Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 12 (25.3.1932)
- Date
- 1932-03-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 jmmmpmm Ä;S der Ftamnhilfe der Adas Jisroel Dienstag, den 29. März» im (5a!4 Öeütsch, It, Hetmifteitgasse iö, gereicht von Ff an Rosa Hönigsbeh Die Zahl der Konfessionslosen in Erejt jisroel, Bekanntlich hat es in der ganzen Weit großes Aufsehen erregt, daß bei der letzten Volkszählung im Heiligen Land nicht weniger als 10.000 -Personen sich als ^.religionslos“ in die Listen einzeichneten. Auch die. zionistisebe Presse hatte angenommen, daß er sich hiebei fast gänzlich um jüdische Freidenker handle. Durch ■eine Anfrage des Oberrabbihers von Irland, Dr. Herzog in Dublin, beim Colonial Office ist nunmehr festgestellt ־worden, daß hier ein Irrtum vorliegt, Von den 10.000 ..Religionslosen“ sind nicht weniger als 8000 Drusen, die nur keiner der bekannten Religionen angeboren und deshalb in die Rubrik für Konfessionslose geraten sind. Die Gerechtigkeit gebietet, dies vor ־ der Oeffeiitlichkeit festzustellen. Amtliche Verlautbarungen der israel. Kultusgemeinde Wien. Unter Aufsicht des ehrw. Rabbinats der israelitisehen Kultusgemeinde (Rösch Beth Din Josef Babad) stehen derzeit: 1. S e 1 c 11 w a r e n f ab r i k Meier Brückner & Co., II., tm Werd 11. 2. Au s w a r t i ge G e f 1 ü g e l s c h e e hi t a h: a) Fellner, Schönf e 1 d & S t c i n b e r g, IL, Haidgasse 7: b) G o 1 d b e r g & Hundert. II., Taborstfaßc *58. 5. Wcinkellereiett: Markus Bartfeld, II., Sebastian-Kneipp- Gasse 5. Josef und Nathan Spindel, II., bchrotzberggassc l. Gustav W i 1 d e r, IV., Rainergassc 31. 4. ,Rest a u raut: Aron B arscluk, IL, Große Schiffgasse 3. 5. S c 11 o k o i a d e - E r z e u g u n g: Moritz Int rate 1\ XH., Guudenzdorfergiirtel 43. Für alle anderen Betriebe, die nicht die Aufschrift ״Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinats der israelitischen Kultusgemeinde Wien“ tragen, übernimmt das Rabbinnt — auch wenn diese Betriebe eine Tafel mit der Be- Zeichnung ״Koscher“ führen — keinerlei Verantwortung in ritueller Beziehung und es werden die Gemeindemitglieder auf diesen Umstand besonders aufmerksam gemacht. — Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 25. März 195 2, werden bei dem um 6 Uhr 10 Minuten beginnenden Äbendgottesdienst in nachbetiannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehaltett, nnd zwar: II״ Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Dr. Z. Taubes); III״ Untere Viaduktgasse 13 (Rabbiher Prof, Dr, K. Kupfer): V., SiebenbrUnnengasse la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VL Schmaizhofgasse 5 (Rabbiner Dr. I. Dfobinsky); VIII״ Nendeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. I. M. Bach); XX״ Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr, B. Murmelstein). — Exegetisehe Vorträge: Samstag, den 26. Mörz 1932 (beim Vormittagsgottesdienst): XVIII״ Schopenhauerstraße 59 (Rabbiner Dr. D. Fenchtwang): XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein), — Beim Nachmittagsgotte s d i e n s t: X11L, Eitelberggasse 22 (Rabbiner Dr, M. Lewin). — Midraschvortrag: IL, Pazmanitengasse 6. halb 4 Uhr nachmittags (Rabbiner Dr. Z. Taubes). Jugendgottesdienst Samstag, den 26. März 1932» findet um 3 Uhr nachmittags dCr Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Konkursausschreibung Im Spital der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, XVlII., Währinger Gürtel 97, gelangt an der medizinischen Abteilung eine A s s i s t e n t e n s t el 1 e zur Besetzung. Zur Anstellung sind erforderlich: Die österreichische Staatsbürgerschaft, lediger Stand, die Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde in der׳ Österreich!- sehen Republik, die körperliche Eignung (nachgewiesen durch ein von einem der Vorstände der medizinischen Abteilung des eigenen Spitales ausgestelltes Zeugnis) und ein Alter von unter 35 Jahren. Mit der Stelle ist nebst dem in der Besoldungsordnung für die Abteilungsärzte des Spitales der Israelitischen Kultusgemeinde Wien fixierten Barbezug die Benützung einer m Ö bliertcn Natural wohnung samt Bel euchtung, Beheizung und Bedienung sowie die volle Verköstigung verbunden. Für letztere werden die Eigenkosten von dem Monatsbezug in Abzug gebracht, wobei der Abzug ein Viertel der Bezüge nicht überschreitet. Mit clen Personaldokumenten (Geburtsschein, Heimatschein, Diplom, Nachweis der Zugehörigkeit zum Judentum, Zeugnisse über die bisherige fachliche Verwendung) belegte Gesuche sind an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, bis längstens 15. A p r i 1 1932, 12 Uhr mittags, zu überreichen. Anläßlich des פס ה vztgHsm Sie ufeht auf den altbewährten, verläßlich koscheren AECHT FRANC« KAFFEE, der mit dem Namen Franck und der Kaffeemühle auf dem Kistei. in einzigartiger, stets gleichmäßig guter Qualität hergestellt und dessen Verläßlichkeit von Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner SIMON SCHREIBER aus Erlau in seinem Hechscher bestätigt wird. Den FRANCK KAFFEE kann nicht nur für P e ß a c h, sondern auch das ganze Jahr hindurch jeder Israelit ganz beruhigt ohne das geringste Bedenken genießen, weil die Erzeugung verläßlich כשר unter ständiger Aufsicht frommer, verläßlicher Maschgichim geschieht. Die Hausfrauen wissen seine Vorzüge zu schätzen und immer größer wird die Zahl seiner Anhänger. Ts chechosl o w akei Ein erschütterndes Bekenntnis. Seit einem Jahrzehnt werden wir nicht müde, '.Führern‘ und Geführten der karpathorussischen Gemeiuden in allen zulässigen Tonarten die furchtbare geistige und seelische Notlage, in der sich ihre Jugend infolge der dort herrschenden Richtungslosigkeit hefindet, vor Augen zu führen. Wir machten uns zum Sprachrohr all derer, denen der Jammer einer an sich gutjüdischen, aber der vollständigen geistigen, religiösen und moralischen Verwahrlosung anheimgefallenen Bevülker.ungsschicht nahegeht. Wir beten und flehen um Erbarmen für eine Jugend, die zwar schwer gef ährdet, aber noch nicht verheert war und auch heute noch ganz unser bleiben könnte, wenn man sich zu •ernsten Taten entschließen und die richtigen Mittel anwenden würde, um sie bei den, Idealen des Thorajudentums im Sinne selbstbewußter, zielsicherer, organisierter Orthodoxie zu erhalten. Aber auf unseren Ruf hörten nur diejenigen, die ohnmächtig dastanden, und so sehr vom Geist wahrer יראת ד׳ erfüllt waren, -daß sie beim Gedanken zauderten, den Rettungsanker •ohne Vorant 1• i11 der Führer oder gar geg'e'ni-hren Willen zu ergreifen. Die Folge davon war, daß nun- 3nelir auch der letzte Rest!:orthodoxer Jugend durch die;absolute Untätigkeit der Verantwortlichen‘ bedroht ist. Es muß um diese Jugend schon entsetzlich schlimm bestellt sein, wenn sich jetzt schon sogar das Organ des Munkacser Oberra'bbiners, die in Munkaes erscheinende ״Jüdische Zeit .1111 g“, zu einem Selbstbekenntnis entschließen muß, wie wir es uns erschütternder nicht vorzustellen vermögen. In ihrer Besprechung der Sevljuger Konferenz vom 5. Adar XI, über die wir in unserer jüngsten Nummer berichteten, entringt sich rer Redaktion dieser Zeitung ein Aufschrei, so deutlich und so an die jüdische4 Seele greifend, daß wir wünschten, er möchte von allen thoratreuen Juden des. ganzen Erdenrundes gehört werden, zu denen der Sammelruf der גדולי חתורח והיראה die an der Spitze der Äg u das Jisroel stehen, noch nicht gedrungen ist, und daß er vor allem die erwachende Selbstbesinnung der karpathorussischen orthodoxen Judenschaft zu planmäßigen, gerade gerichteten und ehrliehen Entschlüssen verdichten lassen möge. Die ״Jüdische Zeitung“, von der wir erst vor kurzem berichten konnten, daß sie sich auch in der brennenden Frage der orthodoxen Mädchene r zi eh uu!g im wesentlichen zu unserem agndistischen programmatischen Standpunkte bekennt, erkennt nunmehr auch die allgemeine Lage der Jugend und die von uns betonten Befürchtungen für das orthodoxe Judentun» in Podkarpatska Rus im gleichen Sinne, wenn sie1 in ihrer Nummer 13 vom letzten Freitag folgendes schreibt:- .. ״Wir als Organ der Orthodoxie, die wir die;brennende Frage schon Jahre lang verfolgen, finden uns verpflichtet, . den רבנים und בעלי״בתים jetzt einige Worte zu sagen: Ihr sollt wissen, daß unsere Jugend im Laufe der zehn Jahre von der Orthodoxie vollständig abgerissen wurde. Ihr sollt wissen, daß unser karpathorussisches Gebiet während der zehn Jahre von einer Abfallatmosphäre beherrscht war. Die Zügellosigkeit und die religiöse Gleichgültigkeit wachsen von Tag zu Tag und richten furchtbare Verwüstungen an. Alles dies geschieht, weil unser Gebiet gleich den ערי ל ט p D, offenes ״Freiland“ ist. Alle epikorsisehen Agitatoren haben hier freien Zutritt. Sollte das G. b. auch nur noch kurze Zeit anliaiten, so ist die kommende jüdische Generation gänzlich reformiert. Es ist daher bei einer so brennenden religiöse Fragen nicht an der, Zeit, Politik, und Eigensinn zu treiben. Die einzige Rettung für unsere kommende Generation kann nur sein, wenn wir gesunde Gemeinden mit einer streng organisierten Kanzlei haben werden. Dann wird es׳ uns mit der Macht der Einigkeit möglich sein, allen antireligiösen Strömungen genügenden Widerstand zu leisten. Das ist für den ־ Bestand der ^Orthodoxie eine Lebensnotwendigkeit.“ Das schreibt das Organ des Munkacser Oberrabbiners. Wir aber fügen hinzu: Was ihr da sagt, ist Wah r heit, traurige, bittere, herzzerreißende, niederschmetternde Wahrheit. Aber noch nicht die volle Wahrheit,! Die ganze und volle Wahrheit werdet ihr sagen, wenn ihr erst ein’bekennt, daß es mit einer Kanzlei allein noch lange nicht getan ist, daß ihr ״gesunde Gemeinden“ und eine auf der ganzen Linie im Dienste! der uneingeschränkten. Thoratreue ״streng organisierte!Kanzlei“ nur haben könnt, wenn in den Menschen ׳ein lebendiger Geist wohnt, wenn eine das ganze jüdische öffentliche Leben beherrschende, positiv gerichtete, thoratreue .•.Gesinnung in den Seelen und den Herzen wach ist, mit einem Worte, wenn an die jStelie vqn «Pplitik. und ]Eigensinn“ ein freimütiger, ehrlicher, nach Gemeinschaft, Einigkeit und Gemeinsam;׳ keit strebender und aut zielbewußte Taten hindrängen-* der Anschluß an Agndas Jisroel tritt. Forscht den. wahre» Ursachen und den tieferen ׳Gründen des Verfalls nach?wnd brecht der ganzen Wahrheit, der Wahrheit des orthodoxen 5לל’׳®ראל e*we I Gasse! ' I. I. B. Die Nothilfeaktion. Das von der orthodoxen LandeskanzleÜ in Bratislava au die Gemeinden versandte Rundschreiben zur Einleitung von Sammlungen zur Nothilfe für die Ginnbensgenossen in den karpathorussischen Gemeinden wirkt sich, unseren Informationen nach, allenthalben gut aus. Die Sammlung von Geldbeträgen und Kleiduugsstücken ist in vollem Zuge. Bei der zentralen Kassastclle dieser Nothilfe-Aktion (Adresse: Orth.-isr. Kultusgemeinde,. Bratislava — Postscheckkonto Praha 56787 — mit dem Vermerk ״Nothilfe für P. K. R.“) sind bereits die ersten Resultate der Aktion eingelaufen. Aus verschiedenen karpathorussischen Gemeinden erhalten wir Zuschriften mit dem Wunsche um Veröffentliehung. In diesen werden zahlreiche Einzelheiten arid Daten über den Umfang der Not mitgeteilt. Mehrfach werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß nicht nur in der Verchovina, sondern auch und dazu noch ganz besonders in den Gemeinden des Marmarosch, breite jüdische Volksmassen von der Not betroffen sind. Einzelne, uns bekannte Persönlichkeiten bieten sieh als freiwillige Mitarbeiter an. Wb* können Raummangels wegen diese Zuschriften nicht veröffentlichen, leiten sie aber an das Hilfskomitee der orthodoxen Gemeinden. Wichtige Entscheidung des Obersten Verwaltungs« gerichtsliofes in ,Prag betreffend Pessach. In den letzten Jahreu wurde von verschiedenen Seiten der Versuch gemacht, in das Aus sch ließ- Fr c I1.k ei t s r e ch t der K u 11 u׳s g epi qi 11d e n ü 11 f׳ LDe r s)t ©11 u n g vo n rituellen B>cd a r f s a r t i k e 1 n, wie Mazzos, Fleisch usw., und die Versorgung der, Gemeinden mit diesen, eine!Bresche ׳zu schlagen. Man versuchte Mazzos in Verkehr zu bringen und berief sich hiebei auf das neue( ]tschechoslowakische Ge\ve1:begesetz, indem sie behaupteten, daß; dipsqs Gesotz das Prinzip des vollkommen freien Handels garantiere und alle früheren Gesetze, respektive Verordnungen, welche das Ausschließlichkeitsrecht der Kultusgemeinden schützen, außer Kraft •setze. Die Frage kam nach Erschöpfung aller Instanzenwege, bei welchen auch immer zugunsten der Kultusgemeinden entschieden wurde, zum Obersten Verwaltungsgerichtshof in Prag, wo diesbezüglich am 1. März 1932 eine öffentliche mündliehe Verhandlung stattfand, .und am 19. März das Urteil verkündet wurde. Der Oberste V'erwaltungsgerichtshof spricht in seiner Entscheidung aus, daß alle früheren S c 11 u t z v e r 0rd n u n g e n in voller Kraft seien und daß es eine nach ׳diesen Verordnungen strenge zu strafende Handlung, sei, wenn jemand, ohne hiezu von der kompetenten Kultusgemeinde bevollmächtigt zu sein, rituelle Bedarfsartikel, wie Mazzos, Koscherfleisch usw., erzeugen läßt oder in Verkehr bringt, ohne Rücksicht darauf, ob er dies für den Bedarf von Gemeindemitgliedern oder zu anderen Zwecken tut. ׳Im Urteil wird weiters ausgesprochen, daß das neue tschechoslowakische Gewerbegesetz in bezug auf den Handel Freiheiten nur insoweit gewährt, als keine sie einschränkenden positiven Normen vorhanden ■sind. Wiiewohl es sich im konkreten Prpzeß uni einen Falj äüs der Podkarpatska Rüs handelte, sahen sich die führenden Kreise der slowakischen Orthodoxie wegen des, prinzipiellen Charakters der Frage und weil eine ungünstige Entscheidung die gesamte materiejle. Basis der Kultusgemeinden gefährdet hätte, veranlaßt, bei den höchsten Regierungsstellen׳' Vorstellig zu werdep ünn dahinzuwirken, daß sich jene Regierungsstellen, die von der Frage tangiert waren, bei der mündlichen Yer1׳ handlnng offiziell vertreten lassen. Vor Wochen erschieu zu diesem Behnfe in Prag eine Deputation der Herren Oberrabbiner Akibah Schreiber, Bratislava, als Objnaun; des Landesrnbbinerkomitees; ־ Vizepräses 17262038