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Jüdische Presse · 1933-02-17 · 7 (17.2.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
7 (17.2.1933)
Date
1933-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrs• Zionistischer Kampf gegen die Orthodoxie. Gemeindebund. — Frauenwahlrecht. — Reform der Chedarim. Die Wiener zionistische Kultusgemeinde hat in ihrer jüngsten Plenarsitzung beschlossen, unter allen Umständen einen Gemeindebund zu schaffen. Die Idee des Gemeindebundes ist nicht neu. Sie war immer ein Licblingsplan der Assimilanten. In der Blüteperiodc des Liberalismus wollte man einen Gemeindebund haben, der die Möglichkeit schaffen sollte, die bösen Orthodoxen im Zaume zu halten. Der Gemeindebund sollte nämlich die Gesamtheit der jüdischen Gemeinden der Regierung und der Gesamtöffentlichkeit gegenüber vertreten. Wenn die Leitung des Gemeindebundes in religiös-liberalen Händen Ist, so werden die orthodoxen Gemeinden und die orthodoxen Minoritäten in den Gemeinden, so weit sie nicht schon in der ersten Instanz, in der Gemeinde, so in der zweiten Instanz im Gemeindebund mundtot gemacht werden. Wenn es nach dem Wunsch der Assimilanten gegangen wäre, so hätte man in dem alten Oesterreich einen Gemeindebund geschaffen, in welchem Hunderte galizischer und mährischer orthodoxer Gemeinden eine einflußlose Vertretung bekommen hätten und nur als Staffage neben den Machtgelüsten einiger nicht mehr orthodoxen Großgemeinden erschienen wären. Die Orthodoxie hat zu jener Zeit die Gefahr erkannt und das Zustandekommen eines auf solcher Grundlage aufgebauten Gemeindebundes verhindert. Die Zeiten haben sich geändert. Die österreichische Monarchie ist zerfallen, Neu- Österreich besitzt neben der großen Wiener Judengemeinde nur noch in Graz ein größeres jüdisches Zentrum. Sowohl die Wiener wie die Grazer Kultusgemeinde wird zurzeit von einer zionistischen-.Majorität beherrscht und diese Zionisten möchten gerne den alten assimilatorisch-liberalen Plan von einem Gemeindebund verwirkliehen, 11m auf dem Wege dieses Bundes alle Judengemeinden Oesterreichs in ihrem Geiste beinflussen zu können. Die orthodoxen Juden in Oesterreich werden so wie ihre Vorfahren in der großen österreichischen Monarchie, mit allen .Mitteln der Ausführu'ng dieses von den Zionisten neu auf gegriffenen alten Planes entgegenarbeiten. werden vielleicht dann auf dem Wege der Schaffung der Gemeindebünde die Möglichkeit bekommen, s e 1 b s t ä 11־ dige orthodoxe Lokalgemeinden zu gründen. Es fehlen wohl heute in diesem Kampfe die großen Massen der streng orthodoxen galizischen Gemeinden, doch wird die Situation der Orthodoxie heute dadurch erleichtert, daß wir durch den Anschluß des Burgenländes an Oesterreich nicht nur altehrwürdige orthodoxe Gemeinden auf österreichischem Bundesgebiet besitzen, sondern auch einen veritablen orthodoxen •Gemeindebund, die orthodoxe Landeskanzlei des Burgen- 1 a n de s< ״ ־ ־'־״;־ . .. Aber nicht nur diese orthodoxen Gemeinden allein, sondern auch in Baden bei Wien, in Wiener-Neustadt, in Wien selbst leben hunderte orthodoxer Juden, die aus den burgeniändischen historischen orthodoxen Gemeinden stammen, die wie ein Mann aufstehen werden, um den orthodoxen Charakter ihrer Muttergemeinden zu verteidigen. Wenn nun die Zionisten zur Verwirklichung ihrer Machtgelüste unbedingt einen Gemeiüdebund haben zu müssen glauben, so werden irt Oesterreich bald zwei Gemeindebünde existieren, der orthodox.e Gemeindebund, der schon heute in der österreichischen Verwaltungspraxls existiert, und dann jener zionistiseh-asslm i 1 a t o r 1 s c h e Gemeindebund, den jetzt die Wiener und Grazer zionistische Gemeindemehrheit anstrebt. Uns Orthodoxen kann diese Entwicklung nur recht sein, wir F e i n e D a m e ווו וו o d e n F. Borertstem, Wien II. HPlIandstraBe 1 Fernruf: A-45-6-49 Stets neueste Modelle in Kleidern, Mänteln und Kostümen, Blusen, Schoßen, Schlaf rocken, Pyjamas1 etc. aus eigenen Werkstätten. Separate Maßaliteilung. (Kostüme und Mäntel werden ausschließlich nur von Herrenschneidern unter meiner persönlichen Leitung gearbeitet.) Schaatnes-frei. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Notizen sind durch ein nachgesetzes E gekennzeichnet, Frauen Wahlrecht und Gemeindebund, das sind die famosen zionistischen Pläne, die nun immer klarer ins Auge springen und mehr an Begründungsmaterial für die Schaffung selbständiger orthodoxer Gemeinden be- Inhalten, als wir■ Orthodoxen je hätten Zusammentragen können. Es gehört zu den traurigsten Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, daß, so oft die Orthodoxie für ihr Existenzrecht zum Kampfe aufsteht, die Misrachisten ihren orthodoxen Brüdern in den Rücken fallen. Nicht anders ist es jetzt in Wien, wo sich die ehrlichen orthodoxen Jehudim auf Grund der antireligiösen Beschlüsse der zionistischen Kultusmehrheit in bezug auf das Frauenwahrecht zum Verteidigungskampfe anschicken. Kaum sind die ersten Proteste gegen den Frauenwahlrechtbesehluß der Zionisten erschienen, läßt die Wiener misrachistische Organisation ein Pamphlet drucken, das sichtlieh die Absicht ausdrückt, den ganzen Kampf gegen das Frauenwahlrecht auf ein Nebengeleise״ zu schieben und durch die Entfachung eines Kleinkrieges\zwischen Aguda und Misrachi ,die klare Linie der eipnteitlichen orthodoxen Kampffront zu verschieben. Wir ge'h.en daher auf diese ganze misrachistische Verlautbarung nicht ein, sondern nehmen die Misrachisten beim Wort. Sie sagen in dieser Verlautbarung, . daß sie :noch ehrUoher^.;nb^-.1ipaitasse11der, noch radikaler gegen das Frauenwahlrecht sind, als dies der agudistische Protest zum Ausdruck gebracht hat. Gemacht, Ihr misrachistischen Brüder! In anderen Ländern, auch in Palä-, stina, seid Ihr dann immer unter irgend einem Vorwand den zionistischen Beschlüssen für das Frauenwahlrecht beigetreten ן Auf Euer Gezänk gehen wir als unsachlich und gegenstandslos nicht ein. Es handelt sich, hier um die klare Linie eines religiösen Verteidigungskampfes. Wir wollen diese kläre Linie nicht verlassen. * Wir wollen die klare Linie nicht verlassen, denn wir wissen, daß Geraeindebund und Frauenwahlrecht nur Etappen bedeuten in dem zionistischen Kampf gegen das orthodoxe Judentum. Der Kernpunkt des Kampfes, der große zionistische Angriff richtet sich gegen die Seele des jüdischen Kindes. Der große. Kampf Wird in den engen Mauern• der Bote-Midraschim, der .Talmud-Thoras und Chedarim ausgetragen werden. Wir haben auch von diesen Bestrebungen dieser Tage einen' kleinen Vorgeschmack ׳ erhalten. Es gehört zu den größten Errungenschaften der Wiener Orthodoxie, daß es gelang, in der Nachkriegszeit einige Schulen aufzurichten, in denen jüdische Kinder nach alter Väter Art jüdisch lernen. Chumisch mit Räschi, Gemoro mit Tosfös. Nur die ganz Eingeweihten können beurteilen, was es bedeutet auf dem harten Wiener Pflaster, wo auch die jüdische Jugend dem Laster einer heidnischen Geistes- und Körperkultur; zu verfallen droht* Schulen zu errichten, in denen das zarte Gemüt jüdischer Kinder in die tausendjährige unverfälschte jüdische Kultur eingetaucht wird, wo die empfindsame Seele des jüdischen Kindes den Stoff in sich auf nimmt, der auch bisher in allen Jahrhunderten des Galuth die großen jüdischen' Heroen des Wissens und der Glaubensstärke unserem Volke großgezogen hat. In einer solchen Talmudschule in Wien erschien unlängst der zionistische Obmann der Schulkommission der Kultusgemeinde und der Obmann- Stellvertreter des zionistischen Landeskomitees und sie haben einer Talmudprüfung beigewohnt. Nach der gutbestandenen Prüfung hat der ״Kultur“-Minister eine flammende Rede an die Kinder gehalten, in welcher er sie aufgeklärt hat, daß die Schulräume verwahrlost, daß sie ohne Licht und Luft wären, daß Wiener Kinder nicht in so ein. Schullokal gehören, die Kultusgemeinde werde schon andere Räume zur Verfügung stellen. Selbstverstündlich blieb der Sprecher nicht bei den Aeußer* lichkeiten eines Schulzimmers־ stehen, sondern übte auch Kritik an der Methode des Unterrichtes. REDLER-MOBEL behalten dauernd Schönheit und Wert Beachten Sie meine neue Adresse: Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitglied) Die Zurückhaltung, die allerdings der Obmann der Schulkommission sich noch auf erlegt hat, wurde von dem anderen zionistischen Mandatar gänzlich fallen gelassen, der schon ganz radikale Töne in bezug auf jüdische Erziehüng anschlug, so daß der dort anwesende Obmann des Keren-Hathora und andere orthodoxe Vertreter heftig gegen diese Ausführungen protestieren mußten. Unter dem Eindruck dieser Proteste mußte der Rabbiner der Kultusgemeinde mit einigen beschwichtigenden Worten, für die alte Methode eintreten. Wir wollen an und für׳ sich diesen Vorfall nicht über Gebühr aufbauschen, aber׳ kein denkender Jude wird den symptomatischen Charakter dieses Zwischenfalles übersehen können. So wie in anderen Ländern jüdischer Massensiedlung,' besonders in ganz Osteuropa, der Kampf der Zionisten sich hauptsächlich gegen den alten Cheder richtet, so wollen die zionistischen Kulturträger auch in Wien die schwachen Ansätze echter alter jüdischer .Kulturstätten zerstören, damit ihren Expansionsgelüsten auch auf kulturellem Gebiete kein wirksamer Damm gesetzt werden könne. In diesem Kampfe werden aber die orthodoxen Juderi wie Löwen für ihre Schulen kämpfen. Sie sind sich dessen bewußt, daß die Schulen die letzten und wirksam-« sten Bollwerke einer unverfälschten ׳ jüdischen Weltanschaumig sind. Ea :ist eine• Schande, daß diese ״ Schulen oft in unzulänglichen Lokalen untergebracht sind. Diese' Schande lastet aber nicht auf jenen armen orthodoxen: Juden, die ihre letzten Groschen der jüdischen Erziehung• ihrer Kinder opfern, sondern auf jenen Gemeindegewaltigen, die für prunkvolle, nur von Batlanjm besuchte Gemeindeg-ttesdienste hunderttausende Schillinge zusetzen, für hunderte jüdischer Kinder aber, die Thora. 1ern e n, verhältnismäßig so gut wie gar nichts übrig haben. •Wird man aber versuchen, für die Münzen, mit denen so ein Gemeindegewaltiger in Propagandaversammlüri- gen in der Tasche herumklimpert, unsere Seelen und ׳ die Seelen unserer Kinder kaufen zu wollen, so er- ׳ klären wir, daß wir lieber die Schände der unzulängliehen Lokale auf uns nehmen, als die Schande des widerlichsten Seelenschachers, den man scheinbar von zionistischer Seite anstrebt. Hände weg von unser e 11 Chedarim! Wir w e r den für ihr e ׳ unversehrte Auf rechter haltung mit der Kraft der Ueberzeugung und mit dem Mut der Verzweiflung kämpfen! '■ ' L. - ■' Aus Erez Jisroel. Von unserem Korrespondenten. Die allgemeine Befriedigung, die die Wahl des ehrw. Herrn Rabbiners Duschinsky aus Chust zum Nachfolger des verewigten Oberrabbiners des W.aad-Hoir- Aschkenasy, Rabbi Josef Chaim. Sonnenfeld ז*ל , ausgelöst hat, hat nun noch größerer Freude über diese Wahl Platz gemacht durch die Nachricht von der b e v o r s t e h e nden Uebersiedlung des neugewählten Raws.. Die Gemeinde ist auf der Suche nach einer entsprechenden Wohnung für den Rabbiner. Mit großer Befriedigung sind hier die Beschlüsse der Mandatskommission des Völkerbundes auf genommen worden, die uns die Hoffnung geben, daß die hiesigen orthodoxen Gemeinden nun doch bald die. öffentlich-rechtliche Anerkennung finden werden. Die Palästina Regierung zeigt in der letzten Zeit׳ der Agudas Jisroel gegenüber ein besonderes Entgegenkommen Der High Commissioner hat dem Einwanderungs - departement den Auftrag erteilt, zukünftig die Gesuche der Agudas Jisroel um Einwanderungsbewilligungen für Rabbiner und Jeschiwa-Bachurim zu genehmigen. Allgemein wird hierin ein Erfolg der Agudas Mm Die reisende Dame erhält bei mir sclion Innerhalb 6 stunden eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitzet der weltbekannten Perücken-Kunstwerkstätte Wien I, Kärntnerring 6 Nfי IM7«*1-I6 fr V;

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