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Jüdische Presse · 1933-04-07 · 14-15 (7.4.1933) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
14-15 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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m Seiti;: u-litt' offenes Woti ,'■ \ : .•׳ ׳ Vöü M Wir bringen dennachatehenden, überaus interessanten und sachlichen Aufsatz eines aktiven A|üäisten, ohne seihst m diesen Ffoblemen Stellung Zit nehmen. Dem , Verfasser wollen wir mir sagen» daß m Hofe!!, und in den Oststaaten überhaupt, unseres Wissens nach, die Äguda wohl einn ״:Revolution der Seelen״ herbeigeführt hat. ftedaktion, Nicht Unzufriedenheit oder kleinliche Kritik gegen“ Über den Leistungen der ״A g ti das d i s r o e i“ ist es» die mir die Feder in die Hand drücken. ImGegenteil! Voll aufrichtiger Ehrfurcht Und Bewunderung stehe ich da, gleich Zehntausenden anderen» vor den Schöpfungen der Agudas Jisroel. Und noch größere Hoffnungen hege ich im Herzen über die Erfolge der Agudas Jisroel in der Zukunft! Diese meine Einstellung zur Agudas Jisroel, sie gibt mir aber auch den Mut, offen zu sagen, was Agudas Jisroel Uns n i c h t. gebracht, oder richtiger, was Agudas Jisroel uns bisher noch nicht gebracht hat, aber mit G. H. bringen wird! - I.' Als Agudas Jisroel sich vor mehr als 20 Jahren anschickte, ihren Weg durch die jüdische Gasse anzutreten, da hatte sie es leicht und schwer. Schwer, wenn man bedenkt, was es hieß, den jahrhundertealten Gegensatz zwischen Ost und West ein wenig hur zu überbrücken und die Idee eines geeinten jüdischen G’ttesvolkes in alle Herzen zu tragen. Leicht aber, denn das jüdische Volk blutete aus unzähligen Wunden und sehnte sich aus tiefstem Herzen nach Rettung and Erlösung. Und Agudas Jisroel trug etwas in sich, das die Herzen höher schlagen ließ in der Erwartung, daß Agudas Jisroel, wenn auch nicht die Geuloh selbst, so zumindest den Vorboten des Moschiach vorstelle! Es läßt sich gar nicht in Worten schildern, wie die Botschaft von Agudas Jisroel, von der. ersten ״Kenessioh Gedauloh“, da das jüdische Thoravolk nach fast zweitausendjähriger Trennung zum ersten Male Wiedersehen feiern sollte, wie diese Freudenbotschaft überall begrüßt wurde. Damals feierte A g u da s J i s r o e>e inen Siegeslauf Wien och nie! Seither ist Ernüchterung eingetreten. Die erste wie auch die zweite ״Kenessioh Gedauloh“ sind vorübergegangen, ohne daß bedeutungsvolle und entscheidende Wendungen im Leben des jüdischen Volkes vor sich gegangen , wären. Weiter drückt die Last des _G01us schwer und schwerer auf allen jüdischen Menschen. Weiter beherrscht der areligiöse Zionismus die Woge nach Erez Jisroel/ Weiter beherrscht der Geldsack der amerikanischen Juden, entsprechend der Weltkrise, die jüdische Welt! Agudas Jisroel ist wie früher das Stiefkind unter ,den jüdischen Organisationen geblieben.'Bestimmt hat es . nicht an dem guten Willen der führenden agudistischen Per- . sönlichkeiten gefehlt, die mit wahrem Messiras .Nefesch , ihre beste Zeit und ihr ganzes Können dem Klall Jisroel geweiht haben. Die Verhältnisse und die Widerstände waren zu groß, der finanzielle Zusammenbruch Mitteleuropas fast unübersehbar —— —! Trotz allem, lasset bei-uns allein strenge Selbstprüf ung halten, vielleicht liegt der Fehler doch zum Teil-- bei uns selbst!־ .' II. ' Agudas Jisroel sollte das Sammelbecken der ganzen Orthodoxie werden und in seinem Mittelpunkt, als leben:- spendende Sonne, die Thora und deren Verkörperung, die Agudas f jivoei* ״Moaze Gedole Hathora“, stehen. Aber wo hatte man das Hislahawüs erweckt; wo das Fluidum, das die jüdischen Menschen mit neuer Kraft und Energie erfüllt und seine Widerstandskraft gestählt hätte im Kampfe gegen eine Weit voll Feinden? Vor der Gründung der Agudas Jisroel käüipfte jedes Land für sich seinen Kampf gegen die Gegner des thoratreüen Volksgedankens. Einige1 wenige Kämpferpersönlichkeiten hatten wir. Die große jüdische Masse lebte in schlaffer Lethargie» während die Feinde der Thora triumphieren konnten. Hatten diese doch in der sogenannten fortschrittlichen ״Aufklärung“ der Zeit und lns Europas moderner Kultur ihre beste Stütze, Mit der Gründung der Agudas-Jisroel-Weltorganisation wurde zwar die Kampffront vergrößert, die Kämpferschar trat miteinander in bessere Fühlung, aber die jüdische Masse schlief weiter ihren Schlaf, Juda war nicht erwacht! Hatte doch Agudas Jisroel keine neue zündende Idee gebracht, sondern bloß die verschiedenen Landsmannschäften wurden, bei vollkommener Wahrung ihrer Selbstständigkeit, in einem Zentralbüro vereinigt. Die Menschen blieben die gleichen, die alten Anschauungen herrschten weiter in gleicher Schwäche, vielleicht etwas stärker in Erscheinung tretend durch , die äußere OrganisatiÖnsform! HI. Jawohl, das Ergebnis kann niemanden wundernehmen. Keine große Bewegung in der Menschheitsgeschichte, keine Revolution unter den Völkern hätte je die Herzen der Menschen ergreifen und ganz erfassen können, wenn nicht die Führer fein neues Ziel oder einen neuen Weg zu dem alten Ziel gewiesen hätten! Niemals hätten Faschismus und Suziatismus Millionen von Menschen in ihren Kann ziehen können, wenn sie es nicht so treff* lieh verstanden hätte«, nicht aliein die äußere MachL sondern auch die Herzen ihrer Anhänger zu erobern und einen netten Zug in ihre Denkweise zu bringen. Mit der Organisation allein wäre es nie nid nimmer geschehen. Da kommt nun Agudas Jisroel, still urid bescheiden, und erklärt! Wir weiten all die Fragen der zeit im Geiste Her, Thora lösen. Und erwartet im Ernst, daß auf ihren tttif hin die Jugend zu ihr stößt; sich nicht mehr von all den verlockenden Kufen Europas verführen läßt! dem Modernismus» Zionismus und Sozialismus Ade sägt! gerne auf das bequeme Lehen eines sieh auslebenden Europäers Verzicht leistet und mit ganzem Herzen der Agudä sich zuwendet, Nein! Das wäre wohl doch zu einfach gegangen und konnte gar nicht Erfüllung werden. Hat der Baalschemtow-Hakodosch einfach eines Tages das ״Chassidus“ proklamiert und sonst alles beim alten gelassen?! Hat er nicht vielmehr eine wahre Re- Volution der Geister in Bewegung gesetzt, Kämpfer herangebildet, die bereit waren, ihr Leben für das ״Chassidus“ aufzuopfern? Und nur so gelang es ihm, weite Kreise des jüdischen Volkes für sich ganz zu gewinnen. Hat Reb Jisroel Salanter seinen Schülern bloß aus alten Mussar Sforim vorgelernt und sonst nichts?! Oder hat er es nicht etwa genial verstanden, ihr ganzes Herz für die Welt des Mussar aufzurUtteln und zu erobern, um ihnen die alte Lehre des ״Ceschbon Hanefesch“, schöpferisch gestaltet, neu wiederzugeben? Hat etwa der ״Chassam Sofer“ den Mendelsohn-׳ ianern bloß den Krieg erklärt und sonst alles seinen gewohnten Lauf nehmen lassen?! Hat er nicht vielmehr seine zündenden ״Droschos“ in die große Welt hinausgedonnfert, seine kristallklaren Tcschmvos mit ihrer zwingenden Logik Für Ostergerichte das reine Kunerol.. Kunerol ist 100% reines Fett aus Kokosnüssen und deshalb für Fleisch- und Milchspeisen ganz besonders geeignet. Kunerolwird in mustergültigen Betrieben auf einwandfrei hygienische Art erzeugt — es kommt während der Herstellung nie mit Menschenhand in Berührung; Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. E h r e n f e I d zu Mattersburg hergestellt. KUNEROL 100%REINES KOKOSNUSSFEIT 6 Q eine Fee . . . Und die Sprache, die Stimme, die Betonung -alles war entzückt, und der Propst: sagte, wie schade, daß solche zarte Pflanze, so viel wachsende Anmut und Liebe unserer Kirche verloren gehe . . ״Pst!“ . . . mahnte der Amtsschreiber. ״Die Alten kommen, und sie hören so was nicht gern.“ In späteren Jahren erzählte Miriam immer weniger aus der Schule. Sie lernte mit Fleiß und Eifer, und die Herren im Nebenzimer rühmten ihr reines Polnisch und ihre gewandten, sicheren Allüren. ־ Daß sie den Eltern gegenüber immer verschlossener wurde, immer fremder und kälter der Mutter ins Gesicht schaute, immer veräphtlicher auf den in gebrochenem Polnisch mit den Bauern feilschenden Vater herabschaute, entging wohl den Alten nicht und tat besonders der Mutter weh, aber sie tröstete sich, wie einfache Frauen, die stolz auf die Ueberlegenheit ihrer Kinder sind, sich in solchen Fällen zu trösten pflegen: ״Die Jugend von heute! Eine andere Welt, die uns nicht mehr recht verstehen will.“ ... .II. - - '״ Mit sechzehn Jahren trat Merelaika aus der Schule aus. Ihr Körper war zu dieser Zeit zur vollsten, reizendsten Entfaltung gelangt. Eine etwas gedrungene Gestalt, machte sie den Eindruck blühender Frische. Aus einem runden, edel geschnittenen Gesichte schauten unruhige, pechschwarze, von dicken, dunklen Brauen beschattete Augen wie suchend und traumverloren in die weite Ferne. Ein gewisser Zug um die Mundwinkel verlieh dem Gesichte etwas wie Härte und Rücksichtslosigkeit, der aber durch ein Lächeln, das immer die Lippen umspielte, gemildert schien, Wie ihr Schritt, so war auch ihre Sprache fest, sicber und bestimmt, fast herrisch. Sie hatte etwas Suggestives in Auge und Sprache wie in ihrem ganzen Wesen, wodurch sie die schwierigsten Situationen, wie sie sich in einer jüdischen Dorf schenke im dunklen Galizien oft genug ergeben» leicht und spielend meisterte. Sowohl in der großem Schankstube wie im geschlossenen Kreise des Herrenzimmers hegte man vor Merelaika, alias Marianka, eine Achtung, die am Ehr? furcht grenzte, Ws4nka, der Hbizkneebt, . hatte sich wieder ani Branntwein zuviel getan, Er schrieund johlte, indem er wild mit den Händen ausfubr und auf ■den Tisch; so . wuchtig frömmelte, daß die Gläser klirrten, Eine Gruppe junger Burschen ergötzten sich an dem heiteren Schau* spiel, hetzten den Betrunkenen immer mehr auf und schoben ihm immer von neuem das gefüllte Glas zu, Merelaika sagte bestimmt, indem sie die Burschen streng ansah: . ״Gehe heim, Wainka, und laß das sinnlose Trinken. Frau und Kinder warten auf dich; sie hungern daheim!“ ״So ist’s, sie hat recht“ — Wainka weinte gerührt ■— ״ein Engel von einem Mädchen. Ist, weiß Gott, kein -Judenmädchen, Merelaika -ך—' Die Burschen versuchten zu lachen, verstummten aber bei dem kalt gebieterischen Blicke des Mädchens, und Wainka erhob sich und ging. ו Im Herrenzimmer ging es hoch her. Die Notahein des Ortes waren ganz vertieft in ihr Spiel. Nur ab und zu schaute der eine auf: ״Marianka, ein Bier, ein Punsch, Zigarren!“ - Diese trat eben an den Tisch heran und sagte höflich und bestimmt, bittend und befehlend zugleich: ״Meine Herren, es ist Mitternacht. Ich bitte, Schluß zu machen, da wir uns sonst die Polizei auf den Hals laden.“ ״Unser guter Engel, der uns an Pflicht und Ordnung gemahnt und uns weislich im Zaume hält“, flüsterte Borisowski, der junge Gutsverwalter, dem Mädchen kosend ins Ohr. ״Noch ein Spiel", flehte der bleiche Amtsschreiber, der viel verloren hatte und seih Geschick zu korrigieren hoffte. ״Morgen!“ sagte das Mädchen kurz und drehte eine Lampe nach der anderen aus. Die Herren fügten sich und gingen. - ״Sie kommen nicht wieder! Verdirbst mir das ganze Geschäft durch die rabiate Behandlung", klagte der Vater, der Ochsen-Sander. . ־ ״Es sind Herren von Welt und Bildung, Edelleute“, erwiderte das Töchterchen spitzt ״und ^kriecherisches Benehmen imponiert־ ihnen nicht. Sie kommen wieder und bleiben da, bis ich sie wieder heimschicke,״; Und sie kamen wieder, früher und zahlreicher wie sonst, und blieben im Herrenzimmerchen bei Spiel und Trank so länge, bis Merelaika äh hon Tisch trat'und Feierabend gebot, der sie schweigend gehorchten, Ln Famiiienzimmer sagte Sander zu seiner Frau: i ״Ein großer Geist steckt in dem Mädchen, viel Schick und Talent, Aber weißt du. Dehpra, es tot mir oft, als gehöre sie nicht zu uns, als sei sie von anderer Art, als verstehe sie uns nicht und wolle auch nicht von uns verstanden sein. Ich glaube, das .macht die Schule . , Das empfand dieFirn die^für die Schuierziebung der Tochter verantwortlich-war, wie einen Vorwurf, den sie gegen ihre innere Ueberzeugung zurückweisen'mußte. ״Nein", sagte sie, ״nicht die Schule, aber die Wirt- Schaft. Sage ich es doch immer, sie gehört nicht an den Schanktisch.“ ״Aber sie ist da unentbehrlich", wandte Sander ein, ״sie .versteht mit Leuten umzugehen ■ und hat die Wirt- Schaft so recht in Schwung gebracht.“ ״Hättest du wohl nicht besser daran getan“, meinte Debpra, ״den Samuel ^pus Wirtsgeschäft heranzuziehen, damit unsere Mirjam mehr der Häuslichkeit erhalten bleibe?" Darüber hatte aber Sander seine festen;Ansichten, von denen er sich nicht abbringen ließ. ״Nein“, sagte er und in seinerxStimme lag jene unverkennbare Festigkeit, die auch seine Töchter auszeichnete, ״nein, es ist nichts für einen Juden, ein Gastwirt auf dem Lande zu sein. Unser Sohn soll es besser haben. Wir haben ihn nicht umsonst auf die Jeschiwoh geschickt. Er kann Rabbiner oder Kaufmann werden, in beiden Fällen wird sich sein Los besser gestalten, als das eines Dorfwirtes. Und da unsere Tochter schön und begabt ist und zudem eine beträchtliche Mitgift hat, so dürfen wir auf einen Schwiegersohn rechnen, der gleich unserem Sohne seinen Platz im Leben ausfüllen wird. Das Schicksal der Wirtschaft macht mir keine weiteren Sorgen.“; ' * - ' "'.III. \ / Samuel kam von der Jeschiwoh nach Hause, ein etwas schlanker, bleicher junger Mann von ungerader Haltung und unsicherem Benehmen. Er war nach Art ge? bildeter galizischer Jiinglinge mit einem schwarzen Halbkaftan bekleidet, der den langen Körper noch hagerer erscheinen ließ und! ihm ,die Gestalt einer etwas geknickten Tanne verlieh, Langsam in seinen Bewegungen und sehr ־ gemessen in Schritt und Rede, bildete er einen־ krassen Kontrast zu der blühenden, kraft*, und lebensstrotzendeu Schwester, deren Temperament alles im Hause -unumr schränkt beherrschte. ״Der Bocher!“ sagten sie im Herren- Stübchen, aber so leise, daß es keiner hörte, Merelaika behandelte den Bruder sehr. kühl. Ihre Wege gingen von jeher auseinander und er war so lange abwesend gewesen. Sie empfand keine allzu beiße Liebe für diesen bleichen, leisetretenden und leisesprechenden Menschen; Weder er noch David Baumer, des reichen Kaufmannes Sohn, der zusammen mit Samuel aus der Lehr* ■y

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