Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 20 (19.5.1933)
- Date
- 1933-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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SelleS f- •IsV Efez41sf0el-Btif0 In London. Der Loodofier ßoffespondent des Wärsehatief *hett TatMäifes״ hatte M^ dem Mitgtit&.dertfj0ti*v eh Agudäs tfteföet, ,tttttftjr öWd- Über die letztens in Brüssel statte gefundene , \t׳eätet1fbpälselie Agudä-Tagung. Netten der Vertegungder Zentrale, der Agudasdlsroel ftä«K 2Ütieh hat die Köfiffereti* atieh die Schaffung eines Erez-Jisroel- Büros; itu London beschlossen!"Herr OoodWartgabttbef die Aufgaben dl<&esBüf08/101gende Aufklärungen: . , der jetzigen Zeit ganz besonders aktiv praktische Erez- Jisroel-Arbeit leisten muß. Das Büro in London würde geschäffetvum diese Arbeiten *11 leiten, tiiid hoffentlich wird es dein Büro gelingen, besondere finanzielle und politische Erfolge für die Agudäs, JisröelZu erreichen« Es ist ein himmelschreiefides Unrecht, daß orthodoxe Juden sich im Heiligen Land nicht ansiedeln können, weil Sie Keine Einreisezertifikate bekommen. Her Regierung ln London muß eindringlichst erklärt werden, daß wir orthodoxe Juden die Möglichkeit haben müssen, Eiriwanderungszertifikate in genügender Anzahl zu erhalten, um unserer Äugfend, die von heiliger ־Begeisterung für;'Erez Jisroel getragen ist, die Anstellung im Lande 2u ermögiichett. Ich kenne den High CJommissioner von Palästina WiuchOpe persönlich als einen Menschen, der Achtung und ^Respekt vor: jeder Religion besitzt. Er selbst hat bei seinemMetzten Aufenthalt in London' in" einem Gespräch mir gegenüber erklärt, daß er unsere Forderungen vollauf verstehe und würdige, weil er selbst religiös orichtiert ist. Ich bin davon überzeugt, daß die englische Regierung unsere Forderungen erfüllen wird, weil sie berechtigt sind, und daß wir bald ttbef ־ Einfeisezertifikate verfügen werden. Die letzthin der Aguda für Deutsch- ־ larid bewilligten 50 Zertifikate stellen bereits einen nicht zu unterschätzenden Erfolg dar. Zahlreiche Agudisten, die über ein gewisses Kapital verfügen, mit dem sie im Lande etwas beginnen können, werden recht bald die Möglichkeit erhalten, in Erez Jisroel Sich zu besetzen.“ Nahende Verwirklichung der fünftägigen Arbeits- ' ' . woche. Die am 27. April stattgehabte Konferenz des Ver- Waltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes setzte die Tagesordnung, für die auf den 8. Juni nach Genf einberufene Internationale Arbeitskonferenz fest und stellte än.herybfrageride' Stelle die Frage der internationalen Regielütig der 40-Stunderi-Woche und 5-Tage-Woche. ' In der Zwischenzeit wird die' Forderung nach ges'etzlicher Einführung der Arbeitskurzwoche mit verstärktem Nachdruck erhoben. Der beratende Angestelltenausschuß des Internationalen Arbeitsamtes hat auf seiner jüngst abgehaltenen Tagung einmütig erklärt, daß die Arbeitszeitverkürzung in weitestem Maße auch in allen Betrieben,‘ ctiä Angestellte beschäftigen, Anwendung finden müsse. / —Der Senat der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat einen Gesetzentwurf angenommen, der, über das allgemeine Ziel der 40-Stundeh-Woche hinausgehend, eine Arbeitswoche von f ü n f Tagen mit je sechs Stunden vorsieht. Der sozialpolitische Ausschuß der Kammer bat seinerseits/ einen /entsprechenden '■ Vorschlag einstimmig angenommen.‘ "; > ״ . /E/^y-Je Stärker die Bestrebüngem für :.eine••.Kürzung־, der Arbeitswoche und je umfassender die internationale; Regelung der Arbeitskurzwoche, ausfallen werden, desto leichter wird es den jüdischen'Kreisen werden; neben dem gesetzlichen •Ruhetag .,den Sabbat -als traditionellen Ruhetag zu wahren.. / Kein Einfuhrverbot für Koscherfleisch in Deutschland. Zufolge der Intervention der königlich-dänischen Regierungen Berlin, hat die Reichsregierung ihre Absicht, den Import von Fleisch geschächteter Tiere zu verbieten, zurUckgestellt. Die Einfuhr von Koscherfleisch in Deutschland erfolgt hauptsächlich aus Dänemark. Die dänische Regierung hat sich in ihrer Intervention auf den dänischdeutschen Handelsvertrag berufen, der eine Einführ von Fleisch aus Dänemark vorsieht/ In den letzten Tagen haben mehrere Restaurationen und Fleischbänke in Berlin und anderen deutschen Städten, die von Dänemark Fleisch beziehen, ihre Betriebe wieder eröffnet. Und das ist keine Greuelpropaganda? : Ein besonderes Stück hat sich die hakenkreuzlerische ״Nachtpost“, das Blatt des Wiener Naziführers Frauenfeld, vom 4.: Mai geleistet. In der erwähnten Nummer veröffentlicht das Blatt auf der ersten Seite mit Rieaenlettern einen Bericht: 2״ Frauen in der Küitüsgemeindc abgeachlächtet!“ Jeder, der diese Schlag- Zeile liest, muß sich natürlich denken, daß es sich hier besagt dann, daß im Gebäude ,der jüdischen HülttiSgemeinde 1nGr 0 ß - B ecskereK eiäj/reicher Batier in' einem Anfall von Eifersucht seinevon. ihm getrennt׳ * lebende Fraü und deren; jüdische Dtenstgeberin erstach^ Der Mdräer, ein Mann namens Marki, dürfte kaum ein Jüde sein, Wöhr aber ist eines der O p f e r eine Jüdin. Beth Jakob-LehreriDüeDöeiöiöariHWitiu. Zum dritten Male rüstet das Wiener Seth-Jakob- Seminar sich zum Sömm'erkurs, zum zweiten־, Maie wird. das Seminäf : eine' öruppie seiner Bchülerinnen hinausschicken, damit sie als Lehrerinnen auf ihren Rösten das verbreiten sollen, was sie in ehrlichem Ringen : und; Streben nach jüdischer Weltanschauung und jüdischer Lehre sich erwarben. Immer größer wird die Zahl der Schulen. Die; Slowakei, Rumänien und Ungarn haben sich dem Beth-Jakob-Schulwerk angeächlossen, und jede neue Stadt, die eine LehrCrih Von uns fordert, beweist die Notwendigkeit Unseres Werkes. Wir Rollen zum neuen Sman unsere Wiener Kurse noch e r t e r n.' Im Vorjahr richteten C wir, um den an uns gestellten Anforderungen zu entsprechen, einen Kurs für Kindergärtnerinnen ein, der. mit der Staatsprüfung abschließt und den Teilnehmerinnen die Möglichkeit gibt, im jüdischen Kreise ihre Ausbildung zu erhalten, und gleichzeitig sich jüdische Kenntnisse zu erwerben. Da aber das Mind'estalter zur Zulassung für die Lehrerinnen-־ Und ■Kindergärtnerinnenkurse 16 Jahre ist, treten viele Eltern mit der berechtigten Frage an uns heran: Was machen wir; mit unseren Kindern, die vierzehnjährig aus der Schule kommen? Gerade für dieses? Alter, in der die Kinder am aufnahmsfähigsten und am leichtesten zu beeinflussen-;sind, fehlte bisher die Möglichkeit der Weiterbildung; an einem jüdischen Geiste. So haben wir uns zur Einrichtüng von ״Fortbildungsk u r s e n“ entschlossen, wö\ die jungen Mädchen gleich nach der Schule im Beth-Jakob-Geiste lernen und erzogen werden. Alle diese Kurse beginnen nach den Jomim- Towim; Doch auch.im Sommer Soll, wie in den Vorjahren, den Mädchen Gelegenheit ('.׳gegeben werden, die Ferienmonate im Beth-Jakob-Kreise zu verleben, um, wie unser Programm für die Sommerkurse lautet, ״neben der * Erholung, der Stärkung des > Körpers, durch Beschäftigung mit jüdischer Lehre auch { Stärkung der Neschömoh zu geben!“. Und daß dieses gelingt, davon zeugen die vielen mündlichen und schriftlichen Aeußerungen der Eltern unserer Schülerinnen. ״Meine Tochter hat aus dem Beth- Jakob-Sommerkurs eine jüdische Neschomoh mitgebracht“, sagte im Vorjahr der Vater einer unserer Schülerinnen. — Der Sommerkurs wird dieses Jahr von Anfang Juli bis Ende August stattfinden. Ueber den Ort schweben noch ,Verhandlungen, wir wollen nach;,der Zahl der Interessenten entscheiden, ob der Kurs in Oesterreich, Ungarn oder in der Slowakei stättfindet. Bei größerer Beteiligung werden eventuell an mehreren Orten Kurse abgehalten werden. Die Sommerkurse werden , sich gliedern : A. Sommerkurs für Mädchen von 12 bis 14 Jahren. B. Sommerkurs. für.tMädchen.von 14 bis 16 Jahren. v C. Sommerkurs für Mädchen von 16 Jahren, auf-, wfirts.;ץ* * ־;■־■ ר ד D. Vorbereitungskurse zwecks Aufnahme im Beth- Jakob-Seminar. ...... ־,. Da voraussichtlich in diesem Jahre der Seminarkurs in Wien fortgeführt wird, wird eventuell Interessenteri auch die Möglichkeit gegeben, einige Wochen in Wien zu verleben.!;! Alle Anfragen sind zu richten an: Beth-Jakob- Seminar, Wien, II., Malzgasse 7. ♦ ♦ _ק_fetMl niälf , , Zimmertmd’ gasfest*' ‘ ’ modeln, hygienisch, fein. künf jähre Gäfäntie ■ > HIBs k6lne Filiale . . ולמדילינו' בקדושתך העליונה Die Sefifo-l^age geieitett uns vom. Peäs&chfest) dem Fest def nätiö^älett Beffeiütig, ziüm S C h w u ö s f e s t e, dem Tage def Thora- und jüdischen ÖeSetZwerduäg, ^lem ‘ der Führung des jüdischen Lebens ln die Schranken der religiösen Geböte und g-ttliehen Weisungen. Die ömerzeit führt uns vom Tag des ״Marines aus dem Volke“ zum Tag des Denkens; *■ [ * * : ' 'V :; Wir utttersölieiden zw;ei Arten von Awödas Haschern. Die eine dient dem Schöpfer ,מאהכד aus Liebe, die andere' מיראה aus Furöht. Diese Gruppen können wir wieder in zwei Arten unterteilen: Die zu der einen Gruppe gehörigen Menschert dienen Haschern in Liebe, da der Ewige sie erhält und ernährt, also aus Da'nk; die anderen in seliger Liebe mit אהבה •שאינה חלוי׳ 1 ברבו*. So auch bei- יראה : Die einen dienen Haschern aus: Furcht vor der Strafe, die anderen in Ehr-‘ /furcht :יראת החתממוה. Die erhabenste. Stufe ist אהבה שאינה תלוי׳ בדבר s e 1 i g e L i e b e, ihr folgen' יראת התרוממות Ehrfurcht, dann אהבה התלוי׳ בדבר Liebe a׳Is Dank und *als letztes , יראה als ■F u r c h t vor d e r, S t rA f ף G-ttes י .חיו• ’ .; ' ‘ ■t . , . ן /׳!■ .״ י' י' - ' * .■׳ ■/... ־- Dies ist. ftüch der Werdegang' von. Pessach bis Schwuos. Der Sklavendienst in Mizrajim zwang das jüdisehe - Volk zur F ü r c ht׳u n g G-ttes והעל שועתם אל האלקים מן העבודה, die Erlösung aus der Knechtschaft erhob das Volk' zur Liebe aus’ Dankbarkeit, die großen Wunder führten sie zur Ehrfurcht, bis schließlich die Offen-- bariing am Sinai sie zur höchsten Stufe, zur Liebe in Sei i g k e i t, brachte. Sie ist die wahre und echte Emur^oh, die wahre Verbundenheit mit G-tt״ die erhabenste Art von Awodas Haschern.; י . I ד'■'/ \ ■י־ . ' _; So beten wir dexm auch ולטהרינו בקדושחך העליונה führe uns, Allmächtiger, von der Jiroh, von der durch das härte Los unserer Brüder entstandenen G-ttes f u r C h t; zur. wahren Ahawoh, zu seliger G -11 e s 1 i e b e, zur reinsten Keduscho, zur höchsten Stufe von Awodas :Häschern. Nathan T h u m i m, ' f: > ■ •SS. Itt11 ^׳ / if)f GUT UND PREISWERT GROSSMÖBELHAUS D. H010־witz Wien llf TaborstraBe. 75 / Fernrui A-41r5-67 ff Gegründet 1882 Lebensversicherungs- Gesellschaft Versicherungsbestand Enäe 1931 .. .\. . ". . . . . . . . ..; . ...... . . 2775 Prämien- und Zinseneinnähmen im Jahre 1931 ..... . . ... . . . . .!82 Garantiemittel Ende 1931 ./ . . . .472 ........... ... . ... . . ־ Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1931 . . . . ...... . . . . . . . . . 43 Am Ende des Jahres 1931 waren bei der Gesellschaft 836.664 Personen versichert. Tätigkeitsgebiet:, ,Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Italien, Tschechoslowakische Republik, Ppfep, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland,! Türkei/ Aegypten und ׳ , r Kleinasien. Millionen Schilling Millionen Schilling Millionen Schilling Millionen Schilling Erzählung von S. W1 ez, (Fortsetzung) VI. ’ [6J In aller Frühe kam Wainka ins Wirtshaus. Sander sowohl als sein Sohn waren noch heim Morgengebete in der Synagoge. Merelaika ordnete die Gegenstände auf dem Büfett und ersetzte die leeren bauchigen Flaschen durch volle, stellte Schachteln und Platten zurecht und sah überall nach dem Rechten. Wainka schimpfte und zeterte wie besessen. Er schien aller Welt und allen Menschen den Krieg erklärt zu haben. Jetzt war alles eins... Ums Brot komme er sowieso, dann wollte er einmal zeigen, was ״wii;“ arme Teufel können. Totschlägen wollte er den Schuft den Lump, der nachts nichts Besseres zu tun hat, als Mädohen nachzulaufen und dann arme Leute ins Unglück hetzen,.,, Merelaika schnitten die Worte ins Herz. Ihr Gesicht verfärbte sich. Aber Wainka schaute verstört durch die angelaufenen Fensterscheiben und erhitzte sich immer mehiv; .■.;:;/.׳ ״So eine KanailleV /, Ein paar Reiser, die sonst im -VVald verfaulen.,. Die Kinder frieren... Als hätt' der höbe Herrg-tt den Wald für die Herren allein wachsen lassen /, v Ist dem Staat, sagte der Grünschnabel, Aber ־^er ist der Staat? Der Staat sind wir, Herr Grünrat von Börtsowski, das schreibe ich dir auf den Leib. , . Paß auf! Läß ipieb nur erst in rechte Stimmung kommen «, י Eine halbe Flasche.Merelaikal Ist ja nun alles eins...“ Das Mädchen beeilte sich nicht, der Aufforderung nachzukommen, ״Wainka“, sagte sie begütigend, ״ich weiß bereits von deinem Mißgeschick, aber durch Trinken und. Toben machst du die Säche nicht besser. Ueberhäupt dieses sinnlosrTrinkenr das, wie ich dir schon oft gesagt* zu allem Unglück führt. Weißt, Wainka, ich meine es gut mit dir, ich müßte, wäre dies nicht'der Fäll, anders sprechen... “ ״Ich weiß, ich weiß“, unterbrach der Holzfuhrmann gerührt, mit tränendem Auge, ״bist eine Heilige, ein Engel, möchte dir den Saum däs Kleides küssen. Aber nun ist es vorbei, alles verloren.“ ' :! ״Es ist nichts verloren", sagte Merelaika bestimmt. ״Mußt Herrn Borisowski Abbitte leisten, ihm versprechen, von nun an auch die kleinsten Veruntreuungen zu lassen; es wird dann alles wiederlgut.“ ״Oh, du kennst nicht Borisowski“,. sagte Wainka bitter, ״den Blutliv« . “ Das Mädchen ließ ihn nicht ausreden. ״Ich kenne Borisowski“, sagte sie. ״Die Sache ist schon erledigt, wenn du dich von weiteren Beleidigungen zurückhältst...“ > ״Wie das?“ Wainka schaute mit großen, blöden Augen das Mädchen verwundert an. Merelaika hielt ihm ein loses, mit Bleistift heschriehenes Blatt vor. ״Hier, Wainka, dein Todesurteil“, lachte sie, ״es ist in meiner •Hand. Versprich, nicht mehr auf verbotenen Wegen zu gehen, Borisowski nicht zu beleidigen und dich nicht zu betrinken.. . Ich zerreiße dann den Zettel, daß kein Hahn; mehr danach kräht." Wie war das? Wainka liefen die Augen Über, obzwar er die halbe Flasche noch nicht getrunken hatte; er wünschte sie auch nicht mobr. Er kannte die Schrift Borisowskis auf den grünen, rotgestreiften Notizbuchzetteln, wie er, Wainka, sie. oft genug beim Holztransport dem Förster überbraebte. Wie/das Blatt in die Hände des Mädchens kam? Das wunderte ihn am allerwenigsten. Merelaika war kein gewöhnliches Mädchen, das wußte er schon lange, warum sollte sie nicht Wunder vollziehen können? Alles, aiies. wollte er versprechen, wiewohl er wußte, daß es schwer, sehr schwer war, Vorsätze zu halten,,, Und das Mädchen zerriß das Blatt in unzählige Stücke und warf die Papierschnitzel in den/Kamin, wo sie zur hellen Flamme auflbderten - und restlos verbrannten. Wainkft sab der^Fiamme nachdenklich zu und erst, als die dünne schwarze Kohlenschicht ganz auseinanderfiel» stand pr. auf u»d ging, ohne auf der ״ba!ben Flasche“ mehr zu bestehen. Die Tatsache war vernichtet.• Es stand nicht mehr schwarz auf weiß geschrieben, daß er, Wainka, ein Dieb war, ein fortgejagter Lump, und er konnte nun wieder, als sei nichts geschehen, in den Gutsstall an seine tägliche Arbeit gehen. VII. Kaum war Wainka gegangen, als ein Bauern wagen angefahren kam, dem ein kleiner Mann entstieg. Aechzend und krächzend drückte er sich durch die Schanktür. Das Mädchen beachtete kaum den fremden Mann, der kein Fremder in der Ochsenwirtschaft war. Er schien ihr sehr verstört und erregt und er fragte wiederholt nach ihrem Vater. Dieser kam gerade in Begleitung seines Sohnes, den plüschroten Talithbeutel unter dem Arm, zur Tür herein. Beide reichten dem Fremdling die Hand und Sander fragte, indem er dem Ankömmling etwas scharf ins Gesicht schaute: ״Was gibt es, Jonas? Warum so bestürzt? Was ist geschehen?“ ״Ein großes Unglück, lieber Freund! Hast noch, nichts gehört? Und ich dachte, alle Welt wisse es schon und bedaure den Jonas oder deute mit Fingern auf ihn. Die Frau daheim liegt krank vor Kummer, die Kinder weinen unaufhörlich --“ Und der fremde Mann bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und weinte wie ein kleines Kind. Sander und Samuel betrachteten mitleidsvoll den1 schluchzenden Mann. Ersterem traten ebenfalls die Tränen in die Augen, wiewohl;er noch keine Ahnung hatte, um was es sich handelte. ״Jonas“, sagte er, die Hand auf seine Schulter legend, ״vor allem nicht so kopflos, nicht so den Mut sinken lassen. Was ist es denn eigentlich? Geld verloren,, schlechte Geschäfte, bestohlen?“ ״Schlimmer,sohlucbzte Jonas,;;,Hat dir der Gutsherr die Molkerei gekündigt, dich: aus dem Hof gejagt /״Ach, wäre ׳es nur das!“ jammerte der Milch- .Pächter*■