Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 45 (18.11.1932)
- Date
- 1932-11-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE PRESSE Nr..0■ zeitlosזו ״ ml in* aller Ewigkeit über den zeitgebundenen Nöten, Wünschen nml Zielen des Menschengeschlechtes bestehen. Der Ewigkeitswert religiöser Maximen he* steht darin. daß sie etwas anssprechen!itml fordern, das bei aller überhistorischen und absölitten Geltung — doch für jede historische Zeit und jede menschliche Generation ganz konkret realisierbar sein kann und mall. Der Prophet Jcsaio hat in unvergleichlichen Worten das Zukunftsideal der Menschheit geschildert, aber die Ewigkeitsworte seiner Prophetie standen mit der historischen Zeit seiner Generation in Verbindung und wandten sich auch an die Zeit und die Menschen seiner Epoche, Ebenso müßte der cs מר für die Jüdische Religionsgemeinschaft nicht nur in der heiligen Vergabgenheit allein, in der einzigen Ortschaft allein bestehen; solch eine chronologische und geographische Begrenzheit widerspräche dem absoluten Charakter des auf dem ,מר סיני Verkündeten. Denn מלא גל מאדן צצירו und מלא צל מימים צבורו Das würde heißen צצל דור ורוד מייב ארם לרא־ח אמ עצמו צאלו מוא עומד לפני מר פיני Das würde bedeuten: 111 allen Generationen stehe das jüdische Volk -gleichsam immer wieder vor dem •Berge Sinai, um die Verkündung und die Verpfichtung von neuem entgegenznnehmeu, um das נעשה ונשמע zu proklamieren.!Der jüdische religiöse Mensch würde dann die Ewigkeitsstimme nicht nur als ewige Stimme vernehmen, sondern als einen Ruf zum konkreten histori- ■sohen '.Ihn, das von allen Klängen und Farben, Leiden und Freuden unserer Zeit durchströmt sein muß. An die Mitglieder und Freunde der Agndas Jisroel! Die Wirtschaftskrise, die auch in Oesterreich kaum י geahnte Formen angenommen hat und der zusehends zunehmende Antisemitismus, haben in den Kreisen der orthodoxen Judcnhcit neuerlich die Sehnsucht nach dem geheiligten L a n cl e sich verstärken lassen. Die Zentrale cler Agudas Jisroel hat sich daher an die oberste Regierungsbehörde Erez Jisroels, an den High Commissioncr, gewendet und ihn um Zuweis 11 n g v'o n E in wand er ungs Zertifikaten für strenggläubige Juden gebeten. Unter dem 30. September cl. J. hat der High Commissioncr. als Antwort auf dieses an ihn gestellte Ansuchen, an unsere Zentrale in Jerusalem ein Schreiben gerichtet, in welchem um Unterbrcitung entsprechender Unterlagen über die Zahl und Qualifikation der in Betracht kominenden. Personen gebeten wird. Die Agudas Jisroel vertritt den Standpunkt, daß der Aufbau Erez Jisroels n 111• auf dem Boden der Thora und im Geiste unserer Ueberlieferung erfolgen kann. Wir begrüßen es daher, wenn sieh auch in unseren Kreisen eine stärkere Aktivität für unser heiliges Land geltend macht. Interessenten werden liiemit gebeten, ihre Anmcldung im Sekretariat unserer österreichischen Palästina-Zentrale, Wien, II., Lcopoldsgasse 16, Telephon A-48-4-15, zu liintcrlegen. In Betracht kommen derzeit zwei Gruppen: a) Angehörige des Mittelstandes, welche über einiges Kapital verfügen und dieses Kapital zu indnstriellen Zwecken oder zum Erwerb von Orangenplantagen oder ähnliches zu investieren beabsichtigen. b) Landwirtschaftlich oder handwerksmäßig ausgebildete Personen. Die österreichische Palästina-Zentrale wird bestrebt sein, Anfragen in bezug auf vorhandene Möglichkeiten in Erez, Jisroel, auf Grund von Feststellungen zu beantworten, und eventuell im Einvernehmen mit anderen Landesorganisationen eine landwirtschaftliche Ausbildung zu ermöglichen. Palästina-Zentrale der Der Vorstand der 'österrei- Agudas Jisroel für chischen Landesorganisation Oesterreich. der Agudas Jisroel. Erkältungskrankheiten beugen Sie vor, wenn Sie, über ärztlichen Rat, Ihren Körper mit Menthol-Franz- Branntwein Alpa massieren. Dadurch härten Sie Ihren Körper ab und heben seine Widerstandsfähigkeit gegen Einwirkungen des Wetterwechsels. Alpa — Ihre Gesundheit! Erwiderung* Nachdem ich durch die verschiedenen Angriffe auf die Aguda und Adas Jisroel (auf persönliche Angriffe reagiere ich in der Regel n r c h t) in Wort und Schrift antworten muß, will ich vorläufig bezüglich der Religiös!- tat der Zionisten folgende Aeußerung aus einem Bericht der Madame Wickset s. A. vom Jahre 1926, Referentin des Völkerbundes über die Eingabe der Agudas Jisroel, zitieren: ״So sehr auch die Anerkennung zweier jüdischer Konfessionen in Palästina der Mandatsmacht Schwierigkeiten machen muß, erscheint es doch ausgeschlossen, Männern, die überhaupt keine Religion haben, die Macht zu geben in religiösen Dingen über Menschen, die nur in der Religion leben.“ Die Herren Stephen Wise, Klausner, Sokolow, sind gewiß nicht religiöser gestimmt, als der Herr Unionist, der sich in der Montague-Versammlung blamiert hat. Es hat einem prominenten Mitglied der zionistischen Gruppe gefallen, über das finanzielle Verhältnis der Adas Jisroel zur Kultusgemeinde mit dem Brustton der Ucberzeugung haarsträubende Unrichtigkeiten zu verbreiten. Derselbe hat öffentlich erklärt, daß die Schiffschul von der Gemeinde Unsummen bezieht. Die Wahrheit ist folgende: Die Schechito der Schiffschul ist 80 Jahre alt, hat also 50 Jahre früher existiert, als die Kultusgemcindc sich entschlossen hat, sich um das Schächtwesen zu kümmern. Durch Jahrzehnte hindurch hat die Schechito der;Adas Jisroel große Summen gekostet. Erst seit auch die Kultusgemcindc das Schächtwesen betreibt, ergibt sich ein nicht allzu großer Gewinn und vergütet uns die Kultusgemcindc die von unseren Schlächtern eingezahlten Gebühren zurück, nicht ohne eine nahezu feindliehe tnkassogc'bühr von 5 Prozent zu erhebe n. Die ״Talmud Thora“ ist erst seit 20 Jahren vom Schiffschttlkonzern geleitet, hat aber vor dieser Zeit 60 Jahre hindurch von der Kultusgemcindc eine viel höhere Subvention bezogen. Wir bezahlen hohe Steuern, aus deren Erträgnis wir vielleicht ein Recht haben, als gleichberechtigte Mitglieder der Kultusgemeindc auch für orthodoxe Zwecke eine minimale Beisteuer zu erhalten. Wir wünschen die Erhaltung der Kultusgemcindc in ihrer derzeitigen Gestalt für die Nichtreligiösen aller Schattierungen, müssen aber selbstverständlich für uns wünschen, daß die Staatsregierung endlich zur Erkenntnis komme, daß die Bestimmungen des Gesetzes, in einem Ort dürfe nur eine Judengemeinde existieren, die leibliche Schwester des Halseisens ist. (Leopold Löwy: ,,Zur, neuen Geschichte der Juden in Ungarn“, Budapest 1874, L. Aigner, Seite 331.) Wolf Pappenheim«, Für eine Vereinigung aller orthodoxen Juden Wiens. Von Rabbiner David Friedmann, Rabbiner des Bethausvereines ״Marpe l'Ncfesch“. In der letzten Nummer der ״Jüdischen Presse“ haben Sic die wichtige Frage einer Einigung und Vereinigung aller orthodoxer Juden, die eine selbständige orthodoxe Gemeinde erstreben und insbesondere die Frage einer Organisation der orthodoxen Bethäuser und Klausen behandelt. Dieses Problem ist meines Erachtens von so großer Bedeutung, daß ich es nicht unterlassen kann, zu demselben Stellung zu nehmen. Es ist mein Herzenswunsch, daß eine Basis geschaffen werde, auf der sich alle orthodoxen Bethäuser, unter Führung der Adas Jisroel, in einer gemeinsamen Organisation vereinigen können. Diese Organisation soll die gesetzliche Anerkennung einer selbständigen, unabhängigen orthodoxen Gemeinde erstreben. Eine Vereinigung zumindest jener Orthodoxen, die die von Rabbi Salmcn Spitzer זצ׳ל vorgezeichneten Richtlinien der Kchillahpolitik für sich verbindlich nehmen, ist viel leichter, als allgemein gedacht wird. Die Hindernisse sind so kleinlieber Natur und so leicht aus dem Weg zu schaffen, daß es einfach nicht zu verstehen ist, warum diese Einigung nicht zustande kommt. Zur p r a k t i s c 11 e n Seite' möchte ich nur folgendes bemerken: Die Einigung 'und Unterstellung der orthodoxeU BethäUser Unter die Flagge der Adas Jisroel wäre für das Budget der Adas Jisroel mit keiner Mehrbelastung verbunden. Die einzelnen Vereine würden selbstverständlieh auch weiterhin finanziell ganz selbständig arbeiten. Die Stellung der orthodoxen Vdreinsfabbiner würde die gleiche wie bisher bleiben, nur müßten sich diese zu einer ״Rabbinerkommission“ unter Vorsitz des Oberrabbiners der Adas Jisroel vereinigen. Ebenso muß ein Forum geschaffen werden, in dem Vertreter aller Bethausvorstände sitzen. Die Schaffung dieser beiden Körperschaften erfordert — wie erwähnt — keine finanziellen Mittel. Ich halte gerade den j e t z i g e n Zeitpunkt, wo die orthodoxen Vertreter im Vorstand der Israelitischen Kultusgemcinde, zufolge Ihrer Erfahrungen, daß die Fragen der^ Orthodoxie nicht innerhalb der Kutusgemeinde, gelöst werden können, die Konsequenzen gezogen haben und aus dem Vorstand ausgetreten (sind, für richtig*• diese ' Organisation zu schaffen. Die Einigung ist eine Lebensfrage der Wiener Orthodoxie, denn nur auf dieser Grundläge ist zu erhoffen, daß die Jiidischkeit in unverfälschter Art in unserer Stadt erhalten bleiben wird. Wie Sic in Ihrem Artikel schreiben, soll die Adas Jisroel, als älteste und größte Gemeinschaft, die F ü hrttng in diesem Kampfe übernehmen. Es ist nur zu hoffen, daß die Adas Jisroel recht bald die Initiative in dieser Frage ergreift. Unserer Mitarbeit kann sie versichert sein. * Nachbemerkung cler Redaktion: Wir bringen die obige Zuschrift, clie sich zum ersten Male auch schon mit den konkreten Einzelfragcn befaßt, in cler Erwartung, daß sich nunmehr auch die Führer cler anderen beteiligten Kreise zu Worte melden und die nun eingesetzten Vereinigungsbestrebungen recht bald zu einer gedeihlichen, alle Teile befriedigenden Lösung führen werden. Die ״Jüdische Presse“ wird das Ihrige zur Förderung dieser Bestrebungen beitragen. Es muß und wird m. G. H. gelingen, eine Vereinigung aller — aber auch aller — orthodoxen Juden herbeizuführen, und mögen sie auch in manchen Einzelfragcn nicht immer gleicher Meinung sein. Oberliausmitglied Adolf Frankl beim Kultusminister. Einer Deputation cler orthodoxen Landeskanzlei in Budapest, unter ■Führung dc\s Präsidenten Senator Adolf Frankl, sprach bei dem neuen Kultusminitcr Dv. Balmt :Montan vor. Die Begrüßung seitens des Präsidenten Frankl, erwiderte der!Minister ׳in herzlichster Weise und betonte, daß er auf die Mitarbeit des patriotisch gesinnten Judentums großes Gewicht lege. Bezüglich der Schlägereien an cler Universität versicherte der Minister, daß er Ordnung schaffen •und die gesetzwidrigen Ausschreituneen an der Universität •niederbrechen werde. Dringende Mahnung! Wir haben unseren ausländischen uncl Provinz-Abonncnten Erlagscheine, bzw. Mahnung für die rückständigen Bezugsgebühren eingesendet. . .... Wir bitten auf diesem Wege dringendst, die rückständigen Abonnements-Beträge zu bezahlen, damit wir nicht gezwungen sind, che weitere Zu- Sendung unseres Blattes an die betreffenden Abonnenten einzustellen. Verwaltung der ״Jüdischen Presse44. mm₪₪₪₪₪₪₪Ma₪m₪K₪u₪₪₪m₪mm, Lebensverskherungsn U M I V״ Gegründet Gesellschaft yjwr 11 U PI I A 1882 Versicherungsbestand Ende 1931 .. . . ... . 2775 Millionen Schilling ‘ Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1931 . .. 182 Millionen Schilling Garantiemittel Ende 1931 .. 472 Millionen Schilling Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1931 . 43 Millionen Schilling Am Ende des Jahres 1931 waren bei der Gesellschaft 836.664 Personen versichert. Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Italien, Tschechoslowakische Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Aegypten und , Kleinasien. | FEUILLETON ■ Prefiburger Ghettobilder. Vor einigen Tagen erschien im Verläge von Siegmund Steiner in Bratislava ans '־ der Feder von ״K a r 1 B cny o vszky •und Josef G r ü n s f e 1 d jun.“ in schöner Ausstattung ein neues Buch: ״Presstbur ger G h e 11 ob i ld e r“, das eine beträchtliche Anzahl Bilder und Geschehnisse aus dem alten und neuen Leben dieser berühmten Gemeinde festhält. Mit Erlaubnis der Verfasser bringen wir in nachfolgendem t einige charakteristische Stücke aus diesem Buch, die unseren Leserkreis gewiß interessierou werden. Die Feuerwehr. Gegenüber der Schiurstube auf dem Schloßgrund hatte einst die stolze jüdische Feuerwehr ihr Depot. Den Baugrund hiefür erhielten die Juden von der Stadtgemeinde, die Feuerwehrgeräte wurden im Wege einer Sammlung im Ghetto aufgebracht. Die Ausrüstung bestand aus eine!’, ,den damaligen Anforderungen vollauf entsprechenden Feuerspritze und zwei Wasserwagen mit großen Fässern und den aus wasserdichten Leinen heigestellten roten Wassereimern. Banovitz der Spritzen- י peister war ein strenger Kommandant, der im Dienst Je eine ü Spaß verstand. Wurde, ein Brand gemeldet, war cf* der unweit des Feuerwehrdepots im Waohstubenhüttl ein Kaffeehaus besaß, als erster zur Stelle., Doch kaum batte er den Schlüssel im Schloß umgedreht, da kamen die übrigen freiwilligen Feuerwehrmänner; der Tapezierer Lahner, der alte Wahle, der Schlosser Winterberg, der Träger Kopl Lob Roth, der Schlosserraeister Zilzer nsw. liefen atemlos herbei, Man öffnete rasoh die‘ Tore, zog die Geräte auf die Straße, hielt den ersten besten Wagon, der des Weges kam, an, besehlagnahmte־ die Pferde — wozu die Juden die behördliche Bewilligung besaßen — spannte!sie vor die Spritze und im Nu erschienen sie an der Brandstelle. Waren aber keine Pferde zu!r Stelle, zogen die wackeren Feuerwehrleute, von einigen Männern der Straße unterstützt, das Gerät selbst in schnellem Trab ,zum Feuer. Sie hatten meist leichte Arbeit, denn brannte es in der Stadt, so führte ihr Weg bergab, war das Feuer aus dem Gebirg gemeldet, so war die Steigung bloß gering. Das war auch der Grund, daß die jüdische Feuerwehr fast ausnahmslos als ,erste am Brandort erschien. Sie w>urde von der Bevölkerung meist mit Juibelrufen begrüßt. ״Die Judenspritze ist schon ,da“, hieß os, wenn sie ankamen. Bevor sie noch mit cler Arbeit begannen, rissen sie die Hausnummer dos brennenden Objektes herunter und steckten sie in die Tasche, um den unumstößlichen Beweis zu liefern, daß sie als erste zur Stelle gewesen waren. Sehr oft wurde die jüdische Feuerwehr für ihre aufopferungsvolle und ziellbewußte Arbeit bei den Bränden seitens der Behörden belobt. Dies steigerte auch ihr Selbstbewüßtsein und ihren Ehrgeiz; sie rückten nach getaner Anbeit stets stolz wieder in ihr Depot ein. Der alte Zilzer war die komischeste Gestalt der Mannschaft; wurde ein Brand gemeldet, beschmierte er sein Gesicht schon zu Haus ausgeiebig mit Ruß, um den Anschein zu erwecken, als ob er bereits gearbeitet hätte. Er kam stets zu spät und rannte darin wie ein Besessener umher. Hielt ihn jemand auf der Straße an, um ihn zu fragen, wo es brenne, so schrie er fluchend: ״Ich habe keine Zeit, ich muß zum •Feuer.“., Jeder kannte den originellen Feuerwehrmann, jeder lachte über Zilzer und ciie Straßenjungen trieben ihren Spott mit ihm. ״Herr Zilzer, wo wird es morgen brennen?“, riefen sie' ihm spöttisch 311» \yenn sie ihn erblickten. Ein Fluch war die Antwort darauf. Die Uniformen cler jüdischen Feuerwehr waren nioht einheitlich: jeder Manp hatte einen anderen ausgemusterten Helm, eine andere schlechte Hose und eine andere abgeschossene Bluse. Aber auch, in'•diesen bunten Uniformen erfüllten sie ehrenhaft ihre ׳freiwillig übernommenerj Pflichten. Nur mit der Wasserversorgung war es schlecht bestellt. Die beiden Fässer ihres Wagens waren bald geleert und clie Wassereimer, die in jedem Hause gefüllt bereitstehen mußten, genügten selten, um den Strahl der kräftigen Feuerspritze zu speisen. Natürlieh fanden sich immer einige Burschen, die freiwillig mithalfen uncl aus der Umgebung Wasser herbeihölten. Kam bei der jüdischen Feuerwehr eine Stelle zur Beisetzung, so erhielt sie immer cler tüchtigste Helfer und Wasserbesorger zum Zeichen der Anerkennung und Belohnung. Mit cler Zeit, als die Erhaltungskosten der selbständigen Feuerwehr immer größer wurden, so daß sie im Ghetto selbst ,nicht mehr aufgebracht werden konnten, faßte man den Beschluß, die Geräte der Stadtgemeinäe mit der Bedingung zu übergeben, daß sie in der Zukunft eine städtische Spritze, in dem der iKultusgemeinde gehörenden Depot am Schloßberg belasse. Da der Staatliaiipimaim dies versprach, wurde die jüdische Feuerwehr aufgelöst und die Geräte wurden am 19. März 1876 der Stadtgemeinde übergeben. Der gemütliche Totengräber. Sawel Prager war Lieberer von Beruf, der erste Totengräber der Gemeinde. Trotzdem war er stets,gutgelaunt... ...Als •einst ein neuer Cliason nachPreßburgkam, hielt er hin auf offener Straße an, begrüßte ihn und stellte sieh ihm mit den folgenden Worten vor: .,Scholem alechem, Herr Oberkantor, ich bin der Lieberer. Aber vor mir brauchen Sie gar keine Angst zu haben; wir haben hier in Preßburg noch keinen einzigen Chason begraben, denn es bleibt uns keiner da. Der zuvorkommende Gemeindebeamte. Der •alte Zdokoh-Gabe Chajim Sonnenfeld war ein strenger Vorgesetzter, der viel auf sein Kowed gab» Als er einmal in der großen Synagoge nach einer kräf* tigen Prise Schnupftabak laut niesen mußte, ging der ehrwürdige Greis, der Gemeindebeamte Reb Löb, auf ihn zu, verneigte sich vor ihm und sagte: ״Kohol läßt assesse sagen.“