Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 39 (9.10.1931)
- Date
- 1931-10-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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hielte 2 14m wwtiat-tii Nr. 39 Äü|Bf0y|eSg!^efl ¥ frjf iügli c h . wandt, in den großen Notwendigkeiten der fordernden und gebietenden Zeitläufte begründet ithd.Wifd unseren Nachfahren durch sie allein restlos deutbar Werden, Er war glücklich, seiner Zeit seine ganze Kraft unge- ■brocken hingeben zu dürfen, weil er sich und alles, was er an. geistigen Und seelischen Fähigkeiten besaß, als eineri Teil jener unermeßlichen Kraftquelle betrachtete, die das Thora-Judentum für alle Ewigkeit in siel» schließt,״ wie die Sonne den Segen ihrer Strahlen uns heute vorbehaltslos zufließen läßt» wenngleich auch ein Gestern empfangend da war und ein Morgen seine Arme sehnend nach neuem Segen in die Hohe streckt. Oberrabbiner Weber 1צ״ל 'var ein Kind seiner, unserer Zeit; ihr gehörte er mit jedem Wesenszuge seines beweglichen Denkens und Fühlens an; ihr galt sein Kampf um die Herausarbeitung und innere Festigung seiner persönlichen Vorzüge; in sie senkte er seine reine Aussaat; aus ihr schöpfte er alle Hoffnungen auf das (Gelingen seiner mühevollen und aufreibenden Arbeit״ in Familie, Gemeinde und Gemeinschaft. Wir allesamt, die wir uns ■schier erdrückt fühlen von der furchtbaren Verantwortung, die uns die heiligste Aufgäbe Unserer Zeit, nämlich die unbeeinträchtigte H i n ii ■b erleitung des wahren, historischen Judentums aus der problemlosen Verg a n ge nheit ü •b e r d i c a u f g e w ü h 11 e Gegenwart.der jüdischen Gesamtheit hinweg in eine sich aufwärtsrankende geklärte j ii d i s c h e Z u k ■u n f t a u f e r 1 e ■g t, ־wir müssen in dem schlichten, vertrauenden צדקות in <1er in תורת und יראת השם gestählten nüchternen Tatkraft eines Führers von der ragenden Größe ■und dem Schlage Rabbi ■Kalman Webers זצ״ל jüdisch-menschliche Ideale ■erblicken!und ihnen tiefe ■ehrfurchtfvolle Dankbarkeit entgegenbringen, wenn wir uns aus den Miseren der Zeit zur Erfüllung unserer Aufgabe emporheben wollen. Oberrabbiner Rabbi Kalman Weber זצ״ל war vom Hause aus ein Kind aus dem thorabelebten Volke. In Mako (Ungarn), also in einem chassidisch beeinflußten Kreis, geboren, wurde er von seinen. Eltern nur in. der Thora und für die Thora erzogen. Seine ungewöhnliche Begabung und seine Zähigkeit kannten kein anderes Ziel, als sich inj-fT^und מדות טובות zu vervollkommnen. Er zog, noch jung an Jahren, nach Paks .auf die ישיבה" des Rabbi Sußmann Sofer זצ״ל dessen edles Streben in den Dingen des orthodoxen Judentums und ebenso seine gerade, geordnete Lehrweise und seine Art,מאמרי חז״ל in geistreicher Verknüpfung mit eindringlichem, aktuellem מוסר ungekünstelt; zu deuten; ihm bis an sein Lebensende Vorbild blieben. An Thorawissen stark bereichert, kam er : nach Preßburg auf die ישיבה des V'l שבט סופר Hier ragte er bald unter den1 damals nach Hunderten zählenden, geistig reifen Schülern hervor. Not und Mühsal überwindend, wuchs er während der sechs Jahre seiner Preßburger Jeschiwazeit; zu einem gewiegten תלמיד חכם heran. Er eignete sich hier, wie dies alle seine Kollegen^ taten, auch ein gewisses Maß von allgemeinem weltlichen Wissen an und ertüchtigte sich zu einem wirkungsvollen, angenehmen Redner, aus dessen הגדה immer eine lebensfrohe, mit den Problemen mehr spielende als ringende Weltanschauung heraus-!leuchtete. Durch emsige Zeitungslektüre, die einzige den Bachurim ohne Kostenaufwand ,zugängliche Bildungsqnelle, gewann er ein reges Interesse •für die Zeitereignisse und einen kritischen Blick für «die: Zusammenhänge im politischen Geschehen bei' Staaten und Völkern. Ein Jahr ungefähr nach seiner Heirat mit der gleichgesinnten Tochter des ראש ב״ד bei der Wiener ״Schiffscluil״, Rabbi Josef Bef Kohn 1צ״ל Schwiegersohnes des Rabbi Salman Spitzer 1צ״ל, würde er zum . ■ ׳.; ■ ■ ■ ■ '־ •; i ,׳1!־i Ober fab b i n e r v ön Rete gewählt.. ־ In dieser kleinen, nur ein sehr dürftiges Auskommen bietenden Gemeinde wirkte er etwa fünf Jahre, mit seltenem Fleiß und zäher Ausdauer sich dem לימודת״וה hingebend. Von hier wurde er zum Nachfolger des nach Preäov berufenen Oberrabbiners N. B. Fischer zum Oberr abbin er von PieStany gewählt. Die jüdische Gemeinde Piestany, vor kurzem noch eine aus schlichten, frommen, jedem Abfall von der Tradition der Väter , abholden Mitgliedern bestehende echt jüdische einheitliche Kehilla, erhielt um jene,?eit starken Zuwachs von Mitglipdern aus Gemeinden’,־!ih die sich die neologe!Lebensart bereits eingenistet hatte, Es waren dies zumeist Aka- ■demiker und andere jüngere ■Menschen, die der Weltkprort PieStany angelookt hat. Diese wollten sich in . dfo strenge Zucht einer) grundjüdischen Kehilla nicht einfügen und bedrohten mit dein Beispiel ihres una^ligiösC^ Lebenswandel^!aucli dje ■Jugend der eing^sess^nen jüdischen , '^Bevölkerung. Oberrabbiner Webe^ljatje . schwere Arbeit zu tun, ünnnterbrochen auf der Tlut zu seiu-uncl mit allen Künsten der klugen Thktik lind Beeinflussung dafür zu sorgen, daß die Gemhinde in ihren Institutionen und in ihrer Leitung den Qj-thödexen Chärakter bewahre. Dies gelang ihm ■auch f ־ 111111 | Ö :gründet 1882 Gegründet 1882 I /\ I, Riemerg. Direktion: | Versicherungsbestand Ende 1930 .... 2560 Millionen Schilling ן ן Prämienand Zinseneinnahmen im Jahre 1930 150 Schilling | ן Oarantiemittel Ende 1930 . - . . 378 Schilling j 1 Auszahlungen an Versicherte jm Jahre 1930 35.5 Millionen Schilling 1 ן Tätigkeitsgebiet: ן j Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische jjf m Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, §f Italien, Ungarn/Polen,Jugoslawien, Bulgarien, Griechen-! §§ land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis §§ §f und Aegypten || illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllll bis nach dem Kriege, als dem orthodoxen Judentum in der Ausbreitung des ■Zionismus und der Ueberflittung der ganzen Tschechoslowakei mit der jüdischnationalistischen• Propaganda ein neuer, auch in das i 11 n erg e me i ndli Bh c und das politisclie Leben eingedrungener WiclCrsa'cher entstand. Im Wiederaufbau der orthodoxen Gemeindeorganisation der orthodox-jüdisehen Konfession, im Rahmen des neugegründeten tschechoslowakischen Staates, fiel Oberrabbiner Weber זצ״ל die hervorragendste Rolle zu. Dies allein schon zog ihm den grimmigen Haß aller jener Neujuden zu, deren nationalistischen, politischen und kulturellen Bestrebungen der thoratreu-könfessionelle Charakter des Judentums ein unüberwindliches Hindernis bilden mußte. Dazu kam noch, daß das Statut der Gemeinde Piestany in prophetischer Voraussicht kommender Gefahren dem Oberrabbiner tatsächlich die Befugnis einräumte und damit auch die Pflicht auferlegte, die Gemeindeleitung vor dem Eindringen thorafremden Einflusses, zu :bewahren. Starke Vorstöße der zionistischen Agitation wurden nun zielbewußt darauf gerichtet, diesen Wachtposten des Führers der Landesorthodoxie zu stürmen, ihm die Obhut über seine eigene Gemeinde zunächst zu erschweren,;Wenn nicht unmöglich .zu machen und ihn damit vor der Gesamtorithodoxie bloßzustellen. Oberrabbiner W^ber זצ״ל erwies sich jedoch gerade jetzt auf der Höhe seiner Aufgabe. Er, dem die Zionisten persönliche Machtgelüste zuschrieben, verzichtete auf die persönlichen Machtrechte, die ihm das alte Gemeindestatut verlieh, und schuf an ihrer Stelle . ein neues Gemeindestatut, das als erstes im Lande Charakter, Wirkungskreis uncl;Zielsetzung der orthodoxen Gemeinde genau umschreibt und, den Gefahren unserer Zeit steuernd^ institutioneile Sicherungen gegen den n e u e 11 Widersacher enthält, wie das frühere Statut zum Schutze gegen׳'die früheren Gefahren der orthodoxen Gemeinde geschaffen war. Der Weitblick, der sich in diesen ersten Ansätzen einer neuz e i tl i c 11 e n, d e n Gefahren unserer Zeit begegnenden Auffassung der orthodoxen Gemein d e offenbart, ist neben der leider immer noch unvollendeten^ Reorganisierung der slowakischen Landesortliodoxie' uhd der Erwirkung ihrer Anerkennung durch den tscltbiplioslowakischen Staat sicherlich s e i n größtes u p.cL^ve 1׳ t v0,11 s t es positives Verdienst um das Judentum, das erst in späterer Zeit gebührend gewürdigt werden wird. Diese Verdienste seines Wirkens in einer intimen , Einzelgemeinde als Ober r}a b ■b i n e rv 011 Piestany während eine,r; Zeitspanne von 29 Jahren, an historischer Bedeutung weit!׳.überragend, galt seine Lebensarbeit als Präses de ä' orthodoxen Zentralbüros in den letzten 13 Jahren dem Gesamtjudentum in der S1 oWakei. Der . Name Rabbi Kalman Weber ז״צל bleibt für alle 1Zeiten mit dem Begriff; *oder sagen Avir — um auch in dieser schmerzerfüllten Würdigung eines großen Heimgegangenen ehrlich zu sein — mit der Vorstellung von einer slowakischen Orthodoxie unlösbar verknüpft. In diese Arbeit wuchs"1 er hinein und wuchs mit ihr zur Führerrolle empor; sie löste J — namentlich in den ersten 7 ■bis 8 .Jahren des sichtbaren Erfolges, des steigenden Selbstvertrauens und des Vert'rauens in die Heiligkeit und die Unverrückbarkeit der .neugewonnenen Horizonte in ihm starken Willen und feste, aufrechte, geradeaus gerichtete Zielstrebigkeit von weiter, hoffnungsreicher Konzeption aus. Die Verantwortung für das religiöse und historische Schicksal von sind $681 1870 d8B t!6$t©1i. Fabrik: Wien, XV״ Staglgasse 10 bei Mariahilferstr, 148) Tel. R-35^8-47 und R-38*5^3׳ Filiale; Wien V((, Burgga9«el7, Tel. B 32*3-80 S briügt' Ifirtett &\£ tfeheäYeft SS ־ _ § § . *** Äjj?? U2I f LJ i IT C? s nCrxrxClIMriVJ I C für• den Herbst I S WIEN, II, TABÖRSTRASSE 39 § Hunderttausencleh thoratreuer Söhrtc und Töchter des jüdischen Volkes, die in den slowakischen orthodoxen Gemeinden zusammengefaßt sind, beseelte und beseligte ihn, hob ihn turmhoch über seine angeborenen und er- Avorbenen Fähigkeiten hinaus und Aveckte und schärfte seinen Sinn für Größeres, Höheres und Tieferes, Breiteres und Weiteres, als Aielleicht in der beAvußten Absicht etlicher derer lag, die ihm den Führerstab anvertraut hatten. Mit bewundernsAverter Elastizität fühlte er sich in die Kompliziertheit der großen Fragen der orthodoxen Gesamtheit ein, die der früheren ״ungarischen Orthodoxie“ in ihrer Arerhängnisvöllen splendid isolation unbekannt Avaren, und die auch er erst durch seine innige Zusammenarbeit mit der Weltorthodoxie in der Agudas Jisroel kennenlernte. Die selbstlose erprobte Ueberzeugungstreue A^on“ Männern Avie — um nicht Lebende zu nennen — Rabbi Samuel Rosenberg (Hunsdorf), Rabbi Noacli Boruch Fischer (Presov), Rabbi Samuel LeA־i Weinberger (D. Streda), Rabbi Mosche und Rabbi AAvrohom Aron Katz (Nitra) u. a., gab seinem ersten Wirken zur D11 r c h d r ä 11gung des ges ■amten öffentlichen jüdisehen Lebens mit dem Willen zur Orthodoxie die beste Approbation. Sein AbAvehrkampf gegen dais ״Vordringen der zionistischen Ideologie in die Führung der Gemeinden und gegen die demagogische Aufolctroyierung einer zionistischen Vormundschaft über die Gesamtheit in ihrer politischen Vertretung in Parlament lind Ortsgemeinde Aviar eine direkte Folge seiner, Aron der gesamten Orthodoxie unseres Landes einhellig gutgeheißenen Wegrichtung bei der Arbeit für die Orthodoxie. Der Kampf Avar heiß und Avircl noch viele Jahre geführt Avurden müssen, bis er endgültig den Sieg erringt. Oberrabbiner Weber זצי׳ל rieb sich schon Jahre vor seinem Heimgang in diesem Kampfe auf, und es bleibt sein Ruhm, daß die Notwendigkeit der Abwehr jener Gefahr in den Kreisen der יראים ושלמים heute mehr denn je erkannt Avird. Oberrabbiner Weber ז״צל mußte die Kelle des Auf- ׳ baues und das KampfscliAvert der AbA^ehr jäh aus der Hand legen. Sie dürfen aber nicht lange rosten. Das Judentum׳liri*In-1 und Ausland erlebt bittere' Zeiten; und•׳ ein Ende ist noch nicht abzusehen. Oberrabbiner Weber ד׳צל verwaltete in treuer Hut ein großes Erbe, das bald in neue Hände übergehen Avird. Sein Andenken würdig ehren und zum dauernden Segen für das gesamte Judentum zu gestalten, ■heißt: Unverdrossen das Banner 11 ochh alten, unentAvegt Ave.it erbauen, w e.i t e r b.a u e n bis השי״ת alle Au g e n e r 1 e ii c 111 e t und alle Herzen erwärmt für d ie groß e*, historische Aufgabe des jüdischen Vo.ikes. זכר צדיק לברכה j. J. b. Die Trauerkunde von dem Hinscheiden des Landespräses ז״צל verbreitete sich schnell im ganzen Land. Am schwersten getroffen Avar die verwaiste Familie, die schAvergeprüfte Witwe nebst ihren neun Kindern, von denen bloß zwei Töchter verheiratet sind. Die Gemeindelei jung und die Ghewra Kadischa Aron Piestany trafen sofort in Preßburg ein, leiteten mit Unterstützung der Preßburger Chewra Kadischa alle Vorkehrungen zur Ueberführung der irdischen Hülle ihres geistigen, Oberliauptes nach Piestany. Dienstag in der Morgenstunde strömte eine Volksmenge von mehreren tausend Mensehen aus allen Bevölkerungskreisen in dichtgedrängten Reihen zum jüdischen Spital hin, um Oberrabbiner: Rabbi Kalman Weber ז״צל das Geleite zum בית החיים zu geben, wo die Taharoh vorgenommen Avurde. Rabbiner; •und Gemeindedeputationen aus allen erreichbaren Gemeinden waren jetzt schon amvesend. In den Straßen, | die der Trauerzug passierte, Avaren alle Geschäftsläden geschlossen. Auf allen Gemütern lastete ein tiefer Schmerz um den unenvarteten Verlust eines Führers, der im 61. Lebensjahr, mitten aus dem rüstigen Schaffen heraus, ■auf so tragische Wpise gerissen Avurde. Nach der Taharoh Avurde der Sarg per Auto nach Piestany überführt. ־ PieStany stand im Zeichen dieses traurigen Ereignisses. Die gesamte Bevölkerung, Juden und Nichtjuden gleichermaßen, beAvies der heimgesucliten Familie innigste Teilnahme. ׳ י '־$"׳ ' Im Gerne indesaale fand sich der V o *- stand zu einer Sitzuug ein, uni das Andenken ׳de|; Führers zu ehren und Beschlußauträge für ■die hoch vof|־ der חלוי׳ kättfindendeu GeneralyefSammlung •tjer Ge^ meinde vorzubereiten. Die Gen e.ralversainjp 1 ungl A'oljzog sich kurz iu schmerzdurclwehter . Stin}pu11gi| Auf Vorschlag des GeiueindepräSes Herrn;Sal.:J|:r oß|| maun, der in einer gedrängten Rede yoh :de'i^efei^ Trauer der Gemeinden spracl‘1, und der; ||j|rre1i| Jul, Yh g e 1 und Karl JJ 91 z er wurde naoH'^^eine^ kurzen, woldAvollenden Debatte eiiistinwrtig \eiiil^®ht« sBhließnng angenonwuem wonach ■die Gemeinde hun|nehp die. vollen fixen Bezüge des Oberrabbiuers der 615 999