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Jüdische Presse · 1933-04-07 · 14-15 (7.4.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
14-15 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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April 1933 / *גיה ווינא־פרעסבווג יא׳ נים! תרצ׳ג 19. Jahr0. , . f־• , Von Knechtschaft zur Freiheit. Die Tragödie unserer jüdischen Brüder in Deutschländ wird dem. Pessächfest auf dem ganzen Erdenrund eine besondere Verinnerlichung verleihen. Man wird nochmäls und nochmals das Unfaßbare verstehen, das ,Eiementare begreifen wollen. Hundörttausende Juden in Deutschland haben seit Jahrzehnten keinen sehnlicheren Wunsch gehabt, als für gute deutsche Patrioten zu gelten. Kein anderes Bestreben, als ihr eigenes Fortkommen mit dem Wohl des Vaterlandes zU verbinden. Indes empfinden Millionen Deutsche jeden Juden als einen ekligen Fremdkörper, den sie, wenn es sein , muß, mit brutaler Gewalt ausscheiden wollen. Es wäre zu oberflächlich und töricht, über dieses Problem in irgend welchen Redensarten wie etwa ״Kulturlosigkeit", ״Barbarei״ ,״Rückfall ins Mittelalter“ hinwegzugehen, Eine Greuelpropaganda verdunkelt noch mehr das Problem, statt es aufzuklären. zu üben, Fehler auszusetzen :und den in Schmach und Schande Schmachtenden Vorwürfe zu machen. Die Geschichte und das Schicksal. der . Juden haben einen besonderen Begriff entstehen lassen, den Kiddusch- Haschern, das bedeutet: die Heiligung des g-ttlichen Namens, das Besiegeln der Tr&e zu G-tt durch das Erdulden von Martern. Äüch andere Völker haben Märtyrer. Keinem aber ward das Schicksal, durch zwei Jahrtausende das Martyrium zum Bestandteil ihres Lebens und ihrer Geschichteterheben zu müssen. Wenn aber das Leid in einem Volke zu einer ständigen Begleiterscheinung wird, so bekommt es auch seinen ver- Das jüdische Volk hat bereits eine mehr als zweitausendjährige Golüsgeschichte; eine Geschichte, deren Blätter vollgeschrieben«, sind mit jüdischen Tragödien in den verschiedensten > Ländern. All diese Tragödien 'wurden durph zwei Kräfte "bewirkt, durch den Willen der Volk er und dürch den Wi 1 len de r _Ju d e h. Es ist uns n i c h,t gegeben, den Willen der Vö I k e r zu ändern; dieser Wille wirkt gemäß der seelischen Ver> anlagung, gemäß der Lebensinteressen der Völker, allein unseren Willen zu meistern 1 iegi, in unserer H a n d. Aber welcher deutsche Jude hat. sich nicht für fähig und für bemüßigt gehalten, in irgend einer Weise die deutsche Wirtschaft, die deutsche Politik,״ die d e u t s c h e Kunst und Wissenschaft, die deutsche Presse und Literatur zu lenken und zu beeinflussen? Und wie wenige unserer deutschen Brüder waren zu der Auffassung zu bringen, vdaß sie in erster Reihe und hauptsächlich, unbeschadet eines tadellosen stattsbürgerlichen Verhaltens, sich" als ' J u d e n zu begreifen hab’en? Unsere Brüder und Schwestern in Deutschland, denen insgesamt ״alttestamentarische Laster“ ' und ״talmudische. Verbrechen“ angelästet werden, wie wenige ihrer haben dieses alte Testament gelesen und wie verschwindend gering ist die Zahl jener, die den Talmud verstehen. Aber alle insgesamt waren sie bestrebt, Goethe und Kant besser verstehen und interpretieren zu können als ihre arischen Staatsgenossen. Als die römische Nacht über Judäa so schwer lastete und Edikt nach Edikt gegen die Juden erlassen wurde, da ließ der hochgefeierte Lehrer seines Volkes,. Rabbi Akiba, nicht locker. Trotz der angedrohten Todesstrafe hielt er seine öffentlichen Lehrvorträge. Da kamen seine Freunde, darunter Papus, und warnten ihn, er möge sein kostbares Leben nicht aufs Spiel setzen. Rabbi Akiba ließ trotz der wohlgemeinten Ratschläge vom öffentliehen Thoralehren nicht ab. Die römischen Häscher fingen ihn ein, aber auch Papus wurde nicht verschont. Die guten-Freunde trafen sich im Kerker und da brach Papus in Wehklagen aus. ״Akiba“, so sprach er, ״ich habe dich gewarnt und jetzt beneide ich dich. Du weißt mindestens, warum du da sitzt. Du hast die göttliche Lehre nicht mit römischem Tand vertauscht; ich aber, armer Papus, ich weiß nicht einmal, warum ich hier leiden muß.“ Tausende und aber Tausende unserer Brüder und Schwestern in׳ Deutschland leiden jetzt, ohne auch nur zu wissen, w a r u m sie leiden .., Doch sie wissen soviel: sie leiden, weil sie als Juden geboren wurden. Daher ist ihr Leiden uns trotzdem und trotz allem heilig, Daher sei in dieser Stunde fern yon 1ms Kritik jmprime־iVI0ng0l, K S.v herrliche Dessins . s 7.25 Faltentergpe-Imprime, größteTieuheit. . . s 12.— Hahnenfuß-Flamisol, /feinste Ausführung . s 13.— Flamisol-Imprime, fesche Schotten u,Streifen . s 14.— Wollschotten, große Auswahl . . . . . . ׳־ .־. S 7.— Cr@pe Frappelaine, 130 cm, die neue Boucleart s 11.50 Shetland! 140 cm, Ia Kostümware, Reklamequal. S 12.— Mantelstoffe! 140 cm, reine Schafwolle, erslkl. .'S 14.— Duldner & Deutsch Vll, Keubausasse 10 Samstag geschlossen Samstag geschlossen tieften Sinn. Alles Leiden dient der Prüfung und der Läuterung. Dieser Läuterungsprozeß muß auch bei u n s, die so nahe zu den Geprüften stehen, mit elementarer Gewalt einsetzen. Wir wollen all unsere Brüder und Schwestern' zur Einkehr mahnen. Es rächt sich furchtbar an uns, wenn wir der Sitte unserer yäter und Mütter den Rücken kehren. Unsere Zuflucht kann nie das Gewissen der ״zivilisierten Völker“ sein, unser e igenes Gewissen muß rein sein, Wir müssen darüber Klarheit haben, ob wir den Schutz des Allmächtigen, auf den allein wir uns verläsesn können, verdienen öder nicht. .Wie steht es um unsere Kinder? Wissen sie, warum sie Juden sind? Wie weit reicht ihre Kenntnis über ihr Jude-sein? Wahrlich, unsere Jugend in Wien kennt jeden Fußballspieler und jeden Kinostar bedeutend besser als unsere Propheten und Tanaiten, Und. unsere Frauen? Ist das jüdische Familienhäus noch immer ihr Ideal? Oder strömen sie noch heute in die f?inos, um den Aufstieg des Hitlertums in allen!Phasen und Variationen der פסח תרצ״ג : 8745 Japresind esher,daß unser Urvater Awrohom geboren worden ist. Der erste Mensch, der durch eigenes Nachdenken den!einig-einzigen G-tt erkannte, unser, des G-ttesvolkes Stammvater, 3458 Jahre '.sind es her, seitdem : unsere Tfreitern dasfäem Awrohom: a/ngekündAgteEXilin: Aegypten antreten muß ten. Die Feier. der Befreiwng aus demselben fährt sich in diesen Tagen. Es war dies nicht nur die Befreiung' aus leiblicher Knechtschaft, sondern' auch die'HinatifführüHgyßur höchsten sittlichen und ethisehen Stufe durch die Offen barung; am Sinai. Was ״ wir:. Judqp in diesen 8245 Jahren an Leiden ertragen haben, hätte jedes andere Volk längst vernichtet. Nur unser unerschütterliche Glaube an unsere Mission, die Welt zu belehren, unser felsenfester Glaube, die Auf gäbe zu haben, G-tt und der Menschheit zu dienen, haben uns die Kraft gegeben und geben uns die Kraft, allen Unbilden und Verfolgungen standzuhalten und die Hoffnung auf eine bessere Zeit nicht zu verlieren. Wir feiern den heurigen Pes-, sach in gednickterer Stimmung, geben aber doch die Hoff-; nung nicht jauf, daß der Allgutige uns auch aus der jetzigen Not erretten und seinem Volke, aber auch der ganzen Menschheit Heil und Segen bringen wird: Wenn wir Einkehr in uns halten und uns dem religiösen Judentum wieder zuwenden, wenn wir finden, daß die Betätigung von Menschenliebe, von echtem Judentum und ganz speziell Thorapflege den Juden,erst zum riehtigen Menschen und Juden macht, können wir mit Vertrauen auf die'bqldige Hilfe. G-tte's rechnen: . ״ “; ' ־ל Wol'f~:P app e nheim. stummen und der Tonfilme mitzuerleben. Und wie,ist es. mit den Kaffeehäusern und anderen Vergnügungslokälen? Wahrlich, es wäre ein unschätzbarer Gewinn, wenn die jüdische Frau unter dem Peitschenhiebe eines schämlosen Feindes das eigene Haus, das altbewährte, reine, schutzbietende jüdische Haus entdecken würde. Und unsere Männer? Diese Lasttiere des Brotverdienens, wie ist ihnen der Glanz tjnd die Wärme des Sabbats in dem Alltagskampf verlorengegangen? Ein schreckliches Me-. , mento war es für uns alle, daß die Boykottschergen des Dritten Reiches am Sabbat ihre Posten bezogen und . die; jüdischen Geschäfte geschlossen werden mußten. Der. moderne wirtschaftsversunkene : 1 Jude; glaubte die Sabbatruhe opfern zu müssen und er opferte seine e i gen e Ruhe. Wahrlich,׳ den Willen des Feindes können Wir nicht ändern;. er handelt sicherlich gemäß seiner ' Natur, die: wir/seif Edom und Amalek her gut kennen. In unserer Macht ist es, unseren eigenen Willen zu lenken, unseren eigenen Willen mit G-ttes Wort und Lehre zu stärken. Diese Stärke wird uns dann die'Kraft geben, ungebeugt und Würdevoll den Schimpf zu tragen, den unsere Feinde u n s zudenken, in Wahrheit auf sich selbst werfen. Alles Leiden ist die Vorstufe der endgültigen Erlösung. Vor der Helle der Erlösungsnacht war die Finsternis, die nicht nur die Aegypter traf, sondern auch die Juden, welche ah eine Erlösung nicht glauben konnten^ Die Katastrophe, die über die Juden in Deutschland so gut wie vorbereitet und doch so plötzlich einbrach, verscheucht die Finsternis der dumpfen Glaubenslosigkeit und des gewinnsüchtigen Abfalles. Die heilige Nacht der Erlösung werden wir auf dem ganzen Erdenrund, vereint im Schmerze mit unseren Brüdern und Schwestern in Deutschland, verbringen, doch wird dieser Schmerz uns nicht niederbeugen; erheben qnd läutern wird er uns und erheben5 zu G-tt, der uns führt häute wie . dereinst in Mizraim von Knechtschaft zu Freiheit ... F. Die nächste Ausgabe der ״Jüdischen Presse" erscheint am Freitag, den 27: April d, Jr f|S IP!*piccinrlo ־ erhält bei mir ׳ ' ("l§M/y Wmw 4 äc ׳ UVIbRI.W schon Innerhalb 9 stundein ■־: «P eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte IPGIVUCICG ^.־^־ י mp DM h D QPDT1717 »«״״»»י״»*««••« PerUcken-KunttwerHftätte 1 t / Ul ulVlAll ubflirr Wien I, Kärntnerring 6 (Ä1b4rhw 1א' uÄe ] ' 17976717

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