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Jüdische Presse · 1933-02-10 · 6 (10.2.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
6 (10.2.1933)
Date
1933-02-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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r....־.;.׳ י .■. ,= ',tf" .? ■ ־*■■.■־.■■־־* ׳•■••' ־׳ י.■ - - י.. ' י .י׳ Sich ihm mitten unter den ihn verschüttenden Schutt und <M8Üe ätifch G-ttes Wundermacht ein We# bahnte, auf dem teR öhne Schaden und ohne Verletzung sein Gran ven־ iasaen und zum Lehen äurückkehren könnte, ln dieser änderbaren Kettung sah er einen g-ttlichen Fingerzeig, der ihn anspornte» durch tiefes, rasticses Studium an die Miniösung seines Gelöbnisses au schreiten. Seine ganz besondere Bescheidenheit tritt geradezu rührend hervor, Wenn er zwischen zwei Gedolitti ein ent־‘ scheidendes Wort sprechen soll. Er ruft G*tt als Zeugen dafür an, daß er Über viele schwierige Materien nicht tage‘• und monatelang, Sondern Jahre hindurch mit Aufgebot aller geistigen Kräfte geforscht hat, bis er das Resultat niederschrieb. Was seinen Kommentar vor anderen auszeichnet, ist;die Tiefe der Auffassung, die Gründlichkeit der Behandlung und der Scharfsinn bei der Lösung der schwierigsten Probleme, verbunden mit einer Einfach heit und Klarheit, die jedem mit dem Gegenstand* Vertrauten ohneweiters verständlich ist. Sein klares Lernen ist geradezu sprichwörtlich, so daß der Volksmund einen Talmid-Chochom, der schwierige Stellen leichtfaßlich erklärt, als Pne Joschua bezeichnet. Aus Erez Jisroel. Eine jüdische Gesellschaft hat vor einiger Zeit versuchsweise ein Lastschiff in Verkehr gesetzt. Die günstigen Resultate, die die noch junge Gesellschaft mit dem ersten Versuch erzielt hat, ermöglichen es ihr nunmehr, zwei weitere Lastschiffe in Betrieb zu setzen. * Soeben wurde mit den Vorbereitungen für die Errichtung einer Papierfabrik begonnen. Der Gesellschaft, die über ein Aktienkapital von 30.000 englischen Pfund verfügen wird, soll angeblich, auch der junge Lord Melchett angehören. Die Fabrik selbst soll in der Nähe von Haifa errichtet werden. Von großer Bedeutüng für die Rentabilität und Expansionsmöglichkeit dieser Fabrik ist der Umstand, daß das gesamte erforderliehe Rohmaterial im Lande selbst vorhanden ist, also nicht erst importiert werden muß. Ein Vertreter der Glasfabrik Lapides in Grodno besuchte vor־ kurzem Erez Jisroel, um die Möglichkeiten einer Glasfabrikation im Lande zu studieren, insbesondere in bezug auf das Vorhandensein und die Qualität des für die Glasherstellung notwendigen Quarzsandes. Es verlautet, daß die Untersuchungen sehr befriedigende Resultäte erbracht haben und daß mit einer baldigen Aufnahme der Arbeiten zu rechnen ist. Maschinen sind angeblich schon unterwegs. ־!־ Ein jüdischer Fabrikant aus Radom beabsichtigt die Errichtung einer ׳ Fabrik von Transmissionsriemen. Bisher gab es eine solche, Fabrik auf dem ganzen Orient 5nicht. Der Wert der nach Erez Jisroel allein importierten Transmissionsriemen betrug — laut Statistik — annähernd 10.000 Pfund. ׳ ־.-•,# ־"׳.; Das Fabriksgebäude der Aluminiumfabrik Hilraen aus Riga, das. in einer Vorstadt von Tel-Awiw errichtet wird, steht vor seiner Vollendung. Sofort nach der Vollendung der Baulichkeiten wird der Betrieb in Gang gesetzt werden. - Die Erez-Jisroel-Zentrale der Agudas Jisroel in Polen verhandelt wegen des Ankaufes von Boden in der Nähe von P e t a c h - T ikwah für O rangenplantagen. Es werden ausschließlich religiöse Arbeiter Verwendung finden. Die für den Ankauf notwendigen Mittel sollen durch eine großzügige Aktion aufgebracht werden, die am Chamischo-Ossor-b’Schwat beginnt. Auf den Namen eines jeden Spenders, bzw. einer jeden Spendergruppe werden ein oder mehrere Bäume gepflanzt werden. * Die transjordanische Regierung hat der'Palestine Potash Company, einem jüdischen Unternehmen, ein umfangreiches Bodenareal in der Nähe des Töten Meeres zur Verfügung gestellt, knüpfte aber hieran die Bedingung, daß der Boden nur zu geschäftlichen Zwecken und nicht für jüdische Kolonisation verwendet werden solle. * ‘ | FEUILLETON ■ Die Chronik des Rabbi Meier Hakodosch aus Brody. Diese kulturgeschichtlich interessante Erzählung, die Darstellung einer wahren Begebenheit, ist die wortgetreue Ueber- Setzung eines im Jahre 1635 in Krakau in hebräischer Sprache unter dem Titel ספר מגילת רבי מאיר erschienenen Buches. Von dieser Auflage ist nur mehr ein einziges Exemplar in Frankfurt a. M. vorhanden. Es war im Jahre 5369 nach Erschaffung der Welt (1609 der üblichen Zeitrechnung). Ich war 15 Jahre alt und hatte den Entschluß gefaßt und ausgeführt, mein Heimatland zu verlassen und in die Ferne zu ziehen, um die Wasser der Thora zu schöpfen, die in den polnischen Landen flössen. . Mit mir zogen viele Jünglinge; unter ihnen nenne ich den frommen R. Jehuda Leib ben Hirsch Akibä, der in Krakau wohnt, und den angesehenen R, Götz Aschkenasi in Lodomir. Diese beiden rufe ich als Zeugen an, daß alles das, was ich hier schreibe, reine Wahrheit ist: Auf dem Wege zwischen Oswiecim und Krakau kam uns auf seinem Wagen ein Graf entgegen, dessen Name nicht wert ist, erwähnt zu werden. Es werde sein nicht gedacht um der Bosheit willen, die er an mir verübte. Als er uns erblickte, rief er den Dienern, die ihn begleiteten, zu: ״Schnell! Hurtig! Ergreifet einen dieser Knaben da und haltet ihn fest!“ Kaum hatte er dies ge- Sprocken, als auch schon die Diener auf uns zustürzten und uns nachzujagen begannen. Wir stoben alle nach verschiedenen Richtungen auseinander. Aber die Verfolger holten mich ein, ergriffen mich und warfen mich auf den gräflichen Wagen. Der Graf nahm mich, setzte sich zu meiner Rechten und sprach zu mir: ״Mein Sohn, fürchte dich nicht! Es wird dir gut bei mir ergehen, Du wirst Gold und Silber im Ueberfluß haben. Nur höre auf das, was ich dir sage, jüPIIOjlj PRESSE ־ . MM Der Besuch des Präsidenten des Welt^Mäkkäbi» Lord M e I i h e U, gab der ״Agudas Jisroel״ Verahiassung, sich in .einem Schreiben an den englischen Gast «1t der Bitte m wenden! er möge seinen Einfluß m* ׳ gunsten der Einstellung *der Ghi 11 u 1 e Schabbos durch die Fußballspiele geltend machen. In dem Briefe wird darauf hingewiesen, » daß selbst Angehörigen der britischen Militär* und Polizeimacht die Beteiligung an Fußballspielen an Sabatefi mit Rücksicht auf die religiösen Empfindungen der Orthodoxie verboten worden sei. In um so höherem Grade dürfe man doch von Glau* bensgenossen erwarten, däß sie der brutalen Verletzung des religiösen Gefühles entgegentreten. Leider ist dieses Schreiben ohne Eindruck geblie* ben. Lord Melchett selber traf ausgerechnet Freitag nachts mit seinem großen; Gefolge in Jerusalem ein und am darauffolgenden Sabbat müßte Jerusalem wiederum das beschämende Schauspiel des Herumtrampeins auf der Heiligkeit des Sabbats über sich ergehen lassen. * An den Vorbereitungen zur Herausgabe einer o r* thodoxen Tageszeitung wird eifrig weiterge* arbeitet. Von seiten einiger Mitglieder des Misrad*hara- Deutschland Die Aera Hitler in Deutschland ist vor allem dadurch gekennzeichnet, daß alle maßgebenden und verantwortungsvollen Posten mit nationalsozialistisehen Parteigängern besetzt werden. In banger Sorge warten unsere Brüder in Deutschland auf die Dinge, die noch kommen. Bekommen die Nationalsozialisten eine Mehrheit im neu zu wählenden Reichstag? ist die schicksalsvolle Frage, die heute jeden beschäftigt. Gerüchte' von einer bereits beschlos־ senen Ausweisung aller Ausländer (Juden!) schwirren durch die Luft. Die Beurteilung der Lage ist im allgemeinen keine einheitliche. Man rechnet damit, daß Hitler, als verantwortlicher Kanzler, das Programm, das er als Parteiführer verkündet hat, doch nicht wird verwirklichen können. Ob nicht wieder der radikale Flügel Oberhand gewinnen wird? Inzwischen geht der antisemitische Terr 0 r weiter, Gewaltakte gegen Juden häufen sich und bald gewinnt man den Eindruck, daß unsere Brüder und Schwestern in Deutschland dem gefährlichen Rowdytum schutzlos preisgegeben sein sollen. Kann das möglich sein? Wird nicht der Reichspräsident v. Hindenburg, auf dessen Verfassungstreue und Gerechtigkeit die deutschen Juden rechnen, rechtzeitig eingreifen? Alles Fragen, die noch in der Luft liegen und die erst die Zukunft klären wird. Nachfolgend einige Meldungen aus Deutschland: Sozialdemokratische Zeitungen bringen Auszüge aus einem Geheimschreiben der NSDAP., in dem u. a. die ״Anregung“ gegeben wird: ״Ueber die Gewährung der Nothilfe entscheidet die zuständige Sektion der Nationalsozialistischen Partei, die die nötigen Erkundigungen einzuziehen hat. Juden sind grundsätzlich vom Bezüge der Nothilfe a u s g e s c h 1 o s s e n.“ In Berlin betraten zwei Nationalsozialisten in Uniform ein jüdisches Zigarrengeschäft. Sie verlangten zehn Zigaretten geschenkt. Als der Inhaber ihnen dies verweigerte, fielen sie über ihn her und schlugen ihn zu Boden. In Hamburg wurde ein jüdischer Kaufmann beim Verlassen der Synagoge nach der Sabbat-Andacht von uniformierten Nationalsozialisten überfallen und schwer verletzt. Der ״Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdisehen Glaubens“ (C. V.) veranstaltet in allen Teilen des Deutschen י Reiches Aussprache-^Abende mit Christliehen Volksgenossen, in; welchen diese über das Wesen des jüdischen Volkes und der jüdischen Lehre aufgeklärt werden. Der C. V. erwartet sich davon eine wirksame Abwehr und einen Schutz gegen die ansteigende Welle des nationalsozialistischen Antisemitismus. Der Central-Verein , deutscher Staatsbürger jüdisehen Glaubens (C. V.) hatte vor längerer Zeit einen Brief vom Kaufmann Georg Runge erhalten, in dem und befolge den Rat, den ich dir geben werde! Ich will dir dann stets zur Seite stehen!“ Ich aber schrie und weinte laut und bitterlich. Ich rief meinen Gefährten zu: ״Freunde! Brüder! Kommt, helfet mir! Bittet den gnädigen Herrn mit mir, er möge sich doch mein erbarmen!“ Meine Gefährten jedoch nahmen meine Bitte zunächst nicht ernst, denn sie glaubten, der Graf treibe nur seinen Spaß mit mir und habe mich nur zum Scherz eine kurze Strecke auf den Wagen genommen. Sie riefen mir lachend zu: ״Hab doch keine Angst! Er wird dir nichts abbeißen. Wir werden auf dich warten!“ Sie liefen eine Weile hinter dem Wagen her. Doch als sie sahen, daß der Graf mich nicht absteigen ließ, wurden sie bestürzt und erschrocken, fingen an zu weinen und zu schreien: ״Gnädiger Herr, was tust du da? Wir wollen dir alles geben, was wir besitzen. Nur laß unseren Genossen frei!“ ■ Aber der Graf blieb taub gegen alle Bitten und stellte sich, als ob er nichts höre. Als nun meine Gefährten sahen, daß alles Bitten vergebens war und daß der Wagen schnell und immer schneller fuhr und sie hinter sich zurückließ, eilten sie in das nächste Dorf, forschten und fragten, wer das sei, der sich des Menschenraubes schuldig mache. Sie erfuhren seinen Namen und seinen Wohnort und . zogen schmerzerfüllt weiter. Unablässig wehklagten sie: ״Weh uns, daß wir gesündigt haben! Wohin sollen wir uns wenden in unserem Schmerz? Wie sollen wir nach Krakau kommen und der Knabe ist nicht bei uns?" Und als sie in Krakau angekommen waren, eilten sie sogleich zu dem ehrwürdigen Oberrabbiner R. Feibisch und berichteten ihm, was geschehen war. Als dieser das Vorgefallene vernahm, wurde er aufs tiefste bewegt und rief unverzüglich die Vertreter der Gemeinde zusammen, um über die geeignetsten Schritte zu beraten, die zu tun wären, um mich — koste es, was es wolle — aus meiner Gefangenschaft zu erlösen; denn wer auch nur eine einzige Seele in Israel rettet, der hat gleichsam eine ganze Welt gerettet. Während das geschah, verblieb ich in unsäglicher Angst neben dem Grafen auf dem Wagen. Heiße Tränen entstürzten meinen Augen. Ich betete ohne Unterlaß zu G-tt,■״er möge die Finsternis meines Geschickes erhellen und mir Hilfe senden. Der Graf redete unaufhörlich auf mich ein, erst mit bahutK jnirde ein öffentlicher Aufruf erlaasen, ttöfift die dem iifilläd^ftäräbahuth nahestehenden orthodoxen Kreise gewarnt werden, sich an dem Äeittifigsuntemehniett ohne genügende Garantien für die neutrale Haltung des Blattes , in den innerhalb der örthodosie strittigen gemeindepöiitischefi Fragen zu beteiligen. Man hofft trotz dieses Zwischenfalls» das Projekt weiterfördern zu können, da in der Tat die ehrliche Absicht auch auf seiten der Jerusalemer Agudo - besteht, die strittigen Fragen Völlig auszuschalten, um eine gemeinsame Front der Orthodoxie gegenüber den religionsfeindlichen Strömüngen zustande zu bringen. * Nach Mitteilung der Haifaer Jüdischen Handelskammer war im Verlauf des Jahres 1932 in Haifa kein einziger Fall von Insolvenz zu verzeichnen. Die Zahl der Wechselproteste war von 1605 i. J. 1931 auf 675 i. J. 1932 gesunken. Im Verlauf des Jahres 1932 hat sich die.Zahl der von Juden erbauten Häuser in Haifa Verdoppelt. Die von Lord Melchett kontrollierte Imperial Chemical Industrie in Haifa konnte ihren Umsatz im Verlauf des Jahres um 40 Prozent erhöhen und gute Gewinne erzielen. Aehnlich ist die Lage zahlreicher anderer jüdischer Fabriken und Handelsunternehmungen in Haifa. unter Hitler. Runge mitteilte, daß er von der Gauleitung der NSDAP, in Halle einen Auftrag erhalten habe, mehrere Millionen Postmarken aus der Inflationszeit mit dem Ueber druck: 1״ Prozent Juden vergewaltigt 99 Prozent Deutsche!“ zu liefern. Falls der Central-Verein einen größeren Auftrag für diese Marken, und zwar mindestens in Höhe von 28.000 Mark, erteilte, würde er den Auftrag der NSDAP, zurück weisen. Der C. V. erblickte in diesem Brief einen Erpressungsversuch und erstattete die Strafanzeige. Das Gericht verurteilte nun George Runge wegen versuchter Erpressung, zu drei Monaten Gefängnis unter Zubilligung einer Bewährungsfrist. Der Staatsanwalt hatte neun Monate beantragt. Das Attentat auf Esriel Garlebach. Verlag und Redaktion des ״Israelitischen Familienblattes“ in Hamburg haben einen Preis von 2000 Mark für Ermittlung der Urheber des Anschlages auf ihren Mitredakteur Esriel Carlebach ausgesetzt. Beinahe ein Monat ist seit dem Anschlag vergangen,. der Ueberfallene konnte inzwischen soweit wiederhergestellt werden, daß er demnächst seine Tätigkeit teilweise wieder auf nehmen wird. Die Täter sind bis zur Stunde nicht gefunden. Aus den Vernehmungen, denen der Ueberfallene bereits unterzogen werden kann, ergaben sich jedoch wichtige Anhaltspunkte dafür, wo die Täter zu suchen sind. Mussolini erwartet Schwinden des Antisemitismus. Der gegenwärtig in Berlin weilende amerikanische Rabbiner A. H. Silver aus Cleveland hatte vor kurzem in Rom mit Mussolini eine Unterhaltung. Mussolini, kam auch auf den A n t i s e m i t i s m u s, seine Ursachen und seine Möglichkeiten zu sprechen. In Italien, sagte er, gibt es keinen Antisemitismus, hier herrscht religiöse Toleranz, Juden bekleiden im faschistischen Staat hohe®Posten. Die jüdischen Bürger Italiens besitzen volle bürgerliche Gleichberechtigung. Wir 'erziehen unsere Jugend streng national und religiös und ertüchtigen sie physisch, gleichzeitig aber lehren wir sie auch Toleranz üben. Das Anwachsen des Antisemitismus in mehreren Ländern der Welt ist auf die anormal gesteigerte wirtschaftliche Not zurückzuführen. Kehren einmal Wirtschaftlich normale Zeiten wieder, so wird die antisemitische Welle — auch in Deutschland •— z u r ü c k f 1 u t e n. Reizende Modelle der kommenden Frühjahrsmode wurden im Salon Borenstein, Wien, II., Holland- Straße^ 1 geschaffen und erregen täglich das Entzücken der eleganten Dame. — Besichtigung empfohlen. Milde und dann mit Strenge: ״Närrisches Kind, warum weinst du, was bist du so betrübt und ängstlich? Ich habe dich liebgewonnen und möchte dich an Sohnes Statt annehmen. Du darfst aber kein Jude bleiben, sondern mußt deine Heimat und deine Herkunft vergessen und zu meinem Glauben übertreten!“ Ich aber erwiderte ihm nicht, sondern weinte und betete, und also flehte ich zu G-tt aus tiefstem Herzen: ״O Herr, der du der wahre G-tt bist, zu dir erhebe ich meine Seele, der du im Himmel thronest, sei mir ein Helfer! Du bist meine Zuversicht und auf dich vertraue ich, daß du mich errettest vor bösen Menschen, vor dem Frevel des Gewalttätigen.“ So setzte ich auf den G-tt Israels mein Vertrauen und betete zu ihm, daß er meinen Fuß nicht wolle straucheln lassen. Als wir nun im Schloß des Grafen angekommen waren, ließ er mich einsperren und fesseln, so daß ich nicht entrinnen konnte. Er ließ mir rote Kleider anfertigen nach der Tracht der Meßknaben und ließ mir eine Tonsur scheren. Ich aber sträubte mich heftig gegen diese Prozedur, so daß meine Kopfhaut arg geschunden wurde. Darauf ließ er einen Geistlichen kommen, der in Begleitung zahlreicher junger Kleriker erschien. Alle redeten eifrig auf mich ein, um mich dem jüdischen Glauben ab* spenstig zu machen. Der Geistliche stellte alle "möglichen Bekehrungsversuche mit mir an und gab sich die erdenklichste Mühe, meine Ueberzeugung von der Wahrheit des G-ttes Israels zu erschüttern. Ich aber erwiderte kein Wort, sondern weinte und jammerte. Ich war wie ein Mensch, der, taub ist, der nicht hört. Kein Wort des Widerspruches kam über meine Lippen. Ich schüttelte nur abwehrend meinen Kopf und lenkte alle meine Gedanken darauf, den Willen meines G-ttes zu erfüllen. Es schien mir am geratensten zu sein, kein Wort zu sprechen; denn ich hatte Furcht, daß jeder Versuch einer Erwiderung oder einer Widerlegung möglicherweise zweideutig aufgefaßt und als Zustimmung betrachtet werden könnte, Darum schwieg ich und hielt mir den Ewigen stets vor Augen; ihn rief ich unaufhörlich an, Der Geistliche besuchte mich täglich und redete . mir unablässig zu. Auch der Eifer des Grafen erlahmte nicht und nichts ließ er unversucht, mich bald mit Freund- Uchkeit, bald mit Heftigkeit zu bekehren. z (Fortsetzung folgt.);

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