Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 45 (18.11.1932)
- Date
- 1932-11-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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NöVikote vyplatne povöletie riadit »ost a telcgrafo* v Bratislave Öis. 4b72-II1-2». JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DIES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Zeiittfifeü Ttffi Verleger versendet. Journal es!p6dM far Tediteüf, V. b. b. Redaktion u. Administration: Wien, II., Malzgasse Nr. 12 a. — Tel. A-48-4-15. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — RedaktionsschiüJJ: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzeln|1x1mer öst. Gr. 40.' reich i P08t8parkastenkotito Nr. D-936I4; Deutschland« Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien« Postspk^Amt Zagreb Nr. 40217; Polen 1 Postspk.-Amt Warschau Nt. 190409; Ungarn« Postspk.-Amt Budapest N1*.S0170; schwelst Poet* sebeekk. Zürich VIII. 4117; tür die Techeehoslowekcl t , Jfi* dlsche Presse״, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 ־־/•■' f, ■' Nr.45 Wien-Bratislava, 18. November 1982 *כיי ויצא־פרמסבויג ייט חשק תיציג 18. Jahrg. Der neae Wiener Erzbischof, Dr. Innitzer ... über die Rassenfrage.!Dr. Innitzer, der neue Wiener Erzbischof. ist sich (selbst treu geblieben. Die Hoffnungen. die man an den religiösen Führer der österreichische 11. Katholiken auf Ciruivd seiuicr früheren öffentlichen Wirksamkeit gesetzt hat. haben sich voll b e s t ii t i g h Er ist auch in seinem neuen, verantwortungsvollen Amt mutig bei seiner eigenen Wahrheit geblieben. Kr sprach am .Staatsfeiertag in Klosterneuburg bei einer kirchlichen!Feier, zu der sich auch der Bundespräsidcnf, der .Biindeskanzlen• und mehrere Minister cingäfunden haben. Die Anwesenheit <101• höchsten Staatsfunktionäre gibt den ^Ausführungen des Erzbischofs eine erhöhte autoritative .Bedeutung. Dr. Innitzer sagte in dieser höchst bedeutsamen Bede unter anderem: ,.Wir haben in der Heiligen Schrift .‘das Beispiel von einem. Volk, das von einem glühenden!Patriotismus beseelt wa;r, vom jüdischen Volk. Fs ist nicht angängig, von edlen und mindevwerligeu Bassen zu sprechen, weil cs das-eicht gibt. Jede Nation hat Vorzüge und Nachteile. Wir dürfen die Vorzüge der eigenen Nation nicht so hervorheben, daII wir nur die eigene allein lieben und 'die anderen hassen.‘׳ in seiner klaren und eindeutigen Stellungnahme gegen die national soziales tischen llaßorgien gegenüber Juden, •und Judentum folgt Dr, Innitzer seinen deutschen Amtsibnideirn, die in der nationalsozialistischen Haß- Propaganda eine G e f ä h r d u .11 g der katholischem Weltanschaunng und der tidfsten Grundsätze des Christen• durch die v e 1־ s c h i ed ep 11 i c 11 e . Behandlung <lerselben gegeben ist. durch die Bewilligung eine!■ Stnat.shilfe auch für die, österreichischen Judeng em e i n de 11 ein Ende bereiten. Aiber auch noch in anderer Weitse!mißte der Staat beweisen, daß er in 1־ e 1 i g.i ös e 11 Dingen nichts drein-. reden will. Win* meinen damit die - Gewährung jener S e 1 b s t ä n d i g k e i t uiUl U 11abhüngigkeit dev orthodoxen, in dev tjeberl-iefenimg fest verankerten Juden, die diese für die Entfaltung eines aufrechten Judentums, in ihrem Sinne, für den Ausbau und die Erweiterung i h 1• e r religiösen Institutionen benötigen. Der orthodoxen Judenheit muß die Möglichkeit gegeben werden, frei und selbständig, unabhängig von Macht- und Stimmungsverhiiltmssen des Augenblicks in der Kultusgcmeinde, sich ihre religiösen Bedürfnisse selbst zu besorgen, ihr religiöses Leben mach den Grundsätzen der Thora und der heiligen Lehre cinzurichten. ••.׳.■ ׳...,. ׳ . . .. , Indem die Orthodoxie die "Bestrebungen der | Schöne weiße Zähne ä ,nw■■■■■■■■■■ 'änctlenmmg unb oolllte 3m; friebenljeit Über bie ״(SftIotobont*3^1!pnitc" 3ü übermitteln. 3cf) gebraute ■ ״Gfjforobont" fdjon feit 3af!ren unb werbe ob meiner fcfjbtten weiten Sciftne oft Benctbef, &?e tdj letttcn (Enbc0 nur burdj ben tagttcfjen (fjoDrmictj 3ljrcr ׳ (EDIorobont3־o0npafte crreidfit bebe." E. SReldielr, 6dj. SUJan ncrfaitge; :nur bic cdjte Gljlorobont«3«bnpnite. $ubc i Ke unb 6 Ke utib weife־ {«ben Erfaö bafür guriitf. Kultusg’emeindc in bc/.tig׳ auf .ihren Anspruch auf eiineri Staatsbeitrag־ unterstützt, verlangt sie auch für sich und ihre Institutionen Gerechtigkeit. Es ist wichtig, dies *in dem Augenblick hervorzuheben,• wo, die bisherigen orthodoxen ׳KultusVorsteher n i e h t mehr ka nd i die re 11. Die Orthodoxie verlangt, daß aus den Steuergeldern, die die orthodoxen Juden der Kulfusgemeindc bezahlen müssen, orthodoxe Institutionen in gerechter und verdienter Weise bedacht werden. Nur das moralische Anrecht wird fortab den orthodoxen Institutionen bei:stehe״. Wir wollen dieses Beeilt nicht nntcrschätzeu. Die bedeutsame Bede des Wiener Erzbischofs am Staatstciiertag war von hohem, Bechtsgefiihl erfüllt. Er wirkte im Sinne seines Wuhlspruehes: ״In Liebe zu dienen! Ev dachte sicher lieh zunächst an seine Christliehen Glaube nsbrüd ei, er diente'aber mit seiner großen׳ Bede auch den österreichischen Juden. L. L, Ueber jüdische Religiosität. Von Dr. ]. Stein borg, Berlin. turrus erblicken. Wenn auch demnach Dr. Innitzer nichts Neues verkünd etc,, so sind will• Juden!in Oesterrc-ich ihm tief dankbar, daß er den Mut fand, au.s.z 11.spreche 11, was auch vom christlichen Standpunkt aus nur allzu selbstverständlich ist. . * ..... ■■׳־ Staat und Kirche. Dr. . Iiuiiitzer sprach in seiner bedeutungsyol.len Rede auch üben• das Verhältnis des Staates zur Kirche. Er sagte da: ״Der Staat :hat Anspruch auf Autoirität, die Staatsautorität darf aber nicht.überspannt werden. Vor allem darf der Staat .nichts in r e 1 ig lösen Dingen dreinreden. ׳DerStaat steht über der Nation, ab^r nicht über der Religion.“ Wenn wir diese Grundsätze vom jüdischen Standpunkt aus betrachten, so müssen wir zu dem Schluß kommen, daß der österreichische Staat diese These in bezug auf die österreichischen Juden nicht befolgt. Der Staat mischt sich wohl in die Angelegenheiten der Konfessionen, und zwar in materieller Beziehung. Alle gesetzlich anerkannten' Kirchen werden in Oesterreich vom Staat, also aus den Steuergelderm aller Bürger, sulbyentiioniert, .nur die jüdische nicht. Der Vorstand der .israelitischen Ktiltusgemeinde ist in den letzten Jahren noch vom jedem Bimdesikam/.lcr und Finarizminister hdttstellig geworden, um diesem Hebelstände albzuhelfen und auch für die jüdische Konfession in Oesterreich eine entsprechende Stantshilfe zu, erreichen. (Hoffentlich werden, die staat&phflosophiscihen Ausführungen des Wiener Erzbischofs bei unseren Staatslenkern!Beachtung finden und jener Einmischung des Staates In die Angelegenheiten der Konfessionen, welche Gibt es heutzutage eine jüdische Religion, als stabiles und geschlossenes Ganzes? Jawohl, es gibt.. Gibt es heutzutage; eine■■..jüdische .Religiosität als stabile und eindeutige Erscheinung? Nein, es gibt kaum. Versteht man unter Religion eine ״kirchliche“ Organisation,, eine, durch Jahrtausende geheiligte Tradition, einen von den Gläubigen unzweifelhaft an erkannten Kultus, daun ist die jüdische Religion stabil. Trotz aller •Stürme der Zeit lebt sie überall, wo jüdische Massen leben: ln Polen. Litauen. Lettland, Rumänien, Amerika, Oesterreich, Paläsimi, selbst in Sowjetrußlaiul und Deutschland. Versteht 'man aber unter Religiosität organische Durchdringung des Lebens — des Menschen und der Gemeinschaft — mit religiösen Werten, 'schöpferisehe Fähigkeit, mit der Tradition, über die Tradition hinaus das Innen- und Außcnlebcn weiterzubauen, Vorflechtung der Tagesnöte, und Pflichten mit. den Aufgaben eines Ewigkeitslebens, — dann ist jüdische Religiosität zur Zeit •im.Schwinden begriffen. Was ist aber Religion ohne Religiosität? Das jüdische religiöse Leben konzentriert sich faktsich. in. oder um die Synagoige; die Synagoge aber wird zu einer der vielen Organisationen der jüdischen Volksgemeinschaft. Das soziale, wirtschaftliche, geistige, sittliche Leben der Massen, «insbesondere der Jugend,, fließt parallel dem synngögalcn, fast ohne'sich gegenseitig zu durchdringen. Nun ist es aber bezeichnend, daß gerade in 1111kaufen Sie g 1t Und billig bei RUDOLFBERMANN WIEN I, SALZTORGASSE 1. TEL. U-24-4-30 Detail zu En-gros-Preisen serer Zeit sich eia erneuter und sich immer wieder erneuernder Zug nach Religiosität zeigt. Er zeigt sich auch in den freidenkerischen, radikalen und sozialistischen Kreisen. Der Weltkrieg, die während und nach ihm eingebrochene ■Zerrüttung der Sitten und Ideen, die zusammengebroehenen Freiheitsbewegungen, die Brutälität und Verlogenheit der .sich zur Zeit fest.setzenden ״Ordnungen“ — all das hat die früheren Ideologien erschüttert. Demokratie und Menschenrechte, Völkerfrieden und Sozialismus scheinen bald hohle Worte zu •sein. Diese furchtbaren Rückschläge der fast tuessiamr schon IIÖffnungen führen — hei den aktiven Naturen— dazu, daß sie sich wieder auf die Ausgangsumt ׳Ziel- ])unkte der neuen Bewegungen besinnen müssen. Die mechanistische Betruehtung^veise menschlicher Schicksnle und der Weltgeschichte hat, sie ja nicht vorwärts; gebracht. Die rein materialistische uml wirtschaftliche• Begründung der sozialen Bewegung hat sie gründLsütz-1 lieh nicht aus dem Rahmen des Aus b c u t u n gss y st ent s des Kapitalismus gehoben. Die prinzipielle «Ablehnung ethischer■ Grundlagen, '■die Konzentration auf ausschließlich ״diesseitige“ Ziele und Aufgaben haben die Bewegungen nicht vor Zersplitterung, gegenseitiger Verfeindung, innerlicher Verödung bewahrt. ■Es ist darum kein Zufall, daß man sieh auch in diesen Bewegungen nach einem ethischen, metaphysischen, religiöfiöü Halt sehnt.• Es entstehen z. B. Versuche eines religiösen Sozialismus. Aber gerade im jüdischen Volke, das den ,Zusammenbruch großer Weltideale immer hundertfach schärfer erleidet, ist von dieser neuen Wendung wenig zu spüren. Eine Wendung zu der jiklischeu Religion — am allerwenigsten. Wie ist das zu verstehen bei einer Religion, die das jüdische Volk immer als eine חורח חיים aufgefaßt hat? Liegt nicht die Erklärung darin, daß die jüdische Religion eben aufgehört hut, int Leben z!u stellen, daß sie sich der Zeit entfremdet hat? Wir wollen richtig verstanden werden. Wir meinen nicht, daß eine religiöse Weltanschauung aus dem Zeitgemäßen allein ihre lnhalte schöpft und formt. Eine religiöse Ideenwelt will Um trotz der Oeviseitsperre die Veibindtmg!nit dem Auslande aufrechtzuerhalten, habe ich nurmehr ein greßes Lc ger, fertiger PerlicFenafler Nuancen vorbereitet, um den durch Wien reisenden Damen eine Ivtcilvlcficell dem Gesicht entsprechend modellierte Perücke schon innerhalb s*>chs Stunden liefern zu können י״ידי^י״י״״״י״״י^י^יי■"■ Besitzer der weltbekannten PerUcken-Kumtwerkftätte Wien I, Kärntnerrintr 6 g»