Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 4 (29.1.1932)
- Date
- 1932-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviäovg povotefld fiadit pösf teteffafü* v Bfätlsläve 2k 41572111.20־. 2eitungen vom Vörtögef vetSeodat. Journal jir Mfiir* V. b. b. ONttAN fUN MC MTCRESSCM DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration‘. Wien, 11״ Große Pfarrgasse 3/3. — Tel'״ A.45.3.81. Tschecho. Slowakei: Bratislava, Postfach 140״■ Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreiset Ganzjährig.* Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. k. 80, Einzelnummer Öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen aut Konto ,Jüdische Presse*, Wien für Oest erreich > Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland 1 Post־ Scheckkonto Berlin Nr,!22619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen 1 Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarnt Postspk.-Amt Budapest Nr.50170: Schweiz! Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für dle Tschechoslowakei s »Jfi* dlsche Presse*, Btattsiava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.53386 Nr. 4 Wien-Bratislava, 29. Jänner 1932 .כיה וינא־שיעסס־ינ כ׳א שבט תרצ׳ב 18.Jahrg. Umschau Die ״Einen“ und die ״Anderen“. — ״Spanisches“ in Deutschland. — Der Zwiespalt in der Natur des Studentenrechts. ln Spaniel! wurde der Jesuitenorden aufgehoben. Dieses Schicksal hat, wie Klio •zu berichten weiß, den Orden schon des öfteren und in verschiedenen Ländern getroffen. Unter jenen, die aus Gründen der Staatsraison dem /militanten Orden des Ignatius de Loyola die Türen gewiesen haben, befinden sich Fürsten und Staatsmänner, deren christliche Gesinnung niemand anzuzweifeln und denen judenifreundllicbe Tendenzen anzudichten niemand wagen dürfte. Daß aber jetzt die Verfügungen der spanischen Regierung als Ausfluß solcher judenfreundlicher Tendenz gewertet werden könnten, hat allen Ernstes die Wiener ״Reichspost“ gefunden, die meint, daß die spanische Regierung ihren Beweggrund, Rache für die Verfolgung der Marannen, am besten dadurch verrate, daß sie zur selben Zeit die ״Anderen“ ins Land zurückruft. Wir wissen ganz gut, daß die ״Reichspost“ unter diesen ״Anderen“ die spaniolischcn Juden meint, an die angeblich Einladungen ergehen, sich wieder im Lande ansäsßiig zu machen.!Es ist nun gewiß begreiflich, daß, wenn, die ״Anderen“ eingeladen werden, diesden. ״Einen“ nicht ganz genehm ist. ■Es ist aber doch nicht so, wie die ״Reichspost“ meint, daß nur wenig mehr dazu fehlt, daß die Regierung die Juden sogar einladen könnte, die Paläste der Jesuiten in Besitz zu nehmen. Denn es ist noch gar nicht ausgemacht, daß die Juden der .Einladung׳ überhaupt־ in namhaftem Ausmaß Folge zu leisten gewillt sind. Da in dem revolutionierten Lande der Kampf gegen die religiöse Vorherrschaft der ״Einen“ in ein allzu radikales Fahrwasser zu geraten droht, werden sie sich und ihre Religion , den Ungewißheiten einer revolutionären Entwicklung auszusetzen kaum geneigt sein. Mußten doch ihre Väter gerade ihrer Religion wegen, einst das Land verlassen. Bedaiuerlich ißt nur, daß ■sub speciie des Antisemitismus, auch hier jüdischer Einfluß und jüdisches Interesse gewittert wird, da die Führer der spanischen Revolution — seien sie nun wirklich Mammen oder nicht — vielleicht in ihrem Uebereifcr gegen jene Mächte; von denen sie annehmen, daß sie das Land an den Rand des Abgrundes gebracht haben, zu weit gehen und in manchen Dingen allzu getreu das Muster der russischen Sowjets kopieren. In erster Linie natürlich bedauert dies das gesetzestreue Judentum, das unter Freiheit etwas ganz anderes verstellt und auch die Rache — einem ganz anderen überläßt. Spanien will den spanischen Juden die Treue vergelten,. die sic ihm durch die Bewahrung der spanisehen Sprache •in allen (Ländern• ihres Exils bewiesen haben. Wir erinnern uns, einmal —es ist noch nicht allzu lang her — ähnliche Töne auch anderswo schon gehört zu haben. Es war in den glorreichen Tagen des Weltkrieges, als die führenden Geister in Deutschland plötzlich daraaifikamen, daß die Millionen-von Juden in Polen und Rußland eigentlich auch einen deutschen Dialekt sprechen, ■und im Laufe desausgehenden Mittelalters aus Deutschland nach Polens gewandert sind. Da fand man auch, wie wertvoll diese Treue der ״polnischen“ Juden für Deutschland sein müsse, aber bald kam der Umschwung, und heute werden, sogar die in Deutschland selbst ansässigen Juden als ״Einwanderer aus dem Osten“ bezeichnet, während es sich in Wirklichkeit höchstens um Rückwanderer handeln kann. Am groteskesten wird die Sache aber (und es wäre eigentlich schwer, keine Satire zu schreiben, wenn die Sache nicht gar so traurig wäre), da jüngst der polnische Konsul in ■Danzig sich darüber beschweren mußte, daß ein polnischer Jude in Danzig mißhandelt wurde. War es da der polnische Jude in der polnischen Stadt oder der deutsch-polnisch-neutralgemischt-freistaatlichc Danziger Jude in der deutschpoluisch-gemischt-neutral-freistaatlicheu Freistadt Danzig, •der geschlagen wurde? Man sieht, daß da die Angelegenheit nachgerade anfängt, ״spanisch“ zu klingen und es einmal ganz gut so kommen kann, daß es spanisch-marokkanischen Juden in der Republik Spanien auch einmal widerfahren kann, daß sie den Wert solcher Kollektivdankbarkeit am eigenen Leib zu verspüren bekommen. *; Die Partei des österreichischen Unterrichtsministers sicht mit Schaudern, was aus der müssenhaften ■Zwangsbekehrung der spanischen Juden nunmehr geworden ist. Auch der Kirche schlägt unrecht Gut nicht gut an und die mit allen Mitteln der Staatsgewalt und der geistlichen Ucberredung durchgeführte Judenmission verursacht jenen, die sonst eine solche Mission nur zu fördern geneigt sind, gewaltige seelische Schmerzen. Achnliche, wenn auch ungefährlichere Schmerzen verursacht Herrn Dr. Czcrmak, aber auch das Schicksal der Täuflinge, die durch das Studentenrecht ׳unerbittlich in das Judentum zurückverwiesen werden. Wie jede böse Tat, rächt sich auch das Liebäugeln mit dem Antisemitismus au den Herren von der klerikalen Couleur und es ist für uns nur possierlich, wie sich min die Kirche, die den Täufling einst liebevoll in ihre Anne aufnahm, bemühen muß, ihn auf irgend eine Weise wieder loszuwerden. Da liegt eben ein Zwiespalt in der Natur vor, den kein Oerindur, und sei er österreichischer Unterrichtsnvinister, lösen kann. Uns religiös und volklich eindeutig orientierten Juden kann es aber gleichgültig bleiben, wie sich die daran interessierten Kreise aus der-Affäire ziehen und es bleibt nur ׳unsere Aufgabe darüber zu wachen, daß uns nicht die Sünden anderer In die Schuhe geschoben werden. Offener Brief der Kultusgemeinde'an Dr. Melkus — Sieg der Vernunft in Deutschland Die Schachtfeinde in Oesterreich halben sich zu einem neuen Vorstoß gegen die jüdische rituelle Schächtung gesammelt. Der österreichische Tierschutzverein!hat eine große Kundgebung gegen das Schächten veranstaltet.!In der Versammlung wurde eine Resolution angenommen, in der die Bundesregierung aufgefordert wird, die Schächtung ohne vorangegangene Betäubung des Tieres zu verbieten. Die Resolution wurde der Regierung und den Parlamentsparteien mit der Forderung überreicht, das Betäaibungszwangsgesetz baldigst im ■Parlament zu erledigen. Der Brief der Kultusgemeinde. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgcinieinde Wjen hat an den Funktionär des ״Wiener Tierschutz- Vereines“, Herrn Oberfinanzrat D1־. Eduard' M e 1 Ic 11׳ s, das nachfolgende Schreiben gerichtet: Z. 473 ex 1932. Wien, 22. Jänner 1952. Wohlgeboren Herrn Oberfinanzrat Dr. Eduard M e l k u s, W li e 11. Wie!uns von vertrauenswürdigster Seite berichtet wurde, haben Sie in der am 20. d. M. abgehaltenen Ver- 'Sammlung des Tierschutzvereines in Besprechung der von d'en Anhängern des Sohächtens geltend gemachten Gutachten wissenschaftlicher Autoritäten ausgeJührt: ״Man kann ermessen, welcher Wert derartigen Gutachten zukommt, man kann sich ja derartige Gutachten leisten, heute in unserer bestechlichen, käuflichen Zeit,' besonders wenn man weiß, daß die. Wiener'Israelitische Kultusgemeinde über nahezu unerschöpfliche Geldmittel verfügt.“ Mit aller Entrüstung weist der. Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde die Unerhörten ilnsinuafionen zurück, die in• Ihren Ausführungen gelegen sind. Wenn irgend jemand־ geneigt war, daran zu zweifeln,; daß die!Hetze., die gegen die rituelle Schlachtung inszeniert wird, bei vielen Vorkämpfern auch antisemitische Grundlagen aufweist, so konnte er durch solche Ausführungen eines. Besseren belehrt;werden. Ist. es doch ׳ein immer wieder aus der ׳Rüstkammer des Antisemitismus iltervörgelialteiS Requisit, vom unerschöpllichen Reich tum der Juden iii bewußter Miß-; achtung der Wahrheit und׳ in leicht erkennbarer Ten-' dem׳, , in Volksversammlungen sich auszulasseu. Die Israelitische ׳Kultusgemeinde ist eine Körperschaft, die!ihr Budget ■und ihren ׳Rechnungsabschluß statutengemäß öffentlich zu verhandeln und zur!Einsichtnalime aai.fzulegen hat. Sie kommt dieser, wie allen anderen Verpflichtungen in vollem Umfang und mit größter Gewissenhaftigkeit nach. Wer immer sich die Mühe nahm, in unsere!Rechnungsabschlüsse Einsicht zu nehmen, der weiß es, daß wir nicht über 111101׳,schöpfliehe ■Geldmittel verfügen, sondern uns seit mehreren Jahren in einem sehr bedeutenden Defizit befinden, weil der Großteil jener Mittel, die wir aufzubringen in der Lage sind, zum Menschenschutz, nämlich zur Hilfeleistung für Arme, Kranke, Sieche ׳und Waisen verwendet!werden muß, für jene Armen, denen als einzige Zufluchtstätte die Ku Itusgemei wie dient. Nicht ■unsere Sache kann es sein, alle jene auch . andersgläubige 11' Gelehrten und Fachmänner, welche sich zur Frage der rituellen Schlachtung gutachtlich in einem anderen als Ihnen genehmen Sinne geäußert haben, gegen die Verdächtigungen zu schützen, welche Sie in öffentlicher Versammlung vorzxibriugen für ׳entsprechend fanden. Unsererseits muß jedoch — und das soll diese Zuschrift!bezwecken — mit aller Entschiedenheit und Empörung die Verdächtigung zurückgewiesen werden, daß von uns Gutachten durch ,Bestechungen beeinflußt worden ■seien. Der Amtsdirektor und Erste Sekretär: Reg.-Rat Guido ׳F11 c!!1 s g e l b m. p. Der Vizepräsident: , Dr. Jakob 01■ 11 s t 0,111 m; p. Dös Frankfurter Stndtparlament lehnt einen Antrag, die preußische Regierung ziun. Erlaß eines Schächtyerbots aüfzuforderh, nhi f: Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung be־־ faßte: sich jüngst in einer Sitzung, mit Schiichtverbots־־ änträgen, die von den Nationalsozialisten, inspiriert worden waren. Stadtv,örordneter Dr. Albrecht teilte als Berichterstatter׳ .des Wirtschaftspolitischen Ausschusses mit, daß der Ausschuß einen nationalsozialistischen An. trag auf Erlaß eines;Schächtverbots, in Frankfurt am Main *bgelehnj hat, iber;seinerseits!■dem Plenum; vorsqhlägl, daß der Magistrat! Beim Städtetäg vorstellig werden;solIe, um bei der preußischen Regierung einen Gesetzentwurf zwecks Erlgs.ses . eifles ׳ SchächtYefbots m;־ veranlassen, der weltbekannter!: PerllckenwerkstMtte mm £ /gegenüber% n.I, K 0rntn3 Hute! Bristo*/ ־׳. . ז ^^/::+++C