Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 49 (16.12.1932)
- Date
- 1932-12-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 49 Verrat des Mistachu Ernste orthodoxe Männer in Wonschau haben eine ,.Musterschule“ errichtet, die die ,Schüler zu Tnlmide Ohaohomim ausbilden .soll. Ein orthodoxer Jude stiftete zu diesem Zweck ein Maus, in dessen Räumen diese Schote untergebracht wurde. Die Warschauer Kultusgemeinde Jrat nun das Haus und die Schule übernommen und ihrem Sch ul netz ein gefügt. . Unbeschreibliche Vorwürfe mußte die Gemeinde- Verwaltung von den Zionisten wegen dieses ״Verbrechen,s“ über sich ergehen lassen. Alle ,.parlanrentorischen“ Mittel, Pnltdeckelkonzerte, Obstruktion»- reden 11!sw. wurden nufgeboten, um die Erhaltung dieser Schule unmöglich zu machen. Schließlich kam es doch zur Abstimmung. Alle zionistischen Vorsteher stimmten natürlich gegen die Schule. Und die Vertreter des Mis- .rächt? Sie wahrten die ,,.Pnrteidisziplin“ und stimmten mit, gegen die Erhaltung der orthodoxen ״Musterschule“. Es schien, als ob sie die Gemeindegeldcr für wichtigere Zwecke benötigten! Es lag nämlich auch ein Antrag vor, ein •jüdisches TI1 ea t e r zu subventionieren, welches — nebstbei bemerkt —• auch am Scbabbos spielt. Die Misrachisten stimmten daher gemeinsam tn.it den Zioniisten für die Subventionierung dieses Theater». Natürlicherweise nützte •den Zionisten die Unterstützung ihrer ״religiösen“ m Israeli ist Ischen Nachschlepper nichts, die orthodoxe ,Majorität stimmte für die religiöse Schule und gegen das jüdische Cbilul-Scliabbos- Theate r. Diese Misrachisten aber wollen trotz alldem noch die Rolle von ״orthodoxen“ Juden spielen. Ein reines ״Theater“! Nach Art der Jesuiten. Wie tief und ingrimmig >rler Zionismus die Orthodoxie haßt, lehrt folgende amüsante Geschichte: ln Czornowitz wurde ein Dutzend Akademiker aus einem jüdischen Studentenheim entfernt, weil!sie an einem jüdischen Feiertag Zigaretten geraucht und Schinken gegessen haben. Alles Taten, die Herr Stricker wohl noch nie gemacht hat und auch bei Professoren des Cbajesgymnasiums und anderen Zionisten — nicht immer Vorkommen sollen! Alles recht so und gut. Jedet ehrliche jehudi (lenkt sich dabei, daß diese ״Akademiker“ in einem jüdischen Studentenheim wirklich nichts verloren haben, bis auf — lieb Wolf Pappenheiml Er ist F ii r diese Apikorsim. Warum? Weil die .Neue Welt“ es so will! Well man de,r ׳so tief gehaßten Orthodoxie eins versetzen will, scheut man nicht davor zurück, die infamsten Ent- Stellungen und Verleumdungen als ״Mittel“ zu gebrauchen um den ..Zweck“, den diese Mittel ..heiligen“, zu erreichen. Espe. Ausstellung Siegmund Forst. Siegmund!Forst, der bekannte jüdische Künstler, stellt neuerdings im!llngenbtmd religiöse Graphik au«. Nichts ist bezeichnender für die geistige Armut unserer Zeit als ihre (Einstellung zur Kunst, einer Zeit, der cs Vorbehalten ist, daß Künstler, zu Notgcmcinschaften ziisammengesehlossen. mit Ja'hrmarktmltteln versuchen müssen, Interesse für die Kunst zu erzwingen. Wieviel Mut und Idealismus bedarf es also heute, religiöse Kunstwerke zu schaffen, wo diese von vorneherein nur einem kleinen Kreise zugänglich sind, und wie traurig und beschämend für uns. daß der jüdische Künstler sich mit einem nur moralischen (Erfolg begnügen muß und dieser ihm auch erst in der nichtjüdischen Oeffentlichkeit gewährt wird.!Es täte not. sich zu besinnen und den Gestaltern unserer religiösen ,Erlebnisse, zu deren!Besten Siegmund :Forst zählt, den materiellen Rückhalt nicht zu versagen. Weiße Zähne: Chlorodont In letzter Stunde vor der Delegierten- Versammlung. Isidor Pappenheim — Präseskandidat. Wenige Tage nur trennen uns noch von der Delegiertenversammlung in Trenciauske Tepliee. Keine dev vorangegangenen Landeskanzleiwalilen hat soviel Erregnng liervorgerolen und soviel .Auseinandersetzungen verursacht wie diese. Der Grund liiefür liegt unter anderem. wohl auch darin, daß nicht nur die aufrichtigen Orthodoxen von dem Wunsche und dein Willen durchdrangen sind, dein orthodoxen Judentum ׳endlich eine Entwich 111 ngsbasis zu schaffen, auf der den gobiotorischen Notwendigkeiten der Zeit zur Stärkung des Vütererbcs Rechnung getragen werden soll, sondern auch clio Gegner des traditionellen Judentums den Zeitpaukt für gekommen sehen, zu einem neuen Stoß auszuholcn und es ist dabei für sie gewiß sehr wichtig, dafür Sorge zu tragen, daß die Verteidigungslinie (los orthodoxen Judentums von Leuten bewahrt ist, die ihnen aus sachlichen und psychologischen Gründen nur schwer Widerstand leisten könnten. Es sei dem aber wie Ihm wolle, die Tatsache steht fest, daß die Wahl des Landespiäsicliiiins und der .Laudesrepräsentanz diesmal unter ganz besonderen Auspizien vor sich gehen wird. Es ist •deshalb von besonderer Bedeutung, daß alle, Ilnbbiner und l.uiendelegierten, die dort ein Votum ubzugeben ,haben, sich darüber klar werden, um was es sich letzten;Eudes handelt, damit sie in tiefstem Ernst und unter der ganzen Wucht der Verantwortung ihre Entscheidung treffen. Wir wollen heute liefere, prinzipielle Erürte- Hingen, die in der Weltanschauung des orthodoxen Judentums ihren Ursprung haben oder in ihr münde 11, meiden. Alles •hat seine Zeit. Entweder haben die in Trenciauske Tepliee wahlberechtigten Delegierten und Rabbiner eine im orthodoxen Judentum fest verankerte Weltanschauung, oder aber sic haben sie nicht. In den wenigen Tagen bis zur Delogierteuversummlung werden sie eine solche sicher nicht erwerben können. Darum sei es!heute nur kurz ausgesprochen: Es geht um die Wahrheit des Judentums und die Entschlossenheit, dieser Wahrheit ohne Ränke und Umschweife in gerader Linie und in aufrichtiger, bewußter Festigkeit Geltung zu verschaffen. Das slowakische orthodoxe Judentum braucht Männer von g r u 11 d I e s t •o 1׳• U e b e r z e u g u 11 g s 11־ e u e und will in den schweren Zeiten, die für die nächste Zukunft .schon zu erwarten sind, s o 1 e h e Al ä n ne r als Sachwalter ,seiii'er Interessen an 'der Spitze der Konfession wissen. Diese Festigkeit soll den Grundzug im religiäsen Charakter der Männer bilden, denen die Leitung der orthodoxen Interessen in die Hand gelegt wird, Sie darf aber nicht bedeuten, daß der Autorität, die den rabbinischeu Führern in der Organisation gebührt ■ und dem natürlichen demütigen Gehorsam'gegenüber .der religiösen Autorität, der die seelische Grundlinie des 1 orthodoxen Tliorajudentums ,bildet, eigene Autoritiit oder eigener Dünkel entgegengesetzt w־erd cn kann. Das orthodoxe Judentum beugt sich! vor seinen Führern, nicht etwa, weil es niedergedrückt wird, sondern, weil es in Verehrung zu denen emporblicken will, die ,kraft ihr er überragenden G e l e h r s n m k e i t, i 11 r e r h eilige n;F r ט m m i g- Je eit u 11 d i h r c r m o 1־ a I i s c 11 e n U e •b e r!1 e g e 11- 11 e i t i h in A u t ט r i t ä t s i n d. Darum soll durch das zu erhoffende Wahlresultat in Trenciauske Tepliee mit 11 nbezweifei barer Deutlichkeit nach ,.innen und nach außen zum. Ausdruck gebracht ■werden: Hier besteht eine geordnete, konstitutionell geleitete Gemeinschaft an f rechter orthodoxer Juden, deren Leitung in ihrer ganzen Arbeit und in ihrer organisatorischen Zusammensetzung harmonisch zusammenklingt. Wir wollen diesen Anlaß auch nicht benützen,“'um Richtungen •und Schattierungen •innerhalb der slowakischen Orthodoxie, deren Anschauungen und Wege wir nicht billigen, ebensowenig ihre Träger einer scharfen Kritik zu unterziehon. Wir vergessen'nicht und dürfen nicht vergessen, daß es auch noch ein!Morgen gibt, daß es nach der Wahl erst recht notwendig sein wird, alle positiven Kräfte der slowakischen Orthodoxie zu gemeinsamer Arbeit ziisammenzufasscn und ihre gemciusamc Lebenskraft ׳um ein Vielfaches zu steigern. Das muß aber gesagt werden: Die Delegiertenversammlung in Trenciauske Tepliee hat nach den Wünschen aller zielbewußten Jereim im Lande diesmal die vornehmiliche Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die zersetzenden Elemente, die kranken und zerfressenen Seelen, die innerhalb der slowakischen Orthodoxie seit ihrem Bestände Verwirmng über Verwirrung anvichten uncl mit Hilfe solcher Kreise, deren Sinnen und Trachten von Geistesrichtungen dirigiert wird, die weitab von der Thoratreue entstanden sind und stehen, immer und immer wieder sich nur als Hemmungsorgane auswirken, in Zukunft d 11 ran verhindert w e r d e n, s i c. 11 der Aufwärtsentwicklung des orthodoxen J ude 111uins in der S1 owakei mit Erfolg entgegenzustonmen. I Die Delegierten Versammlung soll solche Männer an die Spitze und in die Verwaltungskörperschaften der Organisation stellen, die im Kampfe •um die Ideale und• um die I.ebensnotwendigkeiteii des orthodoxen Judentuins gelernt 11 a b c n, d e 11 K r n u k h e i t s 11 e r d z u e 1: k e 11 n e n u n d i h m m i t d e n M i 11 e 111, die das orthodox e J u cl e n 111 m u n d sei n e O r g a n is a t i o 11 ih n e 11 in die II and g ib t, beiz ukommen. Wird dieser Wunsch und dieser Wille des orthodoxen Judentums durch den Ausgang der Wahl Jescbiwah-Eindrücke. Atts einem Pfivatbricf. . , . Ich ibin zwar erst kurze Zeit hier, fühle mich a!ber hier schon 50 wohl, daß ich über <iio Jcschiwo einiges berichten kann: Schon der Ort selbst ist enfiij.lt von Theuro- Atmosphäre und auf Schritt und Tritt ist es fühlbar, daß ,hier viel mehr als anderswo G-tt zu Hause ist. Kommt man aber in die!Nähe ries Beshamidroseli. hört man die Baoluirim lernen, dann!wird man mitgerissen und wer wird da nicht mithalten? Zu Hanse ,war cs mir unlbegreiflicli, wie man nur zwei Stunden ohne Unterbrechung lernen kann und hier — hier ist mir oft der Tag ,zu kurz, denn hier!bin ich zu der Erkenntnis gekommen, wie unendlich groß die Theuro ist . . . Und vier!Robbe? Statt des strengen Schulmeisters, den ich erwartete, ein!freundlicher wohlwollender Kamerad, der mit seinem Wesen das Lernen zur (Freude macht. «Und wer sein Davenen ,zusieht oder ,gar am Schabbos!bei R ebb es Tisch ist, der fühlt die G-ttesnühe. der erkennt,!was richtige Frömmigkeit, ,richtiges jüclisch es Leben ist, ׳die herrlichen Nigunim, das abschließende ״!Rädel“. Alles überschattet von Thcnrogeist. und Theuroliobe, wer!wird da nicht auf den!richtigen jüdischen Weg gebracht? Wenn nur recht viele meiner ׳Freunde, dieses erhabenen Glückes ־teilhaftig werden könnten!! Dies ist jetzt .mein sehnlichster Wunsch . . . Chief Rabbi Landau uncl die religiöse Ehe. Die in London erscheinende jüdische Tageszeitung ,;Die Zeit“ brachte in ihrer Ausgabe vom 28. September <1. J. in sensationeller Aufmachung ein angebliches Interview des Chief-Rabbi Prof. Dr. J. L, Landau aus Johannesbürg (Südafrika), in welchem dieser sich gegen die Notwendigkeit einer religiösen Eheschließung ausgesprochen haben soll. Wie uns nun Chief-tRabbi Landau mitteilt, ist dieses ״*Interview“ nichts anderes, als ein Pliantasicgelb.ilde des betreffenden Journalisten, Chief- Rabbi Landau hat eine solche Aeußerung niemals fallen lassen. Veremsnaclirichten. Die Geiiieralvcrsammlung der ״Clicwra Kadisc ha \'l.“ findet am Sonntag, den 18. d. M״ um 10 Uhr vormittags im Saale des Hotel ״Continental“ II., Taborstraße 4, statt. zur Geltung gebracht werden, so darf die orthodoxjüdische Konfession in der Slowakei fortan von der Hoffnung beseelt sein, claß es in eine neue Entwicklungsphuse cintritt, die von Auf blühen und Gedeihen künden können wird. Einfach ausgedrückt, will das sagen: Es bietet sich j etzt d i e nicht so bald w i e d e r k e ,111־ e n d e G clege n,heit, innerhalb des orthodoxen Judentums in der Slowakei reinen T i s c 11 z u machen 11 ml all dem endgültig den Garaus zu bereiten, was der slowakischen!Orthodoxie im letzten Jahrzehnt so furchtbar viele Leiden bereitet .hat. Die Rabbiner und Delegierten, die in der Delegiertenversammlung zur ■Wahlurne gerufen werden, müssen sich dessen .bewußt sein, daß sic es in der Hand haben, die Leitung ihrer heiligsten Interessen auf die klare und breite Landstraße des orthodoxen Judentums zu führen oder aber, sie in ein Labyrinth von verwickelten und verworrenen, in ewigem Widerspruch mit sich, selber befindlichen Ideen und Ansichten hineingeraten zu lassen, aus dem sie wohl kaum je mit heiler Haut wieder herauskommen könnte. Angesichts der großen ..Verantwortung, die auf allen denen lastet, die• jetzt die Möglichkeit besitzen clean orthodoxen Judentum gute Dienste zu leisten, hat das vor einiger Zeit zusnmmengetretene vereinigte Aktionskomitee der jereim in den ost- und westslowakisehen Gemeinden g'emäß den Intentionen der bedeutendstein 1 abbin i sehen Autoritäten des slowakischen Judentums i n! d e r P e 1־s 0 n cle ,s derzeitige n P r tises d e r g r ö ß t c n o r 111 o d o x e 11 Gem e i 11 d e u lise r e 1s L a n d e s, Herrn Isidor Pappenheim, einen Mann zum Landespräses auserkoren, den die Leitung der Landeskanzlei mit gutem Gewissen und dem stolzen Bewußtsein einer rechten Tat zur rechten Zeit an vertraut werden darf. Einer hervorragenden 'Familie entstammend, die dem thoratreuen Judentum seit vielen Generationen 1|üch!tige und prinzipienfeste Sachwalter!gegeben lmJ und deren Glieder, schon zur Zeit des Chaissam Sofer und des Kossaw Sofer זציל in der vordersten Reihe der Kampf linie gestanden haben, wann immer mul wo immer es galt, für das orthodoxe Judentum mit Selhstanf- Opferung■ eine Lanze zu brechen lind die in den weclischulen Geistesrichtungen des. letzten Jahrhunderts für ihre Nachkommen eine klare religiöse Familientradition festg'elegt haben, die in u 11 b c dingte v u n <1 k o ni p r omißlo-scr Orthodoxie verwurzelt ist, steht Herr Isidor Pappenheim auch selber bereits seit Jahrzehnt en als führende Persönlichkeit in der Gruppe jener Baale Battim, die in :ihrer reichen uncl mannigfaltigen Tätigkeit im Gemeinde-, Vereins• und Organisationsle'ben unerschütterlic'h und u u e 111 w egt a u f d e m Posten a u s h a r r c u, a u f tlen sie Pflicht und Selbsterkenntnis im S i 1111 e des o r t h 0 d o x e 11 J u de 111 u ra 1s gestellt hat. Ausgezeichnete persönliche Gaben des Geistes, des Wissens!und des Charakters, im Feuerkampfe um die Interessen der ,Orthodoxie gehärtet und gestählt,!bringt er einen großen Teil der Fähigkeiten und ׳Eigenschaften von vornherein mit, die beim Präses der slowakischen orthodoxen Landeskanizlei unerläßlich vorausgesetzt ■werden müssen. In einer Zeit, die, wie die unsrigo, so