!und. politische Geltung dieser fadendünnen nationalen Erscheinungen im jüdischen Volksleben der Gegenwart und in der Regelung der Beziehungen des jüdischen Volkes zu den anderen Völkern dieser Erde. Das •- o i t h 0 d 0;x e Judentum . ,vertritt in Theorie und Praxis die ..Ideologie des historischen Judentums. Die jüdische, Volksgemeinschaft ist das Thoravo 1 k. Nach in.nenjjbedeutet das, daß das jüdische Volk in seinem Gemeihschafts-v und Einzelleben : von. e i n. ^m.;Streben ..behejrrschi: ^sejnijnuß^ nämlich, ׳ davon, den in Thora und Tradition sich dokumentierenden G־tteswillen zu verwirklichen. Das gilt aber auch nach außen. Während der ganzen GoluszeitZund .somit .auch in unserer Zeit ist die jüdische Volksgemeinschaft in politischer Beziehung, also in ihrem Rechtsverhältnis zu den anderen menschlichen Gemeinschaften, unwandelbar und ausschließlich Thoravolk. Die . Thora bestimmt das jüdische Dasein und die Möglichkeit allein, sie im Lehen zu verwirklichen, ist der Maßstab für Wohl und Wehe der Juden unter den Völkern. Die Zionisten hingegen erblicken in dem bißchen ״Nationalismus“, das ihre folkloristischen Studien sie im Judentum entdecken ließen, den Sauerteig, der die ganze jüdische Gemeinschaft unserer Tage von innen und außen ümgestalten soll. ״Nationalismus“ ist heute in der nicht jüdischen Welt Trumpf; er bietet wohlklingende;. Schlagwörter, ist modern, ist salonfähig und schafft einem nach Geltung strebenden Juden Gelegenheit, sich auch im Zeitalter der völkischen ״Dissimilation“ politisch zu placieren, ohne die große Verpflichtung auf sich zu nehmen, die die jüdische Thora jedem Sohn und jeder Tochter; des jüdischen Volkes --־ ohne Rücksicht auf Zeit und Zeitumstände — unerbittlich auferlegt. Jüdischer ״Nationalismus“ ist die umwälzende Entdeckung, die nach zionistischer Auffassung das jüdisehe Volk auch dann für die Zukunft zu erhalten vermöchte, wenn der Thora, in seinem inneren und äußeren Leben nicht größere und entscheidendere Bedeutung eingeräumt würde, als die ״Religion“ bei anderen modernen Völkern besitzt. ״Nationalistisches‘/ Judentum , soll der neue Lebensinhalt, die neue Sinngebung, die neue Lehens- . linie, die neue politische und kulturelle Beziehung des ״ jüdischen Volkes zu seinen ebenfalls ,von dieser neuen nationalistischen Heilslehre geleiteten ,,Wirtsvölkern“, und zugleich auch der neue Staatsgedanke, die neue organisatorische Grundlage für den ״Aufbau“ ,des neuen ״Nationalheims“ in Palästina sein- Was aber in der allgemeinen Anschauung über Juden und Judentum nach der zionistischen Ideologie um Geltung ringt;, soll vor allen Dingen hier in der Tschechoslovyakei erprobt und auf seine politische Durchschlagskraft geprüft werden. Hier in dieser Republik, wo es in ganzen weiten Landesgebieten Juden gibt, die von einer geistigen Vorgängerin des Nationalismus, der ״Assimilation“, dem jüdischen religiösen Leben fast völlig entfremdet wurden, gerade hier, wo das politische Verhältnis der/einzelnen ״Minderheitsnationaiitäten“ zueinander und zum Staatsvolk die besten Geister im Staate beschäftigt, soll sich die jüdische Bevölkerung von Grund auf ״umstellen". Sie soll sich nicht mehr damit begnügen, was ihren kon f essionellen»Gemeinschaften altbewährte, von keinem gesitteten Politiker bestrittene Rechte :als ״Minderheitsre 1 igioneh" gewährleisten, sondern sie soll der gesamten nichtjüdischen Bevölkerung; neuen ,i^arionaiismus" dozieren und sie daran gewöhnen, die Juden nicht bloß religiös zu unterscheiden, sondern sie auch nationalpolitisch zu;,Assimilieren" und ih¥tt«i§n; eine gesondert^ politisch eingestellte ״Minderheitsnationalität‘f zu erblicken. Um die Notwendigkeit dieser grundsätzlichen U m- Wandlung der Juden im Staate von einer apalitisehen reüßi^^en in eine politische nationalistische ״Minderheit" plausibel zu machen, hat man von zionistischer Seite seit einem Jahrzehnt “nicht Aufgehört, auf die großen Vorteile hinzu- 'weisen, die den Juden aus der aktiven Teilnahme In dem jährlich wiederkehrenden Kongressen der» ״Minderheitsnationalitäten" ersprießen würden, im besonderen war es der zionistische Advokat Dr. Emil. Margulies in Leitmeritz, der Präsident und politische Lenker der | ״Jüdischen Partei", der die Kühnheit hatte, die Judenheit der Tschechoslowakischen Republik, ohne von ihr beauftragt oder legitimiert zu sein, ja ohne sie auch nur befragt zu haben, auf den ־ Kongressen der ״nationalen Minderheiten“ aus eigener Machtvollkommenheit zu ״vertreten" und dort so zu tun, als ob die Juden in der Tschechoslowakei sich mit seiner ״nationalistischen" Politik identifizierten. Alle Proteste gegen eine solche unverantwortliche Politik haben nicht genützt, alle Warnungen vor einer Auffassung, die das Regulativ der politischen und rechtliehen Beziehung zwischen Juden und Nichtjuden in die Zone der nationalen Leidenschaften verlegt, waren vergebens. Dr. Margulies und einige wenige seiner engeren Gesinnungsgenossen haben sich immerfort in nationalistische Kongresse, wo Juden nichts zu suchen haben, hineingedrängt. Nun kam . der Tag, da sich der so hoch als Rettungsanker des Judentums angepriesene ״Minderheitsnationalismus“ bewähren sollte: der Minderheitenkongreß;, der am 16. September in Bern zusammentrat. Von den.‘ Zionisten wurde angekündigt, die Stunde der Erlösung' sei nahe,;denn die Hauptaufgabe des Kongresses sei dies■־ mal, sich mit einer wirklich, verfolgten: jüäischen״Minder■• ד heitsnationalität“ solidarisch zii erklären und ihr zu helfen. Und was war der Erfolg? V-ollständiges Fiasko! Die Herren Margulies, Motzkin u. a. haben mit ihrer u nbef ug te n Einreihung der einzelnen jüdischen Landesgemeinschaften in die Internationale der. nationalistischen ״Minderheiten“ eine Kundgebung für die ״Dissimilation“ der Juden herausgefordert und der ganzen Judenheit eine Blamage eingetragen. Sie haben dann allerdings den Kongreß still und würdevoll verlassen. Ist das aber alles? Welche Lehren werden die Zionisten in der Tschechos 1 owakei aus diesem Fiasko ihrer nationalistischen Politik ziehen? Auf diese Fräge sollte eine Antwort gegeben werden! C i v i s׳ J u d a eü s. Die Beth-Jakob-Lanäeskonferenz in KoSice Einem uns von der neugegründeten Landeszentrale der Beth-Jakob-Lehrerinnen erst jetzt zugegangenen aus-, führlichen Bericht über die am 19. Elul in KoSice stattgefundene erste Landeskonferenz der in der Tschecho- Slowakei wirkenden orthodoxen Religionslehrerinnen entnehmen wir folgende erfreuliche Einzelheiten: Die Konferenz erhielt ihre besondere Bedeutung durch die Anwesenheit .der Gründerin der Beth-Jakob- Schulen in Polen. Frau Sara Schenierer aus Krakau. An der Tagung beteiligten sich sieben Lehrerinnen, welche vierzehn Schulen vertraten. Außerdem wären etwa hundert Frauen und Mädchen aus allen Gegenden des Landes als Gäste anwesend. An der öffentlichen Versammlung im großem Saale des Schalkhaz nahmen zirka 1000 Personen teil. Besonders stark war das Interesse für die Konferenz in Koäice selbst. Schon Wochen und .Tage vorher war ein Komitee mit der zweckmäßigen Vorbereitung der Ver-, anstaltungen, dem würdigen Empfang und der Beherberg - gung der Gäste beschäftigt. War ja dies die erste Gelegenheit, wo von seiten der orthodoxen Frauen gezeigt werden konnte, daß sie für die Sache des Judentums etwas Rechtes ״aufzutun“ imstande sind. Eine jede setzte ihren Stolz darein, auch einen' Gast bei. sich zu sehen und möglichst eine ״Lehrerin“ zu beherbergen. Mit hesonderer Spannung wurde Frau Schenierer von den Schülerinnen des Koäicer Beth Jakob ( 200 בלע״ה an der Zahl) erwartet. Schon der vorangegangene Böth-Jakob- Schabbos stand im Zeichen der Tagung■. Während die auswärtigen Gäste und ■Schülerinnen unter Leitung ihrer Koäicer Kolleginnen die jüdischen und : allgemeinen Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigten,;berieten die Lehrerinnen über die sich im Laufe der - Praxis sich ergehenden Fragen, Es wurde vor allem beschlossen,, in Koäice eine Beth-Jakob-Landeszehtrale ins Leben zu rufen, die alle in der tschechoslowakischen Republik auftauchenden Beth-Jäkob-Angelögenheiten■.:! iur; $Jhyer-״ nehmen mit der Wiener ,Zentrale zu erledigen, hat, Ferner wurde beschlössen, allerorts M 0 n?: gruppen — ähnlich wie sie in den ״Agudas-Jisroel-. Mädchengruppen^ an mehreren Orten: der Siowakei und in den ״Bnos Agudas Jisroel“ in Polen bereits bestehen — zu gründen, Damit soll, den orthodoxen, jungen Mädeben Gelegenheit geboten werden, sich vor den Gefahren zu schützen, die ihnen in unserer 3eif von allen Seiten droben und sie, G-tt behüte, vom rechten jUdi* sehen Weg ablenken. (Dies ist der wichtigste. Beschluß der Konferenz. Wir rufen auch bei dieser Gelegenheit ,die Aufmerksamkeit, aller orthodoxen Kreise auf die dringende Notwendigkeit auf, Überall gutorgani-