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Jüdische Presse · 1932-08-12 · 32 (12.8.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
32 (12.8.1932)
Date
1932-08-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSt *M* *«MM***.«*»,.,- religiös gefestigte und begeisterte Jfüftglinge ünd Mädeben hefähzitbilden. Und so erhalten da die Knaben in den schulfreien Stunden einen intensiven Unterricht itn Beten, itt 0^160 ,«*VÖ3 ״י®*» ,$SMlünd Cfo'l» wie sie nur der Glieder verMitteln fcann. ohne daß ihnen dabei die Wohltaten eines modern eingerichteten, hygienischen Schulzimmers, lind alle sonstigen Errtingenschaften des Schulbetriebes fehlen. Und die Mädchen, denen gegenüber mau längst von dem alten Vorurteil, daß ihre religiöse Ausbildung nebensächlich öder gar schädlich sei, abgegangen ist, lernen ebenfalls in diesen freien Stunden die Grundbegriffe der hebräiselten Grammatik und der jüdischen Geschichte, Beten ננגיאיס ח^ש und יגייס*! in dem Ausmaße, das auf ihre Ein- Stellung zum Judentum fürs ganze Leben entschieden, und zwar günstig, einwirken muß. Anläßlich der Schlußfeier am 8. Juli würdigten denn auch die Vertreter der!das Jisroel, und zwar Oberrabbiuer Fürst und VYlolf Pappenheim, das Verdienst der ,Jessode Hathora“ um die Verbreitung von Thora und ירא1ז und dankten den Lehrern und namentlich dem unermüdlichen Direktor Rabbiner S. Neuwirth für ihre hingebungsvolle Arbeit. Das ganze Werk yird aber nunmehr durch einen e i n j ä h r i g e n K U r s' gekrönt, der Jahrelang deutlich gefühlten Bedürfnissen der Wiener gesetzestreuen Judenschaft gerecht zu werden verspricht. Es war ja schon immer als Mangel empfunden worden, daß die Absolventen der Religionsschule der ״Jessode Hathora“, wenn sie diese zugleich mit der Hauptschule verließen, doch noch immer nicht so voll und ganz für den Besuch einer Jeschiwa vorbereitet waren, wie es wünschenswert und notwendig ist. Sie ,mußten also noch kostbare Zeit für diese Vorbereitung verwenden, ,während sich anderseits doch auch schon das berechtigte Streben und der Wunsch geltend machten, etwas, für die berufliche Ausbildung des Jüngilings zu tun. Nun hat vaber diä Leitung der ״Jessod Hathora“ eine Lösung gefunden, die nach beiden Richtungen diesen Forderungen entspricht. Der e i n j ä h r i g e J e s c h i w a -. V o r b e r e i t u n g s- und H a n d e 1 s k u'r s der ״Jessod Hathor a“, ist so eingerichtet, daß die Schüler durch das Studium von גמרא mit תוספות und פוסקים in der gründlichsten und gediegensten Weise in den Stoffkreis des Jeschiwa- Studiums eingeführt werden, während in den Nachmittagsstunden von staatlich geprüften Lehrkräften Unterricht in den Fächern der Handelsschule, also hauptsächlich in Buchhaltung, Korrespondenz, Französisch oder Englisch, Stenographie und Maschinschreiben erteilt wird. Die Absolventen dieses Jahrganges genießen also nicht nur den Vorteil, daß sie bei bedeutend geringeren Kosten als sie die Vorbereitung für die Jeschiwa am Orte dieser Jeschiwa selbst erfordern würde, noch ein Jahr im Elternhause bleiben und dennoch diese Vorbereitung genießen, gleichzeitig aber sich an einem vom Stadtschulrate genehmigten .Handelskurs ein sehr großes Ausmaß von beruflichem Wiss'en aneignen können, so daß sie alle Berechtigungen, die der Besuch einer anderen Handelsschule bietet, ebenfalls erlangen. Einst hatte es im jüdischen Wien als ausgemacht gegolten, daß die altestrenge Religiosität mit' ihrem ungeheuren Wissensstoff und ihrem Pflichtenkreis den Zeitverhältnissen nicht mehr angepaßt sei und die Pietät genüge, um den Bestand des Judentums zu. sichern. Allein, die Zeiten' haben sich geändert und die Pietät kommt als Mittel nicht mehr in Betracht, da sie entweder überhaupt nicht mehr besteht oder gerne den Götzen des Tages geopfert wird. Die an sich wahrscheinlich kaum mehr von jemandem beachtete Tatsache, von der jüngst die Tageszeitungen berichteten, daß ein bekannter Wiener Jude, ein hoher Funktionär im Reiche des Sports, am Tage des Ablebens seiner Mutter nach dem Ausland reiste■ ' und sich durch sein Amt verhindert glaubte, seiner Mutter die letzte Ehre erweisen zu können,, zeigt, wohin es führen kann und muß, wenn nicht religiöse ׳Erzieh ung, Pietät, Unterordnung mied rigor unter höhere, unter religiöse: und somit Wahrhaft menschliche Pflichten lehrt. Dieser, wie ,man-sieht, so notwendige Wegweiser am Scheidewege der Pflichten ist es aber nicht zuletzt, der den kommenden Generationen der Wiener Judensehaft nur durch Erziehungsanstalten an die Hand gegehett werden kann, ׳wie es die des ,*,Jessod Hathora'Lveteines sintL und darnm muß gewünscht und gefordert werden, daß die Stimme der Thora, die von dem bescheidenen Gebäude in der Nestroygasse ausgeht, offene Öhreh und hilfsbereite Hände finde, die dafür sorgen, daß diese Stimme ,nie versiege und mahnend auch in alle zur Verhärtung neigenden Herzen dringe. M. Brief aus Czfewowitz. I,m jüdischen Leben der Stadt C7.er!mwit,z ist die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß!die Judengemeinde an den Aufbau eines iKinderspitdls schreitet, indem sie mit einet Million Lei, einer Stiftung des Eni,!Rosenzweig, den Anfang!macht. Wem die Verhältnisse hierzulande (bekannt sind, da Kranke 11 nid Hillsbediür.ftige alltäglich!zu IJummIerteil sich in .das jüdische Spital drängen und hier auch zumeist unentgeltlich .Pflege und!Heilung!finden, der!muß .sagen, daß kein Mensch!für seine .Unsterblichkeit ,und für .sein Heil in kann, als durch Zuwen-׳ der!wahren Welt besser sorgen Zwecke. In der Tat sind der obgo-׳ dangen für derlei nannten Stiftung auch bald andere gefolgt. So hat eine, reiche Grundbesitzer.in, .Frau Metsch, ■ihren!Besitz von ungefähr .100!Hektar nebst Landwirtschaft, :ferner die Eheleute iBir'nberg eine wertvolle Stad treali tat der wohltätige Zwecke .gewidmet. .Bei׳ Kultuisgemcinde!für all dem ist die Kultusge11nein.de aber noch immer nicht ,in der. Lage, die Kosten des (Sipitulshuu.es aus eigenem zu bestreiten, und ist auch auf das Scherflein seitens und' Land äuge-׳ .der jüdischen ,Bevölkerung!in Stadt wiesen. (Zu diesem Zwecke hat daher der!Präsident der Kultusgemeinde. Dt.!Gutherz, einen!Aufruf an die -jüdische ,Bevölkerung erlassen,!welcher großen Ein druck machte.׳ Auf jiiclisch-kuilturelleim!Gebiete ■müssen die der Beth-Jakob-Scluile ׳Leistungen der Zeire Agudali und!besonders lobende Anerkennung finden. Auf einen von ,der Talmud-Thora an die Glaubensgenossen erlassenen Aufruf halben sich bereits zahlreiche Mitglieder äuge-!meldet, so daß auch .mit einer baldigen Verbesserung Lage dieser!wichtigsten jüdischen!Institution ge-׳ der rechnet werden kann. Sadaigora, eine halbe׳ iBekamntlicih befindet sieh in Rabbinerhof׳ Gellstunde vo.11 iCizernowitz,!der .prächtige iRizinev" es.!A. und seiner. Nachfolger, der .Rabbiuer-״ des!Familie Friedmann. Seit der .Flucht der!Eigentümer während dos Weltkrieges wurde dieser schöne!Rabbinerhof, namentlich das ,mit allem!Komfort ainsgestattete Palais sowie die!künstlerisch und!mit bedeutenden׳ Klaus“ nebst den glänzenden Neben-״ Mitteln erbaute räumen dem Verfalle ülberlassen.!Die berühmte Stätte ,ja.luhunclertela.ngcr .Pracht, das!Symbol der jüdischen Religiosität und ■Frömmigkeit, gleicht nun einer Wüste, n ,unseren Propheten in beredten Worten׳wie .sie oft vo Kundmachung .Laut!Beschluß der ׳Repräsentanz der aut. ortli. israel. Kultusgemeinde in iMattersburg, vom 3t. Mai 1932 mul vom 10. Juli 1932 werden diejenigen Tempelsitzeigentürner der Mattensburger Synagoge, die ihr Domizil nicht in iMattersburg halben, ainfgefordert, ihr!Eigentumsrecht!mit!Belegen auf schriftlichem Wege dem Vorstände!der israel. .Kultusgemeinde ,bis spätestens eine Woche vor den ׳jüdischen Merbstifeiertagen um so eher bekänntzugdben, weil •ansonsten die betreffenden Tempclsitze in den '!Besitz der ׳Kultusgemeinde!übergelten, müßten.!Die iKultusge.meinde läßt die ,Synagoge restaurieren, und werden da fast sämtliche Sitze neu verfertigt. Die Erneueningsgeibii.ln־ beträgt per Sitz S 30.— ,und S 20.—. •Nähere :Auskünfte erteilt auf Wunsch der Vorstand der israelitischen Kultiisgcrneinde in iMattersburg. ־ Salamon iMendelsohn, an. p. David Sobelma.nn, an. p. 1 Sekretär. , ,Präses. seiten öberrabbiüer Alexander Fischer* Karlsburg In K Ui« s e h b u r g ist am 4. d. M. ittt Älter Vou 80 Jahren Öbertühbiuer Alexander ,Fischer aus KarUbürg (Alba Julia) gestörben. Der Verblichene war ab Nachkomme einer alten Eisenstädter Familie in Regöj (Kouiität ׳Raab) geboren ntid hatte seine erste Ausbildung auf talmudisehem Gebiete im Hause seines Großvaters, des Rabbi Scholem Salman Austerlitz in Eisettstädt, der den Ruf eines großen Gelehrten genoß, erhalten. Später war er an die Jeschiwa von Mattersdorf und von dort nach PreßbUrg gegangen, wo der Schüler des ,.Kessav Sofer“ war. Schließlich konnte er Hoch!in Wiirzlnirg zu Füßen des R. Seligmnn Ber Bamberger sitzen und war so in den Stand gesetzt., zunächst in München als Rabbiner einer orthodoxen'Vereinigung zu wirken. Ein größerer Wirkungskreis eröffucte sich R. Alexander Ei sch er. als er auf ,Empfehlung de!s Oberrabbiners von Großwärdein. R. M* H. Fuchs, ini Jahre 1891 alsRab- Inner an die Status (piio-Gemeinde von Karlsburg berufen wurde. In dieser Stellung trachtete er, ■seine Gemeinde im streb{* gesetzestreuen Sinne zu leiten, hielt auch eine Jeschiwa, und nicht zuletzt ist es «einem Einfluß zu zuschreiben, daß seine Gemeinde schließlich auch ׳offiziell den!Anschluß an die orthodoxen Gemeinden des Landes vollzog. R. Alexander!Fischer stand im wohlverdienten Rufe eine« der größten Gelehrten und er war auch ein •glänzender ,Redner. Als vor einigen Jahren seine Gattin starb, trat er in den Ruhestand und zog sieh zu seinen Kindern nach Klatiscnburg zurück, wo er, ganz seinen Studien hingegeben, «einen Lebensabend verbrachte. Dort ist er nun, tiefbetrauert nicht nur von seinen Angehörigen, sondern nach von der ganzen trnnssyivanaschen Jmlenscliaft, gestorben. Die Beisetzung fand unter großer Beteiligung in Karlsburg.statt. Ein fundamentales Werk. An der Ecke der Nestroygasse lind der Leopoldsgasse steht ein ganz einfaches Gebäude, dem man aber seine Zweckbestimmung gleich anmerkt. Ein jüdischer 'Verein hat es infolge einer hochherzigen Widmung er-, worben; es ist der Verein der ״Jessod Hathora“ — Schulverein der ״Adaß Jisroel“, der in zielbewußter Arbeit hier ein Schulwerk eigener Art aus dem steinigen Boden des jüdischen Wien hervorgestampft hat; Die führenden Männer dieses Vereins gingen von dem Gedanken aus, daß es möglich sein müsse, ganz abgesehen von der Frage, ob das jüdische Kind eine eigene jüdische Volksschule besuche oder nicht, religiöse Ausbildung aufs äußerste zu intensivieren und derart zu vertiefen, daß sie die Gedanken- und Gefühlswelt des heranwachsemlcn Juden ganz ansfiiIle. Und so ,schufen sie vor allen! einen Kindergarten, der zum Unterschied von anderen jüdischen Anstalten dieser Art schon mit wohldurchdachter Absicht den Grund zu dem religiösen Schulwerk, den Jessod der ״Jessode Hathora“ bildet. Dieses zarteste, das vorschulpflichtige Alter ist es ja, das allen Eindrücken am ehesten zugänglich und darum auch im wahrsten Sinne des Wortes spielend fürs ganze Leben beeinflußt werden kann. Man kommt sich fast wie ein Riese itn Reiche Lilliput vor, wenn man die winzigen Tischchen und alle sonstigen Geräte dieser kleinsten Abteilung betrachtet. Am herzig- •sten aber sind noch die Strecksesselchcn, in denen die Kleinen nach der Ausspeisung und am Nachmittag ruhen. Die Spielgeräte der Schützlinge werden am Abend in Schachteln verwahrt, von denen jede den Namen ihres kleinen Besitzers trägt, und so atmet in diesen, der unschuldigen Kindheit gewidmeten Räumen und dem schattigen Garten daran alles die Liebe Und Sorgfalt der geprüften Kindergärtnerinnen, die ganz in ihrem Beruf aufgehen. Eine Welt für sich bilden die in demselben Gebäude untergebrachten R e 1 i g i o n s s c h u 1 e n der , ,J cssode Hathor a“ für K nabe n und M ä cleben. Da handelt es sich nicht mehr um Spiel und nur :unmerkliche Erziehung und Beeinflussung, nein — hier muß schon ernste Arbeit geleistet werden, um das ziemlich hochgesteckte Ziel der Anstalt zu erreichen: Mus *Vergangenheit und Qegenwart. Die Juden in Kurdistan AutUißUcih!der bevorstehenden ■ Aufnahme dc!s dev llcibräi-׳ Irak in den AT>!'kerb und teilt der Dozent an!sehen ,Universität Je nasalem. Dr. Walter Fischel, einer der besten Kenner der orientailscllien Judenheit, Id er die Länder des vorderen lind!mittleren Orients auf einer Forschungsreise aus eigenen Anschauungen kennengeleimt hat, der jüdische 11 Telegraphen-Agentur. folgende ■ disc,ho.n,׳jiiibcr die. im Irak lebenden ,km׳ Einzelheiten mit:׳ Juden .Auf Grund einer am Jahre 1920 d'urcih die britlsehen Okkupationsbehörden in Bagdad vorgenommenen BevÖlkeruingssehät/.nnig wurde ibislher idie Gesamtibevölkerang, des!.Irak ,mit 2*850.000 amgenomimen. Von dieser Zahl rechnete man 2,640.000 auf ■die Mohn,mime- 88.000 ,((lauer (Sunniten and Schiiten je etwa die!Hälfte Christen und 43.000 auf׳ die׳ auf .die Jadein, 79.000 a!u.f andere Religionsgemeinschaften .(Jeziden, Man,(Hier uisw.). Seither dürfte sieh idie Bevölkerangsizallil icles Irak im Zusammenhang!rn.it der Konsolidierung der erhält 11 isise ibedeu-’׳politischen ,und Wirtschaftliellieii A AngiaJbein rechnet׳ tend erhöht ihabem. Nach :zuverlässigen man heute mit einer jüdischen Bevölkernagszahl von über 100.000. (Etwa 70.000 Juden dürften in der!Provinz Bagdad, 12.000 in der!Provinz Basra!und 18,000 in der Mossul leiben. Der Irak!stellt somit das Land׳ Provinz jüdischen Bevülkerungisza.hl ini vor-׳ mit der!größten dcjreu Orient — vou!Palästina abgesehen — dar; Bagdad ist die!größte J ad engem eiude :im ganzen Orient überhaupt.!Die.stautsreelatliche Stellung dieser Judeu ,ist die einer mit lallen Rechten aasig es tattoten reUgiös-nationalen!Minorität. Gleich den anderen Minoritäton!im Irak,!wie Kn!den, A:s!s y rer etc., entsenden auch die Juden dllire ,Abgeordneten (4) Ins Parlament!und1 genießen in kultureller und religiöser ,Beziehung fast völlige Autonoimie. Das Gomeiudover;{!us1s,ungsgesetz (Law ölf the Jewish Community) gewährt den Jaden eigene Gerichtsibarkeit in allen Fragen religionäigesetzliciher, ehe- und vermögensrechttlkilier Art, die iMügliclnkeit autoaiomer Gestaltung ihres Scl1aL\vesen0!ms!\v. ^vvischen den Juden in Bagdad und Basra .einer- Seite!und den Juden in!Mosaiil ,und Umgebung andererseits bestehen weitgehende Unterschiede, so daß man geradezu von zwei Jadenheiten ini (Irak, den ,babyloiitechiea Juden in Bagdad und Ba&ra und den kürdischeu Juden in iMossivl and dem nordöstlich da,von sich ,hinstreckenden Kurdistan, sprechen ,kann.!Infolge der U11izugänliohlkeit des ,Gebi r/gtshi ad cs!K11 rd iistan ist von d ie- Sen׳ kurdischen Jaden bisher nur sehr wenig ,bekannt geworden. Die 15.000 bis 18.000 Juden dieses Gebietes verteilen!sich aut ihainderte von kleinen Dörfern and!Städtchen. In einem Dort leben hämfiig ,nicht ,mehr als 5 bis 10 Familien völlig isoliert und ohne ZusammenihiaUg mit einer anderen Gern ei ade. 1« den meisten Dörfern;gibt es keine Synagoge,, keine Talmud-Thora, kein Minjan,!nur von ,Zeit zu Zeit kommt ein ,Schocket, Moiliel oder Dajan, als eine Art ״Wuader.rubbi“ dahin. •Der ikurldisclhe Jude ist völlig ungebildet, sein Juden- ׳tum!besteht ׳meist mir noch aus aibengläuibiischeu Vor- Stellungen. (Er wird völlig vom Glauben a!n Däinone, iSchejdim, den bösen Blick .nst\v. beherrscht. Die Aeltesten ,unter den kurdisohen Juden befassen sieb mit Traumdeutung, Talisanaiien, Goraloth,!Aimuilotteu, präk-, tischer Kabbala. 111׳ Tracht und Sitten .haben sie sich an die Kurden anigegiicheu, auch die .jüdischen 1Frauen gehen nach kurdisch er.. Art gekleidet, malt einem Tiunban als iKoptbededkuag, Nasen- und Ohrringe^, Ann- und Faßibändern und sogar mit ׳tätowiertem Gesiebt. Neben den Landessprachen,!kurdisch, türkisch, arabisch, .persisch üsw, sprechen diese Juden — als einzige jüdische Gruppe der (Erde — noch den beute als ״Targnmsprache“ bekannten aramäischen Dialekt, den sie audli ״Laschoiii!Hagalutb“ nennen.;In sozialer (Beziehung ׳sind sie. ,ini Gegensatz zu den Juden van Bagdad und 'Basra ausgesprochene!Parias.!Diese iPariastelliung• ist soziolagiseh bedingt durch die immer mooli!stark betonte Stammasoiganisation der Kurden,!Der nach Rasse, Sprache!und Religion vo,n seiner Uimgebung verschiedene und außerhalb ׳ihrej־ Stammes verbände stehende Jude empfindet sich als ge- •Ueiltet, und . verachtet. Die kindischen Juden besohä'ftigen ,sieh ׳mit Kleinund1 JAlthaudei und verrichten die schwersten und niedrigsten ׳Arbeiten. Sie sind Lastträger, Färber, Gerber, Weiber, übeu somit!Berufe aus, die schon zur Zelt Benjamin von Tulde>las. für sie cluiraktertetLsch waren. Die ■;Zubereitung van Arrak ist ihr Monopol, auch der Are1ikauf van Gewürzen, (Drogeai ,und 'Heilkräutern bleibt ihnen überlassen, Der Jude in seiner verachteten Stellung erscheint dem Kurden ailzuleicht als!Blitzähleiter, aui den sich sein Zorn entladen kann, Wie gefährdet ,selbst heute, trotz Irak’Reg'ierung jund englischem Mandat, die Lage der als Minorität unter der Minorität dev Kurden lebenden Juden ist, erfahr Dr, Fischel in iRawauidns, einem der laticl'sciliaiftlich ,sdiönsten Plätze .!dieser Gebirgsgegeud. Als die Nach richte 11 von den Un ruhen in •Palästina 1929 na oh Kurdistan kamen, die natürlich in der arabischen Presse als •ein •Utiberlfall .der Juden auf Araber da!•gestellt wiuitlen, wollten sich auch die Kurden, die sonst in den Arabern ihre Feinde, .sehe.11, au den Juden rächen und cs bedurfte der ganzen Anstrengunig der Polizei ,11 nid der englischen Truppen, um die Kurden zu verhindern, in die jüdischen Häuser eimzudringen. Die Gefahr ־einer'׳großen Judenmct.ze.lei!wurde nur in letzter Minute durch das Eingreifen emglisCliirakischer Truppen verhütet. ■Durch den bevorstehenden Eintritt Iraks in den Völkerbund und den damit verbundenen Rückzug Englands wird die Frage akut, «inwieweit!genügende Garantien gegeben sind, um die Minoritäten in Mesopotamien, von •denen die Juden einen zahlenmäßig (besonders wichtigen Faktor dar- ■stellen, zu schützen. Daß .die kurdischen judeu, schreibt!Dozent Doktor Fischel, angesichts dieser Arerl1ältuis!se und ,ihrer abhängigen Stellung überhaupt. auch!nicht einen Tag länger in Kurdistan ,leben würden, wenn sie nach!Palästina auswundern ■‘könnten, wurde ,mir von ׳fast allen Seiten zum Ausdruck gebracht.!Schwer lastet auf ihnen die ׳doppelte Gallith, ,Gallith techmael und Galuth Kurd“, ■wie usie sagten;!kein Wunder, duß sich bereits seit Jahrzehnten ein Strom von ׳Auswanderern nach Palästina «ergießt und Tausende auf die!Gelegenheit warfen, in das Land ihrer Sehnsuoht zu kommen. Meine Fahrt durch Kurdistan, die bloße Tatsache, daß ein ״Jcliudi“ aus ,*Zion“ in diese abgelegenen wilden Gegenden überhaupt ׳sich ,hineiuiwagte,!hat sie in ihrer Absicht nur bestärkt und schien ihnen ein Vor- /.eichen 'ihrer baldigen!Umsiedlung;zu!sein, Die kurdische Judeufrage ist iii der Tat eine lUmschichtungsfrage und da die!Kurden;infolge ihrer körperlichen Tüchtigkeit, Anspruahslosigikeit und zähen Natur neben den. jemenitischen Juden wohl mit die geeignets'ten' Elemente' für die Aufbauarbeit Palästina^ darstellen,!sollte ,man an eine Lösung ihrer traurigen Lage in diesem Sinne heraugelien. ■׳'■."• Jp - Begrenzung des heiratefähigen Alters in Erez Jisroel, In Erez Jisroel, besonders unter den Sefardlm« siud Ehescliließungeu unter Jugeudliclieu im־%trvtesteu Alter nicht selten, Die Gründe für diese Evscheinung, die sich sowohl im sazialeu, wie im knlturellen und religiösen Leben in der ׳mannigfaltigsten Weise aus-

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