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Jüdische Presse · 1933-01-13 · 2 (13.1.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
19 (1933)
Issue
2 (13.1.1933)
Date
1933-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ZeiftiTigeft vom Verleger *er&eiNfet Jotmtal expcdid päf rdditenr Nötitttttil ^pM^tpmlenc *1*ditJ»>sJ« *elcr v BfätislftVe £is. 4i5?2-llI-20. M&. T!»1Tni3 ajt ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion ü. Administration: Wien, 11., Matzgasse Nr. 12 a. — Tel. A-48t4-15. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech.,K 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer Öst. Gr. 40. Zaaiuugen auf Konto ,Jüdische Presse“, Wien tür Oester reich : Postsparkastenkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post* seheekkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Pöst• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ,Jtt• dIsche Presse“, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nf.53386 Nr. 2 | Wien-Bratislava, 13. Jänner 1933 .ביי! וינא־פרעסגוינ ט״ו טבת תרצ׳ג ■ 19. Jahrg. •׳( t. t Oberrabbiner Rabbi Wiederum hat das jüdische Volk schmerzliche Veranlassung, sein Haupt in Trauer zu hüllen. Oberrabbiner Rabbi Simon Hirschier 5*!*ן hat nach langem, schwerem Leiden am 10. Tewes seine Seele ihrem heiligen Urquell wiedergegeben. Die -Gemeinde M o d r a beklagt in ihm ihren väterlich gütigen und klugen Seelenhirten, die Preßburger Gemeinde ihren tateneifrigen Dajan, das slowakische orthodoxe Judentum seinen treuen Sachwalter und die orthodoxe jüdische Gesamtheit einen ihrer besten und verständnisvollsten Söhne. Der Heimgegangene war trotz seiner Jugend eine eigene, in Lichtglanz getauchte Persönlichkeit, die nach Ansicht aller, die sie kannten, in reicher Fülle Schätze an geistigen und religiösen Werten in sich barg, deren volle Entfaltung dem gesamten Judentum noch unermeßlichen Segen hätte bringen können. Er gehörte seiner ganzen geistigen und moralischen Prägung nach, als einer der letzten Nachzügler, dem alten, leider in völligem Schwinden begriffenen Typus rabbinischer Persönlichkeiten an, die ihr ״Amt“ nicht als ״Beruf“, sondern als ״Berufung“ betrachten. Sein ganzes Wollen, sein Streben, sein Sinnen und Trachten war von Jugend —auf bis zum letzten ״Atemzuge ausgefüllt vom Judentum, von der Heiligkeit des Judentums und seiner Lehre, und war beherrscht von der felsenfesten, durch keine Zeit- Strömung zu erschütternden Ueberzeugung, daß dieses Judentum bis ans Ende der Zeiten den Inbegriff alles Wahren, Edlen und G-ttlichen darstellt, das der Menschheit zur Verwirklichung überantwortet wurde. Sein ganzes Leben war vor einer inneren Glut durchflutet, von einem Tatendrang vorwärtsgetrieben und von einem Streben beseelt, das ausschließlich im jüdischen Dasein begründet war. Er lernte und lehrte Thora, weil er sich selber ebenso, wie jeder Sohn und jede Tochter des jüdisehen Volkes, als ein Glied jenes G-ttesVolkes ansah, das er in jeder Lebensregung von dem Siege der Thora abhängig wußte. Der Wille zu jüdischer Vervollkommnung bohrte in seiner Seele und gebot ihm,, immer weiterzusuchen, weiterzuforschen und weiter einzudringen in G-ttes Wort und das Erforschte, das Errungene zunächst in sich zu verarbeiten und es dann hinauszurufen in alle Schichten der Judenheit, damit sie gleich ihm erkennen und von dem Drange erfüllt werden, in ihrer Gesamtheit das zur lebendigen Wirklichkeit werden zu lassen, was der G-tteswille vom jüdischen Volke erwartet. Deshalb kannte er nicht Ruhe und Rast, deshalb mühte er sich mit genialem Elan ab, wo immer die Lebensverhältnisse ihn hinstellten, ein Höchstmaß von Leistungen zu schaffen, um dem Judentum nützlich zu sein. Er hatte einen scharfen Blick für die Gebrechen der Zeit und suchte sie mit Einsetzung seiner ganzen Tatkraft zu heilen. Von Natur mit sehr reichen und mannigfaltigen Geistesgaben gesegnet, war es ihm nicht allzu schwer geworden, sich im Getriebe der gesamten Kulturwelt umzuschauen und die Entwicklung der modernen Menschheit zu beobachten. Das war die tiefe, verborgene Ursache jener Unruhe, die für sein Wesen so bezeichnend war; er empfand die Pflicht, seinem Volke, das er mit urjüdischer Wärme liebte, über die Klippen hinwegzuhelfen, die ihm die seelische Not dieser Menschheit in den Weg stellte. Er liebte das Judentum, wie man sein Volk nur lieben kann, wenn man es als Träger menschheitbeglückender Wahrheitsideen kennt. Die jüdische große Wahrheit machte Simon Hirschler זצ״ל. ihn stark im Kampfe gegen alle Erscheinungen des Abfalls und gab all seinen Kämpfen einen heiligen Sinn. Was wäre er dem Judentum noch geworden, wenn es ihm gegönnt gewesen wäre, noch weitere Jahrzehnte hinieden zu wirken! Denn nur ganz auserlesenen Wenigen war es in unserer Zeit gleich ihm möglich geworden, Erfahrungen zu sammeln und sie zum Wohle der Gesamtheit zu verwerten, wie er es unablässig tat. Sein kurzes Erdenwallen führte ihn auf alle Gebiete, wo Juden und Judentum sich in unseren Tagen auszuwirken vermögen. Und all das, was er aus Familientradition und eigenem Forschen aus den Erlebnissen der Vergangenheit in seine empfängliche Seele aufgenommen hatte, verschmolz sich in seinem Wirken zu einem mächtigen Gesamtbilde, das sich ihm als heiligstes Lebensideal darbot und seinem ganzen Lebenswege voranleuchtete. Und dieses große jüdische Idealbild hieß: Orthodoxes Judentum, wenn von den Dingen des thoratreuen Judentums zur Unterscheidung von den mannigfaltigen Abwegen die Rede war, denen man sich nicht scheut, ebenfalls die Bezeichnung ״Judentum“ anzudichten. Ihm war orthodoxes Judentum nicht eine Spielart, eine Erscheinungsform - jüdischer Geistesproduktion unter anderen Spielarten und Erscheinungsformen des Judentums, sondern es war ihm die jüdische Wahrheit schlechthin, eine einmalige und einzige Tatsache eines Volkes mit der geschichtlichen Bestimmung, Thora, G-ttes Thora zu leben, zu denken, zu fühlen und zu verwirklichen. Diese Auffassung des Judentums, ja der heilige Dienst an diesem Judentum, kennzeichnet sein ganzes Leben in allen seinen Entwicklungsphasen. « Rabbi Simon Hirschler entstammte einer Familie, in welcher jüdische Thora und jüdisches Leben im Sinne der Thora als teuerster Erbbesitz betrachtet wurden. Er war ein Nachkomme Rabbi Akiba Egers 5זע״ Sein Großvater, Rabbi Mosche Hirschler 5 •זע war einer der besten Köpfe und der konsequentesten Mitwirkenden bei der Gründung der ״Adas Jisroel“ (Schiffschul) in Wien unter Führung Rabbi Salmon Spitzers זצ־ל• Was das besagen will, weiß nur derjenige richtig einzuschätzen, der eine Ahnung davon hat, was es um jene Zeit hieß, sich den Wiener jüdischen Allgewaltigen gegenüber mit vorbehaltloser Offenheit zum orthodoxen Judentum zu bekennen. Der Verblichene erzählte oft von den mächtigeji Eindrücken, die er von der Tätigkeit seines Großvaters in seine Seele aufgenommen hat. Seinen Vater Rabbi Bunam Sebulun Hirschler, der nur ein Alter von 34 Jahren erreichte, verlor er schon in seinen Kinderjahren. Im Monat Tewes des Jahres 5648 (19. Jänner 1888) in Wien geboren, genoß er von Anfang an eine Erziehung, wie sie in gut orthodoxen Familien von jeher heimisch war. Er lernte Thora bei gediegenen Lehrern. Das großstädtische Milieu war ihm nie fremd und ließ in seinem Herzen von Anfang an eine Sehnsucht nach dem ״unbekannten Unjüdischen“ nicht auf kommen. Er kam früh auf die Jeschiwoth, wo sein Geist seinen Hunger nach Wissen stillen konnte. Er lernte in Galantä, Hunsdorf und Preßbürg mit seltenem Fleiße. Sein scharfer Verstand und seine schnelle Auffassungsgabe halfen ihm, schon in diesen Jünglingsjahren des Wissens eine Menge in seinem Gedächtnis aufzustapeln. Von gewaltigem Einfluß auf sein jüdisches Denken und Trachten waren bei ihm die Lehren, die• er in Hunsdorf zu Füßen des נאון וצדיק. Rabbi Samuel Rosenberg?׳ empfangen hat. Er tat dieses seines Lehrers fast täglich in unauslöschlicher Dankbarkeit Erwähnung. In Preßburg bekam er neue Impulse für sein Streben und den großzügigen Zuschnittin seinem Lernen. Kaum einundzwansigjährig, von An- REDLER-HOBEL werden Ihnen zeitlebens Freude bereiten Beachten Sie meine neue Adresse; Wien I, Schottenring Nr. 35 Samstag geschlossen (,Schomra'-Mitglied) •V ו fang 5669 bis Anfang 5671, bot sich ihm in Surovce Gelegenheit, sich im Versehen der rabbinischen Funktionen zu üben. Er heiratete bald die Tochter des rühmliehst bekannten Oberrabbiners von öasta (Schattmannsdorf), Rabbi Israel Frankl זצ»ל, und fand in ihr eine ebenbürtige, gleichgesinnte und gleichstrebende Lebensgefährtin. Zwei Jahre weilte er im Hause seines Schwiegervaters und trat anfangs 5672 das Rabbinat in Modra an. Hier war er an der Stelle, nach der er sich gesehnt hatte, denn hier, in dieser kleinen, stillen , Gemeinde, fand er Zeit und Gelegenheit, an sich selbst weiterzuarbeiten und mit einer auserlesenen Schülerschaft zu lernen. Er sammelte junge Bachurim aus Preßburg, Wien und anderen Orten um sich und lehrte sie mit jugendfrischem Eifer und ungebrochener Energie Tag und Nacht die G’tteslehre. Er nannte diese Jahre die schönsten seines Lebens. Es waren dies aber auch zugleich die Jahre des furchtbaren Weltkrieges. Die Kriegs,- ' furie trieb eine größere Schar jüdischer Heimatloser und Flüchtlinge auch nach Modra. Dieser Aermsten der Armen pahm er sich mit ganzem Herzen schützend an. Er sorgte für sie und erwies ihnen gutes,;״wo, und ,wi§ ־ \;;r: er nur konnte.^ Da kam das Kriegsende heran mit all dem, was der ״Umsturz“ für einen großen Teil der jüdischen Landbevölkerung mit sich brachte. Auch unser Rabbi Simon Hirschler זצ*ל wurde obdachlos nach Bratislava geschwemmt. Hier offenbarte er sich als Mensch von ganz großem Format. Er suchte und fand bald Beziehungen zu den Stellen, die ihm die Möglichkeit schufen, ein Wohltäter von' Tausenden seiner Brüder und Schwestern zu werden. Er bewies in jener Zeit des politischen Ueberganges eine seltene Tatkraft, gepaart mit der mutigsten Opforbereitsehaft. Er wurde mit einem Schlage der populärste Mann der. westslowakischen Judenschaft. In Würdigung der Verdienste, die er sich um jene Zeit erworben hat, wurde er zum Rabbiner des Vereins ״Temime Derech“ an die Stelle gewählt, die vor ihm Rabbi Daniel Steinschneider- Proßnitz זצ*ל inne hatte. Jetzt erst trat er auch als Vortragender Kanzelredner hervor. Seine glänzende Rednergabe und der Feuereifer, der in seinen Vorträgen sich kundgab, gewannen ihm bald einen großen H.örerkreis, der ihm bis an sein Lebensende treu blieb. . - Damals wurden auch die ersten Schritte von der slowakischen Orthodoxie zur Schaffung, bezw. Erneuerung und gesetzlichen Neuregelung ihrer konfessionellen *Gemeindeorganisation unternommen. Rabbi Simon Hirschler geriet vom ersten Augenblick an ins Zentrum alles Geschehens. Seine leichtbewegliche Intelligenz erwies sich in diesen schweren Zeiten als sehr wertvoll. Kaum waren die Statuten genehmigt, so wurde er trotz seiner Jugend zum Vizepräses der orthodoxen Landeskanzlei gewählt. So wurde er neben Oberrabbiner Weber זציל der ihm vor etwas mehr als einem Jahre in den Tod voranging, Mitschöpfer der orthodoxen Gemeindeorganisation in der Slowakei. Seine Arbeit während der sechs Jahre, die er dieses Amt bekleidete, im einzelnen schildern, hieße ein buntes Bild der Gesamttätigkeit der orthodoxen Landeskanzlei in ihrer kampfreichsten Epoche entrollen, was den Rahmen dieses Nachrufes weit überschreiten müßte. Freund und Feind empfanden damals deutlich: die Orthodoxie lebt und hat einen festen Willen, sich zu behaupten! In diese bewegte Zeit fällt auch der Anschluß der slowakischen Orthodoxie an die Agudas Jisroel. Es bleibt für alle Zeiten ein ehrendes Zeichen für den Weitblick der orthodoxen Führer in der Slowakei, daß sie die Bedeutung des organisatorischen Anschlusses an die orthodoxe Gesamtheit gerade noch rechtzeitig erkannt haben. Rabbi Simon Hirschler זצ*ל zählte zu den ersten in diesem Lande, die 481* Anregung der beiden mm RWIA erhält bei mir schon 0 Stunden eine individuell ihrem Qesichte entsprechend modellierte Besitzender weltbekannten Perttcken-Kunttwerkstätte Wien I, Kärntnerring 6 Sr Telephon Nr, llä .

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