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Jüdische Presse · 1933-04-07 · 14-15 (7.4.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
14-15 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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V׳. .. Seite 2 m> n/iu # *• Oi^iilklliiate <36scfttfnk sind •׳ ,,», Vv Wäcfitä?,"ms#d aus de* Nacht?" Spricht der Wächter? W ״Es kommt ein Morgen, wenn es ',:,:.v.־. •;V Macht noch ist . . ." (des. 21) P e s s a c*> Macht. Um das ״Opfer herum iitzeä die Männer» Die Leiideä gegürtet, die Ranzen geschnallt» Wandefstäbein den Händen. Sitzen beim .Festmahl, bei Mazzoäbfot uiid Bitterkraut. Und an den lösten - der Türen, aü den Oberschwellen — Opferblut des Pessachlammes. Jubel Steigt hoch, Freudentränen entquellen den Atigen, Diese Menschen, bis heute geschunden; gequält, getreten, aüsgesogen, angespien, heute .er* steht ihnen Freiheit, Glanz und Größe, als Gattes Volk: Jetzt, um diese. Stunde der Mitternacht. Draußen braust »der Tod, ,hält grausige Ernte, '..Weh-*.• geschrei erfüllt die Gassen. G-ttes Majestät durchzieht Mizraim, Übt Vergeltung. Kein Haus, das unverschont bliebe. Indessen — in den verschlossenen jüdischen Häusern Licht auf strahlt und ein erlöstes Volk auf den Knien liegt. Und G-tt schreitet Über sie *hinweg . . . ׳Pessach-Macht. Und seit Jahrtausenden dieselbe Pessach-Macht. Draußen — der Tod in den Gassen. Kriegsgeschrei, Hunger, Not und Jammer. Der Würgengel schreitet durch die unerlöste Welt; Blut, Feuer, Rauchschwaden kennzeichnen seinen; Weg. Indessen in der trauten Wärme der jüdischen Häuser ein erlöstes Volk alljährlich die historische Stunde seiner Befreiung wiedererlebt. Den Söhnen Jisroels wird licht in ihren Wohnungen. Ein» Band schlingt sich um Väter und Söhne, ein Band der Sehnsucht und der Liebe. Seit Jahrtausenden dasselbe Erleben, Jahr um Jahr. Und immer wieder dasselbe Brot des Elends, immer wieder das bittere Kraut der Versklavung und die vier Becher der Erlösung. Und alljährlich wiederkehrend Halleljubel, Sang und Frohsinn. Das ״kluge Kind,i׳ fragt seit Jahrtausenden dieselbe Sedernachtfrage: ״Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen . . .?" Und des Fragens und des Erzählens ist kein Ende. Wer am meisten zu erzählen weiß, ist lobenswert. Und wären wir alle Weise, wären wir alle Kundige, es wäre eine Pflicht, zu erzählen ... Eine Geschichte von Rabbi Elieser und Rabbi Jehöschua . ״ . Sie haben gesessen die ganze Nacht und erzählt «vom Auszug aus Mizraim, bis die Schüler hereinkamen mit der Botschaft, daß der Morgen angebrochen sei. Der Morgen nach der Pessach-Nacht. Ist er schon wirklich angebrochen? Haben die Schüler sich nicht geirrt und zu früh gejubelt . . .? Draußen ist die Nacht schwärzer denn je. Und;ein eisiger Sturm fegt über die Welt. Doch Rabbi Eliesers und Rabbi Jehoschuas Jugend träumt vom Morgen. '; ־■; , * ־ ''■■'..׳;■־ ■ \ Dunkles Gewölk umschattetunser Schicksal. Es ist Nacht geworden um uns; eine undurchsichtig schwarze Wand der Ungewißheit baut sich auf vor unseren Augen. Und wieder naht, wie ,jedes Jahr, das Pessach-Fest heran ״״und bringt uns die Botschaf t de r Fr eiheit. ״Dieses Jahr Knechte, im kommenden freie Menschen, dieses Jahr noch hier, im ■ kommenden in Jisroels Land." Eine^EriUümgsbqte^aft'^der'• Erlösung. Trotz allem; erlittenen Ungemach, Lieht und Frühling in unsern Herzen. Was zeichnet aus diese Golusnacht vor allen anderen? Nicht einer ist. aufgestanden gegen uns, in jedem Geschlecht will man aufstehen gegen uns, doch G-tt läßt sein *Volk nicht untergehen. Jüdische Menschen singen in dieser Nacht ״ein neues Lied“. Dem, der uns herausgeführt aus Dunkel und Knechtschaft zu Licht und Erlösung, dem, der unsre Väter erlöst hat und uns ... Wächter, was ist mit der Nacht? Ist's denn an der Zeit, Freiheitslieder zu singen, wenn des Golus Schwere, dreimal bitter uns in Hirn, und Herzen dringt? Es .ist dies eine, Gewissenfrage an den jüdischen Optimismus. - מה יתאונן אדם חי? די לו כשהוא חי! .• "׳ Wir müßten wieder lernen, Optimisten zu werden. Eine Kunst, die unsere Ahnen gekannt haben, ' unsere Alten, als sie noch eingepfercht waren in den Getthis, preisgegeben den entmenschten Horden ihrer Bedränger. Eine Kunst, die wir in der kurzen Emanzipationsperiode Vergessen haben. Ob Wir Sie jetzt wieder lernen könnten, diese Kunst? Jetzt, da das Kartenhaus der Emanzipation beim nächsten Windhauch einzüStürZen dfOhtv Bitochon! heißt die Losung. So wie im Zwangsläüligeh Äbfaüf der Natur die Macht dem Tage folgen muß, so/to u ß im unaufhaltsamen Ablauf der.historischen Zeitenwenden Dunkel folgen auf Helle, Haß auf Liebe, Knechtschaft auf Freiheit» G-tt läßt in der Geschichte der Menschen gleich Wie im Kosnios, die Abende däm* mern, ״Er rollt das Licht fort vor der Finsternis, die Finsternis vor dem Lieht**» Diese ־־augenblickliche Abende Stimmung am Himmel des jüdischen, Schicksals soll uhs Sederhacht-öptimismus nicht rauben können. Laßt uns das jüdische Lachen nicht verlernen in dieser Zeit», Macht ist hereingebroChen über Jisroel» wisset eine ליל שמוריס ist’s, der G-tt der Geschichte ist Wächter über seinem Volke in dieser Macht. Siehe, er schläft und schlummert nicht, der Wächter in der Nacht. ־ . ־ Woher kommt diese Sicherheit, diese frühlingshafte Gewißheit, dieser לשנה הבאה -Optimismus der Sedernacht? -Vielleicht ist’s nur. Selbstbetrug, vielleicht ist alles nur ein lärmendes Ueberschreiten der lähmenden Unsicherheit, die uns in allen Gliedern sitzt. Woher kommt diese Sicherheit, diese frühlingshafte Gewißheit, dieser לשנה הבאה -Optimismus der Sedernacht? -Vielleicht ist’s nur. Selbstbetrug, vielleicht ist alles nur ein lärmendes Ueberschreiten der lähmenden Unsicherheit, die uns in allen Gliedern sitzt. IN- UND AUSL. MODENEUHEITEN EN GROS EN DETAIL EIDE GEGR.1E69 ״י ״י. CAMTE TEL.U-21-0-64 FRANZ NEUMANN, I, CONCORDIAPLATZ 5 Jeschajo der Prophet hat vor Jahrtausenden die Antwort gegeben: ״Es spricht der Wächter: der Morgen kommt trotz der Nacht, wenn ihr wollt, wenn ihr u mkehrt, he im ko m m t". s '!אמר שומר אחא בוקר וגם לילה, אם• חבעיון•בעיו, ישובו אתיו Jeschajo der!Prophet hat hiermit für die spätesten Geschlechter die Parole ausgegeben: U m k ehr und Heimkehr; d i. theoretische und praktische Teschuwo. Es ist der einzige unfehlbare Ausweg aus dem bröckelnden Chaos der Golus-Zeitgeschichte. Teschuwo! das Rettungs- Signal inmitten der Brandung des Hasses, der uns entgegenschlägt. Und zugleich der verklärte Mahnruf aus den vermoderten Gräber unserer heiligen Märtyrer- Ahnen. חשובה — die Quelle des Optimismus des alten und modernen Getthojudentums. חשובה — der Blitzstrahl der Hoffnung, Antwort der jüdischen Gemeinschäften gegen Haß und ׳״ Bedrückung. Eine Massen- Teschuwabewegüng im* assimilierten Judentum (und wer von uns wagt, von sich zu glauben, er sei nicht von der Assimilation angefressen?):, ein ־ allgemeines H־ e 1• mkehren aus Assimilation und -Indifferentismus zurück ' zum Lernen, zur alt jüdischen Sittenreinheit, zur .alten Innigkeit im Gebet, zur alten Vornehmheit und restlosen Li ebeshingabe des גמלות הסד , zurück zu unserer verschmähten jüdischen Kultur — und es sollte nicht besser werden in Jisroel? Das ist’s, was beigestanden hat unseren Vätern und uns. In dieser Nascht und in allen׳anderen Nächten. Es kommt der Tag der חשובה für das westliche Judentum, mitten in der. Golusnacht. ,Wächter, wie lange noch? " שומר ישראל, שמור שארית ישראל ־ S. Sch. in Ptm ttfiä Qualität / Gfätisbsfäiüfig durch erst* Massige Architekten / Beachte« Sie die Adresse Wien I* Sehefttenrlna llr* 35 voKWoci•!: Zll Woclic Dte Sehweite r Behörden haben bestimmt, däß jüdischen Flüchtlingen aus peutSchiätid bbfübergehend Asylrecht, gewährt, aber jede geschäftliche Tätigkeit untersagt iperden soll. "jjf - — 60 jüdischen Touristen'-'aus Polen, deren Pässe ordnungsgemäß vidiert waren, wurde die Altsschiff un g inHäifa untersagt. 25 jüdische Touristen, ebenfalls aus Polen, die ihre Visa Vom englischen Konsulat in Konstantinopel erhalten hatten, wurden kürzlich vom gleichen Schicksal betroffen. : ♦ — Außenminister Jeftic erklärte einer jüdischen Delegation, daß Jugoslawien keine Einwanderungsbeschränkungen für deutsche Juden erlasse und ihnen Asylrecht gewährt. — Die" holländische Regierung hat in Je rusalem' ein Grundstück zur Errichtung eines FlUghafens erworben. Holländische Flugzeuge sollen zweimal wöchentlich auf dem Wege von Amsterdam nach * Batavia und zurück in Jerusalem landen. — Im Jahre 1982 dienten in E rez Jisroel Slffy Juden in der Polizei, davon eine Anzahl höherer Polizeibeamter. Die Gesamtzahl der Polizisten in Erez Jisroel beträgt 2581t, davon sind 15^5 Araber. ■ .; _ . * ׳■׳'.־ . ' : ' — Das Jahresbudget von Tel-Awiw beträgt 167.000 Pfund: Es übersteigt das Budget der Stadt Jerusalem, die eine weit größere Einwohnerzahl hat als Tel-Awiw. ׳ * — Zwei Ar aber —- Ahmad Geliani und Mohammed Khalil — wurden verhaftet und des Bombe nattentats in Nahaldl, das den Tod des Juden David Jacobi und seines Sohnes zur Folge hatte, überführt. Die Gerichtsverhandlung findet in Kürze statt. , \ ■ — Das -Distriktsgericht in Nablus hat den ara bischen Anspruch auf 30.000 Dunam .. jüdischen Bodens in Wadi Hawarith zurück g e wiesen. — Die Bahnverwaltung in Erez Jisroel hat 170 Bahnangestellte ab g eb aut. * — Lord Marley, ein Mitglied der früheren Regierung, richtete an die Regierung den Appell‘,**Juden aus Deutschland in England' A,s y Ir echt zu gewähren. .. ׳• * ■ .׳: *י-"‘־-'"‘"' — Die Wahl des l et tländi sehen Staatspr äsident'e n sollte Freitag nachts, den 7. April, durch den Sejm stattfinden. Nachdem die agudistischen Deputierten wegen des Schabbos der Wahl ferngeblieben wären, wurde dieselbe auf Dienstag, den 4. April, vorverlegt. H. Grün, II., Taborsträße 8 b, Tel. R-42-3-66,-Atelier für feine Herrengardarobe. E EN G R 05 ע EXPORT PERÜCKEN ״nd SCHEITEL FACHGEMÄSS AUSGEFUHRf ״ FRITZ BRENNIG Wien, VI. Eggerl־bgasse 9 Erzählung von S. W't es, ggjjNTER-e Erzählung von S. W'iez. Wie bereits angekündigt, beginnen wir hiemit mit der Veröffentlichung der großangelegten Beth-Jakob- Erzählung ״Hinter Mauern". Es wird hier das Schicksal eines jungen jüdischen Mädchens in fesselnder Weise geschildert, das, ohne Kenntnis der eigenen Lehre und Geschichte, durch den Flitterglanz der Außenwelt geblendet, Eltern und Elternhaus verläßt, um dann, aufgerüttelt durch das grelle Licht der kalten Wirklichkeit, den Weg zu Vater und Mutter und zum wahren Judentum wieder zu finden, Diese Erzählung zeigt in packender Weise die ganze große Notwendigkeit der Beth-Jakob-Schulen. Wir machen die weibliche Jugend auf diese Erzählung ganz besonders aufmerksam. Die Redaktion. ■■ I. Zwei gut jüdische Namen, die schon in der Bibel vertreten sind und die Großmütter auf'beiden Seiten׳* in Ehren getragen haben, sollte das Kind, das im dunklen Nebenzimmer der Schenkstube ״Zum Ochsen" das Licht der Welt erblickte, erhalten, Mirjam und Lea. Seitdem mußte das Kind die verschiedensten Namen hören. Merelea hieß sie zu Hause. Der polnische Lehrer aber, der das schöne, frische Kind einmal im Wirtshaus anspracb, grinste verächtlich, als er diesen Namen hörte, und sein schwülstiges Gesicht verzog sich zu einer spöttisehen Grimasse. Marianka, sagte er kurz. Der Name' gefiel dem Mädchen ausnehmend, und sie hätte .vieles darum gegeben, wenn es alle Welt so genannt hätte.'Aber die Mutter war nicht dazu zu bewegen. ״Nein, liebes Kind", sagte sie, ״der Name ist ein heiliges Krhe, das man hoch und in Ehren halten muß, Werde eine brave, g-ttesfjjrchtige Frau, wie es meine selige Mutter Mirjam und deine andere Großmutter lUea war^! . So behielt sie im Familienzimmer den Namen Merelaa. aus dem die Gäste, welche tagsüber die Schenkstube bevölkerten, einfach ein Merelaika machten. Nur die ״Notabeln" im reservierten Herren- Zimmer schlossen sich später der Auffassung des Herrn Lehrers an und nannten sie vornehm und kosend M'a rianka.• ״Marianka!" Der!*guten Mutter schnitt der Name ins Herz. Nicht so sehr darum, weil er an sich so hart, so lieblos klang,- sondern noch mehr darum, weil ihr Kind, das sie hinter dem Schanktisch am׳ liebsten verborgen gehalten hätte, überhaupt in der Wirtsc;hafts- Stube gekannt und angerufen wurde.!Es klang wie eine Beleidigung ihrer heiligsten Muttergefühle. Aber wie eine geheime Macht zog es das Kind in die Wirtsstube, an den Ausschanktisch. Schon mit zehn Jahren ein stark entwickeltes, temperamentvolles Kind, mit vollem, rotem Gesicht und klugen, lebhaften Augen, war Merelaika der Liebling der Stammgäste, die sie zuweilen mit einer Sicherheit und Gewandtheit bediente, die Bewunderung erregte. Damals machte die Mutter den Vorschlag, Mereleika, nur, um sie einen Teil des Tages fern vom Hause zu halten, in die Schule zu schicken. Der Vater, der Ochsen- Sander, wie ihn die Nachbarn nannten, war von seinem Berufe so in Anspruch genommen, daß er sich um die häuslichen Angelegenheiten nur wenig kümmerte und auch die Erziehung der Tochter vollständig der Frau überließ. Ihr einziger Sohn Samuel war zurzeit auf einer Jeschiwoh an Ungarns Grenze. Was sollte wohl Sander gegen die Ausbildung der Tochter einzuwenden haben? Wissen ist Macht. Das hatte der Ochsen-Sande? oft genug auch in seinem Geschäftsleben erfahren müssen: Und dann war es ja nur ein Mädchen. ... . Und so kam Merelaika in die polnische Schule, wo sich dem Schankwirtstöchterlein bald ein neues Leben, neue Welten auftaten. Als» Merelaika nach den ersten Schultagen der Mutter im Familienzimmer voller Freude und Begeisterüng־ von ihren Erlebnissen erzählte, seufzte diese tief und sagte: ״Liebe Miriam ־-״ sie uannte sie in besonders ernsten stunden beim ,hebräischeh Namen Miriam . brauchst nicht auf alles zu hören, was man dir dort sagt., Lerne bloß gut schreiben, lesen und rechnen 'und alles, was ,man heute im Leben nötig hat. Alles andere» was du dort hörst, ist, scheint mir! nichts fdr d^ch." ־ Da lachte das Töebfercben aus vollem Halse und meinte? ״׳.׳.■; w,o..»־ ל־ ■■:,׳•v. ״Mußt bloß sehen, Mutter, wie schön;da alles eingerichtet ist und wie hübsch der Herr Lehrer zuverzählen / weiß . . . Und auch Lieder singen wir . . . Und dann die Bilder vom Kinde, das die Engel umgeben . . ." ״Was für ein Kind, was für Engel?" Die Mutter erblaßte. \ _ Da hielt die Tochter inne und erzählte nicht weiter. Später sah sie immer mehr ein, daß man daheim ihrer ״Schulbildung" nicht das richtige Verständnis entgegenbringe, das war ihr im Grunde gleichgültig. Im ״Herrenzimmer" lobten sie ihr gutes Polnisch. ״Wie eine geborene Polin," sagten sie, ״eine echte Marianka . . ," Und das freute sie sehr. An einem Abend sagte sie zu ihrer Mutter etwas befangen: ״Morgen, Mama, muß ich das beste Kleid anziehen, weißt, das weiße mit der hellblauen Schleife —" ״Warum?" ״Es ist ein Fest, und ich habe das Festgedicht in der Schule zu deklamieren." ״Ein Fest?“ — Die gute Frau begriff nichts. Chanuka war vorüber, und vom katholischen Feiertag des folgenden Tages wußte sie. Waren doch auch zu diesem Zwecke in der großen Schankstube die Reservebänke aufgestellt worden, da man an solchen Tagen eine stärkere Zahl der Zecher erwarten konnte. Was ging das aber ihre Tochter an? Im Herrenzimmer trug aber Marianka schon am Vorabend freudestrahlend das Gedicht vor, mit großem Pathos und lebhaften Gesten, - ״Vorzüglich! Großartig!“ lobte Borisowski, der ganz junge Gutsverwaltergehilfe, ein über das andere Mal und kniff dem jungen Mädchen in die rote, blühende Wange. ״Stuß!“ brummte der Vater, der den Inhalt des Gedichtes weder recht ׳ gehört, noch verstanden hatte, nicht ohne einen Anflug vo» Vaterstolz» ' Die Mutter aber, die zu spät kam und nur noch d^a Lob ihrer Tochter vernahm, machte sich, strahlend vor Freude und Stolz, daran, der Tochter beste Festkleider zu richten, damit sie morgen vor der versammelten^ Klasse^ und in Anwesenheit der Lehrerschaft und Geistlichkeit recht eindrucksvoll die Ansprache halte und das Gedicht von dem Immergrün des Tahnenbaumes und seiner Bedeutupg für die alleinseligmachende Religion der Liebe deklamierte , . . Vom Erfolge erzählte Merelaika zu *Hause nicht viel* Borisowski, der dabei war, sagte aber im Herren-; zimmer: v 1׳■ ׳ ׳ ״Es war ein herrlicher Anblick, Eine Gestalt wie

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