Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 4 (29.1.1932)
- Date
- 1932-01-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Slonim 1× ep/1000502
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Seite 2 lUDIscHfc HNESSI- .. .i * VILLA EUGENIA :> Alter Komföft, äöüfllger, größer Gärten : Beste Verpflegung Mäßige Preise | i >*if**ti1tf1eeü«ü1t(i>tiiti*t1iiti<—if—ttiftil Dabei betonte ׳ Df!; Älbrecht, daß Aerzte und Wissen« schaftlet sieh bei der Beurteilung des Schächtens nicht einig seien. Stadtverordneter Rebholz (Sozialist) ersuchte das Plenum» den Ausschußantrag, der von Preußen ein Schächtverbot verlangt, nicht anzunehmen. Es fehle ein# wandfreies Material zur Beurteilung der Frage. Die Schächtfrage sei nicht auf dem Verbotswege zu regeln. Es sei erstaunlich, was die Nationalsozialisten für eine Sorge um die ,Piere entwickeln, da sie doch gerne ״Köpfe rollen ließen“. Der Mensch wiege bei ihnen anscheinend weniger als das Tier. Der Ausschußantrag wird vom Plenum abgelchnt. Die polnische Rabbincrkonferenz. Tn der dritten Sitzung der Konferenz des polnisehen Rabbinerverbandes referierte Rabbi Fein aus Slonirn über die Lage der Jeschiwoth (Talmud-Hochschulen) und teilte mit, daß der Jeschiwoth-Rat für die Wilna-Provinz 17 große und 34 kleine Jeschiwoth mit insgesamt'5000 Hörern betreut. Ein Teil der Jeschiwoth befindet sich, gleichsam als Festungen gegen den Ansturm der G-ttlosigkeit, an der sowjetrussischen Grenze. In Kongreßpolen gibt es 30 große und kleine Jeschiwoth, die finanziell notleidend sind und wo die Schüler hungern müssen. Der Rabbinerverband müsse es durchsetzen, daß jede jüdische Gemeinde einen Posten für Jeschiwoth in ihr Budget einstellt. Rabbi Kossowski aus Wolkowysk referierte über die Lage der Gemeinden in den Ostgebieten. Rabbi •Kalmanpwicz schilderte in einem Korreferat die verzweifelte Lage der Jeschiwoth und bcantragte, daß die Rabbinerkonferenz an das Joint Distribution Committee und an das Central Relief Committee appellieren solle, daß diese die Jeschiwoth unterstützen. Rabbi Myszkowski referierte über Maßnahmen zur Festigung des religiösen Lebens und appellierte an das Judentum Polens, einmütig und energisch das Zwangssonntagsruhegesetz, das die Sabbathaltung er- ,schwert, zu bekämpfen. Der Referent wandte sich scharf gegen das von der Regierung geplante Ziviltrauungsgesetz, welches die religiöse Trauung als nicht obligatorisch erklärt. ■ In der vierten Sitzung referierten mehrere Provinzrabbiner über den materiellen und geistigen Ruin des polnischen Judentums und forderten die Veröffentlichung eines Appells an jüdische Industrielle und andere Arbeitgeber,/ jüdische Arbeiter zu beschäftigen., Rabbi Lewin sprach über das Ueberhandnehmen von Selbstmorden als Folge des materiellen Ruins und des Sinkens der religiösen M,oraL und forderte das 'polnische ‘Judentum!zu Einigkeit und/gegenseitiger Hilfe auf. Die fünfte und die sechste Sitzung der Konferenz, des polnischen Rabbiner-Verbandes war der Aussprache über die Referate• und den Berichten über die Lage in der Provinz gewidmet. Ein Provinzrabbiner, klagte über mangelnde rabbinische Autorität und forderte Polizeirechte für den Rabbiner. Andere Delegierte traten dieser Forderung entgegen und meinten, die Macht des Rabbiners müsse sich in seiner moralischen Autorität er- * schöpfen. Rabbi Sorozkin aus . Stolbce schilderte die unbesclireiblichen moralischen und materiellen Leiden der Rabbiner in Sowjetrußland, wo kein Rabbiner aus seinem Rabbineramt irgend ein Einkommen beziehen darf. Entschließungen der polnischen Rabbinerkonferenz. Unter dem Vorsitz von Rabbi Lewin hielt die Konferenz des polnischen Rabbinerverbandes am Freitag^ ihre Schlußsitzung ab, Rabbi Kahana wies in einem Referat auf die verzweifelte Lage der in Polen lebenden etwa 2000 Agunoth (Frauen, deren Männer im Kriege oder sonstwie verschollen sind) und forderte eine energisehe Aktion der Rabbiner in der ganzen Welt zur Erlösung der Agunoth. Bis jetzt war man in der Lage, 300 Agunoth die Erlaubnis zur Wiederverheiratung zu geben. Auf Antrag von Rabbi Kalmanowicz wurde beschlossen, eine Aktion für Sendung von Lebensmittelpaketen an gesetzestreue Juden in Rußland einzuleiten. Die Konferenz nahm eine Entschließung an, in der gegen das Zwangssonntagsruhegesetz protestiert und ausgeführt wird, dieses Gesetz stelle einen Angriff auf die jüdische Lehre dar und untergrabe das geistige und ökonomische Leben der Juden. Der Sabbat sei die Grundläge der jüdischen Religion, und das jüdische Volk wird nie vom Sabbat lassen. Das Zwangssonntagsruhegesetz ä Gegründet 1882 . Gegründet 1882 g | Lebensversicherungs-Gesellschaft | i 99 | Direktion: Wien, I, Riemerg. 2 | * ' . . 2560 Millionen Schilling | 150 Millionen Schilling g 1930 . .... 378 Millionen Scbiiling | 1930 35,5 ־־"■; Scfti00 | Tätigkeitsgebiet: | Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische § Republik, 'Belgiep, Holland, Frankreich, Spanien, m Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen-!and, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis 1 und Aegypten § MIHI! widerspreche auch der Verfassung, die allen Bürgern religiöse Freiheit garantier«. Die Rabbinerfconferenz wende sich an die Regierung mit der dringenden Forderung, sofort eine Novelle 2um Sonntagsruhegeset« auszuarbeiten, der gemäß Juden, die den Sabbat haften, an . Sonntagen ihrer Beschäftigung nachgehen dürfen. In einer weiteren Entschließung Wird an die jüdisehen Industriellen appelliert, sabbathaltende jüdische Arbeiter zu beschäftigen. ׳ Die Rabbiner-Konferenz sprach sich scharf gegen die Einführung des Ziviltfaüungsgesetzes, das^ einen Angriff gegen die jüdische Moral und die Reinheit des jüdisehen Familienlebens, darstellt» aus. Es wurde ferner , ein Entschluß angenommen, daß orthodoxe Eltern ihre Kinder in die weltlichen jiddischen Schulen, in die ־ Tarbuthschulen und andere Schulen, die ausgesprochen religiös sind, nicht schicken dürfen. Die Rabbiner-Konferenz protestierte gegen die Schließung der Tore Palästinas vor jüdischer Einwanderung. 40 Rabbiner mit Rabbi Chaim Oser Grodzinski (Wilna) an der Spitze wurden in den Rat des Rabbinerverbandes entsandt. Der Rat wählte eine elfgliedrige Exekutive. Mit Schlußansprachen der Rabbiner von Rzeszow und Slonim ging die Konferenz zu Ende. 1@| RflCHRlCHTER |0| Fünf-Ulir-Tee der Frauenhilfe der Adnss Jisroel. Der nächste Tee wird am Dienstag» den 2. Februar, bei Frau Sari M a y e r, II., Praterstraße 43, gereicht. Ein hnkenkreuzlerisches Bubenstück. Ein Teil der Front des der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gehörigen Tempelgebäudes in Wien, XVIIL, Scliopenhancrstraße 39. ist in der Nacht vom 17. auf den 18. Jänner d. J. mit Oelfarbe beschmiert und mit den Worten ״Juda verrecke“ ׳beschrieben worden. Durch die iGebäudeverwaUung der Kultusgemeinde ■wurde die Ucbertünch,ung des betreffenden Frontteiles veranlaßt. Der Vorstand der!israelitischen 'Kultusgemeinde Wien hat diesen Tatbestand der *Bu nd cs p o 1 i z ei di r ek t io 1 ו Wien mit dem ■Ersuchen zur Anzeige gebracht, eingehende Erhebungen zu veranlassen, um solchen, eine Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft und .Beschädigungen des Eigentums der Kultusgemeinde invotierenden Handlungen, vovzuheugen. Gesellschaftsreise nach Erez Jisroel. In eineinhalb Monaten, im Anfang des zweiten Adar-Monats, beginnt in. G. M. die von der Palästina-Zentrale der Agudas Jis rocl inaiigu iviertc Ge .sei Isclia f t s r eise nach Erez Jisroel, nachdem sich bereits eine genügende Anzahl von Teilnehmern aus Deutschland, Polen, *Ru-!minien, Schweiz, Ungarn ,und Oesterreich gemeldet hat. Anmeldungen (bis spätestens 10. Februar) und Auskünfte bei der Palästina-Zentrale, Wich, 11., Leopoldsgasse 16, Telephon A-48-4-15. Erste jüdische Selbsthilfe für seelisch Notleidende. Dienstag, den 19.1> ־. M., ■hat sich unter diesem Titel unter Führung dcs!'Rabbiners D1\ Zwi Taubes .und der *Mitwirkung vieler führender Persönlichkeiten des jüdischen *Wien .eine. ,Vereinigung gegründet, die seelisch bedrängten Juden •in allen Lebenslagen selbstlos mit Rat und Tat bcizustcheu beabsichtigt. Die neue Vereinigimg, die Montag!bis׳ Donnerstag von 6!bis 8 Uhr abends, TL, Pazmanitenigasse 6, Tc.lepbon R-47-8-63, zu erreichen :ist, •appelliert an alle Schichten der jüdischen Bevölkerung um ihre Mitarbeit. Ost jüdische Konferenz der Agudas Jisroel in Berlin. Am letzten Sonntag und Montag hielten die deutsche Landesorganisation der Agudas Jisroel und die deutsche Keren-Hathora-Zentrale in der Aula des Realgymnasiums im Siegmundshof zu Berlin eine Beratung über die religiöse Zukunft des ostjüdischen Nachwuchses in Deutschland ab, die von zahlreichen Delegierten beschickt war. Der Vorsitzende, Oberrabbiner Dr. Spitzer, Hamburg, erklärte, die religiöse Entwicklung der Ostjuden in Deutschland sei eine Lebensfrage für das ganze gesetzestreue deutsche Judentum. Der Präsident, der Weltorganisation Agudas Jisroel Jakob R'osenheim, Frankfurt a. M., und Dr., Leo Deutschländer begrüßten Oberrabbiner Dr. Spitzer anläßlich seines 60. Geburtstages namens der Zentralleitungen der Agudas Jisroel und des Keren Hathora, Dr. Deutschländer machte Mitteilung von der Errichtung einer Oberrabbiner Doktor- Spitzer-Jubiläumsstiftung/ Die Konferenz begrüßte die in Essen beschlossene Gründung einer Agudas-horabbonim in Rheinland-Westfalen als geeignete Maßregel zur Erhaltung und Verbesserung der Institutionen des Kaschruth, der Taharas hamischpocho und des Chinuch in den ostjüdischen Kreisen. Sie ersucht den Vorstand der deutschen Landesorgänisation der Agudas Jisroel, in diesem Sinne bei den beteiligten gesetzestreuen Rabbinerverbänden vorstellig zu werden. Zur Gewinnung der dstjüdischen Schuljugend sowie der schulentlassenen Jugend für die Ideale des gesetzestreuen Judentums sollen in Rheinland-Westfalen a) Keren-Hathora-Schülergruppen, b) Keren-Hathora- Jugendgruppen,1 c) Bes - Jakob ־,Schülerinnengruppen, d) Bes-Jakob-Mjädchengruppen ins Leben gerufen werden. Die Wahl dieser Namen soll einerseits die religiös-weitanschauliche Grundlage dieser Organisationen zu eindeutigem Ausdruck bringen, andererseits ihren durchaus unpolitischen Charakter , dokumentieren. Die Gruppen unterstehen der organisatorischen Leitung der deutschen Keren-Hathora-Zentrale unter Mitwirkung der Agudashorabbonim. Die Gruppen zu,.b) und d) sollen auch soziale Arbeit leisten. Die Konferenz richtet an die dem Keren-Hathora nahestehenden chassidisehen Führer des Ostens den Appell, ihre Anhänger in Rheinland-Westfalen zur tatkräftigen Förderung der: Keren Hathora und Bes-Jakob- Schüler- und -Jugendgruppen zu ermuntern. Vortrag über die osteuropäischen Jeschiwoth in Berlin, An der Berliner ׳״Hochschule für die Wissenschaft des Judentums•‘, aus der bekanntlich die meisten Rabbiner der R}eformgemeinden hervorgehen, hält am 1$. Februar der Sekretär des ״Hilfsvereins der deutschen Juden“ Dr. Mark Wischnit'zer einen Vortrag über das Thema ,,Moderne Entwicklung in den osteuropäischen Jeschiwoth“. Da der Hilfsverein der deutschen Juden durch das Testament Prof,; Ha Hk ins auch mit der Verwaltung des von ihm zur Unterstützung der ׳ osteuropäischen jeschiwoth hinter’j lassenen großen Legats betraut ist, dürfte es weiten jüdischeu־ Kreisen von Interesse sein, was * ein leitender! Beamter des HUfsvereins über;,moderne Entwicklung‘ * der Jeschiwoth zu sagen hat, (jtesfretfe. Alts Nögtüd-Rerezel (Ungarn) schreibt mail uns=’ Atn vergangenen ־ש3חלן11״ש weilte liier zu Besuch unseres« Herrn OberrablHuersR^i^^ein -SchwageiyHen• RabbimifekaiKlklat .Mi»«;0.\ Jtt.iÄgfrisz a-üs KosiCze. Del־ Bitten des Gemeintlevatstämles tiäfchgebeiid, hielt ׳er in der neuerbauten Synagoge eine einstümlige Drösche. die allgemeinen, großen Beifall erntete. Ifiinerjüdische Fragen vor dem polnischen Sejm, Nach den, großen Niederlagen, welche die Zionisten in den verschiedenen Großgemeinden gegenüber־• den Orthodoxen erlitten haben, ist es begreiflich, wenn auch nicht verzeihlich, daß sie durch einen Abgeordneten dm Sejm vor der großen nicht jüdischen Oeffentliehkeit die Agmla-Orthodoxie angreifen lassen. Herr Grünbaum, dieser alte Hasser der Orthodoxte, greift den ׳polnischen Untcrrichtsminister heftig am!weil derselbe sich allen ״gerechten“ (sage zionistischen) Schulforderungen gegenüber negativ verhält und nur auf das hört, was die A g.nda-O r th 0-, doxtic ihm sagt. Auf diese Angriffe Grünbaitrns, dem die Abgeordneten!Rosmarin und Sommerstein •.getreulich sekundierten, erwiderte der agndistisohe Abgeordnete Minzberg in der letzten Sitzung der Budgetsitzung.!Minzberg bedauert cs, daß im!Budget des. Kultusministeriums nur die lächerlich geringe Summe von 200.000 Zloty — 41.000 Zloty weiniger als im vorjährigen Budget — für jüdische *Zwecke eingesetzt worden ist. *Es liegt, sagte er, ein Fluch •auf den jüdisehen Positionen im Budget; obwohl winzig genug, werden sie immer noch winziger, ׳Minzberg wandte sich scharf *gegen Rosmarins Rede und sagte, das religiöse Judentum sei empört darüber, daß Rosmarin die Mission Jizchak iGrünbaums iibernomm|en hat, bei jeder Golegenheit über das religiöse Judentum herzufallen. Fs sei nicht wahr, daß das religiöse Judentum irgend welche *Privilegien erhält: die!Regierung schützt bloß die jüdischen Gemeinden vor endgültigem Ruin, indem sie soweit •als möglich den religiösen!Bedürfnissen entgegenkommt. Das religiöse Judentum J1at *als erstes die Hand ausgestreckt zu friedlicher Zusammenarbeit mit dem liberalen Teil der polnischen!Gesellschaft, dev sich ■iin Lager von!Marsoliall Pilsudski!befindet. In aller Kürze. Die polnische Regierung hat in den letzten Jahren sehr vielen Juden die von ihnen oft Jahrzehnte hindurch inniegehabten Konzessionen zum Verkauf, von Monopolwaren, wie Spirituosen, Tabak usw., entzogen. Vor kurzem hieß es, daß der Prozeß der Konzessionsentziehung zum Abschluß gelangt ist und daß die jetzigen Konzessionsinhaber ihre Konzessionen behalten werden. Diese Mitteilung hat sich als irrig erwiesen. Anfang Jänner 1932 haben 1300 jüdische Konzessionsinhaber die Mitteilung erhalten, daß sie ihre Konzession abzugeben haben. 700 Konzessionsinhabern gelang es, eine Prolongation• bis 1. Juli 1932 zu erhalten, 600 mußten die Konzessionen sofort abgeben. Lord Reading empfing eine Abordnung der palästinensischen Organisation Agudas Jisroel. Die Mitglieder der Abordnung sprachen Lord Reading den Dank für sein. Erez Israel ,stets bekundetes Interesse aus. :' Im Verläüf des Dezember 193t kamen: wie soeben* vom Einwanderungsamt mitgeteilt wird, 499 Juden, 139 Christen und 15 Moslems nach Palästina. In dem gleichen Monat verließen 80 Personen das Land. Die am 1. Jänner in der ״London Gazette“ *erschienene britische Ehrenliste bringt Nachricht über die Verleihung von insgesamt drei neuen Baronet-Titeln, von denen zwei den beiden jüdischen Parlamentsmitgliedern Percy Alfred Harris (liberal, früherer Vizevorsitzender des Londoner County Council) und Arthur Michael Samuel (konservativ, . früherer .Parlamentssekretär beim Departement für Ueberseehandel und Finanzsekretär beim Schatzamt) verliehen wurden. Nach mehr als fünfjähriger Gefangenschaft wurde in diesen Tagen in .Teheran Herr Schmu*el Jecheskel Chaim, der Vertreter der persischen Judenheit im Parlament Persiens hingerichtet. Er war auf Grund einer Beschuldigung, in *eine Verschwörung gegen das Leben des Schahs verwickelt gewesen zu sein, zum Tode verurteilt worden,. Die Synagoge in Oldenburg wurde von bisher unbekannten Tätern mit der Aufschrift: ״Jude, Jesuit und Freimaurer vergiften den Weltfrieden“ beschmiert. Die Fenster der Synagoge in Insterburg wurden unlängst in der Nacht mit Steinen beworfen, dabei wurde auch der Almemor stark beschädigt. Es gelang bisher nicht, die Täter zu ermitteln. Am 14. Jänner, vormittags, wurde am Eingang des jüdischen Friedhofs von Herford eine scharfe Granate Kaliber 7,7 Zentimeter aufgefunden, die offenbar böswillig dort hingelegt wurde. Die Nachforschungen nach der Herkunft des Geschosses.blieben bis jetzt ergebnislos. Dev Verband jüdischer Hil.fso1’gan*isation׳en in Eng- Urne! hat durch seinen Vertreter •in Moskau mit den ׳Sowjetbehörden!Arrangements wegen Verteilung von •Mehl ,zur Herstellung von Mazzoth und von anderen Pessachwaren aus den Konsumlagern der Regierung an die jüdische Bevölkerung aus Anlaß des kommenden Pessaclifestes getroffen. Man einigte sich auf die Versendung von drei Arten Einheitspaketen. Die Arbeitslosigkeit unter den Amsterdamer jüdischen Diamantarbeitern!ist :i.ni Ansteigen. Augen- *blibklich sind etwa 3500 jüdische Diamantschleifer ohne Beschäftigung. Bisher unerkannt gebliebene Täter haben in der Nacht zum 28. Dezember einen gut organisierten Ueberfall auf die größte Synagoge in Hamburg, das G-tteshaus am Börnplatz, verübt und u. a. sechs Scheiben der zur Straßenfront hinaus gelegenen Fenster zertrümmert. Die jetzige Feststellung von Nationalsozialisten als Friedhofs- Schänder läßt vermuten, daß auch die Synagogenschänder Nationalsozialisten sind. Ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Schändungen besteht, ist noch nicht festgestellt worden. Der Völkerbundsrat wird sich in seiner am 25. Jänner 1932 beginnenden Session u, a. auch mit dem Bericht der Vierten allgemeinen Konferenz für Verkehr und Transit über die Stabilisierung der Feiertage und eile Vereinfachung des Gregorianischen Kalenders zu befassen haben, Bekanntlich hat diese Konferenz, die im Oktober 1931 abgehalten wurde und an der Chief Rabbi Dr, Hertz und mehrere andere Führer der Judenheit den jüdischen Standpunkt vertreten hatten, sich für die Stahllisierung der mobilen Feiertage ausgesprochen, zu der Frage der allgemeinen Kalenderreform aber erklärt, der Gegenstand sei noch nicht spruchreif. Die Gefahr der Durchführung einer Kalenderreform, in der der Sabbat zu einem labilen Tage in der Woche wird, wurde durch 411