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Jüdische Presse · 1933-03-10 · 10 (10.3.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
10 (10.3.1933)
Date
1933-03-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife2-־ ,tiiöisctfi pmm Nft 10 11 f I ifi 9 (11§feen 11 sindיי, Im \n pnU und Qualität / Gfätiäbefätemg dufth erst- Massige Architekten / Beachten Sie d>| Ädle|se: Wien l, Schoitenrlng Nr. 35 Samstag geschlossen (*Sdfiomfä'- «**-*«-<׳־ •**־ der schmerzhaften Krankheit und wochenlang sandte die Wiener Orthodoxie ihre innigen Gebete ,gen Himmel und hoffte, daß im B^hüß Tefilas Rabbim doch, wenn die irdische &Ö& auch schon versagte, ein Wunder geschehen, und daß dieses teure Menschenleben seiner Famiüe, seiner Gemeinde und dem Welt Judentum erhalten bleiben werde. Der unerförschliche Ratschluß der g-ttliehen Vorsehung hat es anders gewollt. Der Kräfteverfall, der am. Mittwoch vorher eingesetzt hatte, schritt unaufhaltsam mächtig fort und am Schabbos früh, als draußen die Sonne in ihrem ewigen Kreislauf die ersten Strahlen Über die Welt sandte, neigte sich unsere Sonne im Sterbezimmer Und das Licht, das Von Rabbi Baumgarten זצ»ל so mächtig ausstrahlte, erlosch. Rabbi Josef Baumgarten war einer jener seltsamen Gestalten, die weder durch Geburt, noch durch Rang, sondern durch ihre Persönlichkeit selbst die ungeheure Geltung erlangt haben, zu der sie kamen. Seine Mutter hatte er fast nicht gekannt. Mit kaum drei Jahren verlor er sie bei der Geburt seiner zweiten Schwester. Sein Großvater Rabbi Avigdor Fischer זצ׳ל einer der letzten Zadikim, die im vorigen Jahrhundert noch in Mähren lebten, nahm den verwaisten Knaben, nachdem sein Vater eine zweite Ehe eingegangen war, zu sich nach Kremsier, wo damals noch חורה beheimatet war. Bis zur בר מצוה blieb er dort, um dann von seinem Großvater, der den neuen in Mähren um sich greifenden Geist mit Besorgnis verfolgte, nach Ungarn gebracht zu werden. Damals schon erregte der zarte Knabe durch sein ungewöhnliches Können Aufsehen. Vier פדריש משניות kannte er wortgetreu auswendig. Zu Füßen seines Meisters lernte er bis zum Tode des התן שופר זצ׳ל und ehelichte bald darauf die Nichte seines Meisters, Resele Stern ע*ה die Tochter von ר׳ שלמה בער שמעדן זצ׳ל aus Szerdahely. Nach kaum 18 sJahren wurde diese glückliche Ehe durch den Tod der Gattin ■ע־ד zerstört. Seit dieser Zeit war er Vater und Mutter seinen neun Kindern, deren Aeltestes dem Kindesalter noch nicht entwachsen und deren jüngstes, sein nachmaliger Amtsnachfolger הר*ר שלמה בוימגארטען •י׳ noch nicht zwei Tage alt war. Was er für Wien vom Anbeginn an gewesen, erzählt jeder Stein des jüdischen Wien. Aber sein Lebenswerk schuf er erst nach dem Krieg. Heimat- und inhaltslos strömte die um ihre besten Jahre gebrachte Jugend aus den Schlachtfeldern heim. Er sammelte sie mit dem Mahnruf seines' prophetischen Wortes um das Banner der Orthodoxie und der חורה• Bis in die Mitternachtsstunde lehrte er in den Winternächten seinen Schiur רמבי und jung und alt lauschte seinem klaren Vortrag. Seine Schabbosnachmittag-Vorträge waren ein Erlebnis. Die 9ןי׳ war eine Manifestation der Liebe und Anhänglichkeit der Wiener Judenheit. Schon am Schar»־ bos vormittag waren der Vorstand der Adas Jisroel, des Beth Hamidrasch mit •Vertretern der Familie zusammengetreten, um die am Schabbos möglichen Vorbereitungen zu treffen. Die Jugendgruppe der Agudas Jisroel hatte abwechselnd eine Gruppe von חלמיד י ins Sterbezimmer gesandt, die dort die letzten Stunden, die der Heimge• gangene in seiner Stube verbrachte, lernend bewachten. In den frühen Stunden des Sonntagmorgens begann der älteste Sohn des Heimgegangenen, David Baumgarten, die Reihe der Hespedim. In erschütternden Worten zeichnete er ein scharf umrissenes Bild seines großen Vaters, mit allen jenen unvergleichlichen Vorzügen, die ihm innewohnten. Die Symphonie eines Lebens, das Heiterkeit und Ernst, Liebe und Strenge zu einem einheitlichen Ganzen ini Dienste G-ttes vereinigte, klang aus seinen Worten noch einmal in meisterhafte Rede an das Ohr der erschüttert lauschenden Zuhörerschaft. Hunderte von Anhängern, die, der Anordnung des Schiffschulvorstandes entsprechend, die Mikwah auf gesucht hatten, waren da um die מיטה aus dem Trauer-; t - - . ־ mm ih die inzwischen überfüllte Sehiffsehut zu bringen. , Ehe der א»ן m die JSehul getragen wurde, erfüftten die erschütterten Träger noch eine Pietätapfiicht, indem sie den Sarg in das leere טית המדרשי trugen^ um den gteimgegingehen zum letztenmal durch die Stätte seines Wirkens zu tragen. Kurze ,Minuten waren es, die hier Jahrzehnte abschlossen. Im Schul wurde die vor den *וזי־ויי ^gestellt und אדמו• ר bestieg die Stufen, um von seinem unentwegtesten Freund persönlich, um von seinem hingebungsvollen Mitarbeiter als מרא יאחרא erschütternden Abschied zu nehmen. Es war ein unbeschreibliches Wehklagen durch die Massen gegangen, als das greise Oberhaupt der Wiener Orthodoxie in kurzen und prägnanten Sätzen den Verlust beklagte, den er, den die Gemeinde und den alle, denen die Sorge tun das orthodoxe Judentum am Herzen liegt, erlitten haben. Kein anderer wäre imstande gewesen, in der Kürze der Zeit, die noch gekürzt wurde durch das stellenweise eruptiv aüsbrechenende Weinen, all das Zu sagen, wie אדמו־ר Nach ihm bestieg der junge hoffnungsvolle Dajon der Schiffschul, der jüngste Sohn des נפטר Rabbiner Salomon Baumgarten die Stufen, um, soweit es in seiner fassungslosen Erregung möglich war, kurze Worte des Abschiedes zu sprechen. Anknüpfend an den Hesped, den sein Vater זצ׳ל seinem Schwiegervater זצ*ל vor zwanzig Jahren hielt, beklagte er die Zerstörung dieses Heiligtums, dal■ kein anderer besser kennen konnte als er, der als בן זקונים all das in sich aufgenommen hat, was er zu Füßen «eines heimgegangenen Vaters zu lernen imstande war. Mit kurzen Worten dankte er der Gemeinde die T1*eue, die sie dem großen Toten bewiesen hatte, und auch zuletzt noch bemüht war, was irdisch an Reb Josef 'Baumgarten לצי ל war, in- Wien zu behalten. Er entschuldigte den Wunsch der Familie, der diese Absicht unmöglich machte. Mit der משנה in כל הלומד חורה : אבוח לשמה זוכה לד׳ הרבה zeichnete er einige kurze Bilder aus dem Leben des Verblichenen, um dann mit tränenerstickter Stimme, nur für die nächste Umgebung hörbar, Worte des Dankes und des Abschiedes zu sprechen. Oberrabbiner Akiba Schreiber שליט״א aus Preßbürg, der inzwischen eingetroffen war, würdigte in meisterhafter Rede den Verlust der Welt-Orthodoxie, die einen ihrer treuesten, unentwegtesten, zielbewußtesten und zielsichersten Kämpfer verloren hat. Tief ergriffen sprach er dann als Verwandter Worte der persönlichen Erinnerung und des persönlichen Abschiedes. Herzergreifend nahm dann noch Herr Kom.-Rat Siegmund Bondi, der Roschhakohol der Adas Jisroel, namens der Gemeinde Abschied. Schlichte, mächtig wirkende Worte, die aus der'Tiefe seines Herzens kamen, waren es, die alle Anwesenden hinrissen. Herr Oberkäntor Braun sang ein erschütterndes אל מלא״רחמים , das sich zu einer klangvollen Wehklage steigerte, als er, von Schluchzen unterbrochen, nur 'schwer den Namen des Verblichenen hervorbrachte. Die - נושאי המטה trugen den Sarg durch das stumme Spalier der Trauergemeinde, geleitet von den in musterhafter Disziplin den Ordnungsdienst versehenden Mitgliedern der Jugendgruppe, hinaus auf die Straße, wo inzwischen sämtliche Großrabbinen von Wien, an der Spitze der Czortkower Rebbe שליט״א der Husyatiner Rebbe שליטיא der Kopeczinzer Rebbe שליט*א die Rebbeim von Sadagora ש*י eingetroffen waren. Eine unübersehbare Trauergemeinde folgte dem Sarge big zur Schwedenbrücke, der nach Mattersburg überführt wurde. Ein Sonderzug der Südbahn brachte die nach Hunderten zählende Schar der Trauernden nach Mattersburg. Hier wurde der ארן vorerst in das בית המדרש gebracht, in welchem der Heimgegangene den Grundstein zu seiner Seelengröße in jahrelanger Arbeit gelegt hatte. Aus diesem בית המדרש hinaus hielt dann Oberrabbiner Ehrenfeld ני׳ Mattersburg, seinen erschütternden Hesped. Es war ein ergreifendes Bild, den Enkel seines Meisters, im Türrahmen des בית המדרש stehend, den Lieblingsschüler seines Großvaters, trauernd würdigen zu hören. Alles, was er sagte, waren Stichworte eines großen Lebensbildes. Am בית החיים sprach noch Herr Oberrabbiner Kraus»׳! Lackenbach, im Namen der bürgenländischen Orthodoxie und Herr Mayer Klein aus Budapest für die ungarische Orthodoxe Landeskanzlei של פסח 1 Schokolade und Kakao | | Nur In bester Qualität | ן Briinauer G.m.b.H. 1 ן Wien XII, Höfffieistergässe Hf,!0 g Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn 1 ן Rabbine! H. Schenk 3 ^11111111111111111111111111111111111|||||||||||||||||||||||1||||||||||||||[||||||||||||||||||||||||||||ןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןןן^ und seine Heimatsgemeinde. Die הקפוה folgten, von Kantor Kunstadt ergreifend Vorgetragen, worauf die נוטה z um offenen Grabe, das sich in der Rabbonim- Reihe, in der Nähe des ציון של בעל התן שיפר זצ׳ל befindet, getragen wurde. 1 ' Hier legte Siegmund Stern für die Weitere Verwandtschaft und für die in der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe vereinigte thoratreüe Jugend Wiens, ergriffen, ein ergreifendes Bekenntnis zu dem Lebenswerk des heimgegangenen Führers, Freundes und Familienober.- hauptes-ab und beteuerte namens seiner Freunde, treu festzuhalten an dem Vermächtnis, das der *נפטן durch sein Wirken allen jenen zurückgelassen hat, die zu den Nutznießern seiner Tätigkeit zählten. Erschüttert verließ die Trauergemeinde den ״Rosengarten“, wie der התש שופר ןצ׳ל das Mattersburger בית הה״ש einst genannt hat, in dem schmerzlichen Gefühl, daß — wie der greise Lackenbacher Raw in seinem Hesped sagte — eine neue Blume hierher verpflanzt wurde, deren Duft unwiederbringlich fehlen wird, wo sie geblüht hatte. Baumgarten זצ*ל vergänglich war. In Wien war die Gemeinde schon am nächsten Tag wieder zur gemeinsamen Trauer versammelt, um die ergreifenden, schlichten Worte der Würdigung, die Rabbi Pinchas Breuer»־; am Montag abends im בית המדרש sprach, zu hören. Nach ihm kam Rabbi Simon Schreiher י•; aus Nitra zum Wort, der in tiefgefühlten Worten dem Schmerz der Talmidim, zu deren hervorragendsten er zählt, Ausdruck verlieh. Am nächsten Abend sprach Herr Salomon Schreiber, Obmann des Bes-hamidrasch, und gab dem Schmerz der engeren Freunde, zu denen er. in erster Reihe zählte, beredten Ausdruck. Am selben Abend veranstaltete die Agudas- Jisroel-Jugendgruppe in ihrem großen Vortragssaal einen Hesped, den Herr Samuel Stern ergreifend hielt. Am Mittwoch Abend sprach noch Herr Albert Breuer im Bes-hamidrasch. Der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel in Wien, dessen Mitglied Rabbi Josef Baumgarten ל• war, der durch Krankheit und Abwesenheit mehrerer seiner Mitglieder nicht in der Lage war, eine öffentliche Trauerveranstaltung zu machen, hat in einer Sitzung am Donnerstag dem großen Schmerz über den schweren Verlust, den das Judentum durch das Ableben von Rabbi Josef Baumgarten ןצ*ל erlitten hat, Auadruck gegeben. — — — Die Agudas Jisroel wird sich an der Anregung des Herrn Rabbiner Abraham Heschel, eine Stiftung auf den Namen des Verblichenen in Erez Jisroel zu errichten ,maßgeblich beteiligen. Alle, alle wußten Neues, wußten Ungehörtes zu berichten und alle konnten zusammen doch nur die schwachen Konturen eines Bildes zeichnen, das nur ein Schöpfer zu formen imstande ist und dessen Glanz nunmehr verblaßt ist. ,Wir Lebenden, die wir noch einen Abglanz seines Seelenlichtes in uns tragen, wir wollen bestrebt sein, sein Bild in uns lebend zu erhalten und es unseren Kindern zu vererben, bis die Toten erwachen und alle Tränen getrocknet sein werden und bis הקבד die um Rabbi Josef Baumgarten Trauernden getröstet haben wird mit allen anderen Trauernden um Zion und Jeruschulaijm. תנצב־ה. ןי»ע * Ueber die Trauerfeier versendet die Adas Jisroel eine amtliche Mitteilung, aus der wir entnehmen, daß. Miedersalon LOLA GRÜHWALD seb. Schiff I Wien II, Leopoldsgasse 22 I Fregoli-GUrtel in ieder Ausführung, Büstenhalter, Bauchu. Umstands- I binden Reparaturen werden exakt ausgeführt | ZeitgemüOe Preise I | FEUILLETON _■ Die Chronik des Rabbi Meier Hakodosch aus Brody. (Schluß.) Wir verließen das Stadtgericht, und ich wurde in einem Kloster interniert. Der Graf verhieß demjenigen Geistlichen eine hohe Belohnung, dem es gelingen werde, mich zum christlichen Glauben zu bekehren. Ich blieb im Kloster etwa zwei Wochen, solange der Prozeß schwebte. Nach zwei Wochen erging im Namen des Königs der Gerichtsbeschluß, ich sollte vor dem Obertribunal erscheinen und dort verhört werden. Während nun der Be- Schluß ausgefertigt und durch einen Gerichtsboten nach dem Kloster geschickt wurde, eilte der Graf zu der Gemahlin des Wojwoden und bat sie, sie möchte mich unter ihre Obhut nehmen, vielleicht werde es ihr gelingen, mich zu bekehren. Sie schickte sogleich zu dem Wojwoden und ließ ihm sagen, sie wolle mich sehen. Ich wurde zu ihr gebracht, und sie fand Gefallen an mir. Sie behielt mich bei sicl^ uud sagte zu mir: ״Glaube nicht, daß du wieder zur jüdischen Religion zurückkehren kannst. Du mußt zu unserem Glauben übertreten. Sträubst du dich dagegen, so mußt du zum Grafen zurückkehren und er wird mit dir verfahren dürfen, wie es ihm gut dünkt. Also höre Ueber auf mich, und alle deine Wünsche werden erfüllt werden.“ 'U Ich erschrak über diese Worte. Aber mit fester Stimme erwiderte ich ihr: ״Und wenn du mir dein ganzes Vermögen geben würdest, so werde ich meinen Entschluß nicht ändern. Auch dann nicht, wenn du mich noch mehr peinigen und quälen würdest, als man es bisher mit mir tat!“ ׳ Der .Vorsteher der Juden und meine Verwandten wateten inzwischen am Eingang des Palastes, um zu erfahren, was vorgehe und was die Gemahlin des Wojwoden von mir wollte, ich wurde w ihnen hinausgeleitet und erzahlte ihnen das. "Vorgefallene. Ainr sie konnten, zunächst nicht glauben, daß dies ernst sei, denn die Gemahlin des Wojwoden war als eine edie Frau bekannt, der niemand eine so ungesetzliche Tat zutraute. Sie begaben sich zum Wojwoden, und trugen ihm die Sache vor. Aber er erwiderte verlegen: ״Meine Gemahlin wünschte den Knaben kennenzulernen. Und ich kamt vorläufig nichts tun.“ Als die Juden dies hörten, wurden sie auf das tiefste bestürzt. Meine Verwandten fielen vor dem Wojwoden auf die Erde und, flehten ihn weinend an: ״Gnädiger Herr, du bist ein Mann des Rechts und der Wahrheit. Du hast die oberste Gewalt in unserem Lande, und keiner darf es wagen, dir zu widersprechen. Du weißt, daß bisher niemand imstande war, den Knaben, sei es mit Milde oder mit Strenge, seinem Glauben abspenstig zu machen. Laß’ es nun mit seinem Leiden genug sein, und gib ihn uns zurück!" . Der Wojwode war tief bewegt, denn er war ein rechtlich denkender und edler Mann, und er sagte: ״Habet י keine Angst und gehet ruhig ncah Hause! Augenblicklieh ist es mir unmöglich, euren Wunsch zu erfüllen; denn ich werde von den mächtigen und einflußreichen Geistlichen und Prälaten bestürmt, ich solle den Knaben mindestens ein Jahr noch im Kloster lassen. In dieser Woche siedle ich nach dem Schloß Lanskrone über, und werde den Knaben mit mir nehmen. Kommet auch ihr dahin, ich werde sehen, was sich tun läßt.“ Und dabei blieb es. Am ersten Nissan zog der Wojwode nach dem Schlosse Lanskrone. Der Vorsteher R. Meier Hirsch Rapsch und mein Verwandter R, Todros begaben sich ebenfalls dorthin. Am anderen Morgen, als der Wojwode noch zu Bett lag, erschienen die beiden im Schloßvorhof, und die Diener meldeten dem Wojwoden, daß die Juden draußen seien. Er gab den Befehl, sie einzulassen. Sie traten unter tiefen Verbeugungen ein und näherten sich dem Bett. Mein Verwandter R, Todros warf sich vor ihm zur Erde, und bat unter heißen Tränen: ״Gnädigster Herr, der du Recht und Wahrheit liebst, gib uns das arme unruhige Kind heraus, denn es hat nichts begangen, sondern ward gestohlen, vom Stamme der Hebräer. Warum soll es un schuldig in Gefangenschaft schmachten? Blicke doch auf meine grauen Haare und erbarme dich meiner, denn sonst ist es auch mein Tod!“ Auch der Vorsteher Rabbi Meir fing an zu bitten und zu flehen. Und beide erhoben ihre Stimme im Weinen. Das ergriff und rührte das Herz des Wojwoden auf das tiefste und von Mitleid übermannt, sprach er: ״Ich fürchte G-tt. Ich habe mich überzeugt, daß dieser Knabe tausendfach versucht wurde und alle Versuchungen bestand. Nehmet ihn mit euch! Ich weiß es, daß mir große Unannehmlichkeiten daraus erwachsen werden. Aber das Recht ‘ und die Wahrheit stehen mir höher. Gehet in Frieden nach Hause!“ Die beiden vernahmen jubelnd diese liebreiche Rede und fielen vor ihm unter tausend Dankesbezeugungen zur Erde. Was ich empfand, kann ich nicht beschreiben. Sie nahmen mich fort und ohne Zögern machten wir uns auf den Weg. Die Kunde von meiner Freilassung verbreitete sich mit Blitzesschnelle. Als wir nach Krakau kamen, zog uns eine Menge jubelnd entgegen, um uns festlich zu empfangen. Der Vorsteher R, Meir Hirsch Kapsch nahm mich in sein Haus auf und veranstaltete ein großes Fest- mahl, an dem viele Gäste teilnahmen. Ich kannte damals noch keinen der Vorsteher außer dem edlen R. Meir. Aber dort erfuhr ich, daß alle einflußreichen Persönlichkeiten der Gemeinde zu meiner Befreiung beigetragen hatten und daß ich ihnen allen mein Leben schulde. Bei dem Festmahl beschenkten sie mich reichlich mit Geld und mit Kleidern und nahmen sich meiner liebreich an. Schon damals kam mir der Gedanke, den ich jetzt erst ausführe, die Begebenheit niederzuschreiben, damit die späteren Generationen erfahren, was ich meinen Rettern schulde. Heil ihnen und möchte ihr Lohn ein vollkommener sein vor dem Herrn, dem G-tte Israels, denn ihnen verdanke ich es, daß ich mich bergen konnte unter den Fittichen des heiligen G-ttes, Möchte der Allerbarmer ihnen so seine Gnade zuteil werden lassen, wie es für sie erbittet Meir ben Jechiel, genannt Meir Hakodosch, aus Brody. Wer den redüchen Willen hat, sich zu läutern, dem wird geholfen, Oh, daß bald unser Erlöser komme! Amen.

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