Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 39 (9.10.1931)
- Date
- 1931-10-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2629891-2630389-2630427--4015-2636111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
NovlnovG povofeM find» post v Brttislave £!9. 41572*111*20. }VH/. 3, WTERESSEN DES Zeitungeii vom Vetiegfif vctseödet, Journal 0xp4die paf l*4dlte1». Redaktion 11. Administration: Wien, 11., Leopolds« gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A*4SM)#94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig; Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das. übrige Ausland 3 Dollar. ן Zahtnäijen auf Konto ,Jüdische Presse", Wien für Oesterreich! Postsparkassenkonto Nr. D-936I4; Deutschland! Post« Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweizi Polt« scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t »JO* dl8che Presse", Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 63386 •י־ ־ י * ''■ י י־ י׳'׳י'.!1■.'' . . י - - Nr. 39 Wien-Bratislava, 9. Oktober 1931.rapn ב׳ה וינא־שדעסבויג כ״ח תשיי 17. Jahrg. Oberrabbiner Rabbi Binjamin[Seidl ״צר; . Oberrabbiner ,Rabbi B i n j >a m i n Sei <11, der al!beliebte, mit dem schönsten Adel, dem Adel des Herzens und der Gesinnung, neben dem Adel der Thora ausgezeichnete Rabbiner von Galanta, hat in der Schemini Azereth-Nacht seine gute, edle und reine Seele gut, edel und rein, wie er sie empfangen, ihrem Schöpfer wiedergegeben. ,Ergriffen und, aufs tiefste erschüttert, vernehmen wir die Nachricht,_ die tage- ■langem, bangem Hoffen auf Erhaltung des . teuren Lebens ein schmerzvolles Ende bereitet hat. Noch zittert das schwere Leid im ■Herzen fort, das die große Trauer der Piestanyer Gemeinde und der Landes- Orthodoxie um Oberrabbiner Weber זצ״ל geweckt hat, — und schon greift neuer Schmerz;an die Seele wegen des Verlustes eines großen Meisters der Thora, eines ihrer eifrigsten und feinfühligsten Künder, wegen des Ablebens, des als לצ״ח גדול Ms eindringlichen Lehrer, Befolger und Betätiger der Thoramoral weit über die Grenzen seiner Heimat bekannten Galanfaer Oberrabbiners Rabbi Bin jamin Seidl זצ״ל, de,r. nach wenigen Tagen schwerer Erkrankung an einer Lungeneutzündung im 61. Lebensjahre , seiner zahlreichen Familie, , seiner.,. an ,,ihm. hängenden Gemeinde und dem gesamten Judentum allzu früh entrissen wurde. Er, der;mit jedem Leidenden fühlte, der jede Not zu mindern und jeden Schmerz zu lindern bestrebt war, er müßte durch die unerforschliche' g-ttliche Fügung in den letzten Jahren seines auch sonst nicht immer freudedurchströmten Lebens unsägliches Weh ertragen. '׳Furchtbar tragische Todesfälle. in seiner Familie haben die ohnehin sehr zarte Konstitution seines Körpers derart geschwächt, daß sie - dem ׳Ansturm einer Krankheit nicht mehr standhalten konnte. ■ Wie aber in den schmerzlichsten Tagen seelisch den großen Schmerz, den größten, der einen Vater zu treffen vermag? — Wler ihn damals zu beobachten Gelegenheit. hatte,, der mußte von Ehr-, fürcht erfüllt werden vor der Größe wahrer g-ttergebener jüdischer Frömmigkeit, die sich ihm in Rabbi Bin jamin Seidl ןצ״ל »offenbart-p. Kejne^ Klage, keine Frage kam über seine Lippen! Er wollte aumi■ daraus, wie er, in Demut gebeugt, sagte, nur lernen, G-tt mit gesteigerter, geläuterter ,שמחל £u dienen. Wer wäre stark •genug, diese seelische Selbstüberwindung mit ■gleicher Inbrunst zu. vollbringen? ל— Rabbi Binjamiu Seidl זצ״ל war in der Gegenwart wohl der beste TOÖ in der Slowakei. Er war es nicht nur, weil er über immense Kenntnisse in Talmud und Midrasch, in den ם6רי א נדון und den ספיי מוסר verfügte, sondern , vornehmlich weil er ein ganz vorzüglicher Lebens- und Seelenkenner War, weil er dem Wesen der sündhaften menschlichen Verirrungen nachspürte und mit unversiegbarem Eifer auf die Rückkehr der Veristen לאביון שבימים bedacht war, Fr, wo l l t e upd mußte das richtige Wort, die* packende Interpretation finden, um <clie Herzen seiner Zuhörer für das Gute und Wahre, für das unverfälscht Jüdische untj ■thoragemäß G־ttgefällige zu, erobern. In, seinem •'Willen, nichts als ein Diener am Geiste dpr Tihora zu seim lag die Zauberkraft seiner wirk ungs״ vollen» Beredsamkeit. Die grenzenlose Bescheidenheit Lebenslagen entwaffneten jeden Zweifel an der Auf-! richtigkeit seines Strebens und sicherten ihm zumeist j den Erfolg allüberall, wo das G-tteswort nicht taube Ohren findet. So war er denn selbst die Verkörperung jener erhabenen jüdischen מדות geworden, die er lehrte und im Namen der ־ תן״ק von seinen Mitmenschen in. bescheidenen Formen־ zwar, aber mit unnachgiebiger Festigkeit forderte. Dieser Mund, der uns noch so unendlich viel zu sagen hatte, ist nun für immer verstummt. Nur die allgemeine Trauer, die das ganze slowakische Judentum bei der Nachricht von seinem Heimgang erfaßte, bietet: einen kleinen Trost im Weh. Denn sie beweist, daß sein Wirken hier auf Erden nicht fruchtlos war und daß die Mitwelt noch lange Zeit das Wort, das er zu ihr gesprochen, im Herzen bewahren wird. Dieses Andenken des צדיק bleibt ein dauernder Segen.! Die ,הלןו fand Montag, den 22. Tischri, statt. Mehr als dreitausend Personen, darunter etwa 25 ■Rabbiner, kamen aus nah und fern nach Galanta, um dem Verblichenen ■die letzte Ehre zu erweisen. Die , städtische Feuerwehr bot im *Synagogenhof eine Ehren- Einem Lauffeuer gleich eilte in der elften Stunde •des ersten Cholhämred-Tageg die Schreckensnachricht durch die Stadt Bratislava, Oberrabbiner Weber sei auf dem Wege vom Bahnhof in die ortho^^^ndeskanzlei an der Kurve vor dem EdlhoHaus dem^Aütobus gestürzt und schwer verletzt in bewußtlosem Zustjfedp nach dem jüdischen Spital gebracht worden. SchneilSversammelte sich ein enger Kreis von Freunden, allen voran Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Schreiber, um düs frische Krankenlager und harrte beklommenen Gemütes auf das Wiederaufflackern ־' des Lebenslichtes in den Augen, die noch wenige Minuten vorher nichts ahnend unternehmungsvoll nach nepen Taten im Dienste des Judentums ausschauten und jetzt wie traumversunken geschlossen dalagen. Wir umstanden einen Sterbenden, so imfaßbar uns auch ein so^h übergangslbser Schritt vom pulsierenden Leben in ,den, starren. Tod erscheine!* mochte! In der Brust des Sterbenden aber » wogte es brausend, als gälte es noch einen letzten kürzen Kampf, ein letztes verzweifeltes Ringen, um ein Leben, das sich krampfhaft an diese Welt der Taten, an diese irdische Wirkungsstätte ״seiner noch allzu unvollendeten Auf1 gäbe* klammerte. Doch der Beschluß des Allmächtigen gewann Oberhand über den Menschenwillen und nach einer Stunde sank der Körper Rabbi Kalman Webers einem zerbrochenen Scherben gleich in TrümD1eru:4-׳a-,! hin, während seine reine Seele,«befreit von allen Banden Gemeinden der Slowakei und die Wiener Schiffschul nebst ihrempi*Bethamidrasch entsandten Deputationen^ Im Tempel gab zunächst Gemeindepräses Herr Nathan Stern den Beschluß der Gemeinde bekannt, der ihinterbliebenen Witwe bis zur Neubesetzung der Ober-, rabbinerstellc den Gehalt unverkürzt weiterzuzahlen und die Stelle mit einem jungen ת״ח wieder zu besetzen,, der •die verwaiste Tochter des Heimgegangenen ■heiraten soillj. Von Itter im Synagogenhof( errichteten Tribüne herab hielten ergreifende Hespedim und Nachrufe zwei Söhne des Verblichenen, die Herren Jecheskel lind Sch. B. Seidl, sowie die elirw. Herren Rabbiner Schreiber •aus Bratislava, Buxb a um aus Galanta, Josef Baumgarten aus Wien, Div ■L. Silberstein ans Waitzen, -1\t. Frej aus Siirany, Hirsch- .1 er aus Bratislava ■und Bresnitz aus Senec. Tiefen Eindruck machte auch der Nachruf, den Herr Stadtriahter iDudäs dm Namen der gesamten Einwohner- Schaft in ungarischer Sprache hielt. ■Ein ■unübersehbar ■langer Zug geleitete durch die beleuchteten Straßen die מטה zum ״Haus des Lebens“, wo die הקפות S'e־ macht wurden und was sterblich war an .Rabbi. Binjamin Seidl zur »Ruhe gebettet -wurde. לזכר עולם יהי, צדיק!; . J; J• B•. des Erdenwallens, emporstieg in die lichte Ewigkeit. So fand der Dornenweg eines jüdischen Führers in unserer ■Zeit einen ungewöhnlichen, alle Welt konsternierenden tragischen Abschluß. י ■ ,׳■ Oberrabbiner ■Rabbi Kalman Weber זצ״ל war* eine jüdische Persönlichkeit, die mit allen ihren •Aeüßerungen aus der;Gegenwart hervorgegangen ist und mit % aufs enfste verknüpft ■blieb. Vergangenheit des Judentums und jüdischen Strebens wirkten sich in seinem Wollen allerdings insöferne aus, als alles Gegen-, wärtige unbewußt die lange Ahnen reihe dahingegangener Generationen in■ sich trägt und als insbesondere ein Leben, das der Arbeit für das' historische Judentum gewidmet war, gar nicht anders denkbar ist als in bewußter Verbundenheit mit einem innigen und bestimmenden Respekte vor den Erlebnissen und den Leistungen derer, die vor uns waren. Zukunft wiederum war ebenfalls in dem gleichen Maß an seine Leistungen geheftet als auch ohne feste Zielsetzung von weiter Sicht künftiger Generationen im Schatten des Baumes, in dem er gepflanzt, gehegt und gepflegt hat, ruhen und von seinen Früchten genießen werden. Dennoch war alles, was Oberrabbiner Rabbi Kalman Weber זצ׳״ל ia den engeren und weiteren Zirkeln seiner Tätigkeit umkreist und umfaßt hat, seinem Wesenr nach l ebn ndi ge r Ge gen wart, dem sonnendurchglühten Heute, zujge- und die Anspruchslosigkeit seines Verhaltens in allen und die Anspruchslosigkeit seines Verhaltens in allen der weltbekannten Perückenwerkstätte pii msßm Wien t, käretntrrlne 6 Tel. U«4716״1״ . -א wm wache auf. Alle Behörden waren •vertreten. Zahlreiche