Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 12 (24.3.1933)
- Date
- 1933-03-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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•’■'S *fe if p§p! י5יי§ו»א5* ■ffmiramMwaMal .U.'X £111 weiblicher Rasch* fiakökoU Endlich erreicht! Das Ideal unsere* Zionisten, den freuen den Weg in SM Kultusstube Ju ebnen, ist Von ihren Qesinnungsgenössen in Deutschland י ganz beträchtlich überholt worden. tn öuisbürg gelang es gar den Zionisten ihre Gesiünuttgsgenössin PrauAnna Levy zum — Wie heißt nur das Fefriimütti '־-!* Rösch-hakohol zu wählen, Diese; Dame hat also,das oberste und letzte Wort übe* alle wichtigen Fragen, die in eine* jüdischen Ge* meinde vörkotnhien. Dakann man wirklich nur das eine sagen; Arme jüdische Gemeindet Zusammenhalten! Unsere י Brüder in״ Deutschland leiden! Man erzählt von Drangsälieruhgeh und grausamem Terror. Deutschlands Juden, die gewöhnt waren für alle Welt ZU leisten und .zu ,spenden, die nie jemanden leer, ausgehen ließen, sie machen Schweres durch. Und überall, wo CS Juden gibt, wird mitgelitten, wird mitgefühlt mit diesem Schmerze. Nur die Zionisten und ihre Presse halten den Augenblick gekommen, um an Stelle von Mitleid und Trost, Hohn und Ironie zu senden. Wir sind über den Verdacht erhaben, mit dem C. V., dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus, zu halten. Wir haben schon oft seine, vom . Wahren religiösen1 Judentum weit entfernte Ansichten kritisiert. Aber in der Zeit schwerster Not und Gefahr mit höhnischen Vorwürfen, mit schadenfrohem Grinsen und Besserwissen zu kommen, ohne natürlich auch nur einen anderen Weg ,zu zeigen, ist unfein, unedel ' ist echt zionistisch! Warum' soll män nicht auch an diesem Feuer sein politisches Süppchen kochen können? Wir aber wollen zu Haschern unsere Gebete senden und den Tag ersehnen, von dem es heißt דר,יה כייס ההוא. ותקע בשופר■ גדול■ ובאו׳ האובדים בארץ אשור׳.והנדחים; בארץ ■מצרים והסחר,וו לה׳ בהר הקודש בירושלים. An jenem Tage wird in das große Schofar geblasen, dann kommen die sich verloren haben im Lande Aschur und die Verstößenen im Lahde Mizraüm und wsrfei Mch nieder vor dem Ewigen auf dem leiiiph Berge m Jeruschölajim! »*will« iiüiiiiili Zionistischer Handel mit Zertifikaten. .Wie Aus Warschau gemeldet wird, ist die zionistisehe Vereinigung ,,Rechaluz“ aufgelöst worden, weil die Leitung derselben die ihr zur Verfügung stehenden Zertifikatefür die Einreise nachPaläsGnaVe r k a u ft hat und die Gelder in ihre Privat lasche gelangen ließen. Das Büro der Vereinigung wurde vom zionistischen Zentral- Vorstand verschlossen und die leitenden Mitglieder derseihen ihrer Aemter verlustig erklärt, ff m Etwas über Reklame Wag ■st Reklame t Die ersten Werbeb r ief e und Prospekte allerdings lassen sich erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts nachweisen, während die Plakate sogar nur auf ein Alter Von CtWä 70' bis 80 Jahren zurückblicken können. Als das Land, in welchem Reklame die größte und wichtigste Bolle im Geschäftsleben spielt, gilt heute A m e r i k a, wo selbst die Grabsteine von Reklame-Aufschriften nicht verschont bleiben. Deutschland, Schweiz und, Frankreich nehmen die ersten Plätze im europäischen Reklamewesen ein. Heute Weiß jeder Kaufmann, daß er׳ der Reklame ׳nichi cntraten kann und | daß jeder Geschäftserfolg von dem {§ Erfolg einer ges c h i c kt e n P r op a g a hi da! abhängig ist. Aussprüche, wie: ״ich brauche i§ keine Reklame, man kennt mich“ oder ״Ich bin | auch ohne Reklame groß geworden, Reklame verj§ teuert die Ware“, gehören bereits der Verganl genheit an. Streng rituell... wird Kunerol erzeugt, in modernen,appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100% •ges Pflanzenfett Seine besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirks - rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt 100% REINES KOKOSNUSSFETT 1 ׳/.V'fii'iYrM ‘■Kt1! Li ►Ir Vonftabbtoer wSi ■.'■■■ perBerieM von der Errichtung de« Stiftszeltes, der v zugief^fi Mit dem zweiteh fiueh der Thöra schließt, umfaßt ihsgesamt 248maldas Zeitwort: -! das je flach selbem ZusaMMehhähg ib; seinen verschiedenen Formen Wiederholt wird. Diese BuÄme entspr ieht' derjenigen der ib Mischaa Oholoth T, S aufgezählten m Glieder des menschlichen Leibet. Der Hinweis, de* ib dieser Uebereto- Stimmung liegt, lehrt uns, daß dieArbeitam Heiligtum niebt etwa nur, wie Menschenverstand - glaubt, das He« der Seele und die Weihe des Geistes fördere und bewirke, sondern daß auch das Heil des Körpers ubd die Gesubd- ־ heit des Leibes ib der Aufrichtung ubd dem Ausbau eines g-ttgeweihteb Heiligtums ihre Gewährleistung finden. Die beste Bürgschaft für die Gesünderhaituag des mehschlicheb Gesamtorganismus ist ubd bleibt die Beschäftigung mit dem Heiligeh und G-ttlichen, * Es ist darum keiii Zufall, daß in unserer jahrcszeitticheb Rechnung die ,Entstehung des StiftsZeltes und der Frühling der Natur auf den gleichen Zeitpunkt fallen. Denn der Eintritt der g-ttlichen Schechina ib den Menschenkreis steht in innigster Verbindung mit dem Erwachen aller Kräfte im Organismus der Natur wie ib dem des Menschen. Daher erging an Moses der Befehl: ״Am ersten Tage des ersten Monats sollst du die Wohnung . des Stiftszeltes aufstellenפקודי) ״, Kap. 40, Vers 2>. Mit der Errichtung des g-ttlichen Heiligtums zieht eine allgemeine Erstarkung und Erneuerung durch die ganze belebte Welt. Allein, noch in den Jahrhunderten, seit diesem einmaligen Ereignis in dem zweiten Jahre der Wtistenwanderung will die Schechina alljährlich zu Frühjahrsbeginh ihren Einzug in unsere Mitte halten. Sie ladet uns in den Sedernächten unter ihre Fittiche, aber vorauseilend ruft uns ihre Stimme schon, an der Wende des Jahres und in der Woche, die uns Jahresanfang bedeutet, mit den Worten: ״Dieser Monat sei euch der Anfang der Monate, er sei euch der erste unter den Monaten des Jahres.“. Da vernimmt Israel, so meint der Midrasch, die ״Stimme des Freundes, der kommt, springend über die Berge", um* sich alljährlich aufs neue sein Volk zu dessen Läuterung und Heiligung zu holen. / . Diese פרשת ה ה ד ש. die wir an jeder Jahreswende verlesen, trägt die besondere Bestimmung, daß sie mit•. der vorhergehenden ,פרשת פרד ohne Unterbrechung durch einen dazwischenliegenden Schabbos verbunden sein muß. Im Talmud (Jer. Magg. IV.) wird diese Bestimmung unter Hinweis auf eine gleichlautende Vorschrift begründet, nach der am Seder-Abend der vierte Weinbecher ebenfalls ohne Unterbrechung durch ein fremdes Getränk auf den dritten folgen muß. Bekunden wir nämlich mit den drei ersten Bechern unsere Dankbarkeit für die . drei Etappen des ägyptischen Erlösungswerkes: ז הוצאתי , die Freiheit aus den Lasten, והצלתי, die Rettung aus der Knechtschaft und וגאלתי, der erlösende Auszug, so bringt erst der vierte Becher den Dank für die ' positive, heu empfangene Bestimmung zum Ausdruck: ולקחתי , die Erwählung zum G-ttesvolke! Und nicht minder stellen auch die ד׳ פרשיות die Stufen der nationalen Entwicklung dar, die zur höchsten Vollendung führen. פ׳ שקלים , die Vervollkommnung des äüßeren Besitzes durch die. g-tt-: gewollte Selbstbeschränkung, פרשת ובור , die Vervollkommnung im Gebiete des Sittlichen durch Üeberwindung der verderblichen Kräfte, פרשת פרה , die Vervollkommnung der Gedankenwelt durch Beachtung der ihr in G-tt gesetzten Schranke.. Dieser dreifache Aufstieg führt nunmehr in unmittelbarer Verbindung zu פרשת החדש , zum g-ttlichen Befreiungsruf aus Knechtschaft und Elend, zur Berufung Israels als G־ttesvolk. Mit diesem Ruf erlebt Israel alljährlich seinen Frühling, der ihm immer wieder Trost und Hoffnung und sonnige Heiterkeit ins Herz jubelt! ׳; | FEUILLETON ■ Ein Universalgenie. Von I. Bawinsld. ' Ihr fragt mich, was ich kann? Seltsame Frage. Fraget lieber* was ich nicht kann. Eigentlich hin ich Mel am ed von Beruf. Schon seit lange her, seitdem mein Schwiegervater ineine Mitgift verlor und mir obendrein noch die ausgemachte Freikost auf kündigte. Damals wurde ich Melamed, das heißt, ich beschloß, mich selbständig zu machen und einen Cheder zu eröffnen. ״Du und ein Cheder?“ höhnte meine Frau Chanoh Deborah, die mich für einen ausgemachten Schlemihl hält. Aber sie; sollte Augen machen! Also hatte ich einen Cheder, in dem alles zu haben war. In meinem Cheder konnte sich jeder nach Wunsch bedienen; Wollte jemand Gemoroh, hier Gemoro! Chumisck mit Raschi? Warum auch nicht? Ein anderer will gar Hebräisch mit Grammatik, Lesen und Schreiben in allen siebzig Sprachen. Ich sage immer: Ja.1 Nur Mut, anpacken! Es wird schon gehen, Da tauchte aber plötzlich wie aus der finsteren Nacht ein ״Herr Lehrer" im Städtchen auf, brachte ein Ding mit, das er ״Methode“ nannte, undalles im Städtchen sprach auf einmal von dem ״Herrn Lehrer“ und seiner ״Methode“. ״Hebräisch in Hebräisch!" ״Ibrit b’Ibrit!“ Er hatte ein glattes Gesicht, eine: Brille und ’ einen kurzen Rock an und seine Schüler grüßten: ״Schalom!“ Das machte Eindruck. Ich laufe zu den Eltern und schlage Lärm* ״Was wollt ibr, verbohrte Köpfe, mit der ,Methode': was: taugt euch das ,Schalom‘? Wollt ihr, daß ,nach hundert; Jabren‘ eure Kinder auf Türkisch für euch* sagen: ,Jitbgada' we Jitbkadascb scheine rabba?‘ Wer wird das oben verstehen? Laßt doch ...eureKtoderlieber einen Perek Mischnajös Jemen!“ Sie lachten wich aus, Nun muß es nicht geraÜe Melawed sein. Ich bin auch ein wenig Pb äsen, in der Scbneiderklaus nämlieb. Leicht ist US nicht, rait den Schneidern auszukommen. Sie wellen rasch fertig־ sein, und so entsteht mitten in ׳ meinen schönsten Gesängen ein Schreien und Klappern . :;mit den Pultdeckeln, daß ich ganz aus der Melodie komme. I So wollte ich ilmen decb eine Lektion erteilen und fuhr | zu den hohen Feiertagen in ein nahegelegenes Dorf, um dort vorzubeten. Viel kam dabei nicht heraus. Versprochen haben sie mir im Dorf viel weniger als in der Schneiderklaus, und gezahlt haben sie noch weniger. Aber die Schneider haben doch einmal gesehen, daß, es ohne mich noch viel schlechter gehe, das genügte mir ... Ich hin auch Baal Tokea. Den ganzen Monat Elul blase ich mich ein. Viele kommen zu mir, um die Kunst des Schofarblasens zu erlernen. Nur am Roschhäschono selbst bringe ich keinen Ton heraus. Ich schwitze Blut, ich seufze, ich atme tief und blase mit aller Lungenkraft, der Vorsager weint: ״Tekiöh, Tekioh!“ und wieder ״Tekioh!“ und der Schofar wie zugefroren, als hätten sich alle Geister׳ gegen mich verschworen. Ich werde blau und weiß und rot und wieder weiß,Und öffnete sich eine Grübe vor mir, ich würde vor Scham, und Schmerz hinabsteigen. Endlich gibt es ״Tdkioh!“ —■ nachdem .mir ein anderer den Schofar aus der Hand gerissen hat ..." Außerdem bin ich noch Sofer. Ich binde einen Tefillinknoten und kann auch einen Get unterschreiben. Zu Hause schreibe ich ganze Bogen voll, und alles bewundert meine Kunst. Kaum bin ich aber im Rabbinerhaus und soll einen Get unterschreiben, da zittern mir die Hände wie im Schüttelfrost. Die Unterschrift' ist fehlerhaft, der Get unbrauchbar, der Rabbiner ist außer sich vor Zorn. Alle Arbeit umsonst. . . , Es hat sich sogar schon ereignet, daß durch meto unglückliches Benehmen ein Ehepaar ״ungeschieden“ davonging und .sich wieder geeinigt bat, Abgesehen von all dem, bin ich Schochet, das heißt nicht von Beruf und das ganze Jahr über, nur aushilf8י weise vor Jomldppur, da die beiden Schächter für die Kapores nicht ansreichen. Leider geriet ich mit den Schächtern in einen Streit und mache seitdem nicht mehr mit, Dgs ging so zu: Ich bin nämlich ein Mensch, der es nicht liebt, sich zu übereilen, Langsam, gemach, eines nach dem anderen! Die Weiher sind aber erregt. haben Eile, stürzen mit ihrem Hühnern herbei und überschreien sich: ״Mir erst! Mir erst! “ Ich bewahre Rube. Aber die Schäch־■ ter schreien mich ah, ich sollte mich beeilen, Da beeilte ich mich und machte zwölf Hühner hintereinander trefe. Nun bricht ein ohrenbetäubendes Weibergeschrei aus. Da•^ zwischen schtoa^en cü® Schächter^ Gäasehjuhgen lachen, Da werde ich ganz verwirrt und statt, das Schächte messer mit der Rückseite in den Mund zu. tun und das ge* schächtete Huhn htozuwerfen, stecke ich das Huhn, mit der Kopfseite in den^ Slunä und werfe das Messer weit ypn mir, daß es erst eines der schreienden Weiber ain Fuß vereltzt und dann in Stücke zerbricht. Daß sich nicht die-־'erregte Menge auf mich warf, um mich in Stücke zu zerreißen, hatte ich nur dem Umstande zu verdanken, daß ich von oben bis unten stark b l u t e t e. Das Blut strömte mir aus Hals und Mund. Juden können kein Blut sehen und sind mitleidig . . . Zum Glück rührte das Blut, ich wußte es erst selber nicht, vom geschächteten Huhne her, das ich in den Mund getan hatte. G-rtt verläßt seine Gerechten nicht. Aber mit dem Aushilfsdienst bei den Schachtern war es für immer aus, obwohl sie ein über das anderemal beteuerten, ״sie brauchten mich auf Kaporos . . ." Nun hätte ich beinahe vergessen, zu erzählen, daß ich schließlich auch noch Schadchen bin, In Wahrheit gesagt, habe ich noch keine Partie zusammengebracht ,das heißt, einmal ja, aber das Paar ließ sich schon nach einigen Wochen scheiden, bevor ich meine Provision erhielt. Ich darf sie als verlöret! ansehen. Aber täglich7 schreibe und erhalte ich Briefe in Heiratsangelegenheiten. Leider habe ich wenig Glück; Ich stoße entweder auf Mädchen, denen kein Schadchen in der Welt mehr helfen kann, oder auf solche, die keinen Schadchen brauchen, weil sie schon die jungen Männer von allein finden . . , Eine neue Welt! Einmal hätte ich schon um ein Haar etwas Rechtes zusammengebracht; e r wollte nicht, s i e wollte nicht. Da schrieb ich ihm meine richtige Meinung, daß er nichts sei und hätte und froh sein sollte, daß ihn überhaupt noch ein Mädchen anschaue. Und i h r schrieb ich, worauf sie sich eigentlich so einbilde, ob sie nicht wisse, wie alt und häßlich sie sei und noch obendrein nichts besitze als ihr böses Mundwerk. Da fügte es ein unglückliches Ziusammehtreffen, daß ich die beiden Briefe verwechselte, e r de*( Brief erhielt, der für s i e bestimmt war, und umgekehrt si e den für i h n hestimmton; Kuh erfuhr jeder Teil gengk, wie der a n 4 e r e war und; aussah, und damit war ״ die >;Sacke.ydeder.-aus.ץ■:;]■■;..: \ ׳." :■Aber■ nicht.' das. was ich erzählen wollte. Ich wollte mich euch nur yorstelien, daß ibr wißt, daß nicht irgendwer vor euch steht, sondern ein Mensch mit vielseitigen Talenten, Für Pärhdso reicht es zwar nicht hto.., Aber man lebt sich so durcb, macht ״Schahb08“ und zieht neun Kinder groß, sollen alle leben und gesund seip .... Meto Weib behauptet zwar, ich sei ein ausgemachter Schlemihl, Aber man muß nicht alles glauben, was Weiber IS