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Jüdische Presse · 1933-01-27 · 4 (27.1.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
4 (27.1.1933)
Date
1933-01-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NöviftöVe vtffilatne »ovolene riadit post a teiegfrtlö* * BfatteTave 8Mf93Mlt4fc׳■ Zeitungen vom Verleger versendet Journal expiedie päf r&üte«f. V. b, b. JUBBGHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Redaktion u. Administration: Wien, II., Malzgasse Nr. 12 a. •— Tel. A-48-4-15. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — RedaktionsschluB: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K 80» das übrige Ausland 3 Dollar, Einzelnummer Öst. Gr. 40. ZamunB<tt •ut Konto .JQdiseht Presse*, Wien fflf ÖMt •f reich < Post8Darkas1eDkönto Nr. D-93614; Deutschlandi Poet* aeheekkonto Berlin Nr. 13261S; Jugoslawien t P08t8pk.־Am» Zagreb Nr. 40217; Polen i Post8pk.*Amt Warschau Nr. 19040S; Ungarn! P08t8pk.*Amt Budapest Nr.50170; Schwele! Poet- ■cheekk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei r.JÜ; dische Presse", Bratislava, Pöstspk.-AmtPrkg Köflto Nr.533SS . ' ׳■׳-•׳׳■׳.. .1,. : ■׳■•■■■•׳׳.׳ ■ ■ 1 ׳׳׳:׳׳•.. 1 ■ ■ Nr. 4 Wien-Bratislava, 27. Jänner 1933 •ב*ה וינא־פרעסבוינ כ״ט טבת תרצ־ג 19. Jahrg. Und jetzt... Der Beschluß der Israelitischen Kultusgcmeindc Wien, das allgemeine aktive und passive Wahlrecht, also auch das der Frauen, in die Verfassung der Gemeinde einzubauen, wurde in der ersten Sitzung des neugewählten!Kultusvorstandes mit den Stimmen der zionistischen Majorität gefaßt. Man greift sich an den Kopf. In Wien, der Stadt des jüdischen — religiösen, geistigen und materiellen — Massenelends, haben die Sachwalter der Gemeinde am ersten Tage nach der Machtergreifung nur das eine Bedürfnis, ihrer demagogischen Phraseologie, selbst um den Preis ungeheurer Kosten, gerecht zu werden. Die Kultusgemeinde, die seit jeher das Recht der Wortführung• ■in religiösen Fragen usurpiert hat, ist damit offen in schärfsten Wider s-pruc h zu den klaren Be- Stimmungen des jüdischen Religionsgesetz e.s getreten. Die zionistischen Frömmler haben Farbe •bekannt und gezeigt, wie ihre demagogischen Floskeln, die sie •vor den Wahlen in Klausen und- Bethäusern, (in Versammlungen vor irregeleiteten religiösen Menschen .oft״..״ genug , unbehindert zum. besten geben konnten, zu werten sind. Wir werden ihnen Dank wissen dafür. Nie wären wir imstande gewesen, deutlicher und klarer den Hirnen der jüdischen Massen Wiens die Erkenntnis beizubringen, daß der zionistische Nationalismus weitanschauungsmäßig im Kampf gegen die Religion steht. Aller politischen Klugheit zum Trotz, aller sonst aufgetragenen Scheinheiligkeit zum Spott, hat die zionistische Majorität sich rascher, als wir es für möglich gehalten haben, deklariert. ' Die Wirkung ■ist nicht ausgcblicben. Es hat in der letzten Woche wohl keinen jüdischen Kreis gegeben, in welchem über diesen Beschluß der Kultusgemeinde nicht gesprochen worden wäre. Aber nur gesprochen. Wenn ׳wir auch den Wert dieser Erregung in den jiidisehen Massen Wiens nicht, unterschätzen, so halten wir es doch für unsere publizistische Pflicht, dieser Erregung Wege zu weisen, die sie zun Tat werden lassen. Die Zionisten wissen, Avas sie tun. Sie Avollcn ihre Majorit"ä t für Generationen sichern. Wir Avissen nicht, ob ihre Rechnung stimmt. Ob. nicht noch andere Kreise in Wien existieren, die ihnen noch Ueberraschungen bereiten werden. Mag sein, daß sie im Kampf selbst ihren ZAveck finden. Wir aber, die wir in der Avahren Gemeinde die SachAvalterin r e 1 i g i ö s e r Interessen sehen, wir sind in unserer unentwegten Uebcrzeugung nicht nur neu gestärkt, sondern im .Kampf um die selbständige Gemeinde auch um eine neue Waffe bereichert AArorden: Nur eine unabhängige orthodoxe Gemeinde, die auf Basis des Schulchan Arüch konstitüiert ist, kann den religiösen Bedürfnissen und Empfindungen der thoratreuen Judenheit gerecht werden und nur in einer solchen Gemeinde können . wir die j ü d i s c h e ״Kehilla“ erblicken. ׳ ־'Schon; einmal hat eine Kultusgemeindeleitung Be- Schlüsse gefaßt, die mit ■den! Religionsgesetz in Widerspruch standen. Damals saß im Rabbinat der. Gemeinde ein Mann, der, ohne an seine Position zu denken, einfach der Kultüsgemeinde den Rücken gekehrt und aus ihr ausgetreten ist, Er hat nicht geAvartet, wie sich der Beschluß auswirken Avird,. sondern ■hat die Konsequenz aus der Möglichkeit eines s 011 c 11 e n B e! s o h 1 tt s s e s allein gezogen. , ' , Für uns ist der Weg nunmehr klar vorgezeichnet. Die religiösen Massen Wiens müssen in Bewegung gesetzt Averden. Ueber alles Trennende ,hinweg müssen sich alle jene, die religiös denken; und fühlen, zusammenschließen, um die Konsequenz aus dem Beschluß zu ziehen und die religiöse Gemeinde zu schaffen. Keine Regierung der Welt und am allerwenigsten die österreichische, die. in ilren Grundzügen religiös eingestellt ist, wird religiösen Menschen zumuten, Leistungsträger einer ׳Gemeinde zu bleiben, die ihre religiösen Grundsätze mit Füßen tritt. Aus Erez Jisroel. Die nationale Assimilation macht Fortschritte. Die Silvesternacht Avird in der jüdischen Stadt Tel-Awiw nicht minder gefeiert als in den Großstädten Europas. Bereits seit mehreren Jahren bürgert es sich ein, daß die Nat'ional-Judeh!in Tel-AAviw j das christliche Neujahr feiern. In den besseren Hotels• und Gafes finden besondere Silvester-Veranstaltungen •und Bälle statt, bei denen zu Ehren der Silvesternacht getrunken Avird. Die orthocloxen Juden empfinden natürlich diese nationale Assimilation als ■einen Faustschlag ins Gesicht, können aber dagegen nicht viel unternehmen. * Die zionistischen S c h u 1 e n tragen das ihrige zu dem Abfall von der Jiidischkeit bei. Es müssen nicht immer christliche Bräuche sein, auch das Ghanukalicht kann dazu dienen. In der Kolonie ״Giiwas edah“ erzählte der Lehrer den Kindern von den Makkabäern und zündete dabei auch das Chanukalicht an — am Schabbos! Ein solcher C'hilul Schabbos ist vielleicht noch nie vorgekommen und blieb den Herren Zionisten Vorbehalten. Der Schabbos ist für sie nationaler Ruhetag, an dem die Geschäfte zu ruhen ■haben. Alles andere ist für sie keine Schabbos-Entweihung. Die reinen jüdischen Kinder- Seelen aber, die einen solchen. Unterricht genießen und in einem Geist von Apikorsus und Minus erzogen werden, müssen natürlich Juden Averden, die mit der, jüdischen Tradition brechen. * ln der letzten Zeit Avurde ein energischer Kampf gegen die Trefah-Fleischbänke in der jüdischen Stadt Tel- Awhv aufgenommen. Es gibt dort neun Trefah-Fleisch־ bänke, die ausschließlich Juden zu ihren Kunden zählen. Hauptsächlich gehören diese Juden der sogenannten ״Intelligenz“ an. Man kämpft jetzt so gegen diesen schändlichen!Unfug, indem anan in den Straßen von Tel- Awhv auf großen schwarzumrahmten Plakaten die Namen jener veröffentlicht, die Trefah-Fleisch kaufen. Hoffentlieh Averden sie vor der Anprangerung zurückschrecken . und koschere Fleischwaren kaufen. ־1־ ׳ Das Wetter in Erez Jisroel hat letztens eine Aende- . rung erfahren. Während es gewöhnlich im Winter regnet und im allgemeinen schön ist, sind in der letzten Zeit, besonders in Jerusalem, andauernd trockene Fröste.' Es herrscht jetzt geradezu europäisches Klima. Nach dem letzten ״trockenen“ Jahr ist aber, der Regen sehr not- Avendig. In Tel-Awiw und in Haifa hat es bereits etwas geregnet. Im heurigen Jahr ist die Wetterbildung, überhaupt an Ueberraschungen sehr.reich. Im Sommer gingen in Jerusalem A\׳interartige Regen mit Hagel nieder, was ,sehr selten vorkommt, ln Jerusalem Averden jetzt infolge des katastrophalen Regenmahgels an der Klagemauer und in den Bethäüsern Gebete um Regen verrichtet. Die neue orthodoxe Einwanderung macht sich auch in einem Aufleben des Thorastudiums bemerkbar. Die Jeschiwa ״Or Soreach“ in T e 1 - A w i w entwickelt sich Unter der Führung Rabbi Oscher Sandomirskis in gün- REDLER-MOBEL behalten dauernd Schönheit und Wert Beachten Sie meine neue Adresse: Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitglied) ,; Die religiösen Führer haben das Wort! Sie mögen heraustreten aus .ihrer Reserve, tim den Kampf in den ersten Reihen mitzumachen. Alles muß in Bewegung gesetzt Averden, jung und alt, um das Ziel so rasch als möglich zu erreichen. I.m Kampf erst werden Avir sehen, Avie groß die Zahl der religiösen Juden Wiens ist, Avie maßlos die Erregung, Avie stürmisch die Begeisterung, Avie groß die Hingäbe an d׳ie Idee der thoratreueii Gemeinden ist. S. stiger Weise. Der Jeschiwa wurde jetzt eine Unterstufe, eine ישיבה קטנה angegliedert. In Petach Tikwah hat vor etwa fünf Jahren der Begründer der Lomschaer Jeschiwah, Rabbi Elieser Schilowicz, seine Lehranstalt auf gemacht. Nach vielen Kämpfen hat,sie mit dem neuen Rabbiner von P.-T., Rabbi Rüben Katz, einen wesentlichen Aufschwung erfahren. " Haifa, dieJStadt. der Zukunft, ist.hinter, den, anderen Städten in dieser Beziehung etwas zurückgeblieben. Immerhin steht die Talmud-Thora-Schule ״Thoras Emes“ auf einem hohen Niveau. Die noch junge Jeschiwah ״Tiferes Israel“ ist in der EntAVicklung begriffen. Sie ist jetzt daran, sich auf dem Karmel ein eigenes Haus zu errichten, und es ist zu hoffen, daß mit der zunehmenden Konjunktur in der atadt auch das geistige Leben und sein Zentrum in der Jeschiwah neuen Auftrieb erhalten. Die Mandatskommission des Völkerbundes über Erez Jisroel. Die Mandatskommission behandelte auf ihrer jüngsten Tagung die Petition der Agudas Jisroel vom 30. Juli 1931 um\ gleichberechtigte öffentlich-rechtliche Anerkennung der bisher als Privatvereine geltenden orthodoxen Gemeinden in Erez Jisroel. Der bekannte bisher ablehnende Standpunkt der Palästina-Regierung wurde von dem Vertreter der Administration, Moody, begründet. Es erscheine der Regierung nicht wünschenswert, neben der ״Knesses Israel*:‘ eine zweite jüdische Gemeindeorganisation anzüerkennenj, zumal ein Gewissenszwang nicht vorliege und auch unter dem herrschenden Gesetze der religiösen Betätigung der privaten orthodoxen Gemeinden und auch der aus der Knesses Israel ausgeschiedenen Juden kein Hindernis^ in den Weg gelegt werde. Man halte es daher für richtig, die Frage der Sondergemeindebildungen in der Judenheit einstweilen zurückzustellen. ' , " ‘ Der Berichterstatter der Mandatskommission betonte, daß eigentlich nicht einzusehen sei, welche Nachteile die Anerkennung der orthodoxen Gemeinden als gleichberechtigter öffentlich-rechtlicher Körperschaften mit sich bringen könne, zumal auch in der christlichen Konfession in Palästina eine ganze Anzahl voneinander unabhängiger und öffentlich-rechtlich anerkannter Gemeinden bestehen. Daß der Mangel der öffentlich-rechtliehen Anerkennung keine Rechtsnachteile mit sich bringe; lasse sich kaum behaupten. Die, Mandatskommission selbst hat zu der Petition vorläufig noch nicht endgültig Stellung genommen. ' Jüdisches Siedlungsland in Transjordanien? ׳ Eine jüdische Gesellschaft in Erez Jisroel hat mit dem Emir Abdullah von Trans jordanien e^nen Pachtvertrag abgeschlossen, laut dem der Emir aus den!' in seinem persönlichen Besitz befindlichen Domänen 70.000 Dunam Boden für 2000 Pfund jährlich für eine Dauer von 99 Jahren der Gesellschaft in Pacht übergibt, Die extremistische arabische Partei ״Istigulal“ hat den Emir ersucht, den Verkauf von Boden in Trans jordanien an Juden nicht zuzulassen, Es handelt sich um Boden, der *direkt an Palästina-Territorium angrenzt. mm . ,'»uiuy : . erhält bei mir schön 6 Stun den eine individuell, ihrem Gesichte׳ entsprechend modellierte Perilcken*K11nstwerkstätte Wien 1V Kärntnerring 6'^eT״e1b־pi.0H״oNr! v&uie

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