Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 40 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oktober!933 ב*ה ווינא-פרעסכורג י־ד תשרי תו־צ־ד. 19. Jahrg. Sukkos. Auf Grund zweier historischer Ereignisse schreibt uns die Thora das Hüttenfest vor: Einmal, weil der Allmächtige uns während der Wüstenwanderung von Aegypten nach Erez Israel in Hütten wohnen ließ und uns auf wunderbare Weise geführt, geschützt und von allen Gefahren der Wüstenei bewahrt hat. Zweitens, weil im Heiligen Lande nach der endgültigen Einbringung der Ernte, nach Obst- und Weinlese, der Jude ein Freudenfest in der flüchtigen Feldhütte begehen soll, tun auf diese Weise seine Dankbarkeit G-tt gegenüber zu bekünden. Beide Motive wirken bis zum heutigen Tage nach und weben jüdische Geschichte und jüdisches Schicksal bis in alle Zukunft.׳ < I. Die vierzigjährige Wtistenwanderung ist kein einmaliges Ereignis geblieben. Nach Verlust der Verhältnismäßig kurzen staatlichen Selbständigkeit im eigenen Lande wandert das jüdische Volk von Land zu Land durch Wüsteneien voller Drohungen und Gefahren. Von Mal zu Mal scheint es, als ob wir inmitten der Völker Buhe finden würden, und dieser Schein trügt uns. Wir glauben, unser jüdisches Leben und unser jüdisches Schicksal durch innere Verknüpfung mit dem Leben und Schicksal unserer Umvölker sichern zu können. Es kömmt dann das furchtbare Erwachen; wir fühlen uns betrogen; wir sprechen von Undank. Es ist aber ein unabwendbares historisches Schicksal. Wir Juden können auf der Wüstenwanderung außerhalb unseres Landes nur in G-ttes Hütte Schutz finden. Die fest gezimmerten Bollwerke, die wir inmitten der Völker nach allen Regeln menschlichen Verstandes uiid menschlicher Vorsicht errichtet־• haben, wanken, :stürzen . znsammenr begraben^nurallzu oft •jene, die sich in diesem Gemäuer ganz geborgen gefühlt' hatten! Jüdische Geschichte von zwei Jahrtausenden Golus- Wanderung lehrt uns, daß nur das Verweilen in der von G־ttvertrauen gewobenen flüchtigen Hütte uns von allen Gefahren und Tücken der Wüstenei der Völker retten kann. Und so behält die Hütte der ersten Wüste ihre Wahrheit und Wirklichkeit in allen Wüstenwanderungen, die wir durchmachen müssen, wenn wir aus dem Versinken in den Pfuhl eines Golus-Landes uns erheben und in das Heilige Land kommen wollen. H. In das Heilige Land kommen wollen. Sicherlich! Der Wille und die Sehnsucht, in das Heilige Land zu kommen, sind auch jetzt lebendig im jüdischen Volke. Jeder von uns möchte auf der Scholle des Heiligen Landes verankern und sich durch ehrliche emsige Arbeit fortbringen. Doch auch das Leben im Heiligen Lande hat seine ehernen unverrückbaren Gesetze. Auch dort — und dort erst recht — kann der Jude nur dann Bestand haben, wenn er seine Arbeit als Werkzeug g-ttliehen Willen s betrachtet und für jeden Ertrag des Bodens vom Anfang bis zu Ende G-tt. dankt, der ihm seine Gnade zuteil werden ließ. Auch da muß der Jude bekunden, daß er nach Einbringung der Ernte sich nur dann versorgt fühlt, wenn er G-tt gegenüber seine Dankbarkeit bezeugt hat. Der Allmächtige ist es, der uns in der Wüste versorgt und behütet, er allein, ist es, der uns in der segensreichen Fülle des heimatlichen Bodens beschützt und beschirmt. Nicht immer waren wir Juden der Sukkoh treu geblieben; weder der Sukkoh in der Wüste noch der Sukkoh des Heimatbodens. Mannigfach waren die Versuche, uns da wie dort der flüchtigen Sukkoh zu entziehen und statt auf G-ttes Wunder uns auf unseren Menschenverstand und unser Menschen werk zu stützen. Wir müssen es bekennen, daß all diese Versuche, da wie dort, mit einer furchtbaren Katastrophe endeten. Nun wollen wir unser jüdiches Schicksal gemäß . dem ewigen g-ttlichen Gesetz einrichten. Wir wollen inmitten der Völker die schützende Sukkoh G-ttes aufsuchen, aber auch in unserem Lande, in der schweren Arbeit der Wiederaufrichtung, an die Sukkoh denken und unser ganzes Lehen nach den g-ttliehen Gesetzen, die man ungestraft nicht verletzen darf, einrichten, damit wir unter den Völkern wie im eigenen Lande Frieden finden. L, fflKMSK ״GUMPENDORF“ Personen-, Lastkraftwagen und Motorrad / Steyr XU, XXX und Praga ttber 3‘/, Tonnen / Erstklassige Lehrkräfte / Zeitgemäße.Preise Wien VI. GumpendorferstraOe Nr. 86 Wal Hamdinaus.. ♦ ■ . ־ . .. . Zu den Länd&rberiöhten in unserer letzten und vorletzten Ausgabe bringen wir heute Berichte Uber zwei entferntere', überseeische Länder . mit kleinerer jüdischer Bevölkerung. (Die Red.) Australien. Der am dünnsten!besiedelte Kontinent der Welt, , Australien, ist immer in nur sehr geringem Maße Ziel jüdischer Einwanderung gewesen. Obwohl die großen jüdischen Gemeinden und . Institutionen Australiens schon teilweise das hundertjährige Jubiläum ihrer Begründung feiern konnten, hat die Zahl der Juden in diesen hundert Jahren nur Sehr langsam zügenömmen und beträgt heute nur etwa ^״Prozent der Gesamtbevölkerung (25.000 unter etwa 534 Millionen). Unter den alteingesessenen Juden Australiens überwiegen die englischer und deutscher Herkunft, während unter den Neueinge wanderten mehr Ostjuden zu finden sind. Die große Mehrzahl der jüdischen ׳ Einwohner lebt in den •Großstädten Sydney, Melbourne, *Perth, Adelaide, Brisbane, wo auch ein reges jüdisches Gemeindelehen zu finden ist und zahlreiche jüdische Vereine aller A?tv 'bestehen.■./ ״'•■v '..■//; v . Der australische Jude hat seit-Beginn der Besiedlung des Landes durch Europäer in ganz hervorragendem Maße an der Entwicklung und Erschließung des Landes mitgearbeitet.' Der Australier kennt keine Judenfrage. ־ Aehnlich sind die.^ Verhältnisse• auch im benachbarten Neuseeland, wo rein zählenifiäßig die jüdischen Be- ^woHnerlane:r<üngs Australien. Es werden dort nur® 2^00• Juden gezählt (bei einer Gesambbevölkerung von 1% Millionen),:die sich auf• die vier Gemeinden Wellington, Aückland,־ Christchurch und Dunedin. verteilen. :{ " ■׳ \ , Angesichts der gegenwärtigen schwierigen Lage der deutschen Juden regt die australische Presse an, das ausgedehnte Gebiet des sogenannten Nordterritoriums, im, Norden von Australien belegen, für jüdische Ansiedlung . zur Verfügung zu stellen. Es ist nicht das erstemal, daß dieser Gedanke auftaucht. Als vor dreißig Jahren nach den Pogromen in der Ukraine Israel Zangwill die ״Ito“ (Jewish Territorial Organization) begründete; in der Absicht, irgendwo auf der Welt eine Heimstätte für die ünglücklichen russischen Juden zu begründen, richtete sich sein Blick außer nach Uganda, das die englische Regierung zur Verfügung zu stellen bereit war, Brasilien ■und Argentinien, auch nach Australien. Zangwill trat mit peakin, den damaligen australischen Premierminister, wegen Landüberlassung im Nordterritoriüm in Verhandlungen. Deakin jedoch konnte sich mit dem Gedanken abgesonderter rassischer Ansiedlung nicht befreunden und der Plan wurde aufgegeben. Ein jüdisches Hilfskomitee in Melbourne bildete sich zur Unterstützung des Zangwillschen Plans, und eine landwirtschaftliche jüdische Siedlung in Shepparton (Victoria) wurde begründet, die noch heute besteht und durch ihre schönen Obstgärten bekannt ist, obwohl die dort angesiedelten jüdischen Landwirte vorher, keine Erfahrung in diesem Kulturzweig hatten. Vor etwa zehn Jahren wurde der Siedlungsplan für Nordaustralien erneut aufgenommen. Als in den ersten Jahren der Sowjetherrschaft die Juden und namentlich die jüdischen Bauern der Ukraine und Kleinrußlands schwer litten, hatten die australischen?Juden Verbindung mit den Häfen des Schwarzen Meeres aufgenommen, um den bedrängten russischen Juden Unterstützungen zukommen zu lassen. Vertreter der australischen Juden unterbreiteten dem damaligen Premier, Bruce; den Plan, einen jüdischen Landwirtschaftsstaat in Nordaustralien zu . begründen. Aber auch Bruce konnte ־ sich ® mit diesem Plan nicht befreunden, und die Verhandlungen führten zu keinem Resultat. Nun wird die Erörterung zum drittenmal erneuert. Wird sie diesmal endlich zu greifbaren Ergebnissen führen? Auf die Dauer wird sich Australien der Besiedlung seiner weiten, unbewohnten Gebiete durch Ausländer nicht widersetzen können. Und die australische Presse weist darauf hin, daß es durchaus am Platze wäre, den Juden die Möglichkeit zu gewähren, das Nordterritorium der Besiedlung zu erschließen, Die Juden haben in Palär stina, wie in Süd- und Nordamerika, ihre Fähigkeit zu landwirtschaftlicher Siedlung klar erwiesen. Eine jüdische Siedlung würde zugleich der Gefahr der japanischen Invasion, die Australien neuerdings sehr befürchtet, am besten begegnen und somit in der Linie der gegenwärtigen australischen Politik liegen. Brasilien. In Brasilien fängt die jüdische Geschichte gleich nach der Erschließung des Landes durch Cabral mit der Niederlassung zahlreicher portugiesischer Juden, und Marannen an. Der erste portugiesische Seemann von der Expedition Cabrals, der brasilianischen Boden betrat, soll ein getaufter Jude, Gaspar de Gama, gewesen sein,. der zügleich Dolmetscher und Ratgeber Gabrals war. Portugiesische Juden erforschten und besiedelten das Innere des Landes und exportierten als erste das wertvolle Holz, das dem Lande seinen Namen gab. In Brasilien konnten die Marannen bis Ende des sechzehnten Jahrhundert offen ihre Religion bekennen, sie hatten eine Synagoge in Bahia und die Gemeinde von Ocinda hatte sogar einen Rabbiner; Die Blüte des ׳brasilianischen Judentums dauerte bis zur Einführung der I n q u i s i t i o n in Brasilien, die sofort mit allen Mitteln die Juden zu verfolgen begann. Zahlreiche Juden wanderten in das von den Holländern eroberte Nordbrasilien aus, wo allein Pernambuko eine jüdische Bevölkerung von 5000 Seelen besaß. Der Jude Gaspar Pereira war der reichste ־ Gutsbesitzer Brasiliens. In Rio de Janeiro, Tamanira und Parahyba gab es große jüdische Gemeinden.; Nach der Wiedereroberung Nordbrasiliens durclp^dieriRp.1%t11.g4i e;s:e n/ setzte * auch: hier l die Vei»־ ״; foigüng^teim^ZahlfeicheJuden’wänderten aus, vieleäber blieben in-Brasilien — wie früher in Portugal — nach äußenfiin Katholiken, übten aber insgeheim, die'jüdischen Bräuche weiter; ,Viele fielen auch hier der Inquisition zum Opfer. Die Verfolgungen der Inquisition hörten erst am Ende des 18. Jahrhunderts auf. ,. Im ,19. Jahrhundert wanderten neue Ansiedler in Brasilien ein. Meist kamen sie aus Deutschland, Elsaß- Lothringen, Holland und Marokko. Namentlich die ersteren waren erfolgreiche Handelsherren und gründeten viele Industriewerke. Marokkanische Juden ließen sich in Para und Amazonas nieder und gründeten dort auch jüdische Gemeinden. Eine jüdische Einwanderung.. von .Osteuropa setzte hingegen erst vor einigen zwanzig Jahren ein. ' Die derzeitigen jüdischen Bewohner Brasiliens;zerfallen in.dr e I versc h ieden:e Gruppen. Die erste ist die der westeuropäischen Juden, namentlich deutscher Herkunft; viele von ihnen sind wohlhabend und angesehen, jedoch indifferent in religiöser Beziehung und in der zweiten Generation schon ganz ohne Beziehungen zum Judentum. Die zweite, größere Gruppe sind o r i e nt a 1 i s c h e, Juden aus Marokko, der Levante und Syrien, der Mehrzahl nach Kleinhändler und Handwerker, die den ärmeren Kreisen der Bevölkerung angehören. Auch sie stehen, obwohl von Haus aus religiös, im harten Daseinskampf religiösen Dingen interesselos gegenüber. Die letzte, aktivste Gruppe, sind die osteuropäischen, russischpolnischen und rumänischen Juden, die fast alle erst vor wenigen Jahren eingewandert sind. < 28 jüdische Schulen gibt es in Brasilien, die 1500 Kindern eine - jüdische Erziehung vermitteln. Die größte dieser Schulen ist das Gymnasium Hebrew Brasileiro in Rio de Janeiro, mit fast 300 Schülern. Um gut ausgebildete Lehrer heranzuziehen, wurden Sommerkurse für Lehrer geschaffen, an denen fast alle jüdischen Lehrer Brasiliens teilnahmen. Die Kurse dauern fünf Wochen und umfassen Vorlesungen über alle Unterrichtsgegenstände. Seit dem Jahre 1923 wirkt in Brasilien Rabbiner Dr. Israel Raffalovich, dem es gelungen ist, die Schwierigkeiten, die sich ihm zuerst entgegensetzten, zu überwinden. Er ist der einzige Rabbiner Brasiliens und bereist das ganze Land bis zu den kleinsten jüdischen Siedlungen, Ihm ist es auch gelungen, eine jüdisch-religiöse Literatur in portugiesischer Sprache gu schaffen und durch die Gewinnung der Jugend für das Judentum ist im ganzen Lande ein neues Erwachen jüdischen Lebens zu verzeichnen. /׳•: ־■■/' In den letzten zehn Jahren sind etwa 20.000 Juden in Brasilien eingewandert und die Gesamtzahl de? jüdischen Bevölkerung beläuft sich auf etwa 40.000, von denen etwa die Hälfte in Rio de Jaeinro ansässig sind., erhält bei mir schon innerhalb 3 Stunden eine individuell il Gesichte entsprechend modellierte Besitzei der weltbeKannten PerUcken-Kumtwerkstätte Wien I, Kärntnerring 6 i*r Telephon0 Nr, IM7-146