Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 3 (22.1.1932)
- Date
- 1932-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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NwIimw« »*pt«#* P*»« « «'««י«'*׳ י> Bfätislave ihs. 415/2*111*20. mm Zeifunge» vom Vitlipr vifiÜÜI# jqurnal expddie päf r^dHetft. V. b. b. OHfiAM PU« WC WTEREftEN DE« ORTHODOXE« JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel. A*45*381־. Tschecho» Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zamuugen auf Konto •Jüdische Presse*, Wien tür Oester‘ reich s Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post• Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Poleni Postspk.-Amt Warschau Nr. 1904 09; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t ,Jüdisehe Presse״, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.53336 Nr. 3 Wien-Bratislava, 22. Jänner *1932 .כיה וינא־פרעסבוינ י׳ד שבט תרצ״ב 18.Jahrs- Der Gerer Rabbi m Wien. Auf der Durchreise nach Erez Jisroel ist am 19. d. M. der Gerer Rabbi mit einem aus 18 Personen bestehenden Gefolge in 'Wien eingetroffen, um von hier aus über Konstantinopel weiterzureisen. Unter seinen Begleitern befindet sich auch sein Schwiegersohn, J, M. Lewin, der Präsident der polnischen Lundesorganisation der Agudas Jisroel. ...Diese kurze Reiseunterbrechung in Wien benützten die .Führer der Wiener Orthodoxie, um den berühmten Rabbi zu begrüßen., Der Gerer Rabbi war trotz der langen Reise sehr frisch und empfing die Ab- Ordnungen in seiner gewohnten Weise, wobei er nicht unterließ, sie aufzumuntern, den einmal eingeschlagcnen Weg fortzuigehen. Schon dieser eintägige Aufenthalt genügte aber, lim die Wiener Chassidim in Bewegung zu setzen, und viele Lumen, um ihm ihre Nöten mitzuteilen. Der ״Gerer“ ließ ich die Gelegenheit aber auch nicht entgehen, den Czortkower Großrabbincr R. Israel Friedmann in Wien zu besuchen, und ׳es war ein interessanter Moment, als diese beiden Größen der chassidischen Welt siclu-wieder trafen. Der ״Gerer“ ist, wie sonst wenige unter den chassidischen Rabbis, ein Mann, der nicht so sehr Gefangener seiner Ghassjdim', sondern ihr wirklicher Führer ist, und diesem Umstande ist es auch zu verdanken, daß die polnische Orthodoxie heute ein gut fundiertes und auch gut geleitetes Tagblatt besitzt und auch aus sich selbst heraus diejenigen Männer hervorgebracht hat, die heute in den öffentlichen Körperschaften ihren Mann stellen. Es gehört auch zu seinem Wesen, daß er den Kontakt mit Erez Jisroel aufrechterhält und nun schon zum viertenmal nach dem heiligen Lande reist. Diesmal sind es aber weder politische noch wirtschaftliche Motive, die den Rabbi dorthin führen, sondern persönliches und religiöses Streben, im Lande der Väter in der Zeit der höchsten Not seine Gebete zum Himmel zu senden. Diesmal wählt der Rabbi den Weg über Konstantinopel, wo er den Sabbat verbringen und auch ein wenig die Verhältnisse der Juden in der Türkei kennenlernen will. Rabbi T. M. Lewin, der die leitenden. Gedanken seines Schwiegervaters nicht nur . am besten erfaßt, sondern auch mit großem Geschick vertritt und verwirklicht, ibeniitzt die Reise, um sich nach den großen Kämpfen, welche der polnischen Aguda den Sieg in der Warschauer und in der Lodzer Gemeinde gebracht haben, zu erholen. Er gab der Wiener Aguda- Vertretung einen anschaulichen Bericht über die Lage io ״8־״־(^a *n Bolen und hob mit Genugtuung hervor, daß es der Aguda gelungen ist, nicht nur die Leitung | Gegründet 1882 Gegründet 1882 | ן Lebensversicherungs-Gesellschaft ן ן Direktion: Wien, I, Riemerg. 2! | Versiclmgsbestand Ende 1930 .... 2560 Millionen Schilling j ן Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1930 150 Millionen Schilling j ן Garantiemittel Ende 1930 . 378 Millionen Schilling! ן Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1930 35.5 Millionen Schilling | | Tätigkeitsgebiet: « j §j Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische 1 1 Republik, Belgiep, Holland, Frankreich, Spanien, 1 .§§ Italien, Ungarn, Polen,Jugoslawien, Bulgarien, Griechen-! s land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis 1 H und Aegypten!! der größten Gemeinde Polens in die ,Hönde zu bekommen, sondern auch'durch korrekte und vernünftige Verwaltung trotz der unerhörten Wirtschaftskrise die Ordnung in den Finanzen dieser Gemeinden herzustellen. Mit großem Enthusiasmus spricht I. M. Lewin Uber den wunderbaren Umschwung in allen jüdischen Die Delegation des slowakischen ״Maclisike-Jeschiwoth-Vereins“, die — wie wir berichteten — bei der II a f 1 k׳i n - S t i ft u n g zugunsten; der slowakischen Jeschiwollt vor,sprach,;überreichte dem Ktiratomim der Stiftung־ folgendes Memo rand u in: ״Mit dem Umstürze nach dem Weltkrieg begann in der Geschichte der slowakischen Jeschiwolh, ein neues Kapitel voll Sorgen und Schwierigkeiten. Dank ,ihres ׳alten Glanzes, ihrer bewährten (Lehrincthödc, erzieherischer Tüchtigkeit und Fähigkeit vergrößerte sich die Zahl ihrer Hörer bedeutend, hingegen schrumpften ihre Einnahmen immer mehr und mehr zusammen. Nur mit den größten Opfern und Anstrengungen sind die Jeschiwoth erhalten worden. Eine kleine Schar von Opferwilligen hatte die Bürde zu tragen, die sich ehedem aurf die!Schultern von Hunderttausenden verteilte. Ein ■harter •und.•erbitterter Kampf wurde uni den Be-!stand der Thoralehrstätten ■geführt. Dieser Kampf wurde ■aber zum verzweifelten Ringen, als die Wirtschaftskrise sich auszii wirke 11 begann. Die einzelnen Gemeinden, ׳die Jeschiwoth!beherbergten, konnten nicht allein die drückende Last weitertragen. Die Jeschiwoth standen vor dem Zusammenbruch, die Lehrstätten, die ihre Pforten für ׳die Bachurim aller Länder offengehalten, sollten geschlossen ■werden. Die Not der Stunde zeugte ■den 1Plan, einen Verein zu gründen, der die alleinige Aufgabe hat, die 55 Jeschiwoth des Landes, die zum Großteil mit einer Mensa verbunden sind, aus ihrer kümmerlichen Lage zu befreien und ihren Bestand zu ermöglichen. Der Verein, ■dessen!Eltern die Not und ׳die Sorgen der schweren Zeit gewesen, sollte diese Not und Sorgen niederringen. Die Aufgabe, die er übernahm, war eine ■lurehtbar schwere. Die Jeschiwoth verschuldet, aller Mittel bar, ■ahne Stütze und Hilfe. Die stolzen Bauteil der jeschiwoth, die.aus ׳der Vergangenheit in die Gegenwart hineiiiragteh, mit verfallendem ■Gebälk, mit ge- '׳krümmten. Mauern. Dieses Gebälk mußte gestützt, die Mauerii auf gerichtet werden. Der Vereinsleitung wurde ein Trümmerfeld übergeben mit der Bestimmung, aus diesen Trümmern Gebäude aufzuführen, die allen'S'tüvmen trotzen. Aus nichts, ohne an etwas Vorhandenes anzuknüpfen, mit den Schwierigkeiten des Anfanges kämpfend, von der immer furchtbarer und furchtbarer werdenden Wirtsdhaftskriise auf Schritt und Tritt gehemmt, sollte eine Organisation geschaffen werden, die die Jeschiwoth nicht •mir aus ihrer bedrängten Lage befreit, sondern auch für die Zukunft jede Sorge voii ihnen fernhält, den Jeschiwoth eine sichere materielle Stütze gibt, ihren Aufstieg und ihre Entwicklung ermöglicht. Der zähen, beharrlichen, ausdauernden Arbeit der Vereinsleitung und opferwilliger, begeisterter Mitarbeiter und Gönner ist' es mit G-ttcs Hilfe geglückt, viele vorschüttete Hilfsquellen fnejz ul egen und neue zu erschließen, so daß der Verein die einzige sichere und feste Stütze der Jeschiwoth ■geworden ist. Der Verein besitzt ein Ortsgruppen netz, das sich über das ganze Land.ausbreitet und mehr ■als 1000 Mitglieder in das Vereinsleben einbezieht. 40 Ortsgruppen, deren monatliche Mitgliederabgabe von ׳tsch. K ■6908 die Haupteinnähme des Vereines bilden, sind bereits in Tätigkeit, Die Organisation dev Ortsgruppen dehnt sich ständig aus und nimmt au Zahl!fast von Woche zu Woche zu. Dev Verein, der einzige des Landes, der sich die Förderung des materiellen und moralischen Wohles der Jeschiwoth zur Aufgabe machte, wird auch von den Gemeinden und Chewroth Kadischoth subventioniert/ So Bratislava, Nove Zäniky,!Nitva usw, Uieber Wunsch aller Rabbiner des Landes werden am Schabbos bamid- Gemeinden Polens und schreibt diesen religiösen Aufschwung nicht zuletzt dem Umstande zu, daß bisher mehr als 40.000 Mädchen die verschiedenen Beth-Jakobschulen absolviert haben, die jetzt im Kreise ihrer Familien zur Befestigung des religiösen Lebens beitragen. bor alle Spenden dem Verein gewidmet. Dies alles beweist genügend, daß die Gemeinden wie auch die Raibbiner zur korrekten Verwaltung der Summen und zur gerechten Verteilung der Subventionen volles Vertrauen haben. Gewinnt auch der Verein stets an Bedeutung, steigern sich auch ständig seine Einnahmen, reichen sie bei weitem nicht aus, um allen Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, gerecht zu werden. Wir miissen in erster Reihe zur A u free111׳ e r 11׳ a 1■•t u n g der Mens ns beitragen, damit ׳dein. Bachur die Erniedrigung der Wanderkost erspart bleibt und für die Stärkung seines Körpers •und Erhaltung seiner Gesundheit Sorge getragen wird. Es fällt 11ns auch ׳die Aufgabe zu, •die Bib I i o t h e k •0 11 d e v J e s c h ■i w o t 11׳ zu erganzen oder solche neu aufzustelleu, da infolge der drückenden Not der Zeit die Jeschiwoth nicht imstande sind, diese aus eigenen Mitteln zu besorgen. Die 11 y g.i enisclic A u s v ii s t u 11 g der Jeschiwoth ist durch die Mittellosigkeit eine sehr mangelhafte. Es gehört zu •den heiligsten und schleunigsten Pflichten des Vereines, hier Wandel zu schaffen: die Jeschiwoth •den Forderungen der;modernen Hygiene entsprechend auszustatten. •Die Hörer •der Jeschiwoth .rekrutieren ■sich zum ■Großteil aus Kindern ■armer Eltern. Die Unterernährung im Elternhaus wie die Strapazen, mit denen das Lernen an den Jeschiwoth verbunden ist, schwächen ihren Organismus und machen ihn für die vielen Leiden und Krankheiten empfänglich. Es ist unumgänglich 110twendig, für ihre Genesung, Wiederherstellung und Kräfr tigung zu sorgen. Wir wollen, daß die Zöglinge, die die Jeschiwoth verlassen, nicht nur geistig fürs Leben vor- ,bereitet werden, sondern auch körperlich den Kämpfen ums Dasein gewachsen sein mögen. Die bisiiun mouatlieh an 20 Jeschiwoth verteilten tsch.!K 10.000 ,bis 12.000 reichen •kaum ■־aus, um die!MeusakUcheu im Betrieb zu. erhalten. Wir haben ׳die Entstehungsgeschichte des Vereines geschildert, von seinem Werden und seiner Ent- Wicklung, von seinen Sorgen und seinen Kämpfen., in der Gegenwart berichtet, die Ziele gezeichnet, die in der Zukunft ihm vorschweben und an deren Verwirklichung der Verein mit vollster Hingebung und Anspannung aller Kräfte arbeitet. Dies ist unser Arbeitsausweis und unsere Empfehlung. W!ir;haben die Jeschiwoth unseres Landes ■aus der eisernen, erstarrenden Umklammerung der Not und des Elends befreit; die dunklen, finsteren Schatten, die über *den Jeschiwoth lagerten, verscheucht. Wir wollen auch weiterhin die Väter unserer Jeschiwoth sein, denen es Lebensziel und Inhalt ist, für das geistige und körperliche Wohl ihrer Kinder tätig zu sein, die mit all ihrem Können daran schaffen, ihnen eine sorgen.- freie Zukunft zu sichern. ’ Wir glauben aus unserer Tätigkeit das Recht ableiten zu dürfen, im Namen aller Jeschiwoth unseres Landes zu sprechen und zu sagen: Wenn Sie unseren Verein fördern, unterstützen Sie alle Jeschiwoth unseres , Landes.!Das Vertrauen, das wir bei allen in Betracht kommenden Faktoren genießen, ist Ihnen der beste Bürge dafür, daß das Geld zweckentsprechend, den Intentionen des großen Stifters gemäß, verteilt werden wird. Wir aus der nächsten ׳Nähe wissen es am bestell, wo und in welchem Maße Hilfe notwendig ist. Sollten Sie jedoch der!Meinung sein, daß ein Bindeglied zwischen dem Kuratorium und den einzelnen Jeschiwoth unseres Landes überflüssig ist, ersuchen wir ergebenst das löbliche Kuratorium, der Vergangenheit, der Größe und Bedeutung der Jeschiwoth dev Slowakei Rechnung zu tragen und allen Jeschiwoth unseres׳ Laudes die Förderung zuteil werden zu lassen, die sie dank ihrer ,jahrhundertealten, ruhmreichen Lehrtätigkeit verdienen. Julius Herzog, Präses.‘׳ \ der weltbekannten Pgrückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF ,gegenüberix Hotel Bristol# n I, Kärntnerring 6 (i