Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 50 (23.12.1932)
- Date
- 1932-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Hi Nr. 50 Visrittiifaltutigeit am Chanuka.! ׳All tf&ttaitkeft des humanitären Ereiltes »tiferes Bacfiufiitt“ fittdöt m Sonntag, den 25. Dezettlber (ליל ג־של תנוצח), um 7rUhr abends, im Turn- ’ saai der faimud-irhöra-Seiluie, II., Maizgasse 16,! statt. Vorher findet die ordentliche General-' versammlung dieses Vereines statt, zu der alle 1 Mitglieder eingeladen werden. * Das Öhiniich-Amt des Keren ttathora veranstaltet gemeinsam, mit der Agudas-jisroel-Arewim- Gruppe am Dienstag, den 27. Dezember, um :'/«8 Uhr abends im ״Bayrischen Hof“ (II., Täborstraße 39) eine Chanuka-Veranstaltung, mit Aufführung eines historischen Stückes und Geschenke-Verteilung an die anwesenden Kinder. Einheitspreis; S 1.—. * Chanuka fest der Talmud Thora. Am Mittwoch, den 6. Tag Chanuka, um 7 Uhr abends, findet im Festsaal des Hotel ״Bayrischer Hof“, II, Obere Augartenstraße 5, ein Chanukafest mit Sehr reichhaltigem Programm statt. Das Reinerträgnis fließt zur Gänze der Schülerausspeisung der Talmud Thora zu. Karten von S 1.— bis 5.— sind in der Schulkanzlei, II., Malzgasse 16 (Tel. A-47-6-43), zu haben. . Cliinuch Sefer Thora im Schönlaternschul. Der langjährige verdienstvolle Obmann der Schönlaternsclutl, Herr Simon K o h n, feiert am שבת חנוכה den 24.- Dezember 1932, seinen 70. Geburtstag, aus welchem Anlaß der Jubilar Gegenstand zahlreicher Ehrungen sein wird. Sirrjpn Kolin ist vor 55 Jahren nach Wien gekommen und hat sich durch seine nimmermüde Tätigkeit, durch seine Redlichkeit und ganz besonders durch seine vortreffliehen Charaktereigenschaften einen klangvollen Namen erworben. Ebensovielc Jahre ist ■er mit der Schönlatcrnschul verbunden. Unter dem Rabbiner Handel, dem Nachfolger von Rabbiner Horowitz, ist er in die Schönlaternschul gekommen und hat die Wirkungsperioden von ר׳ משה קאהן und ר׳ אהרן פייעדמאן miterlebt. Der 70. Geburistag dieses Vorbildes eines guten Juden — nicht zuletzt ist Simon Kolin als edler Sepnder und Wohltäter bekannt — ist gleichzeitig ein •Ehrentag der Schönlaternschul und wird im Anschluß an den G-ttesdienst am שכת הנובה nach dem חנוך eines vom Jubilar gespendeten ספר חורה eine Feier abgehalten werden. Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Fürst wird im Rahmen dieses Chinuch-Sefer-Thora um 1/DO Uhr eine Droscho halten.. Brief aus Jerusalem. Dank dem Erfolg ז& ,,E0fef-Nefesch“-Äktiüh unserer slowakischen Ländesüfganisatiön ist die Aguda-Leitühg in Jerusalem itr die Lage versetzt worden, wegen Ankaufes eines geeigneten Ba u p 1 atzes zur ,Errichtung eines ״Beth-Jakob“-Schulhauses in; Verhandlungen einzutreten. Die Slowakische Ägüda hat zugesagt, das Werk auch weiterhin zu fördern. Natürlich kann aber Sie allein die notwendigen Mittel nicht aufbringen, und es werden daher auch die anderen Aguda- Landesorga'nisationen herangezogen werden müssen. * Sämtliche Inhaber von Theater- und V e r g n Ügungslokalen in Jerusalem sind über Einladung der Agudas Jisroel zu einer Besprechung zusammengetreten, in welcher über die Vermeidung von öffentlichem Chillul-Schabbos verhandelt wurde. Es wurde vereinbart, die Vergnügungslokale an Schabbos-Abenden für Veranstaltungen ni c h t Zu vermieten und auch die Veranstaltungen an מוצשיק erst nach Sabbat-Ausgang zuzulassen. * Bekanntlich hat der High Commissioner der Agüdas Jisroel versprochen, für orthodoxe Einwanderer eine Anzahl Zertifikate zur Verfügung zu stellen. Die Agudas Jisroel hat nun der Palästina-Regierung Vorläufig eine Liste von 1000 orthodoxen Juden aus Europa, die nach Palästina einwandern wollen, überreicht. Freilich kann man noch nicht voraussehen, wie die Sache erledigt werden wird, aber man rechnet damit, daß die Palästina-Regierung ihr Versprechen* e Inhalten wird. Jetzt ist es Aufgabe der orthodoxen Juden in der Diaspora, das Nötige vorzusorgen, damit die Einwanderer Boden und Existenz vorfinden. Man müßte ein Heim schaffen, in welchem die mittellosen Einwanderer nach ihrer Ankunft Aufnahme finden. Ein eigenes Büro hätte sich mit der Beschaffung von Arbeit s-undExi- Stenzmöglichkeiten für die orthodoxen Ein- Wanderer zu beschäftigen. Die Palästina-Regierung hat das Projekt der neuen Satzungen für die Orts ge m e i n d e n fertiggestellt und der Agudas Jisroel, der Jewish Agency, der arabischen Exekutive und dem Waad leumi zur Begutachtung vorgelegt. Der Entwurf ist mehr als bürokratisch. Das Gesetz soll die Rechte der Gemeinden enthalten, legt aber alle Rechte in die Hände des High Commissioner. Der Entwurf wir;d daher allgemein abgelehnt. Für die Juden ist der Entwurf insofern günstig, als auch Nichtstaatsbürger das aktive Wahlrecht erhalten sollen. Bis jetzt waren viele Gemeinden von arabischen Mehrheiten verwaltet, trotzdem die jüdische Bevölkerung zahlenmäßig diese übersteigt. Die Juden sind teilweise noch nicht palästinensische Staatsbürger und hatten deshalb bisher kein Wahlrecht. . Bundesbeitrag für die österreichischen israelitischen Kultusgemeinden. Als Antwort auf die erfolgte Vorsprache des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde bei Herrn Bundeskanzler Dollfuß ist ein Schreiben des Bundeskanzler• aintes an die Kultusgcmeinde gelangt, in welchem mitgeteilt wird, daß das Bundeskanzleramt zwecks Ueberprüfung׳ dieser Angelegenheit mit dem Bundesministerium für Unterricht in Fühlung treten wird. 1 Der 'Herr Bundeskanzler ließ gleichzeitig tnitteilcn, daß er nicht ermangeln werde, Maßnahmen zur Verbinderung der antijüdischen Hetzpropaganda zu treffen. חדוש בסוגי; כבתה. Wir entnehmen dem kürzlich erschienenen Werk.^n: מראה von ’הרב ■הגאון הצדיק מוהריר משה 'פירסס־ זציל אביר דק*ק מאראשוואשארהעלי , herausgegeben von seinem Sohn, Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner S. Fürst-Schiffschul ניי folgendes דבר חורה (wir behalten uns eine eingehende Würdigung des Werkes vor): שאל נדב בשמעחא דכבתה זקוק דמניל לחשים דריח סובר דמותר להשתמש לאורה דידלמא גם ר׳ח םיל כבת׳ זקוק רק לדילמא יפשע ל• ח משא״ב בשבת דאסור להדליק משיה אוסר עכ׳ד ודו־מ ני* דחק איע מאד, והנה זה לק״נז דלולי. זה דודאי לא יפלגו בסברת מציאות דריה הוא דהייש לשמא יפשע ולא מתקן ור׳ח ליה לשמא יפשע'ומה טעם פלוגחם ובפרט דבאמת הסברה היצונה נותנת.דלמא• דאמרי כבתה זקוק בודאי יש לחוש לכתחילה לשמא-יפשע כמבואר סברא זו בכמה דובתא בהשים דהיישי׳ לדלמא משתלי לכתחילה וכדקי־ל כן לדינא לענין כמא הוראות אויה והבא דעיב מיירי דיש לו שמן אחר להדליק יאליב בודאי דלא יאסור דיה להדליק מטעם דשמא יפשע ולא יתקן ועיב ביש לו שמן אחר מיידי ובודאי דלא• יחלוק ריח (לומר דל־ח לשמא יפשע לכתחילה ובאיזה סברא יחלוקו ושפי־ דהוכרה השים לומר דר־ה סיל כבתה אין זקוק לה. אבל בלא׳ה לק־מ. דאפושי פלוגתא לא מפשי׳ דלדבריו'יהי׳ באן ג׳ מחלוקת בדבר דר־ה סיל דהיישי׳ לשמא יפשע' ובו׳ וריח ליח לשמא יפשע ורב רס׳ל רמדליקין בהן בחנוכה ' בין 'בחול ובו׳ ס׳ל דבבתה אין זקוק לה כלל ואפישי״פלונחא לא מפשי׳ וניחא לחשים יותר דפליגא רק דר־ה ם־ל בבתה זקוק וריח פיל כרב דבבתא אין זקוק וז־פ וברור. Personalnachrichten. Sonntag, den 18. Dezember, fand die Hochzeit der Tochter des Herrn Chaim Zwi Rosenberg mit Herrn M. E. Müller aus Sopron in Wien statt. In Trnava verschied am Dienstag die Frau des Herrn Awrohom Spitzer. Sie war eine warhaft fromme Frau. Herr Sekretär Moriz Spitzer betrauert in der Verewigten seine Mutter. Briefkasten. D. S., Mattersburg: Eine Gratisu n d eine Ueber- Prämie zu geben ist uns natürlich nicht möglich. Die ge.- wünschte Ueberrpämie wird Ihnen in den nächsten Tagen zugeschickt.. ___ Bei stockendem Stuhlgang und überschüssiger Magensäure leitet das sehr milde, natürliche ״Franz-Josef“- Bitterwasser die im Magen und Darm angesämmelten Rückstände der Verdauung ab und verhütet in vielen Fällen die Entstehung von Blinddarmentzündungen. In der ärztlichen Berufstätigkeit wird das Franz Josef-Wasser bei Männern, Frauen und Kindern mit vollem Erfolg angewendet. Das ״Franz-Josef“־Bitterwasser ist in Apotheken, Drogerien und Mineralwasserhandlungen erhältlich. Modern« Küchen״ Vorzimmer״ Wohnzimmer״ F. KOHN, Wien U, TABORSTRASSE NR« £2 Telephon R-4Ch7-44 Samstag geschlossen — Angeschlossen der ״Schomra“ Der High Commissioner Wauchope beschäftigt sich andauernd mit den wichtigsten Problemen Palästinas. Er bereist das ganze Landvon Ort zu Ort, um die Verhältnisse persönlich zu studieren.'Am 14. Kislev hat er die Vertreter der Wirtschaft zu sich geladen und mit ihnen wirtschaftliche Tagesfragen besprochen. Er machte auch Mitteilung von der bevor- Der Märtyrertod Jakob Israel de Haans. Ein Palästina-״Roman“ von Arnold Zweig.*) Es war still geworden um Jakob Israel de Haan, der, von der Kugel eines Mörders getroffen, auf heiligem Boden seine Seele vorzeitig .aushauchen mußte. ״Wenn du einen Erschlagenen triffst auf dem Boden, den der Ewige, dein G-tt dir gibt, und niemand weiß, wer ihn getötet, so treten die Aeltesten hin und sprechen: ,Unsere Hände haben dies Blut nicht vergossen. Sühne, Ewiger, für dein Volk Israel, das du befreit hast, und laß nicht unschuldig Blut fließen inmitten deines Volkes Israel. Und möge sein Blut Sühne sein für uns alle.“ Nun lebt die Tragödie von neuem wieder auf und reißt tiefe Wunden in dem Kreis derer, für die de Haan gekämpft und geblutet und — so will es scheinen — endlich auch in dem Kreis derer, die die moralischen Urheber der furchtbaren Tat gewesen. Ein zionistischer Schriftsteller, rühmlichst in der modernen Literatur bekannt, hat das Heilige Land besucht und den Ablauf der Geschehnisse zu gestalten versucht, in deren Mittelpunkt die Gestalt des unglückliehen Menschen, Juden und politischen Führers steht. Es ist das Recht des Dichters, die;.Geschichte so zu zeichnen, wie sie sein Auge sieht. Und müßig ist die Frage, ob die Realität der Dinge von der Phantasie des Künstlers mehr oder minder genau getroffen wurde. Wir, die Vertreter einer Richtung, die den Aufbau des ewigen Landes in dem Geist erwünschen, der unser Volk durch die Jahrtausende hindurch begleitet hat, empfanden den Schmerz um den Untergang des Mannes, der für diesen Kampf sein Leben geopfert, am tiefsten. Aber wir schwiegen, in dem Augenblick, als man begann, den Schleier von der Seele zu reißen und die Laute seines Innenlebens zu ’ belauschen, in dem. von einem harten Ringen um die höchsten und heiligsten Güter der Menschen die Rede war. Und wir schwiegen lauter, als unversöhnliche Gegner über das Grab hinaus von den Irrungen des gepeinigten Menschen aufhorchen ließen, als ob der Mord nun sein Schreckliches verloren hätte. Arnold Zweig, dem Dichter״ ist es zu danken, daß er, unbeirrt und unbekümmert um den Lärm im eigenen Lager, an den ״Fall“ herantritt. Die Polizei hat den Mörder gefunden; die offiziellen Kreise des neujüdischen Palästina, wiesen die Spur immer un'd immer wieder in dunkle, nie geklärte arabische Winkel, Arnold Zweig weist mit, zwingender Logik auf die wahren Schuldigen hin. Was wir im Golus alltäglich erleben und was in der Siedehitze des palästinensischen Kampfes mit furchtbarer Gewalt also ausbrechen mußte, wird vom Dichter schonungslos entschleiert. Und dies der Sachverhalt: . De Haan, den lodernde. Liebe in die Heimat getrieben, fühlt sich von dem Leben und Schaffen der neuen Siedler so grenzenlos enttäuscht, empfindet den Abstand zwischen Ideal und Wirklichkeit durch die ״Entweihung des Landes“ mit so brennende»1 Schmerz, daß er den schweren Kampf auf sich nahm, über dessen blutigen Ausgang er oftmals nicht Zweifel hegte, ״Denn wichtiger als sein persönliches Glück war dieser Kumpf, verpflichtenfier als seine Leidenschaft ffir diese heilige Stadt, war die Aufgabe, sich der Verweltlichung des Judentums zu widersetzen.“ ״Gegen die Ver\yeltUcher des Judentums, die *) ״De Vriendt kehrt Heim.“ Berlin!932. Gustav Kiepenheuer Verlag. MÖBEL nXDETl stehenden Einführung der E i ö k tri« m e n 31 eu i f und gab die Versicherung, daß die Regierung der Wirtschaft weitestgehend 'efttgegenköittmett Werde. Nach dieser Erklärüng muß angenommen werden, daß die Einführung tief neuen EihköMmertsteüef bereits eine feststehende T a I« sache ist. Die Art des High CommisSiofienrsibh Völks* tümlich zü machen, wird jedenfalls begrüßt, ohWöhl pfak•‘ tisch noch keine besonderen Resultate zu verzeichnen •sind. Freuen wir uns damit, daß er uns wenigstens ErmtifK teruttgswörte züspricht. Jetüschälmi.־ Wertvolle . Büd1er״Oesd1enke für unsere Abonnenten A. Alle jene Abonnenten, die die volle Bezugsgebühr für das Jahr 1935 (Oesterreich $ 16.—, Tschechoslowakei Kc 80.—, -Ausland 3 Dollar) bis 51. Dezember 1932 bei lins' einzahlen, erhalten als j Gratis-Präinie eines der nachstehenden Werke׳: I« //Der Raw" von JUDÄUS 2« //Abraham Sohn Abrahams״ von SCHACHNOWITZ 3♦ /Das jüdische Volk In der Am kdote׳ von CHA JIM BLOCH und einen קיצור שלחן ערוך B. Gegen einen minimalen Aufschlag können unsere Abonnenten eine der folgenden Ilbev-Präitijen erhalten: ש־י״ת פרשת מידבי.1 von RABBI 1VIORDECHAI BENETH - Nikolsbürg. (Aufschlag S 1.—, bezw. ׳Ke 5.—.) 2♦ //Der Weg der Frommen״ מפלת ישרים von M. CH. LUZATTO, übersetzt ■׳ von Dr. Wohlgemuth, 210 Seiten, und ־';Rückkehr" הלכוח חשובה und הלכות דעות des רמבים Uebersetzt und erläutert von B. S. JACOB- SOHN, 104 Seilen. (Aufschlag S 1.—. bezw. Kc 5.—.) . ' משניות .נ in 2 Bänden mit den Kommentaren ברטנודה und קב ונקי (Aufschlag S 2.—, bezw. Kg' 10.—;) ' ־ 1 Wir bitten von diesem seltenen Angebot so- . gleich Gebrauch zu machen. י’ { Verwaltung der ״jüdischen, Presse“. •«■Ma^HBuauuMMuuMuuBHnMRBanuuncHtnaBawMuu*1HMESBw1Bws»Kk. Zerstörer ״der Lehre hier * im -Lande. •selbst, ״diese ,.Sabbat■?-,.. entheiliger und Gesetzesbrecher, die da glaubten,.,mit!der. modernen nationalen Redensart den lebendigen'Panzer,!der Lehre ersetzen zu können, der zu schwer geworden;,war für ihre weichen Knie und zu geistig für ihre verwirrten Köpfe.“ Zweig schildert nun in spannender Form, wie die Tragödie sich vollendete: Ein Memorandum aus der Feder de Vriendts, das den Arabern die Hand entgegenstreckte, war der Funke, der den Brand entfachte. Schaurig war das Eche im jüdisehen Blätterwald. Maßloser Haß spritzte aus den Federn hervor, nirgends ein schwacher Versuch, die Motive des Gegners aufzuspüren, Haß und noch einmal Haß. Gedankenlos bis zum äußersten. ’Als er das Bündel der Pamphlete überschaute, wirft de Haan sie verächtlich bei- Seite. ״Ich glaube, keiner von ihnen hat mein Memorandum zu Ende gelesen. Sie haben nach den ersten zehn Zeilen zu diktieren begonnen!“ Die Saat geht auf, ein junger Chaluz, eben ins Land gekommen, liest morgens und liest abends, was einmütig die ״Presse“ über den ״Verräter“ schreibt, und erkürt sich selbst zum ״Voll- Strecker des nationalen Willens“. Von drei Schüssen getroffen sinkt de Haan zu Boden. Einem christlichen Freunde, der in höheren englischen Diensten steht, gelingt es, den Mörder zu greifen, doch nach langer Wechselrede läßt er ihn flüchten. Was liegt doch daran, den irdischen Arm der Gerechtigkeit, walten zu lassen! Nur ein Höherer, der Höchste, kann Recht sprechen in einem Land und in einer Zeit, wo der menschliche Zwiespalt in der Stadt des Friedens, solche Opfer fordert — ziellos und wirkungslos Wirkungslos? Ist der Friede eingekehrt in Jerusalems"׳ Mauern, hat der Tod versöhnend gewirkt? ״'.׳’ , Nein, der Kampf geht weiter! Und er muß weitergehen, solange nicht die Stimme ertönt, die mit der Kraft des Dichters Zweig nicht nur die Tragödie des einzelnen, ' sondern die seiner Gemeinschaft schreibt. ״Wir haben nicht die Araber zu fürchten,'nicht die - Engländer und nicht die Liberalen, nur diese G-ttesanbeter, diese Hunde und.Volksfeinde, diese grauenhaften Heuchler. Ach, wie ich sie gehaßt habe, daheim in ihren schwärzen Röcken, ihren Pejes, ihren hohen Stiefeln usw. usw. — und noch widerlicher sind mir die Gebildeten unter ihnen, die Westlerischen — diese Leute tragen uns ihr Ghetto bis ' ins Herz Jerusalems nach,“ Mit bewundernswerter Offenheit enthüllt hier Zweig die Seelenstimmung des; (eines?) Chaluz und wir dürfen fragen: Wer ist schuld, der Mörder oder der Ermordete? Wahrlich, keine Frage für den, der Augen hat, zu sehen, und Öhren, zu hören! Eine Mahnung *aber für alle die, denen das Land, seine Besiedlung und sein Aufbau, G-ttes- und Lebensgebot ist. Die Urkraft religiösen Lebens und religiöser Tat kann und wird nicht unterdrückt werden. Sie sollte aber auch von denen gefördert werden, die im Golusleid ihrer Weihe und . ihres Zaubers verlustig gingen. 0 Auf einem Briefentwurf des Ermordeten fanden sich Worte von wunderbarer Energie. ״Was ich eigentlich will, ist das, was jeder anständige Schriftsteller wil|, Wahrheit um ihrer selbst willen, die Gereqhtigkeit um des Menschen willen, Erbarmen um der Gemeinschaft willen und Liebe um G-ttes willen. Der Mut, dem eigenen Volke zu trotzen und ihm zu sagen, was ihm fehle und woran es leide. . “ ■ Diese Devise eines Märtyrerlebens sollte Devise des ganzen Volkes, vor allem ihrer Führer werden. Dann und . nur dann ydrd Friede herrschen in der gütlichen Friedens* stadt,"und das unschuldig vergossene Blut seine Sühne finden, Dr, S. A.