Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 29 (22.9.1932)
- Date
- 1932-09-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nt;. 29 Rechtsanwälte und Aerzle. Behrntlefnng der jüdischen Künstler tmd Literaten. Steuergesetze, die im Rahmen verfassungsmäßiger Zulässigkeit auf Geschäftszweige mit vorwiegend jüdischem Kapital abgestellt sind; Ansschlnß des Judentums aus den öffentlichen Verwaltungen, nicht durch Gesetz, sondern durch Personatpolitik. Die Sozialdemokratie ist überzeugt, eine national- ׳sozialistische Mehrheit im Reiche oder gar eine nationalsozialistische Diktatur verhindern zu können. Sollte wider Erwarten dennoch eine nationalsozialistische Herrschaft kommen, so würde die Sozialdemokratie alle Kraft zu deren Sturz,einsetzen. Ich halte eine nationalsozialistische Diktatur in Deutschland nur für kurze Zeit möglich. Auf die Bemerkung des Journalisten, daß in jiidischeu ׳Blättern häufig der Empfindung Ausdruck gegeben wird, daß selbst linksstehende Kreise ^1ch nicht mit jiidisehen ״ Persönlichkeiten in führenden Stellungen .,be-;lasten‘‘ möchten, erwiderte Dr, Sollmann: Für die Sozialdemokratie gelten solche Empfindungen nicht. Das Judentum ist trotz der gewaltigen antisemitischen Welle in ■der sozialistischen Bewegung führend mitbeteiligt. Wir haben auch keinen Anlaß gesehen, jüdische Parteigenossen aus Staatsämtern znriiekzurufen, wo sie sich übrigens als tüchtige und uneigennützige Beamte bewährt haben. Lieber die Ostjudenentschließung des Preußischen Landtags führte Dr,.Sollmann aus: Praktische Bedeutung kommt diesen unsinnigen und das deutsche Ansehen irrt Ausland schädigenden Beschlüssen auf Enteignung eingewanderter Ostjuden nicht zu. Der preußische Staatsrat wird solchen Gesetzen keinesfalls seine Zustimmung geben und die jetzige preußische Regierung wird sie als verfassungswidrig nicht beachten. Nach dem Artikel .109 cler ׳Reichsverfassung sind alle Deutschen vor dem Gesetz gleich und Öffentlich-rechtliche Nachteile der Geburt oder des Standes ausgeschlossen. Soweit es sich um jüdische Einwanderer bündelt, die nicht das Staats- Bürgerrecht besitzen, wäre bei der Durchführung solcher steuerlicher Ausnahmegesetze mit ernstem außetipolitischeu SchwieriVkeiten und mit Repressalien, in fremden Ländern gegen dort eingewanderte Deutsche zu rechnen. Die Anträge sind also geradezu ein Schlag gegen das Auslandsdeutschtum. Jüdische Soziularbeit in den Vereinigten Staaten. Dr. ■ Maurice J. Karpf, Direktor der Akademie (Graduate School) für jüdische Sozialarbeit in New York, der an dem in. Frankfurt soeben stattgefundenen zweiten Internationalen Sozialen Kongreß und an der Zusammenkunft jüdischer Sozialarbeiter führend teilgenommen hat, stellte der Zeitschrift der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise, ״Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", Mitteilungen über ״Jüdische Sozialarbeit in den Vereinigten Staaten im Jahre 1932" zur Verfügung, denen zu entnehmen ist: Bis 1880 war die Sozialarbeit in den Vereinigten Staaten in weitem Maße Sache der Synagogenbesucher, indem sie meistenteils von, den Hilfsvereinen für Synagogen ausgeführt wurde. Mit dem starken Zustrom der osteuropäischen Einwanderung zu Beginn der Achtziger-;jahre begannen, die jüdischen Gemeinden der Hafenplätze ׳(besonders New York, Philadelphia und Baltimore) (las1־־ ׳außerordentlich große Problem anzufassen, die neuangekommenen Einwanderer zu betreuen. Nach einer kurzen Zeit ängstlicher Furcht vor dem Ungewohnten nahmen sich die älteren und eingesessenen Schichten der jüdischen Bevölkerung, die hauptsächlich aus deutschen ׳Juden •bestanden, großzügig der Sache an und schufen;einen organisierten Apparat für die Hilfe an die Neu- eingewähderten. Die jüdische Bevölkerung wuchs mit ־Ungeheurer Schnelligkeit. Um 1900 übertraf die Zahl ost- ■europäischer Juden die ihrer älteren deutsch-jüdischen;Brüder. Die Einwanderer fingen an, eigene Hilfsstellen .;einzurichten, weil sie nicht mit dem zufrieden waren, was!für., sie getan'wurde. Die Deutschjuden waren über diese kritische Haltung und die anscheinende Undankbarkeit der!neuen Ankömmlinge verärgert. Der Geist des Mißtrauens, des“ Unbehagens und ׳der Gegensätze entwickelte sich. Die hieraus kommende Verbitterung wurde gesteigert durch ^wirtschaftliche Rivalität; die deutschen Juden waren gewöhnlichdie Arbeitgeber, die osteuropäischen Judeh meist die Arbeitnehmer, die in die Arbeitgeberklasse ein- Zudringen suchten. Der wirtschaftliche Wettbewerb vervollstäncligte den Prozeß der Trennung und Isölierung der zwei herrschenden Richtungen der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten. Dies •war im großen ganzen die Lage am Ende des 19. Jahrhunderts. Jüdische Organisationen der sozialen Hilfsarbeit wuchsen wie die Pilze aus der Erde. Gleichgerichtete Organisationen wohnten fajst Tür bei Tür beieinander. Diese Umstände führten naturgemäß zu Verwirrung, Erfolglosigkeit und zu gegenseitigem Mißtrauen. Gegen Ende des 19, Jahrhunderts bildete sich der ״Zusammenschluß der Jüdischen Wohlfahrtspflege" (Federation), ein Organisationsgebilde, das im ganzen Lande Verbreitung fand, jede •jüdische Gemeinde konnte sich eines solchen Bundes rühmen. Zweck dieser Organisation war,!Gelder• für die Wohlfahrtspflege zentral zu sammeln und . zu verteilen. Es wurden in vielen Gemeinden mehr oder Weniger erfolgreiche Versuche gemacht, um die immer größer werdende Kluft zwischen den beiden Richtungen der jüdischen Gemeinschaft zu überbrücken. Der Ausbruch des Weltkrieges mit dem Unheil, das er über das europäische Judentum brachte, trug viel dazu bei, die beiden Lager zu verbinden. Die Riesensummen, die durch die vereinigte amerikanische Judenschaft für die .Erleichterung des Loses der vom Unglück betroffenen _ Brüder in Europa gesammelt wurden, sind zu bekannt, als •daß man darauf zurückkommen müßte. Die Weltkatar Strophe, das unausprechlich’e und unausgesprochene Leid, das sie über das Weltjudcntum brachte, wurde der amerikanischen Judenheit zum Segen: sie fand Einigkeit im 'gemeinsamen Ziel der Rettung der europäischen jüdischen Gemeinden. Die Wiederaufbauperiode in den Vereinigten. Staaten und im Ausland, die unmittelbar auf den Waffenstillstand von 1918 folgte, hatte tiefen Einfluß auf die weitere Ent- Wicklung der amerikanisch-jüdischen Sozialarbeit. Das Jahrzehnt zwischen 1920 und 1930 ist die wichtigste -Periode im jüdisch-sozialen Hilfswerk der Vereinigten Staaten; Die örtlichen, Landes- und internationalen Unternehmungen für soziale und Wiederaufbauzwecke der jUdisehen Gemeinschaft wurden auf eine noch nicht dagewesene Höhe geführt. Die jüdischen Wohlfahrtsbünde, ,die Ende des 19. Jahrhunderts ajs Geld sammelnde und , verteilende Hilfsstellen in kleinem Umfang in Erscheinung traten, wurden Gemeindeorganisationen mit dem Ziele, die gesamte soziale Hilf Stätigkeit ihrer Gemeinde zu erfassen, zu regeln und zu überwachen. Die;Wohlfahrts* Hinter für Familienfürsorge entwickelten ihr Werk zu jüdisch!־ pnmt ite % Bei Arterienverkalkung •des Gehirns und des Herzens läßt sieh durch täglichen Gebrauch einet kleinen Menge natiit liehen ״Franz-Josef “-Bitterwassers die Absetzung des Stuhles ohne starkes Pressen erreichen. Geschätzte klinische Lehrer der inneren Medizin haben selbst bei halbseitig, gelähmten Kranken mit dem Franz-Josef-Wasser noch die besten Erfolge für die Darm rein igung erzielt. Das ״Franz-Josef“־Bitterwasser ist in Apotheken, Drogerien und Mineralwasserhandhingen erhältlich! miniiumnnniiiiiininitinimininmtiiiiiiniiiinniiinnninniiimnimiiimnitiiiiininiiiiitiimitmmiimumimm»* großer Höhe. Die Familien würden auf der Basis eines Durchschnittseinkommens unterhalten und nach der fortgeschrittenen case-work-Methode zur sozialen Eingliederung der Bedürftigen betreut. Dieser Hilfsdienst wurde von einem beruflich geschulten Personal geleistet. Dasselbe kann von den Kindeffürsorgestellen gesagt werden. Krankenhäuser, Sanatorien, Genesungsheime, Kliniken tuid Beratungsstellen nahmen einen Aufschwung wie nie zuvor. Erholungsheime, jüdische Jugendbünde und andere Erzieiuings- und Erholungsstellen hatten ztt dieser Zeit ihre höchste Blüte. Die Erziehungsprogramme wurden die wichtigste und entscheidendste Aufgabe der Federations. Jüdische Landes-Krankenhäuser sammelten bedeutende Summen für ihre Erhaltung und Ausgestaltung. Eine Landes-Akademie für jüdische Sozialarbeiter, die Gratuate School for Jewish social Work, mit zweijähriger Nach- Schulung nach der Abschlußprüfung, wurde 1925 durch die Allgemeine Landeskonferenz für jüdische Sozialarbeit begründet. Eine Vorstellung von der Ausdehnung der lokalen, Landes- und internationalen jüdischen Hilfstätigkeit in den Vereinigten Staaten kann aus der Tatsache gewonnen werden, daß das Joint Distribution Committee allein von 1917 bis 1930 mehr als 80 Millionen Dollar für Auslands- Hilfe sammelte und verteilte. Der Zusammenbruch der Wirtschaft hat diesen Fortschritt nicht nur aufgehalten, er bedroht geradezu einige dieser Arbeiten in ihrer Existenz. Mit dem Herannahen der Krise wurden die großen Ausgaben-Budgets der Gemeinden besonders drückend. Das schwindende Einkommen der sozial arbeitenden Stellen 1931 und 1932 wurde zur ernsten drohenden Gefahr angesichts der infolge der Arbeitslosigkeit ungeheuer gesteigerten Anforderungen. Einige jüdische Hilfsstellen tragen eine Last, die 300 bis 400 Prozent schwerer ist als in den Jahren 1929 oder 1930. So schlimm die Zustände wirtschaftlich sind, psychologisch sind sie es noch mehr. Die Bevölkerung ist von Panik ergriffen. Niemand weiß, was der Morgen bringen wird. Die Einkommen sind ungeheuer gesclnvunden, die Gehälter in großem Maße herabgesetzt worden. Immer wieder hört man, daß sehr wenig reiche Juden in den Vereinigten Staaten übriggeblieben sind. Was soll werden,׳?! Es gibt zwei Grundauffassungen. Die eine ist, daß das jüdische Leben und die jüdische Gemeinschaft sich allmählich attflösen und der Umgebung assimilieren werde. Die zweite Anschauung: Die jüdische Gemeinschaft kann am besten zum Wohl Amerikas bei-, tragen, wenn sie ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten zum äußersten Ausmaß entwickelt. Die Vertreter dieser Anschauung erkennen: 1. Auf Grund besserer ökonomischer Unterlagen muß eine verständnisvollere Verteilung der jüdischen Bevölkerung mit beruflicher und erzieherischer Führung der Jugend vorgenommen werden; 2. daß die Basis der jüdischen Gemeindefinanzen verbreitert werden müsse; 3. daß die Judenheit Amerikas demokratischer in ihrem örtlichen und allgemeinen Wirken werden müsse. Die ungeheure gegenwärtige und zukünftige Entwicklung Weiße Zähne: Chlorodont der öffentlichen Wohlfahrt wird die Last der jüdischen Gemeinschaft erleichtern und sie in den Stand setzen, ihre Energien in der Linie der aufbauenden und ergänzenden Tätigkeit zu konzentrieren, durch die sie am besten zum Wohle des Landes beitragen und zugleich sich selbst am stärksten zum Ausdruck bringen kann. Weitschauende Planung durch die Führer der jüdischen Gemeinschaft muß sorgfältiges Haushalten mit den Kraftquellen sichern, so daß das Ergebnis der besten Entwicklung in det jüdischen Gemeindeorganisation gewahrt werden und _ die Krisis nicht zerstören kann, was mit so viel Mühe in mehr als fünfzig Jahren aufgebaut wurde. Das größte Problem, das heute vor dem amerikanischen Judentum steht, ist dasjenige einer Führerschaft (sowohl durch Berufs-, als auch ehrenamtliche Führer), die sich den Aufgaben, den Verantwortlichkeiten und den Möglichkeiten gewachsen zeigt. Amtliche Verlautbarungen der isr. Kultusgemeinde Wien. Für ein 18jähriges, gelähmtes, armes Mädchen, das auch an epileptischen Anfällen leidet, wird um kostenlose Ueberlassung eines fahrbaren Krankensessels gebeten. Die Fürsorgezentrale der isr, Kultusgemeinde Wien ist' bereit, über die Familie nähere Auskunft zu erteilen und eine solche Spende abholen zu lassen. (Telephon U-25-5-85 Serie;) Tschechoslowakei. Neuer ״Eroberungst4-Feldzug gegen die Kultusgemeinden? Es hat den Anschein, daß die Zionisten in der C. S. R. zu einem neuen Eroberungsfeldzug gegen die religiösen, jüdischen Gemeinden rüsten. Ihr alter Schlachtruf gegen das orthodoxe Judentum und seine ureigenste, älteste und bewährteste B'etätigungsstätte ״Erobert die Kultusgemeinden“ taucht immer wieder besonders dann auf, wenn die religiösen Massen des jüdischen Volkes mit anderweitigen Sorgen beladen, sind und ihr Interesse für die Wahrung ihrer heiligsten Güter geschwächt ist, oder aber wenn innere Zwistigkeiten ihre geistige Wehrfähigkeit vermindern. Im Augenblick glauben unsere Zionisten, in den Gemeinden von Karpathorußland diese beiden Momente gleichzeitig vorzufinden und sehen offenbar den Zeitpunkt zu einem neuen Sturm gegen die Grundlagen der Gemeinden für sehr günstig an. Man wird in den jüdischen Gemeinden gut tun, auf einen neuen zionistischen Druck gefaßt •zu sein und rechtzeitig alle Gegenmaßnahmen zu treffen, um.das zu erwartende neue Schlag w o r t b o m b a rd e m e n t, wirksam abzuwehren. Auf dem am 5. und 6. Juli in. Mährisch-Ostrau stattgefundenen 10. Zionistentag beschäftigten sich die Zionisten auch mit den Kultusgemeinden. Besonders gingen' ihnen die Kultusgemeinden ״in d en östlichen Teilen ä er Tschechoslowakischen R e p ublick“ nahe ans Herz. In dem Bericht, der vom״ G. A, der Tagung vorgelegt wurde, wird darüber .folgendes * ״In der Kultusgemeinde und ihren zentralen Verbänden im Westen sind, die Zionisten führend oder wenigstens ein maßgebender Faktor. Dagegen sind die Verhältnisse in den u rt d e m o k r a 11 s c ft e n Gemeinden der S t ow a k e i und besonders K a r p a t ft o r u ß- 1 a n d s höchst unbefriedigend. Hier handelt es sich vor allem um politische P f a g e h, weshalb sich die Kompetenz unserer Kültusgemeinde-Kommission nur auf die westlichen Länder erstreckt, während die Kultusgemeittdefragen im Osten der Politischen Reichskommission unterstellt würden.“ I .. wird. a*so von vornherein eingestahden, daß für die Zionisten die Kultusgemeinde nur ein Objekt polit is ch er Betätigung ist Und ihr Bestreben, in die Leitung der Gemeinden entweder selbst einzudringen oder solche Männer etndringen zu lassen, bei dehen sie Förderung erwarten können, ausschließlich diesen politischen Zwecken dient. Deshalb werden die Kultusgemeindeangelegenheiten der Zionisten in der Stowakei und Karpäthorußland von der ״politischen Reichskommission“ und nicht etwa von einer Kommission für Kultus und Religion behandelt. So findet sich denn attch unter den Beschlüssen, die von der Zionistentagung angenommen wurden, folgende Resolution: ״Demokratisierung der Kultusgemeinden. Der Zionistentag stellt neuerdings mit Bedauern fest, daß in den Kultusgemeinden in den östlichen Teilen der Tschechoslowakischen Republik der überwiegende Teil der jüdischen Bevölkerung um das Mltbestimmungsrecht durch die im undemokratischen Geiste gegehaltenen Statuten gebracht wird. Der Zionistentag fordert die politische Reichskommission auf, alle geeigneten Schritte zu unternehmen, um die Demokratisierung der Kultusgemeinden in einem dem Geiste der Verfassung der Tschechoslowakischen Republik entsprechenden Sinne sicherzustellen. Der Zionistentag verpflichtet die z i o n i s t isehen Kultusgemeindemandatare in ihren Kultusgemeinden dahin zu wirken, daß die Interessen der zionistischen Ortsgruppen durch Bcistellung von Geldmitteln und geigneten Vereinslokalitäten gefördert werden." , .. , Das nächste Eroberungsschlagwort für die zionistische Arbeit in den Kultusgemeinden der ״östlichen Teile der Republik“ wird also — wie man sieht — die ״Demokratisierung der Statuten“ sein. Nicht uninteressant ist auch, jetzt plötzlich von ״zionistischen Kultusgemeindemandataren" zu hören. Darunter sind in den slowakischen und karpathorussischen Kultusgemeinden wohl die Vorsteher und Repräsentanten zu verstehen, die ihre Wahl den zionistischen Stimmen zu danken haben. Diese sind dann auch auf Grund dieses Beschlusses ihre’r richtunggebenden Körperschaft verpflichtet, ״in ihren Kultusgemeinden dahin zu wirken, daß die Interessen der zionistischen Ortsgruppen durch Beistellung von Geldmitteln und geeigneten Vereinslokalitäten gefördert werden." Da vor und während der Wahlaktionen in den Kultusgemeinden von seiten der Zionisten und ihrer Freunde von dieser ,Verpflichtung nur in den engsten Zirkeln ,der Wahlmacher verhandelt wird, die r e 1 i g i ö s e n •W ä h 1 e r aber von diesem Mißbrauch der Gemeindemittel zu thorawidrigen Zwecken nichts erfahren, dürfte es angezeigt sein, sich diese Resolution jetzt gut ins Gedächtnis zu prägen. Man wird; sie während der künftigen Eroberungsfeldzüge vor der Oeffentlichkeit ganz besonders abzuleugnen versuchen. Auch die Namen der Personen,׳denen die Zionisten die Fürsorge für die Kultusgemeinden in der S l ovv a k e i und in Karpathorußland־ in die Hand legen, die also gewissermaßen als der Generalstab im Kampfe der Zionisten gegen den orthodoxen, Geist in den Kultusgemeinden anzusehen sind, werden vielleicht weitere Kreise interessieren.' Der ״politischen Reichskommission“ gehören an: Oskar Karpe (Prag), Dr. Heinz Guttenstein (Leitmeritz), D r. Chaim.Kugel (Mukacevo), Dr. Max Lasus (Proßnitz), Dr. Fritz Ulimann (Karlsbad), Ing. Eduard Thein (Aussig), Ing. Ernst Fuchs (־Brünn), Dr. Felix Resek (Prag), Dr. Kurt Grünberger (Prag), Dr. Ernst Löff (Proßnitz), ,Kurt Thieberger (M.-Ostrau), Vally Waldstein (M.-Ostrau), Dr. Oskar Neumann (Bratislava), D r. Josef Eisler (Hlohovec), Max Schwarz (Bratislava), Dr, Otto Lö bl (B r a t i s 1 a va), Ernst Munk (Banovce), D r. Adalbert Winter st ein (Banovce), Dir. Isidor Knöpfelmacher (Bratislava), D r. Leo Sipos (Parkany), Ing. Goldberger Is. (Kosice), D r. Oskar Z 1 a t n e r (Ko sic e), D r. Bolgar (Hu st), Ignaz Deutsch (Mukacevo), D r. Leopold Palkovits (Uzhorod), D r. Alex. Goldberger (Uzhorod), D r. Wilhelm Sternbach (Mukacevo), Norbert Adler (Prag), Dr. Franz Friedmann (Prag), Abg. Dr. Angelo Goldstein (Prag), Dr. Franz Gottlieb (Prag), Dr. Eugen Justic (Prag), Arthur Kauders (Prag), Dr. Herbert Birnbaum (Teplitz), Wilhelm Heller (Leitmeritz), Dr. Robert Löwenstein (Karlsbad), Dr. Emil Margulies (Leitmeritz), Dr. Franz Kohner (Brüx), Dr. Siegm. Birnstein (Brünn), Ing. Ernst Frischer (M.-Ostrau), Dr. Paul März (M.-Ostrau), Dr. Felix Winterstein (M.-Ostrau), Dr. Karl Sonnenfeld (Brünn), Theodor Huber (Brünn). ׳ * Fragt man sich nun: Wie ist es möglich, daß die Zionisten immer aufs neue den Mut aufbringen, das Jahrtausende alte Bollwerk des religiösen Lebens, die jüdische religiöse Gemeinde, zum Gegenstand ihres politischen Eroberungsprogramms zu machen, so gibt es darauf nur eine Antwort, die allerdings nicht die Zionisten, sondern uns orthodoxe Juden selber schwer belastet und aufs tiefste niederdrückt: Solange wir orthodoxe Juden und unsere Führer es nicht als ein Gebot der Zeit betrachten, die jüdischen Massen, d. h. alle. Juden, die im historischen, religiösen Sinne Juden sein und Juden bleiben wollen, mit allen Mitteln def . Beteftrung und der Propaganda auf breitester Basis darüber äufzuklären, was eine orthodoxe jüdische Gemeinde in unserer Gegenwart ist und was sie soll, darf es uns nicht wundernehmen, wenn diese Massen irregehen und ihre Verwahrlosung neuen Parteien mit ijeuen Gemeindeprogrammen die Hoffnung gibt, sie mit Erfolg In die Irre führen zu können. Sieht man es denn immer noch nicht ein, daß eine jede Zeit neue Aufgaben schafft, neue Aufgaben und neue Pflichten auch zum Schutze der alten Güter und alten Heiligtümer, die uns und unserer Gewissenhaftigkeit überantwortet* sind? Wollen wir ernstlich orthodoxe Gemeinden haben, so gebietet uns die Zeit, den Geist bewuß ter Orthodox! q i n die S ee 1 e der Massen z u h a u c h e n u nd ihn zur T r i e b k r a f t lebendigen Schaffens zu machen. Entziehen wir uns dieser Aufgabe, so haben wir nicht das Recht, zu klagen, wenn wieder einmal gegen die Festungen der Thora Sturm geblasen wird. J. L B. ■׳■