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Jüdische Presse · 1933-01-13 · 2 (13.1.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
2 (13.1.1933)
Date
1933-01-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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j|tng;Lyr JÜDISCHE PRESSE Nty 2 öfcetfl&fciÄ«* Katz «ott Nitra Folge gaben und für die Durchdringung der slowakischen Orthodoxie mit dem Geiste der Aguda rückhaltslos ein traten. Fr selbst Wüfde auch eitt unermüdlicher Mitarbeiter in der örganlsätion üttd ttahm teil an fast allen ihren wichtigsten Zusammenkünften. Fr Wandte sich besonders der Jugendarbeit zu, widmete sich stets mit Liebe und uneingeschränkter Hingabe jeder Einzelheit ihrer unzäh- Ilgen Unternehmungen und war den Mitgliedern der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe aufrichtiger Freund, Sach- Walter und Väterlicher Berater, Er leitete mehr als ein Jahrzehnt allabendlich einen Schiur in der Bratislavaer Aguda-Jugendgruppe, deren Entwicklung er stets mit Rat und 1Fat förderte. Vor sieben Jahren unternahm er auch eine Reise nach Erez Jisroel, von wo er seelisch bereichert heimkehrte. Von tief einschneidender Bedeutung für die Gestaltung der orthodox-jüdischen Verhältnisse in der tschechoslowakischen Republik war auch noch eine andere wichtige Erkenntnis, zu der er um jene Zeit gelangt war, nämlich zu der Erkenntnis von der unabweislichen Notwendigkeit, die Schädigung des Judentums durch die zionistisch-nationalistische Landespolitik mit politischen Mitteln abzuwehren. Er war einer der Ueberzeugtesten und Mutigsten in diesem Kampfe der Orthodoxie, obieich er genau wußte, daß er damit den grimmigen Haß aller neuen ״Heimkehrer" der jüdisch-politischen Nation auf sich lud, deren ״politische" Ambiitonen durch diese Abwehraktion ein wenig in den Hintergrund gerückt wurden. Nach seiner Wahl in die Repräsentanz der Stadt Bratislava bewies er, daß er auch in dieser Körperschaft zugunsten zahlreicher Juden ungemein nützliche Arbeit zu leisten verstand. Solchergestalt ging er ganz, mit allem, was er war und was er an Fähigkeiten besaß, im Ringen um jüdisches Gemeinwohl auf, bis in ihm abermals die Sehnsucht nach der stillen Gelehrtenstube des a=n תלמיד und מורה. הוראה כישראל Oberhand gewann. Er wurde Mitglied des Preßburger כיד צדק und widmete sich fortan die letzten Jahre seines, ach so schnell abgeschnittenen Lebens fast ausschließlich dem Erforschen der תוודק, dessen Ergebnisse in zahlreichen handschriftlich zurückgelassenen Werken und Fragmenten niedergelegt sind, deren Herausgabe die Agudas-Jisroel-Jugendgruppe in Bratislava in Aussicht genommen hat. Das Bewundernswerteste aber an ihm war, daß er, der vielseitig und tausendfältig beschäftigte Mann des öffentlichen Lebens und der Würdenträger mehrerer öffentlichen Aemter, niemals auf gehört hat, auch zu- Hermann Feldheim Wien I, Salztorgasse 6 Textilwaren en gros. Eigene Manipulation von Weißwaren. Detailveivkauf zu En-gros-Preisen. Günstige Ein'kaufsquelle für Brautausstattungen. gleich ein guter und edler Einzelmensch im jüdisehen Sinne zu sein. Er war gefällig und hilfreich, durfte. Seiner Familie war er immer ein fürsorglicher wo er nur vermochte, und übte צדקה ומעיט mehr als er Ernährer und vorbildlicher Gatte und Vater. Seine Frau und vier unmündige Kinder verlieren in ihm ihren treuen, grenzenlos aufopfernden Beschützer, Erzieher und Wegelenker. Möge der Allgütige seine Fittiche über sie breiten! Ein jahrelang im stillen wucherndes Herzleiden hat die körperliche Widerstandskraft dieses nur im Geiste starken Mannes untergraben, bis er hinsank und einzog in das Reich des ewigen Lebens, um aus G-ttes Hand den reichen Lohn für sein gesegnetes Wirken auf Erden zu empfangen. Obgleich man schon seit Wochen um das teure Menschenleben bangte, wirkte die Kunde von seinem Hinscheiden dennoch auf die Gemüter tief bestürzend. Schnell verbreitete sich die Nachricht in der ganzen Stadt und in allen Gemeinden des Landes. Der entseelte Körper einer edlen Seele wurde vom jüdischen Spital in die Wohnung überführt, wo ein Minjan der Mitglieder der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe abwechselnd im ununterbrochenen Lernen die Schemiro hielt. Lange vor der angesetzten Stunde der ד,לוי׳ am Montag mittags waren das Trauerhaus und die umliegenden Straßen von einer nach Tausenden zählenden Trauer- Versammlung gefüllt. Die orthodoxe Gemeinderepräsentanz hielt eine Trauersitzung ab und nahm korporativ an der ״הל!י׳ teil. Fast alle Rabbiner der erreichbar nahen Gemeinden waren anwesend und die Gemeinden, Agudagruppen und Vereinigungen durch Deputationen vertreten. Wer nur zugegen sein konnte, wollte es sich nicht nehmen lassen, dem Heimgegangenen den Tribut der Ehrung und Dankbarkeit zu zollen. Bedurfte es da angesichts einer solch allgemeinen Teilnahme noch vieler Hespedim, um die große Trauer zum Ausdruck' zu bringen, die alle Seelen mit unsäglichem Weh erfüllte? Im Trauerhause sprach vor Beginn der הלוי׳ als Erster Herr Max Löwy namens der zahlreichen Schüler sehr eindrucksvolle Worte tiefsten Leides. Ihm folgte Herr Rabbiner S. K o 1 i s c h im Namen des Besdin und der Freunde des Verblichenen. Im Hofe gab Herr Oberrabbiner Josef Broda aus Myjava als Schwager dem Schmerze der Familie beredten Ausdruck. Der lange Trauerzug füllte dicht die Straßen bis zum כיח ד,חיים Dort sprach nach der Taharoh zunächst Herr Rabbiner Salomon Unsdorfer im Namen des Rabbinats, der Gemeindeleitung, der Chewra Kadischa, der Temime Derech, der Agudas- Jisroel-Orts- und -Jugendgruppe und aller anderen Körperschaften, in denen der Verewigte sich betätigte, ergreifende Abschiedsworte. Darauf würdigte Se, Ehrw, Herr Oberrabbiner Schreiber in einem großangelegten, alle Anwesenden erschütternden Hesped die persönlichen Vorzüge des Entschlafenen und seiner Verdienste um die jüdischen orthodoxen Gemeinschaften und die Gesamtheit auf allen Gebieten des geistigen, reli« diösen, karitativen, sozialen und organisatorischen Lebens. Im besonderen gedachte er seines ausgeprägten Interesses für die Jugenderziehung, seiner warmen Hinjbung für לימוד תור,־ק und seiner treuen Opfer- *reitsahafk in den »eiten der Bedrängnis. Herr Rabbiner mon Lebowitsch schilderte bewegt die allgemeine rauer« die alle Herzen, in dieser stunde erfaßt׳ J?awens -r Gemeinde M 0 d r a widmete Her!־ Oberrabbxner Josua Schill aus ReZinok dem mustergültigen Seelennirtett einem wehmütigen Nachruf. Bum Schlüsse wirkten die wenigen, aber in ihrer natürlichen Schlichtheit um sc tiefer ins Herz dringenden Worte des Schwagers des Betrauerten, Herrn Rabbiners Dr. Rh. Frankl aus Halberstadt» ergreifend auf die Trauerveräamittlung, Dichte Abendschatten hatten sich inzwischen Über dem ganzen Gräberfeld ausgebreitet. Die irdische Hülfe Rabbi Simon Herschiers זצ׳ל wurde in die Erde gesenkt. Zarte Knabenstimmen sprachen herzzerreißend das Kadischgebet, und gebeugt verließ eine tausendköpfige Menschenmenge das ״Haus der Ewigkeit״ mit dem einzigett Trostspruch, der auch den trauernden Hinterbliebenen in ihrem unendlichen Schmerz auf ihr blutendes Herz ein Balsamtropfen' Sein möge:?וכר צריק' לכרכו. Aus der Agudas Jisroel. Die deutsche Aguda-Leltüng nach Berlin verlegt. Die Landesorganisation der Agudas-Jisroel in Deutschland hat den Sitz ihrer Leitung von Hamburg nach Berlin verlegt. Mit dieser Uebersiedlung geht eine Reorganisation Hand in Hand, die äußerlich in der Aufteilung der verschiedenen Arbeitsgebiete auf die einzelnen Leitungsmitglieder zum Ausdruck kommt. Die neue Leitung hat in ihrer ersten vorbereitenden Sitzung einen ausführliehen Bericht des Herrn W. S. Jacobson entgegengenommen, dem sich eine gründliche Diskussion anschloß. Der Delegiertentag der deutschen Aguda soll in Bälde einberufen werden. Gleichzeitig hat auch die deutsche Aguda -Jugend Organisation den Vorort ihrer Leitung nach Berlin verlegt. Aguda-Jugendtagung in Halberstadt. In Halberstadt fand eine zahlreich beschickte Tagung der deutschen Aguda-Jugend statt, die sich mit den aktuellen Arbeitsproblemen befaßte. Besonderen Raum nahmen auf der Tagung die sozialen, Erez-Jisroel- und Organisationsfragen ein, ebenso wie die Frage der Heran- Ziehung des jüngsten Nachwuchses. Die gefaßten Be- Schlüsse treten für die Bildung von Schülergruppen (Pirche Agudas Jisroel), für praktische Erez-Jisroel-Arbeit, für weitestgehende Pflege des Limud-Hathora und für die Angliederung von Sozialkommissionen an jede Gruppe ein. ״Poale Agudas Jisroel“ für die 40-Stunde11־Woche. Die Zentrale der ״Poale Agudas Jisroel" in Polen hat dem Internationalen Arbeitsamt in Genf ein Memorandum überreicht, das sich aus sozialen und religiösen Gründen für die 40-Stunden-Woche ausspricht. In dem Memorandum wird gefordert, daß die 40 Arbeitsstunden auf fünf Wochentage aufgeteilt werden, damit der Samstag arbeitsfrei bleibe. Das Internationale Arbeitsamt wird dieses Memorandum in seiner am 10. Jänner begonnenen Tagung behandeln. Vierte Landeskonferenz in Polen. Die Zentrale der Agudas Jisroel in Polen hat für den 16. Schwat die 4. Landeskonferenz der polnischen Aguda nach Warschau einberufen. Auf der Tagesordnung stehen die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage, das religiöse Erziehungswesen, Fragen der , Erez-Jisroel-Arbeit und die agudistische Kehilla-Tätigkeit. Die Zentrale erläßt aus diesem Anlaß einen Aufruf an alle religiösen Juden in Polen, durch ihren Beitritt zur Agudas Jisroel ihren Willen zur Mitarbeit und ihre Solidarität mit dem orthodoxen Klall zu bekunden. Die Vorbereitungen für die Konferenz sind in vollem Gange. Erez-Jisroel-Keise der Agudas Jisroel. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel veranstaltet wieder eine Gesellschafter ei se nach Erez Jisroel. Die Abfahrt erfolgt am Freitag, den 24. Februar, von Genua, die Ausschiffung erfolgt in Haifa. Die Kosten der Reise, einschließlich des 14tägigen Landaufenthaltes, Unterkunft und Verpflegung sowie des ganzen Besichtigungsprogramms, stellen sich auf RM 530 bei Fahrt 3. Klasse. Die Fahrt allein kostet RM 250. Die Teilnehmer an der Gesellschaftsreise haben auch die Möglichkeit, selbständig zurückzukehren, und zwar behält die Schiffskarte eine Gültigkeitsdauer von sechs Monaten. Nähere Auskünfte erteilt die Palästina-Zentrale in Frankfurt am Main, Hanauerlandstraße 15, in Wien, II., Leopoldsgasse 16, und in Bratislava, Turnergasse 14/16. Erez-Jisroel-Arbeit in Wien. In Wien steht eine durchgreifende Reorganisation der agudistischen Erez- Jisroel-Arbeit bevor. Der Vorstand der Jugendgruppe hat eine Erez-Jisroel-Kommission ernannt, die im Einvernehmen mit der Ortsgruppe innerhalb der Palästina- Zentrale eine rege Tätigkeit entfalten will. Es sollen Möglichkeiten zur Erlangung handwerklicher und landwirtschaftlicher Kenntnisse für jene Interessenten geschaffen werden, die nach Erez Jisroel einzuwandern beabsichtigen. Eine eigene Kassa soll unbemittelten Erez- Jisroel-Fahrern die Reisemittel beisteuern. Die neugewählte Kommission hat bereits zahlreiche Jugendliche zur Mitarbeit herangezogen und man erwartet, daß das bestehende starke Interesse für Erez Jisroel innerhalb der Jugend sich auch in der praktischen Arbeit erfolgreich auswirken wird. Werbemonat für die Bnos Agudas Jisroel. Die Zentrale der Bnos Agudas Jisroel in Polen hat den Monat Tewes als Werbemonat für die Bnos Agudas Jisroel proklamiert. Nowominsker Rebbe ז^י״ל Einen unersetzlichen Verlust hat die orthodoxe Judenheit durch das frühzeitige Hinscheiden des Nowo- ן minsker Rebbe, Rabbi Alter Israel Simon Perlow ל•!■; erlitten, der in Warschau im 58. Lebensjahre von dannen ging. Nowominsker Rebbe war Mitglied des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel in Polen und galt als einer der Größten der polnischen Judenheit. Nachdem er noch in voller Rüstigkeit das Mincha-Gebet verrichtet hatte, wurde er plötzlich von einem Gehirnschlag getroffen, dem er nach einigen Stunden erlag. Der Verblichene war ein Nachkomme des Trisker Magid und des ״Kdischas Levi" und hat mehrere talmudische : Werke verfaßt. Eine י unübersehbare Zahl orthodoxer Juden — man schätzt an die 20.000 — gab ihm das letzte Geleite. Lebensversicherungs- Q U J"i |J I *fit Gegründet Gesellschaft m*0 11 W 11 IA 1882 Versicherungsbestand Ende 1931 . 2775 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1931 . 182 Millionen Schilling Garantiemittel Ende 1931 . 472 Millionen Schilling Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1931 . 43 Millionen Schilling Am Ende des Jahres 1931 waren bei der Gesellschaft 836.664 Personen versichert. Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Italien, Tschechoslowakische Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Aegypten und Kleinasien. | FEUILLETON _j Bilder aus Jerusalem. Reb Herschel wartet . . . Reh Herschel steht an der Straßenecke. Er schaut nach rechts und links und betrachtet aufmerksam alle Vorübergehenden. Er rezitiert dabei bestimmte Verse aus Daniel und Jeschajah und — wartet. Wenn man nun nähertritt und ihn fragt: ״Mein lieber Freund, warum und auf wen wartest du denn hier?" — dann antwortet er mit dem selbstverständlichsten Tone: ״Auf die Oeulah warte ich!" ״Ja, warum denn gerade hier?" ״Ja, warum denn gerade nicht hier? Warum denn gerade an einem anderen Orte? Kannst du dir denn nicht vorstellen, daß Moschiach gerade diesen Weg kommt? Sieh z. B. diesen Juden an, der von dem Judenviertel her auf uns zukommt. Kann es denn nicht sein, daß dieser Mann Moschiach ist? Oder dieser Jude. Er trägt schöne, reine, europäische Kleider und einen schönen, glatten Hut. Kann er deshalb nicht Moschiach sein? Oder dieser Schuster, der von Süden kommt und noch nicht einmal Hebräisch versteht. Kann Gott nicht ein Wunder tun, daß der Schuster seinen Mund öffnet und in der heiligen Sprache der Propheten die Erlösung verkündet? Oder ist denn vor Gott irgend etwas unmöglich — kann nicht vielleicht dieser Schuster einer von den ״Sechsunddreißig" sein? Oder sogar du und ich — wir gewöhnlichen, sündhaften Menschen — können wir nicht für diese große Sendung befähigt werden, wenn nur ein heiliger Gedanke, ein Tauchbad uns von unseren Sünden reinigt, uns von unseren unreinen Gedanken befreit! So, jetzt weißt du es, warum ich hier stehe und warum und auf wen ich hier warte!" * Moischele. Moischele, ein Knirps von drei Jahren, ist nie un׳- tätig. Sofort, nachdem die Mutter an ihre Arbeit gegangen ist — sie verkauft gute Kuchen auf dem Markt —, verläßt auch Moischele das kleine Stübchen. Meint ihr nun, daß Moischele in den Straßen Jeruscholajims herumspieit? Da irrt ihr euch. Moischele ist ein ernster Mann, der sich nicht mit solchen Nichtigkeiten abgibt. Moischele geht ins Beth-Hamidrosch. Er setzt sich in eine Ecke, sitzt und sitzt und betrachtet die Leute, die gerade zu dieser Zeit Schachris beten. Er betrachtet ihre Bewegungen, ihren Gesichtsausdruck, ihr Schaukeln, er schaut und schaut und rührt sich nicht von seinem Platze. Dann legt er die Hand an die Ohrmuschel und lauscht auf die Stimme der Betenden, auf die Töne, das Gemurmel, das Lesen. Moischele sitzt und horcht mit Ernst, und die Bewegungen und die Töne graben sich tief in seine Seele ein. Wenn die Betenden das Beth-Hamidrosch verlassen, dann — geht Moischele noch immer nicht fort. Er weiß, daß jetzt der Schiur beginnt. Nach Ablauf einiger Minuten erscheinen die Jeschiwah-Leute. Sie nehmen die schweren Gemoros von den Regalen — Moischele schaut aufmerk־ sam all ihrem Tun zu — öffnen die Bücher und beginnen in ihren verschiedenen Melodien zu lernen, jeder einzelne in seinem Nigun, bis alle die Melodien sich zu einem großen Chor vereinigen voll Liebe, Vertrauen, Hingabe, Harmonie und von aller erdenklicher Schönheit der Erde. Und Moischele sitzt noch immer an seinem Platze, in seiner bestimmten Ecke, Moischele trinkt mit Durst all die Melodien. Er kann sich nicht satthören, immer mehr und mehr und noch mehr. Und das ״große" Moischele vergißt ganz, daß es auch eine Straße gibt, eine Mutter, Kinder und Spiele. Moischele ist ein sehr ernster Mann, und Moischele gehört ins Beth-Hamidrosch wie die Jeschiwah-Leute, der Oraun-Hakaudeseh und der Rosch Jeschiwah.- Und am Abend, wenn seine Mutter von ihrer schweren Arbeit nach Hause kommt, dann erwartet sie das ״große“ Moischele schon in dem kleinen, dunklen Zimmer. Er eilt ihr entgegen, umarmt und küßt sie und erzählt ihr voll Freude: ״Ach, wie schön war der Tag heute, wie angenehm! Wie habe ich gebetet, wieviel Geraoroh habe ich gelernt!" Und wenn ihn seine Mutter nach dem Essen schlafen legt, und mit ihm das Nachtgebet spricht, dann probiert Moischele an dieser kurzen Tefilloh all die Melodien, die er heute im Beth-Hamidrosch gehört hat. Und seine schwache, müde Mutter seufzt aus tiefstem Mutterglücke: ״Es gibt keinen mehr, der so schön singt und so lieblich betet wie mein Moischele. Möge mir der Allmächtige durch das Sechus seiner Tefilloh beistehen!"

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