Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 3 (22.1.1932)
- Date
- 1932-01-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seitei '■־. JÜDISCHE PRESSE Nr. 3 ligl ^flCHRlCHTEN m o-Uhr-Tee der ״Frauenhilfe“ der Agudas Jisroel. Der -nächste Fü!if41hr-Tee der Frätienhilfe findet Dienstag, den 26. Jänner, bei Frau Natta Letnberger, IL Praterstraße 60» statt. « Aufruf! Noch nie waren wichtiger als heute die Arbeit und die Sorge für die Seele des jüdischen ,Kindes, für die חנוקות של נית רכן Noch nie waren aber attelt großer und gewaltiger die Hindernisse, die sich diesem heiligen Streben in den Weg setzen! Der Stolz des jüdischen Wien, unsere ״Jesode ITatho^a“, mit ihren 400 Schülern, kämpft verzweifelt um ihre Existenz inmitten der Wirtschaftskrise. Die vornehmste Pflicht ist es daher, insbesondere für all die vielen, die einst das Glück hatten, ihre jüdische Ausbildung an der Jesod Hathora zu empfangen, ihr in diesen Stunden der Not zur Hilfe zu eilen, ‘ Es ergeht deshalb der dringende Appell an alle ehemaligen Schüler, sich zusammenzuschließen und in gemeinsamer Arbeit Mittel und Wege ausfindig zu machen, tim den Bestand der Jesod Hathora sicherzustellen. Es werden alle gewesenen Schüler der Jesod Hathora ersucht; ihre Adresse in der Kanzlei der Jesod Hathora, M., Nestroygasse M, Telephon A 45-1-10, anzugeben, damit ihnen die Einladungen zu der in den nächsten Tagen statfindenden Gründungsversammlung der Schülervercinigung der Jesod Hathora zugestellt Werden können. Tm Namen des vorbereitenden Komitees: Osch er Stroh. Elieser Spitzer. Rabbiner Dr. Moses Wundenmann זצ״ל Unerwartet rasch ist am vergangenen Sabbatausghng nach kurzer Krankheit Rabbiner Dr. Moses Wunder mann gestorben. Wer den von jugendlichem Tätigkeitsdrang, von den vielseitigsten Interessen Und einem fast jünglingshaften Wissens-, Lern- und Lehrtrieb beseelten Mann im Kreise seiner ,Schüler oder am Vortragspult des Bethauses ,,Mikdosch Meat“ sah, hätte ihn nie für einen Siebziger gehalten. Als der bereits in den Fünfzigern stehende Mann als iKriegsfliiclitling nach Nikolsburg kam, nützte er die ihm aufgezwitngene Muße und die ihm in einer Notwohnung zur Verfügung stehenden Bücher aus, um den!Bildungsstoff des Gymnasiums in sich aufzunehmen. So legte er, der wie selten jemand im Meere des Talmud Bescheid gewußt hatte, die!Reifeprüfung ab, studierte!Philosophie an der Wiener Universität und es erregte großes Aufsehen, als der Sechzigjährige mit Bart und Schläfenlocken den Doktorgrad erlangte. Wie selten jemand, verstand er תורה mit דר! ארץ vereinigen, aber er besaß auch von beiden ein seltenes Maß und so konnte er auch als Leiter einer . Maturavorbereitungsschule sowohl als auch als Vereinsrabbiner noch viel von seinem Wissen einer großen Zahl von Schülern mitteilen, die alle seine mit Güte gepaarte Weisheit, sein nie versagendes Gedächtnis' lind seine pädagogischen Fähigkeiten anstaunten. Von der großen Verehrung, die sich Dr. Wundermann als Raw, als Lehrer und\ als Mensch erworben hatte, legte auch die zahlreiche Beteiligung an seiner Bestattung Zeugnis ab, bei der ihm Rabbiner tDr. D. Feuchtwang־, Rabbiner Arak,!Rabbiner IDr. Joel Pollak, Dr. Bojko und stud. phil. Blum ehrende Nachrufe hielten. ת׳נ׳צ׳ביה. Rabbiner Blau לצ״ל In Ober wart (Burgenland) starb vor kurzem im Alter von?0 Jahren der Rabbiner von Oberwart und Schlaiiiing, R. Feibisch Blau. :Der Verstorbene, ein Enkel des R. Gottlieb Fischer ז״ל, war ein!bescheidene]•, wahrer Talmid Choohom und hatte auf den Jeschiwos von Sur.auy und 1Eisenstadt ein hohes Wissen erworben. Bei der Bestattung, an der die Bevölkerung ahne Unterschied der Konfession und auch Vertreter der Behörden ted.lno1h.1nen, hielten Se. ißhrwürdeu Herr [Rabbiner H. Schenk aus Wien und der Schwiegersohn des Verblichene.u, H. Weinberger aus Wien, tiefempfundene Nachrufe. Daf Hajauini. Das Sekretariat der Agudas Jisroel teilt mit, daß nebst den in der vorwochigen ״Jüdischen Presse“ angeführten Stellen der Daf Hajanmi allabendlich um 8 Uhr auch noch gelernt wird bei: Großrabbiner Heschel, II., Rueppgasse 9, Rabbiner H. Aschkeiuizy, 11״ Franz-Hoohedlinger- Gasse 23, Rabbi Mosclie Mordecliai Epstein in Wien. Während einiger Monate weilte der Leiter der Hebroner Jesohiwa, R. Mosche Mordecliai Epstein (Slobpdikoj in einem Wiener Krankenhause. Seit einigen Tagen hat sich der Znstaifd des berühmten Gelehrten soweit gebessert, daß er sich nunmehr wieder du privater Pflege in Wien aufhatten kann. Rabbiner Dr. Piftclms Kolm in Wien. Nach längerer Abwesenheit ist der Präsident des gesehäftsfUhr enden Ausschusses der Agudas Jisroel Rabbiner Dr. Pinchas K 011 n am 19. d. M, wieder in W’ien eingetroffen. Die Jubiläumsfeier des Toleranzpatents. Im glänzenden Rahmen einer Festversatrtmlung feierte^ am 7. di M. die Union Österreichischer Juden das I5üjährige Jubiläum des josefinischen Toleranz- Patents. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete der Vortrag des Vizepräsidenten Dr. Jakob Orn stein, der in tiefschürfender Weise die Verhältnisse der Juden in Oesterreich vor dem Toleranzpatent schilderte und dann die Bedeutung der josefinischen Reform in wurmen Worten würdigte. Der Vortragende schloß mit der Versicherung, daß auch im kleinen Oesterreich die Juden, wie es schon Kaiser Josef erkannt hatte, dem Staate immer dienen werden. Dr. Isaak Alkalay zum Senator ernannt. Durch einen königlichen Ukas vom 9. Jänner wurde Dr. Isaak Alkalay, Großrabbiner von Jugoslawien, zum Mitglied des neuen jugoslawischen Senats ernannt. Die Warschauer jüdische Gemeinde leimt Keren Hajessod ab. In der letzten Sitzung der Repräsentanz der Warschauer Jüdischen Gemeinde wurde von der von der Agudas Jisroel geführten Mehrheit unter stürmischem Protest der Zionisten ein Antrag auf Zuwendung von je 10.000 Zloty für Keren Hajessod, Keren Kajemeth und Hechaluz — wie dies in früheren Jahren geschah — abgelehnt. Ein deutscher Katholik für eine christlich-jüdische Gemeinschaftsfront. Im Jänner-Heft der von der Rabbiner-Hirsch-Gc- Seilschaft herausgegebenen Zeitschrift ״Nachlath Z'wi“ ergreift Obermedizinalrat Dr. I. Weigl, Verfasser des Buches ״Das Judentum“, ein strenggläubiger Katholik, das Wort für eine Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden zur Bekämpfung der G-ttlosenbewegung. Der Verfasser brandmarkt die mit antisemitischen Gedankengängen genährte Antischächtbewcgung und schreibt, die Tierliebe mancher Personen wurde von Judenfeinden seit Jahren bis ins Sentimentale hochgezüchtet, damit danach in Versammlungen der Vorstoß gegen das Schächten erfolgen konnte, damit die jüdischen Mitbürger an einer . empfindlichen Stelle, nämlich an der religionsgesetzliehen Fleischversorgung, getroffen werden sollten. Dr, Weigl fordert Aufklärung und Abwehr zur Bekämpfung des Antisemitismus und schreibt zum Schluß: ״Was heute ganz besonders nottut, ist die Bildung einer Gemeinschaftsfront der bewußten Angehörigen aller christlichen und des jüdischen Bekenntnisses gegen die G-ttlosenbewegung und das Freidenkcrtum jeder Gestalt. ...Das große Einigende, das seit dem Ereignis am Sinai über die Menschheit leuchtet, ist die Offenbarung des Ewigen und sein heiliges Gesetz.“ Antwerpen. (K. A.) Der im Osten gut bekannte jüdische Dichter und Schriftsteller iE Li es er Schindler aus 1München, der sich auf einer Tournee über Belgien, Frankreich und England befindet,!besuchte auch die Jeschi wallt in Heide bei Antwerpen. Herr Schindler wurde vom Roscl1-Jescl1iw.a!lr, Herrn F. Schapira, sowie von de.1־ Leitung der Jeschiwaih in Anerkennung seiner schöpferischen Leistungen׳ für das orthodoxe Judentum im Olsten freimdliohst auf genommen und aufs herz- Hellste begrüßt. Der Gast verlebte den מזג שבת 0׳ ליחי Kreise der Jeschiwah und hielt am מ״שה einen Vortrag .in der dortigen Auliin-Gruppe ״Lmatin Hoemes“. Am Sonntag, den 17. Tewes, hielt Herr Schindler einen Vortrag in der Bnos-Agudas-Jisroel-Giru!ppe in Antwerpen. Auch dieser Vortrag, dn dem der Redner klar und eindeutig die großen Aufgaben der jüdischen Tochter in der heutigen Zeit zeichnete, wurde mit großer Begeisterung auf genommen. Führen und festigen ist einer der Leitsätze des neuen ״Großen Herder“. Auch darin ist das Werk ein neuer Lexikontyp, ־ daß es in allen moralischen ttnd geistigen Dingen nicht unverbindlichen Bescheid gibt, sondern eindeutig das Richtige, die objektive Wahrheit sagt.; Das palästinensische Rabbinat wehrt sich gegen die Bei- Setzung der Asche von Leopold Greenberg. Der vor kurzem verstorbene zionistische Führer und Chefredakteur des Londoner ״Jewish CJtronicle“ Leopold Greenberg hat in seinem Testament den Wunsch ausgesprochen, daß man׳ seinen Leichnam einäschern, die Aschenurne nach Palästina bringen und sie dort ohne religiöse Zeremonie auf dem Skopns-Serge bei Jernsäleht!beisetzen soll. Nltntnehr hat Ras OberrabMäät von Palästina alte jüdischen Bestattungsvereine im Lande durch ein Rundschreiben auf gefordert, iu keinem Falle eine Aschemtrue 2nr ׳Beisetzung entgegenzunehmen, da die Einäscherung von Verstorbenen nicht dem jüdischen Ritus gemäß ist. Man nimmt an, daß das Rundschreiben im Hinblick auf das Testament Greenbergs erlassen worden ist. Bis jetzt ist die Beisetzung einer Aschenurne auf einem jüdischen Friedhof in Palästina noch nicht vorgekommen. Es sollen Arrangements getroffen worden sein, die Asche Gteenbergs nicht auf dem Skopus-Berge, sondern auf dem jüdischen Friedhof auf dem Oelberge und zwar in der!Nähe des Grabes des berühmten hebräischen Lexikographen und Sprachforschers Ben Yehuda beiztisetzen. Die Polizei von TeLAwiw bleibt jüdisch. Der Bürgermeister von Tel-Awiw Dizengoff beschwerte sich beim .High Commissioner Sir Arthur Wauchope über eine Verfügung der Leitung der palästinensischen Polizei, der gemäß die jetzt nur aus Juden bestehende Pölizei der jüdischen Stadt Tel-Awiw in die Landespolizei in einer Weise eingegliedert werde, daß sie ihren jiulisehen Charakter verliert und auch Nichtjuden Polizeigewalt in Tel-Awiw ausiiben. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur nun erfährt, ist es zwischen dem Stadtrat von Tel-Awiw und dem Chef der Palästina-Polizei, Spicer, zu einer Abmachung gekommen, der gemäß die Polizei von Tel-Awiw auch in Zukunft ihren jüdischen Charakter behält. Bei Müdigkeit, Gereiztheit, Angstgefühl, Schlaflosigkeit, Herzbeschwerden, Rrustdruck regt das natürliehe MFranz-Josef“-Ri׳ttenv־־a1־i6er den Blutkreislauf im Unterleihe nachhaltig an und wirkt beruhigend auf die Wallungen. Professoren für Verdauungskrankheiten er- -klären, daß sicli das Franz-Josef-Wasser bei Erscheintingen, die von Selbstvergiftung des Magendarmkanals ausgehen, als ein ausgezeichnetes Reinigungsmittel bewährt. Das ״Franz-Josef“־Bitterw.asser ist!in Apotheken, Drogerien und Mineralwasserhandlungen erhältlich. Abgclehnt. In Güstrow (Mecklenburg) wurde ein von den Nationalsozialisten eingebrachtcr Antrag gegen das Schächten abgelehnt. Ein rumänischer Fall Horak. Ein grauenerregender Fall von Massenraubmord, der legal verschleiert wird, hält die Judenheit in Bessarabien und im übrigen Rumänien in Erregung. Fünf jüdische junge Leute und ein Mädchen im Alter von 16 bis 20 Jahren, Kinder angesehener jüdischer Kaufleute in Soroca in der Nähe der bessarabisch-russischen Grenze, wurden von Grenzgendarmen aufgegriffen, an die Grenze geschleppt, dort durch Schüsse getötet und beraubt. Es wurde dann die Meldung. ausgegeben, daß fünf Kommunisten und ein Schmuggler, der sie über die Grenze nach Rußland bringen sollte, von rumänischen Grenzgendarmen erschossen worden seien, als sie über die Dnjestr-Grenze nach Rußland entfliehen wollten und auf den Anruf der Grenzgendarmen, stehen zu bleiben, nicht achteten. Die Eltern der ermordeten Kinder wandten . sich an den jüdischen Abgeordneten aus Bessarabien, Dr. Michael Landau, mit der Bitte, den zuständigen Beltörden den wirklichen Sachverhalt mitzuteilen, damit die Schuldigen der Strafe zugeführt werden können. Dr. Landau besuchte sofort den Innenminister Argetoianu und erhielt von ihm die Zusage, daß eine streng unparteiliche Untersuchung des Falles durchgeführt werden wird. Die neue Verfassung in Jugoslawien garantiert die Gleichberechtigung der Juden. Die durch König Alexander proklamierte neue Verfassung des Königreiches Jugoslawien, die eine Aufhebung der Diktatur und eine Rückkehr zum parlamentarisclien System verkündet, enthält folgende für die jüdische Gemeinschaft wichtige Bestimmungen: Sämtliche Staatsbürger sind vor dem Gesetz'!gleich und genießen den gleichen Schutz seitens der Behörden. Genuß bürgerlicher und politischer Rechte ist vom Religions- und Gewissensfreiheit wird garantiert. Der Religionsbekenntnis unabhängig. Die rezipierten und anerkannten Religionsbekenntnisse sind in ihren internen Religionsangelegenheiten autonom. Falls das Budget Ausgaben für- Religionszwecke vorsieht, so sind diese Supimen proportionell unter die rezipierten und anerkannten Religionsbekenntnisse zu verteilen. Religions- Funktionäre dürfen nicht ihr geistliches Amt für Parteizwecke mißbrauchen. In Andachtsstätten und bei religiösen Manifestationen ist jede politische Agitation verboten. Sämtliche Schulen müssen das Staatsbürgerliehe Bewußtsein im Sinne nationaler Einheit und religiöser Toleranz entwickeln. Sämtliche Staatsämter sind allen Staatsbürgern unter gesetzlichen Bedingungen in gleicher Weise zugänglich. Ein Besuch, der sich lohnte. I. Ich gestehe es offen ein. man kann all die Fülle der Eindrücke, die einem fast zum Erlebnis wurden, auch nicht im entferntesten mit der Feder schildern. Man muß es mit seinen eigenen Augen gesehen halten, Avie Glück .und ivie Zufriedenheit aus den Augen dieser jungen Kinder leuchtet, wie man sich gleichsam auf einer stillen, friedlichen Insel geborgen fühlt, entrückt den Stürmen des Lebens. Man muß es gehört haben, Avie ganz junge, blühende Kinder vom Frülilingsfest der Bäume, von CliomiscUoli-oßor, zu erzählen Avissen, wie sie das .״Benschen“ im Chore fast jubilierend, den Vögeln gleich, laut liinaussiiigen, und Avelche Freude cs ihnen mgclit, mit einem munteren ״ITamauzi Lechem“ ihre Jausestinule beginnen zu dürfen. ■So mancher Erwachse ne könnte bei diesen Kleinkindern in die Schule gehen,־ •um •ein ■wenig־ ■zu lernen, Avie ״Brochauß“ ■gesagt werden ■sollten, Alter nicht allein vom jüdischen Standpuiikt sei hier die Rede, sondern auch im Hinblick der angewandten Erziehungsmethoden glaube ich, wohl nicht mit Unrecht» könnten all die die bedeutenden Pädtigagen der Gegenwart, ob sie nun Pestalozzi, Probe! oder iVlontessori!heißen, aus ganzem ׳Herzen zufrieden sein, Das Prinzip _der Selbständigkeit, das hier-in vollstem Maße den!Kindern gewährt ־wird, wl®• des sogenannten ״spielenden Lernens“, weiden mit großem Erfolg angewandt, Ob nun gespielt oder unnhergetumnielt wird» ob den Kindern ״Brochauß“ oder Wortbilder aus dem ״Loschaun Hakaudesch“ . beigebvacht werden, oder 01t andächtig den Midruscherzähhuigeu ihrer ״Tante" iuiißchen■ stets verspürt 1uaü soviel ut• wüchsige Naiür- .lichke.it Und heitere Fröhlichkeit Hand in Hand gehen mit echt jüdischer Pädagogik, daß mau mir den einen Wunsch im Herzen hegt, daß noch vielen jüdischen Müttern •das Glück vergönnt sein möge, ihre Kinder in den Kindergarten der ״Jessod Bathorah“ schicken zu können. , LI. Was nützt die beste Pflege für all die feinen und zarten Wurzeln am Stamme, wenn für das gesunde Gedeilieu des Stammes selbst nicht genügend geschaut und er Sturm und Wetter schutzlos preisgegeben wird! Was nützt der schönste Kindergarten, die beste Kinderstube i:m Elter ahn use, wenn unsere Jugend dem Leben und .Treiben einer modernen Großstadt so ohneAveitens anvertraut wird. Daß dem aber nicht überall so ist, daß auch in Wien tatkräftige, jüdische!Menschen am Werke sind, die Jugend ׳zu schützen und sie zu aufrechten, ehrliehen Jehudim imnitf’en der!Großstadt zu erziehen, davon Zeugnis zu gehen,!fühle ich mich verpflichtet. Von unseren Mädchen und zu unseren Frauen will ich sprechen. •Uebei• die Notwendigkeit, den jüdischen Mädchen in heutiger Zeit eine!ha!1־m011isCl1e jüdische Ausbildung zu ■geben, ist schon überaus!läufig gesprochen und geschrieben Avorden, nicht zuletzt in diesen Blättern, Aber wie bedeutsam,!ich möchte ■fast sagen wie lebensnotwendig, solch eine Erziehung für das moderne jüdische Großsthdtiiiädcheii ist, das weiß Spendei für den der Ades Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11. wohl jede Frau und Mutter a;1n besten, die nur ein klein Avenig versteht, in der Seele ihrer Tochter zu lesen! Machet nur einmal den Versuch, überzeugt euch selbst, Avie in ׳dieser Mädclieii-Religionsscliule dev ״Jessod Bathorali“ gelehrt und gewirkt wird. Ein kleines . Bild mag genügen: Wir sind in der obersten Stufe. Vierzolin-, füiiizehnjährige!Mädchen nehmen an dem Unter- :ficht teil, Aber was spreche ich von ״Unterricht“.!Es ist eine Arbeitsgemeinschaft im schönsten Sinne des Wortes. Mit solch einem Interesse und einer Selbst verstäiidl'iclikeit ivird liier zwischen Lehrer und!Schäle־ rinnen gemeinsam gearbeitet, daß man sich gar nicht in einer Schule dünkt. Die Wocliensidroh wird durchgenommen. Zuerst genaue Wort, und Grammatikerklä־ rung, von den Mädchen selbst erarbeitet, dann wird tiefer nach dem Sinn und dem Gedanklichen geschürft. Der Leiter versteht meisterhaft, die Aussprache auf moderne Probleme überzufUhren und den Mädchen zu Aveisen, wie in den schlichten Worten der Thanroh tiefste Lebens Wahrheit enthalten ist. Dann wird ״Zeenp'h urenali“ von den Mädchen mit einer Geläufigkeit vorgetragen, die' einem BeAvnnderung abringt. Ich ■weide ein .wenig nachdenklich. Das alte ״Zeettoh urenoh“, das unseren Großmuttern einst das Buch ihres Lebens geAvasen war, ist von diesen jungen jüdischen Mädchen zu neuem Leben erweckt weiden, nicht bloß die alten Werte, sondern auch der treue, echt jüdische Geist, der daraus weht! Das bekannte Wort, daß der ganze •Stolz dev jüdischen Frau iu der Stille ihres Hauses zu finden sei. gilt heute Avie je. Aber daß auch die jüdische Frau der Gegenwart dies in voller Bedeutung verstehen und eraj>- finden lerne, deshalb!müssen schon unsere Mädchen iu solchem Geiste erzogen werden! r.