Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 16 (21.4.1933)
- Date
- 1933-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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י ■J ' •> ' < ** "X NovlttüVfi v^plAtiire povolenfe riadlt pnst tt .t nr&mwe m. -׳* < ״*/-<,*, r^» . Isiäwä-äp« «eitfiii^en votti Vetleg^i1 Journal eipMlä päf V. b. b DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, £L, Malzgasse 12 a. Tel. A-48-4-15. — Tsehecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. ־ Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Aboiittetiieiitßfeise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech.K. 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen auf Konto *Jüdische Presse", Wien, für Oester* reich: Postsparkassenkontn Nr. D*93614 j Deutschland .‘Post- Scheckkonto Berlin Nr, 12.819; Jugoslawien i Postspk.-Atnt Zagreb Nr. 4021t; olens Hostspark.-Amt Warschau Nr.190409; Ungarn t Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170 : Schweiz! Postscheckk. Zürich V1II, 4117; für die tschechoslowakel t ktü* dlscnePre8se*,Bratislava,P0stspk.-AmtPragKontoNr.53386 Nr. 16 Wien-Bratislava, 21. April 1933 ב*ד. ווינא־פרעסבורג כ״ה ניסן תיצ׳ג. 19. Jahrg. t ♦ ♦♦♦ Das PessachfeSt ist vorüber. Die Ereignisse der Gegenwart wurden nochmals und nochmals an der Hand alter jüdischer Geschichte geprüft, gewertet und für unser Geschlecht zurechtgelegt. Wir haben das Fest in drückender Sorge und doch in selbstbewußter Würde und freudiger Zuversicht verbracht. In Deutschland selbst, wo innerhalb kurzer Wochen eine grandiose Tragödie sich# abspielte, herrscht auch in jüdischen Kreisen nicht mehr die Angst vor unverantwortlichenElementen, die Leben und Sicherheit jüdischer Menschen beeinträchtigten. Unsere Brüder in Deutschland sind vielmehr jetzt von der Sorge erfüllt, wie man die zertrümmerten Existenzen rettet und hauptsächlich wie nun die allgemeine gesetzliche Regelung der Judenfrage erfolgen wird. In dem Augenblick, wo man um . den Schutz des Menschenlebens.* besorgt wär, war selbstverständlich das jüdische Solidaritätsgefühl ’ ganz einheitlich. Anders ist es jetzt, wo es um die gesetzliche Regelung der Zukunft geht. ־ Der religiöse Jude wird vor allem um die Möglichkeit der religiösen Erziehung der Jugend und um die Möglichkeit der Ausübung der Religionsvorschriften besorgt* sein. Die jüdischnationalen und die riationaldeutschen Juden haben hingegen ein a. n d er es Primat zu : verfechten. Dieser Gegensatz der.. Weltanschauung*; innerhalb der jüdischen Gruppen; Deutsch- ׳ lands ^rriächi־i^ch■׳' jetzt‘”schdn**inr iliren^^I^eßbrganen i)emerkbar. Wir erwähnen diese Tatsache nicht etwa,: um uns in die deutschen Angelegenheiten einzumengen. Für uns bleibt einmal der Jude in Deutschland, solange er wegen seines Judentums Zurücksetzung, Schaden, Schimpf und Schande erleiden muß, ein Märtyrer, dessen Schmerz uns heilig sein muß. Wir registrieren -vielmehr die Ereignisse in Deutschland, um aus ihnen für uns J ü d e n in Oesterreich Lehren zu ziehen, Wir Juden in Oesterreich sind zur Zeit noch im Besitze der durch die österreichische' Verfassung ünd durch die österreichischen Gesetze gewährleisteten Rechte. Wir hoffen auch — und die Resultate, des Rombesuches unseres Bundeskanzlers bestärken uns in dieser Hoffnung —, daß der Rassenwahn der Nationalsozialisten in Oesterreich, trotz der geistigen und geographischen Nähe Deutschlands, nicht durchdringen wird. Was tun wir aber, oder, was können wir tun, um Uns für die Zukunft zu schützen? Die Jüdischnationalen haben bereits ihre Parole abgegeben. Die Schaffung einer im jüdischnationalen Sinnewirkenden ״Jü di s c h e n ׳ V o 1 ks p a r t e i“ soll das Allheilmittel sein, welches die zionistischen Führer der österreichischen Judenheit, in großen Aufrufen in allen Straßen Wiens affichiert, empfehlen. Das orthodoxe Judentum war nie der Ansicht, daß die Lage derNJuden durch die Schaffung einer politischen Partei gebessert werden könnte. Wir sind ünd wir fühlen uns als eine R e 1 i g i o n s- .gemein־Schaft, deren Rechte eben nur durch einen Rechtsstandpunkt und nicht durch politische Kampfmittel am besten geschützt werden können. Der erwähnte Aufruf der Jüdischnationalen beruft sich auf die Ereignisse in Deutschland. Die schreckliche Tragödie unserer jüdisehen Brüder in Deutschland soll nach der Auffassung der Jüdischnationalen dadurch eingetreten sein, daß sie keine einheitliche politische Organisation hatten. Wir fragen, was eine einheitliche politische Organisation den deutschen Juden genützt hätte am Tage -׳ des Grolles, wo andere m ä c h t i g e politische Parteien ln Nichtjä zusammensanken und selbst das altbewährte ״Zentrum“, trotz seiner zahlenmäßigen Behauptung seiner^ Parlamentarier, nach der denkwürdigen Wahlschlacht vom 5. Mü?3 zu all dem Ja und Amen sagte ,verfügt hatte. sagen mußte! das Hitler ־Die orthodoxen Rabbiner Deutschlands haben in diesen Tagen erschütternder,: Ereignisse eine ernste Mahnung an die Judenschaft Deutschlands gerichtet. Sie haben sie zur Einkehr gemahnt, zur ,Einhaltung der Sabbat- und Speisegesetze. Der Hauptträger der Bestrebungen zur Gründung einer jüdischen Volkspartei in Oesterreich findet es für notwendig, in seinem Organ, in der ״Neuen Welt“, diese Mahn Worte der deutschen orthodoxen Rabbiner zu karikieren und mit höhnischen Bemerkungen abzutun. Sicherlich, Herr Stricker versteht das Judentum besser! Was könnte schon eine 'Sabbatzigarre dem Judentum schaden, wenn Herr Stricker selbst, t r o t z seiner Sabbat- Zigarre, sich für den patentiertesten Volljuden hält.; Und die Speisegepetze? Jahraus, jahrein *nährt■ ■man den heldenhaften moderner! jüdischen Leib, mit nichtrituellen Speisen und man glaubt, daß die jüdischen Sportjünglinge unser Jahrtausende altes Juden tum, erhalten und; ,verteidigen werden. Für uns orthodoxe •Juden genügt, und wir wollen das hier mit der in diesen Zeiten gebotenen Zurückhaltung konstatieren, daß Herr Stricker nur Hohn und Spott für ,den Mussaräufrüfi der ,deutschen orthodoxen •Rabbiner •übrig hat, ־־daß י er^^t dertißfnkehr *nicht־ die Einhaltung der Fundamentalgesetze des Judentums, die Sabbat- und Speisegesetze, versteht,, sondern■ die Schaffung einer politischen .Partei und eventuell noch der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend in Sportvereinen»* Wir orthodoxe Juden konstatieren dies und erklären, daß wir eine Politisierung des jüdischen Menschen für schädlich־ und die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend für n u t z 10 s halten, wenn wir unseren ewigen unabänderlichen Charakter als G-ttesyolk, als Priester der Thora und ihrer. Gesetze abstreifen. •Wir sind als Religion s g e m e i n s c h a f t in der österreichisehen Verfassung und in den österreichischen Gesetzen geschützt. Wir bedauern außerordentlich, daß der Präsident der Wiener Kultus gemeinde, Herr Dr. Desider F^iedmann, es nicht für mit seiner Stellung unvereinbar hielt, den oben gekennzeichneten Aufruf zur Gründung einer jüdischen Volkspartei mit Herrn Stricker gemeinsam zu unterzeichnen. Sicherlich hat -er den Aufruf nicht als Präsident der Kultusgemeinde, sondern als zionistischer Führer unterschrieben. Wir aber, die wir gezwungenermaßen dieser Kultusgemeinde ־noch angehören müssen, verlangen in solchen kritischen Zeiten auch von zionistisehen Führern, wenn sie einmal eine Kultusgemeinde an; oberster verantwortlicher Stelle zu vertreten haben, daß sie sich mehr Zurückhaltung auferlegen. Wir glauben, daß die Betonung des ausschließlich religiösen Charakters unserer Gemeinschaft nicht nur der inneren W a h r hei t unseres Wesens entspricht, sondern gegenwärtig die Interessen der Judenheit *in Oesterreich am besten schützt. An der Spitze der Das schönste Geschenk sind REDLER-MOBEL in Preis und Qualität / Gratisberatung durch erst* klassige Architekten / Beachten Sie die Adresse Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitgliedj IN- UND AUSL. MODENEUHEITEN |׳j gR0s, CE IDE b yy ׳OLLE EGR.1ee9 * ■W jEL U-21-0-54 gAMTE FRANZ NEUMANN, l,GONCORDIAPlATZ5 österreichischen Regierung, die in den letzten Moniiten eine erstaunliche Klugheit und Energie und weise Voraussicht bewiesen hat, stehen katholische Männer, die Oesterreich in religiösem Geiste wiederauf bauen wollen. - Wir, als religiöse Gemeinschaft, haben ein a u ß e rordentlich großes Interesse an dem Ge- 1 i n g e n dieses Werke s. Die Ausrottung des Bolschewismus und des religiösen Nihilismus ist einmal eine be.- grüßenswerte Tatsache* wofür das religiöse Judentum unter allen Umständen, wenn es auch mit den Methoden dieser Aufräumungsarbeiten nicht immer einverstanden sein kann, tiefe Dankbarkeit empfindet. Wir religiöse Juden wollen gerne an dem. religiösen Wiederaufbauwerk, das sich jetzt in Oesterreich vollzieht, mitarbeiten. Wir dienen so am besten dem österf• reichlichen Staat und uns selbst. Gerne hätten ,wir auch die Führer der größten österreichischen Religionsgemeinschüft an diesem religiösen vWiederai^au^ .'. Erfüllt aber der Kultusvorstand in dieser! historischen, kritischen Zeit nicht seine Pflicht, so . werden;wir orthodbxe Juden, eben im' Interesse der religiösen Judenheit ,,in Oesterreich, o h n e Mitarbeit der noch Heute in zionistischpolitischen Ideen gefangenen Kultusgewaltigen . unsere Pflicht erfüllen. L. Aus Erez Jisroel. Die arabische Zeitung ״F a 1 a s t i n“ brachte die Meldung, daß die deutsche Regierung^den Impört'von J a f f a - O r a n g e n . nur zuläßt, , wenn die Sendungen mit einer - Bescheinigung des deutschen Konsulats versehen, sind, daß die Waren: arabischen oder deutsehen Ursprungs seien. Der deutsche Konsul in Jaffa hat diese Meldung energisch dementiert. Die Bodenpreise steigen ganz bedeutend,. insbesondere aber die Preise von Bauplätzen. Für eine Bauparzelle im Ausmaß von 1000 Quadratmeter in einer Nebengasse von Tel-Awiw werden schon 1000 Pfund bezahlt. Natürlich steigen dementsprechend auch die Mietzinse. Eine Vierzimmerwohnung• in Tell-Awiw kostet jetzt 100 Pfund jährlich.; - :־; V: Handwerker aller Art f inden übetall^ im Lande Arbeit. Qualifizierte Fachleute werden vielfach gesucht. Die Regierung hat letztens 100 Chauffeure gesucht, es haben sich aber bloß acht gemeldet, die restliehen mußten aus Aegypten gebracht werden. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizengoff, .überreichte dem Kolonienminister Sir * Philip Cunliffe-Lister anläßlich seines Besuches in Tel-Awiw ein Memorandum, in dem verschiedene Forderungen der Stadt, u. a. die nach dem Bau eines Hafens für Tel-Awiw, niedergelegt w9.ren. Sir Philip erklärte, er glaube, es müsse zunächst der •Hafen von Jaffa ausgebaut werden. Die Öberrabbiner von Tel-Awiw forderten in einem Memoranduni die baldige Einführung eines Sabbatruhe-Gesetzes für Tel-AwiVv. In Jaffa verlangte der Bürgermeister im Namen der palästinensischen Araber die Einsetzung eines Legislative Council. . י' * Vergangenen S c h a b b o s erk r an kt e plötzlich in Jerusalem Rabbi A. M.*Weißfisch und wurde von den Aerzten zur Operation ins |,H a d As s a h" - S p i t a l gebracht. Die Leitung des Spitals machte die Aufnahme des Patienten, vom sofortigen Erlag eines״ bestimmten Betrages abhängig. Infolge des Schabbos konnte Öie Familie den Betrag nicht erlegen und der Patient blieb bei mir 1t Innerhalb 6 Standern;_■■ Gesichte entsprechend modellierte eine individuell Putzer der weltbekannten Per(1cKen״Kunftwerkftatte Wien I, Kärntnerring 6.