Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 47 (4.12.1931)
- Date
- 1931-12-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ו.) •l\r.-4? Fein-Butter! Auf Brot gestrichen v 0 t i fl g 11 C hl ^11m1n11nm11n1111tn11»nri1111n1nn11mnmi11mnn1111111H1nin1111i11n1111n111t1n1i1111t»1₪m1nfflr1m1!m1mtmmh. Tschechoslowakei. ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirtiiiiiiiiiiiiiiim Die Brunner Leiehenverbrennung. Wir berichteten in der vorigen. Nummer von dem famosen Gutachten, das vom Brünner Rabbinat über die "Leichenverbrennung und damit über die religiöse Zere* jnonie des Brünner Oberrabbiners Dr. Lewy im Krema־ iorium abgegeben würde. Bei. der eifrigen Propaganda, die von eigens hiezu ins Leben gerufenen Vereinen für die *Feuerbestattung entfaltet wjrd, gewinnt diese Frage an allgemeiner Bedeutung. Es war demnach vorauszusehert, daß nicht alle Brünner Juden sich, mit den Anordnungen des Rabbinates, das sich für diesen Zweck sogar den :alten schönen Namen eines ״Besdin“ beilegte, und der Gcmeindeleitung zufrieden geben werde. Der Vortrag, den der Atzt Herr Dr. Ludwig Lieben aus Bratislava auf Einladung dieser Kreise in Brünn gehalten hat, fand denn auch mehr Anklang, als eigentlich bei den herr* sehenden religiösen Zuständen in Brünn erwartet wurde. Wir sind in der Lage, über diesen Vortrag folgenden authentischen Bericht bringen zu können: Vergangenen Donnerstag fand im .Schubertbund* saal von Brünn eine große Versammlung von Brünner Juden statt. Prof. Boc'11 hatte, sie einberufen und ihm gebührt das Verdienst, daß das Brünner RabbinatsgUt־ achten nicht ohneweiters zur Kenntnis genommen wurde. Rabbinatsassessor G 1 a s e r - Brünn, einer der Mitunter* ' Zeichner des Gutachtens, erläuterte an der Hand von Bibelstellen und der einschlägigen Literatur den Aus־ Spruch des ״Brünner Besdins“ und bat die Anwesenden, Jedenfalls ,den Scholoum, der für uns Juden doch eines der wichtigsten Gesetze sei, zu bewahren. Hierauf ergriff Dr. Ludwig Lieben aus Bratislava das Wort. Er sagte ungefähr:, Bis vor einem halben Jahrhundert hätte’ ein solches Thema, wie ״Die,Leichenverbrennungvom jüdisch־־ religiösen Standpunkt“ nur ein Kopfschütteln erregt. Denn, was haben diese zwei Begriffe miteinander gemein? Sie haben weder gute, noch schlechte Beziehungen zu־־ einander. Wir Juden waren freilich in jedem Jahrzehnt!bereit, uns auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen, aber lebend und für unsere Religion, nicht aber .als Leichen gegen die Vorschriften der Thora. .Maimonides sagt im ״Sefer Hamizwous“ ganz aus־ driicklich: Das 231. Gebot lautet ״Kowour tikberenu‘•‘. Weiters sagt Maimonides: ״Hat sich einer letztwillig den Hesped verbeten, befolgt man sein Gebot, hat er sich sein Begräbnis verbeten, befolgt man es nicht.“ Die katholische Kirche — so sagt der Brünner Bischof in seinem Hirtenbrief von 1930 — verbietet, gestützt auf den jüdischen Brauch der Bestattung und die .Heilige Schrift — die Leichenverbrennung. Der katholische Priester darf keine Zeremonien beim ,Gräb vefrich'terir die ‘ Urne darf nicht auf dem katholischen Friedhof beigesetzt werden. Wenn auch ein Rabbiner einmal auf Grund 'irriger Schlußfolgerung zu dem entgegengesetzten Schluß käme, dann müßte er sich doch dem alten talmudischen ■Grundsatz fügen: ״Iochid werabim, Halocho -kerabim“. Als einst Rabbi Josüa auf Grund' seiner Berechnungen zu einer anderen Datumsbestimmung des Jomkippur kam, da sandte ihm Rabban Gamliel, der Vorsitzende des Synhedrions, folgende Botschaft: ״Wir verhängen fol־־ gende Strafe über Dich; an dem Tage, an dem. Deiner Berechnung nach Jomkippur ist, mußt Du vor uns er־ ׳scheinen, mit Deinem Stock und Deinem Gelde.“ Die Rabbinerversammlung des Verbandes ortho* :doxer Rabbiner Deutschlands zu Frankfurt am Main hat im Jahre 1904 folgende Thesen• beschlossen und T912 Bestätigt: , 1״. Die E r d b e s t a 11 u n g ist eine biblische Vorschrift und nicht bloß eine uralte Sitte. 2. Die Leichenverbrennung ist religionsgesetzlich unzulässig, a) weil durch sie das Gebot des Erdbegräbnisses ־unerfüllt bleibt, sodann b) weil sie nach Anschauung der Propheten eine Barbarei, und c) nach Meinung des Talmuds und der Decisoren ■eine Entwürdigung der Toten ist. 3. Die letztwillige Verfügung eines Verstorbenen, verbrannt zu werden, verpflichtet und berechtigt die Hinterbliebenen keineswegs, sich gehorsam zu erweisen. 4. AnLeichen, die eingeäschert werden sollen,• haben ׳die Mitglieder der heiligen Beerdigungsbruderschaft von ׳der Vornahme der Taharo Abstand zu nehmen. 5 ׳. Ebensowenig darf in solchen Fällen seitens des Rabbiners irgend welche Trauerfeier abgehalten werden. 6. Die Leichenreste sollen auf dem Totenacker neben dem Krematorium und nicht auf dem j ü d i* sehen Friedhof begraben werden.“ Auch unsere Rabbiner, in diesem Falle das Rabbi־ nat von Brünn, müßten sich einem solchen Gutachten fügen. Für die Leichenverbrennung führt man meist hygienische und ästhetische Gründe ins Treffen. Nicht einer von diesen Gründen ist stichhältig. Die Bazillen: 'Tuberkel, Ruhr, Cholera, Bauchtyphus, gehen mit. dem Leichnam zugrunde.. Die Friedhofsanlagen bilden aber mit ihren Bäumen und Sträuchern, ihrem unverbauten ■Grund Oasen in der Steinwüste der Städte. Dieser Mei* nung pflichtet auch der Professor der Hygiene Pr au, snitz bei. Der beerdigte Tote bleibe für seine An־־ gehörigen stets mit seinen geistigen und körperlichen ‘Vorzügen in der Erinnerung fortbestehen, an der Aschen־ :urne werde die Phantasie zunichte. Einer der schärfsten Gegner der Leichenverbren* nung war der berühmte Chirurg der Berliner Universität Karl Ludwig Schleich. Er sagt wörtlich: ״Unter allen Umständen muß ja der allgemeine Steigerungsprozeß, welchen der Tod garantiert, die Fortentwicklung der - ־Ursubstanz des Aethers der sogenannten Materie zur höchsten Geistigkeit mittels ewigen Keimtausches durch Eingriff des Feuers gehemmt und aufgehalten werden.“ ■ Der Rabbiner ist selbst beim Erdbegräbnis vom , rituellen Standpunkt nicht erforderlich, ganz unmöglich aber ist es, daß er bei einem Menschen, der sich letzt* willig aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen habe, fungiere und ihm die Rechte des gläubigen Juden :zuerkenne. » JÜDISCHE PRESSE .. ..-- ■״■״.-■'■-.:■.־■■■... Seiler .5§ift neues A^dahtiiii -i»3Niträt• Die Agudä,!־־ : J י S t 0״e I * J u g e.h d g f־ ii 5p p e ־ Hf N Hi ä schritt dies<er־׳ Tage zlühi Bäu eitles neuen 'eigenen ‘ Neunes, Ein solches Heim erwies sich im Interesse der voft, 0er jugendgruppe und der ihr irieu angegliedeften B a und OGruppen gepflegten Aufgaben als notwendig. Tföt? der fierfscheh־ den Wirtschaftskrise hofft die Jugendgruppe, dieses zur Verbreitung der Aguda־ldee und zur Erhaltung der Thora* pflege in den Kreisen der Jugend unentbehrliche Werk in kürzester Zeit vollenden und seiner heiligen Bestimmung übergeben zu können. Die Gemeindeverwaltung stellte opferwilligerweise der Jugendgruppe zu diesem Zweck einen schönen Baugrund zur Verfügung. Die Grundstein* legung fand unter reger Beteiligung der Mitglieder statt. Der Präses der jugendgruppe, : Herr Wilhelm Stark, hielt aus diesem Anlaß eine mit, Begeisterung aufgenom* mene Rede.! , A. U. Grabsteinsetzung in Senica n. V* Sonntag, den 19. Kislew, wurde in Senica dem verewigten Öberrabbinet L. Marmors fein ן״ל unter starker Beteiligung der ganzen Umgebung die ,מצבל gestellt. Aus diesem Anlaß hielt Herr Oberräbbiner S. \V e i s z einen eindrucksvollen, alle Herzen bewegenden הספד. Darauf begaben?ich alle Versammelten korporativ nach dem החיים f"PD. Am Abend hielt noch Herr Oberrabbiner B r o d a aus Myjava eine tiefempfundene Gedenkrede. M. L. Neue Gemeindeleitung in Munkacs. Am 15. Novem־ *ber fand in Mitnkacs die Wahl der Gemeinderepräsentanz unter sehr mäßiger Beteiligung der Mitglieder statt. Die Wähl wurde nach ■den ersten .einleitenden Schritten zur Schaffung einer Opposition orthodox gesinnter jüngerer Gemeindemitglieder ohne Wahlkampf auf Grund eines Komprömisses durchgeführt. Das Resultat ermög* lichte der früheren Gemeindeleitung die Beibehaltung von 41 der 61- Repräsentantensitze. Zum 'Gemeindepräses wurde Herr Saul Perlstein gewählt. Deiner Böden schöne Reize Pflege mit Cirine*Beize. Leiden Sie an Rheumatismus? ׳׳. >. B e r a t e EbStecSich mit Ihrem Ar.0$>as Sie dagegen tun sollen, und kaufen Sie M e ü t 11 1 0׳* Franzbranntwein L P A Alpa-Massage. verscKäfft Ihnen Li n d e ru n g, beschleunigt den Blutkreis-h lauf» gewährt dem Körper die erforderliche Nahrung, stärkt die Muskein und wirkt wohltuend aiif 'die Nerven. Bei rauhem, kühlem und veränderlichem Wetter entsteht den Rheumatikern große Pein. Durch Massage mit Franzbranntwein ״Alpa“ erreichen Sie große Er* leichterung. Der Blutkreislauf wird äußerst lebhaft, gewährt eine entsprechende Körperernährung, wodurch Muskelstärkung und günstige Nervenbeeinflußung erzielt wird. Beraten Sie sich mit Ihrem Arzte über die Art der Massage. Der geistige Nachlaß Rabbi Samuel Donaths Die Söhne des vor einem Halben Jahr heim־־ gegangenen berühmten Rabbiners Rabbi ,Samuel Donath זצ״ל bereiten den zahlreichen Verehrern ihres Vaters zu dem bevorstehenden Chanukafest eine große Freude, indem sie ihnen den Nachlaß des bekannten Maggid unter dem Titel ״חחשי שמואל חרמשי״ .Jn einem ,schön gedruckten, stattlichen, jßand vorlegen. Rabbi Samuel Donath ץן\״ל war einer (jler besten Gelegenheits־ redner alten Stils in unserer Zeit. Er verstand es, gediegene הנדה nach früherer Art mit eindringlichen Belehrungen für. -die... Gegenwart^ sq ~ einheitlich; zu ver* binden, daß aus seihen Worten eme stärke Persönlichkeit hervorleuchtete und den. Zuhörer)־jederzeit fesselte. Im besonderen waren seine Nachrufe und Trauerreden, die er jahrzehntelang als offizieller מספיד der, Preßburger Chewra Kadischa hielt, viel bewundert. Es war somit nicht nur ein Akt persönlicher Pietät, sondern unzweifel* haft auch; eine Pflicht der jüdischen Gesamtheit gegen־ über, das wenige, was sich aus der Fülle seiner Geistesschätze von der Hand Rabbi , 'Samuel Donaths auf־ gezeichnet vorfand, der großen Oeffentlichkeit zugäng־־ lieh zu machen und für die. Nachwelt zu erhalten. Freunde geistreicher Deutungen־ von Thoräworten und מאמרי חן״ל werden dieses Sefer immer wieder mit geistigem Genuß zur Hand nehmen, und junge Rabbiner werden mit Vor־ teil daraus lernen. Das Werk besteht aus zwei Teilen. Im ersten (bis Seite 153) ' ist Maggidus ..zu den Wochen* abschnittten der•חור1ק und im zweiten eine Menge aga* dischen ■Materials zu Hespedim־ ,äüf die verschiedenen Namen ebenfälls nach Wochenabschnitten und den ספרינ״ך geordnet enthalten. Den Schluß bilden geistreiche סיומי מסכת׳ zu verschiedenen Traktaten. Das Werk ist bei Frau Rabbiner Samuel Donath, Brati־ slava, Edlov dwor, zu beziehen. Aussig. Die kiesige Stadt . lebt zum größten Teil von den Abgaben der drei großen! Firmen Ignaz Petschek, Ed. Weinmann und Georig Schicht. Die Rücksichtslosigkeit, mit ■der der .Anssiger Stadtrat das rituelle Sclnichtvenbot aus antisemitischen Gründen erlassen hat, wird es wohl den beiden jüdischen Firmen erleic.11tern, die wegen der Steuerbegünstigungen schön längst erwogene Verlegung ihres Sitzes in tschechisches Gebiet vorzunelimen. Die dritte Firma', Georg Schicht, die durch ihre Angestellten einen ziemlichen Einfluß in den öffentlichen Körperschaften, und zwar auch im Stadtrat, ausiibt und, nebenbei ■bemerkt, keinen Juden anstellt, dürfte wohl von den Juden zu etwas weniger Antiseinitismus verhalten werden. Die' Juden haben die Möglichkeit dazu, da sie die Hauptkonsumenten des rituell hergestellten ״Ceres“ in der Slowakei, Ungarn, Polen imv. sind. | '׳ Bei stockendem Stuhlgang , und überschüssiger Magensäure leitet das sehr milde, natürliche ״Franz*Josef“־ Bitterwasser die im Magen und! Darm angesammelten Rückstände der Verdauung ab ynd. verhütet in vielen Fällen die Entstehung von Blinddarmentzündungen. In der ärztlichen Berufstätigkeit wird das!tFranz־Josef*Wasser bei Männern, Frauen und Kindern mit vollem Erfolg an* gewendet. In Apotheken, Drogerien und Mineralwasser* handlungenerhältlich. Wiener jüdische Kunstsewerbeschule Ausstellung und Verkauf von 10 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr im Dr.־Krüg§r־־Heim, Wien, II., Malzgnss$ 7, 1, Stock, Telephon A־48־Q77־. ’ Besichtigen Sie unsere Ausstellung! Künstlerisch schöne Tallis* und Tefiiiinbeutel, Hawdoloh* und Kidduschgläser und ־teller, feinste Mesussos, Barches* deckerin, Misrach, S.peziell zu Chanuka: 1. kunst«־ gewerbliche Holz*Menorah für Kinder S 6; 2. Menorah in Messing, alle Preislagen; 3. Unterlage für die Menorah aus Kunstleder, keine Oel* und Wachsfleoken mehr, das U: eU\eu,es*e S 2 bis 3; 4. Moauszur, Gesellschaftsspiel a r ®?׳SR; 5. Puppentrendetfn in schönsten Ausfuhrungen S 1 bis 150; 6• jüdische Lottos, Quartett, bchnapp*Schnapp, jüdische Bilderbücher in allen Preislagen, Bücher. Philosophisches. Wenn nach Schopenhauer der Titel eines Werkes gleichsam wie. ein Monogramm den ganzen Inhalt in Abbreviatur wiedergeben soll, dann hat Theodor Lessing für sein Buch einen sehr glücklichen Titel, gewählt (Theodor Lessing: Europa und Asien, Verlag Felix Meiner, Leipzig). Denn dieses Buch ist die große, noch nie mit solcher Kühnheit und vor nichts zurück* schreckender Konsequenz unternommene Konfrontation europäischer und asiatischer Geisteshaltung. Den zweck* bewußten vernunftbetonten, naturentfremdeten abend* ländischen Menschen dem zweckfremden, beseelten, kind* lich*naturverbundenen asiatischen Menschen gegenüber* zustellen — das ist der Grundgedanke des Buches, den Lessing bis in seine letzte Ausstrahlung und feinste Ver* ästelung thematisch ab wandelt. Nur ein Kulturphilosoph von der Weite des Gesichstfeldes und der Tiefe kritischen. Urteils wie sie Theodor Lessing besitzt, konnte ein solches Buch schreiben, ohne daß dabei, eines der üblichen ״Untergang des Abendlandes“*Produkte zustande י kam. Daß bei einem Werke, dessen kühner Bogenführung man aus der literarischen Produktion der letzten Jahrzehnte nicht so leicht Gleichwertiges wird zur Seite stellen können, gleichwohl manche Behauptung mehr als schil* lerndes Paradoxon denn als beweisbare Wahrheit ge* fangennimmt, manches Detail verkehrt oder verzerrt ge* sehen ist, kann nicht wundernehmen. Hier sei nur auf eine Einzelheit hingewiesen. In seiner ergreifenden und rührenden Anklage ■ über die verheerenden Wirkungen der modernen• Kultur an Tier* und Menschenleben, spricht Lessing von der falschgefühligen Fürsorge für das Tier, für welche, kennzeichnend sei das biblische Wort: ״Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs“, Vorip nach Lessing derselbe Hochmut steckt, wie in jeder Form von Mitleid, Erbarmung, Duldung oder Toleranz — geistige Zustände, welche erst dort Platz greifen, wo Gemein* schaft und Liebe eben ermangeln.“ Der Vorwurf, den hier Lessing gegen die Bibel erhebt, wird dadurch nicht be* weiskräftiger, daß er unbesehen von Schopenhauer über* nojnmen ist. Hier soll nicht des langen und breiten ge* schildert werden, wie das jüdische Gesetz das Verhalten des Menschen zum Tier in einer Weise regelt, in der nur ■Böswilligkeit bloß mitleidvolles Erbarmen des seiner ,Höherstellung bewußten Menschen erblicken kann. J. Unna hat bereits in einem Aufsatz ״Die Stellung Schopenhauers zum Judentum“ (Festschrift für J, Wohl* gemuth, Frankfurt a. M. 1928) darauf hingewiesen, daß Schopenhauers, •Yorwurf auf einer Ungenauigkeit Luthers beruht, in dessen Uebersetzung Schopenhauer das Alte Testament gelesen hat. Die Bibelstelle (Sprüche 12, 10) heißt wörtlich übersetzt: ״Der Gerechte kennt die Seele seines Tieres“ — also von bloß mitleidigem Er* barmen ist an dieser Stelle gar nicht die Rede. Und.־in diesem Zusammenhänge darf wohl auch darauf ׳. ״hinge* wiesen werden, daß gerade die Sprache der Bibel, ,un* gleich den meisten anderen Sprachen für: die Körperteile und die körperlichen Verrichtungen bei,Arensch ,;uncLTier in der Regel keine verschiedenen Ausdrücke hat, <was! s.ehr bezeichnend ist für die Auffassung der Bibel von der Stellung des Menschen zum Tiere. — Aber das ist' — neben manchem anderen — nur eine Einzelheit, die;;'den , tiefen und nachhaltigen Eindruck, den dieses wahrhält bedeutende Werk hinterläßt, nicht schmälern kann. — ' Das religiöse Erbgut der Vergangenheit hat für viele Menschen seine absolute Gültigkeit , und bindende Kraft verloren. Unsicherheit und Haltlosigkeit sind je länger je mehr an seine Stelle getreten. Diesen Menschen, die ziel* und ratlos den großen Lebensfragen gegenüber* stehen, weil sie , den Glauben an letzte» Ziele allen mensch* liehen Handelns verloren haben, Nvilh? .das Buch von Walter Lippmann dienen (W alte r L i p p m a n n : Die sittliche Lebensform des modernen Men*, sehen. Aus dem Amerikanischen üiJb ersetzt und eingeleitet von P. Sack ma n n, Deutsehe Verlags* anstalt, Stuttgart), Die Schilderung der־ Auswirkungen des modernen Unglaubens innerhalb des ganzen . Lebens־ raumes des einzelnen und der menschlichen Gesellschaft ist der beste Teil des Buches, Hier merkt man auf Schritt und Tritt, daß der Verfasser kein lebensfremder Stuben* gelehrter ist, der vom Schreibtisch aus über brennende Lebensfragen philosophiert, sondern ein Mann des prak* tischen Lebens, der das Beste seiner Philosophie nicht , dem‘ Bücherstudium, sondern der Verflechtung mit dem öffentlichen Leben verdankt, In der Tat war Lippmann viele Jahre hindurch als Parteimann und Journalist, tätig, und sein philosophisches Hauptwerk ist auch mitten aus der großen Weit der Geschäfte, erstanden, Schwächer ist der konstruktive Teil des Werkes, Es wird niemals ge* Jingen, die tiefe Sicherheit und Zielbewußtheit, von denen