Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 19 (1933)
- Issue
- 4 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 tff.,4 «k r .. 4 1. ft. Tln.a1*l1lna!fv tritt die Rabbinatsstelle in Jerusalem an. Wie wirvon informierter Stelle erfahren, fiat So. Ehnv. Herr Ö b e r t a b 1) i n e t J. H. Düs c h i «- sky in Chust nunmehr seiner Wahl 2um Öberrabbiner der orthödld^eti Gemeinde in Jerusalem als Nachfolger des verewigten Oberfabbihers Rabbi Josef Chajim Sonnenfeld 5 5 צ ־ . endgültig zugestimmt uAd den üblichen, künstlerisch ausgestatteten ״Rabbonus-Brief“ aus der Hand des Vertreters der Jerusalemer Gemeinde, Herrn Rabbiner Jon. Benj. Horovicz, freudigen Herzens in Empfang genommen. Oberrabbiner Duschinsky und seine Familie treten; t ]Eine neue Geseri* in Sowjetrußland. Zehntausertden ,Juden droht Ausweisung aus Moskau, . Leningrad und Charkow. Am 20. Jänner begann die Ausgabe von Pässen für die Einwohnerschaft der drei größten Städte der Sowjetunion: Moskau, Leningrad und Charkow; In einer Zone von 100 Kilometer um Moskau und Leningrad und 5ÖKilometer Um Charkow muß jede Über 16 Jahre alte' Person bis spätestens 15. April d. J. im Besitze eines Passes sein. Zur Erhaltung eines Passes ist u. a. die ,Vorläge eitles Zeugnisses des Unternehmens, in dem der Paßanwärter.־. beschäftigt ist,', notwendig; j,uner\vünschte Eiementö4‘ werden keine Pässe erhalten und י gezwungen werden, binnen zehn Tagen ihren Aufenthalt auf Orte außerhalb der genannten Zonen zu verlegen. Man nimmt allgemein an, ,daß mehrere, Hunderttausende Einwohner Moskaus,,' Leningrads und Charkows als ״gewesene Kulaken“,; ״verdächtige Elemente“, , ״Händler" und ״Jjischenzes“ diese Städte werden verlassen müssen, auch wenn sie bei ihren Kindern leben, die in die Arbeitsfront bereits eingereiht sind. Man befürchtet, daß jüdische Einwohner als frühere Händler und Lischenzes zu Zehntausenden die genannten drei Städte werden verlassen müssen. In den Kreisen dieser Großstadteinwohner herrscht Sorge und Verzweiflung. Antisemitische Ausschreitungen in Czernowitz. Am Donherstag, den 19. Jänner, kam es in Czemowitz zu schweren Ausschreitungen von Cuza-Studenten. Die Stadt war Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen den nationalistischen Studenten und der jüdischen Bevölkerung, die sich den antisemitischen Angreifern entgegenstellte. Anlaß zu den Ausschreitungen der Cuzisten: gab ein Prozeß gegen neun junge Juden, die im Verdacht 'stehen, kommunistische Propaganda getrieben zu haben. Es gab auf beiden Seiten Verletzte. Schwerverletzt •wurden zwei Cuza-Studenten und der jüdische Beamte “Hasenfratz. Erst spät abends trat Ruhe ein. ' ״ Eine tausendjährige Synagoge. Ende des , Jahres 1932 war die Synagoge in .Wronki (Polen) tausend Jahre alt. Das G-tteshaus wurde ini Jahre 4693 erstellt, was sich aus der־ eingemeißelten die Reise nach Erez jiSfoel S. G. w, zwei Woche« vor S’ctfwiios an. Wie wir vernehmen, wird eine größere Anzahl von Verehrern und ehemaligen Schülern den neuen Jerusä* lemer örthodoicen Oberrabbiner nach d f, m Heiligen Lande begleiten. Auch ist eine Aktion im Gange, einer größeren Anzahl von Bachurim den Besuch der neuen Jeschiwa des ehrw. Oberrabbiners in Jerusalem zu ermöglichen. (Dämit werden alle gegenteiligen Meldungen ge* wisser Zeitungen und die daran geknüpften Bemerkungen auf ihren wahren Wert zuirückgeführt; — Die Redaktion.) Aufschrift ergibt. Wronki hat heute;5000' Einwohner; und nur 15 jüdische, Familien; ,vor dem Kriege lebten dort zirka" 2Ö0 jüdische Familien. Die Synagoge ist heute noch im Gebrauch^ Wronki liegt in der früheren deutschen Provinz Posen. Die Ueberlieferung berichtet, daß die Synagoge vor tausendv ,Jahren von 63 portugiesischen Juden, die vor Verfolgungen im Heimatlande geflüchtet v.ware'n,^ gegründet wurde.; Diese‘Synagoge beweist, daß jüdische Ansiedelungen in Polen ^bestanden, bevor viele polnische Völkerschaften, welche die Juden aus Polen vertreiben möchten, im Lande überhaupt .ansäßig waren. In Wronki bestand eine der ersten jüdischen Siedelungen in Europa. . t Gerneindewahl in Györ (Raab). Die große Ausbreitung,י die der Zionismus und seine misrachistische Agitation *in, den letzten Jahren in den orthodoxen Gemeinden Ungarns fast unge hindert . finden durfte, beginnt ihre von vielen vorausgesehenen Früchte zu tragen. Wie uns aus Györ (Raab) m׳itgeteilt wird, haben dort die Zionisten bei der am 22. d. M. stattgefundenen Vorstandswahl in der orthodoxen Kultus- ■ gemeinde einen vollen Sieg errungen,, indem die zioni- : stische Liste unter Führung des bekannten Zionisten Dr. Albert Lemberg er die Majorität erhielt und aüf der ganzen Linie die Gemeindeleitung erobert hat. Nach dem bekannten Verhalten der ungarischen Orthodoxie den allein wirksamen agudistischen Abwehrbestrebungen gegenüber, liegt die Befürchtung nahe, daß bald auch die Zionisten anderer orthodoxer Gemeinden .des Landes dem ermutigenden Beispiel ihrer Györer Gesinnungsgenossen folgen werden. Unser Berichterstatter fragt, ob die Agudas Jisroel auch solchen Erscheinungen gegenüber noch. ein Recht hat, Untätig zu bleiben und die Schuld an dem : Erfolg der Zionisten auf andere zu wälzen. — W i e 1 a n g e n o c h? . ' * ' . Lebensversicherungsn U 5*8 II I VB Gegründet Gesellschaft VyK H W N I A 1882 t;,Versicherungsbestand Ende 1931 . . . ...... . . . . . ... . . 2775 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1931 ..... . . . . . ... . . . . 182 Millionen Schilling : Garantiemittel Ende 1931 . . . ... . . . ... . ... 472 Millionen Schilling Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1931 ...... . .... . •43 ׳ Millionen Schilling ״ 'Am Ende des Jahres 1931 waren bei der Gesellschaft 83 6.664 Personen versichert. ״ ’ Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutschland; Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Italien, Tschechoslo- . wakische Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Aegypten und Kleinasien. | FEUILLETON ■ Das Minchagebet. Zu dem berühmten Rabbi Israel Bai-Schern- 'To w kam ,׳eines Tages einer seiner Lieblingsschüler, 'Hirschei, den man den ״eisernen Kopf“ nannte, mit einem .besonderen Anliegen: ' ״Rabbi“, begann er, ״Ihr habt mir so oft Beweise *eurer väterlichen Huld während der fünf Jahre gegeben, welche ich hier lerne, daß ׳ich dadurch den Mut gefunden habe, eine große Bitte an euch zu richten. Führt mich .ein in die Wissenschaft der Kabbala!“ Der .greise Meister sah den Bittsteller mit, einem eigenen Blick an, ohne einige Sekunden lang ein Wort zu erwidern. ״Hirschel“, sagte er dann mit leutseliger Milde, ״man nennt, dich wegen deines Scharfsinnes und guten Gedächtnisses den. eisernen Kopf, aber mit der Bitte verrätst du nicht viel von diesen Vorzügen. Wie alt bist du?“ ״Ich bin einundzwanzig Jahre alt.“ ״!Bevor man das vierzigste Jahr erreicht hat,, pflegt inan sich nicht mit der Wissenschaft der .;Kabbala zu;befassen; das sollte dir doch bekannt sein.“ . . ״Das!ist mir allerdings bekannt“, entgegnete der Schüler. ״Aber mir ist auch bekannt, daß unsere Väter .vierhundert Jahre in der ägyptischen Knechtschaft schmachten sollten und doch schon nach zweihundertzehn Jahren befreit wurden, weil die Schwere des Druckes seine Dauer aufwog, Rabbi! Ich habe in den einundzwanzig Jahren meines Lehens so viel gelitten, so viel .,gehungert, so viel Nächte durchwacht und, ich darf vielleicht auch sagen, so viel gelernt, wie andere kaum in vierzig Jahren. Sollte., die Qualität bei mir nicht auch die Quantität ersetzen, und, wie unseren Vätern die hundert-• vierzig Jahre, So mir die fehlenden neunzehn Jahre erlassen werden können? Der Prozentsatz würde genau stimmen.'4 ״Weißt du auch, daß man die Wissenschaft der Kabbala nicht beginnt, ohne die geschriebene und mündlieh überlieferte Thora zu kennen, ohne wenigstens den Talmud vollständig innezuhaben; hast du ganz Schass im Kopf*?•“ ״Gknz Schass? Das könnte ich *nicht sagen« Aber halb Schass.“ . ׳־׳'■■: ״ ״So, ■halb Schass behauptest du zu können?; Welche Hälfte?“ ״Welche der Rabbi Will!“ erwiderte Hirschei. Der Rabbi mußte über diese Antwort lächeln, denn sie zeigte ihm, daß es mit den\ eisernen Kopf Hirscheis doch seine Richtigkeit zu. ■haben schien. ״Ich will mir die Sache überlegen“, erwiderte der Meister nach einigen Augenblicken. ״Du hast doch wohl selber nicht ei'wartet, daß wir heute schon anfangen. Ich glaube, wir fangen morgen und übermorgen auch nicht an. Aber komme morgen, um diese Zeit wieder, dann will ich deine Fähigkeit durch eine Probeaufgabc feststellen, von deren Lösung die Erfüllung deines Wunsches; ab'hängen soll.“ Hdrschel dankte seinen! Lehrer für diese bedingte Zusage und verließ das Schiurzimmer, indem, er, den Rücken der Türe zugewendet, rückwärts gehend, sich ' verabschiedete. Es war ihm kein Zweifel, daß ihm der ׳ Lehrer die Sache nicht leicht machen würde, aber daß die ihm zu stellende Aufgabe eine so eigenartige sein werde, wie es in Wirklichkeit der Fall war, das hätte er sich nicht träumen lassen. Als er sich nämlich am, anderen Tage wieder erwartungsvoll seinem Lehrer vorstellte, sagte ■dieser: ״Ich habe mir die Sache überlegt, und weil ich dich wirklich als fleißigen, frommen Schüler kenne und schätze, will ich von einem talmüdischen Verhör , absehen. Dagegen verlange Ich von dir, daß du ein einziges Mal so andächtig dein Minchagebet verrichtest, daß du bei keiner Brocho (Segensspruch), ja 'bei keinem Worte einen fremden Gedanken aufkommen läßt. Sobald du mir eidlich versichern kannst, daß ׳du dieser Aufforderung entsprochen hast, steht der Erfüllung deines, Wunsches nichts mehr entgegen.“ ״Sonst nichts?“ erwiderte Hirschei und sein eiser- ’ ner Kopf strahlte vor Freude, ״Dieser Anforderung gedenke, ich «och 'heute beim Minchagebet zu entsprechen . und werde dann dem Rabbi Mitteilung davon machen.“ Der Meister aber erwiderte mit ernstem Tone: ״Wenn du das für so leicht hältst, so wirst du bald . genug merken, daß du dich im Irrtum befindest, Ein eiserner Kopf ist schon gut* für ein andächtiges Gebet, aber es gehört auch ein Herz dazu, Du hast bisher mehr den Kopf als das Herz, mehr den Geist als das Gemüt gebildet, dessen wirst du. jetzt bald mne werden. Also du bist mit där von mir• gestellten Bedingung einver- ׳standen!“' /,"׳" ׳ יי . Vo« Wedie an Wodie M Im Jah re' 1932 sind 88i9 Juden in Erez-Jisroel eingemänderh ithhvihtten 3339, die als Touristen ins ‘Land;leameh und na 6 h tra glic h die Aufenthalte bemitligung erhielten. 892 sind ...Kapitalisten“. die sieh iibef den Besitz privater Mittel ausmeisen konnten. . * Cuzislen stürmten die Synagoge in Turna- Magurete. zerstörten Türen. Fenster und innere Ein- ■rieh hing und schändeten TJiorarollen. ‘ *' * ־ ־ - ln Vetach-Tikwa wird von der Agiula ein Kindertagesheim errichtet werden. Die Mittel hiezu werden hauptsächlich in der Schweiz aufgebracht׳ . , , . ....! .! .*״ ־* ,* ׳. ' ■ * '־v ׳ " י" י י .'’ ׳;;־ ׳ Der ..Kotei:'schomre .hachomotli“ (slowakischer Kolel) hat im .letzten Jahre iibe^ jfS Millionen Tschechenkronen auf gebracht: und fast zur Gänze nach. Erez-Jisroel überwiesen. Die Verfoktttlngs- Spesen betragen nur 2300 Tschechenkronen, das sind n i c h t e i n m a 1... 2 Pr o m il 1 e. In. Tel-Awiw soll eine Industriezone, geschaffen werden. Wahrend sich bisher mehrere Fabriken im Herzen der Stadt befinden, was dem Stadtbild Abbructl lül) sötten selbe jetzt, in diese Zone verlegt 1verden.; * In G ihr a 71 a r geht k ei n jüdisches Kind am S ab b a I: zur S c hu 1 e. Die jüdische Gemeinde, die in allen ihren Teilen gesetzestreu ist. erhält eine eigene jüdische Elementarschule. Aber auch die Schüler der anderen Schulen bleiben ausnahmslos am Sabbat der Schule fern. Ein j ii cl i s c h er M a i rose stürzte sich in selbstmörderischer Weise ins Meer und wurde nach 43 Stunden bewußtlos und vollkommen erschöpft gerettet. Ursache waren die antisemitis dien Verfolgungen, denen er seitens seiner Kollegen ausgeselzl war. Die in Tel-Awiw während des Monats September gemährten Bauerhiubnisse umfassen 12.150 Quadratmeter. Gegenüber dem September des Vorjahres beträgt die Steigerung 80 Prozent. ׳ * Zwischen A e g ij pl e n und P a l ü s ii na soll eine heue Eis e nbahnli n i e gebaut werden, die 240.000 Pf und kosten würde. * :r ' S a 7 o n i k i ist so überfüllt, daß es seine Bevölkerung nicht mehr ernähren kann. Im Jahre 1932 haben 2000 Jude n die Stadt verlassen. Hermann Feldheim Wien I9 Salztorgasse 6 Textilwaren en groß. Eigene Manipulation von Weißwaren. Detailiverkaul zu En-gros-Preisen. Günstige Einkaufsquelle für .Brautausstattungen. ■0 ״Ich danke dem Rabbi vom .ganzen Herzen“, entgegnete Hirschei, ״daß mir die Erfüllung meines Herzens- Wunsches so leicht gemacht wird, und ich hoffe, bald die Bedingung zu erfüllen.“ Hirsche! eilte, fort in das Bes-Hjamidrosch, wo er wußte, daß noch nicht Mincha ,gebetet war. Dort wollte er sich in idie Schar der andächtigen Beter mischen, und sich den Preis rasch verdienen. Aber er gewann es nicht einmal über sich, den ersten Segensspruch. mit ungeteilter Andacht , beten zu können. Immer wurde sein Gedanke auf das gesteckte Ziel gelenkt. Er ■dachte an die ne,u zu erlernende Geheimwissenschaft, an die Ueberraschung des Meisters, wenn er ihm heute abend schon seine Andacht beschwören könnte, er dachte an alles. Mögliche und!Unmögliche, bis er sich ■dabei ertappte, daß er■ an sein Gebet darüber vergessen hätte. Als er sich am Ende des ersten Segensspruches verbeugte, riß ihn diese Körperbewegung aus seinen Träumen und er mußte mitten im ■Gebet verdrießlicherweise einräumen, daß es für heute schon unmöglich sei. ■Er beruhigte ■sich, daß er heute noch zu unmittelbar unter dem Eindruck der Freudenbotschaft gestanden, daß es .dafür morgen um so leichter .,gehen werde. Aber morgen und übermorgen wiederholte sich’s ,ganz in derselben Weise. Dachte er daran, durch seine Andacht die Sehnsucht seines Lebens nach der Ge'heimwissenschaft der Kabbala zu befriedigen, so vergaß er darüber das Wort des Gebetes, so daß es andachtslos über die Lippen ging. Suchte er aber jeden Gedanken daran zu unterdrücken, so war ihm damit auch ■die Quelle für die besondere Andacht verschlossen, •und er betete nur in der Weise, wie er sonst gebetet hatte und wie es seine ganze Umgebung tat. Nach sechs Wochen trafen Lehrer und Schüler wieder allein zusammen und ersterer fragte: ״Na, Hirschei, ׳hast du das Kabbalastudium aufgegeben?“ ״Lehrer und׳ Meister“, erwiderte der Angeredete, ״seit sechs Wochen quäle ich-mich Tag für Tag. uni die mir gestellte Bedingung, zu erfüllen. Ihr habt Schweres von mir gefordert und ich •habe es für so leicht angesehen. Ich weiß nicht, wie lange es noch dauern kann, bis ich Mincha ohne einen fremden Gedanken werde gebetet haben!“ ״Du bist aber“, entgegnete der Meister, ״dem Ziele bedeutend näher, sobald du, Y0n der Schwierigkeit seiner .,Erreichung überzeugt.jbist. Vielleicht erlangst ■du es, wenn du in das vierzigste Lebensjahr eingetreten bist.“