Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 16 (21.4.1933)
- Date
- 1933-04-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mit;r;X׳ JÜDISCHE PRESSE י ■ ' ־ ' Nr, 16 seinem Schicksal Übertassen, bis die Summe schließlich doch Vön einem befreundeten Wohltäter erlegt emrde. in den. orthodoxen Preisen herrscht wegen des Zwanges zum Chilul ächabbos seitens der Leitung des ״Hadaäsah'^Spitäies.größejSfbitterüng. Der ״Kol Jisroel" meldet folgende tfäurige Nachrichtt In Raranowitseh haben die fernsten eine Mae fasch ä r äfa *R 0i0 n i e gegründet, in der durchs Wegs iinksrädikäie zionistische Elemente Ausbildung in der, Landwirtschaft erhalten. Daß in dieser Kolonie die Vorschriften in bezüg auf SchabboSj Kascfarus usw. nicht eingehaiten werden, mag nicht Verwundern. Liese jüdisehen Melden leisteten sich aber noch ein besonderes Bravourstück{ Durch Zufall gelangte in diese Gesellschaft auch ein religiöser junger Mann, der täglich Tefilin legte, allerdings im Geheimen, Weil er befürchtete, von seinen Freunden deswegen verspottet zu werden. Schließlich kamen sie doch darauf. Bis wurde ein Scheiterhaufen hergerichtet und die Tefilin in Anwesenheit aller Mitglieder der Kolonie Verbrannt. Die Kolonie in Baranowitsch wird von den Zio- Die Lage m Öle TTeberfä 11 e auf Juden und jüdisch aussehende Passanten haben größtenteils auf gehört, nachdem die Polizei in solchen Fällen eingeschritten ist. — Der Offizielle B öy k o 11 der jüdischen Geschäfte, der nur. auf/einen Tag beschränkt’ vvar, \vird nicht mehr eröffnet» jedoch hält die Boykottpropaganda der National- Sozialisten unverändert an. —Fast in allen Berufen soll der Ntlmerus. clalisus für Juden eingeführt werden. : Nachdem 'Von den “ Gerichten sämtliche jüdischen Richter, und Rechtsanwälte entfernt worden öihd/ Sollen WiCäeV ׳eifazeihe׳ Jimöh^die 'im 'Krteg* an der Front für Deutschland gekämpft haben, zu solchen Stellen zugelassen werden, — Nach einem Gesetz der Reichsregierung werden jüdische Schöffen, Geschwo- -r e n e und!Laie nrich t e r nicht. mehr neugewählt. — .Sämtliche Beamten in'Öffentlichen Diensten, die nicht schon am 1. August 1914 Beamte waren, haben nachzuweisen, daß sie arischer Abstammung oder Frontkämpfer 'sind. •1-י- Jüdische Aerite werden in Zukunft zur Kassenpraxis nicht mehr zugelassen werden. In welchem Maße die bisher zugelassenen Nichtarier weiterhin Kassenpraxis ausüben dürfen, ■ wird noch entschieden ■werden. — In sämtlichen Fällen, wo die arische Abstammung zweifelhaft erscheint, werden Sachverständige für Rassenforschung zu urteilen haben. — Der Reichsverband der Deutschen Presse, der Deutsche T o u- .r i ng-Club und andere Körperschaften haben bcschlossen,. den Ar i er p aragraph e n einzuführen. — In Berlin und in anderen Städten wurden mehrere J u d e n ve r h af t e t, die im Verdachte stehen, ״Greüelpropaganda“ im Ausland betrieben zu . haben. — Der S t a a t s b eit r a g für die israelitischen Ku l t u s g e m e i n d e n in Bayern wurde eingestellt. — Sämtliche Personen ״semitischer Abstammung“, die im Besitze eines deutschen Re 1 sepasses sind, mußten diesen! zwecks XTeberprüfung!.bei!den Polizeibehörden abgeben; Die Ausreise ist nur möglich, wenn der Reisepaß mit einem ״Unbedenk 1 ichkeitsvermerlt“ versehen ist. — Nachdem in d?r Praxis bereits in ganz Deutschland das Schächten verhindert wird, ist nunnisten erhalten. Und Sie haben fioöh den Mül von den religiösen Juden die Unterstützung ihrer -Fonds zu verlangen: 'י'•!׳'״־ 'י י,'-;1׳ '■'זי-:!׳;*!״״ ־.: יי; *;׳;;;::י - ״ 1 ׳׳׳״: - ■ Die Rfafibkoi alef abrik Lieber, die seit langer Zeit im!,Kol Jisröelj* inserierte» erhielt vom ״offizieilen" zionistischen Oberrabbinat die Aufforderung, zukünftig ifi dem Agudah-örgan keine Inserate mehr ein4 Schalten zü lassen. Die Redaktion des ״Kol Jisroel׳* wird sieh aber natürlich durch solche Mittel nicht abschrecken lassen, den ehrlichen Kämpf für die MbStändigkeit der Orthodoxie in Erez Jisroel weiterzuführen. f \ MÖBEL PüiTÄiil HA NS BAZA B Schlafzimmer, Speisezimmer, Wohn* üijfiM 1)11 Nnnhünn 7} zimmer, moderne Küchen, Büromöbel. Wlcll Kll, IIgUUuUU. M Freie Besichtigung ... - - ■ , . ■ ■ ..-׳׳._ Deutschland♦ mehr eine reichsregieritngsgesetzliche Regelung erfolgt, die das betäubungslose Schlachten sämtlicher warmblütiger Tiere (auch Geflügel) bei hohen Strafen verbietet. Dieses Gesetz wird mit 1. Mai wirksam. ,4־- , Die E i nfuhr von Koscherfleisch ist wegen der hohen Zölle fast ausgeschlossen. — Der badische Reichskommissär hat überdies die Einfuhr des Fleisches von geschächteten Tieren mit sofortiger Wirksamkeit bei Strafen von ISO bis 15.000 Mark verboten. Die ״Reichsvertretung, der deutschen Juden“, der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin und der Verband bayrischer Israelitischer Gemeinden haben einen Appell an den Reichspräsidenten und die Reichsregierung, beziehungsweise an den kommissarischen Ministerpräsidenten von Bayern, General von Epp, gerichtet, in welehern sie den Vorwurf, die deutschen Juden seien für die Verbreitung von ״GreüelnachriChten“ im Auslande schuld, füf vollkommen ungerechtfertigt erklären, auf die Verbundenheit der deutschen Juden mit dem deutsehen Vaterlande hinweisen und eine gerechte Behändlung der deutschen Juden verlangen. | f1 Wie bereits gemeldet, haben die orthodoxen RabbineU in einem Aufruf die Juden zu'Umkehr und Vertrauen auf G-tt ermahnt. Insbesondere wird in dem Aufruf auf die Einhaltung der Speisegesetze und die Sabbatheiligung hirigewiesen. , Wie die Statistik lehrt, verbringt, der Mensch ein Drittel seines Lebens im Bette, während. er eine nahezu gleichhohe Zeit in den anderen Wohnräumen weilt. Von ,dieser Tatsache ausgehend, muß der Wohnungseinric.htung ein besonderes Augenmerk zugewendet werden. Das Schlafzimmer lade zur Ruhe ein, der Wohnr aum sei behaglich, ׳die Küche praktisch, der Vorraum anheimelnd; mit einem Wort: man lasse sich sein Heim von unsereha bewährten Großmöbelhaus; Horowitz, Wien II, Taborstraße 75 .einrichten, wenn man sich und seinen Lieben dauernd eine ideale Wohnstätte schaffen will. E Lebensversicherungs- Q || K M | Gegründet Gesellschaft ff t* VI W H I A 1882 Versicherungsbestand?Ende 1931 .... . . . > .] . . . ... . ,. . . '2775 Millionen Schilling Prämien-und Zinseneinnahmen im Jahre 1931 . . . . , . . ... . .182 . . . ...־ Millionen Schilling Garantiemittel Ende 1931 . . . . . ..... . . . . . . . . ... ... . 472 Millionen Schilling Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1931 . ... ,. ... . . . .־. 43 . . Millionen Schilling Am Ende des Jahres1931 ־ waren bei der Gesellschaft 836.664'Personen versichert. Tätigkeitsgebiet: Oesterreich; Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Italien, , Tschechoslowakische Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Aegypten und Kleinasien. Rabbi Eileser Lljp^Mtz Äffer von 68 Jähreh verschied äerOberrabbiner von Zdunska-Wöla, Rabbi Elieser Lipschitz s. Z. 1. Er rnt der Sohn des früheren Lubllner Raws, Rabbi MM Lipschife s. & 1.» üftd ein Bruder des im Vorjahre heüngefaägetten Vorsitzenden der polnischen Agudas- Morabbööim, Rabbi J. Lipsehitz-Kaiisch. Der Verewigte erfreute sich In ganz Polen besonderer Anerkennung, was durch die große Teilnahme an der Lewajäh zum Aus- Rift Jude ge\vifant Ostgrönlattd für Däfaeifaark. Die Entscheidung des Haager Gerichtshofes, derzufolge Dänemark ein bisher unter norwegischer Herrschaft gestandenes Gebiet an der ostgrönländischen Küste zugesprochen wurde, ist, wie die gesamte dänische Presse hervorhebt, auf die Bemühungen des Chefs der Völkerreöhtsabteilung im dänischen Ministerium des Aeußern, Dr. Georg Cohn, zurückzuführen. Der Internationale GefiChtshof 1m-Haag ist in den Prämissen seines Urteils genau der von Dr. Cohn ausgearbeiteten völkerrechtlichen Begründung des dänischen Anspruches gefolgt: Im Zusammenhang mit dem Erfolg des jüdischen Rechtsgelehrten weisen die Kopenhagener Zeitungen darauf hin, daß die Juden eine besondere Begabung für die Rechts- Wissenschaft haben. Diese Begabung sei im vorliegenden Fall dem Staat zugute gekommen. Der nationalsozialistischen Partei eine Lehre. Bei Verstopfung nimm DARMOL Agudistische Zeitschriften. ZU Pessach erschien die Nummer 4 der aguäistischen Monatsschrift. ״E r e z- Jisroel“, mit Beiträgen bekannter orthodoxer Publizisten. Wie aus Warschau gemeldet wird» erscheint der ״D i g 1 e n u“ nach kurzer Unterbrechung wieder regelmäßig monatlich. ״Diglenu“ ist die einzige agudistische Zeitschrift in Loschon hakodesch und steht unter der redaktionellen Leitung von Alexander Sysche, Friedmann. Die ״Orhodoxischen Jugendblätter״ erschienen zu Pessach in einer 32 Seiten starken Festnummer, ׳mit Beiträgen von Dr. Nathan Birnbaum und Führern der polnischen Orthodoxie. 0116^־םפירת העומי für das Jahr 12) תרצע. April bis 30. Mai 1933) Unsere in der vorigen Ausgabe veröffentlichte ספירת ד,ע^זר -Tabelle war so zu verstehen, daß die in der Tabelle angegebene Zählung — im Sinne der jüdischen Zeitrechnung, die den Tag zur vorhergehenden Nacht rechnet — stets am vorhergehenden Abend zu erfolgen hat. Wir wiederholen die Tabelle mit einer verbesserten Formulierung des jeweils einleitenden Satzes. Die Redaktion. Am Vorabend des! 23.! 24.! 25.126.! 27! 28.j 29.j April sind zu zählen . .15 :.14 ■',13 \ 12!.־ i 16!,!?.! 18 \, Omertage. r. Am Vorabend des j 30.! — i-j—! —; —! — i April sind zu zählen ...: 19 \ j Omertage Am Vorabend des! —! l.i 2.j 3! 4.! 5.I 6.j Mai sind zu zählen ...! i 20■!!27 i 22; 23! 24! 25 : Omertage Am Vorabend des j 7.| 8.! 9.! 10.! 11.! 12.!13.ן Mai sind zu zählen .. . 26 \ 27 \ 28 \ 29 •. 30 [ 31! 32 : Omertage Am V01 abend des! 14.: lö.j 16.! 17.118.: 19; 20.! Mai sind zu zählen ... i 33; 34 j 35 j 36 j 37 :: 38 j 39 j Omertage Am Vorabend des j 21.! 22.! 23.! 24 j 25.! 26.1 27.! Mal sind zuzählen ... j 40! 41! 42 j 43 i 44; 45 : 46! Omertage Am Vorabend des 30!29!.28 ן.! — | — | —! — | Mai , sind zu zählen...\47\48l49\ j Omertage Erzählung von. S. W i e z. ' (Fortsetzung) [2] In der Restauration saßen die Honoratioren am . Spieltisch. Sie tranken Bier und Wein und nur verstohlen hie und da auch einen bitteren Tropfen, so quasi nur um!den ,besseren Getränken den Weg zu ebnen . . , Der Amtsschreiber schaute sehr scharf durch die Brillengläser. Vorsicht war nötig, denn Borisowski, heute wohl ein wepig zerstreut, war ein guter Spieler, und der Doktor, der rote Kapulowitz, schien es heute, ganz auf sein kärglidaep Schreibergehalt abgesehen zu haben. Am wenigsten traute er aber dem ganz Frommen, dem Lehrer, Organisten und Pfarrassistenten in einer Person, Bawutzki, der mit Vorliebe die Karten paßte und mischte — —- Nur eine dünne Wand trennte diesen Raum von : dem Familienzimmer, aber sie schied zwei Welten voneinander, diese Scheidewand. In diesen sauberen, einfach 'ausgestatteten und nicht sonderlich hell beleuchteten Raum drang der Biertischlärm nur leise und gedämpft hinein, hier herrschte eine reinere Sphäre, die vom Geräusefa da draußen unberührt blieb. Am Tische, der mit einem braunen, etwas verbrauchten Tuch bedeckt war, saßen die beiden Jünglinge, des Kaufmanns und des Ochsenwirts Sohn, und ״lernten“. Mehrere Folianten, lagen ungeordnet auf .dem Tische, in denen die jungen Leute von Zeit zu Zeit blätterten, um sich daun wieder Singend und gestikulierend, zuweilen auch heftig debattierend, ihrem Traktat zuzu,wend#l Auf ,einem Sessel :!saß die würdige Ochsenwirtin, Frau Debora, und sälilte Aufmerksam die Maschen ihres Strickzeuges. Es wollte picht recht stimmen, Die Jungen machten sie irre, Aber wie stolz und hoffnungsfroh sah sie zu beiden hinauf.;Deborawar eine sehr nachgiebige Mutter, die ihren Kindern: nie ihre zärtliche Liebe verheimlichen konnte, Sie hätte ihre leisesten Hoffnungen, die zartesten und; geheimsten! Regungen ihrer ,Seele mit ihnen teilen mögen׳.!Aber das Mädchen war. zuweilen gar so sonderbar zu Jhr , . , Und doch konnte sie ihr nicht mehr lange ihre;PlJm!; yerbergenÄlaumsr^jvaren:rcich,!angesehen; David, ihr einziges Kind und Erbe des großen Geschäftes, auch feingebildet und tüchtig im Geschäfte. Und wie er lernte ... wie er sprach und sich erhitzte . . . Er schien immer im Rechte zu sein» obzwar die ruhige, gemessene Art ihres Samuel, ihr zumindest , sehr überzeugend schienen ... Debora legte das Strickzeug nieder, Mit dem Stricken war es heute i nichts . . . Auf einem Stuhl saß'eine Katze, hoch auf gerichtet . auf den Hinterbeinen und aufmerksam horchend. Sie hielt sich namentlich abends gern im Familienzimmer auf, während ihr Erzfeind, der Zerberus, der grimmige Hofhund, mit Vorliebe in der Schankstube in der. Nähe seines Gönners Wainka kauerte. In der Wirtschaft war die Arbeitsteilung strikte durchgeführt. Zwischen Schenke und Restauration stand ein hohes Büfett, das die ganze Höhlung ausfüllte. An dessen einer Front, die, nach der Schenke gekehrt, mit riesigen Schnapsflaschen, Plätten voll frischen Bäckwerks, Heringe, brauner Würste und allerlei grobkerniger Leckereien angefüllt war, stand der Ocüisenwirt, trocken und geschäftsmäßig seines Amtes waltend, ״Alles gegen bar.“ ״Wer nicht zahlt, bleibe draußen“, •lauteten die Aufschriften auf Wänden und Decke, Grundsätze, die im großen und ganzen streng eingehalten wurden; hochstens Wainka durfte sich gelegentlich über sie hinwegsetzen. " An der entgegengesetzten, dem־ Restaurant zugewandten Seite des Büfetts, dort, wo der blankgeputzte Messingkran das gelbe, schäumende Bier fließen ließ und• die unzähligen blinkenden und glitzernden Wein- und Likörflaechen. kunstvoll übereinander aufgestapelt waren, stand Mereläika — Märianka hieß sie!hier •— machte, die Honneurs und bediente mit Geschick und feinem Takt die vornehmen Gäste. Borisowski hätte heute keinen glücklichen Abend. Er' schielte zerstreut nach dem Büfett und murmelte unverständliche Worte, flüsterte auch Marianka, so oft sie mit gefülltem Gisse am Tisch erschien, etwas ins Qhr, worüber das. Mädchen leicht , errötete und verlegen lachte. Diese Geistesabwesenheit des Gutsyerwalters benützten abwechselnd der scharfäugige Schreiber, der schlaue Doktor und der fromm® Organist: ums ihm nacheinander itn Spiele die Taschen zu leeren. Borisowski brauste auf, schlug! auf den Tisch und war im Begriff, den ״Fälschspielern“, den ״Taschendieben‘* eins zu ״putzen“. Da tr§f ihn eiu .zueebhtweisendsr , Blick! des Mädchens und er beruhigte sich. ׳ ״Noch einen Gang, ich muß Revanche haben“, bat er. ״Heute nicht mehr!“ befahlt Merelaika. Damit waren die änderen Herren natürlich einverstanden und auch Borisowski mußte sich fügen. . Auch in der Schankstube waren bereits die Lichter ausgelöscht und die schwere Tür geschlossen. Allein im Familienzimmer war noch Licht und Leben. Die jungen Leute ״lernten“ und dachten, noch nicht an Aufhören. Sander, der Ochsenwirt, freute sich den ganzen Tag auf diese Abendstunden, an denen er nach vollbrachter Arbeit, nach einem Tag voller Mühe und Aerger, wie ihn der Handel und die Wirtschaft bringen, den Tönen der Gemoro lauschen durfte. Er begriff nicht alles, was er da hörte, und konnte selten den tiefen, komplizierten Gedankengängen ganz folgen. Nichtsdestoweniger horchte er aufmerksam auf die Auseinandersetzungen, verfolgte er mit Interesse die ausgefochtenen Geistesschlachten. Hie und da schlich ein Wort an sein Ohr, das ihm nicht fremd war, ein Bild, eine Redewendung, die längstverklungene Zeiten neu bei ihm aufleben ließen. Er war kein Ungelehrter, der Ochsen-Sander, er hatte sogar einmal die Jeschiwoh besucht und wußte gut Bescheid in Mischnajaus und En Jakob, ob er sich auch auf den verschlungenen Wegen und dunklen Pfaden der Gemoroh immer weniger zurechtfinden konnte . . . Die Wirtschaft, dep Handel auf den Bauerndörfern, der Verkehr mit Leuten vom Schläge Wainkas waren daran schuld... ״Die Seele soll in Olam hoazilus, einer höheren Region, weilen“, hatte einmal der Rebbe in Sadagora gesagt, den Sander einmal jährlich zvi besuchen pflegte, um mit dem klugen, heiligen Mann seine intimsten Seelen- und Ge- Wissenanliegen zu besprochen, Hier war sie, die ״Olam hoazilus“, der Sohn^^ hätte, sie mit aus der Talmudschule gebrächt, die reinere, höhere Sphäre, die alles Leid und alle Last vergessen machte . , Der Rabbi hatte wohl recht, als er ihm sagte: ״Man kann, Sander, auch in einer Bauernkneipe Gott dienen. Leicht ist es keineswegs, aber schaffe dir einen Born, aus dem Wasser des Lebens sprudelt 1» dein Merz, מג dein Gemüt, wo ein Tropfen genügt, um die Bitterkeit des Tages zu versüßen, luftreinigend auf-dieigänze Umgebung zu wirken, Hast du einen; Söhn? Ja, BoSsehieke ihn an die Quelle der Thora und lasse ihn der ewigen Lehren teilhaftig werden . , ,“ (Fortsetzung folgt.) \