Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 20 (19.5.1933)
- Date
- 1933-05-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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* msm mä& Müi die an de? otthodoSSn _ ״—״ führenden Anteil nimmt, schreibt uns: Voll Freude haben wir in Eiterakreisen, die von de? ״Jüdischen Bfesüte“ ängekündi#te Artikelserie übe? jüdiseh-pädagogisehö Erzlehungäpfobleftie begrüßt, Dir vorwöchigen Ausführungen des Mer» Lehrers Täu* ber, die die Schwierigkeiten der religiösen Erziehung unserer jüdischen Jugend beleuchten, sind leider allzu wahr und häufig, Herr Tauber neigt uns, wie die Wurzel des Üebeis; nämlich die Entfremdung eines Teiles unserer Jugend von filternhaus und. Jüdiscnkeit, in der psycho־•־ logischen Verständnislosigkeit der filtern gegenüber ihren Dreizehn* und Vierzehnjährigen zu finden ist. Die einen der filtern meinen äufhören zu können mit der betont jüdischen Erziehung ihres Kindes in die* sem Alter.* und lassen es, vertrauend auf die Wirkung ihres bisherigen Einflusses, zu früh hinaus in ein frem* des Milieu. Sie wissen nicht, daß in diesem Alter der seelischen unnd körperlichen Entwicklung des Kindes zum reifen Menschen das Kind den streng jüdischen Kreis, die ■Hilfe der Elte» braucht. Andere wieder sehen er* schreckt, daß ihre Kinder nicht mehr ihren religiösen Anforderungen, wie früher, entsprechen und versuchen mit Strenge an den unbedingten Gehorsam des Kindes zu appellieren, der sich beim Kind (bewährte, beim Jugendlichen jedoch, der eben beginnt; eigene Wege des Denkens und FUhlens zu gehen, die gegenteilige 'Wirkung hervorruft, ihn oft in offene öder Versteckte Trotzeihstellung hineinbringt. Beide Eltern dürfen sich nicht wundem über Mißerfolge in ihrer Erziehung. ein rein jüd 1seh&s Milleu, auch unser Heim ist SV voll der Könzessiönehn an unsere trmwelt, die dürfte «he sicherte Gewähr sein, für firzieftuttgserfölg.; Wenn der Knabe mit 14 .fahren mis der jüdisehen Schule kommt, wohin gewissenhafte religiöse Eltern, trotz kleiner Maehteili gegenüber den städtischen Volks* schulen, ihn Selbstverständlich geschickt haben, dann niCht mit ihm in das Gymnasium, nicht ms Geschäft und nicht in die Lehre, Auf die J e s e h i w 0 h, dort, wo das echte jüdische Leben pulsiert, wo die hungrige Seele des jungen Menschen sich am Born unserer Thora täg* lieh, stündlich labt. Dorthin gehören unsere Knaben. Kein Vater und keine Mutter wird dies je bereuen. Die Ausbildung zum Kaufmann, Handwerker oder Land* Arbeiter läßt sich beim jüdisch gefestigten und geistig gereiften Menschen, der seine inneren Kämpfe auf jüdi* schem Boden überwunden hat, sehr schnell nachholen. Ünd unsere Mädchen! Auch ihnen sollte es ermög* licht werden, wie zum Beispiel im hiesigen Beth*Jakob* Lehrefinnenseminar, ein bis zwei Jahre neben der prak* tischen jüdischen Betätigung an der Seite der Mutter, sich in die Thora, Newiim, Dittim und jüdische Geschichte zu vertiefen, um bewußte, stolze Bnos Jisroel zu werden, die den unersetzbaren Wert unserer Thora zu Schätzen wissen. Zur Ausbildung in Berufen bleibt immer noch genug Zeit. Welche religiösen Eltern verzichten nicht noch gerne auf die materielle Mithilfe ihrer Kinder, und sei die wirtschaftliche Lage noch so drückend, wenn sie dafür die Gewähr• haben, daß ihre Kinder würdige Nach* kommen ihrer großen Ahnen אברהם, יצהק ויעקב, עורר,, .דבוקה, רחל, ולאה׳ werden, daß Kinder und Eltern und Eltern und Kinder dann gemeinsam ihr Leben als עבודה ה׳ erfassen. B. S. Nun schließt Herr Lehrer Tauber mit dem Appell an diese Eltern, ״durch inniges Familienleben mit froher. Familiengeselligkeit ihre Kinder vor fremden areligiösen Einflüssen zu beschützen". Dieser sicher wichtige und richtige Rat, scheint uns jedoch nicht ausreichend genug, um die genannten auf tretenden Schwierigkeiten zu heseitigen. Das 14jährige Kind beginnt nämlich gerade in diesem Alter der einsetzenden körperlichen und geistigen Reife, heraus aus dem engsten Familienkreis zu drängen, und sei dieser noch so ideal. Als verstehende Eltern werden Wir nun versuchen, unsere Kinder auch a u ß e r h a 1 b der Familie auf den richtigen Kreis hinzuweisen. Die Aguda-Jugend- und Mädchengruppen haben es sich ja. gerade zur besonderen Aufgäbe gemacht, durch Lernen und Geselligkeit außerhalb des Hauses die Kinder für unsere Thora und damit fürs Elternhaus zu erhalten. Dort wissen wir Sie sicher in unserem Sinne. geleitet. Doch auch das ist nicht die Hauptsache. Ein Jahr, zwei Jahre, oder noch länger in Große Sijum-Feier in Baden. Einen erhebenden Anblick bot die große Sijum- Feier, zu der die Agudas-Jisroel-Orts- und Jugendgruppe in Baden bei Wien für vergangenen ‘ Sonntag, Lag-b'Omer, ihre Mitglieder und Freunde aus nah und fern, aus Anlaß der Beendigung des Seder Moed durch den Daf-Hajömi-Schiur, einlud. Ganz im Zeichen aufrichtigen Friedenswillens stand die schöne Feier, dessen Mittelpunkt das ehrwürdige Oberhaupt der Badener Kehillo, Herr 'Oberrabbiner Dr. Carl eh ach, bildete. Wahrlich, es war ein schönes Erlebnis für jüdische Menschen, die mit tiefem Schmerz die bedauerlichen Vorgänge in Baden beobachten mußten und die nun hoffen und wünschen können, daß diese Sijum-Feier ein Markstein auf dem Wege zur Umkehr sein möge, der bis ans Ziel, bis zur einträchtigen Zusammenarbeit zwischen Raw und Dajan, die beide ganz große Verdienste sich um ihre Gemeinde erworben haben, im Dienste des Klall und der Gemeinde, führen müß. Ein jüdischer Papst? ... Dichtung and Wahrheit. , Dichtung . . . Länge Zeit erhielt sich der Glaube, daß ein Jude auf den päpstlichen Thron gelangt sei, daß ihm Könige und Fürsten huldigten und daß er trotzdem nie an .sein Judentum; vergaß und es offen hervorkehrte. Wer. war nun diese außerordentliche Persönlichkeit? Legenden haben immer einen historischen Hintergrund. Drei berühmte Rabbiner wurden nach und nach als Väter des jüdischen Papstes bezeichnet. Es waren dies Rabbi Simeon ben Isaak von Mainz, der berühmte Rabbi Salomon ben Adret (Raschba) von Barcelona und Rabbi Simeon Kavarra, der babylonische Halachist. Während bezüglich der zwei Letztgenannten nur vage Angaben über die Vaterschaft sich in der Tradition erhalten haben, gibt es bezüglich des Erstgenannten eine Pessachhymne, die von Simeon selbst geschrieben sein soll und das Verschwinden seines Sohnes Eikanaan behandelt. Simeon ben Isaak war in der ersten Hälfte des. 11. Jahrhunderts Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Mainz. Er war sehr reich und ein großer Wohltäter und intervenierte oft und erfolgreich bei Königen und Fürsten für seine Glaubensbrüder. Noch lange nach seinem Tode wurde in der Großen Synagoge von Mainz jeden Samstag ein Gebet gesprochen zum Gedächtnis von ״Rabbi Simeon Hägadol, der für die Gemeinden arbeitete und schlechte Gesetze verhinderte“. Simeon war nicht nur ein Weltmann, er war von tiefer Frömmigkeit und verdiente seinen Namen ״Simeon der Große“. Er schrieb ein Werk über den Talmud, bekannt unter dem Namen ״Jessod", und verfaßte viele. liturgische Gedichte. In den Tagen Rabbi Simeons machten die Juden in Mainz viele Krisen mit, da Heinrich II. seinem Judenhaß die Zügel schießen ließ. Ein Edikt ordnete die Taufe aller Juden, an und die Vertreibung derjenigen, die sich nicht taufen lassen wollten. Eine beliebte antisemitische Maßnähme war damals auch der Kinderraub und die Christliehe Erziehung der geraubten jüdischen Kinder. Rabbi Simeon wurde selbst ein Opfer dieser Grausamkeit, sein kluger und vielversprechender Sohn Eikanaan wurde geraubt, dem. Klerus überantwortet und in einem Kloster erzogen. Er war außerordentlich, hegabt-und brachte es. bis. zum . Kardinal. Schließlich wurde er sogar Papst unter dem Namen Andreas. Das Geheimnis seiner Herkunft blieb in seinem Herzen verborgen. Aber wie konnte er seine unauslöschliche. Sehnsucht stillen? Darüber grübelte er lange. Er wußte,, daß sein. Vater noch lebte. Würde er ihn noch einmal sehen? Er wollte ihm sagen, daß sein Eikanaan noch lebte, daß er trotz seines Christentums in; seiner tiefsten Seele Jude geblieben war'und daß es sein sehnlichster. Wunsch sei, öffentlich das Christentum abzuschwören und zum Glauben der Väter zurückzukehren. Er entwarf einen Plan, Er würde den Erzbischof von Mainz auffordern, eine kleine Judenverfolgung zu arrangieren, Die Juden in Mainz würden sofort eine Deputation an den Papst senden, um Abhilfe zu erbitten. Und wer würde die Deputation führen, wenn nicht sein Vater als Haupt der. Gemeinde?; Er führte seinen Plan, aus, Als die Juden in Rom hörten, daß eine Deputation aus Mainz komme, weil dort eine Judenverfolgung auf Grund einer päpstlichen Verordnung־ ausgehroeben sei, wollten sie das gär nicht glauben, Der Papst war doch ein glühender Verehrer der ־ hebräischen Literatur und intimer Freund angesehener Juden? Niemals lebten die Juden in Rom glücklicher als unter Papst Andreas. ־-:v• ■■יג■.':׳*׳-.- Als die Deputation das Zimmer des Papstes betrat, erkannte dieser sofort seinen Vater. Und. der Vater fiel vor ihm ins Knie und bat um Schonung für seine . Ge* mfinäe״ Da hieß der Papst die Mitgliedeivder Deputation das Zimmer verlassen und ihn mit Rabbi Simeon' allein lassen. '-•; *•;. j v Wie der Papst seinen wahren-Namen und seine j Herkunft offenbarte, wird verschiedentlich berichtet. Die einen erzählen, der Papst habe sich sofort zu erkennen gegeben. Andere wieder erzählen, der Papst habe seinen Vater zu einer Partie Schach eingeladen. Während des Spieles habe Rabbi Simeon seinen Sohn an einem Muttermal am Unterarm erkannt; Die weiteren Geschehnisse sind in verschiedenen Variationen überliefert. Eine Version lautet dahin, der Papst habe seine ׳ Anhänger zusammengerufen. Er ■habe von ,dfer Plattform eines Turmes aus sich vom Christentum losgesagt, den einzig-einzigen G-tt Israels -gepriesen, und während'die Menge erschüttert und ratlos dastand, habe er sich1 vom Turme herabgestürzt und sei tot liegengeblieben. Und'eine andere Legende erzählt uns: ״Es gelang dem Vater, seinen Sohn zum Judentum zurückzuführen. Um den Namen Eikanaans-in der hebräischen Liturgie zu verewigen, habe er die Hymne geschrieben, in der sein Name und der‘seines Sohnes enthalten ist.“ Am zweiten Tag des Neujahrsfestes singt der Chasan diese Hymne. ' . .;1und Wahrheit. Soweit die Legendenbildung. Was ist aber historische Tatsache? Es ist erwiesen, daß im Zuge der unter Heinrich II. stattgefundenen Judenverfolgungen jüdische Kinder ihren Eltern geraubt und getauft wurden. Richtig ist auch, daß der große״ Rabbi Simedn in Mainz einen Sohn namens Elkanaafi hatte, der geraubt und als Christ erzogen, wurde. Richtig^' ist auch, daß es einen Papst gegegeben hat, der jüdischer Abstammung' war und die Juden Roms beschützter Aber Rabbi Simeon lebte um das Jahr 1000, während Papst Analectus II., der Judenstämm- ' ling, auf dem päpstlichen Throne von 1130 bis 1138 saß. Aber unsere Legende’kümmert sich nicht um chronologische Daten und sie entstand außerdem erst im 14. Jahrhundert. Die Entstehung der Legende kann unschwer rekonstruiert wbrden: Analectus II. war der Gegenpapst Innozenz' II. Analectus II. hatte von seinen jüdisehen Ahnen eine ausgesprochen jüdische Physiognomie geerbt und das konnten ihm seine Gegner nicht verzeihen. ״Ein schwarzer und bleicher junger Mann, mehr einem Juden als einem Christen ähnlich“, so wird er uns beschrieben, als er 1119 an der Synode! von Reims teilnahm: und als er den päpstlichen Thron bestieg, nannte man ihn ironisch ״Judaeo-PontifexV (jüdischer Hohepriester), Schon seine Vorfahren hatten in Rom eine große Rolle gespielt. Sein Urgroßvater Baruch, der im jüdischen Judenviertel Trastevere'gelebt hatte, war zu großem Reichtum gelangt, hatte sich taufen lassen und den Namen Benedictus erhalten, dgip er noch, den Namen Christianus hinzufügte. Dessen Sohn Leo heiratete in die höchste römische Aristokratie ׳ein. Leos Sohn Peter Leonis oder Pierleoni, wie er genannt wurde, erlangte in Rom große Macht und war immens reich. Peter Leonis starb ,1128. Einer seiner Söhne wurde Patrizier, eine Tochter wurde Königin von Sizilien. Und sein*Sohn Petrus bestieg als Analectus II. den päpstliehen Thron, Er hatte in Paris studiert und' wurde Kardinaldiakon in Roip? Im Jahre 1121 finden wir ihn als päpstlichen Legaten in England, wo ihn König Heinrieh I. mit großem Pomp empfing. Am selben Tage, an dem er zum Papst gewählt wurde (23. Februar 1130), wählte die Gegenpartei Innozenz n. zum Papste, Und erst als Analectus II. im Jahre 1138 starb, wurde Innozenz II, allgemein als Papst anerkannt. ״ Als Innozenz H, zum Gegenpapst gewählt wurde, kam os in Rom au Kämpfen. Die Partei des Analectus siegte und der . Chronist feerichtet uns; ״Und mitten in der tumultuösen Prozession, die ihn als Papst begrüßte, märeebierfen die Vorsteher יder Synagoge unter Anführung ihres Rabbiners, der eine Thorarolle in seinen Händen hielt;“, ־ ■; y./״.- Berufen Sie sich bei Ihren Einkäufen auf die ,,üidisclie Presse'־*• WohnslmmerMhnmk Metten Kallfnger k moderne r initeneinrlfihfnfttt entMit Ratmt rar kMnaer? waaeftt, seftunts, mngeBiafrtranwaffltä «K öasftftftttenfiffc Mtaefiranft, faBeiftäftefäfBige I1ffi6aÖe1<!0efifcflg» zeitgemäßer Freia yiiemi&wt Wäßgwr kunst, Wien in, 0B«re weißga ^., sstr _ft! ftt» moderne Rattm* Betatraßd 11 (hei Urania) im Bes*Häknesses versammelten sieh tue Gemeittäe* mitglieder und die zahlreich erschienenen Gäste, unter ihnen Vertreter sämtlicher Badener Vereine und Körper* sehaften, die dem geistreichen, tiefsehürfendett Hadran* Vortrag des Herrn Cfeerrabbiners Dr, C a r i e b a e h auf מם׳ הגיגה lauschten. In neuartiger, aktueller Beleuchtung verstand es der Raw, die Tütidämentale Bedeutung des Schabbos für das gesamte jüdische Leben und die Wichtig* keit ־ von Limud-Hathora aüSeinattder2usetzen, und zeigte den Weg zur Rückkehr, der allen, aber auch alle n, offenstehe, im Sitzungssaale der Kultusgemeinde war in* zwischen die herrliche Tafel gedeckt worden, bei welcher als erster Herr Präsident Anton Stern lebhaft akkia* i mierte Worte der Begrüßung und des Friedens sprach. ן Herr Direktor Dr. Deutschländer, eben von einer größeren Reise zurückgekehrt, schilderte die' Leiden unserer Brüder und Schwestern in anderen Ländern und würdigte die Bedeutung der Badener Sijum-Feier. Es sprachen noch Herr Rabbiner Moses Blech, Wien, ein Vertreter der Badener jüdischen Frontsoldaten, Herr Redakteur Weiß, und namens der Wiener Agudah- Jugend Herr Hermann B o ü d i. Oberräbbiner Doktor Carlebach ergriff nochmals das Wort zu einer meisterhaften Rede und dankte all jenen, die zum Gelingen der Feier beigetragen haben. Zum Schluß hielten noch Herr Schabse Schönfeld und Herr Redakteur David T ü r k 1 kurze Begrüßungsansprachen. In vorgerückter Stunde endete das schöne und wohlgelungene Fest mit gesanglichen Vorträgen und dem Bentschen des Raws, dessen Erträgnis — auf Anregung des Raws — für Wohlfahrtszwecke unserer leidenden Brüder in Deutschland Verwendung finden soll. T. Vereinsnachrichten. Sijum in Eisenstadt. Die Schass-Chewro in Eisen- Stadt veranstaltete am Lagrb'Omer eine wohlgelungene Sijumfeier auf מם׳ בבא מציעא hei welchen Herr Oberrabbiner Schlesinger einen meisterhaften Hädran-Vortrag hielt. Der. Vorlerner, Herr Li eher mann, sprach עולם לתפלות*) Gerade zur rechten Stunde erscheint ein neues Werk über die Tefilloh. Durch alle jüdischen Herzen, geht ein Zug, auf den Flügeln des Gebetes den Kontakt inniger mit G-tt zu gestalten. Und die moderne Welt möchte gern verstehen, was sie bietet. Auch die, die keine Möglichkeit haben, sich intensiver mit den Quellen der Tefilloh zu beschäftigen, sie möchten gerne in die ganze Tiefe und Innigkeit, die in den Gebeten verborgen ist, eindringen. Diesem langgefühlten Mangel einer klaren Uebersetzurig und leichtfaßlichen Erklärung der Tefilios hilft der unseren Lesern wohlbekannte Herr Rabbiner Dr. Eli Munk, Ansbach, mit seinem ״ עולם החפלותDie Welt der Gebete“, Kommentar und Uebersetziing der Werktags- und vSabbatgebete, ab, Jeder jüdische Mann und: jede jüdische Frau, die nicht bereits ganz eingedrungen sind in die Welt der Gebete — und wer wäre das! — greife Zu diesem Werke., Sicherlich wird mit dem besseren Verständnis auch die Innigkeit der ״Awodo sch’belew“ su Tefilloh wachsen. Aus dem Vorwort des Verfassers zu diesem interessanten und lehrreichen Buch, bringen wir. einen Abschnitt wörtlich:. Unser Zeitalter ist der Gnade des Betenkönnens verlustig gegangen. Nur Vereinzelte sind es . noch, die ihre Seele aus der qualvollen Resignation unserer Tage, aus der drückenden Last der täglichen Sorgen, aus dem verhängnisvollen Bann des rationalistischen und materialistisehen Denkens zu befreien vermögen, um mit der tiefsten Inbrunst ihres Herzens, die Erfüllung ihres Daseins von ihrem Schöpfer, zu erflehen. Der Masse unseres Volkes hat das Gebet nichts mehr zu sagen. Weder von seiner tröstenden und läuternden Kraft noch von -seiner erhebenden und adelnden Wirkung werden die Beter nachhaltig erfaßt und ergriffen, denn das Gebet ist unserer g-ttentfremdeten Kultur zum Opfer gefallen und zu bloßer Gewohnheitsübüng herabgesunken. Aber gleichwohl sieht sich gerade unsere Zeit, mehr als irgend eine frühere, darauf angewiesen, wieder aufs neue beten zu lernen. Es ist nicht allein das Fiasko, das die Menschheit im Zusammenbruch ihrer Kultur erlebt, das sie veranlaßt, sich auf die den Menschenverstand und die Menschenkultur überragende Allmacht zurückzubesinnen und den Weg zu ihr wieder zu siichen. Viel lauter und inbrünstiger erhebt sich der Hilferuf der Unzähligen, die von der Not der Zeit an den Abgrund der Verzweiflung getrieben, seelisch gebrochen und wirtschaftlich hilflos, den Beistand und die Gnade des G־ttes ihrer Väter, der ihnen fremd geworden, aufs neue erflehen möchten. Sie suchen G-tt und möchten den Weg zu ihm gewiesen haben. Der Weg aber führt über das Gebet, Denn das Gebet ist seinem tiefsten Wesen nach die verbindende Stufenleiter, die von der Erde zum Himmel emporführt. Es nimmt daher nicht wunder, wenn der Wunsch und das Bedürfnis nach Erschließung der ״Tore des Gebetes“. immer. nachdrücklicher und dringlicher in den letzten Zeiten aus den verschiedensten Lagern zum Ausdruck gebracht worden sind. Wie findet man aber seinen G-tt in den Gebeten unseres Volkes? Da nützt kein Philosophieren über Wesen und Idee, über Entstehung und Ausdrucksform der . Gebete. Man muß vielmehr an sie selber hinantreten und sie feegreifen lernen. Wem es gelungen ist, von der äußeren Hülle der Gebetsformen zum innersten Kern vorzudringen und die Gedanken* und Gefühlswelt, die sich ganz im Innern verbirgt, zu erfassen, der wird auf diesem Weg; den die Verfasser mit der klaren G-ttesschau des prophetischen Seherblickes vorgezeichnet haben, seinen G-tt finden lernen. Ja, selbst die stille oder die mystische -Verseiikung, die im Gebet das beseeligende Urerlebnis der Vereinigung mit G״tt sucht, kann der prhuären Npt* Wendigkeit nicht ehtraten, Sinn und Inhalt des Gebetes zu erforschen, um sich von ihm erfüllen und durchdringen zu lassen, so tief und so ausschließlich, bis die Seele, hingegeben, ln sehnsuchtsvoller G-ttesliebe, ihren Schöpfer wiedergefunden hat, ׳ ״ (*Die Welt der Gebete“, von Rabbiner Eli M u n k, Ansbach. 374 Seiten Großaktov. Preis in gediegener Leinwand M. 6.50, Hermon*Verlag, Frankfurt am Main. *