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Jüdische Presse · 1932-06-24 · 25 (24.6.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
25 (24.6.1932)
Date
1932-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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!* Konktiti ..... Rür .r israelitischen Kiiltusgemeinde Wien beabsichtigt anläßlich der diesjährigen hohen 1׳ eiertage r n n k t i o n ä r e (Kantoren* Vorbeter, die auch als Kaure wirken können, Chorsänger und Schofar- Iilaser) für die temporären gottesdienstlichen Veransfaltnngen zu bestellen. Es werden ferner geeignete Bewerber um C h o r s ä 11 g e r s t e 11 e 11 für die Gemcmdetempel in Vormerkung genommen, in Betrn:Ut •«״׳»men solche stimmbegabte, musikalische Personen ( lenöre und Bässe), die des Blattlesens kundig sind und m er^ortierlichen Kenntnisse im Hebräischen besitzen. Nähere Auskünfte werden im Schulamte der Israelitischen Knltusgemeinde, Wien. 1״ Seitenstettengasse 2, 1. Stock, während der Amtsstunden von 9 bis J2 Uhr vormittags erteilt. Konkursausschreibung. Im Spitale der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, XVIII., Währinger Gürtel 97, gelangt an der medizinischen Abteilung eine * Sekundararztstelle zur Besetzung. Zur Anstellung sind erforderlich: die österreichisch'e Staatsbürgerschaft, lediger Stand, die Berechtigung. zur Ausübung der Heilkunde in der Österreichs sehen Republik, die körperliche Eignung (nachgewiesen durch ein von einem der Vorstände der medizinischen Abteilungen des eigenen Spitales ausgestellten Zeugnis), und ein Alter von unter 35 Jahren. Mit der Stelle ist nebst dem in der Besoldungsordnung für die Abteilungsärzte des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde fixierten Barbezug die Benützung einer möblierten Naturalwohnung samt Beleuchtung, Beheizung und Bedienung sowie die volle Verköstigung verbunden. Für die letztere werden die Eigenkosten von dem Monatsbezuge in Abzug gebracht, wobei der Abzug ein Viertel der Bezüge nicht überschreitet. Mit den Personaldokumenten (Geburtsschein, ־Heimatschein,. Diplom, Nachweis der Zugehörigkeit zum Judentum, Zeugnisse über die ■bisherige fachliche Verweridung.) belegte Gesuche sind an den Vorstand der israelitischen ' Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, b i s längstens 10. Juli 1932 zu überreichen.; Anonyme Anzeigen an den Kullusvorstand!־' t In den letzten Wochen laufen sowohl bei Mitehedem des Präsidiums, als auch des Kultusvorstandes anonyme Anzeigen gegen verschiedene Argane der Kukusgemeinde ein, in welchen ganz a 11 g e in e i n gehalte ne B e s c 11 11 1 d i g u n g e n erhoben werden. Dir; Priifn 11g erscheint in diesen Fällen mangels irgendeiner konkreten Angabe, zumal in den Anzeigen zumeist auch nicht bestimmte Personen als Beschuldigte genanut werden, unmöglich. Der Kultusvorstand verschließt sich nicht der׳ Tatsache, daß meistens Anzeiger ungenannt bleiben wollen, muß jedoch an diese den Appell richten, in ihren Anzeigen i r g c ad w e Ic h e k 0 n k rote U m stände a u z u f ii h v c 11, damit diesen Anzeigen der Charakter grundloser Pauschalverdächtiguugen benommen und die Untersuchung der gemachten Angaben ermöglicht werde. Bei Unwohlsein ist das natürliche ״Franz-Josef“- Bitterwasser ein angenehm wirkendes 'Hausmittel, die Beschwerden erheblich zu verringern, zumal oft schon, kleine Mengen sicher nützen. Zuschriften von Frauenärzten loben gleichlautend die recht milde Wirkungsweise des Franz-Josef-Wassers, die sich für den zarten Körperbau des Weibes ganz vorzüglich eignet.־ Das ״Franz-Josef- Bitterwasser ist in Apotheken, Drogerien und Mineral- Wasserhandlungen erhältlich. Bücher. Uriel Birnbaum, ,Wolle zwischen Nationen“. Ein zuriiekgewiesener Beitrag zu dem Sammelwerk ״Der Jud ist schuld . . .!“, Wien 1932. Selbstverlag. Preis S 1.70, Mark 1.—. Der »bekannte Künstler Uriel Birnbaum ist mit seinem!Beitrag ״Volk .zwischen.Nationen“, trotzdem ihm freie Meinungsäußerung zugesichert worden war, vom Verlag des Sammelwerkes' ״Der Jud ist schuld!“ (Ziimenverlug, Zürich) ■zu rück gewiesen worden und läßt diesen!Beitrag nun im Selbstverlag erscheinen. Wer unsere Zeit .an.it ihren überhitzten Parteifanatismen kennt, wird von dieser Zurückweisung kaum überrascht sein da Birnbaum sich in diesem Essai ju tatsächlich •als ein Eigenbrötler entpuppt, der sich den Luxus einer in kein Dogma ■passenden »Meinung leistet. Nichts •wird dem Individuum׳ in unserer mehr als je ״autoritäts- .gläubigen“ Zeit ■mehr verübelt, als ein Versuch, über den Parteien!zu stehen oder zwischen ihnen eine eigene Meinung zu ■behaupten, diel vielleicht partielle Berülmmgen!mit allen Parteiprogrammen zeigt, sicli aber •keinem ganz verschreibt. j. Den Anschauungen des .gesetzestreuen Judentums entspricht es dagegen ׳vollkommen, wenn Birnbaum das so beliebte ״Besserwissen, was die Juden vor 1900 Jahren hätten tun sollen“ »bei ■Nichtjuden uncl — bei jüdischen ■Literaten geißelt, deren verschwommenem Fühlpn, da sie die jüdische Idee vom Judentum nicht •mehr kennen, eine solche mystagogische Uanrätselung ihres Volkes gefallen mag.!Birnbaum findet denn auch die richtigen Worte dafür, daß zwar ״nicht so sehr die Juden die Welt verdorben haben als vielmehr von ihr verdorben worden sind — dennoch aber nicht das!mindeste .Recht haben, clen Völkern in deren Auffassung des ■Sitteugesetzes und in ihr Leben mit oder ohne dasselbe etwas dareiuzuredeu. Und so kommt er auch!zu dem Schlüsse, daß gegenüber dem auch in der rassisclien Verkleidung ■immer religiösen, nämlich antireligiösen, heidnischen Judenhaß selbstverständlicher Bundesgenosse der anders G-ttgUiubige ist. Er sieht übvigensaber ganz richtig die Wandlung 'im!Begriff des Patriotismus, die der Sieg des Nationalstaatsprinzips mit sich gebracht hat, ■und sieht auch, daß im politischen Kampf die Judenheit dem Nationalismus allein gegenübersteht.!Allein es bleibt nach Birnbaum der Trost, daß für glaubeude Juden der Judenhaß nicht so ■wichtig ist ׳wie Alas durch keinerlei heidnische, keine nationaiistische noch balscliewikisclie Rebellion aufzuhaltende Näherkommen der vollen Erfüllung der schon beute halb erfüllten prophetischen Verheißung — und für diesen Trost können wir ihm nur dankbar sein, 8 Tschechoslow Organisationsfragen in Podkarpatskä Rus. Vor kurzem hat der Oberste Verwaltungsgericlitsliof eine Entscheidung getroffen, die auch für die Fragen, die jetzt die orthodoxe Judenschaft in Podkarpatskä Rus in Zusammenhang mit der ״Kanzleilrage“ in Erregung halten, von größter Bedeutung werden( kann. Der Oberste Verwaltungsgerichtshöf gab nämlich eine Entscheklung heraus, wonach Schulangelegenheiten in Podkarpatskä Rus, welche in der Slowakei vom Referat des Schulministeriums in Bratislava erledigt werden, vom karpathorussischen. Landesamt in Uzliotod nicht erledigt werden können1. In paralleler Anwendung auf die Angelegenheiten der jüdischen Kultusfragen würde das bedeuten, daß das Laridesamt in Uzhoüod nicht berechtigt ist, Angelegenheiten zu erledigen, die für die Slowakei in die Kompetenz des Sclmlveferats in Bratislava, bzw. des Ministeriums für Schulwe s e ti und V o 1 ks<1 u f k 1 ä r u n g in Prag gehören. Einvernehmen in der Pr eso ver orthodoxen Gemeinde. Vor einigen Monaten war auch in der ״Jüdischen Presse“ von beschämenden und unmöglichen Zuständen in der Pr eso ver orthodoxen ■Gemeinde die Rede. Nach vierjähriger, von den .besten Intentionen geleiteter Tätigkeit des strebsamen Herrn Oberrabbiners M. Ch. L a u versagten ihm die staatlichen Behörden' die erforderliche!Bewilligung zur Fortsetzung seines Wirkens und zur weiteren Ausnützung־ seiner rechtmäßigen Pflichten als bestellter religiöser Führer der orthodoen Juden von Presov. Weder der großen^ Öffentlichkeit noch den Gemeindemitglieclevn von Presov war ein ersichtlicher zwingender Grund für emo solche ungewöhnliche Maßnahme bekamitgeworden. Man führte diese behördliche Maßnahme in der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit auf etwaige Pflichtversäumnis oder das sonstige Verhalten der verantwortlichen Geineindeleiter zurück. Die jüdische Presse ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung, verurteilte die behördliche Unterbrechung der rabbimschen Tätigkeit des Presover Oberrabbiners einhellig uncl glossierte die Zustände in einer Gemeinde, wo ein solcher Fall zur Tatsache werden konnte, mit den Ausdrücken der ׳Empörung־. Das mußte dann auch den wohlbegründeten guten Ruf der Presover Gemeinde in dei ganzen Judenheit schwer schädigen. Mit um so größerer ■ ■ ■ - m-m-m-u ■ 1■ ■ ■UOPI Weiße Zahne: Chlorodont Genugtuung wird man jetzt das Zustandekommen eines für die Erhaltung und Entwicklung־ des thoratreuen religiösen Lebens in der Presover Gemeinde unerläßlieh notwendigen V e r t r a ״ e n s v e 1־ h ä 11nisses zwischen O'berrabbiner und GemeindeVorstand begrüßen, me es aus der loigenden Zuschrift hervorgeht, um deren Veröffentlichung wir von der Presover Gemeinde gebeten werden: ״,Bezugnehmend auf die in Ihrer Zeitschritt erschienenen Notizen bezüglich der Wi1׳k11ngsbewilhg־ung unseres ׳Herrn Oberrabbiners erachte ich es als I rases ■der hiesigen aut. orth. isr. Kultusgemeinde als meine Pflicht, im Interesse des guten Rufes der Presover■ aut. orth. isr. Kultusgemeinde der jüdischen Oeltentlichkeit mitzuteilen, daß die in den verschiedenen Blättern erschienenen Mitteilungen, die die Angelegenheit derartig einstellten, als ob es sich aim einen Konflikt zwischen dem Oberrabbiner und dem GemeindeVorstand handeln würde und als ■dessen Aus- Wirkung die ungünstige Erledigung des Ansuchens aim Winkungsbewilligung des Herrn Oberrabbiners gewesen wäre, nicht auf Wahrheit beruhen. Zwischen .dem'־ Oberrabbiner und dem Gemeinde Vorstand herrscht das beste Einvernehmen, und die Berichte, die das Gegenteil dessen behaupteten, sind völlig aus der Luft gegriffen und stuinmten aus Quellen, ■denen daran gelegen war, das Verhältnis zwischen Oberrabbiner und Gemeindevorstand zu vergiften, um auf diese Weise ihre persönlichen Ambitionen unter dem ■Deckmantel der Sicheinsetzung für ■die Interessen des Oberrabbiners zur Geltung bringen zu1 können. Der Gemeindevorstand ist sich dessen bewußt, was er dem guten Rufe, dessen sich unsere Kultusgemeinde in der jüdischen Oeffentlichkeit erfreut, schuldet uncl versäumt nicht, alle gesetzlichen Mittel in Anspruch zu nehmen, um; die ganze Angelegenheit einer günstigen Lösung zuzuführen. Hochachtungsvoll Kommerzialrat Ludwig Preisz, Präses der ■au t, orth. isr. Kultusgemeinde in Pre§ov. Erwachende Selbstbesinnung in Mähren. Vorbemerkung: Wir beschäftigen uns -in dieser Zeitung seit Jahren intensiv mit dem Tiefstand des religiösen Lebens in den einst für das gesamte thoratreue Judentum so bedeutungsvollen t Gemeinden in Böhmen und Mähren. Wir halten es für eine der wichtigsten und nächstliegenden reUgiösen Pflichten der slowakischen Orthodoxie, kein Mittel unversucht zu lassen, um eine Wiederbelebung des historischen, thoratreuen Judentums in diesen Gemeinden herbeizuführen, bzw, die zersplitterten lebendigen Reste des Judentums in diesen Teilen unserer Republik zu sammeln und ihnen die unerläßlichen Voraussetzungen für die Entwicklung thoragemäßer Gemeinwesen zu schaffen. Ohne die rjehtige Erkennt n i s der Schäden und s ch äd 1 i ch en Einf 1 ü*s s e, die den in der Geschichte des Judentums beispiellos dastehenden Niedergang, ja das fast völlige Verschwinden der Treue zu Thora und Tradition in der böhmisch-mährischen Judenheit verursachten und begünstigten, wird man den Weg zur Gesundung uftd Neübetebühg׳ natürlieh nicht finden könnten. Deshalb weisen Wir unausgesetzt mit dem größten Nachdruck aüf die furchtbaren Verwüstungen hin, die das nationalistischzionistische, höhle und thorafremde Ersatzjudentum auch dadurch im jüdischen Volk anrichtet, daß es die gegenwärtige, an Enttäuschungen überreiche und von G-ttes Hand zur T*schuwoh hingedrängte Generation von der Selbstbesinnung und von der Rückkehr zum richtigen ün'd wahren Judentum a b 1 e n k t. Aus diesem Grunde fordern wir auch die endliche Ab- Schaffung des altenösterreichischen Zwangs ge setz es gegen die Bildung selbständiger orthodoxer Gemeinden, das mit dem in den Gesetzen unserer Republik sonst vorherrschenden Geiste der religiösen Freiheit unvereinbar ist und das jüdische Gemeindeleben den Abfallstendenzen der Entfremdeten hemmungs- und erbarmungslos ausliefert. Um so erfreulicher finden wir jedes, auch noch so leise Anzeichen einer Wandlung zum Besseren im Leben dieser Gemeinden und verzeichnen es gerne als Beweis dafür, daß konsequente, beharrliche und zielgemäße Arbeit nach dieser Richtung schließlieh den erwünschten Erfolg bringen müsse. Als ein solches Zeichen der nunmehr doch erwachenden Selbstbesinnung werten und begrüßen wir den mit der Ueberschrift ״Gute Jude n“ verseltenen Artikel eines ungenannten Verfassers, der in der jüngsten Nummer der• ״Gemeindezeitüng und Amtsblatt der Landesverbände der israelitischen Kultusgemeinden in Mähren, Schlesien und der zu diesen gehörigen israelitischen Gemeinden“ erschienen ist und den Mut aufbringt, manche bittere Wahrheit gerade heraus auszusprechen. Wir bringen diesen Artikel, obgleich er den regelmäßigen Lesern unserer Zeitung nichts Neues sagt, Nhier zum Abdruck,, weil er in den Kreisen, für die er bestimmt ist, ernüchternd wirken kann und weil er vielleicht geeignet ist, auch dort, wo man sich trotz aller Warnungen und trotz aller traurigen Erfahrungen immer mehr und immer weiter in die Entwicklungsbahn der mährischen Gemeinden hineingleiten läßt, die Erkenntnis von der Gefahr dieses abschüssigen Weges zur Reife zu bringen. . J. J. B. ״Gute Juden hat es zu alleh Zeiten gegeben. Nach einer Stelle im Talmud soll es in jedem Zeitalter mindesfcens 36 Fromme geben, die sich mit ihrer Frömmigkeit nicht brüsten, daher meist im Verborgenen leben und deren gute gottgefällige Werke die ganze Welt erhalten. Aber so viele gute Juden wie in der Jetztzeit dürfte es im Judentum nie gegeben haben. Früher galt der als guter Jude, der mindestens — gut war, das heißt in erster Reihe wohltätig, ״hilfreich und gut“ im, Sinne der Thora und des geheiligten Väterglaubens. Ein guter Jude war gleichbedeutend mit einem streng frommen Juden. Der gute Jude lebte nur in seiner Religion und für seine Religion, in: seinem Glauben und für seinen Glauben, für seinen G-tt und seine geheiligte Lehre, für sein Judentum und seine Ideale. Unter einem guten Juden verstand man1 vor allem einen gelehrten Juden, einen solchen, der nicht nur auf dem ״unendlichen Meere des Talmuds“ gleichsam zu Hause war und. in dessen Abgrundstiefen sich spielend versenken konnte, um unversehrt und siegesfroh aus ihnen emporzusteigen, sondern־ einen Mann, der das ganze rabbinische Schrifttum meisterhaft beherrschte und darin, d. h. in ״den vier Ellen des Halacha“ ganz und restlos aufging und kein anderes Streben kannte, als zu lernen und zu lehren, in der Thora zu forschen ohne Unterlaß Tag uftd Nacht. Solche Männer bildeten den Schmuck und die Zier jeder Gemeinde, die so glücklieh war, solche ״gute Juden“ in ihrer Mitte zu haben. Diese guten Juden umgab man nach und nach mit dem mystischen Dunkel, sie standen gegen ihren Willen im Ruf der Heiligkeit und man erbat sich ihre Fürsprache bei G-tt in den Stunden der Not und Gefahr, ihren Rat und Segen, so man ihrer bedurfte, und man pilgerte zu ihren Gräbern, so sie aus dem Leben schieden. Denn solche Juden waren nur selten, und glücklich die Gemeinde, die solche Männer aufzuweisen vermochte, ihr Ruhm war für ewige Zeiten gesichert*. *Heute gibt es ״gute Juden“ in Hülle und Fülle, fauf Schritt und Tritt, in Stadt und Land, überhaupt überall, wo Juden sind. Jeder zweite Jude, mit dem ich zusammentreffe, sei es auf der Bahn, in der Elektrischen, im Kaffeehause oder — last not least — in der Bar, behauptet steif und fest, ein guter. Jude zu sein, oft in Momenten und bei Handlungen, die weder gut noch jüdisch sind. Die stehende Redensart lautet stets: Ich bin zwar ein guter Jude, ein sehr guter Jude sogar, aber ... Dieses aber lautet schon verschieden, je nach dem Thema, das gerade behandelt wird, oder je nach dem religiösen Ge- oder Verbot, von dem gerade die Rede ist. Er ist ein guter Jude, aber . . . seinen Sohn läßt er trotzdem nicht beschneiden. Er ist ein guter Jude, aber .־. , die Speisegesetze existieren für ihn einfach nicht. Er ist ein guter Jude, aber . . . Pessach hält er trotzdem nicht. Er hält überhaupt von der Religion nichts, aber . . . er ist trotzdem ein guter Jude. Er ist ein guter Jude, aber . , . eine Erhöhung seiner Kultussteuer duldet er prinzipiell nicht. In solchen Sachen kennt er keinen Spaß. Er hat nämlich auch Prinzipien ... Worin seine Güte als Jude bestehe? Nun, er sei Jude durch und durch,' er schäme sich seines Judentums nicht und sei sogar (!) stolz auf seine jüdische Stammes- Zugehörigkeit, Wehe dem Antisemiten, dem es einfallen sollte, •in seiner Gegenwart auf die Juden zu schimpfen! Er würde es mit ihm zu tun haben und er wäre sogar imstande, das Lokal, wo antisemitische Schimpfworte fallen, einfach demonstrativ zu verlassen. Er lasse auf ״sein“ Judentum nicht schimpfen! und dulde es nicht, wenn ״seine“ Nation herabgesetzt wird, sei es im Scherze oder im Ernst. Solcher Juden gibt es hierzulande, wie erwähnt, in Hülle und Fülle, Juden, die nichts halten, an nichts glauben und nichts können, weil sie nichts verstehen und nichts gelernt haben und trotzdem sich für — gute Juden halten. Diese guten Juden möchte ich fragen: Wozu und wem hat denn Gott die Thora gegeben? Wozu die ganze ״Inszenierung“ am flammenden Sinai, die unter Donner und Blitz erfolgte Offenbarung, wenn man ohne die Thora und ihre Vorschriften ein guter, sogar ein sehr guter Jude sein kann? Oder ist die Thora tatsächlich nur für

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