Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 39 (30.9.1932)
- Date
- 1932-09-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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39. Wohl hätte« sich die Eingewanderten in stärken ÖK ־ gähisatfoneit gfnppierL häben eine vielgelesene Presse gesehäflenr ein weitverbreitetes soziales Selbsthilfewerk aüfgebawt, aber däs thorätrene Judentum hot durch sie kaum eine Stärknng erfahren! Zwar wurden einige neue fäitt1ttd*Th0ra-Sehttien in Paris gegründet» ob sie aber iebensfaing sind «nd■ wirklich positive ■Arbeit leisten werden, kann heute noch nicht׳ beurteilt Werden. Die einzige Initiative älteren Datums» ein reli* giäses Zentrum ■zu schaffen, ist diejenige der Ez Chajim- Gemeinde in Straßburg» die nach dem Vorbild der Hirschschen •Austrittsgemeinden aufgebaut ist. Von hier gehen auch die Impulse aus, ein — wenn auch noch so bescheidenes — Zentrum für Limud Hathora zu schaffen. Die Tatsache, daß im Sommer dieses Jahres zum erstenmal etwa 20 junge Menschen aus Frankreich ihre Ferien auf der Jeschiwa von Montreux verbracht haben» ist vielleicht ein Symptom wieder erwachten Interesses zu der alten Lehre. Und so besteht die Hoffnung, daß wenigstens ein kleiner Teil der jungen Generation den Kontakt mit den jüdischen Quellen wieder finden wird, damit auf den Ruinen neues Leben entstehe. Dr. Schmirmann — Straßburg. Weitere Länderberichte folgen. Droschoh in der Schiffschul Am ש, שובה um halb 11 Uhr vorm, wird die übliche דרשה von אדמור שיחי׳ gehalten werden. סגרי׳ מוסיפין מחול על הקודש ■(J11 früheren Jahren war es üblich, daß in den verschiedenen Bethäusern die דרשות nicht zur selben Stunde gehalten wurden. Es .wäre zu wünschen, daß die ‘Bethausverwaltungen zu der alten guten Uebung zurückkehren. Die (Redaktion.) Mussar 4 ר שה in der Jugendgruppe Am ש״ק פר, בצבים hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Josef Baumgarten in dem;bis auf das letzte Plätzchen vollgefiihltep Saale der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe, Wien, II., seine traditionelle : מוסר דרשה In tief zu Herzen gehenden Worten wies der Vor״ tragende darauf hin, daß es Pflicht ist, einen hohen Gracl »jüdischen Wissens, jüdischer Geistigkeit zu erringen, daß aber stets ,das Prinzip der Autorität anerkannt werden und der Autorität allein, den! דאתרא 'D die Entscheidung in Fragen •religiöser und erzieherischer Beziehung überlassen bleiben muß. Rabbiner Baumgarten geißelte mit scharfen Worten den Leichtsinn vieler Eltern, die ihren Kindern Privatunterricht erteilen lassen und nicht genügend darauf hedacht sind, daß der Lehrer,■ dem sie die Erziehung, ihrer. Kinder ’anvertrauen, auch wirklich selbst ein ירא שמים ist und die Kinder im!jüdischen Geiste erzieht. Er verwies noch auf die Pflicht jüdischer Eltern, ihre Kinder die jüdische Schule besuchen izu lassen und nichtjüdische und jüdisch-unjüdische Schulen zu meiden. Die Kultuswalilen und die Agudas Jisroel. Wie bereits bekannt ist, finden am 4. Dezember die Wahlen in •den Vorstand der Israelitischen Kuiltusgemeinde Wien statt. Die Jüdische Telegraphenagentur meldet hiezu, daß die Agudas Jisroel auf einer gemeinsamen Liste mit der ״Union österreichischer •Juden“ in den Wahlkampf eintreten wird. Wir erfahren von maßgebender Seite, »daß diese Meldung nicht auf Tatsachen Der heilige Franziskus von Assisi und die israelitische Kultusgemeinde. Der Wiener Tierschutz verein hat an •die Wiener israelitische Kultusgemeinde eine Zuschrift gerichtet, in welcher er mitteilt, daß der 4. Oktober als Gedenktag des heiligen Franziskus von Assisi als Welttierschutztag erklärt wurde und »daß aus diesem Grunde• festliche Veranstaltungen stattfinden. Obwohl es sich •um einen katholiscken Heiligen handelt, meint der Tierschutzverein, sollte auch in den jüdischen!Betliäusern von den Rah- ■binern idie Bedeutung des Tages gewürdigt werden. Diese Aufforderung wurde von der Kultusgemeinde als Rundschreiben weitergegeben. Der Begleitbrief trägt die Unterschrift des Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, des aufrechten Juden Herrn Dr. Josef Löwenherz. Wir wissen nicht, ob und wieviele Rabbiner in ihren Roschhaschana-Predigten die Wünsche des Wiener Tierschutzvereins richtig würdigen werden. Doch eines ist sicher, unter• den vielen tausenden Besuchern der Synagoge sind nur sehr wenige, bei denen es erforderlich wäre, sie über die Scheußlichkeit der Tierquälerei aufzuklären. Soweit uns die Verhältnisse ׳bekannt sind, besuchen die passionierten Jägdliebhaber zum geringsten Teil die jüdischen Bethäuser, und■ daß das Jagdvergnügen der Menschen!für die Tiere keine Annehmlichkeit bedeutet, wird man nicht beweisen müssen, wenn, man daran denkt, daß arme Tiere unbarmherzig gehetzt und zu Hunderten von mehr oder weniger ungeübten Schützen ״zur Strecke gebracht werden“. Auch die großen Kapitäne der Industrie für Erzeugung von Kriegsmaterial zählen nicht zu •den ständigen Hörern jüdischer Predigten. Kommt es ja doch auch im Kriege vor, daß arme Tiere jämmerlich gequält und, getötet werden, ohne den Trost zu buben, den Tod für das Vaterland zu erleiden. Die Mej* *schenschicksale kommen natürlicfi für die patentierten Tierfreunde^ nicht in Betracht, Diese bekämpfen lieber das Schächten, das nach den überein- STOFFE Cfipi Mangol* K. S., Ia Kleiderwafe Cröpe Marocain, K!S., schwerste Qual; ftftincöidcnmarocain, schwere Ware FlameiOl, ftiböuldinge, alle Farben ״Baumrinde״, Pariser Neuheit, 130cm Cfäpe €ötclc, Modestrf.» Ton i. Ton. 130 cm . . . . . . . . . . ... Franxös. Mantelstoffe, Schafwolle» 140 cm ... . . , v , 1 . •־. . Engl. Mantelstoff«« Schafwolle, 140 cm!lSf1etland,#, feinste Qualität, 140 cm Wien VII, tiaiibaugatse 10 Angeschlössen der ,SCHOMRA‘ beruht und daß der Vorstand der Agudas Jisroel vorläufig •zu ■der Frage der!Beteiligung nn den Wahlen zur Kultusgemeinde nicht Stellung genommen hat. Markus Hornstein nach Danzig übersiedelt. Der frühere Vizepräsident der 'Ortsgruppe Wien und Mitglied des Zentralrates der ״Agudas Jisroel“, Herr Markus Hornstein, ist dieser Tage nach Danzig •übersiedelt. Der Vorstand der ״Agudas Jisroel“, Ortsgruppe Wien, hat ihm• aus!diesem Anlaß Dank und Anerkennung für seine langjährige aufopfernde Tätigkeit ausgesprochen. (Wir schließen uns •den Wünschen _ seiner Freunde an und wünschen ihm auch fernerhin viel Erfolg. Die Redaktion.) Bankrott des ״Misrachi“. Der bekannte misrachistische Rabbiner Amiel aus Antwerpen veröffentlicht anläßlicli des!dreißigjährigen Bestandes der misrachistischen Fraktion im ׳״Hator“ einen Artikel ״Was sind wir?“, in welchem er eine Bilanz über die Tätigkeit des Misrachi auf stellt. ״Der Misrachi“, schreibt Rabbiner Amiel, ״hat das dreißigste Lebensjahr erreicht, bedauerlicherweise hat ei־ aber nicht eine dreißigjährige!Reife erlebt. Vielmehr hat der Misrachi vor dreißig Jahren mehr Kraft und Einfluß besessen als heute. Wir müssen , uns; die Frage vorlegen, was wir sind und was!der Sban unserer, Existenz ,ist. Nicht nur, daß wir im Judentum die gebührende Würdigung nicht genießen, ist!unser ■ Anteil an der Zionistisehen Organisation», für die wir,. uns aufgeopfert haben und derenthalben wir auf so־ vieles verzichten mußten, ach, so klein. Unsere Tätigkeit hat »uns!dem Volke entfremdet und das Volk hat sich von uns entfernt. Man hat sich vor dreißig Jahren über die ״Protestrabbiner“ lustig gemacht. Was sind wir aber heute anderes als Protestierende? Liest man eine misrachistische Zeitung, sieht man nichts als . Protestieren. Hört man misrachistische Redner, ׳hört man nichts als Protestieren. Seit dreißig Jahren wird ununterbrochen die ״letzte Warnung“ an die Zionistische Organisation, die ■die von religiösen Juden gespendeten Gelder für ihre iinrelig־iösen Zwecke verwendet, gerichtet. Die Proteste ver-■ hallen ohne Echo, sie werden von den Zionisten einfach ignoriert.“ Herr Rabbiner Amiel beschränkt sich dennoch vorläufig auf das Protestieren. Wird er die Konsequenzen ziehen? stimmenden Urteilen aller objektiven Fachleute die mildeste und schmerzloseste Art der Tiertötung ist, wenn schon einmal der •Mensch Tiere zu seinem Gebrauch töten muß. Der Tierschutzverein schließ,t sich in dieser Richtung׳ mit Vorliebe denen an, •die ein Schußgeld auf Menschen ausschreiben, allerdings auf Menschen, die nur Juden sind. Nein, die Juden haben es nicht nötig, von anderen über Barmherzigkeit und über Liebe zu Lebewesen belehrt zu werden. Viel eher mögen die wahren Tierfreunde, wenn sie wirkliche Volksbeflehiumg über Tierschutz bieten wollen, Anleihen in dem jüdischen Schrifttum machen. Angefangen vom Pentateuch bis in die jüngste rabbinische Literatur findet sich eine Fülle von Belebrungen und •Vorschriften darüber, z. B. das Verbot, dem Ochsen beim Dreschen das Maul »zu verbinden; das ,Verbot, Oclis*und Esel in ein Joch!zu spannen; das Verbot, Muttertier und Kalb an einem Tag zu schlachten, und viele andere führt der Pentateuch an. Es ist eine Vorschrift, bei der ersten Benützung eines neuen Kleides einen Segensspruch zu sagen, bei neuen Lederschuhen und Pelzen darf dies nicht geschehen, weil ein Tier hiezu sein Leben hatte lassen müssen. Die Bestimmungen über Fütterung der Tiere, über deren Verwahrung beweisen die Tierfreundlichkeit der jüdischen Talmud-Rabbiner. Und noch eine kleine Erzählung; Moses, der nachmalige Lehrer und Führer des jüdischen Volkes, hütete die Herden seines Schwiegervaters Jitro. Eines Tages hatte sieh ein Lämmchen verlaufen. Der sorgsame Hirt suchte das verirrte Tier und fand es kläglich jammernd in einem Gestrüpp, vor Nässe •und Kälte zitternd. Er nahm das erschreckte Tier zärtlich auf, trocknete es ab und wärmte es zärtlich an seinem Busen. ■Der Herr der Welt, der barmherzige Vater aller Lebewesen, sah dies und rief; ״Fürwahr, da du so zärtlich und sorgsam des Tieres dich annimmst, du bist berufen und würdig, der Hüter meines Volkes, 4er Lehrer der Menschen zu sein,■‘ Astir, ׳;: >: '■■ _ Was die ״Döta“ alles zü verstehen glaubt j* in det vorigen Nummer beriehtetr Maß dm Wieuer Landesregierung das Öffenhältefr der Fleisch* hmmf!aden_üsw.» am S0uutäg*Erew*J0mkippur im IL,!&'» XV, und XX. Wiener Gemeiüdebezirk gestattet hat Die ״Dötz", t das Organ der österreichischen. Nätiöhälsöziä* listen, glaubt dem deutschen Volke einen besonderen Dienst zu erweisen, wenn sie unter der Üeberschriftt ״Ein Freibrief der Wiener Landesregierung an die Juden“ wörtlich ausführt: fr ״. »»»*‘•Man fragt sich übrigens mit Recht, wozu die Heiligkeit des Sonntags mißbraucht werden muß, wo doch der Versöhnungstag erst auf Montag, den 10. Oktober fallt und die Juden an diesem Tag G e 1 e g e n heit g e n u g (! D. Red.). haben, ihr koscheres Fleisch zu kaufen. Muß da der Sonntag dazu herhalten? Was würden die Juden sagen, wenn sie gezwungen wären, an ihren Feiertagen die Geschäfte offen zu halten. Der schäbigste Binkeljud hält am Schabbes seihe Bude geschlossen. In Wien natürlich muß sich das arische Volk alles gefallen lassen.“ Wir hätten es uns erspart, auf diese Anpöbelung einzugehen, wenn nicht die ״Dötz" der Landesregierung und, uns eine Belehrung erteilen zu müssen glaubte. War jemals davon die Rede, daß die arischen Geschäftsleute gezwungen werden sollten, die Sonntagsruhe zu durchbrechen? und was soll es sonst bedeuten, wenn die ״Dötz“ die Frage stellt: ״Was würden die Juden sagen, wenn sie gezwungen wären, an ihren Feiertagen die Geschäfte offen zu halten.“ Es liegt genug Tragik und Intoleranz darin, daß die Juden gezwungen werden, außer ih re n Feiertagen, auch noch die der Andersgläubigen zu halten. In vielen Kulturstaaten ist dies nicht der Fall. Die Ausnahmsverfügung der Landesregierung ist ja nur für die jüdischen Geschäftsleute, für die j ü di sehe n Ktinden erlassen worden. Die ״Dötz“ möge es sich in ihr Tagebuch schreiben, daß gerade weil der Versöhnungstag• erst auf Montag fällt, diese besondere Bewilligung notwendig war, denn am Versöhnungstag haben die Juden nicht ״Gelegenheit genug“ ihr koscheres Fleisch zu kaufen. Sei beruhigt, liebe ״Dötz“: Vorläufig braucht der Herr Bürgermeister Seitz, dem die Wiener Judenheit für diese Ausnahmebewilligung sehr, zu Dank verpflichtet ist, keine Belehrungen von dir, ״ob die Heiligkeit des Sonntags, deren Hochhaltung gerade ,wir, die religiösen Juden■ achten, jedem ״Binkeljuden“ aufgezwungen werden soll. Die jüdische Hausfrau benützt in ihrem Haushalt stets die koscheren Inzersdorfer Eiernudeln, welche bc- .kenntlich unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabbiners S. Fürst dar Adas Jisroel (Schiffschul) er• zeugt werden. Jede moderne Hausfrau weiß, daß die nach den neuesten Errungenschaften der Technik eingerichtete ״Inzersdorfer“ Eierteigwarenfabrik solche hervorragende Qualitäten erzeugt, daß es nicht, mehr notwendig ist, sich mit dem Herstellen von Nudeln und Fleckerln zu plagen. Im Monat August wanderten 926 Personen, davon?95 Juden, iti'Paläsfina ein. .«■.'■■• * .'■׳-• .׳• ־.•■׳• ■ Der Schames der Rodoszyzer Rebben; Salomon Davidowicz aus Ponianiz in Polen, erbte von seinem kürzlich in Los Angeles verstorbenen Brudersohn Motel Davidoivicz?5 Millionen Dollar. Motel man- ״ derte vor 50 Jahren nach Amerika aus, war dort zuerst Zeitungsverkäufer und ist jetzt als einer der größten Uhrenfabrikanten gestorben. Auf Vorschlag der italienischen Regierung beschäftigt sich das internationale Arbeitsamt in Genf mit der Frage der Einführung der 40-Stunden- Arbeitswoche, um auf diesem Wege der Arbeitslosigkeit in den Industrieländern zu steuern. Für das orthodoxe Judentum ist. dieses Problem besonders interessant, weil dadurch der Schabbos in der Trnlustrie allgemein arbeitsfrei werden würde. :■׳'׳*.<«.■׳׳■ Das jüdische Städtchen} Rava-Ruska in Ost-' galizien ist fast zur Gänze durch Feuer zerstört worden. 200 jüdische Familien wurden obdachlos. Die Sejmdeputierten Rabbi Lewin und Jäger haben eine Hilfsaktion eingeleitet. .'■'.' * Der Synagogenrat der jüdischen Gemeinden Südafrikas hat den Vorschlag, den Frauen Wahlrecht zu den Körperschaften der jüdischen Gemeinde zu geben, ab gelehrt t. * In Hölland hat sich eine Vereinigung jüdischer Akademiker gebildet. Es gehören ihr orthodoxe Akademiker, die der Agudas Jisroel nahestehen, an, יי .,■׳,' . '־1־ " Minister Anatol Milsztein, der kürzlich eine Tochter Baron Henri de Rothschilds geheiratet hat, soll polnischer Gesandter in Paris werden. Minister Milsztein stammt aus einer orthodoxen polnischen Familie. ... * Im Alter von 68 Jahren ist hier Rechtsanwalt Dr. Heinrich Aurednicek, der als junger Rechtsanmalt im Hilsner-Prozeß die Verteidigung über׳;■■-־/ nahm, nachdem eine Reihe von angesehenen Prager Advokaten dies ab gelehnt hatte, gestorben. Das mutige Eintreten Auredniceks für die Unschuld Hjlsners und seine Bekämpfung der RitualmpvdiFiese machte damals in der Welt viel Eindruck,־' '; ,.v י: .׳■; ״ •■.•,׳;ג - •...׳ ,; ׳■ Der neue Wiener Erzbischof,Ufmemtäts^ Professor Dr. Theodor Innitzer, gemeffi rp<sgen seiner Objektivität, die er als Rektor der Wiener UnioersV tat und als Minister für soziale Verwaltung stets gewahrt hat, auch in der jüdischen Bevölkerung allgemeine Anerkennung,