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Jüdische Presse · 1932-05-27 · 21 (27.5.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
21 (27.5.1932)
Date
1932-05-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jahrs■ Die Teschuwo des Keren Kajemeth Seit Jahren beschäftigte , die Frage, ob die Einünfte des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth) von er Einkommensteuer zu befreien sind oder nicht, die nständigen Stellen in England. Nunmehr ist die Angegenheit vom Oberhaus in letzter Instanz entschieden orden. Der Einspruch des Keren Kajemeth wurde ostenpflichtig abgewiesen, da das Oberhaus-Gericht zu em Schlüsse kam, daß die unteren Instanzen im Rechte raren, als sie sich auf den Standpunkt stellten, daß im ׳alle des Jüdischen Nationalfonds das für eine Steuerreiheit maßgebende Motiv des religiösen oder karitativen Zweckes nicht in Betracht kommt. Nach Verkündigung des Urteils gab Lord Tomlin, er frühere Oberstrichter, als Vorsitzender eine Begrün-!ung des abweisenden Entscheids. In detaillierter Form egte er Gründung und Ziele des mit der zionistischen iewegung verbundenen Nationalfonds dar. Aus den tatuten sei zu ersehen, daß es das Ziel sei, Boden, Välder und andere Besitzrechte durch Kauf, Pacht, äusch usw. zu erwerben und auf ihnen Juden anzuiecleln. Weitere Ziele sind die Ausführung von Arbeiten;Gütlichen Interesses, Bergbau u. a.. Das Gebiet, das!ie Gesellschaft laut ihrem Statut in den Bereich ihrer Arbeit ziehen will, ist weit größer als das Gelobte Land, tif das die Genesis verweist; es umfaßt außer Palästina tich Syrien und andere Teile Asiens. Seitens des Anwalts .itae״ ins Treffen geführt, daß viele biblische Gebote ur im Gelobten Lande erfüllt werden könnten und daß ie Rückkehr ins Gelobte Land ein Kernstück der jüdi- Religion sei. Dies akzeptiert das Gericht durchaus, s rechtfertigt aber noch immer nicht den Anspruch auf Befreiung von Einkommensteuer, denn es ist nicht das Ziel der Gesellschaft, etwas zu tun, was an sich religiös sei. Es verlautet nun, daß der. Jüdische Nationalfonds entschlossen ist, sein Statut jetzt in einer Weise abzuändern, er >n Zukunft vor ähnlichen Schwierigkeiten bewahrt werde. Damit wird also eine unserer ältesten Forderungen erfüllt und niemand :könnte sich wohl mehr darüber freuen, daß der jüdische Nationalfonds, dessen breiteste Basis immer die Spenden der Armen, die oft hei religiösen Anlässen und in Synagogen gegeben werden und wurden, nunmehr auch in seiner Verwendung ganz offiziell zu einer religiösen Institution werden soll. Wir würden uns dieser Wandlung natürlich noch mehr freuen, wenn sie sich aus innerem .Bedürfnis und nicht nur zu dem ganz offen eingestandenen Zwecke vollzöge, aus dem religiösen Mäntelchen einen materiellen Vorteil zu ziehen. Leider ist es aber in jedem Falle. unmöglich, die ״Teschuwo“ des Keren Kajemeth zu begrüßen, wenn sie nur Schein und Blendwerk sein sollte, und kein einziger, der seit Jahren von orthodoxer Seite gerügten Beschwerdepunkte abgestellt würde, solange also nicht dieser Geist ein eines Keren Kajemeth Lejisroel einzig würdiger, ein von der Thora getragener religiöser Geist wird. Daß dem aber so werde, dazu könnte aber doch — und wir hoffen es —׳ der Umstand beitragen, daß den zionistischen Führers nunmehr klar, werden muß, daß. nicht nur auf religiös-jüdischer, sondern auch von nichtjüdischer Seite ein religiös orientierter Zionismus und als sein Instrument ein im selben Geiste geleiteter Nationalfonds mehr Anklang als bisher finden wird. Warum In die jüdische Schule? Wir eröffnen mit der folgenden Zuschrift aus ejem Elternkreise die Diskussion über die in unserem Vfrrwöchigen Leitartikel angeschnittene Frage. ״Warum in die jüdische Schule?“ Damit entledigen wir uns der publizistischen Pflicht, auch die gegnerischen 'Ansichten zu Wort kommen zu lassen, und behalten uns vor, auf alle Fragen und Einwenlangen in einem Schlußartikel zurückzukommen. & Sie haben in der letzten Nummer Ihres geschätzten ■■'tes in anerkennenswerter Offenheit die Frage bevJeit, warum das jüdische Kind in die jüdische Schule '-!öre, und namentlich eine Reihe von Gründen pro .׳!.gezählt, die an und für‘ sich in der Tat dazu ange-!־acht scheinen, die Wahl der thoratreuen Eltern zu-, unsten der jüdischen Schule zu beeinflussen. Sie werden iber, um ein wirklich objektives Urteil zu ermöglichen, loch nicht umhin können, zuzugeben, daß Sie die Gründe, ie gegen die jüdische Schule sprechen, etwas allzu iefmütterlich behandelten und sich nicht bemühten, die f׳i Einwände gegen die jüdische'Schule, die meist, und 1• auch von streng orthodoxen Eltern gegen die ••he Schule geltend gemacht werden, zu entkräften. Welche sind nun diese drei Haupteinwände?. Vor allem ist es natürlich der, daß in der ,jüdischen Schule .:die Disziplin nie so straff gehandhabt werde, wie in der allgemeinen, der städtischen Schule. Denn in dieser Schule *sieht der Schüler in dem Lehrer auch dann, wenn er ebenfalls Jude ist, den ersten Vertreter der Staatsgewalt, der ihm unnahbar dünkt. In der jüdischen Schule nun begreift das Kind, da es sich־ ja um eine Privatschule handelt, nur allzubald, daß der Lehrer vom Gelde seiner Eltern bezahlt wird, und es ist kein Wunder, daß dann auch bald eine gewisse Ungeniertheit, ein Sichgehenlassen sich einstellen muß, das in der öffentlichen Schule einfach undenkbar ist. Ein zweiter fürs Leben nicht minder wichtiger Faktor, der gegen die jüdische Schule spricht, ist der, daß die Sprache der jüdischen Kinder, wenn sie sich nur unter ihresgleichen in der Schule bewegen, nie jene Ab- Schleifung erfährt, die erforderlich ist, um die Einflüsse des elterlichen, oft aus der galizischen oder ungarischen Heimat mitgebrachten Dialekts zu paralysieren. Ohne dabei über diese dialektischen Eigenschaften ein Werturteil abgeben zu wollen, muß zugegeben werden, daß es für das Fortkommen des jüdischen Kindes von größter Bedeutung ist, daß cs im Getriebe der Großstadt nicht 1וצ -u.2ßauphcfau&.für finalen, ■und fflädcAeiL mdOfe/dß/Aktäsre/At //. Ulcdzgasse /6 » ein Fremdkörper bleibe, sondern daß schon in der frühesten Kindheit seine möglichst restlose Einordnung angebahnt werde. Und schließlich kommt noch ein dritter Einwand, in Betracht, der heute nicht genug gewürdigt werden kann. Die jüdische Schule muß nicht nur Schulgeld verlangen. Kein Mensch wird ihr gutes Recht dazu in Abrede stellen wollen. Allein mit dem Schulgeld allein ist noch lang nicht alles getan. Jedes Heft, jede Feder muß gekauft werden und schließlich macht das im Laufe des Jahres eine ganz nette Summe aus, die beim Besuch der öffentlichen Schule ganz einfach wegfällt. Können Sie nun mir — und gleich mir fragen wohl viele thoratreue Eltern in Wien — auf alle diese Fragen und Einwände antworten? Nur dann, wenn es Ihnen wirklich gelingt, mich davon zu überzeugen, daß meine Einwände unstichhältig sind, können Sie meine prinzipiell günstige Stellung der jüdischen Schule gegenüber dahin beeinflussen, daß auch ich mich entschlösse, mein Kind in die ■jüdische Schule einschreiben zu lassen. Ein Vater. HOMIX L E B E N SVERS ICHER UN GS■ G E S E L L S CH A FT Rabbiner Di*. Altmanii: ״Vom jüdischen Optimis׳• nuts“. Die 48. Generalversammlung des Israelitischen Frauen-Unterstützungs-Vcreins, E. V.,--Berlin, die am 5. Mai 1952 im ׳Lagenhaus Kleiststrafie stattfand, war ausgezeichnet besucht, viele Vertreter von Organisationen und der Presse hatten sich eingef unclen.-.Nach Erledigung der Tagesordnung, die den Tätigkeitsbericht über das abg־elaufene Vereinsjalir, den Kassenbericht — der trotz der Ungunst der Verhältnisse leidlich ■gut ausfiel י— und Neuwahlen enthielt, sprach Rabbiner Dr. Altmann- Berlin über das Thema ״Vom jüdischen Optimismus“. Dr. Altmann fürchtet, auf Widerstand in diesen schweren Zeiten zu stoßen, wenn er dem Optimismus Geltung verschafft. Er ׳hält ihn jedoch für unbedingt nötig, um die Krise zu überwinden. Er charakterisiert Schopenhauer als den Repräsentanten des Pessimismus, und Leibniz als den Künder der optimistischen Weltanschauuug. Dr. Altmann unterscheidet von jeder Richtung drei Arten: erstens den Pessimismus der Gleichgültigkeit (es wird doch nicht besser), zweitens den Angst- Pessimismus (wer weiß, wie lange es gut geht), und den Pessimismus der Unsinnigkeit (das Dasein hat überhaupt, keinen ׳Sinn). Demgegenüber stellt ׳Leibniz die Lehre des Optimismus auf. Dr. Altmann unterscheidet auch , hier den Optimismus der Gleichgültigkeit (es wird schon weiter gut gehen), zweitens den Angst-Optimismus, der stark den Egoismus ausdrückt (wenn mir selbst nur nichts passiert, so bin ich zufrieden), und drittens den Optimismus des Vertrauens (wie es eben kommt, so kommt es). — Dr. Altmann stellt dann die philosophische Auffassung der verschiedenen Religionen einander gegenüber. Der Buddhismus ist der Typus des Pessimisnius. Auch das Christentum .neigt ganz stark hierzu. — Die jüdische Religion ist in der Bibel mul in den übrigen Schriften, (besonders in dem Talmud, ׳von.hochstein. Optimismus erfüllt, der auf aufrichtiger Gläubig•- keit basiert. Das Vertrauen auf Gott, der alles zum Guten wendet, ist die ׳Grundlage des wahren Optimismus, Gott hat das Leid den Menschen zugefügt,, um sie ethisch zu erziehen und zu läutern. In der!Hilfe an unseren Nebenmenschen, der sozialen Tat, zeigt sich eben der wahre Optimismus,.der Glaube au das Gute. WM Modernste BrautperQcken der weltbekannten PerUckenwerksfötte irJrJCärntnerring 6 (a;Ä?n.urS!V.) Tel. U-47-1-16 litlstiilSlS!

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