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Jüdische Presse · 1933-10-04 · 40 (4.10.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
40 (4.10.1933)
Date
1933-10-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ו .::S§I1§ I igiiiiiffitfB'äi'iiiitiäigiiMiiüiiaiüiiiMaaffiMifiiiiifaistti Nt» w wwwtniimniimafrfc Da! religiös(! Judentum vor g Von J. M. L e w 1 n, Wärscnau. mr Vörsit^üde der ßöffilsehett Agüdaa tfismel üäti Mitglied des geächäftlftihfendeä Ausschusses der agudistf sehen Weltorganisation, Jizchok Melf Le Will, gab einem Mitarbeiter des >,J ü d l s e h e « T a g b I a 11 e s“ ein later■‘ view, iä welchem er zur gegenwärtigen Lage der örthödoxieStellung nahm.Er führteaus: ־■ Das jüdische Volk durchlebt gegenwärtig׳ eine über*‘ aus ernste Zeit. Die Tragödie1 der deutschen Juden hat das gesamte Weltjudentum aufgerütteit. Der Agudas J i s r 0 e 1, der Organisation der religiösen Judenheit, sind neue, große Aufgaben erstanden. Wie sieht die Hilfe des Weitjudentums für die deutschen Juden aus? Leider ist bisher herzlich wenig ge* tan worden. Wohl sind die Juden Überall durch das Schicksäl unserer Brüder in Deutschland aufgeschreckt worden; ernste und halbwegs ausreichende Hilfe' ist jedoch bisher hiebt gebracht Worden. Doppelt traurig ist dies, wo die deutschen Juden stets ihre Hilfe den ausländischen Juden angedeihen ließen. Die Agudas Jisroel hat bereits Vor längerer Zeit die Initiative ergriffen, um eine ernste Beratüng der maßgebenden jüdischen Persönlichkeiten zusammenzurufen, die in sachlicher Weise über die Hilfe für die deutschen Juden beraten sollen. Die in Genf stattgefundene ״Weltkonferenz״ hat absolut keine praktischen Resultate gezeitigt. Keine der jüdischen Organisationen hat sich an dieser Konferenz beteiligt. Die ganze Konferenz machte den Eindruck, als ob sie nur deshalb stattfand, damit der amerikanische zionistische Reformrabbiner Stephen W i s e ein Forum für seine mehr oder minder gelungenen Reden habe. Das Fiasko der Genfer Konferenz hat jedenfalls bewiesen, daß es nicht möglich ist, eine allgemeine jüdische Weltkonferenz einzuberufen, ohne vorher das Programm derselben zu bestimmen und einen realen Plan aufzustellen. Die Ueberzeugung, daß wirkliche Arbeit nur in ernsten, sachlichen Beratungen und nicht in groß auf gemachten ״Weltkongressen“ geleistet werden kann, gewinnt immer weitere Kreise. Die Beratung, die nächstens in London stattfinden soll, wird, voraussichtlich unter Teilnahme von Vertretern der größten jüdischen Organisationen, wie A g u d a s JjST^el,‘ Zionistische Organisation, Joint, Ica, All i ah e e, J Ü d i s c h־äm e r i k an i s che K omit e e usw., äbgehalten werden. Die Initiative zur Einberufung dieser-yön4 der Agudah vorgeschlagenen Konferenz hat der ״Boärd 6;f Depüties“ in London übernommen. Der letzte Zionistenkongress hat zweifellos für die Zionistische Organisation ein Fiasko bedeutet. Die Er- Wartungen, die an den Kongress geknüpft wurden, daß er Über konstruktive Hilfe für die deutschen Juden beraten werde, wurden aufs schwerste enttäuscht. Nicht nur die Hilfe für die deutschen Juden wurde nebensächlich behandelt, sondern auch über die praktische Arbeit in E r e z J i s r o e 1, ist wenig gesprochen worden. Der Mord an Arlosoroff hat die Gegensätze ' der einzelnen Gruppen gegeneinander so verschärft, daß jede Arbeit unmöglich wurde. Seit Jahrzehnten־ predigen die Zionisten über die 'jBinheiit.v und . jetzt geht die Einheit in;ihren eigenen 'fteihen sö! in BrÜch'e. Ueber' die־ sogenannte ״Je w i s h A g e n c y" ehübrigt es sich zu sprechend Auf ihrer letzten Sessioü ist .y• der Bankrott.. der erweiterten ״Agency“, die seinerzeit von,den Zionisten als ״Organ des gesamten jüdischen Klall“ erklärt Wurde, klar zutage getreten. Außer den Zionisten sitzen in der ״Agency“ heute noch etwas mehr als zehn reformierte Juden, die niemand vertreten und von keinem, entsendet wurden. 'Der Zionistenkongress hat auch die tragische Rolle! dei ״Misrachi“;der sich jahrelang an der irrigen Auffäüufig festklammertev in den Rahmen des weitliehen Zionismus die Thora einfassen zu können, aufgezeigt. Die Enttäuschung des ״Misrachi“ ist so groß und die frommen, religiösen Juden, die sich in ihrer Liebe 2um heiligen Land der Zionistischen Organisation angesehiossett haben, ־ Verdienen unser Mitleid. Bie üehih jetzt Mit offenen Augen, daß ihre Politik irrig war. HuhJ mögen sie j e t z t konsequent seih und anstatt weiter die ungebetenen Gäste der sozialistisch-zionistischen Organisation ZU sein, den An- Schluß an die selbständige orthodoxe Judenheit suchen. Sie werden sicher mit ausgestreckten Armen herzlichst aufgenommen, werden. Die Verbreiterung der Organisation der Agudas Jisroel ist heute aktueller denn je und die Zeit hiezu ist heute besonders günstig. Auf der Züricher Beratung des geschäftsführenden Ausschusses ist über die Tätigkeit eingehend beraten worden. Die Zentrale wird nach J e r usalem verlegt, bis dahin werden die Arbeiten in JZÜrich und London geführt. Die Kenessio- G e d a u 10 soll h e u e r. Stättfinden. Die Arbeiten der Agudas Jisroel in den Ländern der Diaspora, insbesondere auf dem Erziehungsgebiete;■ *müssen fortgesetzt und e r w eitert werden. Die Erfolge dieser Arbeit ermutigen uns zu einer verstärkten Tätigkeit. Gleichzeitig muß Agüdas Jisroel aber ihre Hauptarbeit auf Erez Jisroel verlegen. Diese Arbeit ist bisher aus Vielfachen, wenn auch triftigen Gründen, vernachlässigt worden. Das muß zugegeben werden, soll aber anders werden. Die organisierte Orthodoxie muß zukünftig verstärkte Jisehuw-Arbeit leisten. Ein detail- Wertes Programm haben wir äufgestellt. Unser Büro in Erez Jisroel, das unter Leitung vön Benjamin Münz und Jakob Landau steht, arbeitet fleißig. Poalim-Gruppen bestehen bereits an einer Reihe Orten. In Keiar-Saba wurde ein Kibbuz gegründet; wo eine Anzahl junger Leute Unterkunft fanden: Weitere solche Siedlungen stehen bevor. Das orthodoxe Erziehungswerk muß erweitert werden. Von 40.000 Kindern genießen nur 5000 religiösen Unterricht, während 35.000 Kinder a r e 1 i g i ö s und teilweise sogar antireligiös erzogen werden. Dem muß gesteuert werden. Allein in Polen haben in diesem Monat 3 0 0 jugendliche A g u d i־S t e n, die nach Erez Jisroel zu gehen beabsichtigen, die Hachschoroh- Stätten der Agudas Jisroel verlassen. Weitere tausende warten auf landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung. -;•׳ ‘ •־'־׳ ' Die Frage der Einwanderungszertifikate für orthodoxe Aulim ist in ein neues"׳Stadium getreten. Die zionistisehe ״Agency“ mußte sich über Verlangen der Palästina- Regierung bequemen, mit der Agudas Jisroel diesbezüglich in Verhandlungen einzutreten. Diese Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, so viel steht aber schon fest, daß wir wohl: Zertifikate bekommen werden, jedoch in ungenügender Anzahl. Natürlich werden unsere diesbezügliehen Bemühungen fortgesetzt? und werden früher oder später sicher von vollem .Erfolg. sein.: Die' ganze Arbeit hängt natürlich von den zur Verfügung stehenden Mitteln ab. Wenn der Keren Hajischuw; die nötigen Gelder, bekommt, dann, werden die Arbeiten durchgeführt werden können. J e d e r r e 1 i g i ö s e Jude möge seinen Teil be^itragen, dann werden wir sicher unser Programm durchführen können. Wenn von Erez-Jisroel-Arbeit gesprochen wird, so muß auch der ״RabbiדMeir-bal-hanes-Büchs e n" gedacht werden. Die Beiträge für diesen Zweck Lebensversicherungs- Gesellschaft g j PHÖNIX it Gegründet 1882 Aus dem Jahresberichte 1932: yersicherungsbeständ . . . . . . . ... . . . . ... . . -. . , . ׳, i . 2728 Millionen Schilling *Prämien- und Zinseneinnahmen . . . .... . ... ... . . . , . . t 179 . ״ Millionen Schilling Garantiemittel . . . . . .. . .. .... . . . ... . . . . , 527 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten . .. . . . . 60 . , . . , . . . .- . . . . ־ Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet! Oesterreich, Deutsches Reich, öechoslovakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich Spanien Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien ׳Palästina Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. ' ’ Oa* ftitiftttita GöithonW sind Massige Architekten / Beichte« Sil dfö Adresse. Wien I, Schottenrlng Nr. 35 Samstig geschlösse« (jSchöfnrä^Mitgüed^ dürfen absolut nicht gekürzt Werden, weil viele hunderte fromme Juden des altert Jisehuw, die ihr Leben mit Thoralemett Verbringen, auf diese angewiesen sind. Wenn wir darangehen, neue Institutionen zu schaffen, so müssen Wir auch auf die Existenz der alten bedacht sein, Wir stehen Vor einem Wendepunkt des religiösen Judentums in Erez Jisroel. Der neue RaW von Jerusalem, Rabbi Duschinsky, der Nachfolger Von Rabbi Josef Chaim Sonnenfelds s. Z. 1., bietet die Sicherheit für eine günstige Entwicklung des religiösen Judentums und für ein friedliches Verhältnis zwischen den verschiedenen orthodoxen Gruppen im heiligen Land. Oesterreicbische Inlandsanleihe. Die Österreichische Bundesregierung tritt mit einem großen Projekt vor die Oeffentlichkeit. Sie will in Form einer Trefferanleihe einen Betrag von 330 Millionen Schilling aufbringen, der der produktiven Arbeitslosenfürsorge dienen soll, und sie schreitet mit diesem Plan mutig auf dem Weg vorwärts, der zum gesunden Wiederaufbau unseres Staates führt. Bundeskanzler Dollfuß, der nach der jüngsten Regierungsumbildung nunmehr die gesamte Exekutivgewalt in seiner Hand vereinigt, hat schön oft und immer wieder bewiesen, daß er mit Zähigkeit und Energie an der Erhaltung eines unabhängigen österreichischen Staates festhält, und gerade sein jüngster Erfolg vor dem Forum des Völkerbundes in Genf bestärkt uns und alle Bürger dieses Staates, daß es ihm gelingen wird, sein und unser Ziel zu erreichen. Die gesamte österreichische Bevölkerung, soweit sie nicht von jenen, krankhaften Ideen befangen ist, die aus einem anderen Land importiert sind und der Mentalität des ruhigen und vornehmen Oesterreichers stracks zuwiderlaufen, steht geschlossen hinter Dr. Dollfuß, und wir zweifeln daher nicht, daß auch die Inlandsanleihe zu einem vollen Erfolg des Bundeskanzlers sich gestalten wird, zumal da sie neben der vierprozentigen Verzinsung mit großen Treffern und mit Amnestie, für Devisen- und Steuervergehen verbunden ist. Auch wir Juden in Oesterreich Werden unser Scherf lein für. die Oesterreiehische Trefferanleihe beitragen. Gewiß, wir sind durch die allgemeine Krise am schwersten getroffen und vielleicht nur ein ganz kleiner Bruchteil unserer Glaubensgenossen verfügt über einiges Kapital, welches er zur Zeichnung. dieser Anleihewerte verwenden könnte. Wir sind uns auch, darüber im klaren, daß auf direktem Wege der Anleiheerlös uns religiösen Juden kaum zugute kommen wird, weil naturgemäß bei. keiner der aus dem Anleiheerlös auszuführenden Arbeiten religiöse jüdische! Arbeiter; werdenbeschäftigt., werden., Aberrest'ist,ünsere'stäatsbÜrgeriichg;uüdr'jÜdische Pflicht,;* nach "Kräften bei zu st eue rri: u n d in i t z ü-. helfen an dem wirtschaftlichen Aufbau dieses Staates, indem wir uns an der Zeichnung der Trefferanleihe beteiligen. Bundeskanlzer .Dollfuß ist es gelungen, das Vertrauen zum österreichischen Staate und zu seinen Finanzen im Ausland zu stärken, und er hat auch im Innern das Selbstvertrauen wieder geweckt. Wir wollen durch Taten bezeugen, daß wir in den ersten Reihen jener stehen, die erfüllt sind von dem Vertrauen zu ihrem Kanzler, beseelt von der Hoffnung zum allmächtigen Weltenlenker, auch unter Opfern ihrem Heimatlande in Treue zu dienen. —1• Oie nächste Ausgabe der ״Jüdischen Presse** erschein tarn Freitag, den 20. Oktor ber (30, Tischri) d. J. Erzählung von S. W i e z. (Fortsetzung) ^HINTlvR^ Merelaika sah ihre Mutter lange an. Eine Weile dachte sie daran, sich an ihre Brust zu werfen und ihr alles. zu sagen, alles, alles einzugestehen, was ihr Herz bedrückte, ihre Seele so schwer belastete. Aber ein unbestimmtes Etwas hinderte sie, wie schon so oft, auch jetzt daran. ״Es ist zwecklos“, sagte sie sich, ״sie verstehen mich nicht und wollen mich nicht verstehen, Sie leben in der "Geistessphäre des kleinen Milchpächters und wissen so wenig von der großen Welt... Ihnen steht kein Urteil über meine Entschlüsse zu. Und die Frau, die meine Mutter ist, sie wird, erfährt sie von dem, was in meinem Innern vorgeht, Stellen aus dem ״Deutscli-Chumesch“ zitieren und dabei weinen...“ Merelaika graute es vor einer solchen Perspektive. Aber zugleich mit diesem Gefühle bäumte sich wieder ein mächtiger Unwille, der ganze Trotz in ihr auf. Was berechtigte sie, die Fremden —; denn Fremde waren sie aliq ihrerp Geiste — das zu bestimmen, was ihr Glück sein;söli?'>;,v,־""'y':'';"'' ■'■־׳״׳■ v ״Nein, tausendmal nein!.. Die Mutter ergriff ihre Hand und redete zärtlich;auf sie׳>eto.V׳ ״iVueh er ist verstimmt über dein Benehmen. Er liebt dich über alle Maßen und ist von Natur aus edel, möchte alle Welt schonend und rücksichtsvoll behandeln^ Er dringt darauf, sich noch vor Sonntag ♦mit dir offen auszusprechen, Gehe ihm nicht aus dem Wege und nimm seine Worte nicht unfreundlich auf,., Siehe, Kind, die Vorbereitungen sind getroffen,; die Gäste geladen,‘‘ ״Ihr habt die Rechnung zu früh und ohne den Wirt gemacht“, kam es wieder gepreßt aus dem Mädchen hervor, ״Du erschreckst mich ernstlich mit diesen Kim dereien,“ ״Ich habe, Mama, heftige Kopfschmerzen und dürste nach Luft“, brach' Merelaika das Gespräch ab. Als Merelaika, nachdem die Mutter von ihr gelassen hatte, hinausging, dauerte es lange, bis sie ihre Gedanken sammeln und ihre klare Besinnung erlangen konnte. Lange ging sie ziel- und gedankenlos wie eine Nachtwandlerin dahin. Aber ־auf einmal stand sie, sie wußte nicht, wie, vo rdem schäumenden Flüßchen. Glutrot spiegelte sich die untergehende Sonnenkugel im Silberströmenden Wasser. Und Merelaika betrachtete lange dieses Naturspiel. Sie fühlte zum erstenmal eine Angst, ihren Fuß auf den schmalen Steg zu setzen, aber gleichwohl zog es sie wie mit geheimer und unwiderstehlicher Gewalt hinüber. Ueber die Fichtenkrone herüber winkte die graue, spitze Dachzinne des Schlosses. Und oben neigte und drehte sich eine von den letzten Sonnenstrahlen grell beleuchtete Wetterfahne: 1 diesem Moment in ihrem Herzen etwas losgelöst, was ihr einen Unsäglichen Schmerz bereitete. Aber der Schmerz tat zugleich auch ungemein wohl.׳' Am Steg erwartete sie, wie immer, Borisowski. ״Hast dich endlich entschieden, Schatz?“ fragte er. ״Ja!“ keuchte das Mädchen mühsam, tränenerstickt. ץ \ Stürmische Küsse tönten durch die stille Nabht und vermengten sich mit dem Liebesflüstern des Silberbaches. — -—— In der stillen, dunklen Dorfstraße kamen aber, nach-־ dem der Verwalter gegangen war, die unheimlichen Gostalten aus ihrem Versteck wieder hervor. Sie wuchsen zu einer ganzen Schar heran und liefen hinter dem Mädchen her, mit schrecklich verzerrten Gesichtern und geballten Fäusten, schreiend und drohend: ״Verräterin!.... Treulose!.... Verruchte Missetäterin!.,. ‘ ״Komm, Mädchen, hieher. hieher! ... “ Wilder als sonst sprudelte heute, vom Nordwind gepeitscht, die silberklare Flut, die, von der abziehenden Sonne giküßt und gestreichelt, wie in wilder Lust, in sinnlosem Liebesrausch raunte und murmelte ״Hinüber, Mädchen, hinüber... “ " , ״Sie haben es eilig“, sagte sie leise vor sich hin. ״Schon Sonntag, weil sie es so wollen, weü sie es für gut finden, dergestalt mein Glück zu schmieden. Und ich? Kaum gefragt werde ich. Ich soll hübsch lieb und gehörsam, wie es einer jüdischen Tochter geziemt, stillhalten, auf alles, auf Lebe», Glück, Freude und Genuß, wie ich es erträumt und erhofft, verzichten, weil ־־״» weil er, der fremde Mann, mich zum Weibe begehrt..." ״Hieher, hieher!,.. winkte die graue Zinnenspitze. ״Dorthin, dorthin!... " murmelten und flüsterten die eiligen Wellen -־- -- Lange blieb Merelaika diesesmal bei der Fürstin. Und als sie nach einer guten Stunde 1»it nassen .Angen. sich verabschiedete, umarmte sie die; hohe Frau so heftig» wie eine Mutter-ihr Kind, das eben aus Lebehsgefahr errettet wurde, zu umarmen pflegt, Merelaika neigte leise schluchzend den Kopf und es machte, sich von selber, daß ihr Mund das goldene Kreuz an der Gönnerin Brust berührte, Wie^^ in einem Anfall von wilder Lust, gierig und leidem» schuf tUch! küßte sie plötzlich das, Kreuz, Ein niegekanntes Beben durchfuhr ihren Körperi ein nervöses Zittern bis zu den Fingerspitzen, Es schien ihr, als hätte sich in I XIII. Langsam und leise, wie eine Diebin, schlich sich Merelaika ins Haus. Sie wollte keinen sehen, niemand | sprechen. Ihr Gesicht glühte wie im Fieber und ihre Füße wankten unsicher. Aengstlich sah sie sich nach allen Seiten um. Die Räume schienen ihr weiter, kälter, düsterer geworden zu sein. Etwas Fremdes starrte aus allen Ecken. Wie suchend sah sie nach allen Seiten, als wollte sie fragen, ob sie noch mit dem gleichen Rechte wie früher an ihre Arbeit heran dürfe ... Am Schenktisch stand ihr Vater und mühte sich ^scheinbar, ein Rechenexempel in seinem Notizbuch zu lösen. Er empfing sie mit den Worten: ״Gut, daß du endlich kommst, ich werde mit der Gesellschaft nicht fertig, sie wollen von ihrer Merelaika bedient sein; und hab noch so viel geschäftlich zu tun» so viel zu rechnen.“ Ohne ihren Vater» der sich alsbald entfernte, anzu- ■ sehen, nahm sie seinen Platz ein, ,־,Im Grunde ist ja noch nichts geschehen“, suchte sie sich zu trösten, ״was mich beunruhigen und an meine? Arbeit hindern sollte.“ ־; Das ״Herrenzimmer“ war noch leer. In der großen Wirtsstube säßen aber, wie gewöhnlich um diese Zeit, die Grubenarbeiter und^ hörten, ernst und stillvergnügt ihre Pfeife schmauchend, auf die lebhaften Auseinander* Setzungen^ und^^ lustigen '1Sgftiw'-'WiüiiM , * (Forisetzung folgt,)!;

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