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Jüdische Presse · 1933-02-17 · 7 (17.2.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
7 (17.2.1933)
Date
1933-02-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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if€ 2 Mf. t erblickt» deftn bisher war immer eine Befürwortung des öffisieileft Babbihäts srfbMeriieh. : s ' * ^ÄibM׳׳:M6icha־'Biau■ besuchte den Stellvertreter d#s High Cörnmissioner und hatte mit ihm eine Unterredung bezüglich der elfhundert von der Aguda angeförderten 2ertif 1 feate. Der Regierungsvertreter erklärte» daß das Einwanderungsdepartement noch mit der Prüfung der Dnteriagen beschäftigt sei und im Laufe des nächsten Monats die Erledigung bekanntgeben wird. * . ־ . *Vorige Woche fand hier die ö e r i c h t s v e r h a n dlung gegen die Mitglieder der hiesigen Agudajugend statt» die eine heftige Kampagne gegen den Chillul Schabbos und insbesondere gegen die zionistische Arbeiter•4 Organisation ,*5!*,ף eröffnet hatte .Die Angeklagten Agüdisten Wären von Herrn Dr. Buchsbaum, Mitglied der Leitung der Agudas Jisroel, verteidigt. Zwei Angeklagte Würden freigesprochen und die Verurteilung des dritten erfolgte nur wegen Widersetzlichkeit gegen die Behörde. Der Angeklagte hatte sich nämlich geweigert, am Schabbos das Automobil zu besteigen, mit welchem die Polizisten ihn zur Polizei bringen wollten. Das freisprechende Urteil wurde mit großer Genugtuung äufgenommen. Jeruschalmi. * Gemäß den Mandatsbestimmungen muß Palästina die Einfuhr aus allen Staaten, die Mitglied des Völkerbundes sind, gleichmäßig behandeln. Damit ist Palästina verhindert, Gegenseitigkeits- oder Präferenzverträge abzuschließen. Eine ׳Tagung * der jüdischen Bauern Palästinas hat nun beschlossen, Großbritannien und den Völkerbund zu ersuchen, Palästina volle Zollautonomie zu gewähren, um mit Großbritannien einen Handelsvertrag abschließen zu können, der britischen Erzeugnissen eine Vorzugsbehandlung gewährt, gegen eine Erleichterung für die Einfuhr von Orangen nach England. Falls Palästina Vor- Zugsbehandlung innerhalb des britischen Reiches genösse, könnte die Palästina-Orange den Platz der spanischen auf dem englischen Markt einnehmen. . . •V . ' sk . . ן Die hohen Zollmauern, mit denen sich Aegypten in den letzten Jahren Umgeben hat, haben den Absatz der Industrieprodukte Erez Jisroels bisher sehr erschwert. Nun sind zwischen den beiden Regierungen Handels- Vertrags verhan dlun gen eingeleitet worden. Demnächst fährt die offizielle Delegation nach Aegypten, der außer den Regierungsvertretern zwei Vertreter der Wirtschaft, ein Jude und Araber, angehören. Arabischer Mob brach in eine Pflanzung in der Nähe von Nahalal ein und riß etwa 10.000 junge Bäume aus dem Erdreich heraus. Die dort beschäftigten Juden waren gegenüber dem ihnen an Zahl überlegenen arabisehen Mob machtlos. Die Polizei trieb die Waldfrevler auseinander und verhaftete 13 von ihnen. Kommt der Bodenkauf in Transjordanien zustande? Mit großem Interesse verfolgt die jüdische Oeffentlichkeit die Vorgänge, die sich um den Bodenkauf in Transjordanien abspielen. Bekanntlich hat Emir Abdullah am 5. Jänner d. J. einen Vertrag unterschrieben, in welchem er einer jüdischen Gesellschaft ein Areal von 70.000 Dunam Boden in Transjordanien um den Preis von 2000 Pfund jährlich verpachtet hat. Kaum ist diese Meldüng in die Oeffentlichkeit gelangt, als auch schon die arabische Presse Palästinas wilden Lärm schlug und diesen Bodenkauf unter allen Umständen zu verhindern suchte. Emir Abdullah war gezwungen, öffentlieh zu erklären, daß er von der beabsichtigten Boden- Verpachtung Abstand nehme. Seit diesem Tage ruhen nicht die Bemühungen der transjordanischen Beduinc 11 einerseits, die eine jüdische Massensiedlung - wünschen, weil sie sich von, ihr eine Besserung ihrer ökonomischen Lage erhoffen — die transjordanischen Beduinen leben in jämmerlicher Not —, und die Be- , Strebungen der palästinensischen Araber andererseits, denen jede Entwicklung jüdischer Ländereien ein Dorn im Auge ist. Vorläufig läßt sich das Ende der Sache nicht voraussehen. Auf jüdischer Seite rechnet! man noch mit dem Zustandekommen der Trans- I jordanien-Siedlüng. Jedenfalls dürfte die Entscheidung in Bälde fallen. Brief eitles alten Vaters an seinen jungen Sohn. Nicht immer gähnte, Wie in unseren *Tagen, eine Kluft zwischen alt und juäg, Vergangenheit und Gegeii- Watt, zwischen vergehendem und heranwachsendem, sterbendem.' lind strebendem Geschlecht. Glücklichere Zeiten Wären es, als die Alten Jeruscholojims freudigen Herzens ausrufen könnten; ״Heil unserer Jugend, denn Sie beschämt nicht unser Alter!“ und — einer sinnigen Deutung zufolge — dieser Aus- Spruch nicht nur auf die eigene, im göttlichen Sinne verbrachte Jugendzeit, vielmehr auch auf die vollkommene Kontinuität zwischen der alten und jungen Generation, zwischen Vater und Sohn hin wies. Denn die Jugend ist Zukunft. Und nur eine solche Zukunft kann sich glücklich gestalten, die innig und innerlich mit der Vergangenheit verwachsen ist. Henkst du noch, mein Sohn, an deine Kinderzeit, da wir so oft in der wehmutsvoll-trauten Dämmerstunde des scheidenden Schabbos uns gemeinsam in den stärken-" den Weisheitslehren unserer Alten Vertieften? Da lasen Wir einstmals von jenem glücksgesegneten jüdischen König, der in einer schwachen Stunde also sprach: ״Wohl befiehlt das Gebot לא ירבה לו פופים וכסף וזהב ולא יסור לבבו . Nicht darf er — der jüdische König ■—u sich irdische Schätze änhäufen, damit sein Herz nicht auf Abwege komme. א:, ארבה ולבי לא ימ'ןף ich jedoch“,׳* sprach Schlomo, ״werde Gut und Kostbarkeiten sammeln und mein Herz wird nicht von G-ttes Wegen weichen.“ Da trat — so erzählen unsre Weisen — das ״Jud" j (des Wortes ירבה ) vor den Thron des Weltenschöpfers und klagte und weinte: ״Was geschieht nun mit mir, | was ist mein Schicksal?“ So war es in allen Zeiten, wenn Ueberhebung und Selbstsucht glaubten, mit der Vergangenheit brechen zu dürfen» wmm ■jugendliche Stürmer sich weiser dtinkten, als erwägende Vernunft des gereiften Alters und vermeinten, gestalten zu können» ohne auf ׳'Althergebrachtes und traditionelles zu bauen. Da tritt , daä »»Jud" das Symbol und Zeichen der Zukunft» vor den!Lenker aller Zeiten und klagt und weint. ״Kann eine Zukunft glücklieh werden, die nicht an die Vergangenheit anknüpft? Kann dort Ersprießliches gedeihen, wo man einreißt und zerstört?“ Eine Kluft gähnt heute in der ganzen Welt zwischen Gewesenem und Kommendem. Andere scheitern an diesen Widersprüchen, werden irre in dieser Umwertung aller Werte. Uns, dem jüdisehen Volke, hat G-ttes unendliche Liebe mit seiner heiligen Lehre ein kostbares Geschenk verliehen, um jene Kluft Zu Überbrücken. Nur treues Festhalten am Üeberlieferten und Althergebrachten gibt uns Halt in der rasenden Flucht mannigfacher Geschehnisse. Und darum, mein Sohn, lerne und lehre, schaffe und gestalte im Sittne unserer g-ttlichen Lehre und — treten des Lebens Entscheidungen an dich heran — vergiß nicht der Worte { Deines Vaters. Hermann Feldheim Wien I, Salztorgasse 6 Textilwaren en gros. Eigene Manipulation von Weißwaren. Detailverkanf zu En-gros-Preisen. Günstige Einkaufscjuelile für Brautausstattungen. Aus der Agudas Jisroel. Aguda-Sitzung in Berlin. In Berlin fand am 2. Schwat die konstituierende Sitzung des neugewählten provisorischen Vorort-Vor- Standes statt, an der der Vorsitzende, Herr Rabb, Dr. Moses Auerbach, sowie die Mitglieder, die Herren Rabb. Dr. Heinrich A. Cohn, Rabb. Dr. Hermann Klein, Dr. Nathan Birnbaum, Wolf S. Jacobson, Dr. K. Kahan, Rudolf Leibovitz und Arthur Munk Teilnahmen. Als Gast war der Sitzung Herr Dr. Maximilian Landau beigezogen, der vor einigen Wochen in einem Leitartikel des ״Israelit“ den 'Plan einer ״Alljüdischen Wirtschaftskooperation“ der Oeffentlichkeit unterbreitet hat, den auch die ״Jüdische Presse“ gekürzt wiedergab. Die Sitzung beschäftigte sich vorzüglich mit der Ausarbeitung eines Arbeitsprogramms für den Landesvorstand und hat, auch. mehrere praktische Arbeitsbeschlüsse gefaßt. Herr Rabb. Dr. Auerbach setzte in einer ausführlichen Rede die Aufgaben der einzelnen Gruppen auseinander. Seirier Ansicht nach müßten die Mitglieder der einzelnen Gruppen mindestens alle vier Wochen zusammenkommenf um an Hand von Referaten in einen Meinungsaustausch über aktuelle Probleme zu treten. Insbesondere über folgende Fragen: 1. Die Ethisierung des Berufslebens;! 2. die Verpflichtung zur sozialen Solidarität; 3. die :Verpflichtung zur politischen Solidarität. . Nach einem ausführlichen Referat des Herrn Dr. Maximilian Landau, der verschiedene Aufklärungen über die von ihm vorgeschlagene ״Wirtschaftskooperation“ gab, wurde eine Landeskommission für Berufs- Umschichtung und Siedlung gebildet, der die Herren Dr. Nathan Birnbaum, Dr. M. Landau und Rechtsanwalt James Rosenthal angehören. Erziehungsarbeit der Zeire-Agudas-Jisroel in Polen. Vergangenen Sonntag fand in Warschau eine Plenarsitzung der Hanholo-haroschis der Zeire-Agudas- Jisroel in Polen statt, die sich mit den Fragen der E r- Ziehung befaßte. In einem ausführlichen Referat berichtete Herr Rawitsch über, die intensive Arbeit und die erzielten- Fortschritte in der Jugendbewegung. Der Werbem o n a t hatte einen großartigen Erfolg. Die Leitung hat einen genauen Erziehungsplan ausgearbeitet. Es werden Referate, verschiedene Anweisungen und Aufklärungen für die Verstärkung des L i m u d- Häthora versendet werden. Die Jugend benötigt geistige Autoritäten als Führer und deshalb wäre die Gründüng eines orthodoxen Lehrer- (Erzieher-) Seminars dringend erforderlich. Her R o g o w i referierte über die verheerende Wirkung, die der Zug der Moderne in den Reihen der religiösen Jugend angerichtet hat. Gegen die zionistische Hetzkampagne. In einer scharfen Erklärung wendet sich die Zentrale der Agudas Jisroel in Polen, gegen die wütende Hetzkampagne, die die Zionisten Polens gegen die Agudas Jisroel eröffnet haben. In der Erklärung heißt es, die Agudas Jisroel verurteile es auf das schärfste, daß in einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Not, ein heftiger, innerjüdischer Kampf künstlich entfacht werde. Die Agudas Jisroel wird mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln die orthodoxe Judenheit verteidigen und sich gegen den lügnerischen Verleumdungsfeldzug der Zionisten zur Wehr setzen. Ein besonderer Protest richtet sich gegen den zionistischen Sejmdeputierten Jizchok Grünbaum, der es für gut gefunden hat, vor der breitesten Oeffentlichkeit inner jüdische Kämpfe zu entrollen und in seiner Sejmrede vollkommen haltlose Anklagen gegen die Agudas Jisroel zu richten. Die Agudas Jisroel erklärt, daß sie ungeachtet der lügnerischen Hetze dieses ״verbissenen Judenfeindes“ ihre Arbeit für das Wohl des Klall-Jisroel fortsetzen und verstärken wird. Jizchok Grünbaum auch gegen die Revisionisten. Der bekannte polnische Zionistenführer, der als Feind des religiösen Judentums und Bekämpf er jedes jüdisch-religiösen Strebens traurige Berühmtheit erlangt hat, ist nun auch in einen Konflikt mit seinen Parteigenossen, den Revisionisten, geraten. \ I FEUILLETON U Die Chronik des Rabbi Meier Hakodosch aus Brody. (Fortsetzung.) Er lud die Edelleute der Umgegend ein, führte mich ihnen vor und fragte sie um Rat, wie er mich am besten gewinnen könnte, ob mit gütlichem Zureden oder mit strengen Strafen. Er berichtete ihnen, daß bisher alle seine Anstrengungen vergeblich gewesen seien, und beratschlagte mit ihnen, welcher Weg der geeignetste sei, um zum Ziele zu führen. Sie kamen überein, mich durch schwere Züchtigungen willfährig zu machen und meinen Trotz zu brechen. So wurde ich jeden Tag geschlagen und gepeinigt und jeder folgende Tag war immer schmerzensreicher als der frühere. Tag für Tag kam der Grausame mit erhobenem Säbel zu mir, hielt ihn an meinen Hals und schrie: ״Jetzt kommt dein Ende, entscheide dich! Ja oder nein?“ Ich aber erwiderte: ״Stoß nur zu! Der Tod ist mir lieber als solch ein Leben! Ich werde um keinen Preis das Gebot meines G-ttes übertreten!“ Zuweilen aber erwachte sein Mitleid und er redete zu mir sanft und mit milden Worten: ״Mein Kind, fürchte dich nicht! Warum weinest du und bist betrübt? Ich habe dich lieb gewonnen und will dir jeden Wunsch erfüllen. Ob es auch die Hälfte meines Besitzes wäre, es soll dir gewährt werden. Nur erfülle meinen Wunsch! Nimm den christlichen Glauben an und es wird dir Wohlergehen!" Ich aber dachte nur an G-tt, dessen Lehre köstlieber als Gold und Silber, an ihn, den G-tt meiner Väter, den ich nicht verleugnen durfte, indem ich — G-tt behüte —- seinen Bund bräche, um mir goldene und silberne Götzen zu machen. Ich blieb stark und standhaft und war freudig bereit, um der Heiligung des g-ttlichen Namens willen ddn Tod zu erleiden. , Schließlich, als der Graf täglich auf mich einzu- '^rken! versucht hat, ich aber nicht auf seine Stimme hörte und seinen Wünsch nicht erfüllte, schien er seine Methode ändern zu wollen und sagte zu seinen Leuten: ״Der * 1 ׳׳ Bursche ist noch jung und unverständig. Er ist fremd in unserem Lande und hat keinen Annehmer. So soll er denn seine' Lebenszeit hier verbleiben. Vielleicht wird er im Laufe der Zeit von selber anderen Sinnes werden.“ So sprach der Grausame. Aber er bedachte nicht, daß ich einen Abnehmer hatte: unseren G-tt, der nahe ist allen, die ihn anrufen. Eines Sonntags nun, als der Graf zur Kirche ging, gab er mir einen Säbel in die Hand und gebot mir, ihn damit in die Kirche zu begleiten. Aber ich weigerte mich. Man schlug mich hart und grausam und zerrte mich gewaltsam in die Kirche. Dort war viel Volk aus der ganzen Umgegend versammelt, das von mir gehört hatte und mich nun neugierig betrachtete. In der Kirche behielt ich die Mütze auf dem Kopf. Der Graf zog sie mir herunter. Ich setzte sie wieder auf, und er riß sie wieder herunter. Das wiederholte sich einige Male, bis er mir die Mütze wegnahm und sie wegwarf. Da bedeckte ich meinen Kopf mit den Händen. Doch die Diener des Grafen und er selbst versetzten mir heftige Schläge auf die Hände, bis diese ganz geschwollen waren. Ich glaube, daß ich dort den Namen G-ttes öffentlich geheiligt hatte. Konnte ich doch hören, wie die Leute staunten und halblaut zueinander sprachen: ״Sehet doch, wie der G-tt der Juden von ihnen verehrt wird. Wie fest halten sie an ihren Gesetzen, daß sie ihretwegen Leiden erdulden! Die sind anders als wir!“’ Ich bemerkte auch viele, die von Mitleid ergriffen wurden und weinten, als sie sahen, wie grausam man mich Schuldlosen behandelte. Die Kunde von dem Vorfall verbreitete sich weithin über die ganze Gegend. Auch die Juden in Oswiecim hörten davon, denn die Entfernung bis dorthin betrug nur drei Meilen. Sie teilten es den Juden in Krakau mit und diese sandten eine Deputation an den Grafen mit der Bitte, ihnen zu sagen, weswegen er so mit mir verfahre, Ob wegen einer Schuld, die die Juden auf sich geladen hätten, oder um sein Mütchen an mir zu kühlen, oder um ein Lösegeld zu erlangen? Aber der Graf würdigte sie keiner Antwort. Als wir aus der Kirche wieder nach Hause gekommen waren, überhäufte mich der Grausame mit den heftigsten Schimpfworten und tobte in größter Wut: ״Warum hat du nicht wenigstens vor den Leuten in der Kirche meinen Willen respektiert?“ Und er schlug mich fürchterlich. Doch schonte er mein Leben. Meine Tränen rannen unaufhörlich und ich betete unablässig: ״Daß deine Gnade, o G-tt, mich aufrecht erhielte!“ So vergingen viele Tage. In banger Wehmut gedachte ich meiner friedliehen Heimat. Ich wollte entfliehen. Aber eine Flucht war unmöglich; denn unablässig wurde ich von zwei Knechten bewacht, die stets an meiner Seite waren. Besonders in der Nacht wurde ich scharf bewacht. Es war eine bittere Zeit der Leiden und der Qualen. Von der Außenwelt war ich völlig abgeschlossen. Ich fürchtete, daß meine Gefährten mich völlig vergessen hätten; denn ich hörte und sah nichts von ihnen, obwohl in Wirklichkeit, wie ich später vernahm, von Krakauer Juden und Christen durch persönliche Vorstellungen und schriftliche Bittgesuche auf den Grafen eingewirkt wurde, mich freizugeben. Ich wußte aber nichts davon, denn kein Fremder durfte mit mir sprechen und keine Kunde drang von außen zu mir. Ich war verzweifelt und hatte alle Hoffnungen auf gegeben. Mit dem Propheten Jeremia wehklagte ich: ״Keinen Tröster habe ich von all meinen Genossen. Alle meine Freunde sind mir untreu geworden, wurden mir zu Feinden.“ Eines Tages kamen viele Edelleute der Umgegend zum Besuche des Grafen. Sie schmausten und tranken und zechten sich einen Rausch an. Ich wurde herbeigeholt und sie trieben ihre Kurzweil mit mir. Einige nahmen ihre Säbel und bedrohten mich damit. Andere wieder zogen gefüllte Beutel hervor und boten mir viel Geld an. Ich aber weigerte mich, etwas zu nehmen, Was ich an diesem Tage gelitten habe, wie man mich schlug und mißhandelte, und wieviel Tränen ich vergoß, das kann ich nicht beschreiben. Schließlich forderten sie mich auf, ein jüdisches Lied zu singen, Aber ich sprach mit dem Psaimisten: ״Wie soll ich singen des Ewigen Lied auf frfemdem Boden?" Und ich tat den Mund nicht auf. Sie schrien durcheinander; ״Ueberlaß ihn mir, Graf, ich werde schon mit ihm fertig werden!" — ״Ach was, fertig werden, wäre er in meiner Hand, er hätte schon längst daran glauben müssen!״ Ich sab, daß sie alle schwer betrunken waren, Auch die Diener, die den Getränken reichlich zugesprochen hatten, konnten sich kaum noch auf den Füßen halten und gingen schlaftrunken einher. Da faßte ich den Plan, in dieser Nacht einen Fluchtversuch zu ]machen! denn die

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