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Jüdische Presse · 1932-05-27 · 21 (27.5.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
21 (27.5.1932)
Date
1932-05-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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.Seite 2 JÜDISCHE PRESSE m 2! NACHRICHTEN l@l Öäs Lag-BeometsFest döf Ta!&u<Mi0li. ... den 24. Mai, fand das bereits artgek״nd,gte Lag-Beomer-Fest der Wiener Talmud-Thofa- .!.Vu■■ Ma״PtschuIe 1m Gartenrestaurant Augarten statt. Es war ein Schülerfest im währen Sinne des Wortes und die Kinder verbrachten einmal wirklich einen freu- &!"LtNa^m1ttaf ’•m Grünen. Die Darbietungen der Musikkapelle Und eines Zauberkünstlers fanden großen Beifall, -den größten Anklang fand jedoch die Riesentombola, in deren Verlauf die Namen jener Firmen verlautbart wurden, die mit Spenden zur Tombola beigetragen haben. Den Haupttreffer (eine Woche Aufenthalt 1m Ferienheim Eisenberg auf dem Semmering) gewann mit Los Nr. 33 die Schülerin der 2. Volksschulklafse Eva lei gelstock. Die Eltern der Gewinnerin haben sich sofort erbotig gemacht, den Gewinn einem armen Kinde zur Verfügung zu stellen. Gründung eines agudistischen Chalüzverbandes. Die Landesorganisation Zeire Agudas Jisroel in der Bukor^־ttani?att*e1,nen /1Sadistischen Chaluzverband gegründet Die Mitglieder des Verbandes erhalten ihre landvvirtschaftliche Ausbildung im Betriebe des Gutsbesitzers t\ Katz in Milye und sollen dann mit jungen Agudisten aus Pcden und Deutschland in einer agudistischen Kolonie .Palästinas untergebracht werden. Die Bukowinaer agudistische Chahlzfarm wird unter der Aufsicht des Großrabbiners Hager aus Wischnitz stehen. Der Montag statt des Sonnabend Auszahlungstag für sabbattreue Erwerbslose. Der Preußische Landesverband Gesetzestreuer Synagogengemeinden (Halberstädter Verband) teilt mit, daß nach Weigerung einer Geschäftsstelle des Arbeitsamtes, von der Kegel der Auszahlung der Unterstützung am oonnabend eine Ausnahme für Sabbattreue zu machen, auf Grund der Intervention des Verbandes von der vorgesetzten Behörde die Anweisung ergangen ist,י daß statt des Sonnabend der Montag jeder Woche für Meldung und Auszahlung für die den Sabbat Heiligenden be- Stimmt werde. Die jüdischen Feiertage und die Mittelschulprüfungen in Ungarn. Der Unterrichtsminister hat bereits früher angeordnet, daß in diesem Jahre die Mittelschulprüfungen vom 5. bis 10. Juni abgehalten werden sollen. Da nun m diesem Jahre das־ jüdische Wochenfest auf den 10. und 11. Juni fällt, hat der Minister ungeordnet, daß 'in den Mittelschulen mit Schülern mosaischen Glaubens am 10. und 11. Juni keine Prüfungen stattzufinden haben. Die Nazi-Gefahr für Danzig. . Einen starken Eindruck machte in Danzig ein Artikel des Organs der Zentrumspartei, in welchem dem Danziger Senat, wegen Duldung der brutalen antisemitischen Hetze der Danziger Nationalsozialisten schwere Vorwürfe gemacht werden. Die Zeitung führt aus, die Hetze der Hitler-Jünger in Danzig werde zum Erfolg haben, daß die jüdischen Kaufleute aus Polen Danzig meiden werden, was dem Danziger Plandel einen schweren Stoß versetzen wird. Das Seebad Zoppot, das schon im vergangenen Jahre ein Defizit von über 100.000 Gulden gehabt hat, werde durch das Fortbleiben jüdischer Baldegäste einen weiteren schweren Schlag erleiden. Dienstfreiheit an höhen jüdischen Feiertagen wird nicht als Urlaub angerechnet. Das Reichsfinanzministerium hat für seine Beamten und Angestellten eine Neuregelung des Urlaubes vorgenommen. In der Verfügung heißt es: '״Dienstbefreiung ohne Anrechnung auf den Erliolungsurlaub sind, sqweit dringende dienstliche Gründe nicht entgegenstehen, zulässig zur Befriedigung des religiösen Bedürfnisses an kirchlichen Feiertagen, die das Landesrecht nicht als gesetzliche Feiertage anerkennt, bei Beamten jüdischen Glaubens für die beiden Tage des jüdischen Neujahrsfestes und den Tag des Versöhnungsfestes.“ Erste Talmud-Thora-Schule in Abessinien. In Addis Abbeba, der Hauptstadt Abessiniens, wurde die erste Talmud-Thora-Schule für Kinder der Falaschas (schwarze Juden von Abessinien) eröffnet. Die Lehrerschaft setzt sich ausschließlich aus Falaschas zusammen, die in jüdischen Zentren des Auslandes studiert haben. Antisemitisclier Exzeß in Ungarn. ö In Nagykörös haben Huligans die Fenster der Synagoge und vieler .jüdische{־ Häuser zertrümmert, /ddiscfe Firnwm der Stadt, die Arbeiter in großer Zähl beschäftigen, haben ihre Betriebe geschlossen und erklärt, sie mirdon sie nur dann Wieder öffnen, wenn die Behörden in der Läge sind, die Garantie für die Anfrechtephalinng der Ordnung zu übernehmen. Zehn der antisemitischen Exzedenten wurden Verhaftet. Hochzeit im Hause Rothschild, Ein gesellschaftliches Ereignis in Paris bildete die vor kurzem in der RothschilihSynagoge in der ruc La Victoire zu Paris vollzogene religiöse Trauung' des polmschen bevollmächtigten Ministers Anatole Mühlstein mit Bäronesse Diane Rothschild, Tochter des Barons Robert de Rothschild, eines Neffen vom Baron Edmond de Rothschild. Die Trauung vollzog der Grand Rabbin von Frankreich, Israel Levi. Zivile Trauzeugen waren der polnische Gesandte in Paris Alfred Chlapovski und der polnische Außenminister Zaleski. Dem religiösen Trauüngsakt wohnten der deutsche, spanische, englische Botschafter sowie eine große Reihe anderer Diplomaten hei• Der Bräutigam Anatole Mühlstein entstammt einer hochangesehenen Chassidim-Familie in dem polnischen Städtchen Szylec. Sein Vater ist der bekannte jetzt in Palästina lebende Chassid Hillel Mühlstein, der ältere Bruder des Bräutigams, Wolf Mühlstein, ein angesehener Kaufmann, ist Führer der Chassidim in Tomaszow. Ein zweiter Bruder mit Vornamen Schtnelke ließ sich taufen, heiratete eine polnische Gräfin und nahm den Namen Stanislaw Mytecki an. Anatole Mühlstein, dessen jüdischer Vorname Naphtali lautet, lernte bis zu seinem 16. Lebensjahre in der Jeschiwa, sprach jiddisch und trug die traditionelle jüdische Tracht. Später studierte er im Auslande und trat dann in den polnischen diplomatischen Dienst ein. In erster Ehe war er mit der Tochter des Brüsseler Bürgermeisters nur zivilrechtlich verheiratet, weil die Braut Christin war und Mühlstein seinen Glauben nicht wechseln wollte. Die Ehe wurde später geschieden Mühlstein spielte als der polnischen Gesandtschaft in Paris attachierter bevollmächtigter Minister eine große Rolle in diplomatischen Kreisen, er ist gegenwärtig Vertreter Polens bei der Abrüstungskonferenz. Es heißt, daß er an Stelle des verstorbenen Ministers Sokal ständiger Vertreter Polens beim Völkerbund werden wird. Zur Vorbereitung eines jüdischen Weltkongresses. In einer vom American Jewish Congress einberufenen und von Vertretern von zehn jüdischen Organisationen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten und 100 jüdischen Organisationen New Yorks besuchten ׳ Beratung wurde beschlossen, für Juli 1932 nach Genf eine jüdische Weltkonferenz einzuberufen, die darüber beraten soll, ob ein Jüdischer Weltkongreß als ständige Institution zu schaffen sei. Eventuell soll die Genfer Konferenz die Einberufung des ersten Jüdischen Weltkongresses vorbereiten. In der von der ■ New Yorker Tagung angenommenen Resolution wird ausgeführt: Das Bestehen eines Jüdischen Weltkongresses ist Bedingung für die Verteidigung jüdischer Rechte und die Befestigung der jüdisehen geistigen Haltung in allen Ländern. Wir verpflichten uns demgemäß, die Sache des Jüdischen Weltkongresses vor und während der für Genf geplanten 'Konferenz zu fördern. Ziel des Jüdischen Weltkongresses wird es sein, dem Versuch des jetzt in einer Weltbewegung organisierten Antisemitismus aller Länder, uns zu degradieren, und unsere Existenz zu untergraben, ebenfalls auf einer Weltbasis entgegenzutreten. Der Jüdische Weltkongreß wird eine organisierte jüdische Weltbewegung repräsentieren und dafür arbeiten, daß politische, wirt-. Bölling er-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien, XV., Staglgasse 10 bei Mariahüferstr. 148 Tel. R-35-8-47 und R-30-5-38 schaftliche und soziale Aenderungen Platz greifen, die dazu angetan sind, die Position der Juden in jenen Ländefn, in denen Juden leben, zu stäffön. . Die Essener Synagoge geschändet. Wie Müs Essen telegraphiert w'irtf, würde in der tefgattgenen N^ht die Essettüf Synagoge, das Meisterwerk Professof Köfners, die als die schönste und tüonumentalste des Reiches, wahrscheinlich ganz Europas. han«. gesclfändei In riesigen Lettern wurde über dein tf örtal die -.Insch rif t ״Juda verrecke!“ angebracht. Die Untat hat tn weiten Kreisen der Bevölkerung Einpörung hervorgerufen. Man ist den Tätern, die in mit ionalsozialistischen Kreisen ztt suchen sind, auf der Spur. Die jüdische Bevölkerung in Elsaß-Lothringen. Den soeben veröffentlichten Ziffern der letzten Volkszählung ist zit entnehmen, daß die Zahl der jüdisehen Bevölkerung in Elsaß-Lothringen, die sich im Verlauf der letzten 60 Jahre dauernd verkleinert hat, seit 1926 wieder iln Ansteigen ist, was au׳f die Zuwanderung aus dem Osten zurückzuführen ist. Man zählte 1931 in Elsaß-Lothringen 28.323 jüdische Seelen gegen 26.125 im Jahre 1926. Im Jahre 1871 betrug die Zahl der jüdischen Seelen in Elsßn-Lothringen 40.812, das waren 2,64 Prozent der allgemeinen Bevölkerung. Heute ist der Prozentsatz der jüdischen Einwohnerschaft 1,5 Prozent. 30 Prozent der jüdischen!Einwohnerschaft!Elsaß-Lothringens, 8310 Seelen, .leben in Straßburg. Hier ist die Zahl der Juden ungeachtet ihres allgemeinen Niederganges in der Provinz dreimal so groß als im Jahre 1871. ln Metz leben 4147 jüdische Seelen. Bei einem Huligan-Ueberfall plötzlich erblindet. Im Warschauer jüdischen Wohnviertel passierte der folgende seltsame Fall: Einige Huligans überfielen einen jüdischen jungen Mann; dieser suchte Schutz in dem Erfrischungs-Kiosk des 43jährigen Chajim Altschuler. Die Huligans stürzten in den Kiosk und demolierten ihn. Vor Schreck verlor Altschuler gänzlich das Augenlicht und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Vertauschte Rollen. Wir entnehmen dem Hamburger ״Isr. Familienblatt“ die nachstehende Skizze: Der Kampf gegen G-tt ist ein. schwerer Kampf. Wenn man meint, ihn schon siegreich zu Ende geführt zu haben, dann überfällt einen der liebe G-tt aus dem Hinterhalt und demonstriert ad oculos, daß man sich doch über seine Kräfte getäuscht hat . . . Beweis: die letzte Nummer des ״Apikores“, der kommunistischen Kampfzeitschrift gegen den jüdischen G-tt. Sie beklagt sich über ein tragisches, wirklich tragisches Vorkommnis. Sie schildert, daß man eben mit aller Mühe den Juden das Beten und das Lernen, das Frommsein und das Festefeiern endgülig abgewöhnt hat und daß es G-tt sei Dank auch gelungen ist, Extrakolonien für solche ״befreite Juden“ in Biro-Bidschan zu errichten, daß man hoffen dürfte, dort G-tteskontrolle entzogene Siedlungsarbeit zu leisten ... In. der Tat gibt es da auch keinen Juden mehr, der noch Feste feiert und Tfillin legt lind Talmud lernt. Dafür aber gibt es plötzlich — — Christen, die das tun. Echte, unverfälschte Christen. Es sind russische Bauern, die schon seit langem nicht etwa nur, wie die Subotniki, den jüdischen Sabbat, sondern das gesamte jüdische Gesetz auf sich | genommen haben, und die sich schon seif Jahren darum bemühen, in ihnen adäquater jüdischer Umgebung zu leben. Als sie davon hörten, daß in Biro-Bidschan sich Juden ansiedeln, hat sich ihnen ein alter Wunschtraum verwirklicht, sie sind aüfgebrochen, um nun endlich einen richtigen Schochet.und eine richtige Synagoge zu | haben. Und sie sind gekommen und haben gesehen, daß Juden am Jom-Kippur wie an jedem anderen Tag aufs Feld gehen und pflügen, daß niemand an eine Synagoge und an einen Schochet denkt ... Es hat ihnen furchtbar. weh getan. Es war die Enttäuschung ihres Lebens. Und während draußen, in ihrem ״Jerusalem“, in der südlichen Kolonie, am Sabbat Motore rattern und Wagen übers Pflaster holpern, stehen drin rotbäckige, kleine Muschiks, hüllen sich in den Gebetmantel ,und weinen über Israel, das seinen G-tt verlassen hat. , Es ist, wie gesagt, eine Attacke des lieben G-tts aus dem Hinterhalt. Eben doch, scheinbar, ein schwerer Kampf, — der gegen den jüdischen G-tt. Bücher. 3ie Erlebnisse des Oberrabbiners Simon Spira-Wedeies in Prag (1640 bis 1679). Die Gesellschaft für Geschichte der Juden in der schec-hoslowakischen Republik hat es sich zur Aufgabe gestellt, das, was an historischen Quellen über das Leben Unserer Ahnen in den Archiven vergraben ruhte, wieder ns Licht zu bringen und für die Zukunft zu retten. Zieles ist schon unwiederbringlich verlorengegangen, her viel ist doch noch zu finden, wenn die kundige Hand es künftigen Forschers das anfangs Unentwirrbare zu 1-dnen und zu nützen weiß. Unter den Geschichskundigen, denen die Erhaltung ,ieses Erbes am Herzen liegt, befindet sich auch ein liemaliger Schüler der altberühmten Bratislavaer Jeschiwa nd Rabbinerseminars Berlin, der Bibliothekar der Prager ailtusgemeindebibliothek, Dr. Tobias Jakobövits. In einer gründlichen, wissenschaftlichen Weise legt er in em diesjährigen, vierten Jahrbuche der obgenannten iesellschaft die Prager Erlebnisse des Oberrabbiners pira Wedeies dar, die trotz der streng historischen Dartellung wie ein Roman anmuten. Wie ein getaufter Jude einen Haß gegen die von ihm wegen gekränkter Eitelqit Verlassene Kultusgemeinde in einer ungeheuerlichen nklage gegen deren geistliches Oberhaupt auseß und damit das Leben dieses allgemein geschätzten uhrers vergällte, wie die Behörden׳ sich dabei nicht Rat uißten, da der Prager Altstädter Richter auf die Verrteilung hinarbeitete, und der ganze Prozeß nach iederholter Inhaftnahme und Freilassung des Beschuh igten schließlich mit einem kläglichen ..Ausgleich nde.te, das alles gibt ein höchst unerfreuliches kulturistorisches Bild jener Zeit. Aus dem ganzen verlegenen [in und Her der Verhandlungen geht ziemlich klar herar, daß der odiose Ursprung der Beschuldigung den eteüigten kaum zweifelhaft war. und die Verherrlichung >s an der Pest Verstorbenen auf seinem Grabstein zeigt 1r Genüge, wie wenig der Angriff auf seine Ehre mm ' den Augen der Mitwelt geschadet hatte. - . Die Uebersetzung dieser Grabinschrift, die ein teressantes zeitgenössisches Dokument bildet, hat der bekannte Obmann und Primus der Prager Chewra Kadischa, Prof. Dr. S. Hugo Lieben, besorgt. Aber die geschichtliche Episode, welche Gegenstand der Abhandlung ist, ist lehrreich, indem sie beweist, wie wenig sich die Menschen im Kern verändert haben. - Wenn auch die Mittel mit fortschreitender Kultur eine Verfeinerung erfahren haben, im Grunde herrscht noch da und dort der gleiche Geist der Rachsucht und Gehässigkeit, der den Ruf und die Existenz von Mensehen nicht achtet, wenn es gilt, eigensüchtigen Bestrebungen zum Durchbruch zu verhelfen. Die Arbeit von Jaköbovitsch ist auch als Sonderabdruck aus dem Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der tschechoslowakischen Republik (IV. Jahrgang), Prag 1932, erschienen und den Schwiegereltern des Verfassers, dem Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Markus Petuchovsky, und dessen Gattin Rosa, gewidmet. Sie ist von urkundlichen Belegen — soweit sich welche allerdings erhalten haben — über die wichtigsten der in der Arbeit behandelten Vorgänge begleitet und mit einer größeren Anzahl von Anmerkungen versehen, die viel interessantes geschichtliches Material, namentlich über die dort genannten Persönlichkeiten, enthalten. Die geschichtliche Authentizität der Sensationelle Forschungsergebnisse englischer Expeditionen, Bei einem Presseempfang in London berichtete Sir Charles Mars ton über die neuesten Nachrichten, die er von den englischen archäologischen Expeditionen m Palästina, Aegypten und im Irak erhalten hat. Sie be^ ziehen sich hauptsächlich auf zeitgenössische Zeugnisse für die Vr-Einwanderung der Juden in Palästina, . In Tel el Amarna in Aegypten wurden neuerlich XontMein gefunden, die dringende Briefe enthalten. Sie stammen ,v$n den Statthaltern pMastinensisöher Städte und sind an deren Suzerän, den ägyptischen Pharao, gerichtet. Sie beschwören diesen, ihnen Soldaten una Kriegswagen zu schicken, um das Land gegen ein Heer von fremden Kriegern verteidigen zu können, die in diesen Briefen mit dem Namen ״Habiru“ 1bezeichnet werden. . Die Datierung dieser Briefe stimmt nun fast mit dem Datum überein, .das Prof. John Garstang, der Leiter der Marston-Archäologischen Expedition, für die Zerstörung Jerichos durch Josuah angibt. Man muß also, nach Meinung Sir Marstons und der übrigen mit diesen Forschungen befaßten ,Gelehrten, annehmen, daß es sich bei diesen fremden Kriegern um niemand anderen handelt, als um das Volk der Israeliten. Tafeln, auf denen der Name Habiru aufscheint, wurden auch in Babylonien gefunden, und Prof. Stephan Landon, der Leiter der Expedition des Qxford-Field Museums, der in Kisch in Babylonien arbeitet, hat die Identität der Habiru mit den Hebräern definitiv festgestellt. Gleichwohl darf man, wir Sir Marston sagt, nicht vergessen, daß es auch noch andere hebräische Stamme gegeben hat als die Israeliten, und daß diese Tontafeln darum nicht unbedingt den Israeliten zügeschoben werden dürfen, In Jericho selbst hat man intensive Nachforschungen begonnen, um womöglich auch dort solche Tafeln aufzufinden. , Zahlreiche ׳ andere Funde, hauptsächlich Tongefaße und Skarabäen, haben Prof. Garstang ermöglicht, das Datum der Erstürmung von Jericho endgültig mit׳ dem Jahr 1407 v. Ch. festzusetzen. ״ ' . ־ ״Dieses Datum ist besonders darum interessant — fphr Sir Marston in seinem Bericht fort — ״weil wir wissen, daß der Pharao des Auszugs aus Aegypten Amenhotep II. war, der nach der Datierung^durch Sir FUnders Petrie im Jahre 1447 v. Chr. auf den Thron kam. Diese 40 Jahre stimmen genau mit den 40 Jahren der Wanderschaft durch die Wüste überein. Während der Herrschaft Amcnhoteps III, zogen die Israeliten siegreich in Palästina ein. Er kam 1413 aut den Thron und hatte Akhenaton, den Häretiker, zum Nachfolger. Akhenaton bestieg den Thron■'m Jahre 1377 v, Chr. Dieser König scheint wohl viel zu sehr mit dem Bau seiner grpßen Stadt Tel el Amarna und der Gründung einer neuen Religion beschäftigt gewesen zu sein, als daß er sieh um m Pala* stina hätte kümmern können. Immerhin; die bewußten Tontafeln wurden in Tel el Amarna aufgefunden, so daß

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