Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1933-05-12 · 19 (12.5.1933) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
19 (12.5.1933)
Date
1933-05-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2630489-2630507--4445-2636617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

m. m gegeben wird. Der Öundesrat hat daraufhin eine Bfkiänmg veröffentlicht, in derer ea als selbstverständlich bezeichnet, dag die Schweizer Staatsbürger der Veffassung gemäß in gleiehef Weise, ohne Berücksichtigung des üntefsehiedes vön’Kohfessiön oder'Rasse, behandelt wenden, '•־^־■׳• . ‘ '■■׳ Kurleben am Toten Meer, Am T 01 e n M e e r wird gegenwärtig ein ö׳a ä e- und Kür oft angelegt, dessen erste öffentliche Ein* richtungen, ein großes Restaurant am äeeüfer mit Badeanstalt, soeben feierlich eröffnet wurden. Kür den neuen Badeort hat man den Namen Kallia gewählt, in Anlehnung an die altarabische Bezeichnung für Rottasche (Kali), um einerseits auf den Kalifeichtum des Toten Meeres hinzuweisen, anderseits an, die Blüte der arabischen Kultur im 8. und 9. Jahrhundert zu erinnern, einer Zeit, in der sich jüdischer und arabischer Geist vereinigten. In nächster Zeit soll an den Bau eines großen Hotels geschritten Werden, in dem Touristen und Kurgäste billige Unterkunft finden sollen. Es wird ferner ein großes Diesel- Motorboot für 80 bis iOÖ Passagiere in Dienst gestellt Werden, das regelmäßig Fahrten rund um das Tote Meer unternehmen wird. Des deutsch-jüdischen Liberalismus Glück und Ende* Zu dem unter diesem Titel in der vorwöchigen Nummer, unseres Blattes erschienenen Artikel von A. B. erhalten Wir von Herrn Theodor Klein eine Zuschrift, in welcher darauf hingewiesen wird, daß der erwähnte Aufsatz das Vorhandensein einer kräftigen deutschen Orthodoxie und deren bedeutende Verdienste völlig ignoriere. Der Verfasser des Artikels, dem wir diese Zuschrift übermittelt haben, teilt uns hiezu mit, daß er weder das Bestreben noch die Möglichkeit habe, die weit über die Grenzen Deutschlands hinausreichende Bedeutung der deutschen Orthodoxie zu verkennen. Zweifellos müsse ihrer in jedem Artikel, der sich mit־ deutschem Judentum befaßt, rühmend! gedacht werden. Daß sie in diesem Aufsatz keine Erwähnung gefunden habe, liege an der Begrenztheit des Themas, das, wie ja der Titel eindeutig besagt, sich ausschließlich mit dem liberalen Judentum, seinem Werde- und Niedergang beschäftigt. Die deutsche Orthodoxie hat in einem heldenmütigen Kampf gegen tausendfache Uebermacht sich selbst behauptet und damit einen der herrlichsten Siege in der Geschichte unseres Volkes errungen, aber sie hat niemals entscheidend in den Lebensprozeß des •liberalen Judentums einzugreifen vermocht. Aus diesem״ durch die Begrenztheit des Themas gegebenen, rein sachlichen Gesichtspunkt, nicht aber aus irgend welcher Unterschätzung ist ihre Erwähnung hier unterblieben. Jüdische Kultur? vos Wot'lic יי 5ג Wo elic — Die deutschen Buchhändler haben beschlossen, in Zukunft keine Bücher in- und auslähdischer, j.ü di sicher Autoren zu verlegen und zu verkaufen. * — Nach einem, rechtskräftigen Urteil des B e rliner Arbeitsgerichtes können jüdische Angestellte ■1wegen ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse ohne Entschädigung fristlos entlassen werden. , * — Die J ü dis che Gemeinde in Berlin wurde von der Behörde auf gefordert, die Veröffentlichung der B e erdig un gen von ermordeten Juden und von jüdischen Selbstmördern zukünftig zu unterlassen. * — Es verlautet, daß die deutsche Reichsregierun g Mischehen zwischen Juden und Christen bei hohen Strafen verbieten will. Die ״Arische ,Rundschauee fordert die Regierung auf, ein Gesetz zu erlassen, nach welchem es Juden verboten sein ,soll, der protestantischen oder der katholischen Kirche beizutreten. — In Bukarest fand eine Sitzung des rumänisehen Ministerrates statt, die sich mit der B ek äm pfung der antisemitischen Agitation befaßte. Es wurden strenge Anweisungen an die Behörden gegeben tvnd durchgreifende Veränderungen im Personalstand der Polizei vorgenommen. * — Nach einer Meldung soll die Palästina- Regierung außer den bereits für das kommende Halbfahr bewilligten 5500 Einwan derungszeftifikaten noch 2 0 0 0, also insgesamt 7 5 0 0, bewilligt haben. Diese 2000 Einwanderungszertifikate sollen vornehmlich für deutsche Juden reserviert bleiben. Eine offizielle Bestätigung dieser Meldung war bisher nicht zu erlangen. * — In Erez Jisroel wurde eine Gesellschaft gegründet, die in allen Teilen des Landes Wasserbohrnngen vornehmen und moderne Brunnenan lag en schaffen will,* die verkauft oder verpachtet werden sollen. * — Die ägyptische Regierung hat beschlossen, 20 0 jüdischen Aer zt en und Rechtsanwälten aus Deutschland die Erlaubnis zur Niederlassung und zur Ausübung ihres Berufes in Aegypten zu erteilen. ״ — An der sy rischpal äst in ensis chen Grenze wurden 46 Personen verhaftet, die versucht hatten, illegal nach Erez-Jisroel einzuwa ndem. * — Bei der Stadtverwaltung von T el-A wi w wurde ein Komitee für Ein w ander un g s- und Touristenwesen eingesetzt. Das Komitee wird sich insbesondere mit dem Empfang der Einwanderer und Touristen und mit der Beschaffung billiger Quartiere befassen. , * H. Grün, U,, Taborstraße 8 b, Tel, R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe, E EN 6 R O 5 EXPORT PERÜCKEN»« SCHEITEL FACHGEMÄSS AUSGEFÜHRT FRITZ BRENNIG Wien, VI. EggeiTbgasse 9 ....... , , 'r •;; Von Df. Nathan Birnbaum Was kann es Wichtigeres geben als die Nation? — fragt der moderne Nationalist, Und doch sehen wif, wenn wir die nationale Kulturarbeit moderner Juden be« trachten, daß das, wonach sie mit solcher Leidenschaft streben, im Grunde gar nicht ein Nationales ist, sondern daß es ihnen fh der Hauptsache nur darum geht, so schnell und so ausgiebig als nur möglich in die Weltanschauungsgemeinschäft der europäischen und amerika* nischen Völker zu gelangen, Öle beweisen damit, was sie sicher nicht beweisen wollen, daß die Art seiner Welt* anschauung für den Menschen füglich doch Wichtiger ist als seine Nationalität, Nur. vergessen sie dabei, daß es nicht just eine fremde Weltanschauung sein muß, wenn man eine eigene hat und dazu noch eine_ solche, die unser Volk groß gemacht hat und nach der Viele Völker ihr Leben einzürichten trachteten und letzten Endes noch immer trachten. Die Weltanschauungslinie der europäisch-amerikanischen Völkerfamilie ist nämlich nicht stets so verlaufen, wie sie heute verläuft. Alles, was wir an geistig und seelisch Großem bei den Völkern des Abendlandes vorfinden, haben diese in einer Zeit geschaffen, da man die Welt mit ganz anderen Augen ansah, als dies die heutigen Schwadroneure tun, oder es ist — in der Ueber־ gangszeit — zumindest das Werk von Persönlichkeiten, die bei eigener neuer Weltanschauung noch die Kraft der alten in sich hatten. Und alles, was heute von den Modernen geschaffen wird, ist im besten Falle verunglückte Größe, meist mäßigstes Mittelmaß, in den schlimmsten, leider sehr häufigen Fällen Attrappe, Kitsch, Schund, 1 Fabriksware. Früher ging man nicht darauf aus, Kultur I zu machen, aber sie wuchs von selbst groß und stolz aus einer innigen Weltanschauung hervor. Heute hat man’s auf Kultur abgesehen — Millionen Zwerge halten sich dabei für Kulturpioniere — und heraus kommt eine graue, freudlose, lärmende Zivilisation. Früher schimmerten Himmelshoffnungen durch die Laster hindurch; auf die Heutigen, selbst samt ihren Tugenden, paßt das Wort eines der Größten des alten Europa: Lasset alle Hoffnung fahren... Oder braucht man vielleicht doch nicht alle Hoffnung aufzugeben? Sollte es wahr sein, daß es Anzeichen einer Wandlung der Völker gibt, daß sich in der modernen Wüste stellenweise wieder etwas Grün zeigt? Nun, dann müßten wir uns.um so mehr schämen, daß wir gerade jetzt mit ,einem solchen Ungestüm begönnen haben, au^| dem großen Kulturjahrmarkt der modernen Völker unsere Künste sehen zu lassen. Es ist fast nicht zu begreifen: Ein Volk, welches das Schicksal der Welt auf Jahrtausende hinaus entschied und, wenn es sich nur treu bleiben wollte, auch für weiterhin entscheiden könnte. und müßte — wirft diese Größe hin für einen Platz; auf dem modernen Weltjahrmarkt; um dort zusammen mit den anderen Marktvölkern seine modernen ״Mezies“ ausstellen zu können. Es ist fast nicht zu begreifen und doch ist es so. Wir beginnen zu vergessen, was wir waren und hätten bleiben sollen: das Vo 1 k,;, das. der nach dem G-ttlichen , lechzenden Menschheit den Weg aus dem Irrtuih einer G-tterwelt zur ewigen Wahrheit des einzigen G־ttes wies. Wir beginnen zu Vergessen,"daß: wir durch’die Erkenntnis '^. ׳ •י- Rabbinische Weisheit. Von Bernhard Rippel (Czernowitz). Ein Urteil. Zwei jüdische Nachbarn lebten miteinander stets in Frieden. Unter gegenseitigem Beistand vermehrte sich bei ihnen das Vermögen und nach einiger Zeit konnten sie schon auf ein beträchtliches Hab und Gut hinweisen. Eines Tages kam es aber einem der Nachbarn in den Sinn, auch an die Zukunft zu denken, an jene Zeit, da der Mensch nicht mehr auf der irdischen Welt umherwandelt und nur die Grabstätte auf dem G-ttesacker die einzige Erinnerung an sein irdisches Dasein bildet. Er beschloß daher, sich rechtzeitig um eine ewige Ruhestätte umzuschauen, damit er dereinst unter den Würdigsten seines Volkes gebettet werde. Von diesem Entschlüsse machte er bald seinem Freunde Mitteilung, welcher auch seinerseits diese Absicht billigte und sich sogar bereit erklärte, auch für sich eine Grabstätte anzukaufen. Auf der Parzelle unter den Würdigsten war aber hur ein Grundstreifen für zwei Grabstätten frei, weshalb die Nachbarn sich für dieselbe entschlossen, damit sie, wie, zu Lebzeiten, so auch nach dem Tode nebeneinander Nachbarn verbleiben. Da dieser Grundstreifen jedoch zwischen den Gräbern eines Rabbiners und eines schlichten Mannes gelegen war, beanspruchte jeder der Freunde für sich das bessere Grab, das heißt jenes nächst dem Grabe des Rabbiners. Es entstand zwischen beiden Freunden ein heftiger Streit, der sie an alle Freundschaft vergessen machte. Nachdem alle Schlichtungsversuche ergebnislos geblieben, wandten sich die Gegner an Rabbi Mosche Jüdel Poniewiszer um eine Entscheidung. Und in der Tat ist es dem Weisen gelungen, mit wenigen Worten den Frieden und die Ruhe zwischen den Gegnernwiederherzustellen. Denn sein Urteilsspruch lautete: ״Wer früher stirbt, dem gebührt das bessere Grab.“ Aerztliches Verbot. Rabbi Salman Willner reiste einmal mit seinem I Gabai. Unterwegs trat er in das Haus eines Glaubensgenossen ein, welcher gerade mit seinen Angehörigen das Mittagmahl verzehrte. Der Wirt war ob dieses ungewöhnsichen Besuches sehr erfreut und bat den Rabbi, an seinem Mahle teilzunehmen. An dem Speisevorrat erkannte aber der Weise, daß er es hier mit einem armen Manne zu tun habe und daß es sonach keinen Ueberfluß an Speisen gebe. Um den Gastgeber aber nicht durch eine Absage zu verletzten, entschuldigte sich Rabbi Salman, an der Mahlzeit nicht teilnehmen zu können, da ihm das Essen solcher Speisen ärztlich verboten sei. Ueber diese Ausrede war der Gabai zwar sehr erstaunt, wußte er doch, daß der Rabbi sich einer Un» Wahrheit nicht bedienen werde, doch bat er erst nach dem Verlassen des Hauses um Aufklärung. ״Der Rambam war doch ein Arzt“, sagte hierauf der Rabbi, ״und der hat es verboten, daß man an einer Mahlzeit teilnehme, wenn das Essen nicht für den Haus» stand reicht.“ Führen und f estigen ist einer, der Leitsätze des neuen ״Großen Herder‘*, Auch darin; ist das Werk ein neuer Lexlkbntyp, daß es in allen moralischen und geisti» gengingen: nicht unverbindlichen Bescheid gibt, sondern ...eindeutig das Richtige, die objektive Wahrheit sagt. ___ .... 1g *«,,laicuueu. und 1ur eWtg — —— Mehsehenseeie verankerten. Wir beginnen den Sinn für die rühm* und lehrreiche EihMiäkdlt unseres Volkes und den heiße« Wunsch zu verlieren, an der uns gebotenen Selbstheiligung zu arbeiten. Wir wollen, so scheint es, nicht mehr das Zeugnisvolk bleiben, das wir in . schwerem Ringen mit uns selbst und mit anderen ge* worden sind, und wir denken gar nicht mehr daran, uns zu einem würdigen Werkzeug für die Menschheitspläne G-ttes, zu einem Beispielsvoik für die Welt zu entwickeln* Die Verstandesphilösöphie der Aufklärung, die Sinnenphilosophie der Materialisten und Mödernisten, der ganze europäisch-amerikanische Trubel nahmen uns dld Fähigkeit, unsere eigenen Schätze richtig einzuschätzen, und gaben uns dafür einen neuen Ehrgeiz und ein neues Glück: den Ehrgeiz, mit allen literarisch-journalistischen und kritischen Schwätzern, Schreiern und Machern des Modernismus mitzuschwatzen, mitzuschreien und fttitzu? machen; das Glück, auch ein paar hundert oder ein paar tausend Erzählungen, Gedichtbücher erscheinen zu lassen, Konzerte zu geben und ein paar Ausstellungen bildender Kunst, die als jüdische firmieren, zu Veranstalten. Und wir empfinden nicht, daß'dieser ganze Aufwand die Mühsal nicht lohnt, die wir schon an die viertausend Jahre ertragen und noch weitere . Jahrtausende zu ertragen haben. Wir fürchten nicht, daß, wenn sich schon einmal ein Genie unter alle die kleinen Betriebsamen verirrt, es schade ist um ihn, der, unmittelbar unter den Fittichen G-ttes, epochal wirken, Jahrtausende befruchten, die Welt mit Reinheit und Schönheit erfüllen könnte, aber, fern von G־tt, nur ein Paradestück der Eitelkeit seiner Volksgenossen und eine matte Kopie seiner selbst ist. Denn nicht die Kunst selbst und ihre Pflege sind angeklagt, sondern unsere neuen Juden sind es, die sich v fremden, modischen Auffassungen' von der Kunst unterwarfen; die den Weg zu einer großen, G-tt dienenden Kunst nicht fanden; die, Söhne des Volkes erster G-tteserkenntnis, nicht erkannten, was Söhne von Völkern, welche die G־tteserkenntnis erst aus zweiter Hand haben, erkannt haben, daß ״Kunst für Kunst“ ein wüstes, imfruchtbares Schlagwort ist und daß keine Kunst groß ist und sich groß erhält, die sich nicht als G-ttesnähe Und G-ltesgnade fühlt, Anbetung G-ttes ist und ihr dient. Kunst? Gewiß! Aber jüdische Kunst! Fort mit maskilischen Erhabenheit über das religiöse Verbot. gewisser Kunstübungen. Die Welt wird nicht aus den Fugen gehen, und die jüdische Welt gewiß nicht, wenn diese Uebungen vermieden werden. Das jüdische Können wird sich, im Gegenteil, um so mächtiger dort offenbaren, wo das Größte geleistet werden kann. Kunst? Gewiß! Aber jüdische Kunst! Wir werden sie freilich nicht haben, solange wir nicht zur Quelle unseres geistigen Seins zurückgekehrt sein werden. Wer sie noch erlebte, wie sie׳ aus dem tiefsten Wesen des jüdischen Denkens, Fühlens und Lebens erwachsen wird! Wer noch einen jüdischen Dichter erlebte, inbrünstigen Glaubens und innig frommen Uebens, der es fertigbringen wird, selbst aus dem kleinsten Brauch der jüdischen Tra•? dition den Sinn des großen Menschheitsdramas zu erspüren und in jüdische Form zu bannen! Wer noch den jüdischen Komponisten erlebte, der es verstehen wird, diesen Sinn in Tönen auszudrticken; den Baumeister, der ihn in wunderbaren Bauten künden wird! T^er. sie. alle erlebte! Wird sie aber jemand erleben? —; > Am 11. Ijar jährte sich der Todestag des weltberühmten Ropschitzer Zadik, Rabbi Naftali Horowitz s. Z. 1., der im Jahre 5587 in Landshut. verschieden ist. Die nachfolgenden, für die Persönlichkeit des Ropschitzer sehr charakteristischen Episoden aus seinem Leben stellte uns Herr Rabbiner Josef Schwarte, Großwardein, zur Verfügung: Im Lande des großen Zadik wütete einst eine verheerende Epidemie, der ganz besonders die . Frauen zum Opfer fielen. Von allen Seiten wurde der Rabbi bestürmt, durch seine Gebete zu helfen. Endlich hat die Krankheit auf gehört.-■Als die Chassidim zum Rabbi kamen, um ihm für seine Tefillos zu danken, lehnte er den Dank* ganz entschieden ab. ״Es ist nicht mein Verdienst“, sagte der Rabbi, ״sondern das Verdienst des Dorfjuden X.“ Die Worte des Rabbi schienen unverständlieh, wußte man doch, daß der Dorfjude X ■kaum daWenen konnte. Nach langem Zögern wagte einer der Chassidim, den Rabbi um Aufklärung zu bitten, der ihm nun folgendes erzählte: ״Als der Dorfjude am Erew-Jom- Kippur die ,Schmone-Eßra‘ in tiefer Inbrunst verrichtet hatte, verdrehte er in seiner Unwissenheit die,.Worte וברך שנתינו בשנים הטובות (segne unsere Jahre wie die ז guten Jahre) in וברך נשתיגו בנשים הטובות (segne unsere Frauen wie die guten Frauen). Der arme Dorf jude hatte ,nur‘ die Reihenfolge von zwei Buchstaben verwechselt, aber diese' ehrliche Tefilloh fand im Himmel Gehör und sie bereitete der Epidemie ein Ende.“ * Der Ropschitzer Rabbi begab sich' einst auf die Reise, um Gelder für Hach n 0 s a s K a loh zu sammeln. Nach einer längeren Reise, die ziemlich erfolglos blieb, kam ihm der Gedanke, die weitere Reise einzustellen. ״Es sei doch schade um die wertvolle Zeit, die ich besser mit Lernen verwenden könnte, da die . Erfolge meiner Sammeltätigkeit doch keine besonderen sind", sagte sich der Rabbi. Kaum aber war der Rabbi heimgekehrt, als er von der Inhaftierung eines Juden erfuhr, der bei seinem Nachbar gestohlen hatte, und von der Polizei verprügelt wurde. Der Rabbi versuchte, den Mann zu befreien, und sprach zu ihm: ״Du bist geschlagen worden, du hast Schmerzen. Sollen doch diese Schläge wenigstens dich eines Besseren belehren, daß du nicht mehr deinen Nachbar bestiehlst!“ Der Dieb aber gab zur Antwort; ״Warum soll ich nicht mehr stehlen, weil ich diesmal ertappt wurde? Nächstens wird es mir hoffentlich besser gelingen , , Dem Rabbi drang diese Antwort des Diebes tief ins Herz. Er zog aus dieser Antwort eine Lehre für sich und machte sich sofort wieder auf den Weg zur Forsetzung seiner Sammlung für Hachnosas Kaloh, ״Weil es das erstemal nicht gelungen ist? Nächstens werde ich mehr Erfolg haben . .׳ ,*V dachte der Rabbi. In später Nachtstunde pochte es an den Fenstern des Ropschitzer. Ein Mann bat um Einlaß. Die Hausleute des Rabbi weigerten sich aber, den Mann einzulassen, da sie in ihm einen stadtbekannten, stets besoffenen Bauern erkannten, Pa ging der Rabbi selbst zur Türe und Öffnete sie dem alten Trinker mit folgenden Worten; ״Wenn der Allmächtige diesen Menschen auf dieser Weit duldet, dann ist gewiß auch er hier notwendig. Sollte ein Mensch weniger Toleranz üben als der Allmächtige,,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.