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Jüdische Presse · 1933-02-10 · 6 (10.2.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
6 (10.2.1933)
Date
1933-02-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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f*0vin0v6 vtfplätnA povolens rladlt post a telegraföv V Bratislave iüs. 41572411-20. JUI 1/ I, 2elturtgen vom Verleger vefsefttfei Journal exp£d!6 par P^diteuf. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUNS. Redaktion und Administration; Wien, H., Malzgasse 12 a. Tel. A-48-4-15. — Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktiönsschluß: Mittwoch Mittag. Abötiiiemeiiipreise: Ganzjährig:fürOesterreich $ 16, Tschechoslowakei tschech* K. 80, das Übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer bst* Gr* 40• Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse*, Wien, für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland :Postscheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zag: eb Nr. 40217; Holen: Postspark.-Amt Warschau Nr.190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schwele: Postscheckk. Zürich VIII, 4117; für die Tschechoslowakei: *Jüdlsche Presse”,Bratislava,Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 n Nr. 6 Wien-Bratislava, 10. Februar 1933 ב*ה ויסרס רעסבויג י״ד שבט תיצ׳ג. 19. Jahrg- Zum 15. Schewat. Alljährlich, wenn die Kälte des Winters und die Starre des Eises ihren Höhepunkt erreicht haben, begeht die Judenheit in stiller, schlichter Form die Feier der Wende im Leben der Natur. Wie alles große Geschehen in der Schöpfung •und im Leben der Men־, sehen leise, unmerklich heranreift, so auch der Uebergang von Winterfrost zur Frühlingssonne. Schlicht ist die Feier, die die alte Tradition uns vorschreibt: Die schönsten Früchte liegen ausgebreitet auf dem Tisch des Hauses, der Jehudi genießt sie mit dankerfülltem Sinn und der Kontrast zwischen dem leblos scheinenden Boden der Mutter Erde und den herrliehen Gaben, die sie, ja sie, den Sterblichen beschert, enthüllt in aller Deutlichkeit den tiefen Sinn dieser unserer einzigartigen Vorfrühlirigsfeier. ״Schiwisi haschem leuegdi tomid, ki w'Jmini bal emaut.“ ״Allezeit stelle ich den Ewigen vor mich hin, ist er zu meiner Rechten, so wanke ich nicht.“ Der Glaube, an den Unsichtbaren, die Gewißheit, daß seine. Kraft, wenn auch unsichtbar, in allen Erscheinungen lebt, bildet die Grundlage des religiösen Empfindens und die Lehre und die Feier des Chamischo-Ossor- Tages bestätigen sie und verkünden sie aufs neue. Dem Menschen unserer Tage, dem Juden insbesondere, scheinen Erde und Himmel dieses Jahres in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt. Wirtschaftliehe Not in allen Ländern lähmt die Flügel des Geistes und wilder, mittelalterlicher Haß rüstet sich, die geringen Segnungen menschlicher Zivilisation zu vernichten. In einem Lande, dessen Volk sich stolz die Nation der Dichter und Denker genannt, hat eine Partei die Zügel der Herrschaft ergriffen, die rücksichtslos den Kampf gegen unsere Gemeinschaft auf ihre Fahne geschrieben hat, und zwölf Millionen lebender Zeitgenossen sind bereit, diesen wilden Kampf mit blutigen und unblutigen Mitteln zu führen. Wir sind eine kleine Schar, bedrängt von den Nöten verschiedenster Art. Im Osten eine Verarmung, die unerträglich ist und unsere Reihen alltäglich physisch lichtet, im Westen kein Tor, das die Bedrängten aufnimmt oder auch nur eine Hilfe in Aussicht stellt. Eine Einheitsfront, die angesichts solch bitterer Zeit das Trennende beiseite schiebt, ist im Programm der politischen Parteien kaum zu finden. Die Reformsucht, gerade in den Mauern unserer Stadt, schafft den Boden zu neuem Streit, zu neuer Zerrissenheit. Das ewige Land unserer Sehnsucht, von dem heißen Atem des Weltgeschehens im Augenblick weniger ergriffen, verschließt das Tor den treuesten seiner Kinder, gerade denen, die die Verbindung mit seinen ewigen Idealen am treuesten bewahrt hat. Genug, wir wollen die Schau über die Lande nicht weiterführen. Das Auge, sucht den Ruhepunkt, von welchem aufs neue Hoffnung und neue Kraft in die müde Seele dringt, und der Blick fällt auf diesen Markstein, der da in grauer Winterlandschaft errichtet ist und hinein in den Himmel ragt, auf den 15. Schewat. Möge seine Kraft an uns allen sich segnend enthüllen! Dr. S, A. Feine Damenm o d e n F. Borenstein, Wien II. Hollandstraße 1 Fernruf: A-45-6-49 Stets neueste Modelle in Kleidern, Mänteln und Kostümen, Blusen, Schoßen, Schlafröcken, Pyjamas etc. aus eigenen Werkstätten. Separate Maßabteilung. 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Ja, die Erfahrung lehrt, daß a b s i c h tlieh es Erziehen auf ungleich größere Schwierigkeiten stößt als zufälliges. Jugend will eben ihre Kraft erproben, geht eLgien e Wege,: stellt ihren ureigensten Trieb und Verstand in den Dienst ihrer Sache, will Erfahrung sammeln und hat oft' blinde Abneigung gegen ^lles, was ihre Absichten, verhindern will. Diese Momente sind, erziehlich genommen, nicht so bösartig zu bewerten, wie; sie. im ersten Augenblick anmuten, zumal ־ sle׳^־den־r״e^'wfi?'i^VV.eg '׳Zu' selb־ständigeV11 Handeln darstellen. Dieses Selbständigkcitsbestrebqn bedarf bloß der erziehlichen Auswertung, wonach durch allmähliche Entwicklung und Erziehung des Verantwortlichkeitsgefühls der jugendliche Uebersclwvang wieder in die richtigen Bahnen geleitet werden kann. Anders steht es aber, wenn b e w u ß t e r Widerstand gegen erziehliche Maßnahmen auf andere ■Mo־ tive zurückzuführen ist. Ein solcher Fall fällt in das Gebiet der krankhaften seelischen Störungen, die einer heilpädagogischen Behandlung bedürfen. Wenn, wie bereits erwähnt, zufällige erziehliche Beeinflussung willigere Aufnahme findet als a b s i c h tliehe, dann ist Aufgabe der Erziehung, diese günstige Tatsache auszuwerten. Der mächtigste zufällige Er- Ziehungsfaktor ist nun das Erlebnis. Wir haben unendlich viel gesehen, gehört und mitgemacht, was der raschlebige Mensch in seiner Oberflächlichkeit ״erlebt“ nennt, wo doch bloß die Bezeichnung verlebt am Platze wäre. Erlebnis ist ein Begriff, hinter dem nicht Konvention, vielmehr wirklich tiefgeumitc Tatsachen nachklingen sollten. Es ist eben nicht jeder Zufall, ein Erlebnis, kann es׳ auch gar nicht werden, weil ja die seelische Grundstimmung: das Bereitsein und plötzliche Sammeln in ,der Alltagshast meistens unmöglich ist. Nur manchmal, da reißt es einen aus dem gewohnten Trott — die Seele ist offen und das Erlebnis ist eingetreten. Es mußte immer etwas ganz Besonderes gewesen sein, was das verstandesmäßige Betrachten bis zur seclisehen Ergriffenheit steigern konnte. Dieser packende, man möchte fast sagen: schwache Augenblick bringt uns Menschen mit dem Erlebnisgegenstand in nähere Beziehung. Wir beginnen unä rund um das Erlebnis Gedanken zu machen, die später sogar ganz unbewußt ihren Ausdruck finden können. Ist das der Fall, dann hat das Erlebnis g e w'i r k t. Ist nun durch ein nachhaltiges Erlebnis die Möglichkeit gegeben, dort den Menschen zu packen, wo Begreiflichmachen und williges Einsehen fehlschlugen, dann ist es nicht zuletzt der moderne Erzieher, der das Erlebnis zu einem Erziehungsfaktor erhebt und es unter Umständen auch absichtlich herbeitnhrt. . Ein Fall aus der Praxis der Erlebnispädagogik: Der Schüler H. kommt als einziges Kind in die Schule. Die Mutter hat das Kind für die Gemeinschaft nicht vorbereitet. Sie hat es nicht verstanden, die Sympathie, die sie heim Jungen genießt, auch auf andere Mitmenschen zu übertragen. Die Folge war, daß sich das Kind bei Schuleintritt schwer tat. Außerdem war es als Muttersöhnchen, sehr verzärtelt• und ungezogen, weshalb ihm die neue Umgehung auch unbehaglich war. Es vergingen Tage und Wochen,־ der Junge aber sonderte sich noch immer von*seinen Kameraden ab. Selbst in der Pause führte er mit ihnen kleine Gespräche, denn ein ״W i r“ ist nach seinen bisherigen Erfahrungen nicht gebräuchlieh gewesen. Der Lehrer wartet den richtigen Augenblick ab. Eines Tages hat H. keine Jause mit. Die Pause beginnt, er sitzt auf seinem Platz und fällt weiter nicht auf. Gegen Ende der Pause beginnt er verzweifelt zu weinen. Sollte ihm etwa seine Mutter, mit der er sicli als dem einzigen Mitmenschen verbunden fühlt, die FrftUh.0.7, schaft aufgesagt haben? Nach langem Hin und Fier wird von der Klasse teilnahmsvoll erzählt, FI. Habe in der Pause gar nichts gegessen, was auch H. nach längerem Sträuben zugibt. Nun erlebt unser Muttersöhnchen zum ersten Male ״Gemeinschaft“. ״Bitte, darf ich ihm eine halbe Buttersemmel gehen?“ ״Bitte, ich habe eine Banane.“ H. ist erstaunt, daß sich andere um ihn kümmern und nimmt zögernd die Buttersemmel. Nach Ende des Unterrichts reicht H. seinem Helfer spontan die Hand. Von diesem Tage an wurde es mit FI. in bezug auf sein Gemeinschaftsgefühl immer besser. Er hat e r 1 e b t, daß es außer seiner Mutter noch ein ״Du“ gibt, was ihm auch seelisch nahegegangen war. So, hat er den Kontakt zu den anderen gefunden. Für Erwachsene eine* scheinbar ganz unbedeutende Sache, für das Kind ein Erlebnis, das eine gänzliche Um- Stellung seines sozialen Lebenss t i 1 e s bewirkt hat. So ist durch zufällige Erziehung das gelungen, was ahsichtliche Beeinflussung nicht so rasch zustande gebracht hätte. Wir sehen also, daß die Macht eines Erlebnisses von so nachhaltiger Wirkung sein kann, daß es den Menschen aus seinen sozialen Vorurteilen herauszureißen vermag, indem es ihm das wahre Gesicht seiner Mitmenschen zeigt.. — Ein Erlebnis gab ein Individuum der Gemeinschaft zurück. ■ Zum Jahrzeittage des פני יועזע am 14. Schwat. Jeder, der die wirkliche jüdische Wissenschaft pflegt, dem täglich, stündlich, so oft er die Gemoro aufschlägt, eine neue Offenbarung wird, der kennt den. פני יושע Er ist es, der uns stets, vor einem schwierigen, talmudischen Problem stehend, ratend und auf klärend zur Seite steht, um uns spielend über unlösbar scheinende Schwierigkeiten, mit seinem Scharfsinn hinwegzuhelfen. Daß dieser Große schon seit 177 Jahren nicht mehr unter uns weilt, daran muß man erst g e m a h n t werden. Er lebt so greifbar vor uris, in den Früchten seines Lebens, die er uns in seinem Werke reichte, sein Sinnen und Denken beeinflußt so direkt und unmittelbar unser Geistes- und Gemütsleben, daß es erst durch den Jahrzeittag zum Bewußtsein kommt, daß dieser Godol b-Jisroel schon so lange im עולם' ,האמת weilt. Sein Leben und Wirken unterscheidet sich wenig von den zahlreichen großen Zeit- und Schicksalsgenossen. Seine Biographie entnehmen wir dem Vorworte zu seinem Werke. Er wirkte in den Gemeinden, die damals zu den größten jüdischen Gemeinden gehörten: Lemberg, Berlin,‘ Metz und zuletzt in Frankfurt.; Rabbi Jakow Joschua hatte sich nie mit der Absicht getragen, die Früchte seiner tiefen Forschungen dem Druck zu übergeben. Die im Jahre 5463 in Lemberg erfolgte Katastrophe brachte es mit sich, daß er seine Vornähme änderte. Es war am 3. Kislew, als um den Rabbi — wie gewöhnlich — ein großer Kreis seiner Schüler versammelt war, um, an seinen Lippen hängend, seine Belehrungen zu empfangen. Da erfolgte plötzlich eine furchtbare Explosion. Unter den Trümmern wurde eine ungezählte Menge von Menschen begraben. Von den jüdisehen Einwohnern des Hauses fanden alle 36 Personen | den Tod. Die Frau des'Rabbi Jakow Jeschua, deren Eltern sowie seine Lieblingstochter verloren bei der Katastrophe ihr Leben. Der Rabbi selbst wurde in die Tiefe geschleudert und vom nachstürzenden Schutt und Gebälk lebend begraben. In dieser entsetzlichen Lage sprach der Rabbi das Gelübde aus: wenn ihm Haschem wieder das Leben, schenke, wenn ihm wieder ein neuer Kreis von Schülern erstehen werde, dann wolle er sein ganzes Leben dem tiefgründigen Studium der Gemoro und Poßkim weihen und seine Forschungen durch den Druck zum Gemeingut der jüdischen Gesamtheit machen. , Kaum hatte er dieses Gelübde ausgesprochen, als Im redaktionellen Teil enthaltene' entgeltliche Notizen sind durch ein nachgesetzes E gekennzeichnet» Die reisende Dame erhält bei mir scholl innerhalb 6 Stunden m 1 eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitzet der weltbekannten PGrÜCkQH"KUHftWGrkftätte Wien I, Kärntnerring «י

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