Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1932-11-18 · 45 (18.11.1932) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
45 (18.11.1932)
Date
1932-11-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2630438-2630482--4300-2636449
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

5 Nt, 45 Polnische Stimmungsbilder i. Eine temmern Hoffnung Schon dachten wir, daß eine der brennendsten Fragen der polnischen Judenschaft ihrer Lösung nahestehe, als vor ungefähr drei Wochen eine hälboffizielle Nachricht in der Presse veröffentlicht wurde, daß der polnische Ministerrat eine Verordnung über die teilweise Abschaffung der Zwangssonntagsruhe beschlossen habe. Leider kam es nicht dazu. Die mit samtliehen Unterschriften bereits versehene Verordnung wurde im letzten Moment von der Staatsdrückerei zurückgezogen, gerade als sie dem Amtsgesetzblatte einverleibt werden und volle Gesetzesgültigkeit erhalten sollte. Es wäre falsch zu denken, daß die einzige Ursache dieser rapiden Wende der große Lärm war, den die polnischen Natiönaidemokraten über die drohende ״Sonntagsentweihüng“ in ihrer Presse geschlagen haben. Nein! Das Zurückziehen der Verordnung begründete die Regierung auch mit der Opposition, die die projektierten Erleichterungen im Sonntagshandel bei der jüdischen Bevölkerung■ wachgerufen hatten(. G Und das ist das traurigste Kapitel dieser traurigen Geschichte. Als nämlich die halboffizielle Nachricht von der beabsichtigten Verordnung in die Oeffentlichkeit drang, wurde dies allgemein als großer Erfolg der regierungsfreundlichen Politik der agudistischen Parlamentarier betrachtet, die seit Jahren mit Anstrengung aller ihrer Kräfte um Erlangung von Erleichterungen in der Zwangs- Sonntagsruhe ringen. Scheinbar um die Bedeutung dieses Erfolges abzuschwächen, begann die zionistische Presse sofort, noch vor der Veröffentlichung des Dekrets im Gesetzblatte, die Nichtigkeit und Belanglosigkeit der darin enthaltenen Erleichterungen hervorzuheben. Sie wies darauf hin, daß die jüdische Bevölkerung mit der durch den Ministerrat beschlossenen Verordnung keineswegs befriedigt werde. Natürlich gelangten diese Aeußerungen zur Kenntnis der Regierung, und möglich, daß sie ihr sehr willkommen kamen. Es war ja dadurch der Anschein hervorgerufen worden, daß weder die Juden noch die Polen eine Abänderung der Zwangssonntagsruhe in dieser Form wünschen. Der Weg zum ehrenhaften Rückzug aus der staubaufwirbelnden Geschichte war geboten. Die Verordnung wurde daher gemütlich ad acta gelegt. . Wieviel V erantwortungslosigkeit liegt in dem Vorgehen der zionistischen Presse, die sich nicht einige Tage beherrschen konnte, um mit ihrer Kritik die Veröffentlichung der Verordnung abzuwarten! Möglich, daß die Regierung auch ohnehin die Verordnung, unter dem Drück der Nationaldemokraten oder des Episkopats, nicht zur amtlichen Verlautbarung gebracht hätte, aber wenigstens wäre der jüdischen Gesellschaft ein Schamgefühl ob der Verantwortungslosigkeit der gehässigen Parteijournalisten erspart geblieben. 2. Ein mißlungener Angriff Seit einiger Zeit macht sich in der zionistischen Presse eine systematische Hetzarbeit gegen die polnischen Rabbiner bemerkbar. Von Zeit zu Zeit werden rabbinische Größen ״bloßgestellt“. Sensationell klingende Lügen werden zu großen ״Affären“ aufgebauscht, um das Prestige der religiösen Führer , zu untergraben. Den Höhepunkt und gleichzeitig einen klassischen Sturz erreichte diese Wühltaktik in einem Artikel des zionistischen Abgeordneten Dr. Rotenstreich im Warschauer ״Haint“. Dr. R. erzählte darin, daß er eben Tagung der Agudas liorabbonim in Polen. In der vergangenen Woche tagie der Zentralrat des polnischen Rabbinerverbandes, der verschiedene Resolutionen faßte. Der Rabbinerverband fordert die Kehilos auf, bei Kaiblhinerwahlen den Wahlkampf ehrlieh und in anständigen ■Formen zu führen. Zur Frage der ״Chasoko'h“ beschließt der Verband, daß ein Erbberechtigter nur dann den Rabbinerposten antreten darf, wenn ein Din-Thora zwischen ihm und seinen Gegnern angerufen wurde und zu seinen Gunsten entschieden hat. Der Rabbinerverband erhebt schärfsten Protest gegen den Chilnl-Schabbos in Erez-Jisroel,, insbesondere gegen den öffcnlichen Chilu.l-Schabbos durch die Mitglieder der Arbeiterkolonie Romema. Aguda in Rumänien. Dank der Vermittlung des um die Aguda in Rumänien hochverdienten Rabbi Maier Hager sind nun in Großwardein die bestandenen Meinungsverschieden- ■heiten beigelegt. Unter ■großer Beteiligung wurde der Vorstand der Agudas-Jisroel-Ortsgruppo in Großwardein vor kurzem ncugewählt, der bereits ernste Arbeit leistet und ■auch schon Erfolge aufzuweisen hat. In erster Reihe wurde für die Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren eine ״B-Gruppe“ gegründet. Weiters ein Arbeitsplan für die Jugenderziehung entworfen, der Anerkennung verdient. Die Jugendgruppe in Großwardein ist jetzt wieder ein Musterbild für die rumänischen Jugendgruppen; geworden. Die orthodoxen Gemeinden in ‘Rumänien. Anfangs November fand der Kongreß der jüdischen Gemeinden Altrumäniens statt, der einen Entwurf zum rumänischen Kultusgesetz beschlossen hat. Der Entwurf besteht aus 115 Artikeln. In mehreren Artikeln wird der Begriff der Riten (Einlieits-, orthodoxer und spaniolischer Ritus) behandelt. Der Entwurf sieht die Ausdehnung des in Transsylvanien in Geltung stehenden Gesetzes auf ganz Rumänien vor, nach welchem die orthodoxen Juden das Recht besitzen, sich in selbständigen Gemeinden zu organisieren. In Orten, wo bisher eine Einlieitsgemeinde bestand, soll eine eigene orthodoxe Gemeinde gegründet werden, falls dieser mindestens 400 Juden beitreten wollen. Wirtschaftliches aus Erez Israel. Verschiedene Kreise der jüdischen Industriellen in Palästina sind durch das immer stärker sich geltend machende Warendumping seitens Japans beunruhigt; japanische Waren, hauptsächlich Textilien und Seide, werden zu Schleuderpreisen in Palästina und Syrien angeboten und machen den in Tel-Awiw hergestellten Textilwaren besserer Qualität eine fühlbare Konkurrenz. Die jüdische Handelskammer in Tel-Awiw hat beschlossen, die Palästina-Regierung um Maßnahmen zum Schutz gegen das japanische Dumping zu ersuchen. Der soeben veröffentlichten palästinensischen Wirtschaftsstatistik ist zu entnehmen, daß im Verlauf des Jahres 1932 in Palästina Kapitalsinvestierungen in Höhe von 1,700,000 Pfund gemacht worden sind. Ein befrüchtiicher Teil dieser Gelder stammt aus dem Auslande, besonders aus Amerika. Viele Amerikaner kommen jetzt mit ihrem Kapital!nach Palästina, um es in Bau-, Handels- und Industrie-Unternehmungen anzulegen, In der ersten Hälfte 1932 wurde allein in Telwiw 1 Million Dollar in Bauten investiert. JÜDISCHE PEESSt einen neuen Erwerbs2weig für hunderte jüdische Familien 2u erreichen im Begriffe war, als ihm ״ein Rabhiner einer Großstadt*' hindernd in den Weg trat. Es sollten nämlich koschere Bahnrestaurationen eröffnet werden, die vielen Juden eine Existenz sichern würden, da hatte jener großstädtische Rabbiner der Bahndirektion eine Aufklärung gegeben, daß dies ganz unnötig sei. Das Leitmotiv dieser Handlung soll die Furcht jenes Rabbiners gewesen sein, daß die Konzession in der betreffenden Stadt ein Anhänger eines dem Rabbiner unsympathischen Chassidim-Rabbi bekommen werde. Weder der Rabbi noch die Stadt wurden hiebei von Dr. R. näher bezeichnet. Kurz nach dem Abdrucke dieses Aufsehen erregenden Artikels im ״Haint“ erschien in der Presse eine öffentliche Aufforderung des polnischen Rabbinerverbandes an Rotenstreich, den Namen des Rabbiners anzugeben, der den Plan der Eröffnung von Koscherrestaurationen in den Bahnhöfen vereitelt haben sollte. Der Rabbinerverband brandmarkte hiebei die Methode, die bisher bloß von den Antisemiten schärfsten Kalibers gehandhabt wurde und die Vorwürfe gegen nicht namhalt gemachte Einzelmensohen generalisiert. Es wurde auch festgestellt, daß gerade der Präsident des Rabbinerverbandes, Abg. Oberrabbiner L e w i n, seit Jahren bemüht ist, Konzessionen für koschere Bahnrestaurationen für Juden zu erreichen und dem Eisenbahnminister auch ein ausführliches diesbezügliches Memorandum überreicht hat. Allgemein hat man erwartet, daß nun Dr. Rotenstreich, um nicht als Verleumder zu gelten, jenen ״Rabbiner einer Großstadt“ namentlich aufweisen wird. Da dies nicht geschehen ist — — — bilde sich jeder selbst ein Urteil über diese *,Glaubhaftigkeit“.... 3. Eine1 kompromittierte Bewegung Große Erbitterung in orthodoxen Kreisen in Polen hatte seinerzeit die kurzsichtige Politik einiger unerfahrenen Personen aus dem Gefolge des Chassidim-Rabbi von Beiz hervorgerufen, die zur größten Genugtuung der Zionisten eine orthodoxe Sonder partei gegen die Agudas Jisroel gründeten. Die Partei, die den in Galizien historischen Namen ״Machsikc Hadaß“ annahm, wurde mit schreiender Reklame als ebenbürtige Partnerin der Agudas Jisroel proklamiert. Zum Präsidenten wurde der Führer des galizisch-palästinensischen Kolel, Herr David Schreiber aus Boryslaw, erkoren. Der erste Schritt cler neuen Partei war ein Kampf gegen die Lübliner Jeschiwa, die angeblich mit ihren Sammelbüchsen das ״Monopol“ des Kolel gebrochen haben sollte. Es war geradezu unverständlich, wie der ansonsten allgemeiner Achtung sich erfreuende Nassi des Kolel zu solchen politischen Aktionen sich hergeben konnte. Großes Staunen erregte auch der Umstand, daß clie neue Partei ein Bündnis ■ gegen die Agudas Jisroel mit dem Munkacser Rabbi anstrebte, den doch Herr David Schreiber aus Beizer dynastischen Gründen auf polnischem Boden still, aber heftig bekämpft. Selbstverständlich, daß cler Kampf gegen clie Lübliner Jeschiwa ׳bei cler galizischen Orthodoxie verkehrte Wirkung hervorgerufen hat. Die Aktion der neuen Partei, clie unter dem Namen ״M a s i lc e i Hadaß“ populär wurde, ist ganz ztisammengebrochen, — Ein noch lcläglicheres Ende wurde dieser Torso-Partei auf außenpolitischem Gebiete zuteil. So fand denn ein von Verantwortungslosigkeit zeugendes Unternehmen ein wohlverdientes Fiasko. 13. November 1932. Isch Je hu di. Generalkonsul Sally Guggenheim in Genf. Das Mitglied der politischen Exekutive der Agudas Jisroel, Generalkonsul Sally Guggenheim, hat sich anläßlich der von uns bereits gemeldeten Behandlung des Palästina-Mandats durch die Mandatskommission des Völkerbundes nach Genf!begeben, um die vorliegenden Petitionen der Agudas Jisroel persönlich zu unterstützen. Generalkonsul Guggenheim erklärte dem׳ Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, er sei mit Mitgliedern der Mandatskommission ' zusammengekommen und habe ihnen notwendige Aufklärungen betreffend die Forderangen der Agudas Jisroel erteilt. Noch vpr sechs Jahren habe die Aguda dem Völkerbund eine Petition betreffend das Recht zur Gründung selbständiger orthodoxer Gemeinden in Erez Jisroel unterbreitet. Auch eine der jetzt der Mandatskommission unterbreiteten Petitionen betreffe das Gesetz über die Knesseth-Israel. Die Aguda, schloß Generalkonsul Guggenheim, werde ihre Bemühungen beim Völkerbund so lange fortsetzen, bis ihre Forderungen erfüllt sind.‘ Wie bereits gemeldet, nahm die Frage der Bildung selbständiger Gemeinden auch, einen großen Raum ein, in ,der Unterredung, die vor kurzem Vertreter cler Agudas Jisroel mit dem High Commissioner hatten. Einige statistische Zahlen aus dem jüdischen Berlin. Im Jahre 1811 gab es in Berlin 3292 Juden bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 170.000. Unter tausend Personen gab es vor 120 Jahren in Berlin 1,94 Juden. Die Zahl der Juden in Berlin nahm immer ׳mehr zu. Unter 826.0000 Einwohnern, die Berlin 1871 zählte, gab es etwa 36.000 Juden, also ungefähr 4,30 auf ■das Tausend der allgemeinen Bevölkerung. In den vergangenen sechzig Jahren ist diese Zahl in Prozenten ungefähr gleich. geblieben und sie dürfte gegenwärtig eine sinkende Tendenz haben._' Wählerversammlung der ״Orthodoxen Liste“. Im großen Continental-Saale fand am Montag, den 14. d. M., eine Wählerversammlung der ״Orthodoxen Liste“ statt. Vor einem sehr zahlreich erschienenen Publikum, das den großen Saal bi® auf das letzte Plätzchen füllte, setzten die Redner, als letzter der Listenfiiihrer Gremialrat Halpern, das Programm der ״Orthodoxen Liste“ auseinander, das bei den Anwesenden starken Anklang fand. Zionisten versuchten wieder, in ihrer bekannter Art, die Versammlung zu ■stören, was ihnen allerdings nicht gelang. Man muß sich wirklich fragen, ob es notwendig ist, einen Wahlkampf in eine j ü d i s c h e Gemeinde in solcher Weise auszutragen. Nationalsozialisten als Hausherren. Im ״Braunen Haus“ in der Hirschengasse wohnt eine jüdische Familie namens Spielmann. In der letzten Zeit versuchten Nationalsozialisten durch verschiedene Terrorakte der Familie Spielmann das Wohnen in diesem Hause zu verleiden, so daß Polizei einschreiten mußte, die nun die Wohnung ununterbrochen durch Kriminalbeamte bewachen läßt. -i-™ Das Chinuch-Amt des Keren Hathora, II., Leopoldsgasse 16, verweist nochmals auf seine kostenlose Vermittlung von Hauslehrern und bittet um rege Inansprachnähme. I. L. Orlean — Direktor Her Beth-Jakob-Zentralanstalt in Krakau Der bekannte Pädagoge I. L». Orlean, Warschau* hat am vergangenen Dienstag die Leitung des Kraufeauei Lehrerinnenseminars des ׳Beth-Jäkob-Scfitiiwerkes über* .nommen. Direktor Orlean hat sich .bereits durch mehrere pädagogische Schriften einen hervorragenden Ruf verschafft und es ist zu erwarten, daß das Seminar unter seiner Leitung einen bedeutenden Aufschwung nehmen wird. . Eröffnung der Bet 11-Jakob-LehrerinnenansInlt in Wien. Vergangenen Mozze-Schabbos fand die feierliche Eröffnung •des Wintersemesters der Beth-Jakob-Lehrerinnen-Anstnlt und des ersten Semesters des neueröffneten Befch-Jakob-Kindergärtnerinnenkurses statt, zu der sich sämtliche Schülerinnen, zahlreiche Vertreter der ׳Elternschaft lind führende Persönlichkeiten eingefanden hatten. Wir erwähnen bloß!Frau Großrabbiner FrieclmaiwuSadagora und Frau Oberrabbiner Fürst. Nach der Eröffnungsansprache des Leiters der Anstalt, Herrn Rabbiner Dr. Pollak, hielt eine Schülerin eine Begrüßungsansprache an die Neueintretenden. Fräulein Doz. Eva Landsberg, berichtete über ihre Propagandareise durch Rumänien, wo sie mehreren Absolventinnen der Wiener Lehrerinnenanstalt bei der Uebernalimc eines Lehramtes behilflich sein und sich von den ausgezeichneten Erfolgen der Betli-Jakob-Bewegung in Rumänien überzeugen konnte.!Den Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Frankfurter, der namens der Elternschaft sprach, folgte die Rede des Direktors der Beth-Jakob-Zentrale, Herrn Dr. Leo Deutschländer, der das erweiterte Dozentenkollegium begrüßte und ■erfolgreiche Arbeit wünschte. Die gelungene Eröffnungsfeier hat bei den Anwesenden einen starken Eindruck hinterlassen und neue Begeisterung für die Beth-Jakob-Arbeit geweckt. M Von Woche zu Woche ® Äußer clen in der vergangenen Woche in den Vereinigten Staaten gemählten vier jüdischen S t a nt s g o u v e r n e u r e n wurden zwölf Juden in den Kongreß der Vereinigten Staaten gewählt.; * * In Lemberg Und anderen polnischen Städten kam es in den letzten Tagen zu antisemitisehen U nr u h e n. Tn einigen Orten wurden jüdische Passanten angegriffen und Fenster jüdischer Wohnungen mit Steinen bombardiert. * ' Die Nationalsozialistische Fraktion beantragte in der letzten Sitzung des Berliner Stadt- Parlaments, daß die ״j ii dis che Bibel“ aus dem Unterricht in den Schulen ganz a u s geschaltet wird, ln den Religionsstunden soll darauf hingewiesen werden, daß ״Christus ein Germane, G-tt ein Deutscher“ ist. g: Am 11. November wurde in Paris der verstorbene hervorragende Archäologe, Kunstforscher und jüdische Politiker Salomon Reina c h un ter großer T eilnahme zu Gr ab e getragen. * Die von Samson Rafael Hirsch in Fr an k für t am Main gegründete Volksschule begeht in diesen Tagen die Feier des fiinfzigjähri g e h Bestandes. Sie wird von ungefähr?00 Kindern besucht. * Zum Zwecke der landwirtschaftlichen Berufs- Umschichtung wurde vor einiger Zeit in Deutschland ein jüdisches Siedlungs gut bei Groß- Gaglow errichtet. Die auf dem Siedlungsgut gemachten Erfahrungen berechtigen zu den besten Hoffnungen. * Infolge einer unsachgemäßen Lagerung s t ii rzte eine ganze Front eines Warschauer Lagerhause s um und verschüttete die Bemohner eines angrenzenden Wohnbaues. Neben mehreren Verletzten wurden achtzehn Tote, davon fünf Juden, geborgen. Seit Menschengedenken hat es in Warschau ein so großes Bauunglück nicht gegeben. * Im ungarisch-jüdischen Viertel in Jerusalern entstand ein Br an d, der bedrohlichen Charakter annahm. Das Feuer wütete zwölf Stunden und wurde schließlich von der Polizei gelöscht. Das Haus eines Juden, das übrigens nicht versichert war, wurde zur Gänze vernichtet. Das Feuer konnte sich nur deshalb so ausbreiten, weil es in Jerusalem keine eigentliche Feuerwehr gibt, die sofort mit den Löscharbeiten hätte beginnen können. * Vom 1. Jänner bis zum 1, November wurden in Palästina 198 Kommunisten verhaftet. * Audi die Unruhen in Genf waren nicht ohne antisemitische Beimischung, Einer der Führer der reaktionären ״Union Nationale״ ist ein Herr Oltramare, Herausgeber einer nationalsozialistischen Zeitung und der radikal antisemitischen ״Reaction“. Da einer der zwei Führer der Genfer Sozialdemokratie ein Jude ist, bediente sich die faschistisehe Agitation ausgiebig des antisemitischen Arguments, das offenbar auch in der Schweis! für mg■« kräf tig gehalten wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.