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Jüdische Presse · 1932-09-30 · 39 (30.9.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
39 (30.9.1932)
Date
1932-09-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 gehabt hat, neue Zisternen 211 graben» sondern stark genug war» der dem jüdischen Volke durch jah rh u n d e r t e b e währten!E r k e n n t n i 8a n d L e b e rt s q u e 11 e. der Thora« in redlicher •סוני« 0‘0sn weiter zu vertrauen. Darum ist die erste Voraussetzung agudistischer Gesinnung, ״Agndas Jisroel“ nicht als auch eine Partei, als die ״organisierte Orthodoxie“ im nerhalb eines nach unzähligen Parteien schattierten jüdischen Volkes, überhaupt nicht als etwas kiinstlieh Gemachtes zu erfassen, sondern als das. was sie sein soll: das zur S e 1 b s t e r k e n n t n i s, zum Selbstgefühl u n d zum b e w u ß t e n Wollen wiedererwachte geschiehtliehe j ü d i s c h e V o 1 k. Das geschichtliche jüdische .Volk ist Volk geworden allein durch die als ewige,Aufgabe über es gekommene und in sein Inneres gesenkte G - 11 e s o f f e n b a r u n g, die Thora. Selbsterkenntnis im jüdisch-nationalen Sinne heißt also: Erkenntnis der Offenbarung. Selbstgefühl im jüdisch-nationalen Sinne heißt: Reinigung des Gefühlslebens von allen Schlacken des Triebes, damit die Cefühle der G-ttesfurcht und C 11 •־ es I i e b e frei werden und dm Seele erfüllen. S;e 1 b s t w o I I e n in nationalem Sinne heißt o r g a n i s i e r t e E i n i g u n g d e r In d i v i d u e n zur e i n h. t'.i t liehen V e r w i r k I 1 c h u 11 g (,l.qs G - 11 e s N eil s artf Erden im Laufe der geschichtlichen Entwicklung. Aus diesen drei Leitsätzen lassen sich die Aufgaben der agudistischen Jugend ableiten. In Lehrkursen und A r b e i t s g e m e i ns c 11 a f t e n ist vor allen! die theoretische Erkenntnis der in schriftlicher und mündlicher Lehre vorliegenden G-ttesoffenbarung zu pflegen, wobei als besondere Note hinzu kommt, daß es gilt, diese Erkenntuis mit der Problematik der Gegenwart in Beziehung zu setzen. Wie sich unter dem Gesichtspunkt der Offenbarungslehre, die keine anderen Götter neben sich duldet, das Menschlich- Sittliche für den Juden gestaltet, wie ihm alle höchsten Werte, auch das nationale Bewußtsein, auch die gedankliche und gefühlsmäßige Schätzung des eigenen Landes, Erez J i! s! r o el s, untertaueben, sich einordnen in die eine große jüdische Aufgabe der T h o r a ־ V e rwirk l ieh u 11g — dies sich selber klar zu machen ist die erste und ernsteste Aufgabe der agudistisclien Jugend. U׳m sie zu lösen, bedarf es intensiver geistiger Arbeit — ohne Scheuklappen gegenüber den aus dem Judentum hinausführenden, oft religiös drapierten Gedankengängen und mit dem redlichen Willen, bei allem Forschen und Vergleichen in aufrichtigem Vertrauen zu den הכמי ישראל sich clas eigene Weltbild zunächst einmal nach den Maßstäben der vieltausendjährigen Ueberlieferung zu gestalten, die in ihren! unausschöpfbaren Reichtum jeder Individualität Heimat und Denkspielraum bietet. Viel könnte noch geschehen, um diese lebensnahe Erkenntnisarbeit, diese Einführung des מקור מים היים ins Leben, in den Jugendgruppen zu fördern. Ebensoviel aber auch auf den! zweiten Gebiete der jüdischen Selbsterziehung, das am meisten von eien ״Aul im“ betont worden ist, das aber von Anbeginn an und auch heute noch eine der wich-• tigsten uncl ureigensten Aufgaben cler agudistischen Jugend bildet und für dessen Piflege die Mussarliteratur reichliche Hilfsmittel bietet. Das Dritte endlich, der Weg, den ״Aguclas Jisroel“ als solche zu beschreiten hat, um als V e rkör p e r 11 11 g d es j ü cl i s c h e n Nation a 1willens überall, in cler Diaspora wie im heiligen Lande, das jüdische Volk politisch, wirtschaftlich, geistig zu stützen, zu erhalten und clas Reich G-ttes auf Erden vorzubereiten —, dieses D ritte verlangt von cler j 11 g e 11 d eine vielgestaltige p r a k t i s c 11 e Arbeit zur S e 1 b s t e r t ü c h t i g u n g wie zur w i r k s a m e 11 Mithilfe. Der große Gedanke des C 11 i n u c h, der in der 'l iefe seines Begriffes, U e b u n g, nicht bloße Belehrung und Unterweisung bedeutet, steht im Mittelpunkt aller jüdischen Erziehungsweisheit und gilt erst recht, wenn es sich um Volkserziehung im großen handelt. Daß unsere• Jugendgruppen nicht bloß jüdische Politik s t u cl i e r e u und sich in erliabener Neutralität von den Vertretern cler verschiecleuen ״Parteien“ ihre Auffassungen dozieren uncl zur gefälligen Auswahl präsentieren lassen, sondern daß sie vielmehr in praktischer Mitarbeit agudistische ״Politk“ treiben, daß sie die Mühen und Beschämungen des Geldsammelns nicht scheuen, daß sie lernen, wie man für G-tt uncl seine Nation Opfer bringt an Bequem!ichkeit, Seelenruhe;und beschaulicher Selbstbespiegelang — das sind Forderungen, die nicht im Interesse der Aguda-Politik, sondern cler echten j ü cl i. s c h e u S e 1 b s t e r z i e 11 u n g erhoben werden müssen. Wir brauchen nicht bloß jüdische T a l e 111 e, sondern j üdische C h a 1־ a k t e r e, und die bilden sich — zumeist — nicht in der Stille des Lehrhauses, auch nicht auf dem Boden der Neutralität, sondern im Strom des jüdischen Geschehens. Wenn dieses Geschehen an jedem Tage Itffitseitl PRESSE von dem aus de* Thora geschöpften Erkennen und aus dem am Mussar idiätitertcn Fühlet! durch-׳ leuchtet und kontröltmrt״ wird» so ist schon dafür gesorgt, daß aus der praktisch-ethischen Gemeinvschaftsarbeit weder öde. tiefenlose Geschäftigkeit, noch blinder» parteibefangener Fanatismus wird. Das alles gilt — in erhöhtem Maße — auch von der s o z i a t e n Arbeit der ״Agudas jisroel“, die keineswegs allein den Ortsgruppen übertassen bleiben darf, sondern an der gerade die Jugend in dem entwickelten Sinne teilhaben muß. Die Leitung der deutschen Landesorganisation hat vor wenigen Tagen in einem Rundschreiben an die Ortsgruppen. Frauengruppen und Jugendgruppen auf die Bedentung dieser sozialen Tätigkeit hingewiesen uncl eine ganze Reihe von praktischen Aufgaben gezeichnet, die auch ohne starke kapitalistische Unterläge, nur mit gutem Willen und ein ganz klein wenig praktischem Sinne von agudistischen Kreisen Weiße Zäh ne: Chlprpdont in Angriff genommeu 'werden können. Wir erwarten von der männlichen und weiblichen Jugend, daß sie sich im Interesse ihrer eigenen agudistisehen Erziehung entschlossen iri den Dienst dieser Bestrebungen stellt, ja sogar daß sie sich dort, wo es "vonnöten seilT sollfe. dabei als' die " treibende Kraft erweist und mit jugendlichem Ungestüm die oft durch mancherlei Leben^enttäusclnmgen verursachte Müdigkeit mul Skepsis des Alters überwinden hilft. Und endlich noch eine letzte Aufgabe, für die ן sich unsere Jugend, wenn sie nach vollendeter Erfüllung jüdischer Lebenspflichten, das heißt nach vollem Ägudismus «strebt, erwähn men sollte: die E r w eite r u 11 g unserer G r e n z e n, die Gewinnung־ halb oder ganz entfremdeter jugendlieber Menschen für das Lebensideal, das uns selber durc'hglüht und in dem wir die Wahrheit und die Sicherheit unseres Seins gefunden haben. Allerdings: ״Aguclas jisroel“ ist von der 'lebenswichtigen Bedeutung cler rieh- Nt. 39; »>»»»>»♦»»* t ׳;► die mit der Zahlung des Abonnements im Rück-;; stand sind, wird unser Inkassant im Laufe der R;; nächsten Tage vorsprechen. Wir bitten dringend, < י;; die Abonnementsgebühr bereitzuhalten. R ' >♦♦♦•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦•♦♦ «»f #««♦»♦♦♦♦»»♦♦♦♦♦#<! tigen Organisation des jüdischen Volkes so tief durchdrungen, daß sie auch das sachlich segensreichste Wirken niemals in die Formen fremder, falscher Otganisationsprinzipien einspanuen lassen und dadurch die Grundwahrheit, auf deren Boden allein sich die Erlösung des jüdischen Volkes vollziehen wird, verdunkeln lassen kann. Sie kann also nicht zu den anderen gehen und kann ihren Jüngern nicht empfehlen. Mitglieder fremder Organisationen zu werden, um dort zu wirken. Aber sie kann sich als Ganzes hineinstellen in den Kreis der idealen jüdischen Volksgemeinschaft und kann alle zu s i cl! r 11 f e n. die nicht aus Parteibefallgenheit oder individuellen! Mißtrauen ihr grundsätzlich fernbleiben wollen. Sie kann und sie muß werben um die Seelen, die im Stadium des Fragens und des Suchens sind, und sie muß es verstehen, die rechten Worte und Ausdrucksformen zu finden, um diese Kreise allmählich reif zu machen fiir die volle Rückkehr zur jüdischen Wahrheit. Noch sind für diese Art von Werbearbeit an manchen Orten die rechten Formen nicht gefunden. Um so mehr müßten sie gesucht werden. Hier winkt ein reich beglückendes, lohnendes Arbeitsfeld. das nicht nur unmittelbare Erfolge zur Heiligung des G-ttesnamens verheißt, sondern das auch wiederum, wie die Politik und die soziale Hilfsarbeit, geeignet ist, unsere Jugend zu festigen lind selber zur Klarheit und Wahrheit gelangen zu lassen. Möge es gelingen, für die ernste Lösung der hier in Umrissen skizzierten Aufgaben die Gemüter zu gewinnen, so daß die heute immer wieder ertönende Klage endlich verstumme, es fehle der agudistischen Jugend an Menschen und au Gelegenheit zu fruchtbarer Arbeit. W'al Hamdinaus Deutschland. Ein Bericht übci‘‘d'i e• L a g e der deutschen J11de.nhe.it wird, wenn'die ״Jüdische Presse“ ihn anfordert, keine allgemeine .Betrachtung sein dürfen, die die zur Genüge bekannten Schlagwortc traurigen Inbalts: Wirtschaftsnot, Judenhaß usw. usw. — nur in anderen Worten immer wieder neu abwandelt, er wird vielmehr den Einfluß festzusollcu ׳haben, den die durch, ■die Verhältnisse geschaffene allgemeine Lage auf die besondere geistige Lage unserer jüdischen -Menschen, aitsübt. Und da darf es ausgesprochen werden, daß diese geistige Lage charakterisiert ist durch eine starke Aufgeschlossenheit weitester Kreise gegenüber den Idealen, die unsere orthodoxe• Weltorganisation,!die Agudas ECHTE כשר EIERNÜDELN Unter Aufsicht mit Siegelmarke und Stampiglie am Verschluß beglaubigt des ehrw. Rabbinats der Adass Jisroel, Schiffschul '^a₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪Bm₪₪₪₪B₪tr Jisroel, realisieren will. Die Ueberzengtuvg bricht sich Bahn, daß weder der Liberalismus, noch auch der Ziouismus die geeignete geistige Heimstätte fiir die deutsche Judonheit sind. D a ü a g u d i s t i s c 11 e P r o g r a m in, cl a s all e p 0 s i t i v e u r e 1 i g i ü s e u W e 1־ t e ■d e r V e vg a u g e n heit u k f u a 1 i s I e r t 11 11 d d a s j ii d i s c h e V 0 l k s t u m d 11 r c 11 s e i 11 e r e i 11 r e l i g i ö s e C 11 a r a k t e r i s i e r 11 11 g a u c 11/ i .11 in i 11 e 11 d e r 11 a ß׳e!־füllt e n At m osp h ä r e d e r Dljija s p o r a e x i s t o 11 z f ä 11 i g m a c 11 t, •11 a t 11 e u t e m e h 1׳ a l s j e A ussi c 11 t, <1 u r c 11 z 11 d r 1 n g e n u 11 d a 11m ä blich a u s S u c h e n d e n -g a n z e J u d e u z u m a c h o 11, Es ist unsere Aufgabe, durch die geeigneten Mittel der mündlichen und schriftlichen Aufklärung, insbesoude 1*0 durch unsere Presse, durch vorbildliches, aber möglichst geräuschloses Arbeiten auf allen Gebieten diese Menscheu auf den Weg zu ■bringen. Gelingt uns dies, daun darf am Grabe des Jahres 5692 die Hoffnung aufgepflanzt werden, daß Leid und Druck, die im ahgelaufenen Jahr so schwer auf uns lasteten, ■den Keim des Guten fiir uns schon iii sich bargen. Und in diesem Sinne hoffen und beten wir Juden in Deutschland mit allen unseren Brüdern auf weitem Erdenrund: תכלה שנה וקללותיה תהל ישנה וברכותיה. Wolf S. Jacobson — Berlin. Frankreich. Erwähnt mau heute unter Juden den Namen Frankreich, so erscheinen jedem zwei Bilder: Dasjeuige des früheren Glanzes und dasjenige des heutigen Niederganges. War es׳ doch in der Champagne und der lsie de France, wo Raschi und die Tosaphisteu ihre Lehrstätten aufgesehlagen hatten, bis ein geldgieriger König alle Juden clcs Landes verweisen ließ. Nur noch, in Elsaß-Lothringen und in den päpstlichen Gebieten von Avignon und Carpentras konnten sich kleine Gemcindeii erhalten, zu denen später ■die aus Spanien geflüchteten Maranen neue Zentren in Bordeaux und der Provence hinzufügteii. Die Tradition der Lehrstätten aber wurde nur noch in Metz weitergeführt, wo sie unter Schagath Arve zur höchsten Stufe gebracht wurde, kurz bevor die große Revolution ih.r ein jähes Ende bereitete. Nirgends wohl setzie die Emanzipation mit solcher Geschwindigkeit ein als in Franikreich, dessen hohe Kultur ein Untertaliehen in der Umwelt besonders verlockend und reizvoll gestaltete. Vor allem übte Paris eine magische Anziehungskraft auf die Einwanderer aus, die in immer helleren Scharen hinströmten, um in kurzer Zeit von der Großstadt verschlungen zu sein und um als Juden iiuterziigehen. Dank der politischen Konstellationen, vor allem der französisch-polnischen Freundschaft, war nach dem Weltkrieg die Einwanderung von Osljiiden ganz besonders stark. Man konnte hoffen, daß durch den großen Zuwachs die Behauptungskral't dev Juden gestärkt werden könnte. So wurde kurz nach dem Krieg die erste rein religiöse Juigeiidvereinigung ״Schema Israel“ gegründet, welche zuerst in Paris, dann in zwölf anderen französischen Städten anfangs sehr begeisterte Gruppen bildete. Der Rahmen war gebildet; ihn aber aiiszufiillen, dazu gehörten Führerpersönlichkeiteii, die dem französischen Judentum bis jetzt noch nicht erstanden sind. — Und so konnte diese Bewegung -durch mangelnde Vertiefung nicht zur erwarteten 'Entfaltung kommen. DIE NEUE ADRESSE der Redaktion u. Administration der ,Jüdischen Presse‘ lautet; WIEN II, MALZGAffE 12a -—-ma״"™..-.׳*mmimm Telephon A-48-4-15 ssiy (Preßburger Adresse unverändert: Bratislava, Edlhofj

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